{"id":78697,"date":"2021-12-08T10:35:50","date_gmt":"2021-12-08T09:35:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78697"},"modified":"2021-12-09T15:22:16","modified_gmt":"2021-12-09T14:22:16","slug":"kriegsgefahr-wird-real-wenn-wir-mit-der-propaganda-so-weitermachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78697","title":{"rendered":"Kriegsgefahr wird real, wenn wir mit der Propaganda so weitermachen"},"content":{"rendered":"<p>Heute Nacht erhielten wir einen Leserbrief von Anne Hofinga. Sie lebt in Russland und ist Initiatorin einer sozialen Einrichtung. Au&szlig;erdem ist sie verantwortlich f&uuml;r das deutsch-russische Sozialforum im Petersburger Dialog. Sie macht sich Sorgen um den Frieden, sie bef&uuml;rchtet, dass von westlicher Seite der Krieg herbeigeschrieben wird. Diese Sorge teilen wir. Deshalb geben wir sowohl ihre Mail als auch einen Text, den sie auf ihrer Webseite ver&ouml;ffentlicht hat, im Folgenden wieder. Dabei geht es konkret um die Vorw&uuml;rfe des Westens, Russland bedrohe die Ukraine. Siehe zum Thema auch den heute in den Hinweisen des Tages ver&ouml;ffentlichten Text von Christian M&uuml;ller im InfoSperber <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78687#h11\">Hinweise des Tages (nachdenkseiten.de)<\/a>. Albrecht M&uuml;ller.<\/p><p><!--more--><\/p><p><strong>Anne Hofinga:<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p><p>seit Jahren bin ich eifriger Leser der NachDenkSeiten. Sie sind ein Grund daf&uuml;r, dass ich an Medien noch nicht v&ouml;llig verzweifelt bin. Wenn man wie ich in Russland arbeitet und lebt (ich gr&uuml;ndete dort 1992 eine der ersten sozialen NGOs &uuml;berhaupt und leiste mit meinem Sozialzentrum bis heute russlandweit Aufbauarbeit) erlebt man eine immer tiefere Spaltung zwischen der Realit&auml;t des Lebens dort und den Narrativen, die einem Westmedien aufbinden wollen. Das derzeitige neue Kriegsgeschrei in Medien und von Politikern &bdquo;Russland &uuml;berf&auml;llt die Ukraine&ldquo; nimmt derart krasse Formen an, dass Kriegsgefahr tats&auml;chlich real wird: Es braucht bald nur noch einen Funken ins Pulverfass der aufgeheizten Stimmung, um eine unaufhaltbare Eskalation auszul&ouml;sen. &nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Den Krieg herbeischreiben<\/strong><\/p><p>Eines meiner einfachsten und gleichzeitig wirksamsten Sozialprojekte entstand im Jahr 1999 im kleinen St&auml;dtchen Jelnja in Westrussland. Im 2. Winter nach der russischen Wirtschaftskrise 1998 fielen in einer der Schulen reihenweise Kinder vor Hunger in Ohnmacht. Die Leistungen gingen dramatisch zur&uuml;ck. Die Stadt hatte aus Geldmangel die kostenlose Schulspeisung einstellen m&uuml;ssen. Sie war aber in der von Arbeitslosigkeit gepr&auml;gten Stadt f&uuml;r viele Kinder die einzige Mahlzeit am Tag. Wir &uuml;bernahmen bis zu den Sommerferien die Kosten f&uuml;r die Schulspeisung. Bald kamen Kinder auch dann in den Unterricht, wenn sie krank waren&hellip; Parallel entwickelten wir mit dem sehr engagierten Schulleiter und einem Sch&uuml;lervater mit eigenem Hof ein Schulgarten-Projekt. Alle Sch&uuml;ler halfen dort beim Anbau von Gem&uuml;se, die gro&szlig;en Jungen machten den Traktor-F&uuml;hrerschein und halfen dem Bauern auf den Feldern, die gro&szlig;en M&auml;dchen lernten Haltbarmachen und Vorratshaltung. Schon im Winter darauf reichten die selbst gezogenen Gem&uuml;sevorr&auml;te, um davon den 100 &auml;rmsten Sch&uuml;lern t&auml;glich ein Mittagessen zu reichen. Hinzu kamen Feldfr&uuml;chte, Eier, Milch und Milchprodukte, die der Bauer im Austausch f&uuml;r die Hilfe der &auml;ltesten Sch&uuml;ler lieferte. Unsere F&ouml;rderung war nicht mehr n&ouml;tig.<br>\n&nbsp;<br>\nBis Anfang der 2000er Jahre war ich viele Male in Jelnja und wei&szlig; daher sehr genau, wo es geografisch liegt:&nbsp;<\/p><ul>\n<li>&Ouml;stlich von Smolensk in Westrussland<\/li>\n<li>350 km zur (n&auml;chstgelegenen!) Nordgrenze der Ukraine (zu Russland)<\/li>\n<li>1000 km zur Ostgrenze der Ukraine (zu Russland) mit den Kriegsgebieten im Donbass<\/li>\n<li>170 km zur Ostgrenze zwischen Belarus und Russland.<\/li>\n<\/ul><p>Im Westen und in der Ukraine &uuml;berschlagen sich derzeit Medien und Politik mit Horrormeldungen von Soldaten und Kriegsger&auml;t, die in Jelnja (170 km vor Wei&szlig;russland!) zusammengezogen worden seien, um in n&auml;chster Zukunft die Ukraine mit einem Gro&szlig;angriff zu &uuml;berrollen.* Ich gehe nicht davon aus, dass die westlichen Journalisten keine Karten lesen und richtig interpretieren k&ouml;nnen. Die Angabe &bdquo;nur 240km von Jelnja bis zur ukrainischen Grenze&ldquo;, die man in der Zeit, im Spiegel, der Taz u.a. lesen konnte, ist also eine gezielte L&uuml;ge. Mich erinnert das fatal an historische L&uuml;gen: Den &bdquo;unerh&ouml;rten Banden&uuml;berfall auf den Sender Gleiwitz&ldquo;, angeblich von polnischer Seite, am 31. August 1939, auf den hin Deutschland vom 1. September 1939 &bdquo;zur&uuml;ckschoss&ldquo; und den 2. Weltkrieg ausl&ouml;ste. Auf der Grundlage einer deutschen False-Flagg-Operation. Einer L&uuml;ge. Oder an die &bdquo;Massenvernichtungswaffen im Irak&ldquo;, die 2003 nach dem Einmarsch der USA dort nie gefunden wurden. <\/p><p>Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier von Westmedien und -Politikern ein neuer gro&szlig;er Krieg regelrecht herbeigeschrieben und -geredet wird. Das Narrativ &bdquo;Russlands Armee steht an der ukrainischen Grenze und wird in K&uuml;rze einmarschieren&ldquo; wird gebetsm&uuml;hlenartig wiederholt, regelrecht eingepeitscht. Wenn die Stimmung noch mehr aufgeheizt wird, wird in irgendeiner nicht eindeutigen Situation, z.B. beim Flugverkehr, eine kleine Fehlinterpretation gen&uuml;gen, um eine gro&szlig;e und nicht mehr aufzuhaltende Eskalation auszul&ouml;sen. Oder die Eskalation wird wieder durch eine False-Flagg-Operation provoziert. Das Szenario, das dann Russland &bdquo;unzweifelhaft&ldquo; die alleinige Schuld zuweist, ist sicherlich schon geschrieben. <\/p><p>Wie 2008, als der damalige Pr&auml;sident Georgiens, Saakaschwili, versuchte, die abtr&uuml;nnigen Regionen S&uuml;dossetien und Abchasien mit Gewalt zur&uuml;ckzuerobern, w&auml;hrend die Welt von der Olympiade in Peking abgelenkt war. Russland kam den angegriffenen Regionen zu Hilfe, was den Krieg nach f&uuml;nf Tagen beendete. Ein Jahr sp&auml;ter best&auml;tigte die von der EU eingesetzte &ldquo;Unabh&auml;ngige Untersuchungskommission zum Konflikt in Georgien&rdquo; unter der Leitung der Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini, dass tats&auml;chlich Saakaschwili der Angreifer war, und nicht Russland. Trotzdem schreiben und sprechen bis heute alle sogenannten Leitmedien von &bdquo;Russlands &Uuml;berfall auf Georgien&ldquo;.<\/p><p>Ich lebe und arbeite seit &uuml;ber 30 Jahren in Russland. Das ist immer wieder nicht einfach, denn Russland tut sich schwer mit initiativen B&uuml;rgern. Aber die Russlanderfahrung meines ganzen Lebens sagt mir, dass Russland keinen Krieg will. Mit niemandem. Es kann aber vielleicht auf Dauer nicht verhindern, dass ihm ein Krieg aufgezwungen wird. Durch manipulierte Narrative, False Flagg-Operationen oder andere Fallen. <strong>Zudem: wenn ein so stolzes Land wie Russland &uuml;ber Jahrzehnte gezielt zum S&uuml;ndenbock und Pr&uuml;gelknaben eines Gro&szlig;teils der Welt gemacht wird, kann auch einmal der Punkt kommen, wo die Selbstachtung mehr einfach nicht zul&auml;sst. <\/strong><\/p><p>Die Situation ist brandgef&auml;hrlich! Ein Funke gen&uuml;gt inzwischen f&uuml;r den n&auml;chsten Krieg. Das kann ein Stellvertreterkrieg in der Ukraine sein. Genauso kann es zum n&auml;chsten Weltenbrand eskalieren. <\/p><p>Ich kann nicht begreifen, wie &bdquo;Leitmedien&ldquo; und Politiker das wollen k&ouml;nnen. <\/p><p>Und ebenso wenig, dass wir, der Souver&auml;n, das offenbar zulassen, ohne uns zu wehren.<\/p><p><a href=\"https:\/\/annehofinga.net\/zeitgeschehen\/\">annehofinga.net\/zeitgeschehen\/<\/a><\/p><p>Anne Hofinga<\/p><p>* Die Kilometerangaben waren in der urspr&uuml;nglichen Fassung nicht ganz korrekt und sind korrigiert. Quelle: Yandex-Maps. Aber die Hauptaussage des Artikels ist davon nicht ber&uuml;hrt.<br>\n&nbsp;<br>\nTitelbild: Martin Hibberd \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute Nacht erhielten wir einen Leserbrief von Anne Hofinga. Sie lebt in Russland und ist Initiatorin einer sozialen Einrichtung. Au&szlig;erdem ist sie verantwortlich f&uuml;r das deutsch-russische Sozialforum im Petersburger Dialog. Sie macht sich Sorgen um den Frieden, sie bef&uuml;rchtet, dass von westlicher Seite der Krieg herbeigeschrieben wird. Diese Sorge teilen wir. 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