{"id":78896,"date":"2021-12-13T11:30:29","date_gmt":"2021-12-13T10:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78896"},"modified":"2021-12-14T13:12:23","modified_gmt":"2021-12-14T12:12:23","slug":"ende-der-udssr-wildschweinjagd-mit-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78896","title":{"rendered":"Ende der UdSSR: Wildschweinjagd mit Folgen"},"content":{"rendered":"<p>Die Gr&uuml;ndung der &bdquo;Gemeinschaft unabh&auml;ngiger Staaten&ldquo; am 8. Dezember 1991 mochte &ndash; von fern betrachtet &ndash; als Versuch erscheinen, von der UdSSR zu retten, was noch zu retten war. Doch hat sie, hinter dem R&uuml;cken von Pr&auml;sident Gorbatschow, eigentlich schon deren Zerfall besiegelt. Was in einer Staatsdatscha im Urwald von Belowesch in Belarus vor 30 Jahren geschah, wirft lange Schatten bis ins Heute, da sich durch die Instrumentalisierung der Ukraine seitens der USA Gef&auml;hrliches zusammenbraut. Von <strong>Irmtraud Gutschke<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8796\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-78896-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211214-UdSSR-Wildschweinjagd-mit-Folgen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211214-UdSSR-Wildschweinjagd-mit-Folgen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211214-UdSSR-Wildschweinjagd-mit-Folgen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211214-UdSSR-Wildschweinjagd-mit-Folgen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=78896-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211214-UdSSR-Wildschweinjagd-mit-Folgen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211214-UdSSR-Wildschweinjagd-mit-Folgen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Sie verabredeten sich zur Wildschweinjagd, Wodka-Trinken inklusive &ndash; und wie nebenbei verfassten sie ein Dokument, das in der Geschichte der UdSSR historisch werden sollte. Denn die Sowjetunion bestand ja noch, als Boris Jelzin und Leonid Krawtschuk als Pr&auml;sidenten Russlands und der Ukraine am 7. Dezember 1991 auf Einladung des belarussischen Parlamentschefs Stanislaw Schuschkewitsch in einer Staatsdatscha im Wald von Belowesch nahe der polnischen Grenze zusammenkamen. Im Dokumentarfilm &bdquo;30 Jahre ohne die Sowjetunion&ldquo; von Naili Askar-Sade (in russischer Sprache) bekundet Schuschkewitsch, keine Ahnung gehabt zu haben, worauf das Treffen hinauslief. Erst einmal sei es nur um die stockenden Gas- und &Ouml;llieferungen aus Russland gegangen, denn in diesem kalten Winter gingen die Reserven zur Neige. Jelzin soll bei einem Toast erkl&auml;rt haben, dass ein Fortbestehen der Sowjetunion unter bestimmten Umst&auml;nden vorstellbar w&auml;re. Krawtschuk widersprach. Erst m&uuml;sse das Ende der UdSSR beschlossen sein, ehe &uuml;ber neue B&uuml;ndnisse geredet werden k&ouml;nne. <\/p><p>&bdquo;Am Ende muss sich Jelzin Krawtschuk f&uuml;gen. Es wird beschlossen, der UdSSR den Totenschein auszustellen und anschlie&szlig;end einen neuen Unions-Vertrag auszuarbeiten&ldquo;, hie&szlig; es in einer Sendung aus der Reihe &bdquo;MDR Zeitreise&ldquo; dazu. Noch in der Nacht sei ein handgeschriebener Vertragsentwurf entstanden. &bdquo;Am Mittag des 8. Dezember sind sich die Gespr&auml;chspartner in allen Fragen einig. Insgesamt 14 Artikel hat das Abkommen. (&hellip;) Jelzin trinkt auf jeden einzelnen Artikel ein Glas Wodka.&ldquo; Krawtschuk tauscht noch ein Wort aus: Statt &ldquo;Gemeinschaft demokratischer Staaten&rdquo; solle es &ldquo;Gemeinschaft unabh&auml;ngiger Staaten&rdquo; hei&szlig;en. Bedienstete dekorieren das Treppenhaus der Datscha mit den drei Staatsflaggen und Tannenzweigen aus dem Wald. Exakt um 14 Uhr wird das &bdquo;Belowescher Abkommen&ldquo; unterzeichnet. In der Pr&auml;ambel hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Sowjetunion als Subjekt internationalen Rechts und geopolitischer Realit&auml;t hat aufgeh&ouml;rt zu existieren.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Danach seien die Staatschefs abermals auf Wildschweinjagd gegangen.<\/p><p>Hinter dem R&uuml;cken von Gorbatschow, der als sowjetischer Pr&auml;sident im Kreml sa&szlig;, und unter Umgehung des Parlaments war dies ein Staatsstreich, der den Mehrheitswillen der sowjetischen Bev&ouml;lkerung ignorierte. Was heute kaum mehr im Bewusstsein ist: Am 17. M&auml;rz 1991 haben sich rund 78 Prozent f&uuml;r ein Weiterbestehen der UdSSR ausgesprochen. Was durch den Obersten Sowjet eine rechtliche Fixierung erhielt, war auch f&uuml;r den ukrainischen Pr&auml;sidenten Krawtschuk bindend. Der f&uuml;hrte indes am 1. Dezember eine eigene Befragung durch. Das Votum f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit lag bei 90 Prozent, wie Wladimir Kornilow dieser Tage in einem Artikel f&uuml;r die Agentur Ria Novosti feststellte, mit dem Hinweis, dass die Kommunistische Partei der Ukraine bereits verboten war und alle verbliebenen Medien Richtung Unabh&auml;ngigkeit trommelten.<\/p><p><strong>George H. W. Bush war erfreut<\/strong><\/p><p>Und noch ein pikantes Detail: Nachdem das Ende der UdSSR in fr&ouml;hlicher Runde beschlossen war, rief Jelzin nicht etwa Gorbatschow, sondern George H. W. Bush an. Dass dieser die Nachricht &bdquo;sehr gut aufgenommen&ldquo; habe, durfte Gorbatschow sp&auml;ter aus einem Telefonat mit Schuschkewitsch erfahren. <\/p><p>Er war &uuml;ber die Verschw&ouml;rung im Bilde. Der kasachische Pr&auml;sident Nasarbajew, der ebenfalls eingeladen war, zumal auf seinem Territorium ein Gro&szlig;teil der Atomwaffen lagerte, war in Moskau ausgestiegen und hatte ihn informiert. Was nicht n&ouml;tig war, denn der KGB hielt den Pr&auml;sidenten auf dem Laufenden. Wie es in der MDR-Sendung hie&szlig;, war die Datscha &bdquo;komplett verwanzt&ldquo;. Naili Askar-Sade l&auml;sst in ihrem Film einen einstigen Geheimdienstmann mit seinem damaligen Vorschlag zu Wort kommen, der Sache ein Ende zu setzen. Gorbatschow lehnte ab: Er wollte kein Blutvergie&szlig;en.<\/p><p>Im Januar des Jahres hatte er noch Panzer nach Litauen geschickt. Estland und Lettland hatten sich schon vorher unabh&auml;ngig erkl&auml;rt. Schlie&szlig;lich hatte er sich selbst schon in Perestroika-Zeiten f&uuml;r die Souver&auml;nit&auml;t nicht nur der Sowjetrepubliken, sondern auch der Staaten des Warschauer Pakts ausgesprochen. Kurz vor Unterzeichnung eines neuen F&ouml;derationsvertrages, der unter Wahrung gemeinsamer Au&szlig;en- und Milit&auml;rpolitik den einzelnen Republiken mehr Eigenst&auml;ndigkeit zugestand, war es im August 1991 zum Putsch gekommen. Eine Gruppe von Funktion&auml;ren wollte das Sowjetimperium retten &ndash; und erreichte das Gegenteil. Jelzin &uuml;bernahm die Kontrolle. Wie  Ruslan Chasbulatow, bis 1993 Vorsitzender des Obersten Sowjets in Russland, in einem Interview mit &bdquo;RT deutsch&ldquo; bekundete, gab es damals schon in Jelzins Umfeld CIA-Agenten, die ihn &bdquo;betreuten&ldquo;.<\/p><p>Am 25. Dezember 1991 verlas Gorbatschow im Fernsehen seine R&uuml;cktrittserkl&auml;rung. Am 31. Dezember 1991, Punkt Mitternacht, wurde die rote Fahne auf dem Kreml eingeholt und durch die russische Trikolore ersetzt.<\/p><p><strong>Truppen an der ukrainisch-russischen Grenze<\/strong><\/p><p>Kurz vor der Videokonferenz zwischen den Pr&auml;sidenten Putin und Biden am 7. Dezember (30 Jahre nach dem Treffen in Belowesch) &auml;u&szlig;erte Victoria Nuland, Unterstaatssekret&auml;rin f&uuml;r ausw&auml;rtige Angelegenheiten der USA, in einer Rede vor dem US-Senat die Besorgnis, Wladimir Putin wolle die Sowjetunion wiederherstellen. Ihre Warnung galt vor allem einer angeblich bevorstehenden Invasion Russlands in der Ukraine. &Uuml;ber die in letzter Zeit aus Kiew immer lauter ge&auml;u&szlig;erten Pl&auml;ne, Ostukraine und Krim mit Waffengewalt zur&uuml;ckzuholen, verlor sie kein Wort. <\/p><p>Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk sprach gegen&uuml;ber der Deutschen Welle von 114 000 russischen Soldaten, die &bdquo;vor der Ostgrenze der Ukraine und im besetzten Donbass&ldquo; st&uuml;nden. Dabei hat die ukrainische Armee trotz des im Minsker Abkommen festgelegten Waffenstillstands unabl&auml;ssig versucht, Gebiete zur&uuml;ckzuerobern, 120 000 Soldaten in diesem Gebiet zusammengezogen, schwere Artillerie in Stellung gebracht und k&uuml;rzlich auch eine t&uuml;rkische Kampfdrohne eingesetzt. <\/p><p>Dies als Kraftmeierei von Pr&auml;sident Selenskyi abzutun, dem eigenen krisengeplagten Volk St&auml;rke zu demonstrieren, wird dem Ernst der Lage nicht gerecht. Lange schon wird das Staatswesen durch westliche Milit&auml;rhilfen hochger&uuml;stet und kann den Hunger nach Waffen nicht stillen. Offiziellen Angaben zufolge sind in der Ukraine rund 2000 US-Soldaten stationiert, ebenso viele aus anderen NATO-L&auml;ndern. Seit Jahren gibt es gemeinsame Man&ouml;ver. Am 2. Dezember dieses Jahres beschloss der EU-Rat laut &bdquo;Anti-Spiegel&ldquo;, weitere 31 Millionen Euro f&uuml;r die ukrainischen Streitkr&auml;fte bereitzustellen.<\/p><p>Am gleichen Tag legte Selenskyi dem Parlament einen Gesetzentwurf zur &Auml;nderung des &bdquo;Gesetzes &uuml;ber die Staatsb&uuml;rgerschaft der Ukraine&ldquo; vor. Es sieht Geld-, sogar Freiheitsstrafen f&uuml;r Ukrainer vor, die die russische Staatsb&uuml;rgerschaft angenommen haben. Zudem soll bestraft werden, die &bdquo;bewaffnete Aggression Russlands&ldquo; und die &bdquo;Besetzung&ldquo; des ukrainischen Territoriums zu leugnen. Solcherlei alarmierende Signale werden von Verfechtern demokratischer Werte hierzulande &uuml;berh&ouml;rt, weil die &bdquo;Linie&ldquo; gilt, dem ukrainischen Regime unter allen Umst&auml;nden die Stange zu halten &ndash; zur &bdquo;Eind&auml;mmung&ldquo; der &bdquo;Machthaber&ldquo; im Osten. Nur ein deutliches Signal aus Washington k&ouml;nnte das modifizieren. Doch auch nach dem als sachlich bezeichneten Gespr&auml;ch zwischen Putin und Biden bleibt es zweifelhaft, ob dies geschieht.<\/p><p><strong>Der Kalte Krieg l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en<\/strong><\/p><p>Dass Moskau den Vorwurf eines geplanten Angriffs strikt von sich weist, wird von vielen deutschen Medien nicht zur  Kenntnis genommen. In den Denkmustern aus Zeiten des Kalten Krieges hat man sich bequem eingerichtet. Dass diese in brauner Vergangenheit sogar noch tiefere Wurzeln haben, brauchte nie aufgearbeitet zu werden. Das Erbe der Anti-Hitler-Koalition verschwand hinter dem antikommunistischen Feindbild UdSSR. Die Aufl&ouml;sung der Sowjetunion und der &ouml;konomische Absturz Russlands unter Jelzin waren ein Sieg des Westens. Zu Recht hat sich George H. W. Bush &uuml;ber Jelzins Anruf gefreut. Als dieser die Regierungsgesch&auml;fte 1999 an Wladimir Putin &uuml;bergab, &auml;nderte sich das. Dass der neue Pr&auml;sident ein stabiles Staatswesen formte, das wieder internationale Ausstrahlung bekam, verfestigte die alten Feindbilder wieder.<\/p><p>Sehr zu Lasten der Ukraine. Als sich dort durch den sogenannten Euromaidan im Februar 2014 eine prowestliche Regierung an die Macht putschte, nicht ohne &bdquo;Hilfe&ldquo; aus den USA, wie es inzwischen die Spatzen von den D&auml;chern pfeifen, wurden die Hoffnungen der Bev&ouml;lkerung auf ein Leben &bdquo;wie im Westen&ldquo; betrogen. Mittels eines Marshall-Plans sozusagen w&auml;ren sie vielleicht zu erf&uuml;llen gewesen. Kann das Kapital nicht jedes Land in diesem Sinne &bdquo;kaufen&ldquo;? Allerdings nicht, wenn es zu Hause &bdquo;klemmt&ldquo;. Auch in der Ukraine sollte der &bdquo;freie Markt&ldquo; es richten. Die Macht der Oligarchen blieb weitgehend ungebrochen. Immer tiefer geriet das Land in eine Krise. St&auml;ndig angewiesen auf Finanzspritzen von au&szlig;en, war die Ukraine am politischen G&auml;ngelband. So wie auch &ouml;stliche EU-Mitglieder von ihrer politischen Bedeutung als Frontstaaten profitieren. Welches Interesse sollte es in Kiew da geben, die Konflikte in der Ostukraine friedlich zu l&ouml;sen? Und wie sollte man die Bev&ouml;lkerung von der bisher brachial verfochtenen Linie abbringen? Dem Staat in Erf&uuml;llung des Minsker Abkommens eine f&ouml;derale Struktur zu geben, in der die vorwiegend russischsprachigen Gebiete einen eigenst&auml;ndigen Platz h&auml;tten, w&uuml;rde einer anderen Regierung bed&uuml;rfen. Nicht von ungef&auml;hr will Selenskyi von einem angeblich bevorstehenden Staatsstreich wissen. <\/p><p><strong>Nationalismus als Feigenblatt nationaler Misere<\/strong><\/p><p>So wie die USA auch bei anderen &bdquo;Regime-Changes&ldquo; auf Unterst&uuml;tzung durch reaktion&auml;re Kreise setzten, hat der &bdquo;Euromaidan&ldquo; ultranationale Kr&auml;fte an die Spitze geschwemmt: die Partei &bdquo;Swoboda&ldquo; und die zu allem entschlossenen, paramilit&auml;risch organisierten Gruppen des &bdquo;Rechten Sektors&ldquo;. Die stehen zwar jedem westlichen Demokratieverst&auml;ndnis kontr&auml;r entgegen, sorgten aber bisher verl&auml;sslich daf&uuml;r, dass ein geradezu hysterischer Nationalismus in der &Ouml;ffentlichkeit zum Feigenblatt der allgemeinen Misere geworden ist.<\/p><p>Ohne die nationalistische Politik gegen&uuml;ber der russischsprachigen und Russland zugewandten Bev&ouml;lkerung in der Ostukraine h&auml;tte es die Abspaltung der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk nicht gegeben. Ein sieben Jahre w&auml;hrender Krieg hat rund 13 000 Tote und unermessliche Zerst&ouml;rungen gekostet. Russland behauptet unabl&auml;ssig, nicht Teil dieses Konflikts zu sein, sieht sich aber in Verantwortung f&uuml;r die dort lebenden Russen. Viele haben tats&auml;chlich schon die russische Staatsb&uuml;rgerschaft und betrachten die Ukraine nicht mehr als ihr Land.<\/p><p><strong>Russland will Sicherheit seiner Grenzen<\/strong><\/p><p>Fr&uuml;heren Begehrlichkeiten von Seiten der Ostukraine, in die Russische F&ouml;deration aufgenommen zu werden &ndash; zwischenzeitlich war dort von &bdquo;Neurussland&ldquo; die Rede &ndash; hat sich Moskau allerdings verschlossen gezeigt. Eine gef&auml;hrliche milit&auml;rische Eskalation w&auml;re zu bef&uuml;rchten gewesen und es w&auml;re passiert, was man die ganze Zeit bef&uuml;rchtete: Die verbliebene Ukraine w&auml;re mit Pauken und Trompeten in die NATO aufgenommen worden. An der westlichen Grenze von &bdquo;Neurussland&ldquo; h&auml;tte sich eine Kriegsgefahr f&uuml;r ganz Europa zusammengebraut.<\/p><p>Insofern ist es schlichtweg hirnrissig, von russischen Aggressionsgel&uuml;sten zu reden. Sie bringen Moskau keinen Gewinn. Das Ziel der dortigen Au&szlig;enpolitik ist Stabilit&auml;t und Sicherheit der eigenen Grenzen. Dass die Russische F&ouml;deration unter Putin wieder zur Gro&szlig;macht herangewachsen ist, braucht niemanden zu schrecken, der Kooperation statt Konfrontation will. <\/p><p>Mit der UdSSR ist es vorbei, so schmerzlich es viele Menschen dort empfanden. Die Sowjetunion zerbrach nicht nur an der Feindseligkeit von au&szlig;en (sie wurde von westlicher Seite ja praktisch totger&uuml;stet), sondern vor allem auch an ihrer eigenen, den modernen &ouml;konomischen Anforderungen nicht gem&auml;&szlig;en Struktur. Die schon in Perestroika-Zeiten angeheizten Begehrlichkeiten politischer und &ouml;konomischer Eliten, sich Macht und Mittel unter den Nagel zu rei&szlig;en, trugen dann das ihre dazu bei. <\/p><p>Was die &bdquo;Gemeinschaft unabh&auml;ngiger Staaten&ldquo; (GUS) betrifft, geh&ouml;ren ihr neben Russland und Belarus derzeit Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgistan, Moldau, Tadschikistan, Turkmenistan (nur als beigeordnetes Mitglied) und Usbekistan an. Beim EU-Gipfel in Prag am 7. Mai 2009 haben die GUS-Mitglieder Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldau, Ukraine und Belarus mit der Europ&auml;ischen Union Assoziierungsabkommen geschlossen. Belarus hat dies inzwischen ausgesetzt und sich vertraglich an Russland gebunden. Dass sich anderswo vor den eigenen Grenzen ein Ukraine-Szenario wiederholt und sich nach dem Wahlsieg pro-westlicher Parteien sozusagen &bdquo;das Volk&ldquo; f&uuml;r eine NATO-Mitgliedschaft entscheidet, ist f&uuml;r Russland eine permanente Gefahr. 1261 Kilometer Grenze teilt Russland mit Staaten, die Mitglieder der NATO sind. Im Falle der Ukraine k&auml;men 3354 Kilometer hinzu. <\/p><p>Die rasante NATO-Osterweiterung ab 1997 wird von russischer Seite als Dem&uuml;tigung und permanente Bedrohung empfunden. Wurden Absprachen gebrochen, wie von dort oft zu h&ouml;ren war? Oder gab es rechtliche Garantien nie, wie es von westlicher Seite hei&szlig;t? Hat Gorbatschow sie, durch Freundlichkeit get&auml;uscht, in den Verhandlungen zur deutschen Einheit schlichtweg nicht eingefordert, weil der Warschauer Pakt zu dieser Zeit noch bestand? Erst im Juli 1991 l&ouml;ste er sich auf. Im November 1990 war zusammen mit der NATO die &bdquo;Charta von Paris&ldquo; beschlossen worden, in der man sich gegenseitig als Partner bezeichnete, gewillt, &bdquo;einander die Hand zur Freundschaft zu reichen&ldquo;. Aber die Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse &auml;nderten sich, nachdem der Beitritt der DDR zur BRD Realit&auml;t war, die sowjetischen Truppen &uuml;berall abzogen und Russland unter Jelzin auf IWF-Kredite angewiesen war. Ab 1993\/94 begannen unter dem Motto &ldquo;Inklusion, nicht Exklusion&rdquo; Verhandlungen mit osteurop&auml;ischen L&auml;ndern. Jelzin protestierte und wurde mit Beschwichtigungen abgespeist. 2001 brachte Putin dann einen Beitritt Russlands zur NATO ins Spiel. Erfolglos, wie man sich denken kann.<\/p><p>Dass Putin im Gespr&auml;ch mit Biden jetzt auf einer &bdquo;roten Linie&ldquo;  bestand, was das weitere Vorr&uuml;cken der NATO betrifft, setzt wohl eine Position der St&auml;rke voraus, die Russland nicht zuletzt durch viele andere B&uuml;ndnisse u.a. mit China durchaus gewonnen hat. Zugleich aber ist es ein Akt der Verzweiflung. Wie soll die Reaktion sein, wenn die Forderung nach Sicherheitsgarantien zur&uuml;ckgewiesen wird, wie jetzt schon einzelnen politischen Reaktionen zu entnehmen ist? G&uuml;nstigenfalls wird es ein langes Tauziehen. Und schlimmstenfalls?<\/p><p><strong>Kooperation statt Konfrontation<\/strong><\/p><p>Wie gesagt, eine kriegerische Konfrontation an der ukrainischen Grenze bedeutet anders als in den USA f&uuml;r Europa unmittelbare Gefahr. Was w&auml;re, wenn die Bundeswehr hineingezogen w&uuml;rde in einen &bdquo;B&uuml;ndnisfall&ldquo;?  Angesichts deutscher Vergangenheit w&auml;re es doch unm&ouml;glich, die Hand gegen Russland zu erheben. Oder ist das Mitgef&uuml;hl f&uuml;r die arme Ukraine so gro&szlig;, dass uns der erstarkende Nationalismus, ja Faschismus dort egal sind? Allein schon aus unserer geografischen Lage kommt die Verpflichtung, in den Strukturen der EU einer Konfrontationspolitik zu widerstehen, die unseren ureigenen Interessen schadet.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><p><a href=\"https:\/\/smotrim.ru\/video\/2363869\/?utm_source=youtube&amp;utm_medium=all\">https:\/\/smotrim.ru\/video\/2363869\/<\/a> <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ende-der-udssr\">https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ende-der-udssr<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/ria.ru\/20211208\/sssr-1762615826.html\">https:\/\/ria.ru\/20211208\/sssr-1762615826.html<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/russland\/119129-letzter-vorsitzender-obersten-sowjets-russlands\/\">https:\/\/de.rt.com\/russland\/119129-letzter-vorsitzender-obersten-sowjets-russlands\/<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/international\/128164-usa-russland-nuland-putin-sowjetunion-ukraine-europa\/\">https:\/\/de.rt.com\/international\/128164-usa-russland-nuland-putin-sowjetunion-ukraine-europa\/<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukrainischer-botschafter-warnt-vor-russischer-invasion\/a-59851995\">https:\/\/www.dw.com\/de\/ukrainischer-botschafter-warnt-vor-russischer-invasion\/a-59851995<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2021\/mehr-beschuss-im-donbass-und-neue-gesetze-und-strafen-fuer-abweichende-meinungen\/\">https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2021\/mehr-beschuss-im-donbass-und-neue-gesetze-und-strafen-fuer-abweichende-meinungen\/<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.attac-netzwerk.de\/ag-globalisierung-und-krieg\/themen\/regime-change\/ukraine\">https:\/\/www.attac-netzwerk.de\/ag-globalisierung-und-krieg\/themen\/regime-change\/ukraine<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/panorama\/archiv\/2014\/Putsch-in-Kiew-Welche-Rolle-spielen-die-Faschisten,ukraine357.html\">https:\/\/daserste.ndr.de\/panorama\/archiv\/2014\/Putsch-in-Kiew-Welche-Rolle-spielen-die-Faschisten,ukraine357.html<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/krieg-ukraine-101.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/krieg-ukraine-101.html<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Nato-Osterweiterung-Das-ist-eine-brillante-Idee-Ein-Geniestreich-4009027.html\">https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Nato-Osterweiterung-Das-ist-eine-brillante-Idee-Ein-Geniestreich-4009027.html<\/a><\/p><p>Titelbild: Von danielo \/ shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gr&uuml;ndung der &bdquo;Gemeinschaft unabh&auml;ngiger Staaten&ldquo; am 8. 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