{"id":7887,"date":"2011-01-04T14:11:25","date_gmt":"2011-01-04T13:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7887"},"modified":"2014-07-28T11:39:14","modified_gmt":"2014-07-28T09:39:14","slug":"ohne-einsicht-in-die-bedeutung-der-meinungsmache-versteht-auch-professor-krugman-die-welt-nicht-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7887","title":{"rendered":"Ohne Einsicht in die Bedeutung der Meinungsmache versteht auch Professor Krugman die Welt nicht mehr."},"content":{"rendered":"<p>Paul Krugman ist ein kluger Mann. Wir zitieren ihn oft und meist mit Respekt und Wohlwollen. Gestern erschien in der Frankfurter Rundschau ein <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/meinung\/zombies-muessen-draussen-bleiben-\/-\/1472602\/5056664\/-\/index.html\">Kommentar aus der New York Times<\/a> der beispielhaft zeigt, wie sich auch kluge Leute erfolglos abm&uuml;hen, die Welt zu verstehen, wenn sie nicht verinnerlicht haben, welche Bedeutung Meinungsmache f&uuml;r die &ouml;ffentliche Meinungsbildung und damit f&uuml;r politische Entscheidungen hat. Ich gehe auf diesen Vorgang nicht ein, um Paul Krugman zu kritisieren, sondern um Nachdenkseiten-Lesern und Interessierten an diesem Beispiel sichtbar zu machen, wie erfolgreich man analysieren kann, wenn man Orwells und unseren Denkansatz begriffen hat. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nKrugman stellt mit Recht f&uuml;r die USA fest, &bdquo;die Markt-Radikalen haben sich in allem geirrt&ldquo;. Und er wundert sich dar&uuml;ber, dass sie trotzdem &bdquo;die Politik st&auml;rker als je zuvor dominieren&ldquo;.<br>\nKrugman stellt fest, die Markt-Radikalen h&auml;tten auch weltweit so falsch gelegen wie in den USA &ndash; und sie h&auml;tten auch weltweit kaum Konsequenzen zu sp&uuml;ren bekommen.<br>\nKrugman zeigt am Fall des heutigen Schatzkanzlers Gro&szlig;britanniens, George Osborne, dass dieser noch 2006 Irland als ein leuchtendes Beispiel langfristiger Wirtschaftspolitik gefeiert habe. Er weist darauf hin, dass die Konservativen noch 2010 die irische Sparpolitik als gewaltigen Erfolg bejubelten. Sie war kein Erfolg. &bdquo;Aber solche Fehler scheinen nicht zu interessieren&ldquo;, r&auml;tselt Krugman. <\/p><p>Er sucht nach verschiedenen Ursachen; aber er kommt nicht auf die Idee zu untersuchen, welche Bedeutung Propaganda und Meinungsmache daf&uuml;r haben, dass die Markt-Radikalen als erfolgreich gelten, obwohl sie gescheitert sind.<br>\nKrugman sucht die Erkl&auml;rung beispielsweise in den g&auml;ngigen Lehren der &Ouml;konomie und in der Politik der Anpassung seines Pr&auml;sidenten Obama. Dieser habe die Rhetorik der Republikaner &uuml;bernommen. <\/p><p>Das sind durchaus Elemente der Erkl&auml;rung: die Verst&auml;rkung der Propaganda der Neoliberalen und Rechten durch Anpassung der Sprache und durch Entgegenkommen in der Politik haben es diesen erleichtert, trotz Versagens die Politik weiter zu beherrschen.<br>\nAber die eigentlichen Gr&uuml;nde daf&uuml;r, dass heute die Sanktionen gegen eine falsche Politik ausbleiben, liegen darin begr&uuml;ndet, dass es den herrschenden Meinungsf&uuml;hrern m&ouml;glich ist, &bdquo;aus Mist Marmelade zu machen&ldquo;. Paul Krugman h&auml;tte einfach nur beobachten m&uuml;ssen, wie Angela Merkel das macht. Sie wiederholt unentwegt die gleichen Behauptungen. Sie kennt ihren Orwell, unseren Orwell: wenn man immer wieder das Gleiche sagt und dies von einigen anderen auch sagen l&auml;sst, dann wird die L&uuml;ge zur Wahrheit. Wolfgang Lieb hat Merkels Tricks in seiner gestrigen <a href=\"?p=7869\">Analyse der Neujahrsansprache<\/a> ausreichend belegt.<\/p><p>Vielleicht sollte Professor Krugman einen des Deutschen m&auml;chtigen Assistenten oder Freund bitten, ihm gelegentlich Einsicht in die Nachdenkseiten zu verschaffen oder ihm den einschl&auml;gigen Passus aus der &bdquo;Vorbemerkung des Autors zu unser aller Betroffenheit&ldquo; im Buch &bdquo;Meinungsmache&ldquo; zu &uuml;bersetzen. Dann erspart er sich so manchen m&uuml;hsamen und zugleich erfolglosen Erkl&auml;rungsversuch.<\/p><p>Hier das einschl&auml;gige Zitat von den Seiten 8 und 9 der <a href=\"?page_id=4078\">&bdquo;Meinungsmache&ldquo;<\/a>. Der letzte Satz dieses Textes vom Juni 2009 betrifft &uuml;brigens direkt das R&auml;tselraten des Professor Krugman vom 3. Januar 2011:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wie auch immer &ndash; ich habe gelernt zu beobachten, welchen Einfluss Meinungsmache und Meinungsbildung auf politische Entscheidungen haben. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen komme ich zu f&uuml;nf Feststellungen:<\/p>\n<p>Erstens: Meinung macht Politik. Die &ouml;ffentliche Meinung ist oft ma&szlig;geblich f&uuml;r die politischen Entscheidungen.<\/p>\n<p>Zweitens: In vielen F&auml;llen bestimmt allein die ver&ouml;ffentlichte Meinung, also die von den tonangebenden Personen, Gruppen und Medien mehrheitlich vertretene Meinung, die politischen Entscheidungen.<\/p>\n<p>Drittens: Meinung kann man machen. Das wissen auch jene, die zur Durchsetzung ihrer Interessen politische Entscheidungen bestimmen wollen.<\/p>\n<p>Viertens: Wer &uuml;ber viel Geld und\/oder publizistische Macht verf&uuml;gt, kann die politischen Entscheidungen massiv beeinflussen. Die &ouml;ffentliche Meinungsbildung ist zum Einfallstor f&uuml;r den politischen Einfluss der neoliberalen Ideologie und der damit verbundenen finanziellen und politischen Interessen geworden. In einer von Medien und Geld gepr&auml;gten Gesellschaft ist das zum Problem der Mehrheit unseres Volkes geworden, zum Problem des sogenannten Mittelstands und vor allem der Arbeitnehmerschaft und der Gewerkschaften, denn diese Mehrheit und ihre Interessen werden zunehmend kaltgestellt. Das erkl&auml;rt die breite und wachsende Kluft zwischen den Interessen der Mehrheit und den von oben eingeleiteten politischen Entscheidungen.<\/p>\n<p>F&uuml;nftens: Die totale Manipulation ist m&ouml;glich. Die gleichgerichtete Pr&auml;gung des Denkens vieler Menschen ist m&ouml;glich. George Orwell schrieb in seinem Roman &raquo;1984&laquo;:<br>\n&raquo;Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete L&uuml;ge glaubten &ndash; wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten &ndash;, dann ging die L&uuml;ge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.&laquo;<\/p>\n<p>Wenn Sie diese Beobachtung von George Orwell gelegentlich zu Rate ziehen, werden Sie vieles, was um uns herum vorgeht, um vieles besser verstehen, als wenn Sie nach objektiven, in der Sache liegenden Erkl&auml;rungen von f&uuml;r Sie r&auml;tselhaften Vorg&auml;ngen suchen. Diese M&uuml;he ist in der Regel n&auml;mlich m&uuml;&szlig;ig, denn das, was wir t&auml;glich h&ouml;ren und sehen und was uns als demokratisch gesonnene Staatsb&uuml;rger h&auml;ufig das Leben so schwer macht, sind in Wahrheit Mythen, Legenden und L&uuml;gen. Sie bestimmen in weitem Ma&szlig; die &ouml;ffentliche Debatte und damit auch die politischen Entscheidungen, die sich massiv auf unsere konkrete Lebenssituation am Arbeitsplatz, bei der sozialen Absicherung oder im Alter auswirken. Sie ber&uuml;hren und betreffen ganz unmittelbar unseren Alltag. Wenn Sie die Wirkung perfekter Meinungsmache durchschauen, dann werden Sie auch verstehen, dass wir als Steuerzahler so lautlos die Wettschulden derer bezahlen, die sich auf den internationalen Finanzm&auml;rkten verspekuliert haben und das Casino so weiterbetreiben, als w&auml;re nichts geschehen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Fazit: <\/strong><\/p><p>Wenn man die Rolle der Meinungsmache nicht zur Erkl&auml;rung von &ouml;ffentlicher Meinungsbildung und Entscheidungsfindung einbezieht, dann wird man heute viele politische Entscheidungen nicht mehr erkl&auml;ren k&ouml;nnen und man kann schon gar nicht erkl&auml;ren, warum die neoliberalen Wissenschaftler und die neoliberalen Politiker nicht schon lange aus dem Tempel gejagt worden sind.<\/p><p>Weil wir in diesen Tagen an einigen Beispielen vor exerziert bekommen, wie richtig die oben zitierte f&uuml;nfte Beobachtung ist, dass n&auml;mlich die totale Manipulation m&ouml;glich ist, werde ich auf einige dieser Beispiele in einem meiner n&auml;chsten Beitr&auml;ge eingehen. <\/p><p><strong>Vorweg schon eine einschl&auml;gige Mail eines Nachdenkseiten-Nutzers, der schon weiter ist als Professor Krugman:<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;Als regelm&auml;ssiger Leser der NDS und auch Ihrer B&uuml;cher m&ouml;chte ich Sie kurz auf einen m.E. v&ouml;llig manipulativen, desinformierenden, ja verlogenen Beitrag der gestrigen <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/kanaluebersicht\/aktuellste\/436#\/beitrag\/video\/1226638\/Wie-gut-sind-Wirtschaftsprognosen?\">WISO-Sendung<\/a> aufmerksam machen:<br>\nEin gutes Beispiel, wie der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk im Regierungsauftrag Propaganda und Sch&ouml;nf&auml;rberei betreibt und durch das Wiederholen der ewig gleichen Unwahrheiten (wie dem Ende der Krise, dem Jobwunder, dem Wirtschaftswunder&hellip;)&nbsp;ungeniert und platt&nbsp;Meinungsmache betreibt. Man ist vom ZDF zwar einiges gewohnt, aber in dieser perfiden Form &ndash; als angeblich kritischer Beitrag &uuml;ber die Arbeit der &ldquo;Wirtschaftsforscher&rdquo; &ndash; hat man das lange nicht mehr geniessen d&uuml;rfen.<br>\nIch bin Ihnen als Leser dankbar daf&uuml;r, dass Sie mich durch Ihre Arbeit weitestgehend gegen solcherlei Gehirnw&auml;schen immunisiert haben.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>So ist es gedacht &hellip;<br>\n<strong>und noch eine Nachbemerkung, zu Irland:<\/strong><\/p><p>Nicht nur der britische Schatzkanzler hat von der neoliberalen Entwicklung Irlands geschw&auml;rmt, auch die CDU Vorsitzende Angela Merkel hat uns 2003 Irland als Vorbild empfohlen. Siehe dazu die einschl&auml;gigen Seiten und Zitate aus &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo; von <a href=\"?p=2785\">2004 hier in den NDS<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paul Krugman ist ein kluger Mann. Wir zitieren ihn oft und meist mit Respekt und Wohlwollen. 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