{"id":78151,"date":"2021-11-21T11:45:29","date_gmt":"2021-11-21T10:45:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78151"},"modified":"2021-11-21T13:14:04","modified_gmt":"2021-11-21T12:14:04","slug":"der-klassenkampf-der-woken-bourgeoisie-und-die-sehnsucht-der-vielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78151","title":{"rendered":"Der Niedergang der Linkspartei und die Sehnsucht der Vielen"},"content":{"rendered":"<p>Die Linkspartei ist bei der Bundestagswahl krachend gescheitert und muss um ihr &Uuml;berleben bangen. Damit sind alle Voraussagen insbesondere linker Kritiker eingetroffen, dass die Linkspartei scheitern werde, wenn sie die sogenannte &bdquo;Identit&auml;tspolitik&ldquo; (Gendern, politische Korrektheit, Antirassismus, feministische Themen) weiterhin so betone. Eine neue &bdquo;Klassenpolitik&ldquo; sei n&ouml;tig, hei&szlig;t es von linken Kritikern oft. In dieser Sichtweise steckt ein Denkfehler, meint unser Autor <strong>Udo Brandes<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Niedergang der Linkspartei wird von ihren (linken) Kritikern h&auml;ufig damit begr&uuml;ndet, dass sie sich viel zu sehr der Identit&auml;tspolitik widme, ein Thema, das vor allem einem urbanen akademischen Milieu wichtig sei, aber nicht den klassischen W&auml;hlerzielgruppen der Linken. Diese Identit&auml;tspolitik f&uuml;hre u. a. zu der absurden Logik, dass ein schwarzer Arzt sich aufgrund seiner Hautfarbe als gesellschaftlich Benachteiligter sehen k&ouml;nne, ein wei&szlig;er Arbeiter in der deutschen Fleischindustrie aber aufgrund seiner Hautfarbe als Privilegierter anzusehen w&auml;re. So m&uuml;sse man sich nicht wundern, wenn die traditionelle W&auml;hlerschaft sich von der Linkspartei abwende. Krankenschwestern, Postboten, Bauarbeiter usw. h&auml;tten andere Sorgen als die politische Korrektheit. <\/p><p>Linke Kritiker dieser Entwicklung haben deshalb immer wieder gefordert, dass die politische Kategorie der &bdquo;sozialen Klasse&ldquo; Ma&szlig;stab linker Politik sein m&uuml;sse und eine neue, sogenannte &bdquo;Klassenpolitik&ldquo; (= Durchsetzung der Interessen einer Klasse) notwendig sei. Das w&uuml;rde konkret bedeuten, dass die Linkspartei wieder prim&auml;r f&uuml;r eine materielle Umverteilungspolitik von oben nach unten steht und die Interessen der unteren, benachteiligten Klassen der Bev&ouml;lkerung vertritt. <\/p><p><strong>Der Denkfehler dabei<\/strong><\/p><p>Auch wenn diese Diagnose im Grundsatz stimmt, steckt in dieser Sichtweise doch ein Denkfehler: Identit&auml;tspolitik ist bereits &bdquo;Klassenpolitik&ldquo;. Nur eben nicht f&uuml;r die unteren Klassen. Sondern f&uuml;r eine ambitionierte, akademisch gebildete Schicht, die sich von denen &bdquo;da unten&ldquo; abgrenzt und mit Identit&auml;tspolitik Klassenkampf von oben betreibt. Und es sieht so aus, als ob sich in der Linkspartei diese Fraktion durchgesetzt hat und auch zuk&uuml;nftig den Kurs bestimmen wird. Was sich unter anderem daran erkennen l&auml;sst, dass die wichtigste Repr&auml;sentantin einer wirklichen linken Politik in der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, nach wie vor massiv angegriffen wird. Wie die taz k&uuml;rzlich berichtete (<a href=\"https:\/\/taz.de\/Parteiausschluss-von-Wagenknecht\/!5812024\/\">siehe hier<\/a>), &uuml;berlegt die Gruppe in der NRW-Linkspartei, die vergeblich versucht hat, Wagenknecht aus der Partei auszuschlie&szlig;en, einen Gang vor die Bundesschiedskommission der Partei, um ihr Ziel doch noch zu erreichen. Und inzwischen wird Sahra Wagenknecht sogar allen Ernstes nahegelegt, die Linkspartei zu verlassen und der AfD beizutreten (siehe dazu den <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/sahra-wagenknecht-linke-vorstand-maximilian-becker-legt-wagenknecht-afd-eintritt-nahe-a-a62b4c61-2404-43f5-abf5-62214fd7a231\">Bericht des Spiegels hier<\/a>), nur weil sie es gewagt hat, die Unlogiken der Coronapolitik &ouml;ffentlich zu benennen (zum Beispiel, dass Geimpfte genauso die Infektion weitergeben k&ouml;nnen wie Ungeimpfte).<\/p><p><strong>Eine echte Kurs&auml;nderung der Linkspartei ist nicht zu erwarten<\/strong><\/p><p>Wie es derzeit aussieht, wird es in der Linkspartei keine wirkliche Diskussion und Analyse &uuml;ber die Ursachen der krachenden Wahlniederlage geben. Und dann auch keine wirkliche Neupositionierung und Kurs&auml;nderung. Mit anderen Worten: Die Linkspartei hat im Grunde mehrheitlich die Entscheidung getroffen, dass sie nicht oder bestenfalls nur nebenbei die Interessen der &bdquo;Normalo-Arbeitnehmer&ldquo; vertreten will. Das hei&szlig;t: Nicht das Arbeitermilieu und kleinb&uuml;rgerliche Schichten, die einen eher traditionellen Lebensstil pflegen, sind ihre Hauptzielgruppe, sondern eine gut qualifizierte, urbane Akademikerschicht. Dementsprechend ist Identit&auml;tspolitik auch keine linke Politik, sondern eine Politik f&uuml;r die Interessen einer privilegierten Akademikerschicht. Die profitiert einerseits wirtschaftlich davon. Andererseits erh&ouml;ht sie ihren eigenen sozialen Status, indem sie ihren Sprachcode und ihre Moral politischer Korrektheit zum einzig legitimen moralischen Ma&szlig;stab erkl&auml;rt. Was konkret bedeutet, dass die Kultur anderer sozialer Schichten herabgesetzt, abgewertet und teilweise sogar aggressiv bek&auml;mpft wird. <\/p><p><strong>Das Gendern ist so etwas wie ein Ausweis der &bdquo;richtigen&ldquo; Gesinnung<\/strong><\/p><p>Wenn man Identit&auml;tspolitik mit dem alten Zunftwesen der Handwerker vergleicht, wird der &ouml;konomische Aspekt sehr sch&ouml;n deutlich. Bei Wikipedia wird das Zunftwesen u. a. wie folgt beschrieben: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Das Leben des einzelnen Gruppenmitgliedes wurde von der Zunft entscheidend bestimmt. Nur in dieser Einbindung konnte der Zunfthandwerker seiner Arbeit nachgehen. Die Gemeinschaft der Amtsmeister regelte die Arbeit und Betriebsf&uuml;hrung des Einzelnen, die Qualit&auml;t seiner Produkte, kontrollierte seine sittliche Lebensf&uuml;hrung, sicherte ihn in individuellen Notf&auml;llen und betete f&uuml;r das Seelenheil ihrer verstorbenen Mitglieder.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Auf diese Weise waren die Zunftangeh&ouml;rigen wirtschaftlich abgesichert und vor Konkurrenz gesch&uuml;tzt. Aber kann man das wirklich mit der gegenw&auml;rtigen Identit&auml;tspolitik vergleichen? Ich glaube schon. Jemand wie ich k&ouml;nnte nicht mehr so ohne Weiteres f&uuml;r den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeiten. Also jemand, der darauf besteht, seine Texte in korrektem Deutsch zu schreiben, und sich u. a. weigert, das Partizip Pr&auml;sens als geschlechtsneutrale Bezeichnung zu verwenden, weil dies sprachlogisch falsch ist (kurze Erl&auml;uterung dazu: Ein Fahrradfahrer kann bei einem Unfall ums Leben kommen; aber man kann kein toter Fahrradfahrender sein, weil Tote nach bisherigem Erkenntnisstand nicht mehr Fahrrad fahren k&ouml;nnen). <\/p><p>Auch bei vielen anderen Institutionen hat sich der Trend zur politischen Korrektheit durchgesetzt, und von Mitarbeitern wird erwartet, sich sprachlich daran anzupassen. Eine kleine Anekdote dazu: Ich habe mal ein Interview mit einem Repr&auml;sentanten einer Stadtverwaltung gef&uuml;hrt und den Text zur Freigabe an die Pressestelle geschickt. Ich bekam das vorher ungegenderte Interview komplett gegendert zur&uuml;ck. Ich habe es dann nat&uuml;rlich wieder entgendert. So etwas ist kein Einzelfall. Immer mehr St&auml;dte f&uuml;hren jetzt sogar gegenderte Verkehrsschilder ein (ein neueres Beispiel <a href=\"https:\/\/www.eimsbuetteler-nachrichten.de\/bezirksamt-beschliesst-gendersymbole-verkehrsschilder\/\">siehe hier<\/a>).<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus ist Politische Korrektheit auch ein lukratives Gesch&auml;ftsmodell. Konzerne veranstalten z. B. Antirassismusseminare oder sie beauftragen Coaches mit Trainings f&uuml;r sensible Sprache. Vereine wie &bdquo;Decolonize Berlin&ldquo; werden vom Berliner Senat mit Millionenbetr&auml;gen finanziert. <\/p><p><strong>Politisch korrekte Akademiker bestimmen bereits, was gesellschaftlich legitim ist und was nicht<\/strong><\/p><p>Man kann deshalb inzwischen sagen: Das Milieu der politisch korrekten Akademiker bestimmt sehr weitgehend, was in unserer Gesellschaft legitim ist und was nicht. Oder politologisch gesprochen: Sie haben bereits die kulturelle Hegemonie (Vorherrschaft) erobert oder sind zumindest kurz davor. Um dies mal an einem Beispiel zu demonstrieren: Svenja Fla&szlig;p&ouml;hler, die ein kritisches Buch &uuml;ber die zunehmende Sensibilit&auml;t in unserer Gesellschaft geschrieben hat (siehe dazu meine <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77397\">Rezension auf den NachDenkSeiten hier<\/a>), kritisiert in ihrem Buch, dass das Wort &bdquo;Neger&ldquo; nicht einmal in einem kritisierenden Kontext mehr gebraucht werden d&uuml;rfe &ndash; und spricht selber immer nur vom &bdquo;N-Wort&ldquo; &ndash; in ihrem Buch und ihren Interviews dazu. Diese gesellschaftliche Praxis ist letztlich die Abkehr von der Aufkl&auml;rung und die Hinwendung zum magischen Denken. So als wenn ein Wort an sich das B&ouml;se in sich tragen k&ouml;nnte. Auch gl&auml;ubige Katholiken verhielten sich fr&uuml;her so. Der fromme Katholik wagte es nicht, das Wort &bdquo;Teufel&ldquo; auszusprechen, aus Angst davor, ihn damit herbeizuholen. Deshalb sprach man vom &bdquo;Gott-sei-bei-uns&ldquo;. <\/p><p><strong>Gendertheorien infrage zu stellen &ndash; das kann gef&auml;hrlich werden<\/strong><\/p><p>Wer die Theorien der Genderideologen nicht teilt und nicht willens ist, sich diesen sprachlich, in der wissenschaftlichen Arbeit oder im Unternehmensmanagement zu unterwerfen, dem sind im besten Fall Wege f&uuml;r eine Karriere als Akademiker versperrt. Im schlimmsten Fall aber muss so jemand mit gewaltt&auml;tigem Mobbing rechnen. So erging es k&uuml;rzlich der britischen Philosophieprofessorin Kathleen Stock, die an einer Universit&auml;t in der N&auml;he von Brighton lehrte. Sie ist selbst lesbisch und seit langem in der LGBT-Community aktiv (LGBT = die inzwischen auch in Deutschland verbreitete Abk&uuml;rzung f&uuml;r Lesbians, Gays, Bisexuals und Transgender). Politisch ordnet sie sich links ein. Nachdem ihr Buch &bdquo;Material Girls. Why Reality Matters for Feminism&ldquo; erschienen war, begann ihr Martyrium. Darin vertrat sie &auml;hnliche Ansichten wie die Schriftstellerin J. K. Rowling (Autorin der Harry-Potter-Romane), die im vergangenen Jahr daf&uuml;r ebenfalls massive Anfeindungen zu ertragen hatte. Stock kommt in ihrem Buch zu dem Schluss, dass zwar die selbstgew&auml;hlte Gender-Identit&auml;t eines Menschen respektiert werden solle. Jedoch lasse sich das biologische Geschlecht von M&auml;nnern und Frauen nicht &auml;ndern (siehe dazu den <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/kathleen-stock-eine-professorin-beharrt-auf-frau-und-mann-ld.1653503\">Bericht der NZZ hier<\/a>). In einem BBC-Interview (siehe <a href=\"https:\/\/www.bbc.co.uk\/programmes\/m001153q\">hier<\/a>) berichtete sie, dass sie auf dem Weg zur Arbeit immer wieder von einem w&uuml;tenden Mob beschimpft und bedroht wurde. Die W&auml;nde eines Fu&szlig;g&auml;ngertunnels, den sie auf dem Weg zu ihrem B&uuml;ro durchqueren musste, waren vollgeklebt mit Hetzplakaten gegen sie. Ebenso die W&auml;nde der Toiletten im Uni-Geb&auml;ude. Und nat&uuml;rlich wurde im Internet gegen sie gehetzt. Nach dem Bericht der NZZ bekam Stock von der Universit&auml;t keine bzw. so gut wie keine Unterst&uuml;tzung. Sie war schlie&szlig;lich mit den Nerven am Ende und gab auf. Wahrscheinlich ist es in Deutschland noch nicht ganz so schlimm. Aber weit davon entfernt sind wir auch nicht. Nicht ohne Grund haben Wissenschaftler jetzt ein Netzwerk f&uuml;r Wissenschaftsfreiheit gegr&uuml;ndet (<a href=\"http:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de\">www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de<\/a>). <\/p><p><strong>Warum waren identit&auml;tspolitische Ideologien so erfolgreich?<\/strong><\/p><p>Man fragt sich: Wieso konnten sich die Verfechter Politischer Korrektheit bzw. der Identit&auml;tspolitik in der Gesellschaft so weitgehend durchsetzen, dass schon fast jede Pommesbude gendert? Ich glaube, es gibt daf&uuml;r zwei Gr&uuml;nde:<\/p><p>Identit&auml;tspolitik, Genderideologie, Politische Korrektheit &ndash; das alles ist an den Elite-Universit&auml;ten der USA entstanden. Es war dort also von Anfang an eine Ideologie des herrschenden Establishments. Denn das Establishment dort speist sich zu einem gro&szlig;en Teil aus den Absolventen der US-Elite-Universit&auml;ten. Von dort aus wanderte es an die europ&auml;ischen Universit&auml;ten und von dort aus in die Institutionen der Gesellschaft, also Verwaltungen, Medien, Unternehmen usw. Und auch hier ist es eine Ideologie des Establishments. Und wie Marx und Engels in &bdquo;Die Deutsche Ideologie&ldquo; so sch&ouml;n formuliert haben: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, das hei&szlig;t die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Hierbei ist zum Verst&auml;ndnis ein Begriff der US-amerikanischen Soziologen Barbara und John Ehrenreich n&uuml;tzlich. Sie pr&auml;gten in den 70er Jahren den Begriff der Professionellen Mittelklasse (im englischen Original: professional-managerial class, kurz: PMC). Dieser besagt einfach formuliert, dass es eine akademisch gebildete Mittelklasse gibt, die die Normen und Werte &ndash; und vor allem: Interessen &ndash; der herrschenden Klasse im Alltag umsetzt, seien es nun Journalisten, Lehrer, &Auml;rzte, Manager, Juristen usw. Diese Klasse profitiert durch Privilegien (hohes Einkommen, Macht, Ansehen) davon, sich mit der Ideologie der herrschenden Klasse zu identifizieren und diese zu vertreten. <\/p><p>Zum anderen sind identit&auml;tspolitische Ideologien geradezu ideal f&uuml;r die neoliberale Machtelite. Denn so k&ouml;nnen die durch soziale Ungleichheit bedingten Konflikte quasi stillgelegt werden. Denn Gerechtigkeit ist dann ein Problem von &bdquo;Diversit&auml;t&ldquo;, und nicht ein Problem der Benachteiligung sozialer Klassen und der falschen Verteilung. Was nat&uuml;rlich hochgradig verlogen ist. Denn f&uuml;r einen Fahrer von Amazon &auml;ndert sich nichts an den Arbeitsbedingungen und L&ouml;hnen, wenn der Vorstand des Konzerns diverser wird. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass ausgerechnet die reaktion&auml;re, neoliberale Hillary Clinton ein Anh&auml;nger politischer Korrektheit ist.<\/p><p><strong>Es gibt eine Sehnsucht nach echter sozialdemokratischer Politik<\/strong><\/p><p>Ich bin &uuml;berzeugt, es gibt in der Bev&ouml;lkerung eine gro&szlig;e Sehnsucht nach einer wahrhaft sozialdemokratischen Politik. Also einer Politik, die den Kapitalismus nicht abschafft, aber ihn im Interesse der Gemeinschaft wirkungsvoll reguliert. Und wichtige Bereiche der Gesellschaft einer kapitalistischen Profitorientierung entzieht. Wie zum Beispiel das Gesundheitswesen, das Bildungswesen, die Energieversorgung, die M&uuml;llentsorgung und anderes mehr. Auf die SPD, die Gr&uuml;nen und die Linkspartei kann man dabei nach meiner Einsch&auml;tzung aber nicht mehr z&auml;hlen. Wann immer sie in letzten Jahren an der Macht waren, haben sie neoliberale Politik gemacht oder unterst&uuml;tzt. Deshalb glaube ich, dass nicht nur die Linkspartei, sondern auch Gr&uuml;ne und SPD sich schon bald in einer Krise wiederfinden k&ouml;nnten. Von den verbesserten Wahlergebnissen der beiden Parteien sollte man sich nicht t&auml;uschen lassen. Denn nach dem, was bisher bekannt ist aus den Koalitionsverhandlungen f&uuml;r eine Ampel-Regierung, wird es im Kern ein &bdquo;Weiter-so&ldquo; mit der neoliberalen Politik der letzten Jahre geben.<\/p><p>Was also tun? Braucht unser Land eine neue, wirklich linke Partei? Und w&auml;re das die L&ouml;sung? Vielleicht. Aber es k&ouml;nnte auch sein, dass eine neue linke Partei nach wenigen Jahren wieder von angepassten Funktion&auml;ren beherrscht wird und keine Alternative mehr darstellt. Der deutsch-italienische Soziologe Robert Michels nannte so eine Entwicklung schon 1907 das &bdquo;Eherne Gesetz der Oligarchie&ldquo;. Es besagt, dass Gro&szlig;gruppen wie Parteien aus Effizienzgr&uuml;nden eine B&uuml;rokratie aufbauen, deren Spitze sich zu einer oligarchischen Machtelite entwickelt, die eigene Interessen verfolgt, statt die ihrer Basis. Ich bleibe trotzdem Optimist. Denn wie der Fall der Mauer zeigte: Die Geschichte h&auml;lt immer wieder &Uuml;berraschungen bereit. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Linkspartei ist bei der Bundestagswahl krachend gescheitert und muss um ihr &Uuml;berleben bangen. Damit sind alle Voraussagen insbesondere linker Kritiker eingetroffen, dass die Linkspartei scheitern werde, wenn sie die sogenannte &bdquo;Identit&auml;tspolitik&ldquo; (Gendern, politische Korrektheit, Antirassismus, feministische Themen) weiterhin so betone. Eine neue &bdquo;Klassenpolitik&ldquo; sei n&ouml;tig, hei&szlig;t es von linken Kritikern oft. In dieser Sichtweise<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78151\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":78154,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,201,123],"tags":[374,2190,2686,2252,1944,2247,2299,632],"class_list":["post-78151","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-linke","category-ideologiekritik","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-eliten","tag-genderpolitik","tag-identitaetspolitik","tag-klassenkampf","tag-mobbing","tag-political-correctness","tag-sprachkritik","tag-wagenknecht-sahra"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/shutterstock_1791787433.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/78151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=78151"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/78151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":78185,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/78151\/revisions\/78185"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/78154"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=78151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=78151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=78151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}