{"id":78627,"date":"2021-12-06T09:35:04","date_gmt":"2021-12-06T08:35:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78627"},"modified":"2021-12-06T10:45:29","modified_gmt":"2021-12-06T09:45:29","slug":"die-spannungen-nicht-auf-die-spitze-treiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78627","title":{"rendered":"Die Spannungen nicht auf die Spitze treiben"},"content":{"rendered":"<p>Das ist die Botschaft eines neuen Textes von <strong>Willy Wimmer<\/strong>. Es ist auch die Botschaft eines Interviews mit dem russischen Pr&auml;sidenten, auf das Willy Wimmer im Zusammenhang mit seinem Text aufmerksam gemacht hat. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8CZBGaPFnvE\">Dieses Interview<\/a> des amerikanischen Journalisten Charlie Rose mit Putin stammt zwar von 2015. Aber es ist aufschlussreich auch f&uuml;r die Bewertung der jetzigen angespannten Situation zwischen West und Ost. In diesem Interview ist sp&uuml;rbar, welch ein au&szlig;enpolitischer Wahnsinn die vom Westen betriebene Isolierung Russlands darstellt. Das Interview dauert nur 8 Minuten und 45 Sekunden. Dieser Zeitaufwand lohnt sich. Dazu im Folgenden der Text von Willy Wimmer. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Willy Wimmer<\/strong><br>\n<strong>5. 12. 2021<\/strong><\/p><p>Die Menschen in Europa &ndash; und nicht nur in Europa &ndash; wissen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Wohin sie auch blicken, sehen sie dramatische Gefahren auf sie zukommen. Diese Gefahren betreffen ihre menschliche Existenz, ihr wirtschaftliches &Uuml;berleben, ihre politische F&auml;higkeit, &uuml;ber ihr staatliches Dasein selbst zu bestimmen und ihre Zukunft in einer von Kriegen bestimmten Welt. Alles, was um uns herum geschieht, ist eine einzige Aufforderung an diejenigen, die f&uuml;r die Staaten die Verantwortung tragen, die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben. Stattdessen ist das einzige Gebot dieser Stunde, Spannungen abzubauen und ein gedeihliches Miteinander der Menschen, V&ouml;lker und Staaten zu erm&ouml;glichen. Darauf setzen die Menschen in Europa, wenn sich am 7. Dezember 2021 der russische Pr&auml;sident Putin und der amerikanische Pr&auml;sident Biden in einer Video-Konferenz corona-gem&auml;&szlig; begegnen, um &uuml;ber die Brandherde dieser Welt zu sprechen.<\/p><p>Die Lage f&uuml;r uns alle in Europa ist brandgef&auml;hrlich. Dazu z&auml;hlen gewiss die Abl&auml;ufe, die wir alle an jedem Tag eines jeden Jahres in den Spannungszonen auf unserem gemeinsamen Kontinent erleben. Die dramatischen Bilder aus der Zeit des ersten Kalten Krieges kehren Tag um Tag wieder. Damals war es oft nur durch Zufall und Gottes F&uuml;gung m&ouml;glich, das Vergl&uuml;hen unseres gemeinsamen Kontinentes zu verhindern. Das, was damals die Gefahren heraufbeschwor, ist heute wieder an der Tagesordnung. Es wird aus dem Blick verloren, wie man sich als Nachbar dem Nachbarn gegen&uuml;ber verh&auml;lt.<\/p><p>Gerade wir in Deutschland wissen um die existentielle Gefahr, die vom Verhalten bestimmter M&auml;chte ausgeht. Es ist unsere Erfahrung seit dem Ende des ersten Kalten Krieges in Europa und dem, was sich f&uuml;r unser Land und dabei geschaffene Zwangl&auml;ufigkeiten zeigt. Seit 1990 beschwor jede Bildung einer deutschen Regierung nach den Wahlen zum Deutschen Bundestag die h&ouml;chsten Gefahren f&uuml;r den Frieden hervor. Der ordin&auml;re Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien im Fr&uuml;hjahr 1999 war nur m&ouml;glich, weil in geschickter Weise Deutschland gegen den &uuml;berw&auml;ltigenden Willen seiner Menschen kriegsbereit und kriegsf&auml;hig gemacht wurde. Diese Muster fanden auch sp&auml;ter wieder ihre Anwendung, wie der Angriffskrieg gegen den Irak deutlich machte. Die Zeit einer Regierungsbildung in Deutschland ist von h&ouml;chster Gefahr f&uuml;r den Weltfrieden, weil Deutschland gegen seinen Willen &uuml;ber die eigens daf&uuml;r geschaffenen internationalen Strukturen zu aggressivem Verhalten anderen Staaten und V&ouml;lkern gegen&uuml;ber gen&ouml;tigt wird.<\/p><p>Dieses Muster zeigt sich heute wieder in besorgniserregender Weise. Wirtschaftlich stabile Beziehungen tragen zum Frieden und zur Stabilit&auml;t in Europa in hohem Ma&szlig;e bei. Das zeigen die Verbindungen zwischen Russland und Deutschland &uuml;ber mehr als einhundertf&uuml;nfzig Jahre. Beide Staaten waren zuverl&auml;ssige Partner und w&auml;ren ein Segen f&uuml;r Europa und seinen Fortschritt gewesen, wenn man sie denn gelassen haben w&uuml;rde. Heute zeigt sich das an der Bereitschaft Russlands, die kritisch gewordene Energieversorgung in Europa und dabei nicht nur von Deutschland und Gro&szlig;britannien stabil zu gestalten und dies durch die Pipeline Northstream 2 umzusetzen. Dieses inzwischen technisch umgesetzte Projekt zwischen St. Petersburg und R&uuml;gen ist Gegenstand der politischen Erpressung seitens unserer westlichen Partner, die die Souver&auml;nit&auml;t Deutschlands und seine Politik der guten Nachbarschaft au&szlig;er Kraft zu setzen in der Lage ist. Durch Entscheidungen in der NATO und unter Mitwirkung einer nur noch gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Bundesregierung wird ein deutscher General in dieser h&ouml;chst angespannten Zeit zum Verantwortlichen f&uuml;r die gesamte NATO-Ostfront mit Hauptquartier in Stettin bestellt. Ziel dabei ist es, Deutschland in Zwangsl&auml;ufigkeiten dann zu versetzen, wenn dies mit Sto&szlig;richtung gegen Russland im Interesse der NATO-F&uuml;hrungsmacht USA ist. In die Zeit einer &Uuml;bergangsregierung in Berlin f&auml;llt das komplette Einfrieren der Gespr&auml;chsverbindungen zwischen Moskau und NATO-Br&uuml;ssel zum Nachteil f&uuml;r die europ&auml;ische Sicherheit. Gegen jede vertragliche Bestimmung im NATO-Vertrag m&uuml;ssen wir erleben, dass die Zeit einer derzeit nur gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Bundesregierung benutzt wird, die Ukraine mit ihren extrem zweifelhaften Verbindungen zu Nazi-Kampfeinheiten gegen ihren russischen Nachbarn milit&auml;risch aufzur&uuml;sten. Alle entsprechenden Bestimmungen des NATO-Vertrages und der Charta der Vereinten Nationen werden durch den Westen mit F&uuml;&szlig;en getreten. Die Zeit einer &Uuml;bergangsregierung derzeit in Berlin wird dazu benutzt, &uuml;ber gegen den Willen des deutschen Volkes in Aussicht gestellte britische Truppenverlegungen nach Deutschland unser Land wieder einem Besatzungsverhalten fremder M&auml;chte auszusetzen, obwohl Gro&szlig;britannien seinen kompletten Milit&auml;rabzug aus Deutschland bereits f&uuml;r 2019 in Aussicht gestellt hatte.<\/p><p>Aus Anlass der hundertsten Wiederkehr von Versailles 1919&nbsp; wurde durch den russischen Pr&auml;sidenten Putin und Monate sp&auml;ter durch den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Macron deutlich gemacht, in welchem Ma&szlig;e seit der Bildung des Deutschen Reiches 1871 das Verhalten der angels&auml;chsischen M&auml;chte mit den Vereinigten Staaten und Gro&szlig;britannien an der Spitze und Frankreich davon bestimmt gewesen ist, sich den europ&auml;ischen Kontinent gef&uuml;gig zu halten und daf&uuml;r Deutschland und Russland zwecks Verhinderung einer gedeihlichen Zusammenarbeit ihrem Willen zu unterwerfen. Das wurde mit der Konferenz von Versailles 1919, die nur vor dem Hintergrund der innen- und au&szlig;enpolitischen Zielsetzung bei den Siegerm&auml;chten gesehen werden kann, besonders deutlich. Einmal in der Anlage von Versailles, den n&auml;chsten Krieg in Europa m&ouml;glich zu machen, der das Ziel des Ersten Weltkrieges vollenden w&uuml;rde. Gleichzeitig wurde durch die alliierte Invasion Russlands die gesamte Zielrichtung des westlichen Vorgehens auf dem euro-asiatischen Kontinent deutlich. An dieser Zielsetzung hat sich nichts ge&auml;ndert, lediglich das Ziel konnte bis heute nicht verwirklicht werden.<\/p><p>Der deutsche Publizist Wolfgang Effenberger hat vor kurzem auf die alliierte Planung verwiesen, bereits vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht des Deutschen Reiches am Ende des Zweiten Weltkrieges mit ebendieser Wehrmacht den Kampf gegen die Rote Armee und damit die Sowjetunion&nbsp;erneut aufzunehmen. Auch das Ende des Kalten Krieges 1990 mit den Konsequenzen f&uuml;r das neu entstehende Russland sollte &uuml;ber den Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Nachfolgestaates der Sowjetunion bewirken, jede eigene Entscheidungsfreiheit f&uuml;r die staatliche russische F&uuml;hrung auf Dauer zu verlieren. Wie h&ouml;chste amerikanische Beamte deutlich gemacht haben, wurden Milliarden Dollar investiert, um Russland in der Ukraine gleichsam von seiner Geschichte und seinen nat&uuml;rlichen Verbindungen mit dem Ziel abzuschneiden, dieses Russland, unser gemeinsames Nachbarland, in eine vernichtende Isolierung zu treiben. Wie wenig dieses Ziel aus den Augen verloren geht, hat der &ouml;sterreichische Bundeskanzler Schallenberg als Au&szlig;enminister seines Landes nach den Ereignissen im Sommer 2019 in Minsk deutlich gemacht. In den heutigen Ereignissen an der polnisch-wei&szlig;russischen Grenze zeigt sich deutlich, was in Europa in jeder Hinsicht auf die Spitze getrieben werden soll. Es kann so nicht weitergehen und das muss bedeuten, die seit 1871 gegen den gemeinsamen Kontinent betriebene Politik gebietsfremder M&auml;chte&nbsp;zu beenden und zum Wohle aller zusammenzuarbeiten.<\/p><p><em>Willy Wimmer, 5. 12. 2021<\/em><br>\n&nbsp;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<br>\nsehr geehrtes Redaktionsteam der Nachdenkseiten,<\/p><p>RT DE hat gerade einen Essay von mir &uuml;ber die aktuellen Truppenaufm&auml;rsche in Russland und der Ukraine ver&ouml;ffentlicht.<\/p><p><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/128022-ukraine-westen-und-russland\/\">de.rt.com\/meinung\/128022-ukraine-westen-und-russland\/<\/a><\/p><p>In diesem Text analysiere ich den Alarmismus der westlichen Politiker und Medien und r&uuml;cke die&nbsp;Ereignisse in den Kontext des neuen Wettr&uuml;stens zwischen dem Westen und Russland. Die Spannungen sind ja auch ohne die gegenw&auml;rtig zugespitzte Krise um die Ukraine wieder brandgef&auml;hrlich. So sagte der russische Au&szlig;enminister Lawrow vor einigen Tagen unverbl&uuml;mt: &bdquo;Das albtraumhafte Szenario einer milit&auml;rischen Konfrontation, das unser Kontinent nach dem Ber&uuml;hmten NATO-Doppelbeschluss erlebte, kehrt zur&uuml;ck!&ldquo;<\/p><p>Im Worst Case k&ouml;nnten die gegenw&auml;rtigen Spannungen um die Ukraine oder andere geopolitische Hot Spots der Funke sein, der die l&auml;ngst im Westen und in Russland zum Himmel aufget&uuml;rmten &lsquo;Benzinf&auml;sser&lsquo; zur Explosion bringen w&uuml;rde. Es reicht daher nicht aus, dass &ndash; so dringend dies geboten ist &ndash; die Pr&auml;sidenten Biden und Putin kommenden Dienstag die aktuelle Krise hoffentlich entsch&auml;rfen werden.<\/p><p>Dringend geboten ist eine neue Entspannungspolitik, deren Grundz&uuml;ge ich u.a. im Anschluss an Gabriele Krone-Schmalz in meinem Essay skizziere. Und notwendig ist eine endlich aufgewachte kritische &Ouml;ffentlichkeit, die der Politik in dieser Richtung Druck macht, sprich: eine Friedensbewegung 2.0!<\/p><p>Ich w&uuml;rde mich freuen, wenn Sie einen Hinweis auf meinen Essay in Ihren &bdquo;Hinweisen des Tages&ldquo; ver&ouml;ffentlichen w&uuml;rden!<\/p><p>Ich w&uuml;nsche Ihnen noch einen sch&ouml;nen Zweiten Advent.<\/p><p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nIhr Leo Ensel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Botschaft eines neuen Textes von <strong>Willy Wimmer<\/strong>. Es ist auch die Botschaft eines Interviews mit dem russischen Pr&auml;sidenten, auf das Willy Wimmer im Zusammenhang mit seinem Text aufmerksam gemacht hat. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8CZBGaPFnvE\">Dieses Interview<\/a> des amerikanischen Journalisten Charlie Rose mit Putin stammt zwar von 2015. 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