{"id":78030,"date":"2021-11-16T14:37:03","date_gmt":"2021-11-16T13:37:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78030"},"modified":"2021-11-17T07:18:16","modified_gmt":"2021-11-17T06:18:16","slug":"belarus-druck-und-gegendruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78030","title":{"rendered":"Belarus: Druck und Gegendruck"},"content":{"rendered":"<p>Zur L&ouml;sung des Fl&uuml;chtlingsproblems an der belorussisch-polnischen Grenze setzen Deutschland und die EU auf Sanktionen. Dadurch versch&auml;rfen sie die Situation, denn Verhandlungen werden schwierig, wenn nicht gar unm&ouml;glich, wenn die andere Seite gedem&uuml;tigt wird. Von <strong>Irmtraud Gutschke<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3465\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-78030-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211116-Belarus-Druck-und-Gegendruck-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211116-Belarus-Druck-und-Gegendruck-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211116-Belarus-Druck-und-Gegendruck-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211116-Belarus-Druck-und-Gegendruck-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=78030-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211116-Belarus-Druck-und-Gegendruck-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211116-Belarus-Druck-und-Gegendruck-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Sie wollen nach Deutschland oder in ein anderes wohlhabendes Land, auch wenn sie jetzt im Novemberwetter an der polnischen Grenze ausharren. Dazu mussten zahlreiche der Fl&uuml;chtlinge mutma&szlig;lich nicht &bdquo;gerufen&ldquo; werden, denn viele haben schon Verwandte und Bekannte hier, und alle verbinden ihre Hoffnungen mit den Bildern hiesigen Wohlstands, der sich krass von dem unterscheidet, was diese Menschen zu Hause erleben. Nicht zuletzt durch das Internet sind sie l&auml;ngst mit uns verbunden. <\/p><p>Die von den meisten Medien hierzulande gen&auml;hrte Vorstellung, Pr&auml;sident Lukaschenko h&auml;tte sie ins Land &bdquo;geholt&ldquo;, kann noch nicht abschlie&szlig;end beurteilt werden, erscheint aber naiv. Flucht zu organisieren, ist l&auml;ngst zum Kommerz geworden. Wer in Deutschland seine Familienangeh&ouml;rigen nachholen will, das betrifft ja nicht nur Frau und Kinder, kann herausbekommen, wie das zu bewerkstelligen und was daf&uuml;r zu bezahlen ist. Und auch vor Ort gibt es Netzwerke. Ohne dass Geld geflossen w&auml;re, h&auml;tten es viele der Fl&uuml;chtenden wohl nicht an diese Grenze geschafft. <\/p><p><strong>Sollen Menschen etwa aussortiert werden?<\/strong><\/p><p>Seit Monaten schon geht die T&uuml;rkei milit&auml;risch gegen kurdische Milizen in Nordirak vor. Viele der vor Polen Gestrandeten sollen aus diesen Gegenden stammen. Die T&uuml;rkei schottet sich gegen sie ab. Mit mehreren Fl&uuml;gen nach Minsk pro Tag sei Istanbul ein Sprungbrett f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge aus dem Nahen Osten, hei&szlig;t es auf &bdquo;Focus online&ldquo;. Ob Erdogan mit Lukaschenko gemeinsame Sache macht, wird gemutma&szlig;t. Dabei wird die Tatsache umgangen, dass der Westen mit seiner kriegerischen Destabilisierungspolitik im Nahen Osten die Fluchtursachen erst geschaffen hat, die jetzt beklagt werden. <\/p><p>Die belorussischen bzw. russischen Fluglinien &bdquo;Belavia&ldquo; und sogar die &bdquo;Aeroflot&ldquo; zu beschuldigen, sie h&auml;tten mutma&szlig;liche Fl&uuml;chtlinge transportiert, erscheint unglaubw&uuml;rdig. Wird da etwa verlangt, im weltweiten Luftverkehr von vornherein Menschen auszusortieren, die aus armen, kriegsversehrten Gebieten kommen?  Irgendwie haben sie sich Visa beschafft und ein Ticket gekauft. Sind sie da nicht gleichberechtigt mit allen anderen? <\/p><p><strong>Lukaschenko hat Fl&uuml;ge nach Deutschland angeboten<\/strong><\/p><p>Inzwischen hat der Irak einen Sonderflug f&uuml;r Landsleute angek&uuml;ndigt, die vor der polnischen Grenze kampieren. So sie es w&uuml;nschen. Aber wollen sie zur&uuml;ck, nachdem sie es mit so vielen Entbehrungen vor die Tore der EU geschafft haben? Lukaschenko hat Fl&uuml;ge per &bdquo;Belavia&ldquo; nach Deutschland angeboten. In dieser verfahrenen Situation w&auml;re das eine L&ouml;sung, die deutscher Politik freilich eine Last aufb&uuml;rdet, welche ihr auf die F&uuml;&szlig;e fallen kann. Dass ein solches humanes Vorgehen von verschiedenen Seiten &ouml;ffentlich gefordert wird und mehrere St&auml;dte die Bereitschaft bekundeten, Migranten aufzunehmen, vollzieht sich in einer Situation wabernden Grolls gegen &bdquo;die da oben&ldquo; und w&uuml;rde rechtspopulistische Kr&auml;fte definitiv st&auml;rken. Denn die Furcht, dass immer weitere kommen k&ouml;nnten, l&auml;sst sich nicht wegreden. Wenn es am Ende doch geschehen muss, so wohl lieber nicht durch ein Dutzend in Berlin landende &bdquo;Belavia&ldquo;-Maschinen, die dann in der &bdquo;Tagesschau&ldquo; zu sehen sind, sondern anders, intelligenter.<\/p><p>Intelligenter? W&auml;hrend so viel politische Dumpfheit am Werk ist? In diplomatischen Kreisen mag es kluge Leute geben, die diese Krise durchschauen und &uuml;ber L&ouml;sungswege nachdenken. Doch scheinen sie nicht zu denen vorzudringen, welche die Entscheidungsmacht haben. Das muss eine schreckliche Situation sein, mitansehen zu m&uuml;ssen, wie ein au&szlig;enpolitischer Fehler nach dem anderen gemacht wird. <\/p><p><strong>F&uuml;nftes Sanktions-Paket als &bdquo;klare Botschaft&ldquo;<\/strong><\/p><p>Gerade haben die EU-Au&szlig;enminister in Br&uuml;ssel ein f&uuml;nftes Paket von Sanktionen beschlossen, um eine &bdquo;klare Botschaft&ldquo; nach Minsk zu senden. Wie l&auml;cherlich! Die Cowboys drohen mit ihren Pistolen. Was soll &bdquo;Minsk&ldquo; jetzt machen? Schnell ein D&ouml;rfchen bauen f&uuml;r 2000 Leute (wie viele sind es eigentlich wirklich?) mit Rundumversorgung und mit Stacheldraht umz&auml;unt? Mit medizinischem Personal und Wachposten nat&uuml;rlich. Und die Menschen dorthin schaffen? Freiwillig gehen sie nicht, denn sie wollen ja in die EU. <\/p><p>Tats&auml;chlich ist, was viele nicht wissen, am 1. Juli 2020 ein &bdquo;Visa- und ein R&uuml;ck&uuml;bernahmeabkommen&rdquo; zwischen der EU und Belarus in Kraft getreten, das die &bdquo;sichere und geordnete R&uuml;ckkehr von Personen&ldquo; meint, &bdquo;die sich irregul&auml;r in der EU oder in Belarus aufhalten&ldquo;. Best&uuml;nde es noch, k&ouml;nnte besprochen werden, wie am besten mit der Situation umzugehen ist.<\/p><p>Doch im August 2020 &auml;nderte sich alles. Alexander Lukaschenko gewann die Wahl mit 80,23 Prozent. &bdquo;F&auml;lschung&ldquo; hie&szlig; es aus dem Westen. Die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja (9,9 Prozent) h&auml;tte man lieber gesehen. Zwei Tage nach der Wahl reiste sie nach Litauen aus und trommelt seitdem bei der EU und in den USA (wo sie &uuml;berall in Ehren empfangen wurde) f&uuml;r Sanktionen gegen ihr Land. Man fragt sich ja, wie der Westen je auf sie setzen konnte. Offensichtlich ist eine geopolitische Rechnung nicht aufgegangen. Lukaschenko, der f&uuml;r Russlands Pr&auml;sident Putin mitunter auch ein schwieriger Partner war, schloss sich diesem nun enger an, ohne allerdings Abstriche an seiner Souver&auml;nit&auml;t zuzulassen.<\/p><p><strong>Das Feindbild ist stabil<\/strong><\/p><p>Den Sanktionen der EU und der USA nach der Wahl 2020 folgten weitere wegen der angeblich erzwungenen Landung eines Ryanair-Flugzeuges auf dem Flug von Athen nach Vilnius im Mai dieses Jahres. Der Oppositions-Aktivist Roman Protassewitsch war dabei in Minsk verhaftet worden. Inzwischen ist er wieder frei. Lukaschenko wolle dadurch die Opposition spalten, hie&szlig; es in der &bdquo;taz&ldquo;. Was er auch tut, das Feindbild ist stabil.<\/p><p>Wie weitreichend die Wirtschaftssanktionen gegen Belarus inzwischen sind, ist auf der Webseite des Europarates im Detail verzeichnet. Um Ausfuhrbeschr&auml;nkungen f&uuml;r zahlreiche wichtige G&uuml;ter geht es ebenso wie um Einschr&auml;nkungen beim Zugang zu den Kapitalm&auml;rkten der EU. &bdquo;Schlie&szlig;lich wird die Europ&auml;ische Investitionsbank weder Auszahlungen noch Zahlungen im Rahmen von bestehenden Vereinbarungen in Bezug auf Vorhaben im &ouml;ffentlichen Sektor t&auml;tigen, und sie wird alle bestehenden Dienstleistungsvertr&auml;ge &uuml;ber technische Hilfe aussetzen.&ldquo; Das ist der Hintergrund von Lukaschenkos Verlautbarung, sein Land habe weder die Mittel noch das Geld, um die Fl&uuml;chtlinge zu stoppen.   <\/p><p><strong>Vorgeschichte einer verfahrenen Situation<\/strong><\/p><p>Die Finanzierung von Projekten in Belarus zur St&auml;rkung des Grenzschutzes und zum Bau von Fl&uuml;chtlingsunterk&uuml;nften wurde also abgebrochen. Dass Minsk daraufhin bereits im Juni dieses Jahres das  R&uuml;cknahmeabkommen mit der EU aussetzte, geh&ouml;rt unbedingt zur Vorgeschichte der momentan verfahrenen Situation. Voller Hochmut hat man sie nicht kommen sehen. Im Oktober schlug Innenminister Seehofer im Kabinett Alarm. &bdquo;An der deutsch-polnischen Grenze wurden im Zuge intensivierter Binnengrenzfahndungsma&szlig;nahmen bereits &uuml;ber 5700 Fl&uuml;chtlinge und Migranten unter anderem mit Visa f&uuml;r und Einreisestempeln von Belarus festgestellt&ldquo;, wird er von der Deutschen Welle zitiert. Die Zahlen w&uuml;rden &bdquo;stetig&ldquo; steigen. Derzeit warteten &bdquo;circa 15 000 Migranten in Belarus auf eine Weiterreise nach Westen&rdquo;.<\/p><p>15 000 im Oktober, 2000 jetzt? Auf jeden Fall nicht sofort haben deutsche Medien in Richtung jener Panikmache geschwenkt, die manchmal schon an Kriegsberichterstattung denken l&auml;sst. &bdquo;Iraker festgenommen: Fl&uuml;chtlinge durchbrechen Grenze nach Polen&ldquo; (&bdquo;Ntv&ldquo;), &bdquo;Europa braucht einen Zaun an der Grenze zu Belarus&ldquo; (&bdquo;Der Spiegel&ldquo;), &bdquo;Balten rufen EU zum Handeln auf&ldquo; (&bdquo;FAZ Net&ldquo;). <\/p><p><strong>Will man etwa einen Krieg riskieren?<\/strong><\/p><p>Der Opferstatus schwei&szlig;t einen Staat zusammen. Polen sieht sich &auml;u&szlig;erer Bedrohung ausgesetzt und ruft nach NATO-Beistand. Will man etwa einen Krieg riskieren? 15 000 Milit&auml;rangeh&ouml;rige wurden an die Grenze verlegt. Gegen 2000 Migranten? Laut RT Deutsch hat der polnische Verteidigungsminister Mariusz B&#322;aszczak best&auml;tigt, dass britische Truppen beim Bau einer Grenzmauer helfen sollen. Der britische Verteidigungsminister wird zum Besuch erwartet. Wieso nun die Briten, die gar nicht mehr in der EU sind? Auch die Ukraine will Grenzschutzbeamte und Offiziere der Nationalgarde nach Polen schicken. <\/p><p>Zuvor hatte die Russische F&ouml;deration best&auml;tigt, dass im Rahmen von Milit&auml;r&uuml;bungen in der N&auml;he der Stadt Grodno ein Kontingent von Fallschirmj&auml;gern &uuml;ber Wei&szlig;russland abgesetzt wurde. Am Donnerstag hat Moskau (laut RT)  atomwaffenf&auml;hige &Uuml;berschallbomber im Rahmen einer Langstrecken-Trainingsmission in den belarussischen Luftraum entsandt. Die USA r&uuml;sten die Ukraine weiter auf und pr&uuml;fen weitere antirussische Sanktionen. Der ukrainische Verteidigungsminister wird im Pentagon erwartet. Derweil kreuzen US-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer. Die 2000 Migranten als Brandbeschleuniger eines sich zuspitzenden internationalen Konflikts? <\/p><p><strong>Merkel und Putin<\/strong><\/p><p>Erst Ende Oktober hat ein gemeinsames Kollegium der Verteidigungsministerien von Russland und Belarus das Zusammenwirken bekr&auml;ftigt, das im Rahmen eines Integrationsabkommens l&auml;ngst festgelegt ist. Und auf &bdquo;Ria Novosti&ldquo; gab es gerade jetzt mehrere Zitate Lukaschenkos, der auf seine Freundschaft mit Putin verweist, weil sie beide &bdquo;von ganz unten&ldquo; gekommen sind und eine gemeinsame Sprache sprechen. <\/p><p>Zweimal hat Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem russischen Pr&auml;sidenten telefoniert. Albrecht M&uuml;ller hat zu Recht darauf verwiesen, dass dabei &bdquo;die im Westen ausgedachte Botschaft&ldquo; untermauert wurde, Russland stecke hinter der &sbquo;Schleusert&auml;tigkeit&lsquo; des wei&szlig;russischen &sbquo;Machthabers&lsquo;, wie man hierzulande sagt&ldquo;. Putin reagierte entsprechend, verwies auf die Souver&auml;nit&auml;t von Belorussland und mahnte Verhandlungen mit der dortigen F&uuml;hrung an. Doch weil Merkel sich hilfesuchend an ihn wandte: Hat sich im Hintergrund wom&ouml;glich doch etwas getan?<\/p><p><strong>Heiko Maas kn&uuml;pft Dialog an &bdquo;Kurswechsel&ldquo;<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich w&auml;re es vonn&ouml;ten, dass die Bundeskanzlerin sich mit dem belorussischen Pr&auml;sidenten zusammensetzt. Doch wie soll dies gelingen, wenn ihr Au&szlig;enminister die ganze Zeit nach neuen Sanktionen ruft? Von Lukaschenko k&auml;me keine Reaktion, verlautbarte sie, um ihre Anrufe bei Putin zu begr&uuml;nden. Wenn Heiko Maas den dringend notwendigen Dialog mit Minsk allerdings an die Bedingung kn&uuml;pft, dass dort ein &bdquo;Kurswechsel&ldquo; stattfindet, gibt es keine Chance.<\/p><p>Was da inzwischen zerst&ouml;rt wurde, wie ist es noch zu kitten? Angela Merkel d&uuml;rfte wissen, dass Sanktionen eher das Gegenteil des Beabsichtigten bewirken. Dialektisches Einmaleins: Druck erzeugt Gegendruck &ndash; Kr&auml;nkung, Trotz, Abwehr oder Schlimmeres. Hat sie das mal laut ausgesprochen? Davon ist nichts bekannt. Kann sie &uuml;berhaupt in diese Richtung befriedend wirken, wenn Washington auf Teufel komm raus einen Keil zwischen Deutschland\/EU und Russland treiben will? Ist Merkel Teil dieses Keils? Wird eine k&uuml;nftige Bundesregierung diesbez&uuml;glich wom&ouml;glich noch willf&auml;hriger sein?<\/p><p><strong>Sanktionen: Hat diese &bdquo;Erziehungsmethode&ldquo; schon je &bdquo;Bekehrung&ldquo; gebracht?<\/strong><\/p><p>Sanktionen sind in Mode gekommen. Man hat schon gar keinen &Uuml;berblick mehr, wie viele L&auml;nder auf diese Weise den Kn&uuml;ppel des Westens zu sp&uuml;ren bekommen haben. Hat diese &bdquo;Erziehungsmethode&ldquo; schon je &bdquo;Bekehrung&ldquo; gebracht? Oder schenkte sie den politischen Akteuren nicht in erster Linie blo&szlig; die Genugtuung, irgendwie agiert zu haben, um in der &Ouml;ffentlichkeit das Gesicht zu wahren?<\/p><p>Sein Gesicht wahren muss allerdings auch Alexander Lukaschenko. Nicht nur sein starkes Ego, auch die Bev&ouml;lkerung seines Landes verlangt das von ihm. Was f&uuml;r eine Dem&uuml;tigung die Sanktionen gegen Belarus f&uuml;r ihn pers&ouml;nlich sind, wird im Westen untersch&auml;tzt. Wie &uuml;berhaupt die emotionale Seite von Politik, die vielleicht umso bedeutsamer wird, je weiter man nach Osten kommt: Achtung gegen&uuml;ber dem Anderen inklusive Akzeptanz unterschiedlicher Positionen ist die Voraussetzung einer gedeihlichen Lage f&uuml;r alle. Im Westen aber sonnt man sich in einer &Uuml;berheblichkeit, die dabei ist, ihre Voraussetzungen zu verlieren. Vielleicht ist es ja sogar so, dass die Pose der St&auml;rke eine krisenhafte Lage &uuml;berspielen will.<\/p><p><strong>Gelten &bdquo;Menschenrechte&ldquo; an der EU-Au&szlig;engrenze?<\/strong><\/p><p>Die Gaslieferungen von Russland nach Europa &uuml;ber die Jamal-Pipeline zu durchbrechen, wie Lukaschenko vage androhte, so weit wird es hoffentlich nicht kommen, obwohl er dazu in der Lage w&auml;re. Ein diesbez&uuml;gliches Gespr&auml;ch mit Putin soll laut &bdquo;Ria Novosti&ldquo; gerade stattgefunden haben. Aber ein Schusswechsel an der Grenze muss nicht von ganz oben befohlen sein. Wer garantiert, dass es nicht zu einer Eskalation kommt?<\/p><p>Und derweil lagern M&auml;nner, Frauen und Kinder in der K&auml;lte. Heiko Maas bekundete gerade in der &bdquo;Tagesschau&ldquo;, dass Deutschland sie keinesfalls aufnehmen werde. &bdquo;Menschenrechte&ldquo; &ndash; wie viele Interventionen sind mit diesem Kampfbegriff des Westens gerechtfertigt worden. Ganz offensichtlich gelten &bdquo;Menschenrechte&ldquo; an der EU-Au&szlig;engrenze nicht mehr. Wir sind dabei, unsere humanen Werte zu verraten. Das wird uns auf die F&uuml;&szlig;e fallen.<\/p><p><strong>Merkel spricht mit Lukaschenko<\/strong><\/p><p>Der f&uuml;r die Nacht zum Dienstag von polnischer Seite prophezeite Grenzdurchbruch der Migranten (gegen eine solche milit&auml;rische &Uuml;bermacht?) hat wohl nicht stattgefunden. Andererseits berichten Medien aktuell von Eskalationen an der Grenze und dem Einsatz von Wasserwerfern gegen Fl&uuml;chtlinge durch Polen. <\/p><p>Und Angela Merkel hat 50 Minuten lang mit Alexander Lukaschenko telefoniert, wie der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, mitteilte. Gr&uuml;nenpolitiker Nouripour nannte das erwartungsgem&auml;&szlig; ein &raquo;verheerendes Signal&laquo;. Laut &bdquo;Sputnik Belarus&ldquo; habe Lukaschenko konkrete Vorschl&auml;ge zur L&ouml;sung des Problems gemacht, die erst verlautbart werden, wenn Merkel sie &bdquo;mit Mitgliedern der EU&ldquo; diskutiert hat.  <\/p><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/gruene-kritisieren-angela-merkels-telefonat-mit-alexander-lukaschenko-a-4ea2c08d-9111-4488-824f-5c2c46b4ea11?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph\">https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/gruene-kritisieren-angela-merkels-telefonat-mit-alexander-lukaschenko-a-4ea2c08d-9111-4488-824f-5c2c46b4ea11?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph<\/a> <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/lage-an-belarussischer-grenze-eskaliert-polen-setzt-wasserwerfer-gegen-migranten-ein-L3CG76RGTVFNGFKE5FF7PBJDR4.html\">https:\/\/www.rnd.de\/politik\/lage-an-belarussischer-grenze-eskaliert-polen-setzt-wasserwerfer-gegen-migranten-ein-L3CG76RGTVFNGFKE5FF7PBJDR4.html<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/gemeinsame-sache-mit-lukaschenko-im-belarus-streit-waechst-der-druck-auf-erdogan_id_24416582.html\">https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/gemeinsame-sache-mit-lukaschenko-im-belarus-streit-waechst-der-druck-auf-erdogan_id_24416582.html<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Blogger-Protassewitsch-auf-Twitter\/!5780832\/\">https:\/\/taz.de\/Blogger-Protassewitsch-auf-Twitter\/!5780832\/<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/policies\/eastern-partnership\/belarus\/\">https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/policies\/eastern-partnership\/belarus\/<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/seehofer-will-deutsch-polnische-patrouillen-an-der-grenze\/a-59561054\">https:\/\/www.dw.com\/de\/seehofer-will-deutsch-polnische-patrouillen-an-der-grenze\/a-59561054<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/international\/127174-telefonate-merkel-lukaschenko-macron-putin-krise-polnische-grenze\/\">https:\/\/de.rt.com\/international\/127174-telefonate-merkel-lukaschenko-macron-putin-krise-polnische-grenze\/<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/ria.ru\/20211116\/nato-1759269239.html\">https:\/\/ria.ru\/20211116\/nato-1759269239.html<\/a><\/p><p>Titelbild: Von LukeOnTheRoad \/ Shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur L&ouml;sung des Fl&uuml;chtlingsproblems an der belorussisch-polnischen Grenze setzen Deutschland und die EU auf Sanktionen. 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