{"id":77929,"date":"2021-11-12T16:03:38","date_gmt":"2021-11-12T15:03:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77929"},"modified":"2021-11-12T18:35:24","modified_gmt":"2021-11-12T17:35:24","slug":"polenweissrussland-kann-aus-einer-fluechtlingskrise-ein-militaerischer-konflikt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77929","title":{"rendered":"Polen\/Wei\u00dfrussland &#8211; Kann aus einer Fl\u00fcchtlingskrise ein milit\u00e4rischer Konflikt werden?"},"content":{"rendered":"<p>Die EU beschuldigt den wei&szlig;russischen Pr&auml;sidenten Aleksander Lukaschenko, er betreibe mit staatlich organisierten Fl&uuml;chtlingstrecks &bdquo;hybride Kriegsf&uuml;hrung&ldquo; gegen die EU. Die neuen Spannungen zwischen der EU und Wei&szlig;russland, die sich an der Fl&uuml;chtlingsfrage entz&uuml;ndeten, beginnen jetzt auch in den milit&auml;rischen Bereich &uuml;berzuschwappen. Damit droht in Europa &ndash; nach der hei&szlig;en Phase im Donbass-Krieg 2014\/15 &ndash; erneut ein milit&auml;rischer Konflikt zwischen Russland und der Nato. Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWei&szlig;russland ist durch die Verteidigungsunion <a href=\"https:\/\/en.odkb-csto.org\/\">ODKB<\/a> mit Russland, Kasachstan, Tadschikistan und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken verbunden. Wenn vor der wei&szlig;russischen Grenze &ndash; nicht angek&uuml;ndigt &ndash; 13.000 polnische Soldaten aufmarschieren, um Fl&uuml;chtlinge abzuwehren, beunruhigt das Russland, dessen strategische TU-160-Langstreckenbomber am Donnerstag, begleitet von permanent in Wei&szlig;russland stationierten russischen Suchoi-30-Kampfflugzeugen, demonstrativ einen viereinhalbst&uuml;ndigen Patrouillenflug &uuml;ber Wei&szlig;russland absolvierten. Die Patrouille &ndash; so hie&szlig; es &ndash; wurde mit der wei&szlig;russischen Luftabwehr koordiniert.<\/p><p><strong>Putin will nicht zwischen EU und Lukaschenko vermitteln<\/strong><\/p><p>Nach Meinung der EU und der Bundesregierung tr&auml;gt Putin die Verantwortung, dass die Fl&uuml;chtlingskrise an der wei&szlig;russisch-polnischen Grenze beendet wird. Der russische Pr&auml;sident sei geradezu verpflichtet, Lukaschenko und &bdquo;seine Fl&uuml;chtlingstrecks&ldquo; zu stoppen. <\/p><p>Am Mittwoch gab es auf Wunsch von Berlin ein Telefongespr&auml;ch zwischen Merkel und Putin. Wie der Kreml in einer kurzen Notiz <a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/67088\">mitteilte<\/a>, lehnte der russische Pr&auml;sident ab, wie von Merkel gew&uuml;nscht, zwischen der EU und dem wei&szlig;russischen Pr&auml;sidenten zu vermitteln. In der Notiz des Kreml hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Pr&auml;sident Russlands schlug vor, einen direkten Dialog zwischen Vertretern der EU-Mitgliedstaaten und Minsk zu beginnen, um &uuml;ber die entstandenen Probleme in direkten Kontakten mit Vertretern der EU-Mitgliedsl&auml;nder und Minsk zu beraten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Doch der Westen scheint diplomatische Schritte nicht zu sch&auml;tzen und sch&uuml;rt die Spannungen. Am Mittwochabend meldete die US-Nachrichtenagentur Bloomberg, die EU plane Sanktionen gegen die gr&ouml;&szlig;te russische Fluggesellschaft Aeroflot, weil diese sich angeblich an der hybriden Kriegsf&uuml;hrung mit Fl&uuml;chtlingen beteilige. <\/p><p><strong>Alarmglocken bei Aeroflot<\/strong><\/p><p>Bei der gr&ouml;&szlig;ten russischen Fluggesellschaft Aeroflot l&auml;uteten die Alarmglocken. Die Aeroflot-Sprecherin, Julia Spiwakowa, wies den Vorwurf mit Entschiedenheit <a href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/politics\/11\/11\/2021\/618cdc9e9a7947efe1e20ec8\">zur&uuml;ck<\/a>. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Unsere Fluggesellschaft hat keine Linienfl&uuml;ge in den Irak und nach Syrien und auch keine Linienfl&uuml;ge zwischen Istanbul und Minsk. Auf diesen Strecken haben wir auch keine Charterfl&uuml;ge&ldquo;. Aeroflot werde &bdquo;mit allen gesetzlichen Mitteln&ldquo; gegen m&ouml;gliche Sanktionen vorgehen.\n<\/p><\/blockquote><p>Aeroflot teilte au&szlig;erdem mit, um sich auf russischem Territorium zu bewegen, br&auml;uchten B&uuml;rger aus dem Iran, dem Irak und Syrien Transit-Visa: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In der Zeit zwischen dem 1. Oktober und dem 10. November gab es nach den geltenden Visa-Bestimmungen von dem (Moskauer Flughafen) Scheremetjewo nach Minsk 19 Passagiere aus Beirut. Transit-Passagiere aus Syrien und dem Irak, die aus Taschkent, Istanbul oder Dubai nach Minsk wollten, wurde nicht festgestellt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Putins Sprecher Dmitri Peskow nannte die m&ouml;glichen Sanktionen gegen Aeroflot &bdquo;verr&uuml;ckt&ldquo;. Der stellvertretende Leiter des Komitees f&uuml;r internationale Beziehungen des russischen F&ouml;derationsrates, Wladimir Dschabarow, meinte, Russland k&ouml;nne als Antwort auf Sanktionen gegen Aeroflot seinen Luftraum f&uuml;r westliche Fluggesellschaften schlie&szlig;en. Diese seien &bdquo;wegen der geographischen Lage sehr abh&auml;ngig von Russland&ldquo;. <\/p><p><strong>Zu Fu&szlig; und mit dem Taxi?<\/strong><\/p><p>Seit dem 8. November gibt es Bilder von Fl&uuml;chtlingen, die sich in Fu&szlig;m&auml;rschen auf Autostra&szlig;en von Minsk in Richtung der wei&szlig;russischen Stadt Grodno bewegen. Die Stadt liegt nicht weit von der Grenze zu Polen. Die Entfernung zwischen Minsk und Grodno betr&auml;gt 276 Kilometer. Doch es ist unwahrscheinlich, dass die Fl&uuml;chtlinge mit Kindern und Gep&auml;ck nur zu Fu&szlig; gelaufen sind. Es gibt das Ger&uuml;cht, sie seien auch mit Taxis gefahren. <\/p><p>Auf wei&szlig;russischen <a href=\"https:\/\/t.me\/sashakots\/26676\">Videos<\/a> war zu sehen, dass die Fl&uuml;chtlinge von einzelnen Uniformierten begleitet wurden. Dass die Fl&uuml;chtlinge von wei&szlig;russischen Sicherheitskr&auml;ften Richtung Polen &bdquo;getrieben wurden&ldquo;, wie vier Friedensnobelpreistr&auml;gerinnen, unter ihnen auch Elfriede Jelinek, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Autorinnen-fordern-Handeln-wegen-Belarus\/!5814488&amp;s=belarus\/\">behaupteten<\/a>, daf&uuml;r gibt es keinerlei Belege.<\/p><p>Die Fl&uuml;chtlinge hatten auf ihrem Marsch M&uuml;tzen und warme Kleidung an. Auch trugen sie Schlafs&auml;cke und pers&ouml;nliche Sachen mit sich. Viele Frauen, Kinder und Jugendliche waren dabei. <\/p><p>Der Zugang f&uuml;r Journalisten in das Krisengebiet ist von der polnischen Seite verboten. Von der wei&szlig;russischen Seite berichten der russische Fernsehkanal Rossija sowie das russische Wirtschaftsportal RBK. Zudem postet der wei&szlig;russische Grenzschutz auf seiner Website Videos und Berichte. Diese Quellen waren die Grundlage f&uuml;r den vorliegenden Bericht. <\/p><p><strong>Polnische Soldaten versuchen Fl&uuml;chtlinge mit Nato-Draht und Reizgas zu stoppen<\/strong><\/p><p>Direkt vor der polnischen Grenze auf wei&szlig;russischem Gebiet kampieren seit Montag mehrere Tausend Fl&uuml;chtlinge aus dem Irak, aus Syrien, Afghanistan, aber auch aus Afrika. Sie kommen meist aus L&auml;ndern, in denen der Westen &bdquo;f&uuml;r seine Werte&ldquo; Krieg f&uuml;hrt. <\/p><p>Der wei&szlig;russische Grenzschutz ver&ouml;ffentlichte ein aus einem Hubschrauber aufgenommenes <a href=\"https:\/\/gpk.gov.by\/news\/gpk\/129588\/\">Video<\/a> (ab Minute 00:56), in dem zu sehen ist, dass Fl&uuml;chtlinge auf einem langen Streifen entlang des Grenzzauns ihre Zelte aufgeschlagen haben. Dies soll nur einer von mehreren Sammelpunkten sein, an denen sie Zelte aufgestellt haben. Fl&uuml;chtlinge &ndash; die Zahlen schwanken zwischen 2.500 und 4.000 &ndash; kampieren seit dem 8. November direkt vor einem mit mehreren Stacheldrahtrollen gesicherten Grenzzaun zu Polen. <\/p><p>Ein Vertreter der UNO erkl&auml;rt am Mittwoch in einem Fl&uuml;chtlingslager an der Grenze zu Polen, man habe mit dem Roten Kreuz Hilfe f&uuml;r die Fl&uuml;chtlinge organisiert. Man sei aber nicht daran interessiert, dass es an der Grenze zur Bildung eines dauerhaften Lagers kommt, &bdquo;weil die Zust&auml;nde nicht geeignet sind&ldquo;. <\/p><p><strong>Mit blutenden Wunden im Zelt<\/strong><\/p><p>Am Mittwoch gab es zwei Grenzdurchbr&uuml;che. Einem Teil der Gefl&uuml;chteten soll es gelungen sein, nach Polen zu kommen, ein anderer Teil wurde festgenommen. Am Donnerstag gab es einen weiteren Grenzdurchbruch, der nach Mitteilung aus Polen scheiterte. <\/p><p>Wie l&auml;uft ein Grenzdurchbruch? Mehrere kr&auml;ftige Fl&uuml;chtlinge brechen Birkenst&auml;mme und legen (<a href=\"https:\/\/t.me\/vzglyad_ru\/39102\">Video<\/a>) sie auf die mit Nato-Draht befestigte Grenze. Andere schneiden den Zaun mit Seitenschneidern auf (<a href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/politics\/10\/11\/2021\/618b051e9a79475fb824a279?\">Video<\/a>). <\/p><p>Polnische Polizei oder Soldaten &ndash; das ist nicht genau auszumachen &ndash; setzen Reizgas gegen Fl&uuml;chtlinge ein, die den Grenzzaun durchschneiden oder die Grenze &uuml;berqueren wollen (<a href=\"https:\/\/t.me\/infantmilitario\/62151\">Videos vom 9. November<\/a>).<\/p><p>Die Temperaturen an der Grenze zu Polen liegen nur leicht &uuml;ber null Grad. Um sich zu w&auml;rmen, haben die Fl&uuml;chtlinge zahlreiche Lagerfeuer entz&uuml;ndet. Alle Kinder seien erk&auml;ltet, notd&uuml;rftige humanit&auml;re und medizinische Hilfe w&uuml;rde geleistet, berichtet das Portal des wei&szlig;russischen Grenzschutzes. <\/p><p>Am Donnerstag starb nach Mitteilung des wei&szlig;russischen regierungskritischen Journalisten Igor Iljasch ein 14-j&auml;hriger Kurde an Unterk&uuml;hlung. Nach Angaben des Journalisten seien in den letzten Wochen schon &uuml;ber zehn, zwanzig Fl&uuml;chtlinge gestorben, teilweise an Unterk&uuml;hlung, teilweise beim Versuch, die Grenze zu &uuml;berqueren. <\/p><p>Am 10. November <a href=\"https:\/\/gpk.gov.by\/news\/gpk\/129468\/\">ver&ouml;ffentlichte<\/a> der wei&szlig;russische Grenzschutz ein Video, in dem zu sehen ist, wie mehrere Kurden mit blutenden Wunden in einem Zelt liegen. Die Kurden sollen von der polnischen Polizei durch den Stacheldraht zur&uuml;ck nach Wei&szlig;russland getrieben worden sein. <\/p><p><strong>Wei&szlig;russische Soldaten liefern Wasser und Konserven<\/strong><\/p><p>Ein Korrespondent des russischen Fernsehkanals Rossija erkl&auml;rte, es w&uuml;rden &bdquo;jeden Tag mehr&ldquo; Fl&uuml;chtlinge. Der Korrespondent zeigte auf einen Tanklastwagen mit Wasser, den die Stadt Grodno jeden Morgen neugef&uuml;llt im Fl&uuml;chtlingslager aufstelle. Auf anderen Videos war zu sehen, dass wei&szlig;russische Soldaten Plastik-Wasserflaschen zu den Fl&uuml;chtlingen transportierten (<a href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/photoreport\/10\/11\/2021\/618b7c879a79477d3c9d07d1\">Fotos<\/a>) und Konserven aus einem Lastwagen in die Menge warfen (<a href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/society\/11\/11\/2021\/618d146b9a79470d3bb61b88?from=newsfeed\">Video<\/a>), worauf es zu Schlachten um die Konserven kam. Nur die kr&auml;ftigsten Fl&uuml;chtlinge beteiligten sich am Gerangel um Nahrungsmittel. <\/p><p>Bei der Verteilung von Nahrungsmitteln sind einzelne wei&szlig;russische Uniformierte zu sehen. Aber sie scheuen sich offenbar, f&uuml;r Disziplin bei der Lebensmittelausgabe zu sorgen, denn das k&ouml;nnte ja der Behauptung Vorschub leisten, der Fl&uuml;chtlingstreck sei von staatlichen wei&szlig;russischen Stellen organisiert.<\/p><p><strong>Lukaschenko will Kinder und Schwangere in Sanatorien unterbringen<\/strong><\/p><p>Der wei&szlig;russische Pr&auml;sident Aleksander Lukaschenko k&uuml;ndigte am Donnerstag an, man &uuml;berlege, Kinder, Schwangere und vielleicht auch alle Frauen in Sanatorien unterzubringen.<\/p><p>Dass Aleksander Lukaschenko die Fl&uuml;chtlingstrecks organisiert hat, wurde bisher von keiner einzigen Stelle glaubhaft bewiesen. M&ouml;glich ist, dass Lukaschenko die Schlepper gew&auml;hren und nicht verfolgen l&auml;sst. Lukaschenko sieht offenbar keine Verpflichtung f&uuml;r sein Land, Fl&uuml;chtlinge aus L&auml;ndern, in denen westliche Staaten Krieg f&uuml;hren, von der Au&szlig;engrenze der EU fernzuhalten.<\/p><p><strong>EU in der Zwickm&uuml;hle<\/strong><\/p><p>Die EU wei&szlig; nun nicht, was sie machen soll. Es gibt diese unsch&ouml;nen Bilder von der wei&szlig;russisch-polnischen Grenze. Daf&uuml;r trage allein Lukaschenko die Verantwortung, hei&szlig;t es im deutschen Mainstream. Und was ist mit den Fl&uuml;chtlingen, die polnische Polizisten durch den Stacheldrahtzaun zur&uuml;cktreiben? Ist da auch Lukaschenko dran schuld? <\/p><p>Sanktionen gegen Wei&szlig;russland sind schon so gut wie ausgereizt. Im Mai war auf Befehl von Aleksander Lukaschenko ein Passagierflugzeug von Ryan Air mit dem wei&szlig;russischen Blogger und Neonazi Roman Protasewitsch an Bord zur Landung in Wei&szlig;russland gezwungen worden, weil er in der Ost-Ukraine in einem rechtsradikalen Bataillon <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72928\">gek&auml;mpft hatte<\/a>. Daraufhin hatte die EU Sanktionen gegen die wei&szlig;russische Fluggesellschaft Belavia verh&auml;ngt.<\/p><p><strong>Ein wei&szlig;russischer Regierungskritiker berichtet<\/strong><\/p><p>Es gibt in Russland Medien, welche auf die westliche Propaganda von  den &bdquo;organisierten Fl&uuml;chtlingstrecks&ldquo; eingeschwenkt sind. Dazu geh&ouml;rt der Kabelkanal &bdquo;Doschd&ldquo;, der vor allem von Angeh&ouml;rigen der Mittelschicht in den Gro&szlig;st&auml;dten gesehen wird. &bdquo;Lukaschenko hat die Fl&uuml;chtlinge nach Wei&szlig;russland gebracht&ldquo;, behauptete die &bdquo;Doschd&ldquo;-Moderatorin, ohne einen einzigen Beweis zu nennen. <\/p><p>Im Sender &bdquo;Doschd&ldquo; kam Igor Iljasch, ein Journalist aus Minsk, zu Wort. Er <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ad_42pgBBIk\">berichtete<\/a>, die Fl&uuml;chtlinge h&auml;tten sich schon seit Tagen vor ihrem Abmarsch nach Minsk um das Einkaufszentrum Galereja in Minsk versammelt, um sich dort mit warmer Kleidung und wei&szlig;russischen SIM-Karten zu versorgen. <\/p><p>Viele Menschen in Minsk h&auml;tten Mitgef&uuml;hl mit den Migranten. Viele h&auml;tten aber auch ein gespanntes Verh&auml;ltnis zu den Migranten. Das sei keine Ausl&auml;nderfeindlichkeit, sondern die &Uuml;berzeugung, dass Lukaschenko &bdquo;die Migranten in seiner Auseinandersetzung mit der EU benutzt&ldquo;. <\/p><p>Der Journalist berichtet weiter, die Fl&uuml;chtlinge s&auml;hen von ihrer Kleidung her nicht arm aus. Allerdings &uuml;bernachte ein Teil der Fl&uuml;chtlinge in Minsk auf der Stra&szlig;e, offenbar weil ihnen das Geld fehle. Russische Medien berichteten, die Fl&uuml;chtlinge h&auml;tten f&uuml;r ihr wei&szlig;russisches Visum 2.500 Dollar bezahlt.<\/p><p>Das Drama an der wei&szlig;russisch-polnischen Grenze und weitere Todesf&auml;lle durch Erfrieren k&ouml;nnte die EU sofort beenden. Stattdessen hat man sich offenbar darauf versteift, Lukaschenko in die Enge zu treiben. Doch das ginge nur, wenn Russland mitspielt. Aber Moskau steht selbst unter dem Druck des Westens und wird den Teufel tun, Lukaschenko in den R&uuml;cken zu fallen. <\/p><p>F&uuml;r das deutsche Fernsehen ist es wohl &auml;u&szlig;erst heikel, ausf&uuml;hrlich &uuml;ber die Leiden der Fl&uuml;chtlinge in Wei&szlig;russland zu berichten. Denn die Zuschauer k&ouml;nnten ja fragen, will Deutschland denn da gar nicht unb&uuml;rokratisch helfen? So l&auml;sst man es lieber und streut stattdessen Illusionen, wie, der Irak wolle seine Fl&uuml;chtlinge aus Wei&szlig;russland zur&uuml;ckholen. Doch dazu werden die Fl&uuml;chtlinge &ndash; so kurz vor ihrem Ziel &ndash; kaum bereit sein.  <\/p><p><strong>Polnische Einmischung in Wei&szlig;russland &ndash; Fass ohne Boden<\/strong><\/p><p>Was das Verh&auml;ltnis von Polen und Wei&szlig;russland betrifft, gibt es noch eine brisante historische Komponente. Die aktuellen Spannungen k&ouml;nnten von polnischen Nationalisten, die von einem Polen in den Grenzen von 1939 tr&auml;umen, ausgenutzt werden. Was viele Menschen in Deutschland heute nicht wissen oder einfach vergessen haben: Ein Teil des &ouml;stlichen Polens geriet 1945 auf Beschluss der Siegerm&auml;chte des Zweiten Weltkrieges an die Sowjetunion und ist heute wei&szlig;russisches Gebiet. Als Ausgleich erhielt Polen von den Siegerm&auml;chten 1945 die deutschen Gebiete Schlesien und Pommern. Polen r&uuml;ckte also nach dem Zweiten Weltkrieg &bdquo;nach Westen&ldquo;. <\/p><p>Warschau sieht sich heute als wichtigster Unterst&uuml;tzer wei&szlig;russischer Bewegung gegen den &bdquo;Diktator Lukaschenko&ldquo;. Auf polnischem Gebiet gibt es ein ganzes Netz von staatlich unterst&uuml;tzten Internet-Portalen und humanit&auml;ren Einrichtungen, welche die Opposition in Wei&szlig;russland unterst&uuml;tzen. Die polnische Einmischung in die inneren Angelegenheiten Wei&szlig;russlands kann ein Fass ohne Boden werden. <\/p><p>Titelbild: Roman_studio \/ Shutterstock<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/12871dd455fb4292988e2ddd779ed622\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU beschuldigt den wei&szlig;russischen Pr&auml;sidenten Aleksander Lukaschenko, er betreibe mit staatlich organisierten Fl&uuml;chtlingstrecks &bdquo;hybride Kriegsf&uuml;hrung&ldquo; gegen die EU. Die neuen Spannungen zwischen der EU und Wei&szlig;russland, die sich an der Fl&uuml;chtlingsfrage entz&uuml;ndeten, beginnen jetzt auch in den milit&auml;rischen Bereich &uuml;berzuschwappen. Damit droht in Europa &ndash; nach der hei&szlig;en Phase im Donbass-Krieg 2014\/15 &ndash; erneut<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77929\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":77930,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,37],"tags":[1055,2939,799,915,259,2940,1019],"class_list":["post-77929","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-globalisierung","tag-fluechtlinge","tag-lukaschenko-alexander","tag-polen","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-weissrussland","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/shutterstock_2072582135.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/77929","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=77929"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/77929\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77945,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/77929\/revisions\/77945"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/77930"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=77929"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=77929"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=77929"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}