{"id":78082,"date":"2021-11-18T08:56:35","date_gmt":"2021-11-18T07:56:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78082"},"modified":"2022-02-14T11:52:59","modified_gmt":"2022-02-14T10:52:59","slug":"vorbild-schweiz-wir-brauchen-eine-wirklich-integrierte-bahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78082","title":{"rendered":"Vorbild Schweiz. \u201eWir brauchen eine wirklich integrierte Bahn!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Katze ist aus dem Sack. Was vor der Bundestagswahl nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde, wird nach dem Urnengang pl&ouml;tzlich offen debattiert: Die Aufspaltung der Deutschen Bahn in die Bereiche Netz und Betrieb. Die Monopolkommission will es so, Gr&uuml;ne und FDP auch, nur die SPD als dritter Part der wohl kommenden Regierungskoalition ziert sich noch &ndash; nicht aus Prinzip, sondern aus R&uuml;cksichtnahme auf gewerkschaftliche Befindlichkeiten. Die k&ouml;nnte sich nach dem Amtseid schnell erledigt haben, zumal auch die organisierten Lokf&uuml;hrer und der &bdquo;Fahrgastverband Pro Bahn&ldquo; mit der DB-Zerschlagung lieb&auml;ugeln. <b>Hendrik Auhagen<\/b> vom B&uuml;ndnis &bdquo;Bahn f&uuml;r Alle&ldquo; h&auml;lt das f&uuml;r die weitaus schlechtere von zwei Alternativen zum Status quo einer M&ouml;chtegern-B&ouml;rsenbahn, f&uuml;r die Fahrg&auml;ste und Schienen nur Profitfaktoren sind. Im Interview mit den NachDenkSeiten zeigt er sich &uuml;berzeugt: Das beste Rezept gegen Privatisierungen und f&uuml;r eine echte Verkehrswende ist einheitlicher Betrieb. Mit ihm sprach <b>Ralf Wurzbacher<\/b>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7008\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-78082-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211118_Vorbild_Schweiz_Wir_brauchen_eine_wirklich_integrierte_Bahn_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211118_Vorbild_Schweiz_Wir_brauchen_eine_wirklich_integrierte_Bahn_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211118_Vorbild_Schweiz_Wir_brauchen_eine_wirklich_integrierte_Bahn_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211118_Vorbild_Schweiz_Wir_brauchen_eine_wirklich_integrierte_Bahn_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=78082-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211118_Vorbild_Schweiz_Wir_brauchen_eine_wirklich_integrierte_Bahn_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211118_Vorbild_Schweiz_Wir_brauchen_eine_wirklich_integrierte_Bahn_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><b>Herr Auhagen, dieser Tage hat der noch gesch&auml;ftsf&uuml;hrende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor einer Zerschlagung der Deutschen Bahn (DB) gewarnt. Anlass sind &Uuml;berlegungen, den Konzern in die Bereiche Netz und Betrieb mit dem Ziel aufzuspalten, den Wettbewerb auf der Schiene zu st&auml;rken. Nicht nur hat dies zuletzt die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/aufspaltung-bahn-101.html\">Monopolkommission<\/a> empfohlen, auch die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/bahn-umbau-ampel-koalition-1.5457611\">Koalitionspartner in spe<\/a> SPD, Gr&uuml;ne und FDP ziehen das Rezept ernsthaft in Betracht. Aber nicht mit Scheuer: Wer so verfahre,  <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/bundesverkehrsminister-scheuer-warnt-vor-aufspaltung-der-bahn-17621451.html\">&bdquo;gef&auml;hrdet das Unternehmen und Interessen unseres Landes&ldquo;<\/a><\/b>, <b>meint er. Sind Sie eigentlich dankbar f&uuml;r so einen &bdquo;B&uuml;ndnispartner&ldquo;?<\/b><\/p><p>Schlechte und vor allem scheinbare Verb&uuml;ndete sind manchmal sch&auml;dlicher f&uuml;r die Sache als Gegner. Scheuer w&uuml;rde ich eher in der Tradition der integrierten Privatisierung sehen. Zu dieser Politik geh&ouml;ren die weltweiten Auslandsengagements der DB, die erkl&auml;rterma&szlig;en auf Gewinnerzielung und nicht auf gemeinn&uuml;tzigen Bahnverkehr in Deutschland ausgerichtet sind. Dagegen hat Scheuer in seiner Amtszeit nichts unternommen. Dieser aus der Mehdorn-Zeit stammende Integrationsbegriff hatte das Ziel, die heimische Bahn-Infrastruktur auszuschlachten &ndash; zur Schaffung eines Global Players.<\/p><p><b>Man male sich aus, wie demn&auml;chst CDU\/CSU im Bundestag auf die &bdquo;b&ouml;sen&ldquo; Privatisierer von Rot-Gr&uuml;n-Gelb losgehen, um den Staatskonzern vorm Zugriff gieriger Investoren zu bewahren. Oder reicht Ihre Phantasie doch nicht so weit?<\/b><\/p><p>Das k&ouml;nnte sein. Aber ich m&ouml;chte vor der klassischen linken Schablone warnen, dass Konservative automatisch und per se f&uuml;r Privatisierung seien. Es gab und gibt in der CDU neben neoliberalen Tendenzen auch solche f&uuml;r ein gutes Gemeinwesen. Und damit eine verhaltene Kritik am Verlust von Post&auml;mtern und kleinen Bahnh&ouml;fen gerade in der Fl&auml;che. Und umgekehrt passiert es immer wieder, dass kulturell knackige Links-Gr&uuml;ne &ndash; wie in Berlin bei der S-Bahn &ndash; Privatisierungen dulden, wenn nicht sogar aktiv bef&ouml;rdern. Auch der Wechsel von Helmut Kohl zu Gerhard Schr&ouml;der war nicht der von neoliberal zu Gemeinwesen-Orientiertheit.<\/p><p><b>Egal ob mit oder ohne die Union. Widerstand gegen die absehbar kommende Bahn-Reform erscheint angesichts der begonnenen Diskussion dringend angezeigt. Oder wie sch&auml;tzen Sie die Lage ein?<\/b><\/p><p>Alle &ndash; auch bei &bdquo;Bahn f&uuml;r Alle&ldquo; &ndash; sind sich einig, dass sich bei der Bahn etwas tiefgreifend &auml;ndern muss. Die Frage ist: In welche Richtung? Und da ist die obsessive Fixierung auf das Patentrezept &bdquo;Wettbewerb&ldquo; bei der FDP ein gef&auml;hrlicher Faktor. Um so mehr, als auch der als &bdquo;links&ldquo; firmierende Gr&uuml;ne Anton Hofreiter an die heilende Wirkung des Wettbewerbs auf der Schiene glaubt, durchaus in diesem religi&ouml;sen Sinne einer faktenresistenten Jenseitsorientierung.<\/p><p><b>Bliebe als letzte Hoffnung die SPD. Die soll ja aus R&uuml;cksichtnahme auf gewerkschaftliche Befindlichkeiten, im Speziellen wegen ihrer N&auml;he zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), vor einem allzu radikalen Schritt zur&uuml;ckschrecken. Was geben Sie darauf?<\/b><\/p><p>Ich bef&uuml;rchte da einen falschen Gegensatz des &bdquo;Entweder alles lassen, wie es ist&ldquo; &ndash; DB, EVG und SPD &ndash; und der Position der Gr&uuml;nen, die aus einem richtigen Antiimpuls das Falsche schlie&szlig;en, also aus den negativen Erfahrungen mit der real existierenden dominierenden DB heraus den Wettbewerb fordern. Anstelle dieses falschen Gegensatzes brauchen wir ein erneuertes Konzept von Gemeinwohl-Unternehmen insbesondere bei der Bahn.<\/p><p><b>Wie k&ouml;nnte das aussehen? <\/b><\/p><p>Ich wohne in Konstanz mit einem deutschen und zugleich Schweizer Bahnhof und habe so die Alternative vor der Nase. Es war und ist auff&auml;llig, wie viel motivierter und f&auml;higer die Schweizer Eisenbahngesellschaften &ndash; alle gemeinn&uuml;tzig &ndash; und auch ihre Besch&auml;ftigten sind. Und ich kenne ziemlich gut Griechenland, den &ouml;ffentlichen Dienst dort und auch die Vorkrisen-Bahn, die ebenso wie die Schweizer Bahn eine integrierte Bahn war. Trotzdem sind das zwei v&ouml;llig andere Mentalit&auml;ten: Im griechischen &ouml;ffentlichen Dienst findet sich h&auml;ufig die Mentalit&auml;t von Machtposition und Pfr&uuml;nden, in der Schweiz ein ausgepr&auml;gtes Bewusstsein einer im guten Sinne dienenden Funktion. In den guten Zeiten Griechenlands verrotteten neue Elektroloks jahrelang auf Abstellgleisen und es kam zu n&auml;chtlichen Leerfahrten mit G&uuml;terz&uuml;gen &ndash; nur der hohen Nachtzuschl&auml;ge wegen. Also nur auf die formale Struktur zu schauen, ist zu wenig.<\/p><p><b>Was dann? <\/b><\/p><p>Wer im System Schiene das falsche Wettbewerbsprinzip verhindern will, muss auch nach solchen Strukturen schauen, die eine intrinsische Motivation, also eine auf die Sache und nicht auf den Gewinn ausgerichtete, f&ouml;rdern. Das sind neben guter Bezahlung vor allem die Gestaltungsm&ouml;glichkeiten, die R&uuml;ckmeldung auf die Anstrengung und die Identifikation mit den Menschen, f&uuml;r die man arbeitet. Darum finde ich das Konzept von gemeinn&uuml;tzigen L&auml;nderbahnen mit sogar einer mitgestaltenden Rolle von Kommunen und Landkreisen interessant. Beispielhaft ist da die Karlsruher Stra&szlig;enbahn, die mit normalspurigen Triebwagen sehr guten Verkehr auf dem Bahnnetz betreibt.<\/p><p><b>Ohne Widerstand wird eine Zerschlagung der Bahn nicht abgehen. F&uuml;r wie kampfeslustig halten Sie die Gewerkschaften? EVG-Vize Martin Burkert nennt die Zerschlagung <a href=\"https:\/\/www.verkehrsrundschau.de\/nachrichten\/evg-und-die-linke-gegen-eine-aufspaltung-der-db-2982304.html\">&bdquo;eine rote Linie&ldquo;<\/a>, die bei &Uuml;berschreitung &bdquo;massive Proteste&ldquo; provozieren w&uuml;rde. Kann man sich darauf verlassen?<\/b><\/p><p>Da fehlen mir schlichtweg die Kenntnisse. Allerdings k&ouml;nnte ich mir vorstellen, dass die EVG in einer Radikalit&auml;tskonkurrenz mit der Lokf&uuml;hrergewerkschaft GdL steht und sich schon aus dem Grunde gen&ouml;tigt sieht, auch einmal die Muskeln spielen zu lassen.<\/p><p><b>Was w&auml;ren die Folgen, sollte die Aufspaltung in Netz und Schienenbetrieb tats&auml;chlich kommen?<\/b><\/p><p>Eine Frage ist, inwieweit wir nicht schon jetzt eine Aufspaltung in Netz und Betrieb haben. Ich habe mich immer wieder mit den allt&auml;glichen Skandalen von geplanten Streckensperrungen und dem Schienenersatzverkehr &ndash; Ersatzbusse &ndash; besch&auml;ftigt. Insbesondere in der Fl&auml;che werden dadurch Millionen von Menschen ins Auto quasi zur&uuml;ckgepr&uuml;gelt. Es handelt sich um eine Anti-Verkehrswende, um die sich kaum jemand k&uuml;mmert.<\/p><p>Um aus der F&uuml;lle der F&auml;lle nur ein Beispiel aus meiner Region herauszugreifen: In den letzten zehn Jahren wurde die zweigleisige Strecke Konstanz&ndash;Offenburg, die Hauptlinie durch den Schwarzwald, insgesamt mindestens 18 Monate lang immer wieder irgendwo wegen Bauarbeiten von der DB-Netz gesperrt. In den 1970er Jahren dagegen wurde diese Strecke von der wirklich integrierten Bundesbahn in sehr anspruchsvollen Arbeiten elektrifiziert, bei laufendem Betrieb und ohne l&auml;ngere Sperrungen.<\/p><p>Die integrierte Bundesbahn hat die Gesamtwirkungen und Verluste berechnet und nicht wie die DB-Netz isoliert auf m&ouml;glichst geringe Baukosten geachtet, die nat&uuml;rlich bei laufendem Betrieb h&ouml;her sind. Bei den Debatten &uuml;ber die Streckensperrungen hat sich auch die DB-Regio hilflos &uuml;ber die Praxis ihrer Schwester-Gesellschaft DB-Netz beschwert. Ist das ein Zeichen f&uuml;r Integration? Es erscheint durchaus m&ouml;glich, dass eine gemeinn&uuml;tzige, finanziell gut ausgestattete Netzgesellschaft, die unter starker Kontrolle und Abstimmung von Betriebsgesellschaften und L&auml;ndern steht, sogar Verbesserung bedeuten k&ouml;nnte. Trotzdem bin ich langfristig f&uuml;r eine wirklich integrierte Bahn. Und zwar auch aus Klimaschutzgr&uuml;nden.<\/p><p><b>Angenommen, das Netz w&uuml;rde in ein &bdquo;am Gemeinwohl orientiertes Bundesinfrastrukturunternehmen&ldquo; &uuml;berf&uuml;hrt, wie dies etwa dem  <a href=\"https:\/\/www.pro-bahn.de\/presse\/pdf\/Endlich_am_Zug_Zweite_Bahnreform.pdf\">&bdquo;Fahrgastverband Pro Bahn&ldquo;<\/a> vorschwebt. H&auml;tte die &ouml;ffentliche Hand damit nicht ein m&auml;chtiges Steuerungsinstrument in der Hand, sowohl den Wettbewerb auf der Schiene einzuhegen als auch die n&ouml;tige verkehrspolitische Wende besser zu steuern? Schlie&szlig;lich hat die DB das Bahnnetz vor allem wegen ihrer Profitorientierung erst so verkommen lassen.<\/b><\/p><p>Ich bin fasziniert vom 200%-Plus-Bahnkonzept, f&uuml;r das gerade von 20 namhaften Verkehrswissenschaftlern geworben wird. Es weist einen Weg auf, bis 2030 die Kapazit&auml;ten zu verdreifachen, zu wesentlich niedrigeren Kosten und wesentlich schneller als bei den Pl&auml;nen von  Scheuer  und DB-AG &ndash; vor allem durch Optimierung des Betriebs auf dem Bestandsnetz. Durch harmonisiertes Tempo &ndash; zum Beispiel Tempo 120 &ndash; von dicht aufeinanderfolgenden Z&uuml;gen k&ouml;nnen die Bahnkapazit&auml;ten auf heute &uuml;berlasteten Strecken stark gesteigert werden. Das w&uuml;rde schnell gro&szlig;e Umverlagerungen von der Stra&szlig;e auf die Schiene erm&ouml;glichen, allerdings nur, wenn durch gleiches Tempo, gleiche Qualit&auml;t des Rollmaterials und einen eng getakteten Fahrplan die Streckenkapazit&auml;ten optimal ausgenutzt werden.<\/p><p>Das verlangt aber einen hochgradig integrierten Betrieb. Bei G&uuml;ltigkeit aller Fahrkarten in allen Z&uuml;gen k&ouml;nnte die echte Reisegeschwindigkeit auch ohne die CO2-Schleudern weiterer Hochgeschwindigkeitsstrecken erh&ouml;ht werden. Statt mit 300 Sachen zum Umsteigebahnhof zu rasen, um dort 40 Minuten zu warten, fiele die Warterei mit einer &ouml;kologisch optimierten Geschwindigkeit und einem dichten Takt weg. Dieser revolution&auml;re CO2-Einsparschritt ist nur m&ouml;glich bei einem einheitlichen Betrieb.<\/p><p><b>Aber die &bdquo;Klimabahn&ldquo; propagieren doch auch die Gr&uuml;nen, und wo, wenn nicht in deren Obhut, w&auml;re das Klima am besten aufgehoben?<\/b><\/p><p>In tiefen &ouml;kologischen Widerspruch geraten die Gr&uuml;nen in Berlin, wo sie die Zerlegung der S-Bahn in verschiedene Gesellschaften aktiv betreiben und zus&auml;tzliche Betriebswerke bauen lassen wollen, um das Wettbewerbsideal zu realisieren.<\/p><p><b>Wie konkret m&uuml;sste und k&ouml;nnte der Beitrag einer integrierten Deutschen Bahn zur Klimawende noch aussehen?<\/b><\/p><p>Eine echte Klimabahn ist nur eine, die die Gesamtenergie- und damit die CO2-Menge ber&uuml;cksichtigt. Zus&auml;tzliche Tunnelbauten sind wie beim Klima aufgenommene Kredite angesichts der ungeheuren Energiemengen, die im Beton, Stahl und dem Bau stecken. Beim geplanten Bau der U-Bahn-Linie 5 in Hamburg w&uuml;rde die CO2-Abzahlung des Kredites 500 Jahre dauern. &Auml;hnlich hoch sind die Amortisationszeiten beim Bau der geplanten ICE-Strecke bei Bielefeld. Viele Gr&uuml;ne blenden diese &bdquo;graue Energie&ldquo; einfach aus, so als ob das Klima zwischen schlechtem und gutem CO2 unterscheiden w&uuml;rde. Also wird &uuml;ber Letzteres nicht geredet. Die gleiche modische Verdr&auml;ngung bei Bahnprojekten ist leider auch bei vielen Umweltverb&auml;nden festzustellen.<\/p><p>Ein falscher Mythos bestimmt aber nicht nur die Gr&uuml;nen, sondern auch ganz linke Initiativen. Da gibt es n&auml;mlich die selbstverst&auml;ndliche Annahme, &bdquo;jede Bahn ist &ouml;kologisch&ldquo;. So sehr ich in vielen Bereichen die Forderung &bdquo;Z&uuml;ge statt Fl&uuml;ge&ldquo; richtig finde &ndash; wenn mit ihr der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes begr&uuml;ndet wird, ist sie kontraproduktiv, also bei genauem Hinsehen eine &bdquo;f&uuml;r mehr CO2&ldquo;. Der &ouml;kologisch optimale Zug hat ein Tempo um die 130 Kmh, besteht aus vielen Doppelstockwagen, benutzt kaum zus&auml;tzlich gebaute Strecken und ersetzt viele Autofahrten beziehungsweise den Bau und Besitz von PKWs. Nur wenige Prozent aller Bahn- und Autofahrten finden im Entfernungsbereich &uuml;ber 200 Kilometer statt. Aber in diesen Bereich flie&szlig;t der L&ouml;wenanteil aller Bahninvestitionen.<\/p><p><b>Kritiker verweisen immer wieder auf die Verheerungen, die die Zerschlagung der Eisenbahn in Gro&szlig;britannien zur Folge hatte. Muss das notwendig auch bei uns in Deutschland passieren?<\/b><\/p><p>In Gro&szlig;britannien wurde das Netz nicht nur abgetrennt, sondern auch privatisiert. Das hat zu den bekannten Verheerungen gef&uuml;hrt.<\/p><p><b>Aber w&auml;ren weitere Privatisierungen nicht der logische n&auml;chste Schritt nach der Zerschlagung? Auch die der DB selbst oder was davon noch &uuml;brig bleibt? <\/b><\/p><p>Insbesondere eine Privatisierung der DB-Fernverkehr w&auml;re eine Katastrophe und derjenige, der das betreibt, &uuml;bernimmt die Schuld f&uuml;r eine Anti-Verkehrswende. Gerade wer aus Klimagr&uuml;nden den notwendigen Umstieg weg vom Auto will, muss das Entscheidende daf&uuml;r tun und da geht es vor allem um dreierlei. 1. Zuverl&auml;ssigkeit, die ist zehnmal wichtiger als H&ouml;chstgeschwindigkeit! 2. Einfachheit. 3. Ein dichtes Angebot zu vern&uuml;nftigen Preisen. Und das bedeutet genau das Gegenteil von vielen verschiedenen Gesellschaften mit jeweils eigenen Schn&auml;ppchenpreisen und dem Zwang zum Warten auf den Zug der speziellen Gesellschaft und dem Vorbei-Fahren-Lassen der anderen Z&uuml;ge.<\/p><p>Aber: Warum muss die Herstellung einer echten Gemeinn&uuml;tzigkeit des Netzes die Privatisierung der Betriebsgesellschaften bedeuten? Gegen Letzteres sollten sich Umweltverb&auml;nde, Bahninitiativen, Fridays for Future und alle anderen richten.<\/p><p>Titelbild: Kenneth Ip\/shutterstock.com<\/p><p><i><strong>Zur Person:<\/strong> Der ehemalige Gymnasiallehrer Hendrik Auhagen (Jahrgang 1951) sa&szlig; in den 1980er-Jahren knapp zwei Jahre lang f&uuml;r die Gr&uuml;nen-Partei im Bundestag und war in den Nuller-Jahren Mitinitiator von &bdquo;Bahn f&uuml;r Alle&ldquo;, dem erfolgreichen B&uuml;ndnis gegen die Privatisierung der Deutschen Bahn (DB). Heute engagiert er sich f&uuml;r eine Verkehrswende und deshalb weiter gegen Bestrebungen zur Privatisierung der DB.<\/i><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/1c5bd258ef0a4302835f666f500cfd70\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Katze ist aus dem Sack. Was vor der Bundestagswahl nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde, wird nach dem Urnengang pl&ouml;tzlich offen debattiert: Die Aufspaltung der Deutschen Bahn in die Bereiche Netz und Betrieb. 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