{"id":78885,"date":"2021-12-13T10:06:11","date_gmt":"2021-12-13T09:06:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78885"},"modified":"2022-02-14T11:50:10","modified_gmt":"2022-02-14T10:50:10","slug":"wir-haben-mit-der-aktuellen-impfstrategie-eine-gemaehte-wiese-fuer-die-etablierung-von-mutationen-geschaffen-die-dem-impfprinzip-entkommen-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78885","title":{"rendered":"\u201eWir haben mit der aktuellen Impfstrategie eine gem\u00e4hte Wiese f\u00fcr die Etablierung von Mutationen geschaffen, die dem Impfprinzip entkommen\u201c (1\/3)"},"content":{"rendered":"<p>S&auml;mtliche bislang in der EU zugelassenen Impfstoffe sind eindimensional auf ein einziges Protein des Sars-Cov2-Virus ausgerichtet. Eine Impfstrategie, die die gesamte Bev&ouml;lkerung mit diesen Impfstoffen immunisiert, provoziert Mutationen, die dazu f&uuml;hren, dass die Impfung schon bald nicht mehr sch&uuml;tzt. Das ist ein hervorragendes Gesch&auml;ftsmodell f&uuml;r die Pharmakonzerne, die so immer neue Versionen ihrer Impfstoffe verkaufen k&ouml;nnen, die dann durch die n&auml;chsten Mutationen wieder ihre Schutzwirkung verlieren. &Uuml;ber diese und zahlreiche andere Fragen zu Impfstoffen, der Impfstrategie und dem kommenden Totimpfstoff von Valneva hat <strong>Jens Berger<\/strong> von den NachDenkSeiten mit dem Pharma-Forscher Dr. <strong>Stefan Tasler<\/strong> gesprochen. Tasler ist seit 20 Jahren in der Biotech-Branche t&auml;tig und war drei Jahre lang Leiter einer Tochterfirma von BioNTech. Aufgrund des Umfangs ist das Interview in drei Teile unterteilt, die in den n&auml;chsten Tagen bei uns erscheinen. Wer ungeduldig ist oder das Interview ausdrucken und an Freunde und Bekannte weitergeben will, sollte sich gerne unsere <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/211213-Tasler-Interview-komplett-NDS-JB-1.pdf\">PDF-Version<\/a> des Gespr&auml;chs anschauen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3111\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-78885-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211210_Mit_der_Impfstrategie_eine_gemaehte_Wiese_fuer_die_Etablierung_von_Mutationen_geschaffen_Teil_I_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211210_Mit_der_Impfstrategie_eine_gemaehte_Wiese_fuer_die_Etablierung_von_Mutationen_geschaffen_Teil_I_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211210_Mit_der_Impfstrategie_eine_gemaehte_Wiese_fuer_die_Etablierung_von_Mutationen_geschaffen_Teil_I_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211210_Mit_der_Impfstrategie_eine_gemaehte_Wiese_fuer_die_Etablierung_von_Mutationen_geschaffen_Teil_I_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=78885-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211210_Mit_der_Impfstrategie_eine_gemaehte_Wiese_fuer_die_Etablierung_von_Mutationen_geschaffen_Teil_I_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211210_Mit_der_Impfstrategie_eine_gemaehte_Wiese_fuer_die_Etablierung_von_Mutationen_geschaffen_Teil_I_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Die drei Teile des Interviews:<\/strong>\n<p>1\/3 &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78885\">Wir haben mit der aktuellen Impfstrategie eine gem&auml;hte Wiese f&uuml;r die Etablierung von Mutationen geschaffen, die dem Impfprinzip entkommen<\/a>&ldquo;<\/p>\n<p>2\/3 &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78940\">mRNA-Impfstoffe sind ein sich selbst erhaltender Absatzmarkt.<\/a>&ldquo;<\/p>\n<p>3\/3 &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78989\">Hier liegen fahrl&auml;ssige und weitreichende Vers&auml;umnisse vor<\/a>&ldquo;\n<\/p><\/div><p><strong>Es gab noch nie den Fall, dass man eine laufende Pandemie durch eine Impfung stoppen konnte. Auch die WHO betont immer wieder, kein Land k&ouml;nne sich aus der Pandemie herausimpfen. Das wurde in Deutschland jedoch offensichtlich noch nicht richtig verstanden. Sogar der einflussreiche Virologe und Regierungsberater Christian Drosten gab erst k&uuml;rzlich noch die Devise aus, wir m&uuml;ssten uns aus der Pandemie herausimpfen. Was halten Sie von diesem Plan?<\/strong><\/p><p>Im Pandemieverlauf wurde ja eine Menge Angst gesch&uuml;rt. So wie die Zahlen sich im letzten Winter entwickelt hatten und kommuniziert wurden, war es zumindest nachvollziehbar, dass man so schnell wie m&ouml;glich einen Impfschutz f&uuml;r die Risikogruppen gew&auml;hrleisten wollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte auch ich pers&ouml;nlich mir noch keine Gedanken dar&uuml;ber gemacht, ob das denn &uuml;berhaupt funktionieren kann oder nicht. Jetzt, ein Jahr sp&auml;ter, muss man jedoch sagen: Ja, wenigstens jeder, der sich &uuml;ber Jahre hinweg intensiv mit Impfungen und Impftechniken besch&auml;ftigt hat, h&auml;tte eigentlich davon ausgehen m&uuml;ssen, dass das so nicht funktionieren kann. F&uuml;r die Risikogruppen war die Impfung nat&uuml;rlich eine tempor&auml;re Erleichterung. Man hat ja gesehen, wie die Zahl der schweren Verl&auml;ufe zur&uuml;ckging. Zu diesem Zeitpunkt und f&uuml;r diese Adressatengruppe war das also noch eine gute Idee und hatte auch seine Daseinsberechtigung. Als dann die feuchte, kalte Jahreszeit vorbei war, h&auml;tte man jedoch die Strategie wechseln m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p><p>Der Virologe Geert Vanden Bossche, der viele Jahre u.a. f&uuml;r GSK, Novartis und die Gates Foundation an der Entwicklung von Impfstoffen\/Impfstoffprogrammen gearbeitet hatte, hat das im M&auml;rz in einer <a href=\"https:\/\/twitter.com\/gvdbossche\/status\/1368232172872732675?lang=de\">Stellungnahme<\/a> an die WHO recht interessant formuliert. In meinen Augen nicht immer geschickt, aber er hatte u.a. darauf hingewiesen, dass es Schulbuchwissen sei, dass man in eine laufende Pandemie nicht reinimpfen darf, da man sonst in ein System kommt, in dem man durch die Impfung einen Selektionsdruck auf die Viren aus&uuml;bt, dem diese in einer solchen Situation durch Mutationen noch leichter entkommen k&ouml;nnen als sonst. Sein Aufruf wurde offensichtlich damals nicht ernst genommen, seine Qualifikation im Netz diskreditiert.<\/p><p>Das zeigt, wie Diskussionen heute gef&uuml;hrt werden. Inhaltlich hat Herr Vanden Bossche ja viele richtige und interessante Sachen gesagt. Wenn man den immunologischen Sachverstand gebraucht und etwas von Evolutionstheorie und Selektionsdruck auf ein System versteht, das so schnell mutieren kann wie ein Virus, ist es auf den Punkt gebracht keine so gute Idee, breitfl&auml;chig in eine Pandemie hineinzuimpfen.<\/p><p><strong>Gegen diese Aussage spricht aber doch, dass die bisher bekannten Mutationen des SARS-CoV2-Virus in Gro&szlig;britannien, Indien und jetzt wohl in S&uuml;dafrika in einer Zeit bzw. einer Umgebung entstanden sind, in der die Impfung keine oder nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat.<\/strong><\/p><p>Genau das ist ja das Standardargument, das man immer wieder entgegengehalten bekommt. Eine Virusmutation entsteht ja nicht zwangsl&auml;ufig da, wo sie sp&auml;ter den meisten Schaden anrichten wird &ndash; Virusmutationen sind ein h&auml;ufiges und v&ouml;llig statistisches Ereignis, &uuml;berall. Nur die Etablierungschance einer Mutation wird durch die &auml;u&szlig;eren Einfl&uuml;sse, dem sogenannten Selektionsdruck, bestimmt. Wenn man sich die Zahlen vergegenw&auml;rtigt, die bei so einem Virus eine Rolle spielen k&ouml;nnen, sieht es vereinfacht folgenderma&szlig;en aus: Wenn eine Zelle in unserem K&ouml;per von einem Virion befallen wird, beginnt ein Reproduktionszyklus, der in der Literatur f&uuml;r SARS-CoV2 mit einem zeitlichen Fenster von ca. zehn Stunden angegeben wird. Aus einer befallenen Zelle kommen nach diesen zehn Stunden etwa eintausend Virionen heraus. Und bei jeder Vervielf&auml;ltigung werden in die virale Erbinformation, den RNA-Strang, den der Virus tr&auml;gt, Fehler eingebaut. Statistisch gesehen werden von den 30.000 Einzelbausteinen in einem Strang drei falsch eingebaut. Wenn wir also von einem Virus befallen werden, haben wir sp&auml;ter zig Millionen Replikationen in unserem K&ouml;rper, bei denen statistisch jeweils drei Fehler in den Erbinformationen verteilt sein k&ouml;nnen.<\/p><p>Nicht alle dieser Mutationen f&uuml;hren zwangsl&auml;ufig zu einer &Auml;nderung in einem Protein, und viele der &Auml;nderungen in einem Protein k&ouml;nnen auch zu nicht-funktionsf&auml;higen Virionen f&uuml;hren. Aber insgesamt existiert eine riesige Mutationsvielfalt zu einem Virus, bei der rein statistisch und zuf&auml;llig auch genau eine solche dabei sein kann, die ein Virion dem Zugriff durch das eindimensional antrainierte Immunsystem entzieht. Also, um auf die Frage zur&uuml;ckzukommen: Mutationen sind in einer breiten Populationsgruppe alle schon mal dagewesen. Bei einer Infektion mit einem Virus wird man nicht von einer Spezies, sondern einem Genotyp, einem Ensemble, infiziert. Wenn ich also hundert oder tausend Viren mit einem Tr&ouml;pfchen aufnehme, sind wahrscheinlich kaum welche davon auf RNA-Ebene komplett identisch. In einer Population sind also die einfacheren Mutationen alle statistisch schon vorhanden.<\/p><p>Wenn ich eine breite Populationsgruppe betrachte, dann habe ich gewisse &auml;u&szlig;ere Bedingungen, die bestimmen, welche Virusvariante(n) sich st&auml;rker verbreiten und vermehren kann\/k&ouml;nnen. Das k&ouml;nnen einfache Kriterien sein: Wie schnell wird ein Virus aufgenommen? Wie ist es in die Zelle gekommen? Wie gut wird es in der Zelle vervielf&auml;ltigt? Die urspr&uuml;ngliche Variante, die wir kennen und die alles losgetreten hat, hatte in der damaligen Gesamtsituation offensichtlich die beste Verbreitungswahrscheinlichkeit. Andere Mutationen sind zwar schon irgendwo dagewesen, aber wurden vielleicht &ndash; das ist nat&uuml;rlich rein spekulativ &ndash; beispielsweise langsamer &uuml;ber die Lunge aufgenommen und haben in der Konkurrenzsituation mit der urspr&uuml;nglichen Variante keine Chance gehabt, sich im Wirtsk&ouml;rper zu etablieren.<\/p><p><strong>Am Ende setzt sich also die Mutante durch, die sich am besten vermehren kann, und nicht diejenige, die am gef&auml;hrlichsten f&uuml;r den Menschen ist?<\/strong><\/p><p>Es geht ja nicht per se darum, dass ein Virus uns t&ouml;ten &bdquo;will&ldquo; (abgesehen davon, dass ein Virus ein lebloser und vor allem hirnloser Partikel ist). Damit w&uuml;rde sich ja ein virales System selber die Zukunft abgraben. Der Wirt muss &uuml;berleben, um m&ouml;glichst viele Virionen zu produzieren. Ein Virus wird nicht automatisch durch Mutationen zu einem Killervirus &ndash; nur st&ouml;rt der Mensch hier durch seine aktuelle Intervention ein komplexes Gleichgewicht, und zwar in ganz gro&szlig;em Stil. Wenn wir jetzt die Menschen gegen nur ein antigenes Protein, hier die &bdquo;urspr&uuml;ngliche&ldquo; Variante des Spike-Proteins impfen, dann ist es statistisch recht einfach, durch Mutationen auf diesem Spike-Protein dem Schutz, den wir durch die Impfung aufgebaut haben, St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck zu entkommen. Das ist ein sukzessiver Prozess. Die erste funktionell noch wirksame Mutation auf dem Spike-Protein bringt eher nicht gleich das Spike-Protein in eine Form, die unsere Antik&ouml;rper oder T-Zellen nicht mehr erkennen. Aber sollte diese Mutation auch nur zu einem teilweisen Verlust der Immunerkennung f&uuml;hren, so wird diese Variante sich besser im Wirtsk&ouml;rper vermehren k&ouml;nnen und wird weitergegeben. So generieren wir mit der Impfung eine neue Situation, aus der heraus sich schnell ein neues Genotyp-Ensemble etablieren kann, das bereits nur noch zu einer abgeschw&auml;chten Erkennung durch unser eindimensional, d.h. nur gegen ein antigenes Protein gerichtetes, &bdquo;angeimpftes&ldquo; Immunsystem f&uuml;hrt, auf dem die n&auml;chste und darauf wiederum die n&auml;chste Mutation obendrauf kommt. Wir treiben also letztlich die Statistik gegen dieses einfache und viel zu eindimensionale Impfprinzip.<\/p><p>Wir werden nun die Infektionszahlen mit Omikron sehr genau verfolgen m&uuml;ssen, und hier w&auml;re eine saubere Statistik absolut essenziell, welchen Status Infizierte wirklich haben, ob genesen, geimpft oder genesen und geimpft. Erste Laborergebnisse beziehen sich wieder nur auf die Neutralisationstests mit im Blut befindlichen Antik&ouml;rpern &ndash; was aber absolut kein Richtwert sein sollte, um den wirklichen Immunschutz von Genesenen und Geimpften zu vergleichen, da Erstere eine viel breiter angelegte T-Cell-Antwort aufweisen m&uuml;ssten. Omikron weist f&uuml;nfzig Mutationen zur urspr&uuml;nglichen Virus-Variante auf und davon sitzen 32 auf dem Spike-Protein. Wenn man sich die Gr&ouml;&szlig;e der vier Strukturproteine anschaut, die das Virion enth&auml;lt, dann entspricht das tats&auml;chlich einer statistischen Verteilung der 50 Mutationen und w&uuml;rde daher die aktuelle Annahme unterst&uuml;tzen, dass sich diese Variante in einer Region entwickelt hat, in der nur ein geringer Impfstatus vorherrscht.<\/p><p>D.h. doch aber, dass nur rein aufgrund der hohen Mutationsrate des Virus auch schon eine statistische Vielzahl &bdquo;komplexerer&ldquo; Mutationskombinationen entsteht, von denen am Ende aber nur wieder die sich fl&auml;chendeckend etablieren k&ouml;nnen, die am besten auf einen vorherrschenden Selektionsdruck angepasst sind. Nat&uuml;rlich etablieren sich solche Mutationen auch sukzessive, die peu &aacute; peu auch dem Immunschutz Genesener entkommen &ndash; und auch die weisen eine starke Antik&ouml;rper-Produktion gegen das Spike-Protein auf. Wenn die eben beschriebene Theorie zum eindimensionalen Selektionsdruck durch Impfungen auf nur ein antigenes Protein aber zutrifft, dann sollten Genesene durch weitere Komponenten der durch die Infektion antrainierten Immunit&auml;t im Schnitt noch deutlich besser mit einer Omikron-Infektion fertig werden als infizierte Geimpfte. Dies k&ouml;nnte &uuml;ber eine sorgf&auml;ltige Datenerhebung sehr leicht und schnell herausgefunden werden, doch leider kann man damit wohl aus den Erfahrungen des letzten Jahres heraus nicht rechnen &ndash; und die Tatsache, dass eine gro&szlig;e Zahl an Genesenen bereits den nat&uuml;rlichen Immunschutz mit Nachimpfungen &bdquo;kontaminiert&ldquo; hat, f&ouml;rdert eine valide Auswertung auch nicht gerade.<\/p><p>Aber wenn jetzt dieser Tage z.B. ein aktuell Geimpfter nach Afrika kommt und dort statistisch ohnehin unbeschreiblich viele Mutations-Varianten vertreten sind, dann trifft der Geimpfte unweigerlich irgendwann auch mal auf eine Variante, bei der das Spike-Protein jetzt nicht mehr so gut zu dem aktuellen Impfschutz passt. Und diese Variante hat nat&uuml;rlich bei ihm einen Selektionsvorteil, den sie vorher im ungeimpften Umfeld nicht gehabt h&auml;tte, da die urspr&uuml;ngliche Variante vom Immunsystem ja nun sofort eliminiert wird. Ich habe also mit der Impfung eine gem&auml;hte Wiese f&uuml;r die Etablierung einer Mutation geschaffen, die sonst vielleicht nie eine Chance gehabt h&auml;tte. Mannigfaltige Mutationen sind immer schon dagewesen, ich habe aber mit der Impfung den Selektionsdruck ver&auml;ndert.<\/p><p><strong>Auch bei der Delta-Variante sehen wir ja immer wieder sogenannte Impfdurchbr&uuml;che. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass Geimpfte in gar nicht mal so viel geringerem Umfang als Ungeimpfte genau die Varianten weiterverbreiten, gegen die die Impfung ja als wirksam gilt. Spricht das nicht eigentlich gegen die These des ver&auml;nderten Selektionsdrucks?<\/strong><\/p><p>Das ist eine Frage des Immunsystems. Welcher Teil des Immunsystems springt hier an. Wenn wir von Anfang an eine Impfung gehabt h&auml;tten, die die Virenpartikel fr&uuml;hzeitig erkennen und gro&szlig;fl&auml;chig ausrotten w&uuml;rde, bevor das Virus sich gro&szlig;artig vervielf&auml;ltigen kann, dann h&auml;tten wir tats&auml;chlich einen nachhaltigen Impfschutz, der auch unsere Mitmenschen vor uns als m&ouml;glichem Infektionsherd (und Mutations-Inkubator) gesch&uuml;tzt h&auml;tte. Das wurde uns ja auch so versprochen, das hat nur nie jemand so auch in den klinischen Studien verfolgt. Das unterstreicht bereits die in meinen Augen gro&szlig;en Fahrl&auml;ssigkeiten im Studiendesign und in den Zulassungsverfahren. Da h&auml;tten die Beh&ouml;rden Auflagen machen m&uuml;ssen, relevante Zahlen zu erheben, um dies zu &uuml;berpr&uuml;fen. Die klinischen Studien liefern keinerlei Zahlen zur verbleibenden Infektiosit&auml;t und zur &Uuml;bertragbarkeit bei Geimpften, weswegen wir auch jetzt bei diesem Punkt immer noch ziemlich viel spekulieren m&uuml;ssen.<\/p><p>Aber zur&uuml;ck zur Frage: Wenn wir geimpft sind, schafft es offensichtlich unser Immunsystem ab einer bestimmten Virenmenge dennoch nicht, die Viren so schnell auszul&ouml;schen, dass sie sich nicht vervielf&auml;ltigen k&ouml;nnen. Das ist aber auch nicht neu, das haben wir ja alle in unserem Leben selber in Bezug auf Ansteckungen mit Grippe schon durchexerziert. Eine Faustregel sagt, dass ein unber&uuml;hrtes Immunsystem vier bis sieben Tage braucht, um auf Vollangriff gegen ein solches Virus zu schalten. Dann dauert es noch ein paar Tage, bis das Immunsystem das Virus in den Griff bekommt. Im Idealfall bildet sich danach unser immunologisches Ged&auml;chtnis. Gehen wir daher mal davon aus, dass ein Ungeimpfter rund zehn Tage plus\/minus auch infekti&ouml;s ist. Wenn man geimpft ist, braucht das Immunsystem k&uuml;rzer, vielleicht etwa zwei bis drei Tage, bis es auf Maximalleistung gegen das Virus ist. In dieser Zeit ist das Vermehrungsgeschehen im K&ouml;rper nicht voll unterbunden. Ich habe also auch bei Geimpften ein Zeitfenster, in dem man das Virus &uuml;bertragen kann.<\/p><p>Das ist dann auch der Punkt, der dem Narrativ der Impfstrategie die Basis entzieht. Am Ende hat man ja der Allgemeinheit keinen Gefallen mit der breitfl&auml;chigen Impfung getan, sondern eher einen neuen Selektionsdruck in ein System gebracht, in dem das Virus sich nun schnell weiterverbreiten kann und dabei dem neuen Selektionsdruck folgend sich zwangsl&auml;ufig in Richtung Mutationen entwickelt, die dem Impfprinzip entkommen und sich dann durchsetzen werden. Wir haben also durch die bev&ouml;lkerungsweite Impfung einen Inkubator f&uuml;r sogenannte Escape-Mutationen geschaffen. Nat&uuml;rlich wird es auch jetzt durch die Boosterungen noch einen tempor&auml;ren Effekt gegen schwere Verl&auml;ufe geben k&ouml;nnen, aber wir haben weiterhin ein sich vermehrendes Virus, das sich verbreiten kann. Und damit verst&auml;rken wir den bereits etablierten Selektionsdruck weiter, der nun auch auf das schon etwas weiterentwickelte Genom des Viruspartikels die n&auml;chste Mutationsgeneration oben draufsetzt.<\/p><p><strong>Spekulieren wir doch einmal. Man sagt ja, dass sowohl die bessere und schnellere Vermehrung als auch die abnehmende Gef&auml;hrlichkeit f&uuml;r den Wirt aus Sicht der Evolutionstheorie Vorteile f&uuml;r Viren sind. Gilt dieses Prinzip f&uuml;r das SARS-CoV2-Virus auch oder wird es durch die selektiv auf das Spike-Protein bezogenen Vektor- und mRNA-Impfstoffe ausgehebelt? W&auml;re dem nicht so, m&uuml;ssten wir ja eigentlich gar keine so gro&szlig;e Angst vor Mutation haben.<\/strong><\/p><p>Das ist eine zu generelle Aussage. Nehmen wir beispielsweise das HIV-Virus. Wenn jemand infiziert ist, wird er das Virus abh&auml;ngig von seinem Verhalten an andere Menschen weitergeben, aber in seinem Leben nur an wenige. Wenn das Virus nun f&uuml;r den Wirt t&ouml;dlich wird, unterbricht es auch seine eigene Verbreitung. In einem solchen System hat ein Virus, das weniger t&ouml;dlich ist und seinen Wirt l&auml;nger leben l&auml;sst, auch die Chance, dass sein Wirt mehr Menschen ansteckt. Statistisch w&uuml;rde sich das dann genau so bemerkbar machen, wie Sie gesagt haben. Das kann man aber so klar sicher nur f&uuml;r Viren mit einer geringen Verbreitungsrate erwarten. Beim SARS-CoV2-Virus sieht das anders aus. Wenn ich in der U-Bahn niese und zwanzig Menschen anstecke, dann steht die Sterblichkeitsrate durch Covid 19 dazu in keinem Verh&auml;ltnis, das insgesamt die Verbreitung des Virus derzeit limitieren w&uuml;rde. Als Selektionsdruck sind wir da mit der prozentualen Verteilung an Todesf&auml;llen im Hintergrundrauschen. Somit sind bei derzeitigen Varianten Unterschiede in der prozentualen Sterblichkeit unter Infizierten sicherlich kein gro&szlig;er treibender Selektionsfaktor.<\/p><p>Wenn das Virus nun durch unsere Impfkampagne das Spike-Protein anpasst, hei&szlig;t das aber nat&uuml;rlich auch nicht, dass dies automatisch schwerere Krankheitsverl&auml;ufe mit sich bringen muss. Rein statistisch k&ouml;nnte es ganz im Gegenteil auch eine viel mildere Variante sein. Wir haben durch die Impfung ein System geschaffen, bei dem die Aggressivit&auml;t des Virus nicht zwingend das entscheidende Selektionskriterium ist. Es geht haupts&auml;chlich noch darum, wie das Virus der viel zu einseitigen, auf das Spike-Protein fokussierten Impfstrategie durch statistische Mutationen entkommt. Wo die Reise hingeht, ist sehr schwer zu sagen. Wir haben durch unser Eingreifen ein System gest&ouml;rt, das in einem unglaublich komplexen Gleichgewicht ist. Und das massiv und global.<\/p><p><strong>K&ouml;nnte man daher sagen, dass die gr&ouml;&szlig;te Gefahr durch Mutation derzeit vor allem darin besteht, dass der Impfschutz f&uuml;r Alte und Vulnerable durch Escape-Mutationen ausgehebelt wird?<\/strong><\/p><p>Ja, das w&uuml;rde ich auch so sehen.<\/p><p><em>Lesen Sie hier auch den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78940\">zweiten Teil<\/a> des Interviews.<\/em><\/p><p><em>Dr. Stefan Tasler hat seine Promotion in Organischer Chemie absolviert und arbeitet seit 20 Jahren in der Biotech-Branche im Bereich der pharmazeutischen Wirkstoffforschung und -entwicklung. In dieser Zeit hat er sich intensiv mit der Funktion des Immunsystems im Kontext von Autoimmunerkrankungen besch&auml;ftigt, wurde sp&auml;ter Forschungsleiter. Von 2016-2019 leitete er in einer Doppelspitze eine kleine Tochterfirma der BioNTech, bevor er als Vice President Drug Discovery &amp; Development in den Bereich der Alzheimer-Forschung wechselte.<\/em><\/p><p>Titelbild: creativeneko\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S&auml;mtliche bislang in der EU zugelassenen Impfstoffe sind eindimensional auf ein einziges Protein des Sars-Cov2-Virus ausgerichtet. Eine Impfstrategie, die die gesamte Bev&ouml;lkerung mit diesen Impfstoffen immunisiert, provoziert Mutationen, die dazu f&uuml;hren, dass die Impfung schon bald nicht mehr sch&uuml;tzt. Das ist ein hervorragendes Gesch&auml;ftsmodell f&uuml;r die Pharmakonzerne, die so immer neue Versionen ihrer Impfstoffe verkaufen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78885\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":78897,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,54,149,209],"tags":[3165,2880,1222,3172,2834],"class_list":["post-78885","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gestaltete-pdf","category-gesundheitspolitik","category-interviews","tag-immunitaet","tag-impfungen","tag-pandemie","tag-tasler-stefan","tag-virenerkrankung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/211214_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/78885","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=78885"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/78885\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":79910,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/78885\/revisions\/79910"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/78897"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=78885"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=78885"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=78885"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}