{"id":78305,"date":"2021-11-25T09:30:08","date_gmt":"2021-11-25T08:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78305"},"modified":"2021-11-25T15:48:02","modified_gmt":"2021-11-25T14:48:02","slug":"entdeckung-der-langsamkeit-r2g-parteien-planen-kommunalisierung-der-s-bahn-zum-sankt-nimmerleins-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78305","title":{"rendered":"Entdeckung der Langsamkeit. R2G-Parteien planen Kommunalisierung der S-Bahn zum Sankt-Nimmerleins-Tag"},"content":{"rendered":"<p>Der alte und absehbar neue Hauptstadtsenat will dem DB-Konzern die Berliner S-Bahn abkaufen. Zu diesem Zweck werde man ein landeseigenes Unternehmen aufbauen, um sich an k&uuml;nftigen Vergaberunden zu beteiligen. Bei SPD, Gr&uuml;nen und Linkspartei l&auml;uft das in der Rubrik Kommunalisierung. Was verhei&szlig;ungsvoll klingt, hat einen gewaltigen Haken: Die laufende Ausschreibung zur Vergabe zweier Teilnetze sowie zur Beschaffung und Instandhaltung eines neuen Fuhrparks soll wie geplant zum Abschluss gebracht werden. Mit der proklamierten Vergesellschaftung k&ouml;nnte es so aber noch Jahrzehnte dauern. Wer wei&szlig;, ob sich dann noch jemand an das sch&ouml;ne Versprechen erinnert &ndash; oder an &bdquo;rote Regierungssozialisten&ldquo;. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3059\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-78305-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211125_R2G_Parteien_planen_Kommunalisierung_der_S_Bahn_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211125_R2G_Parteien_planen_Kommunalisierung_der_S_Bahn_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211125_R2G_Parteien_planen_Kommunalisierung_der_S_Bahn_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211125_R2G_Parteien_planen_Kommunalisierung_der_S_Bahn_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=78305-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211125_R2G_Parteien_planen_Kommunalisierung_der_S_Bahn_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211125_R2G_Parteien_planen_Kommunalisierung_der_S_Bahn_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Juchee! Das von manchen als &bdquo;links&ldquo; beleumundete Berliner Parteienb&uuml;ndnis aus SPD, Gr&uuml;nen- und Linkspartei schickt sich an, ein wahrhaft linkes Projekt zu wuppen. Am vergangenen Wochenende titelte der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb): &bdquo;Rot-Gr&uuml;n-Rot will Bund von <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/beitrag\/2021\/11\/land-berlin-koalitionsverhandlungen-rot-gruen-rot-bund-s-bahn-verkauf.html\">Verkauf der S-Bahn an Berlin<\/a> &uuml;berzeugen.&ldquo; Im Klartext: Der alte und wahrscheinlich neue Hauptstadtsenat nimmt die Kommunalisierung der S-Bahn in Angriff. Darauf, so der LINKEN-Verhandler und noch amtierende Kultursenator Klaus Lederer, habe man sich bei den laufenden Koalitionsgespr&auml;chen verst&auml;ndigt. Man wolle so auf Ausschreibungsprozesse verzichten, die &bdquo;viel Stress und &Auml;rger&ldquo; machten.<\/p><p>Da hat er wohl recht. Die aktuell laufende Ausschreibung zur Vergabe zweier Teilnetze sowie zur Beschaffung und Instandhaltung eines neuen Fuhrparks kam zuerst gar nicht so richtig vom Fleck. Der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69749\">Bewerbungsschluss vor neun Monaten<\/a> wurde mehrmals verschoben, irgendwie waren wohl weniger Interessenten interessiert, als die Verantwortlichen sich erhofft hatten. Im Juni dann stellte der Alstom-Konzern einen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/verzoegerungen-bei-milliardenprojekt-alstom-klagt-gegen-ausschreibung-fuer-neue-berliner-s-bahn-zuege\/27448482.html\">Nachpr&uuml;fantrag zum Vergabeverfahren<\/a> bei der Vergabekammer des Landes Berlin. Der franz&ouml;sische Schienenfahrzeugbauer gilt als einzig ernst zu nehmender Konkurrent der Deutschen Bahn (DB), die aktuell noch in Gestalt ihrer Tochter S-Bahn Berlin GmbH das ganze S-Bahn-Netz bespielt. <\/p><p><strong>Zeitspiel beim Vergabepoker <\/strong><\/p><p>Der Mitbewerber sieht sich angesichts dieser Ausgangslage im Nachteil und soll gar mit R&uuml;ckzug gedroht haben, wenn die Regularien nicht im Sinne gr&ouml;&szlig;erer Chancengleichheit ge&auml;ndert w&uuml;rden. Setzt es wie angek&uuml;ndigt eine Klage, k&ouml;nnte sich die Vergabe Monate, wenn nicht Jahre verz&ouml;gern. Dabei sollte die n&auml;chste Stufe, die Aufforderung zur Abgabe verbindlicher Angebote an die qualifizierten Bieter, schon im Dezember erfolgen. Und f&uuml;r Oktober 2022 ist die K&uuml;r des oder der Sieger avisiert. Was, wenn der Zeitplan nicht aufgeht und das Ganze zu einer H&auml;ngepartie wird wie im Fall der Berliner U-Bahn? Auch da hatten die Franzosen &bdquo;Stress und &Auml;rger&ldquo; gemacht, als es um den Auftrag zur Fertigung neuer Wagen ging. Am Ende kostete die juristische Keilerei eineinhalb Jahre und das v&ouml;llig umsonst. Alstom zog den K&uuml;rzeren. Angenommen, die Geschichte wiederholt sich: Erfolgt der Zuschlag zum Betrieb von zwei Dritteln des Berliner S-Bahn-Netzes sowie zur Beschaffung und Instandhaltung eines modernen Fahrzeugpools vielleicht erst 2023, 2024 oder sogar sp&auml;ter? Dann bliebe nicht mehr viel Zeit f&uuml;r den oder die Gewinner &ndash; sofern nicht die DB alles abr&auml;umt &ndash; um bis 2027 startklar zu sein. <\/p><p>Aber solche Sorgen haben sich ja sowieso erledigt. Schlie&szlig;lich setzt doch R2G die Kommunalisierung der S-Bahn aufs Gleis &ndash; von wegen weniger &bdquo;Stress und &Auml;rger&ldquo;. So ein bisschen bei&szlig;t sich die Aussage allerdings damit, dass man die Ausschreibung, also den Stressfaktor Nr. 1, einfach mal weiterlaufen lassen will. Laut SPD-Quellen, auf die sich der rbb beruft, bedeute die getroffene Vereinbarung n&auml;mlich mitnichten, &bdquo;die derzeit laufenden Ausschreibungsverfahren abzubrechen&ldquo;. Vertreter von Die LINKE sollen sich dagegen so eingelassen haben, ein Ende des Verfahrens bleibe eine Option. Ja, was denn nun? Und wie passt das alles mit der &Auml;u&szlig;erung der neuen Berliner SPD-Vorsitzenden und demn&auml;chst wohl ersten Regierenden B&uuml;rgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, zusammen, dass man &uuml;ber das Thema noch sprechen werde? <\/p><p><strong>Giffey bremst Volksentscheid aus <\/strong><\/p><p>Giffey gilt gerade nicht als gro&szlig;er Fan von Verstaatlichungen und wie zum Beweis bet&auml;tigt sie sich dieser Tage als Chefbremserin des erfolgreichen Volksentscheids zur Enteignung gro&szlig;er Immobilienkonzerne. Den wollen die Initiatoren vom B&uuml;ndnis &bdquo;Deutsche Wohnen und Co. enteignen&ldquo; schnellstens umgesetzt wissen und die Linkspartei eigentlich auch. Zu Wochenanfang haben sich die Koalitionsverhandler in der Frage auf einen Fahrplan festgelegt. Demnach soll eine <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/wahl\/abgeordnetenhaus\/agh-2021\/beitraege\/koalitionsverhandlungen-berlin-stadtentwicklung-volksentscheid.html\">Expertenkommission<\/a> das Thema in all seinen Dimensionen noch einmal durchkauen und der Senat auf Basis ihrer Empfehlungen im Jahr 2023 &bdquo;gegebenenfalls Eckpunkte f&uuml;r ein Vergesellschaftungsgesetz&ldquo; entwickeln. Danach erst werde die Politik eine abschlie&szlig;ende Entscheidung treffen. Immerhin sollen in dem Gremium die Initiatoren des Volksentscheids mitmischen d&uuml;rfen &ndash; quasi als Sterbebegleiter ihres eigenen &bdquo;Kindes&ldquo;. <\/p><p>Als eine Mogelpackung &auml;hnlicher G&uuml;te k&ouml;nnte sich auch die &bdquo;Absprache&ldquo; entpuppen, die S-Bahn zu kommunalisieren. Dabei waren die Voraussetzungen daf&uuml;r nie besser als heute. Die geltenden Verkehrsvertr&auml;ge f&uuml;r die Teilnetze Nord-S&uuml;d und Stadtbahn laufen ab 2027 sukzessive aus. Bis dahin bliebe genug Zeit, ein landeseigenes Eisenbahnunternehmen auf die Beine zu stellen, das dann in sechs bis sieben Jahren die Nachfolge der S-Bahn Berlin GmbH antreten w&uuml;rde. Juristisch w&auml;re das unter bestimmten Bedingungen durchaus m&ouml;glich. Das Land kann den Betrieb via Direktvergabe an ein eigenes oder von ihm kontrolliertes Unternehmen &uuml;bertragen. Was die Sache noch besser macht: 2035 laufen die Vertr&auml;ge zum Betrieb der Ringbahn und der s&uuml;d&ouml;stlichen Zulaufstrecken aus. Die Berliner DB-Tochter hatte 2015 bei der ersten Vergaberunde den Zuschlag als am Ende einzig verbliebener Bieter erhalten (was den Propagandisten von &bdquo;mehr Wettbewerb auf der Schiene&ldquo; schon damals gegen den Strich ging). <\/p><p><strong>Landeseigenes Eisenbahnunternehmen <\/strong><\/p><p>Meinten es die R2G-Macher also wirklich ernst mit ihrer Ansage, k&ouml;nnte Berlin schon in sechs Jahren &uuml;ber zun&auml;chst zwei Drittel des S-Bahn-Netzes und mittelfristig &uuml;ber das Gesamtnetz verf&uuml;gen, um es im Interesse der Kunden, der Besch&auml;ftigten und nicht zuletzt des Klimas weiterzuentwickeln? Das passte auch deshalb so gut ins Bild, weil das Land mit der U-Bahn, den Bussen, Stra&szlig;enbahnen und F&auml;hren schon &uuml;ber einen Gutteil des hauptst&auml;dtischen Nahverkehrs waltet. Und wohlgemerkt werden alle diese Leistungen im Zuge einer Direktvergabe durch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erbracht. Gesellte sich am Ende noch die S-Bahn dazu, h&auml;tte Berlin ein nahezu einheitliches, integriertes &ouml;ffentliches Verkehrssystem. Was k&ouml;nnte es angesichts der &ouml;kologischen Herausforderungen und der beschworenen Mobilit&auml;tswende Besseres geben?<\/p><p>Das scheinbar Sch&ouml;ne an der Sache ist: SPD, Gr&uuml;ne und LINKE denken offenbar wirklich in diese Richtung. Nach rbb-Informationen arbeiten diese an einem Plan, &bdquo;in jedem Falle ein landeseigenes Eisenbahnunternehmen zu gr&uuml;nden&ldquo;. Dieses, so hei&szlig;t es weiter, k&ouml;nnte sich gegebenenfalls an k&uuml;nftigen Vergaben beteiligen. Au&szlig;erdem wolle man beim Bund daf&uuml;r werben, das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschr&auml;nkungen dahingehend zu &auml;ndern, dass bei besonderen Netzen wie dem der S-Bahn in Berlin auch Direktvergaben ohne Ausschreibung m&ouml;glich w&auml;ren. <\/p><p>Nur stellt sich die entscheidende Frage, in welchem Zeitrahmen das alles passieren soll. Und vor allem: Warum will man die Ausschreibung nicht stoppen? Das n&auml;mlich w&auml;re jederzeit m&ouml;glich, wie sich das B&uuml;ndnis &bdquo;Eine S-Bahn f&uuml;r alle&ldquo; durch einen Gutachter hat best&auml;tigen lassen. Laut dem Oldenburger Rechtsanwalt Benno Reinhardt sei der Auftraggeber &bdquo;grunds&auml;tzlich frei darin, ein <a href=\"https:\/\/gemeingut.kunden.heinlein-hosting.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Benno_Reinhardt_Positionspapier_Vergabe_S-Bahn_Berlin.pdf\">Vergabeverfahren abzubrechen<\/a> und die Beschaffung abzubrechen&ldquo;. Selbst nach Abschluss des Findungsprozesses w&auml;re der Senat &bdquo;nicht verpflichtet, den Zuschlag zu erteilen&ldquo;. <\/p><p><strong>Warten wird teuer<\/strong><\/p><p>Gleichwohl ist es nicht ganz unerheblich, wann die Notbremse gezogen wird. Unterschieden wird zwischen einem &bdquo;negativen&ldquo; und einem &bdquo;positiven Interesse&ldquo; der Bewerber. Ersteres besteht, wenn noch mehrere Bieter in der Verlosung sind und im Fall des Abbruchs f&uuml;r den bis dahin entstandenen Aufwand entsch&auml;digt werden m&uuml;ssen. Nach Reinhardts Einsch&auml;tzung w&auml;ren diese Kosten sehr &uuml;berschaubar. Anders verhielte es sich, wenn die Politik das Ende abwartet und nur noch die siegreichen Kandidaten beziehungsweise ein alleiniger Sieger &uuml;brig sind. Wird erst dann die Rei&szlig;leine gezogen, best&uuml;nde ein Anrecht auf Erstattung der entgangenen Gewinne, was sich bei den in Frage stehenden Laufzeiten von 15 bis 30 Jahren im Bereich von Hunderten Millionen Euro bewegen k&ouml;nnte. Als Menetekel schreckt hier die gescheiterte &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo;. Die verhinderten Betreiber wollen vom Bund knapp 800 Millionen Euro kassieren, weil Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) das <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55679\">Gesch&auml;ft ohne Rechtssicherheit<\/a> eingef&auml;delt hatte. <\/p><p>Faktisch liegen die Dinge so: Je l&auml;nger die Ausschreibung fortdauert, desto st&auml;rker blutet der Steuerzahler. Und ganz arg wird es, wenn man bis zum bitteren Ende zaudert und ein Kandidat auf dem Siegertreppchen steht, den man da nicht haben wollte und deshalb ausbootet. An der Basis der SPD sieht man die Wetteiferei ums beste Angebot &auml;hnlich argw&ouml;hnisch wie innerhalb der LINKEN. Beide Parteien lehnen eine Zerschlagung und Privatisierung der S-Bahn ab und pl&auml;dieren f&uuml;r einen &bdquo;Betrieb aus einer Hand&ldquo;. Die Sorge ist, im Falle neuer Betreiber &ndash; mit der DB tummelten sich dann mindestens zwei, bei neun Bewerbungsm&ouml;glichkeiten wom&ouml;glich sogar mehr auf dem Gesamtnetz &ndash; k&ouml;nnte bald ein riesiges Chaos herrschen: mit einer Vielzahl an Schnittstellen, Doppelstrukturen, Ineffizienzen und immensen Transaktionskosten. Gleichwohl ist die Beschlusslage der Sozialdemokraten die, erst nach Abschluss der Ausschreibung dar&uuml;ber zu befinden, ob man das Ergebnis umsetzt oder dies bei Missfallen unterl&auml;sst. <\/p><p><strong>DB, Siemens und Stadler in einem Boot<\/strong><\/p><p>Insgeheim hofft man in Reihen der SPD (und gewiss auch bei den LINKEN) darauf, und daf&uuml;r spricht tats&auml;chlich einiges, dass die Deutsche Bahn als alleiniger Triumphator das Rennen macht und damit auch k&uuml;nftig den Gesamtbetrieb erledigt. Die DB hat sich mit Siemens und Stadler zu einem <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/wirtschaft\/beitrag\/2021\/11\/berlin-s-bahn-nord-sued-linien-kommunalisierung-ausschreibung.html\">Konsortium<\/a> zusammengeschlossen. Das verspricht erhebliche Kostenvorteile, da die beiden Fahrzeugbauer bereits die neueste S-Bahn-Reihe fertigen. Als Hauptkontrahent wird ein Verbund aus Alstom und dem deutsch-franz&ouml;sischen Bahn- und Busbetreiber TransDev gehandelt. Wie eingangs geschrieben hat Alstom bereits die Justiz in Stellung gebracht. Das strahlt nicht unbedingt Zuversicht aus, am Ende die Nase vorn zu haben. <\/p><p>Man male sich aus, es kommt doch genau so. Stellt sich der Senat dann hin und t&ouml;nt: mit mir nicht! Und pr&auml;sentiert den Berlinern eine millionenschwere Rechnung zur Begleichung von Profiten, die Alstom h&auml;tte machen k&ouml;nnen? Wie das wohl bei den W&auml;hlern ank&auml;me? Oder l&auml;sst man die Franzosen dann doch lieber ihren Job machen und gibt zerknirscht gr&uuml;nes Licht zum Ausverkauf? Aber nehmen wir nicht das Schlimmste an und gehen von einem Fortwirken des Status quo unter DB-Hoheit aus, womit der &bdquo;Betrieb aus einer Hand&ldquo; sichergestellt w&auml;re und die Zerst&uuml;ckelung der S-Bahn vorerst abgewendet. SPD und Linke werden sagen, das sei die beste aller L&ouml;sungen, und selbst die Gr&uuml;nen (ausgerechnet), deren Noch-Verkehrssenatorin Regine G&uuml;nther den Ausverkauf der S-Bahn zwecks &bdquo;effektivem Wettbewerb&ldquo; bei &bdquo;vern&uuml;nftigen Preisen&ldquo; und &bdquo;dauerhaft guter Qualit&auml;t&ldquo; forciert hatte, k&ouml;nnten sich als gute Verlierer pr&auml;sentieren. Schlie&szlig;lich h&auml;tte die Sache ja auch anders ausgehen k&ouml;nnen. <\/p><p>Wird sich dann noch einer entsinnen, dass R2G fr&uuml;her einmal (heute) die Fahne &bdquo;Kommunalisierung&ldquo; geschwenkt hatte? Hier liegt der Hund begraben. Wer an der Ausschreibung festh&auml;lt, verunm&ouml;glicht eine Kommunalisierung der S-Bahn &ndash; und zwar auf ganz lange Sicht. Das landeseigene Eisenbahnunternehmen, das die alte und neue Koalition angeblich aufzubauen gewillt ist, wird nicht mehr als eine leere H&uuml;lle im Wartestand. Zum Zuge k&auml;me sie fr&uuml;hestens nach Auslaufen der Verkehrsvertr&auml;ge, 2035 f&uuml;r die Ringbahn, ab 2042 f&uuml;r Nord-S&uuml;d und Stadtbahn, entweder per Direktvergabe oder durch Beteiligung an der n&auml;chsten Ausschreibungsrunde. Auch erscheint der Weg, den die Koalition mit dem Aufkauf der S-Bahn Berlin GmbH verfolgen m&ouml;chte, viel steiniger als der, auf die Karte Direktvergabe an ein Unternehmen in Landeseigentum zu setzen. Bisher hatte die Bahn-Spitze eine Ver&auml;u&szlig;erung der Tochterfirma stets vehement abgelehnt und auch der Bund als DB-Eigner sperrte sich bis dato gegen das Rezept. Ob sich dies unter einer demn&auml;chst SPD-gef&uuml;hrten Bundesregierung &auml;ndern k&ouml;nnte und es bereits entsprechende Absprachen mit den Berliner R2G-Verhandlern gibt, kann aktuell nur spekuliert werden. Der am Mittwoch von SPD, Gr&uuml;nen und FDP vorgelegte Koalitionsvertrag der k&uuml;nftigen Ampelkoalition greift das Thema jedenfalls nicht auf. <\/p><p><strong>Alles nur Ablenkung?<\/strong><\/p><p>Keine Frage: Der mindestens rhetorische Richtungswechsel der Berliner Regenten ist mehr als nur ein Achtungserfolg f&uuml;r alle, die seit Monaten gegen den Privatisierungskurs der gr&uuml;nen Verkehrssenatorin aufbegehren. &bdquo;Eigentlich m&uuml;ssten wir ein riesiges Feuerwerk z&uuml;nden&ldquo;, bemerkte Carl Wa&szlig;muth vom Verein Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand (GiB), der federf&uuml;hrend am B&uuml;ndnis &bdquo;Eine S-Bahn f&uuml;r alle&ldquo; beteiligt ist. &bdquo;Was da von den Verhandelnden euphemistisch als &sbquo;Stress und &Auml;rger&lsquo; bezeichnet wird, ist ja nur das kleinste Vorgepl&auml;nkel des anstehenden Privatisierungsprozesses&ldquo;, sagte er den NachDenkSeiten. &bdquo;Noch viel mehr Stress und &Auml;rger d&uuml;rfte es an der Basis der beteiligten Parteien gegeben haben. Dort konnte schon l&auml;nger niemand mehr nachvollziehen, was an einem derart neoliberalen Wahnsinnsprojekt sozial, links oder &ouml;kologisch sein soll.&ldquo;<\/p><p>Wa&szlig;muths Mitstreiter Janek Neuendorf empfiehlt den k&uuml;nftigen Koalition&auml;ren, beim Aufbau eines landeseigenen Unternehmens nicht nur auf eine Karte zu setzen und auf einen Verkauf durch die DB zu hoffen. &bdquo;Offensichtlich bauen SPD und Linke darauf, dass es am Ende bei den alten Verh&auml;ltnissen bleibt und der Ruf nach einer Kommunalisierung wieder verstummt&ldquo;, erkl&auml;rte er gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Fakt ist, wer die laufende Ausschreibung fortf&uuml;hren will, verspielt die M&ouml;glichkeit einer Kommunalisierung f&uuml;r 15 beziehungsweise 30 Jahre und gef&auml;hrdet eines der wichtigsten Verkehrssysteme der Stadt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dazu noch einmal Wa&szlig;muth: &bdquo;Wenn die Koalition nicht schnell abbricht, besteht der Verdacht, dass ihre Ank&uuml;ndigung vom Kauf der S-Bahn nur ein T&auml;uschungsman&ouml;ver ist.&ldquo;  <\/p><p>Titelbild: fizkes \/ Shutterstock<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/eaa5d9f3a6c5495d913e8e870d0eca0a\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der alte und absehbar neue Hauptstadtsenat will dem DB-Konzern die Berliner S-Bahn abkaufen. 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