{"id":78228,"date":"2021-11-23T09:00:49","date_gmt":"2021-11-23T08:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78228"},"modified":"2021-11-23T10:12:09","modified_gmt":"2021-11-23T09:12:09","slug":"russische-regierung-erhoeht-den-impfdruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78228","title":{"rendered":"Russische Regierung erh\u00f6ht den Impfdruck"},"content":{"rendered":"<p>Die Corona-&bdquo;Infektionszahlen&ldquo; in Russland sind hoch, aber die Impfquote in dem &bdquo;autorit&auml;r&ldquo; regierten Land liegt mit 40 Prozent international ganz unten. Kein russischer Politiker wagt es, das Impfen von Kindern zu fordern. Schm&auml;h- und Hass-Kampagnen gegen Impf-Skeptiker gibt es in Russland ebenfalls nicht. Doch nun will die russische Regierung &bdquo;aufholen&ldquo;. Um die Impfbereitschaft zu erh&ouml;hen, will sie zum 1. Februar zwei Gesetze in der Duma beschlie&szlig;en lassen. Ein Gesetz soll die B&uuml;rger verpflichten, bei Benutzung von Einkaufszentren, Eisenbahnen und Flugzeugen einen QR-Code vorzulegen, das hei&szlig;t, nachzuweisen, dass man geimpft, geboostert oder genesen ist. Ein zweites Gesetz soll den russischen Chefarzt erm&auml;chtigen, Hygiene-Ma&szlig;nahmen in den Regionen unter Umgehung des Gouverneurs anzuordnen. Nachdem es im ganzen Land Protestaktionen gegen die Einf&uuml;hrung der neuen Gesetze gab, hat die Duma die Abstimmung dar&uuml;ber nun um einen Monat verschoben. Wladimir Putin hat die Gesetzesprojekte bisher nicht kommentiert. Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie stellvertretende russische Ministerpr&auml;sidentin Tatjana Golikowa gab am 12. November <a href=\"http:\/\/government.ru\/news\/43788\/\">bekannt<\/a>, dass die Regierung wegen Corona zwei Gesetzesprojekte in die Duma eingebracht hat, nach denen vom 1. Februar bis zum 1. Juni 2022 QR-Codes in &ouml;ffentlichen Transportmitteln, Einkaufszentren und Restaurants Pflicht sein sollen. F&uuml;r das Betreten von Apotheken und Lebensmittelgesch&auml;ften soll diese Pflicht nicht gelten.<\/p><p>Der QR-Code ist ein Zertifikat, welches Auskunft gibt &uuml;ber drei Positionen: Geimpft oder geboostert, von Covid-19 genesen oder &bdquo;aus gesundheitlichen Gr&uuml;nden von einer Impfung freigestellt.&ldquo; Ausl&auml;nder sollen nach dem 1. Februar 2022 alle Orte auch mit einem negativen PCR-Test besuchen k&ouml;nnen. <\/p><p>Die beiden neuen Gesetze sollen bis zum 1. Juni 2022 gelten. Bis dahin hoffe man &ndash; so Golikowa &ndash; dass 80 Prozent der Bev&ouml;lkerung gegen das Virus &bdquo;immun&rdquo; sind. Heute seien das erst 50 Prozent der Bev&ouml;lkerung. Immun sei, wer genesen, geimpft oder geboostert ist. <\/p><p><strong>Golikowa: &bdquo;Die Toten auf den Intensivstationen sind unsere Schuld&ldquo;<\/strong><\/p><p>Einige &ouml;ffentliche Verlautbarungen zu Corona sowie der Umgang mit &bdquo;Fallzahlen&ldquo; und &bdquo;Inzidenzen&ldquo; etc. klingen in Russland &auml;hnlich wie hierzulande: Die russische Vizeministerpr&auml;sidentin erkl&auml;rte, heute k&auml;men auf 100.000 B&uuml;rger 191 Covid-19-Infizierte. Bei der &auml;lteren Bev&ouml;lkerung k&auml;men auf 100.000 Personen sogar 254 Infizierte. Die Zahl der Covid-19-Toten sei mit t&auml;glich 1.000 F&auml;llen &bdquo;alarmierend&ldquo;. 91 Prozent &bdquo;der &uuml;berdurchschnittlichen Sterblichkeit&ldquo; sei auf das Corona-Virus zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. <\/p><p>Die Situation in den Krankenh&auml;usern sei angespannt. 16 Prozent der &Auml;rzte und 12 Prozent des medizinischen Personals h&auml;tten mit Covid-19-Patienten zu tun. <\/p><p>Auf den Intensivstationen der Krankenh&auml;user l&auml;gen vor allem Nicht-Geimpfte &uuml;ber 60 Jahre, die meist mit zus&auml;tzlichen Krankheiten im Bereich Herz-Kreislauf und anderen Krankheiten belastet sind. <\/p><p>Eine Einweisung auf eine Intensivstation ende oft mit einem t&ouml;dlichen Ausgang. Nach Meinung von Golikowa ist das &bdquo;unsere Schuld&ldquo;. &bdquo;Ich denke, fast in jeder Familie gibt es diese Verluste und leider h&auml;ngen diese Verluste mit unserem Verhalten zusammen. Wir wollen nicht das machen, was wir machen sollen: Einfach zum Impfen gehen.&ldquo;<\/p><p>Auf die Frage, was ein B&uuml;rger tun k&ouml;nne, dessen Kind krank ist oder dessen Angeh&ouml;riger gestorben ist und der deshalb schnell in eine andere Region fliegen muss, aber keinen QR-Code hat, antwortete die stellvertretende Ministerpr&auml;sidentin: &bdquo;Diese Normen gelten ab dem 1. Februar und alle unsere B&uuml;rger haben ausreichend M&ouml;glichkeiten, sich bis dahin impfen zu lassen.&ldquo;<\/p><p><strong>Wer ist Tatjana Golikowa?<\/strong><\/p><p>Eigentlich ist es erstaunlich, dass eine Politikerin, die keine Ausbildung im Gesundheitsbereich hat, die Bev&ouml;lkerung jetzt davon zu &uuml;berzeugen versucht, dass nur noch das Impfen helfe. <\/p><p>Golikowa, die 1966 im Moskauer Vorort Mytischi geboren wurde, hat ihre Karriere im russischen Finanzministerium gemacht. <\/p><p>1987 schloss sie ein &Ouml;konomie-Studium am Moskauer Plechanow-Institut ab. 1990 begann sie mit einer T&auml;tigkeit im russischen Finanzministerium. 2004 wurde sie stellvertretende Finanzministerin. 2005 schrieb Golikowa ihre Dissertation zum Thema &bdquo;Formierung organisatorisch-wirtschaftlicher Mechanismen zur Lenkung der Wirtschaft der Russischen F&ouml;deration auf der Grundlage effektiver Regulierung der Beziehungen zwischen den Budgets&ldquo;. 2007 wurde sie von Wladimir Putin zur Gesundheitsministerin ernannt. <\/p><p>Die unter Golikowa durchgef&uuml;hrte Effektivierung im russischen Gesundheitswesen f&uuml;hrte zur Zusammenlegung von Krankenh&auml;usern und zur Schlie&szlig;ung von Krankenstationen in D&ouml;rfern, weshalb die Politikerin nicht besonders beliebt ist. Doch ihre Karriere setzte sie fort. 2013 wurde Golikowa Vorsitzende des russischen Rechnungshofs. 2018 wurde sie stellvertretende Ministerpr&auml;sidentin.<\/p><p><strong>Sprecher der Kirche: &bdquo;QR-Code hat sich in vielen Staaten bew&auml;hrt&ldquo;<\/strong><\/p><p>In der russisch-orthodoxen Kirche gibt es <a href=\"https:\/\/www.ng.ru\/facts\/2021-11-16\/9_519_qr.html\">unterschiedliche Meinungen<\/a> zur Einf&uuml;hrung der QR-Codes. Der Sprecher des Au&szlig;enamtes der russisch-orthodoxen Kirche, Mitropolit Ilarion (Alfejew), stellte sich bei einem Auftritt im Fernsehen hinter die russische Regierung. Dies ist insofern bedeutsam, weil es unter den Gl&auml;ubigen schon seit der Aufl&ouml;sung der Sowjetunion Viele gibt, die den vom Westen &uuml;bernommenen Technologien &ndash; wie Strich- und QR-Codes &ndash; nicht trauen und sie f&uuml;r ein Werk des Teufels und ausl&auml;ndische Einmischung halten. <\/p><p>Doch Kirchen-Sprecher Ilarion bezeichnete die Erfahrungen in Italien und England mit dem QR-Code als positiv. In diesen L&auml;ndern seien jetzt 70 bis 80 Prozent der Bev&ouml;lkerung geimpft. Falsche Informationen &uuml;ber das Impfen m&uuml;ssten bestraft werden, erkl&auml;rte der Kirchen-Sprecher. <\/p><p>Dass auch Geimpfte Tr&auml;ger von Viren seien k&ouml;nnen, erw&auml;hnte weder der Kirchen-Sprecher noch die eingangs zitierte stellvertretende Ministerpr&auml;sidentin. <\/p><p>Doch es gibt in der russisch-orthodoxen Kirche auch andere Meinungen. Der stellvertretende Leiter des Moskauer Patriarchats, Episkop Sawwa (Tutunow), erkl&auml;rte in seinem Telegram-Kanal, &bdquo;der Kampf wird nicht f&uuml;r das Impfen gef&uuml;hrt, sondern f&uuml;r die Kodifizierung.&ldquo; Der QR-Code sei &bdquo;vor allem eine Technologie der pers&ouml;nlichen Kontrolle und die M&ouml;glichkeit der totalen Begrenzungen.&ldquo; Wenn man den Einsatz des QR-Codes nicht zeitlich begrenze, k&ouml;nne er ein Instrument &bdquo;in der Hand von politischen Akteuren und gro&szlig;en Unternehmen&ldquo; werden.  <\/p><p>Die russisch-orthodoxe Kirche hat sich bisher dagegen ausgesprochen, von den Gl&auml;ubigen, welche Kirchen besuchen, einen QR-Code zu fordern. Dabei ist auch die Kirche vom Corona-Virus betroffen. Bis zum 6. Oktober starben 200 W&uuml;rdentr&auml;ger &bdquo;mit oder an&ldquo; dem Virus. Dazu muss man wissen, dass die russisch-orthodoxe Kirche 90.000 Priester und M&ouml;nche hat. <\/p><p><strong>Oppositionspolitiker Mironow: &bdquo;Staatliche Impfpropaganda ist direkter Weg in den sozialen Konflikt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die ultimative Impfaufforderung von Golikowa stie&szlig; bei der sozialdemokratischen Oppositionspartei &bdquo;Gerechtes Russland&ldquo; und bei der Kommunistischen Partei der Russischen F&ouml;deration (KPRF) auf scharfe Kritik. <\/p><p>Der Vorsitzende von &bdquo;Gerechtes Russland&ldquo;, Sergej Mironow, dessen Partei mit 28 Abgeordneten in der Duma vertreten ist, <a href=\"https:\/\/spravedlivo.ru\/11636410\">erkl&auml;rte<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Versuch, alle Schuld f&uuml;r die Ausbreitung des Virus auf eine Gruppe von B&uuml;rgern zu schieben, ist der direkte Weg zur Anstachelung von Hass und sozialem Konflikt. In vielen L&auml;ndern sehen wir schon direkte Auseinandersetzungen auf dieser Grundlage.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Anstatt die Menschen zu &bdquo;verwirren und ihnen Angst zu machen&ldquo; und sie in &bdquo;Schwarze&ldquo; und &bdquo;Wei&szlig;e&ldquo; zu teilen, solle der Staat daf&uuml;r sorgen, dass die B&uuml;rger und die Jugend mit popul&auml;rwissenschaftlichen Filmen aufgekl&auml;rt werden. <\/p><p>Der Vorsitzende der KPRF, Gennadi Sjuganow, dessen Partei mit 57 Abgeordneten in der Duma vertreten ist, <a href=\"https:\/\/kprf.ru\/party-live\/cknews\/206683.html\">erkl&auml;rte<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Viele B&uuml;rger haben Angst, sich zu impfen, weil sie der Macht nicht trauen. Und das Misstrauen w&auml;chst weiter, weil die herrschenden Kreise die Taktik der Drohungen und der Repressionen gew&auml;hlt haben, anstatt das Vorgehen gr&uuml;ndlich zu erkl&auml;ren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die geplanten Ma&szlig;nahmen der Regierung &bdquo;gehen weit &uuml;ber den Schutz der Gesundheit hinaus&ldquo;. Unter dem &bdquo;Vorwand des Kampfes gegen die Pandemie plane die Macht die Einf&uuml;hrung der totalen Kontrolle &uuml;ber die B&uuml;rger&ldquo;.<\/p><p><strong>Protestkundgebungen im ganzen Land<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber die wirtschaftlichen Auswirkungen der QR-Code-Gesetze gibt es noch keine umfassenden Prognosen. Fluggesellschaften rechnen nach der Einf&uuml;hrung des QR-Codes jedoch mit der Halbierung der Passagierzahlen. Die Vereinigung der 10.000 Einkaufszentren in Russland forderte in einem Brief an Wladimir Putin finanzielle Hilfen f&uuml;r die etwa vier Millionen Mitarbeiter, denn nach der Einf&uuml;hrung des QR-Codes werde die K&auml;uferzahl zur&uuml;ckgehen und Arbeitspl&auml;tze m&uuml;ssten abgebaut werden. Nach der Ank&uuml;ndigung &uuml;ber die Einf&uuml;hrung der QR-Codes ab 1. Februar gab es in vielen russischen St&auml;dten Protestkundgebungen, die meist von linken Aktivisten organisiert wurden. <\/p><p>Auf einer Kundgebung in Jekaterinburg (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=i6C10JjEX7A\">Video<\/a>) trugen die B&uuml;rger Plakate mit Aufschriften &bdquo;Macht uns nicht zur Herde&ldquo;,  &bdquo;Ein B&uuml;rger hat einen Pass, ein Sklave hat einen QR-Code&ldquo;, &bdquo;Das russische Volk ist keine Ware&ldquo;, &bdquo;Faschismus und Spaltung lassen wir nicht zu&ldquo;, &bdquo;Heute QR-Code &ndash; Morgen digitale Sklaverei.&ldquo; <\/p><p>In Stra&szlig;en-Interviews erkl&auml;rten Demonstranten, sie gingen f&uuml;r das Recht auf Bewegungsfreiheit auf die Stra&szlig;e. Ein KPRF-Abgeordneter erkl&auml;rte (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=i6C10JjEX7A\">Video ab Minute 2:06<\/a>), die Privatisierung des &ouml;ffentlichen Nahverkehrs f&uuml;hre dazu, dass sich immer mehr Menschen in Mini-Bussen dr&auml;ngen, was ja wohl die Ausbreitung von Viren eher f&ouml;rdere. Eine Frau erkl&auml;rte, &bdquo;wenn sie beginnen, unsere Kinder zu impfen, verstecke ich sie.&ldquo; Dazu muss man sagen, dass es von Seiten der Regierung bisher keine Pl&auml;ne gibt, Kinder gegen Covid-19 zu impfen. <\/p><p><strong>Beschlussfassung in der Duma um einen Monat verschoben<\/strong><\/p><p>Offenbar wegen der Protestwelle beschloss der leitende Rat der Duma am 15. November, die Beratung der Gesetze zum QR-Code um einen Monat zu verschieben und die Gesetze zun&auml;chst in den Regionen Russlands zu &bdquo;beraten&ldquo;. Kritiker bef&uuml;rchten, die Duma k&ouml;nne die umstrittenen Gesetze kurz vor den Neujahrsferien verabschieden und damit &ouml;ffentliche Proteste unterlaufen. <\/p><p>Die liberale Nesawisimaja Gaseta <a href=\"https:\/\/www.ng.ru\/politics\/2021-11-16\/1_8302_kremlin.html\">berichtete<\/a> &uuml;ber dieses Man&ouml;ver unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Der Kreml versucht, die QR-Codes zu entpolitisieren&ldquo;. Das Blatt schrieb, &bdquo;kaum hatte der Kreml gesehen, dass die Proteststimmung ansteigt, wurde schon auf die Bremse gedr&uuml;ckt. Allerdings hat der Duma-Vorsitzende Wjatscheslaw Wolodin den Abgeordneten schon erkl&auml;rt, ein verantwortungsvolles Vorgehen bedeute, in der Diskussion um den Kampf gegen Covid 19 keine Politik beizumischen.&ldquo;<\/p><p><strong>Tourismus in Russland weiter m&ouml;glich<\/strong><\/p><p>Immer wieder fragen mich Deutsche, die nach Moskau reisen wollen, welche Covid-19-Hygieneregeln es in der russischen Hauptstadt gibt. Wie mir Vertreter der gro&szlig;en Moskauer Hotels Ismailowo und Kosmos am Telefon erkl&auml;rten, &auml;ndert sich durch eine Einf&uuml;hrung des QR-Codes nichts an den Regeln f&uuml;r die Einquartierung ausl&auml;ndischer Touristen. Die einzige Ma&szlig;nahme f&uuml;r Hotelbesucher sei eine Temperaturkontrolle am Hoteleingang und die Pflicht, im Hotel eine Maske zu tragen.<\/p><p>Die allgemeine Regel in Moskau sah in den vergangenen Monaten so aus, dass man sich frei in der Stadt bewegen konnte. Die einzige Bedingung war, dass man in Gesch&auml;ften, Theatern und in der U-Bahn eine Maske tragen musste. Ab 1. Februar 2022 werden Touristen Theater und Konzerte nach dem neuen Gesetz aber nur noch mit einem negativen PCR-Test besuchen k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>Gebiet Swerdlowsk: Alkohol-Verkauf bald nur noch gegen Vorlage eines QR-Codes<\/strong><\/p><p>Schon heute gibt es in Russland eine Impfpflicht f&uuml;r Soldaten, Mitarbeiter des Gesundheitswesens und Besch&auml;ftigte in wichtigen Wirtschaftsbereichen. Trotzdem haben bis heute nur <a href=\"https:\/\/xn--80aesfpebagmfblc0a.xn--p1ai\/information\/\">40 Prozent<\/a> der Bev&ouml;lkerung die zweistufige Impfprozedur absolviert. <\/p><p>Au&szlig;erdem gibt es Regionen, die bei der Einf&uuml;hrung des QR-Codes jetzt schon vorpreschen. In St. Petersburg ist die Vorlage eines QR-Codes Pflicht beim Besuch von Fitness-Zentren, Schwimmb&auml;dern, Vergn&uuml;gungszentren und Standes&auml;mtern. Im Gebiet Swerdlowsk will man Alkohol nur noch gegen die Vorlage eines QR-Codes verkaufen. <\/p><p>Der Grund f&uuml;r die geringe Impfbereitschaft in Russland ist das mangelnde Vertrauen der Bev&ouml;lkerung gegen&uuml;ber allem, was die offiziellen Stellen &uuml;ber die Pandemie verk&uuml;nden. Im Moskauer Umland sah ich aggressive Pro-Impf-Plakate mit Slogans wie diesem: &bdquo;Wie viele Menschen m&uuml;ssen noch sterben, bevor du dich impfst?&ldquo; Eine Schm&auml;h- und Hass-Stimmung gegen Impf-Skeptiker  gibt es in Russland aber nicht. <\/p><p>Die Impfbereitschaft ist auch deshalb so gering, weil das Vertrauen der Russen zu Putin zwar noch hoch, gegen&uuml;ber Politikern und gegen&uuml;ber dem Gesundheitssystem jedoch gering ist. In den letzten zehn Jahren wurde alles &bdquo;effektiviert&ldquo;. Man kann sich jetzt zwar online in der Poliklinik anmelden, aber die Wartezeit ist nicht geringer geworden und weiterhin erwarten die schlecht bezahlten &Auml;rzte bei gr&ouml;&szlig;eren Operationen einen zus&auml;tzlichen Geldbetrag als Geschenk. <\/p><p><strong>Glaubw&uuml;rdigkeits- und Gerechtigkeitsl&uuml;cke<\/strong><\/p><p>Viele Menschen sehen nicht ein, warum sie sich den Impf-Anweisungen von Beamten beugen sollen, die selbst gro&szlig;e Datschen haben und ihre Kinder auf bessere Schulen schicken k&ouml;nnen. Kurz gesagt, es gibt eine Glaubw&uuml;rdigkeits- und Gerechtigkeitsl&uuml;cke, die sich negativ auf eine Kooperation von Staat und B&uuml;rgern auswirkt. <\/p><p>Auch gibt es seit den chaotischen 1990er-Jahren, als Russland im Schnelltempo in einen wilden Kapitalismus schlitterte, einen verbreiteten Fatalismus gegen&uuml;ber lebensgef&auml;hrlichen Situationen.<\/p><p>Einen Dialog mit Impfkritikern &ndash; der die Akzeptanz gegen&uuml;ber dem Impfen erh&ouml;hen k&ouml;nnte &ndash; gibt es in Russland nicht. Alles wird von Oben angeordnet und per Erlassen und zweifelhaften Werbekampagnen durchgesetzt. <\/p><p>Um die Bev&ouml;lkerung zum Impfen zu motivieren, hat die Stadtverwaltung von Moskau angeordnet, dass Impfbereite an einer Lotterie teilnehmen k&ouml;nnen. Der Hauptgewinn ist ein Neuwagen. Im Moskauer Umland kann man sogar eine Wohnung gewinnen. Solche Ma&szlig;nahmen bringen zwar das Thema Impfen ins Gespr&auml;ch, Vertrauen in die russische Corona-Politik schaffen sie aber nicht. <\/p><p>Titelbild: Haris Mm \/ Shutterstock<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/70bdeb9170634e1b97919efeb36a7c8c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-&bdquo;Infektionszahlen&ldquo; in Russland sind hoch, aber die Impfquote in dem &bdquo;autorit&auml;r&ldquo; regierten Land liegt mit 40 Prozent international ganz unten. Kein russischer Politiker wagt es, das Impfen von Kindern zu fordern. Schm&auml;h- und Hass-Kampagnen gegen Impf-Skeptiker gibt es in Russland ebenfalls nicht. Doch nun will die russische Regierung &bdquo;aufholen&ldquo;. 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