{"id":7892,"date":"2011-01-05T09:18:38","date_gmt":"2011-01-05T08:18:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7892"},"modified":"2011-01-05T10:22:51","modified_gmt":"2011-01-05T09:22:51","slug":"hinweise-des-tages-1300","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7892","title":{"rendered":"Hinweise des Tages"},"content":{"rendered":"<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Arbeitsmarkt im Dezember 2010; &bdquo;Jobwunder&ldquo;;  schw&auml;chelnde Tigerstaaten; Wachstum lohnt sich nicht; die Wahrheit &uuml;ber Mindestl&ouml;hne; Der Euroraum in Tr&uuml;mmern?; die gef&auml;hrlichste Bank der Welt; Hartz-Fabrik; weg mit den Ein-Euro-Jobs!; h&ouml;chster Renten-Abschlag seit 2005; kleiner Sieg f&uuml;r Leiharbeiter; besser, billiger, sozialer; Schlaglochrepublik Deutschland; Zollitsch stolpert in R&ouml;slers Falle; die Tamiflu-L&uuml;ge;  kann man Regulierung wirklich kaufen?; US-Republikaner bremsen Finanzmarktreform aus; China verspricht Spanien Unterst&uuml;tzung; EU kommt Kartells&uuml;ndern immer &ouml;fter auf die Schliche;<br>\nDornenkrone f&uuml;r den M&auml;rtyrer; das ungarische Desaster; schleichende &Uuml;bernahme; der Zaun entzweit Europa; annus horribilis f&uuml;r die FDP; wie wirkt die Lobby von Medienkonzernen?; Jean Ziegler &ndash; &ldquo;Ich bin ein wei&szlig;er Neger&rdquo;. (WL\/JB)<br>\n<!--more--><\/p><p>Hier die &Uuml;bersicht; Sie k&ouml;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:<\/p><ol>\n<li><a href=\"#h01\">Arbeitsmarkt im Dezember 2010<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h02\">Zum &bdquo;Jobwunder&ldquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h03\">Schw&auml;chelnde Tigerstaaten: St&auml;rke kommt von innen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h04\">Ulrike Herrmann: Wachstum lohnt sich nicht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h05\">Die Wahrheit &uuml;ber Mindestl&ouml;hne<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h06\">Der Euroraum in Tr&uuml;mmern?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h07\">Deutsche Bank: Die gef&auml;hrlichste Bank der Welt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h08\">Die Hartz-Fabrik<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h09\">Weg mit den Ein-Euro-Jobs!<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h10\">H&ouml;chster Renten-Abschlag seit 2005<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h11\">Kleiner Sieg f&uuml;r Leiharbeiter<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h12\">Besser, billiger, sozialer<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h13\">Schlaglochrepublik Deutschland<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h14\">Zollitsch stolpert in R&ouml;slers Falle<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h15\">Die Tamiflu-L&uuml;ge<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h16\">Kann man Regulierung wirklich kaufen?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h17\">US-Republikaner bremsen Finanzmarktreform aus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h18\">China verspricht Spanien Unterst&uuml;tzung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h19\">EU kommt Kartells&uuml;ndern immer &ouml;fter auf die Schliche<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h20\">Dornenkrone f&uuml;r den M&auml;rtyrer<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h21\">Das ungarische Desaster<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h22\">Schleichende &Uuml;bernahme<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h23\">Der Zaun entzweit Europa<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h24\">Annus horribilis<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h25\">Chaos Communication Congress in Berlin &ndash; Wie wirkt die Lobby von Medienkonzernen?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h26\">Interview mit Jean Ziegler &ndash; &ldquo;Ich bin ein wei&szlig;er Neger&rdquo;<\/a><\/li>\n<\/ol><p><em><strong>Vorbemerkung:<\/strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&uuml;r n&ouml;tig halten. Selbstverst&auml;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &Uuml;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &Uuml;bersicht f&uuml;r hilfreich halten, <a href=\"\/?p=7892&amp;email=1\">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&ouml;glichkeit der schnellen Information hin<\/a>.<\/em><\/p><ol>\n<li><a name=\"h01\"><\/a><strong>Arbeitsmarkt im Dezember 2010<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li><strong>Die Daten<\/strong>\n<ul>\n<li>3,016 Millionen registrierte Arbeitslose &ndash; 260.000 (7,9%) weniger als im Dezember 2009<\/li>\n<li>5,519 Millionen &ldquo;Arbeitslosengeld-Empf&auml;nger\/innen&rdquo; (SGB III und SGB II)1<\/li>\n<li>4,731 Millionen Arbeitslosengeld II-Empf&auml;nger\/innen &ndash; 176.000 (3,6%) weniger als im Dez. 2009&hellip;<\/li>\n<li>68,5% der Arbeitslosen sind im Rechtskreis SGB II (Hartz IV) registriert<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von den 3,016 Millionen Arbeitslosenwaren 0,950 Millionen (31,5%) im Rechtskreis SGB III und 2,066 Millionen (68,5%) (Dezember 2009: 66,1%) im Rechtskreis SGB II (Hartz IV) registriert.<br>\nAls Arbeitsuchende waren im Dezember 2010 insgesamt 5,528 Millionen Frauen und M&auml;nner registriert, 535.000 (8,8%) weniger als im Dezember 2009. Die von der Statistik der BA ermittelte &bdquo;Unterbesch&auml;ftigung ohne Kurzarbeit&ldquo; betrug im Dezember 2010 4,097 Millionen, 395.000 (8,8%) weniger als im Dezember 2009.<br>\nNach vorl&auml;ufigen, hochgerechneten Daten hatten 0,874 Millionen (arbeitslose und nicht arbeitslose)Frauen und M&auml;nner Anspruch auf das beitragsfinanzierte Arbeitslosengeld (SGB III) und 4,731 Millionen Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Bereinigt um die Zahl der etwa 86.000 sog. Aufstocker (gleichzeitiger Bezug von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II) hatten im Dezember 2010 etwa 5,519 Millionen erwerbsf&auml;hige Frauen und M&auml;nner Anspruch auf Arbeitslosengeld (SGB III) bzw. Arbeitslosengeld II, 396.000 weniger als vor einem Jahr (BA-Monatsbericht, S. 35).<br>\nQuelle: <a href=\"\/upload\/pdf\/110105_alo1210.pdf\">Bremer Institut f&uuml;r Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V. (BIAJ) [PDF &ndash; 16 KB]<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>Immer noch 4,1 Millionen Arbeitslose<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"\/upload\/pdf\/110105_linke_im_bt_tatsaechliche_arbeitslosigkeit_dezember_2010.pdf\">Die Linke [PDF &ndash; 463 KB]<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><a name=\"h02\"><\/a><strong>Zum &bdquo;Jobwunder&ldquo;<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li><strong>Gerhard Bosch: &ldquo;Jobwunder h&auml;ngt am seidenen Faden&rdquo;<\/strong><br>\nZun&auml;chst einmal sollten wir uns freuen, dass&nbsp; im Unterschied zu fast allen anderen L&auml;ndern die Besch&auml;ftigung trotz der Finanzkrise gewachsen ist. Das ist in erster Linie ein Erfolg der Tarifpartner und der gro&szlig;en Koalition, die mit Kurzarbeit und flexiblen Arbeitszeitregelungen Entlassungen verhindert haben. Problematisch ist allerdings, dass gut bezahlte Arbeitspl&auml;tze verloren gehen. Zuw&auml;chse verzeichnen wir vor allem bei der Leiharbeit und in Dienstleistungsbranchen, in denen sich nur wenige Unternehmen an Tarife halten. Allein 2009 ist die Zahl der Niedriglohnbesch&auml;ftigten um mehr als 200&nbsp;000 gestiegen&hellip;<br>\nIn manchen Branchen, wie dem Einzelhandel oder der Gastronomie,&nbsp; geht die&nbsp; Vollzeitbesch&auml;ftigung seit Jahren zur&uuml;ck. Es werden fast nur noch Teilzeit- oder Minijobs angeboten. Der Grundsatz der Gleichbehandlung gilt in der Praxis f&uuml;r Minijobber nicht. Sie werden fast durchg&auml;ngig schlechter als sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigte bezahlt. Au&szlig;erdem erhalten sie meistens kein Krankengeld und keinen bezahlten Urlaub. Dadurch sind sie erheblich billiger f&uuml;r die Unternehmen&hellip;<br>\nDas deutsche Jobwunder h&auml;ngt an einem seidenen Faden, n&auml;mlich dem Export in andere L&auml;nder. Bisher hatten wir Gl&uuml;ck, dass viele L&auml;nder, etwa in Asien, von der Finanzkrise kaum etwas gesp&uuml;rt haben. Der deutsche Aufschwung wird&nbsp; jetzt durch die Sparpakte in Europa und den USA gef&auml;hrdet. Wenn nur Leiharbeit und befristete Besch&auml;ftigung zunehmen, wird sich dass &ldquo;Jobwunder&rdquo; nicht wiederholen. Die Unternehmen werden sich dann zu allererst von diesen Arbeitskr&auml;ften trennen und weniger auf Kurzarbeit setzen als 2009.&nbsp;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.igmetall.de\/cps\/rde\/xchg\/internet\/style.xsl\/gespraech-mit-wissenschaftler-gerhard-bosch-ueber-die-neusten-6732.htm%20\">IG Metall<\/a><\/li>\n<li><strong>Industriejobwunder entpuppt sich als M&auml;rchen<\/strong><br>\nDie Zahl der Arbeitslosen sinkt seit Monaten. Allerdings nicht in der Industrie. Sie schafft trotz des Wirtschaftsbooms keine neuen Stellen. Die entstehen vor allem im Dientsleistungssektor.<br>\n&ldquo;Das eigentliche deutsche Jobwunder, von dem derzeit viele reden, hat in erster Linie im Dienstleistungssektor stattgefunden&rdquo;, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Tats&auml;chlich hat die deutsche Industrie in der Krise massiv Arbeitspl&auml;tze abgebaut. Zwischen 2009 und 2010 ging die Zahl der Stellen um 136.000 zur&uuml;ck, wie aus den am Montag ver&ouml;ffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervorgeht. Seit Anfang 2009 bel&auml;uft sich die Zahl der verlorenen Industriejobs damit bereits auf insgesamt 366.000.<br>\nNur ein Teil davon wurde seither in Form von Zeitarbeit wieder aufgebaut. Die genaue Zahl l&auml;sst sich nicht beziffern, da Zeitarbeitsstellen als Dienstleistung erfasst werden &ndash; jedoch nicht erhoben wird, in welcher Branche die Zeitarbeiter eingesetzt werden. &ldquo;In jedem Fall d&uuml;rfte nur ein Bruchteil davon der Industrie zuzuordnen sein&rdquo;, sagte Holger Schmieding.<br>\nInsgesamt entstanden im Servicesektor im vergangenen Jahr 330.000 Jobs &ndash; nur ein Teil davon in der Zeitarbeit. Seit Anfang 2009 waren es bereits &uuml;ber eine halbe Million. Die neuen Zahlen widersprechen somit dem Bild von der Industrie als Motor des Jobwunders, das viele Wirtschaftsvertreter in den vergangenen Monaten bem&uuml;ht haben.<br>\nNach Ansicht von Experten d&uuml;rfte sich diese Entwicklung in der Zukunft fortsetzen. &ldquo;Es ist ein ganz klarer Trend, dass in den kommenden Jahren mehr Jobs im Dienstleistungssektor als in der Industrie geschaffen werden&rdquo;, sagte Andreas Rees, Volkswirt von Unicredit. &ldquo;Die Krise hat diese Entwicklung noch beschleunigt.&rdquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:arbeitsplatzabbau-industriejobwunder-entpuppt-sich-als-maerchen\/50211097.html\">FTD<\/a><\/li>\n<li><strong>Aufschwung und keine Ende?<\/strong><br>\nAus XXL wird XL: Geht es nach f&uuml;hrenden &Ouml;konomen, h&auml;lt der Aufschwung 2011 an. Die Euro-Krise wird demnach der deutschen Wirtschaft nicht schaden. Zwar ist das Wachstum nicht mehr ganz so &uuml;ppig, aber immer noch viel st&auml;rker als im Rest der Eurozone.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/ZDFheute\/inhalt\/17\/0,3672,8176273,00.html\">ZDF heute<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkungen unseres Lesers G.K.:<\/strong> Nachdem die deutsche Wirtschaft &uuml;ber viele Jahre hinweg zumeist europ&auml;isches Wachstumsschlusslicht gewesen ist und Deutschland momentan ein &uuml;berdurchschnittliches Wachstum aufweist, legen unsere neoliberalen Medien, Politiker und Wirtschafts-&ldquo;Experten&rdquo; prompt eine ausgepr&auml;gt besserwisserische, arrogante und prahlerische Attit&uuml;de an den Tag.<br>\nZu dem ZDF-Beitrag von Ulrich Reitz im Einzelnen:<\/em><\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li><em>ZDF-Autor Ulrich Reitz schreibt unter Bezugnahme auf Bert R&uuml;rup: &ldquo;Drei Prozent Wachstum seien 2011 m&ouml;glich. In den kommenden Jahren seien Zuwachsraten von durchschnittlich 2,5 Prozent nicht unwahrscheinlich. Das w&auml;ren doppelt so hohe Werte wie in den vergangenen 15 Jahren.&rdquo;<br>\nDie vergangenen Jahre (insbesondere die nicht prognostizierten Wachstumseinbr&uuml;che im Gefolge der Internetblase des Jahres 2000 und der Finanzkrise des Jahres 2008) zeigen &uuml;berdeutlich, dass unsere &ldquo;Wirtschaftsexperten&rdquo; nicht einmal dazu f&auml;hig sind, halbwegs zutreffende Wirtschaftsprognosen f&uuml;r einen Zw&ouml;lfmonats-Zeitraum abzugeben. Diese Erfahrung sowie die &ouml;konomischen Unw&auml;gbarkeiten aus der Finanz-\/Eurokrise hindern den ZDF-Autoren Reitz jedoch in keiner Weise daran, v&ouml;llig unkritisch die R&uuml;rup-&ldquo;Prognose&rdquo; von 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum f&uuml;r die kommenden Jahre nachzuplappern. Zur Person R&uuml;rup weiss Ulrich Reitz lediglich zu berichten, dass es sich bei Bert R&uuml;rup um den ehemaligen Chef der Wirtschaftsweisen handelt. &Uuml;ber dessen langj&auml;hrige T&auml;tigkeit als Lobbyist der Versicherungswirtschaft (heute ist R&uuml;rup gemeinsam mit AWD-Gr&uuml;nder Carsten Maschmeyer Inhaber der MaschmeyerR&uuml;rup AG, einer auf das Beratungsgesch&auml;ft f&uuml;r Banken, Versicherungen und Regierungen ausgerichteten Firma) schweigt sich Reitz hingegen aus.<br>\nDass die vom ZDF-Autor Reitz zitierte Wachstumsprognose nicht uneingeschr&auml;nkte Zustimmung erf&auml;hrt, zeigt im &uuml;brigen eine aktuelle Mitteilung des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW). Laut dem FR-Beitrag &ldquo;Konjunkturprognose: DIW erwartet langsameres Wachstum&rdquo; taxiert das DIW das Wachstum f&uuml;r 2011 auf lediglich 2,2 Prozent (statt 3 Prozent) und f&uuml;r 2012 auf nur <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/wirtschaft\/diw-erwartet-langsameres-wachstum\/-\/1472780\/5061286\/-\/index.html\">noch 1,3 Prozent<\/a> (statt 2,5 Prozent).<\/em><\/li>\n<li><em>ZDF-Autor Ulrich Reitz schreibt: &ldquo;Dabei kommt der deutschen Wirtschaft die Eurokrise sogar zugute. Deutschland k&ouml;nne endlich die gew&uuml;nschte Rolle als Konjunkturlokomotive Europas spielen, glaubt Holger Schmieding, Chef&ouml;konom der Berenberg Bank. Die Vorzeichen stimmen: Durch die Schw&auml;che der Krisenl&auml;nder werden die Zinsen durch die Europ&auml;ische Zentralbank bis auf weiteres niedrig gehalten. Gepaart mit starkem Wachstum lockt der Niedrigzins Investoren nach Deutschland.&rdquo;<br>\nDer Terminus von der deutschen Wirtschaft als &ldquo;europ&auml;ischer Konjunkturlokomotive&rdquo; stellt die Fakten geradezu auf den Kopf: W&auml;re Deutschland tats&auml;chlich eine &ldquo;Konjunkturlokomotive&rdquo; f&uuml;r die europ&auml;ische Wirtschaft, dann m&uuml;ssten von der hiesigen Wirtschaft positive Wachstumsimpulse auf die &uuml;brigen europ&auml;ischen Staaten ausgehen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Das auf dem seit vielen Jahren von Deutschland betriebenen Lohn- und Sozialdumping basierende an-die-Wand- Konkurrieren der &uuml;brigen zur Eurozone z&auml;hlenden Staaten und die daraus resultierenden hohen Au&szlig;enhandelsdefizite der unter dieser Politik leidenden Staaten sprechen der Behauptung von Deutschland als der &ldquo;europ&auml;ischen Konjunkturlokomotive&rdquo; Hohn. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund der von der schwarz-gelben Bundesregierung an die Adresse zahlreicher europ&auml;ischer Staaten und der dort lebenden Menschen gerichteten Spar- und Lohnsenkungsdiktate, welche die &ouml;konomische und soziale Situation in diesen Staaten h&ouml;chstwahrscheinlich weiter versch&auml;rfen werden.<br>\nDas von Ulrich Reitz angesprochene niedrigere europ&auml;ische Zinsniveau ist eine Folge der Krise innerhalb der Eurozone. Die EZB muss ihre Zinspolitik an der &ouml;konomischen Lage der gesamten Eurozone ausrichten. Momentan profitiert die deutsche Wirtschaft mithin von den &ouml;konomischen Problemen in zahlreichen Staaten der Eurozone, da das im Euozonen-Vergleich momentan &uuml;berdurchschnittlich hohe deutsche BIP-Wachstum mit einem vergleichsweise niedrigen Zinsniveau einhergeht.<\/em><\/li>\n<li><em>Der ZDF-Autor Ulrich Reitz schreibt: &ldquo;Carsten-Patrick Meier, Chef des Konjunkturforschungsinstituts Kiel Economics, erwartet, dass die Arbeitslosenquote bis 2015 auf f&uuml;nf Prozent sinkt. Zum Vergleich: In Spanien ist derzeit rund jeder f&uuml;nfte Erwerbsf&auml;hige ohne Arbeit. In Frankreich liegt die Quote bei beinahe zehn Prozent. Gut m&ouml;glich, dass die Zahl der Arbeitslosen 2011 unter die Drei-Millionen-Grenze f&auml;llt &ndash; nicht nur in einem Monat, sondern &uuml;ber das ganze Jahr.&rdquo;<br>\nDie oben bereits zitierte aktuelle Konjunkturprognose des DIW geht hingegen davon aus, dass die offiziell ausgewiesene Arbeitslosigkeit auch im  Jahresdurchschnitt 2011 bei &uuml;ber drei Millionen liegen wird. Die Lage sei &ldquo;nicht so g&uuml;nstig, wie sie aussieht&rdquo;. Und zu der von Reitz zitierten Prognose f&uuml;r das Jahr 2015 kann man nur wiederholen: Dies ist pure Kaffeesatzleserei (selbst unter dem Aspekt, da&szlig; die demografische Entwicklung in Deutschland zu einem R&uuml;ckgang des Erwerbspersonenpotenzials f&uuml;hren wird)!<br>\nFAZIT: ZDF-Autor Ulrich Reitz pr&auml;sentiert einen im Trend der Mainstream-Medien liegenden Beitrag, der &uuml;ber weite Strecken &uuml;ber eine propagandistische Sch&ouml;nf&auml;rberei der aktuellen Lage und der k&uuml;nftigen Entwicklung nicht hinausreicht.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<p>Dazu passt: <\/p>\n<li><strong>Wie gut sind Wirtschaftsprognosen?<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/wiso.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/25\/0,1872,1001625_idDispatch:10229633,00.html\">ZDF Wiso<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><a name=\"h03\"><\/a><strong>Schw&auml;chelnde Tigerstaaten: St&auml;rke kommt von innen<\/strong><br>\nDas schw&auml;chelnde Wirtschaftswachstum der asiatischen Staaten, allen voran China, ist eine schlechte Nachricht f&uuml;r Deutschland. Es mag zu fr&uuml;h sein, von einer Krise zu sprechen. Ein dramatischer Einbruch steht noch nicht bevor, wohl aber ist die euphorische deutsche Exportparty erst einmal vorbei. Die Zahlen aus Asien sind zum einen eine Botschaft an die europ&auml;ischen F&uuml;hrungen. Wer die Abh&auml;ngigkeit von Fernost verringern will, muss die europ&auml;ische Nachfrage st&auml;rken. Der Druck w&auml;chst, die kriselnden Euro-L&auml;nder zu sanieren. Und das m&ouml;glichst nicht mit einem radikalen Sparkurs, der den dortigen Konsum zum Erliegen zu bringen droht. Die Rolle des europ&auml;ischen Binnenmarkts muss gest&auml;rkt werden. Zum anderen ist das sinkende asiatische Wachstum ein Signal f&uuml;r die deutsche Wirtschaft, ihre Ausrichtung anzupassen. Wo uns bislang mit deutlicher F&uuml;hrung der Export treibt, muss im kommenden Jahr die Binnenwirtschaft ran. Nach dem Exportboom von 2010 ist es an der Zeit, kr&auml;ftig in Deutschland zu investieren. Um den Konsum im Inland anzukurbeln, muss das Lohnniveau aber in einem vertretbaren Ma&szlig; deutlich steigen. Als Beispiel kann etwa Schweden dienen. Neben starkem Export kann das Land auch auf kr&auml;ftigen Konsum zur&uuml;ckgreifen &ndash; das macht weniger anf&auml;llig.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/international\/:schwaechelnde-tigerstaaten-staerke-kommt-von-innen\/50209666.html\">FDT<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h04\"><\/a><strong>Ulrike Herrmann: Wachstum lohnt sich nicht<\/strong><br>\n[&hellip;] In Umfragen &auml;u&szlig;ern sich die meisten eher pessimistisch. Selbst bei den Spitzenverdienern glaubt nur ein Drittel, dass sich ihre finanzielle Situation in diesem Jahr bessert.<br>\nDas Misstrauen der Deutschen ist berechtigt. Schlie&szlig;lich wuchs die Wirtschaft zwischen 2005 und 2008 ebenfalls kr&auml;ftig &ndash; doch bei den Arbeitnehmern kam nichts an. Die Reall&ouml;hne stagnierten oder sanken, w&auml;hrend die Firmengewinne explodierten.<br>\nDieses Szenario k&ouml;nnte sich nun wiederholen. Denn die sch&ouml;nen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdecken eine unsch&ouml;ne Realit&auml;t. Die Massenarbeitslosigkeit ist n&auml;mlich keineswegs vorbei. Noch immer erhalten 5,5 Millionen Menschen Hartz IV oder Arbeitslosengeld I &ndash; aber nur etwa die H&auml;lfte taucht in der offiziellen Arbeitslosenstatistik auf. Der Rest wird anderweitig verbucht, hat aber trotzdem keine ausk&ouml;mmliche T&auml;tigkeit. Doch selbst wer regul&auml;r besch&auml;ftigt ist, hat nicht unbedingt eine regul&auml;re Stelle. Zwar sind nun &uuml;ber 40 Millionen Menschen erwerbst&auml;tig &ndash; aber nur knapp 22,5 Millionen bekleiden eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle. Es boomt vor allem die Teilzeit in ihren diversen Varianten. Damit sind viele Arbeitnehmer erpressbar, noch immer. Das wissen sie selbst am besten. Daher rechnen sie auch nicht mit steigenden L&ouml;hnen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=me&amp;dig=2011%2F01%2F04%2Fa0101&amp;cHash=a20870d59d\">taz<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h05\"><\/a><strong>Die Wahrheit &uuml;ber Mindestl&ouml;hne<\/strong><br>\nDeutsche Wirtschaftswissenschaftler verkaufen es gern als ein &ouml;konomisches Naturgesetz: Wenn der Staat Mindestl&ouml;hne vorschreibt, vernichtet er damit Arbeitspl&auml;tze. Unweigerlich und in jedem Fall. Eindringlich warnten die Chefs von sieben Wirtschaftsforschungsinstituten 2008 vor einem &bdquo;staatlichen Lohndiktat&ldquo;. Denn dies w&uuml;rde zu &bdquo;erheblichen Besch&auml;ftigungsverlusten&ldquo; f&uuml;hren. Bis heute haben sie ihre Meinung nicht ge&auml;ndert.<br>\nDabei ist die Wahrheit deutlich komplizierter. Der Zusammenhang ist l&auml;ngst nicht so klar, wie die Professoren suggerieren. So zeigt eine jetzt ver&ouml;ffentlichte Mammut-Untersuchung des Arbeitsmarkt-Forschungszentrums der US-Eliteuniversit&auml;t Berkeley: H&ouml;here Mindestl&ouml;hne haben in den Vereinigten Staaten in den vergangenen 16 Jahren keine Jobs vernichtet. &bdquo;Wir finden keine negativen Besch&auml;ftigungseffekte&ldquo;, lautet das Fazit der Arbeit mit dem Titel &bdquo;Minimum Wage Effects Across State Borders&ldquo;&hellip;<br>\nIn einem ersten Schritt stellen die Forscher fest: H&ouml;here Mindestl&ouml;hne haben tats&auml;chlich die sozialpolitisch gew&uuml;nschte Wirkung. Wenn ein Bundesstaat den Mindestlohn erh&ouml;hte, stiegen danach die Einkommen der betroffenen Besch&auml;ftigten auch deutlich an &ndash; die Arbeitgeber konnten die Gesetze also nicht umgehen. Auf die h&ouml;heren Lohnkosten reagierten sie dennoch nicht mit Entlassungen&hellip;<br>\nDiese Ergebnisse st&uuml;tzen die Theorie des britischen Arbeitsmarkt-Forschers Alan Manning. Der Professor der London School of Economics propagiert seit mehr als zehn Jahren, dass reale Arbeitsm&auml;rkte nicht so perfekt funktionieren, wie es &Ouml;konomen in ihren Modellen unterstellen. Im wirklichen Leben w&uuml;rden die Arbeitgeber gerade im Niedriglohnsektor &uuml;ber Marktmacht verf&uuml;gen &ndash; diese erlaube es ihnen, die L&ouml;hne ihrer Besch&auml;ftigten zu dr&uuml;cken. Wenn das so ist, k&ouml;nnen staatliche Lohnuntergrenzen die Einkommen von Geringqualifizierten erh&ouml;hen, ohne dass Arbeitspl&auml;tze verloren gehen.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/nachrichten\/us-studie-die-wahrheit-ueber-mindestloehne;2713774;0\">Handelsblatt<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.irle.berkeley.edu\/workingpapers\/157-07.pdf\">Die Studie &ldquo;Minimum Wage Effects Across State Borders&rdquo; [PDF &ndash; 437 KB]<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h06\"><\/a><strong>Der Euroraum in Tr&uuml;mmern?<\/strong><br>\nDie Wirtschaftspolitik kann noch nicht aufatmen; zu schwer lasten die Folgesch&auml;den der Krise insbesondere auf der europ&auml;ischen Wirtschaft. Soll der Euroraum als Ganzes erhalten bleiben, muss die Wirtschaftspolitik ihn auch als eine Einheit verstehen und entsprechend handeln. Die enge nationale Perspektive muss von der Wirtschaftspolitik aufgegeben werden und einer europ&auml;ischen Perspektive Platz machen. Dazu geh&ouml;rt, dass die Finanzpolitik in Deutschland neben der ohnehin anregenden Geldpolitik weiterhin expansiv ausgerichtet bleibt. Zugleich muss die Wirtschaftspolitik dem Euroraum einen auch langfristig tragf&auml;higen und glaubw&uuml;rdigen institutionellen Rahmen geben. Erst wenn dies geschehen ist, wird die Wirtschaft des Euroraums wieder in ruhigere Bahnen zur&uuml;ckkehren.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_59_2011.pdf\">IMK-Report [PDF &ndash; 492 KB]<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h07\"><\/a><strong>Deutsche Bank: Die gef&auml;hrlichste Bank der Welt<\/strong><br>\nEin nicht f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit gedachtes Ranking f&uuml;hrt die Deutsche Bank als das Geldinstitut mit der h&ouml;chsten Systemrelevanz weltweit. Auf den ersten Blick kann man diese Platzierung als Auszeichnung interpretieren. Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, hat sein Institut auch im Investmentbanking so globalisiert, dass es keine andere Bank gibt, die f&uuml;r das weltweite Finanzsystem relevanter ist. Wer den zweiten Blick bevorzugt und noch dazu Steuerzahler in Deutschland ist, den muss es schaudern: Der darf glatt wichtigste Bank mit gef&auml;hrlichste &uuml;bersetzen. Und er liegt richtig. Denn die Fragestellung, die der Rangliste zugrunde lag, lautete: Der Kollaps welcher Bank h&auml;tte aus Sicht der japanischen Regulierer die gravierendsten Folgen f&uuml;r das weltweite Finanzsystem? Und sp&auml;testens seit Lehman, IKB oder HRE wissen die Steuerzahler: Je relevanter die Bank, desto sicherer ihre Rettung. Und ziehen wir die Theorie des moralischen Risikos zurate, die besagt, dass Manager von Instituten, die auf jeden Fall gerettet werden, riskanter handeln als andere, dann &ouml;ffnen uns die Japaner die Augen: Die Risikobereitschaft d&uuml;rfte in den Frankfurter Bankt&uuml;rmen am h&ouml;chsten auf der Welt sein.<br>\nDiese Banken m&uuml;ssen 2019 mehr Eigenkapital als Puffer f&uuml;r neue Krisen vorhalten als die nicht systemrelevanten Banken. Wie hoch der Puffer ausfallen wird, dar&uuml;ber wird noch diskutiert. Doch es steht jedem Aufseher frei, seine Banken so streng wie aus seiner Sicht n&ouml;tig zu regulieren. Die Schweizer haben davon schon Gebrauch gemacht und schreiben k&uuml;nftig den besonders gef&auml;hrlichen Banken, der UBS und der CS Group, bis zu 19 Prozent Eigenkapital vor. Das w&auml;re auch f&uuml;r die Deutsche Bank kein schlechter Puffer.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/wirtschaft\/krise\/die-gefaehrlichste-bank-der-welt\/-\/1471908\/5050302\/-\/index.html\">FR<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h08\"><\/a><strong>Die Hartz-Fabrik<\/strong><br>\nUnter diesem Titel berichtet der Spiegel vom 3. Januar 2011 &uuml;ber einen Wirtschaftszweig der beeindruckende Wachstumsraten erziele. 49 Milliarden h&auml;tten Bund und Kommunen im Jahre 2010 f&uuml;r Hartz-IV-Empf&auml;nger ausgegeben, doch nur 24 Milliarden sei unmittelbar f&uuml;r die Betroffenen bestimmt. Der Rest flie&szlig;e in Fortbildungseinrichtungen, an private Arbeitsvermittler, an Rechtsanw&auml;lte und an Wohlfahrtskonzerne. Experten vermuteten, dass rund 25 Milliarden in eine florierende Armutsindustrie fl&ouml;ssen. Zwischen 500 und 800 Euro kassiere etwa an einen Veranstalter f&uuml;r einen Fortbildungskurs f&uuml;r T&auml;tigkeiten in einem Supermarkt vom Jobcenter.<br>\nDie Bundesagentur f&uuml;r Arbeit habe herausgefunden, dass zuletzt nur noch 14,3 Prozent der Ein-Euro-Jobber hinterher in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverh&auml;ltnis unterk&auml;men.<br>\nDie Hartz-IV-Reform, die in den n&auml;chsten Wochen im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat beraten werde, sieht ein sogenanntes Bildungspaket vor, das der Branche ein Umsatzplus von gut 700 Millionen Euro und neue Berufsbilder wie den Hartz-IV-Nachhilfelehrer und den Hartz-IV-Bildungskoordinator bescheren werde. Allein f&uuml;r die Verwaltung der neuen Leistungen w&uuml;rden in den Jobcentern der Republik rund 1300 zus&auml;tzliche Angestellte gebraucht.<br>\nQuelle: Der Spiegel Printfassung S. 16 ff. \n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Laut dem zust&auml;ndigen Vorstandsmitglied der Bundesagentur, Heinrich Alt, stehen 625 Millionen Euro im Rahmen des &bdquo;Bildungspakets&ldquo; zur Verf&uuml;gung, das ergebe rechnerisch f&uuml;r 2,3 Millionen betroffene Kinder rund 23 Euro pro Kind und Monat. Im Interview mit Alt nennt <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/12\/28\/mehr-hartz-iv\/erst-ende-maerz-heinrich-alt.html\">Bild<\/a> zus&auml;tzliche Verwaltungskosten von 135 Millionen Euro, das w&auml;ren wiederum umgerechnet pro Kind 4,89 Euro.<\/em><\/p><\/li>\n<p><strong>Dazu:<\/strong><\/p>\n<li><a name=\"h09\"><\/a><strong>Weg mit den Ein-Euro-Jobs!<\/strong><br>\nZum wiederholten Mal fordert der Handwerksverband, die sogenannten Ein-Euro-Jobs abzuschaffen &ndash; und er hat recht. Der geringe Lohn ist nicht das Problem. Das Angebot hat zwei andere gravierende Nachteile. Zum einen sind sie weitgehend sinnfrei: Sch&ouml;n f&uuml;r Senioren, wenn ihnen jemand vorliest, und sch&ouml;n f&uuml;r den Arbeitslosen, wenn er so Anerkennung bekommt und eine Aufgabe hat. Das f&uuml;hrt jedoch weder in eine feste Stelle, noch l&ouml;st es das Problem, dass alte Menschen in Pflegeheimen mehr F&uuml;rsorge brauchen. So schummelt sich die Politik an notwendigen Antworten vorbei. Zum anderen zerst&ouml;ren die Ein-Euro-Pl&auml;tze regul&auml;re Stellen, weil die Kommunen die Kr&auml;fte freigebig dort einsetzten, wo Arbeit, aber kein Geld vorhanden ist &ndash; Z&auml;une streichen, Wege r&auml;umen, Schulen streichen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/konjunktur\/:arbeitslosigkeit-weg-mit-den-ein-euro-jobs\/50210902.html\">FTD<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h10\"><\/a><strong>H&ouml;chster Renten-Abschlag seit 2005<\/strong><br>\nNach einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung gingen im Jahr 2009 bundesweit 41,2 Prozent der M&auml;nner vorzeitig in Altersrente. Im Schnitt wurde der Rentenbeginn um fast drei Jahre vorgezogen &ndash; n&auml;mlich um 32,78 Monate vor Erreichen des 65. Lebensjahres.&nbsp;<br>\nDie Betroffenen bekommen deshalb lebenslang 127,44 Euro\/Monat weniger Rente! So hohe Abz&uuml;ge gab es in den vergangenen f&uuml;nf Jahren nicht und nur im Jahr 2003 waren die Abschl&auml;ge mit rd. 130 Euro h&ouml;her.<br>\nSehr unterschiedlich fielen die Rentenabschl&auml;ge zwischen den Ost- und West-Bundesl&auml;ndern aus: W&auml;hrend im Westen nur gut jeder dritte (39,1 Prozent) &nbsp;m&auml;nnliche Arbeitnehmer vorzeitig Rente beantragte, war es im Osten jeder zweite (53,2 Prozent). &nbsp;<br>\nBei den Frauen gab es beim vorzeitigen Eintritt in die Altersrente sogar mehrere&nbsp; statistische Rekorde: Danach gingen bundesweit 48,7 Prozent der Frauen vorzeitig aufs Altenteil &ndash; so viele wie noch nie zuvor. Im Osten lag die Quote sogar bei 77,7 Prozent &ndash; ebenfalls Rekord!<br>\nDer Renteneintritt lag im Bundesdurchschnitt 44,43 Monate vor dem 65. Lebensjahr &ndash; bisheriger H&ouml;chstwert.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2011\/01\/04\/renten\/bis-zu-127-euro-weniger-fuer-frueh-rentner.html\">Bild.de<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Man stelle sich einmal vor, wie hoch die Abschl&auml;ge w&auml;ren, wenn der Rentenbeginn erst mit dem 67. Lebensjahr erreicht w&uuml;rde. Dann l&auml;ge der Rentenbeginn (ceteris paribus) im Schnitt fast 5 Jahre vor dem Renteneintrittsalter. Das w&auml;re eine Rentenk&uuml;rzung um 5 mal 3,6 oder fast 18 Prozent. Bezogen auf eine <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/984-euro-im-monat\/-\/1472596\/3209444\/-\/index.html\">durchschnittliche gesetzliche Rente von unter tausend Euro<\/a> w&auml;ren das Einbu&szlig;en im Schnitt von 180 Euro.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h11\"><\/a><strong>Kleiner Sieg f&uuml;r Leiharbeiter<\/strong><br>\nAm Frankfurter Uniklinikum d&uuml;rfen auch ausgegliederte Besch&auml;ftigte in den Personalrat gew&auml;hlt werden. F&uuml;r Verdi ist das ein erster Schritt gegen das &ldquo;Lohndumping&rdquo; der Gesch&auml;ftsleitung.<br>\nIn einem Streit um Leiharbeiter am Universit&auml;tsklinikum Frankfurt hat der Hessische Verwaltungsgerichthof (VGH) die Rechte der Arbeitnehmer gest&auml;rkt. In einem gestern ver&ouml;ffentlichten Beschluss best&auml;tigten die Kasseler Richter das Recht der Leih-Arbeitnehmer, an Personalratswahlen des Klinikums teilzunehmen und sich dort selbst zu Personalr&auml;ten w&auml;hlen zu lassen. Jedenfalls, wenn sie f&uuml;r einen ausreichenden Zeitraum in die Organisation eingegliedert waren. Der Beschluss gelte auch f&uuml;r vergleichbare F&auml;lle.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt\/kleiner-sieg-fuer-leiharbeiter\/-\/1472798\/5059726\/-\/index.html\">Frankfurter Rundschau<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h12\"><\/a><strong>Besser, billiger, sozialer<\/strong><br>\nDer Rhein-Hunsr&uuml;ck-Kreis nahm die M&uuml;llentsorgung wieder in eigene H&auml;nde &ndash; mit viel Erfolg<br>\nNach Jahren der Privatisierungsmanie bei kommunalen Einrichtungen sind Rekommunalisierungen keine Seltenheit mehr. Und sie sind popul&auml;r: Die seit einiger Zeit wieder kreiseigene M&uuml;llentsorgung im rheinland-pf&auml;lzischen Rhein-Hunsr&uuml;ck-Kreis senkt schon zum dritten Mal die Geb&uuml;hren f&uuml;r die B&uuml;rger. Die zum 1. Januar 2011 in Kraft getretene Reduzierung der Abfallgeb&uuml;hren f&uuml;r Privathaushalte hatte der Kreistag in seiner letzten Sitzung 2010 beschlossen. [&hellip;]<br>\nDass sich die B&uuml;rger im Landkreis mit ihrer kommunalen RHE identifizieren, ist sicher auch eine Folge von Geb&uuml;hrensenkungen. Weil dort kein privater Eigent&uuml;mer auf Gewinnentnahme pocht, konnten die durch Einsparungen bei der Logistik erzielten &Uuml;bersch&uuml;sse in Millionenh&ouml;he an die Kunden weitergegeben werden. 2007, 2009 und zuletzt Ende 2010 beschloss der Kreistag des 100.000-Einwohner-Gebietes eine Senkung der Tarife f&uuml;r die Privathaushalte. Die RHE will sich nun auch im Bereich erneuerbarer Energieerzeugung engagieren und mit neuen Heizzentralen im Kreis Abfallholz aus der Waldwirtschaft effizient verwerten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/187679.besser-billiger-sozialer.html\">Neues Deutschland<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h13\"><\/a><strong>Schlaglochrepublik Deutschland<\/strong><br>\nJetzt werden schon Autobahnen gesperrt: Die Stra&szlig;en sind zerl&ouml;chert, und es wird immer schlimmer. Das reiche Deutschland schafft es nicht mehr, seine Infrastruktur in Schuss zu halten. [&hellip;]<br>\nDas Grundproblem ist altbekannt: Die &ouml;ffentliche Hand leistet sich ein teures Stra&szlig;ennetz, auf das viele europ&auml;ische Nachbarn neidisch sind, ist jedoch immer weniger in der Lage, f&uuml;r dessen Instandhaltung zu sorgen. Laut ADAC sind f&uuml;r Ausbau und Erhalt der Stra&szlig;en bis zu 10 Milliarden Euro im Jahr n&ouml;tig &ndash; zur Verf&uuml;gung steht zur Zeit gerade einmal die H&auml;lfte. [&hellip;]<br>\nDie j&uuml;ngste Schlaglochmisere ist hausgemacht: &ldquo;Jetzt r&auml;chen sich die S&uuml;nden der Vergangenheit, denn intakten Stra&szlig;en k&ouml;nnen Feuchtigkeit und Frost nur wenig anhaben&rdquo;, sagt Christoph Hecht vom ADAC. Wo dagegen Vorsch&auml;digungen, etwa Risse, vorl&auml;gen, kann Wasser in die Stra&szlig;endecke eindringen, das vor allem beim h&auml;ufigen Wechsel von Frost zu Tauwetter den Asphalt zerst&ouml;rt, so Hecht. &ldquo;Wir gehen f&uuml;r das Fr&uuml;hjahr von einem neuen Schlaglochrekord auf deutschen Stra&szlig;en aus.&rdquo; [&hellip;]<br>\nNicht genug damit, dass geflickschustert wird &ndash; das geschieht auch noch immer billiger. Bei Temperaturen unter Null kommt lediglich sogenanntes Kaltmischgut zum Einsatz. Bei dieser Mixtur aus Split und Bitumen handelt es sich jedoch um eine Sofortma&szlig;nahme, um die Verkehrssicherheit herzustellen. Manche Stellen halten ein, zwei Jahre, andere, die besonderer Belastung ausgesetzt sind, m&uuml;ssen pro Winter gleich mehrfach geflickt werden. Das Problem: Eine dauerhafte Sanierung kostet in etwa drei Mal so viel.<br>\nRund 25 Milliarden Euro w&uuml;rde eine solche Generalsanierung der deutschen Stra&szlig;en kosten, sagt Rainer Hillg&auml;rtner vom ACE. Er ist &uuml;berzeugt davon, dass eine solche Ma&szlig;nahme mittelfristig sogar g&uuml;nstiger w&auml;re. &ldquo;Wer jetzt auf die Sanierung verzichtet, macht die Sache f&uuml;r den Geb&uuml;hren- und Steuerzahler sp&auml;ter noch um ein Vielfaches teurer, denn die Sch&auml;den potenzieren sich&rdquo;, sagt Hillg&auml;rtner und fordert ein sofortiges Notprogramm, da der jetzige Zustand vieler Stra&szlig;en Verkehrsteilnehmer gef&auml;hrden w&uuml;rde.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/auto\/service\/kaputte-strassen-schlaglochrepublik-deutschland-1639924.html\">Stern<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Jens Berger:<\/strong> Wen wundert das ernsthaft? Wer gesehen hat, wie die Kommunen und die L&auml;nder in diesem Fr&uuml;hling &ldquo;geflickschustert&rdquo; haben, ahnte bereits, dass die Stra&szlig;en im n&auml;chsten Winter wieder zum Sanierungsfall werden. Langfristiges Denken scheint allerdings nicht nur bei Bankern, sondern auch in der Politik unpopul&auml;r zu sein. Fast scheint es so, als bek&auml;men Kommunalpolitiker ebenfalls Boni f&uuml;r kurzfristige Einsparungen &ndash; anders l&auml;sst sich der neoliberale Wahnsinn kaum mehr erkl&auml;ren. Sicher, die Kommunen haben kein Geld. Wenn es die Politik aber wirklich ernst meinen w&uuml;rde, w&auml;ren die L&ouml;cher in den kommunalen Kassen ebenso bald Geschichte, wie die L&ouml;cher in den deutschen Stra&szlig;en. Schlie&szlig;lich kommt kein Bundes- oder Landespolitiker ohne die Unterst&uuml;tzung seiner Parteifreunde an der kommunalen Basis aus.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h14\"><\/a><strong>Zollitsch stolpert in R&ouml;slers Falle<\/strong><br>\nDeutschlands oberster Katholik pl&auml;diert f&uuml;r Selbstbeteiligung der Patienten beim Arztbesuch. Gespr&auml;ch mit Friedhelm Hengsbach, Sozialethiker und Jesuit, leitete von 1992 bis 2006 das Oswald-von-Nell-Breuning-Institut f&uuml;r Wirtschafts- und Gesellschaftsethik in Frankfurt am Main. Heute lebt er in der Jesuitengemeinschaft im Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen: &ldquo;R&ouml;sler will das Gesundheitssystem radikal ver&auml;ndern, er will die Kosten st&auml;rker dem individuellen Risiko zurechnen. Zollitsch stolpert aber in R&ouml;slers Falle. Er unterscheidet n&auml;mlich zwischen individuell verursachten und zu tragenden Risiken sowie solchen, die gesellschaftlich abzusichern sind. Wie und wo zieht er die Grenze? Er nennt als Beispiel die Raucher, die f&uuml;r die gesundheitlichen Folgen selbst aufkommen sollen &ndash; davon sind allerdings auch Berufsgruppen betroffen, die auf diese Weise Stre&szlig; abzubauen versuchen, unter anderem &Auml;rzte und Krankenschwestern. Wenn Kinder fettleibig sind, ist das kein rein individuelles Risiko, sondern hat mit gesellschaftlichen Verh&auml;ltnissen, Lebens- und Ern&auml;hrungsweisen zu tun. Bisch&ouml;fe haben vermutlich mit Zuzahlungen beim Arztbesuch oder mit Leistungsk&uuml;rzungen w&auml;hrend des Krankenhausaufenthalts weniger Probleme als Geringverdiener und Hartz-IV-Bezieher.&rdquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2011\/01-05\/036.php\">junge Welt<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> Friedhelm Hengsbach ist nicht nur Sozialethiker, sondern er hat auch Wirtschaftswissenschaften studiert. Promoviert hat er z.B. &uuml;ber die Assoziierung afrikanischer Staaten an die Europ&auml;ischen Gemeinschaften. Soll hei&szlig;en, Hengsbach spricht nicht nur aus einem ethischen Impuls heraus, er kennt sehr wohl die &ouml;konomischen Aspekte der &ldquo;Gesundheitsreform&rdquo; der schwarz-gelben Koalition.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h15\"><\/a><strong>Die Tamiflu-L&uuml;ge<\/strong><br>\nMilliarden haben Regierungen ausgegeben f&uuml;r das Grippemedikament Tamiflu, um gegen eine Pandemie gewappnet zu sein. Nun warnt das Team um den britischen Epidemiologen Tom Jefferson, der in Rom f&uuml;r die Cochrane Collaboration arbeitet: Die ver&ouml;ffentlichten Daten zu dem Mittel sind massiv gesch&ouml;nt. Tamiflus Karriere wurde vor allem durch eine &Uuml;bersichtsarbeit aus dem Jahr 2003 bef&ouml;rdert. Die Arbeit war unter Federf&uuml;hrung von Laurent Kaiser entstanden, dem Leiter des Zentralen Virologischen Labors am Genfer Universit&auml;tsklinikum. Kaisers Team hatte dazu zehn bis dahin vorliegende Wirksamkeitsstudien in Augenschein genommen &ndash; allerdings waren alle vom Tamiflu-Hersteller Roche selbst durchgef&uuml;hrt worden. Wo auch immer die Studienlage zu Tamiflu einer wissenschaftlichen Revision unterzogen wurde, wurde Kaisers &Uuml;bersichtsarbeit zitiert und deren Schl&uuml;sse offenbar kritiklos &uuml;bernommen. Als im Zuge der Vogelgrippe die Staaten, die es sich leisten konnten, Millionenreserven des Grippemittels anlegten, diente die Arbeit als Referenz daf&uuml;r, dass man ein wirksames Mittel eingekauft hatte.<br>\n&ldquo;Ein Kinderarzt aus Osaka wies uns darauf hin, dass wir uns auf zweifelhafte Daten verlassen hatten&rdquo;, sagt Jefferson. &ldquo;Die Autoren des Kaiser-Reviews sind vier Angestellte und ein bezahlter Berater von F. Hoffman-La Roche Ltd. &ndash; und Kaiser&rdquo;, schrieb Keiji Hayashi. &ldquo;Und nur zwei der zehn Studien sind in Fachzeitschriften publiziert worden.&rdquo; Nur in den acht unvollst&auml;ndig ver&ouml;ffentlichten Arbeiten aber, so Hayashi, w&uuml;rde Tamiflu besser wirken als ein Placebo. Roche wollte dem Briten nur im Tausch gegen eine Verschwiegenheitserkl&auml;rung Einsicht in seine Protokolle gew&auml;hren. Das wollte sich Jefferson nicht bieten lassen. Im Dezember 2009 machten er und seine Mitstreiter die L&uuml;cken in den publizierten Daten im British Medical Journal &ouml;ffentlich. Zugleich zogen sie f&uuml;r ihre Neubewertung nur jene Studien heran, die &uuml;blicherweise in eine &Uuml;bersichtsarbeit flie&szlig;en: solche, die vollst&auml;ndig publiziert sind. So kamen sie zu demselben Schluss wie Keji Hayashi: Allen ver&ouml;ffentlichten Daten zufolge beuge Tamiflu Atemwegskomplikationen infolge einer Grippe nicht besser vor als ein Placebo, so das Fazit.<br>\nQuelle. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/2.220\/kampf-gegen-die-grippe-die-tamiflu-luege-1.1037400\">SZ<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h16\"><\/a><strong>Kann man Regulierung wirklich kaufen?<\/strong><br>\nDie Beziehungen zwischen den Londoner Banken und ihren Regulierern sind zurzeit nicht gerade herzlich. Die j&uuml;ngsten Bonus-Regelungen, die der Ausschuss der Europ&auml;ischen Bankenaufsichtsbeh&ouml;rden CEBS (der schon bald in der European Banking Authority EBA aufgehen wird) festgelegt hat, haben die empfindlichen Seelen auf dem B&ouml;rsenparkett verletzt und mit dem Gef&uuml;hl zur&uuml;ckgelassen nicht geliebt zu werden. In Zukunft wird man 70% ihrer Boni aussetzen m&uuml;ssen. Man stelle sich vor, von nur drei Millionen Dollar pro Jahr zehren zu m&uuml;ssen und die anderen sieben Millionen werden nur ausbezahlt, wenn sich die Profite als real herausstellen, die man verdient hat! Eine schockierende Wende der Ereignisse. Und doch ist regulatory capture, die Vereinnahmung des Regulierers durch die Regulierten, h&auml;ufig ein wichtiger Bestandteil von Geschichten &uuml;ber die Finanzkrise. W&auml;hrend meiner Zeit als Regulierer h&auml;tte ich das sicher bestritten. Ich hatte nie in der Finanzbranche gearbeitet und kannte nur wenige, die es taten. (Um mit offenen Karten zu spielen: Ich bin inzwischen unabh&auml;ngiges Mitglied im Aufsichtsrat von Morgan Stanley). Meine Nachfolger stammen jedoch allesamt aus dem Finanzsektor, was, bis vor kurzem, als Zeichen gewertet wurde, dass sie wissen, wo es langgeht. Dessen sind wir uns jetzt nicht mehr so sicher.<br>\n&Uuml;ber den Rechtsetzungsprozess in den Vereinigten Staaten wei&szlig; ich nicht aus erster Hand Bescheid. Als Au&szlig;enstehender bin ich jedoch verbl&uuml;fft &uuml;ber die offenkundige Intensit&auml;t des Lobbyismus und die Summen, die Firmen und ihre Verb&auml;nde ausgeben. Zollt es seine Wirkung? Eine Studie von Ahmed Tahoun von der London School of Economics &uuml;ber &bdquo;The role of stock ownership by US members of Congress on the market for political favors&ldquo;, zu Deutsch &bdquo;Die Rolle von Aktienbesitz durch US-Mitglieder des Kongresses auf dem Markt politischer Gef&auml;lligkeiten&ldquo;, wirft ein faszinierendes Streiflicht auf die Beziehung zwischen dem Kongress und Unternehmen. Tahoun hat die Beziehung zwischen dem Aktienbesitz von Kongressabgeordneten und Spenden f&uuml;r ihre politischen Wahlk&auml;mpfe durch die relevanten Firmen analysiert und einen starken positiven Zusammenhang festgestellt.<br>\nRegulierer sind diesen Verlockungen &uuml;blicherweise nicht ausgesetzt. Normalerweise ist es ihnen nicht erlaubt, Anteile an Finanzunternehmen zu besitzen (jedenfalls nicht in den mir bekannten Gerichtsbarkeiten). Aber k&ouml;nnen sie trotzdem vereinnahmt werden? Ich sehe zwei potenzielle Gr&uuml;nde zur Sorge. Der erste ist die Dreht&uuml;r zwischen der Finanzindustrie und den Aufsichtsbeh&ouml;rden. Dies ist in den USA weiter verbreitet, wo die Geh&auml;lter der Regulierer sehr niedrig sind, insbesondere bei der B&ouml;rsenaufsichtsbeh&ouml;rde SEC und der Commodity Futures Trading Commission, die die Future- und Optionsm&auml;rkte reguliert. Gro&szlig;britannien bezahlt seinen Regulierern mehr, es gibt aber trotzdem eine Menge &bdquo;Rein und Raus&ldquo; und auch mehr als es fr&uuml;her der Fall war. Die zweite Sorge ist das, was man als intellektuelle Vereinnahmung bezeichnen k&ouml;nnte. Ich w&uuml;rde zwar entschieden behaupten, dass die FSA zu meiner Zeit keine Firmen ungeb&uuml;hrlich bevorzugt hat, aber es ist m&ouml;glicherweise richtig, dass wir &ndash; und darin nehmen wir uns nichts gegen&uuml;ber US-Regulierern &ndash; geneigt waren zu glauben, dass die M&auml;rkte im Allgemeinen effizient waren.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/davies11\/German\">Project Syndicate<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> Es ist schon fast wieder r&uuml;hrend, wie der ehemalige Vorsitzende der britischen Finanzaufsichtsbeh&ouml;rde versucht, dem Vorwurf entgegenzutreten, dass Regulierer Ersatz-Lobbyisten f&uuml;r die Finanzindustrie sein k&ouml;nnten. Letztlich aber selbst auf den zunehmenden Dreht&uuml;reffekt zwischen der Finanzindustrie und den Aufsichtsbeh&ouml;rden hinweist und auch die intellektuelle Vereinnahmung der Regulierer nicht leugnen kann. Howard Davies m&ouml;cht diese intellektuelle Vereinnahmung&nbsp; auf&nbsp; den Glauben daran beschr&auml;nken, dass M&auml;rkte im Allgemeinen effizient seien. Was aber eigentlich f&uuml;r eine Finanzaufsicht die Tods&uuml;nde schlechthin ist, denn was sollte die priorit&auml;re Haltung einer Aufsicht sein, wenn nicht &auml;u&szlig;erstes Misstrauen gegen&uuml;ber den Akteuren der Finanzm&auml;rkten. die permanent auf eine weitere Deregulierung des Marktes dr&auml;ngen. Auch d&uuml;rfte Davies nicht entgangen sein, dass z.B. die Expertenrunden in Br&uuml;ssel von Lobbyisten des Finanzsektors dominiert werden. Im letzten Jahr ver&ouml;ffentlichte das europ&auml;ische Netzwerk Alter-EU eine Studie, die ergab, dass in den EU-Expertengruppen 150 Beamten der europ&auml;ischen Kommission 229 Experten aus dem privaten Bankensektor gegen&uuml;berstanden. F&uuml;r den gegenw&auml;rtigen Direktor der London School of Economics ist es schon fast ein geistiges Armutszeugnis, wenn er letztlich den Regulierer als Ersatz-Lobbyisten f&uuml;r die Finanzindustrie damit widerlegen m&ouml;chte, dass dadurch die Leistungen vieler &uuml;berarbeiteter und unterbezahlter &ouml;ffentlich Bediensteter auf aller Welt entwertet w&uuml;rden. Entwertet wird diese Arbeit durch die Entscheidungstr&auml;ger an der Spitze, die auf die Dreht&uuml;r setzen.<br>\nDie von Davies erw&auml;hnte Studie &uuml;ber &ldquo;Die Rolle von Aktienbesitz durch US-Mitglieder des Kongresses auf dem Markt politischer Gef&auml;lligkeiten&rdquo; kann <a href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=1571974\">hier heruntergeladen werden<\/a>.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h17\"><\/a><strong>US-Republikaner bremsen Finanzmarktreform aus<\/strong><br>\nUS-Pr&auml;sident Barack Obama droht bei der Umsetzung seiner Finanzmarktreform immer gr&ouml;&szlig;erer Widerstand. Die im US-Kongress m&auml;chtiger gewordenen Republikaner k&ouml;nnten Obamas Bem&uuml;hungen ausbremsen, die Wall Street st&auml;rker an die Kandare zu nehmen &ndash; indem sie vorerst keine Gelder f&uuml;r neue Mitarbeiter der Kontrollgremien freigeben. Bevor Mittel f&uuml;r die B&ouml;rsenaufsicht SEC und die Terminb&ouml;rsenaufsicht CFTC genehmigt w&uuml;rden, m&uuml;sse der Sinn dieser Ausgaben genauer unter die Lupe genommen werden, sagte der k&uuml;nftige Vorsitzende des zust&auml;ndigen Unterausschusses im Repr&auml;sentantenhaus, Randy Neugebauer. &bdquo;Wenn man erst einmal das Geld lockergemacht hat, ist es schwerer, den Zug noch zu stoppen&ldquo;, sagte der Republikaner aus Texas.<br>\nEine Verz&ouml;gerung der Finanzreform k&auml;me Wall-Street-Gr&ouml;&szlig;en wie Goldman Sachs entgegen, die die Aufsichtsbeh&ouml;rden durch ihre Lobbygruppen zu einem langsameren Vorgehen gedr&auml;ngt hatten. Im vergangenen Jahr hatte der noch von Obamas Demokraten kontrollierte Kongress die Wall-Street-Reform des Pr&auml;sidenten verabschiedet, sich aber noch nicht auf eine Finanzierung geeinigt.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/wirtschaft\/krise\/us-republikaner-bremsen-finanzmarktreform-aus\/-\/1471908\/5059830\/-\/index.html\">Frankfurter Rundschau<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/politik\/international\/republikaner_hintertreiben_obamas_finanzmarktreform_1.8979284.html\">NZZ<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h18\"><\/a><strong>China verspricht Spanien Unterst&uuml;tzung<\/strong><br>\nChinas Vizeministerpr&auml;sident Li Keqiang vertraut Spanien und k&uuml;ndigt den Kauf weiterer Staatsanleihen an. 10 Prozent besitzt China bereits. Die EZB setzt ihr Anleihe-Kaufprogramm fort, um die Wirkung ihrer Geldpolitik aufrechtzuerhalten.<br>\nChina hat nach Portugal nun auch Spanien Unterst&uuml;tzung in der Schuldenkrise versprochen. Peking sei bereit, alle denkbaren M&ouml;glichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu pr&uuml;fen, schrieb der chinesische Vizeministerpr&auml;sident Li Keqiang vor einem Spanien-Besuch in einem ganzseitigen Beitrag f&uuml;r die Zeitung &bdquo;El Pa&iacute;s&ldquo;. China bewerte die Reformpl&auml;ne der Madrider Regierung positiv. China habe spanische Anleihen gekauft und werde das auch weiterhin tun. Nach Angaben der Londoner Maklergesellschaft Icap besitzt China schon rund 10 Prozent der spanischen Staatsanleihen. [&hellip;]<br>\nChina hat schon Portugal finanzielle Hilfe durch den Ankauf von Staatsanleihen in Aussicht gestellt. Ger&uuml;chten zufolge soll China bereit sein, 4 bis 5 Milliarden Euro f&uuml;r neue und schon auf dem Markt gehandelte portugiesische Anleihen auszugeben. Das w&auml;re f&uuml;r Portugal eine gewaltige Summe. Die Portugiesen m&uuml;ssen in diesem Jahr gut 9 Milliarden Euro aufbringen, um f&auml;llig werdende Schuldtitel zu bezahlen. Weitere 11 Milliarden Euro werden f&uuml;r die Finanzierung des Staatsdefizits gebraucht. Alle Euro-Staaten zusammen m&uuml;ssen in diesem Jahr Schuldtitel im Wert von rund 850 Milliarden Euro auf dem Markt unterbringen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375\/Doc~E9D90374D9E244C40894693C66792FF50~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">FAZ<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Jens Berger:<\/strong> Ob China nun tats&auml;chlich ein so hohes Vertrauen in die spanische und portugiesische Liquidit&auml;t hat, darf getrost bezweifelt werden. Fest steht jedoch, dass China ein lebhaftes Interesse an einem starken Euro hat, schlie&szlig;lich garantiert ein starker und somit harter Euro einerseits relativ hohe Exportpreise f&uuml;r europ&auml;ische G&uuml;ter und sichert somit die preisliche Konkurrenzf&auml;higkeit chinesischer G&uuml;ter auf dem Weltmarkt. Bevor Peking europ&auml;ische Junk-Bonds abschreibt und nebenbei seine Konkurrenzf&auml;higkeit schw&auml;cht, investiert man lieber weiter in die schw&auml;chelnde Euro-Peripherie. Welche Alternative haben die Chinesen auch? Irgendwo m&uuml;ssen die immensen Au&szlig;enhandels&uuml;bersch&uuml;sse schlie&szlig;lich angelegt werden und China will bekanntlich diversifizieren, um aus der Dollar-Abh&auml;ngigkeit herauszukommen. So lange der Euro hart bleibt, kann dieses Gesch&auml;ft nur aufgehen.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h19\"><\/a><strong>EU kommt Kartells&uuml;ndern immer &ouml;fter auf die Schliche<\/strong><br>\nKartells&uuml;nder in der Europ&auml;ischen Union werden immer h&auml;ufiger aufgesp&uuml;rt. Im vergangenen Jahr verh&auml;ngte die EU-Kommission wegen illegaler Absprachen Strafen &uuml;ber 3,05 Mrd. Euro gegen Firmen, wie die Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer errechnet hat. Das waren fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. [&hellip;] Die Experten von Freshfields gehen davon aus, dass 2011 noch mehr Kartellverst&ouml;&szlig;e geahndet und die Strafzahlungen weiter nach oben gehen werden. Einen wesentlichen Grund hierf&uuml;r sehen sie in einer besseren grenz&uuml;berschreitenden Zusammenarbeit der Kartellbeh&ouml;rden. Zudem helfe das Kronzeugenprogramm der EU, erl&auml;utert Martin Klusmann, Kartellrechtsanwalt bei Freshfields. Immer mehr Unternehmen kooperierten mit der EU-Kommission und belasteten sich selbst, um Bu&szlig;gelder zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Die wachsende Zahl von Schadenersatzklagen privater Kl&auml;ger gegen diese Firmen gef&auml;hrde indes den Erfolg der Kronzeugen-Angebote.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1293369998751\/EU-kommt-Kartellsuendern-immer-oefter-auf-die-Schliche\">Der Standard<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h20\"><\/a><strong>Dornenkrone f&uuml;r den M&auml;rtyrer<\/strong><br>\nNicht die Justiz, sondern eine Wahrheitskommission sollte offenlegen, wie marktwirtschaftliche Radikalit&auml;t Russland nach 1991 geschadet und Oligarchen gezeugt hat. [&hellip;]<br>\nWer freilich Chodorkowski wie einen M&auml;rtyrer heiligt, sollte genau &uuml;berlegen, wem da die Dornenkrone aufs Haupt gesetzt wird. Die Schar der Sympathisanten l&auml;uft Gefahr, sich zum Anwalt einer brachialen Privatisierung in der ersten H&auml;lfte der neunziger Jahre zu machen, als Oligarchen wie Chodorkowski russisches Volksverm&ouml;gen zu Dumpingpreisen und unter teils kriminellen Umst&auml;nden erwarben. In jener Zeit avancierte der &Ouml;lkonzern Yukos zum gr&ouml;&szlig;ten innerrussischen Monopolisten. Es lohnt sich, gelegentlich dar&uuml;ber nachzudenken, wodurch und weshalb ein &Ouml;l-Mogul wie Chodorkowski innerhalb weniger Jahre zum Eigent&uuml;mer eines in Milliarden Dollar zu messenden Verm&ouml;gens werden konnte. Hier fand eine r&auml;uberische Aneignung statt, die jenem archaischen Kapitalismus auf den Leib und wie aus dem Gesicht geschnitten war, dem Russland unter dem im Westen &ndash; trotz gelegentlicher Eskapaden &ndash; wohlgelittenen Pr&auml;sidenten Jelzin verfiel. Yukos wurde zeitweilig so stark, dass der Konzern Staat und Regierung machtlos aussehen lie&szlig;, als 2002 der Verkauf von Unternehmensanteilen in einer Gr&ouml;&szlig;enordnung von bis zu 40 Prozent an den westlichen &Ouml;l-Multi Exxon auf der Tagesordnung stand. Russland drohte auszubluten und strategische Ressourcen einzub&uuml;&szlig;en. Das Land h&auml;tte sich unter Umst&auml;nden das &ouml;konomische R&uuml;ckgrat brechen und seiner sozialen Leistungsf&auml;higkeit berauben lassen, w&auml;re Chodorkowski nicht Ende 2003 Einhalt geboten und bald darauf Yukos zerschlagen worden.<br>\nEs k&ouml;nnte sein, dass energisches Handeln der russischen Justiz &ndash; aber eben auch des Pr&auml;sidenten Putin&ndash; seinerzeit Europa ein instabiles, von Unruhen ersch&uuml;ttertes Russland erspart hat, das den Ausverkauf seiner nat&uuml;rlichen Reicht&uuml;mer durch kaum etwas h&auml;tte kompensieren k&ouml;nnen. Nat&uuml;rlich wird an dem einst so m&auml;chtigen Chodorkowski seit der Verhaftung ein Exempel statuiert, auf Abschreckung gesetzt und der Justiz aufgeb&uuml;rdet, was politisch aufgearbeitet zu werden verdient. Etwa durch eine Wahrheitskommission, die schonungslos offenlegt, wie verheerend und &uuml;berst&uuml;rzt Russlands marktwirtschaftliche Metamorphosen durch die Radikalreformen nach 1991 ausfielen. Und zu wessen Lasten sie gingen. Aber Chodorkowski deshalb mit einem Freispruch wegen erwiesener Unschuld auszustatten, k&auml;me Realit&auml;tsverleugnung gleich.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/politik\/1051-dornenkrone-fuer-den-maertyrer\">Der Freitag<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h21\"><\/a><strong>Das ungarische Desaster<\/strong><br>\nDas Mediengesetz ist nur die Spitze einer Entwicklung. Viktor Orb&aacute;n ist weit vorangekommen bei seinem autorit&auml;ren Umbau, eine Alternative ist nicht in Sicht. [&hellip;]<br>\nDie ungarische Geschichte ist ein lehrreiches und warnendes Beispiel, das zeigt, wie zerbrechlich die europ&auml;ischen b&uuml;rgerlichen Demokratien in diesen wirren und dekadenten Zeiten geworden sind. Dort, wo soziale Solidarit&auml;t und der Zusammenhalt aufgrund von Gerechtigkeit fehlen, kann von den B&uuml;rgern nur schwerlich erwartet werden, dass sie liberale Institutionen, Checks and Balances und Gewaltenteilung verteidigen. [&hellip;]<br>\nZun&auml;chst verurteilte das Parlament in einem feierlichen Akt den Vertrag von Trianon von 1920 und stellte Angeh&ouml;rigen der ungarischen Minderheit in den Nachbarstaaten die ungarische Staatsb&uuml;rgerschaft in Aussicht. Sodann wurden alle staatlichen Institutionen und &ouml;ffentlichen Geb&auml;ude angewiesen, ihre W&auml;nde mit dem grunds&auml;tzlichen Bekenntnis des neuen Regimes zu schm&uuml;cken &ndash; der Erkl&auml;rung zu einer Nationalen Kooperation (das Regime nennt sich offiziell System &ldquo;Nationaler Kooperation&rdquo;, und die Regierung ist eine Regierung der Nationalen Einheit).<br>\nWeiterhin wurden die Wahlgesetze ge&auml;ndert, um es kleinen Parteien zu erschweren, ins Parlament zu gelangen. Au&szlig;erdem wurde das Verfassungsgericht kastriert. Zu guter Letzt wurden die Spitzenposten bei der Generalstaatsanwaltschaft f&uuml;r neun Jahre, des Rechnungshofes sowie der lokalen Rechtsorgane mit Politikern des rechten Fl&uuml;gels besetzt. Die Geheimdienste wurden umstrukturiert und ein neues Antiterrorismuszentrum unter Leitung von Viktor Orb&aacute;ns fr&uuml;herem pers&ouml;nlichen Leibw&auml;chter geschaffen. [&hellip;]<br>\nDie nationale P&auml;dagogik h&ouml;rt hier jedoch nicht auf: Soziale Unterst&uuml;tzung k&ouml;nnen nur noch diejenigen erhalten, die in &ldquo;geordneten Verh&auml;ltnissen&rdquo; leben. Das erm&ouml;glicht es der kommunalen Verwaltung, die Unterst&uuml;tzung missliebiger Schichten und Minderheiten zu verweigern. Bei einigen Angestellten des &ouml;ffentlichen Dienstes ist es dem Staat erlaubt, Nachforschungen &uuml;ber ihr &ldquo;untadeliges Privatverhalten&rdquo; inklusive ihrer Familien anzustellen. Kleine Diebst&auml;hle werden unabh&auml;ngig vom materiellen Wert streng bestraft, auch wenn die T&auml;ter minderj&auml;hrig sind. Bei der dritten Verfehlung kann eine besonders schwere Strafe verh&auml;ngt werden. Das Ergebnis ist, dass der Staat bereits geschlossene Gef&auml;ngnisse wieder &ouml;ffnen musste. [&hellip;]<br>\nAn diesem Punkt stehen wir heute. Es gibt keinen Weg zur&uuml;ck zu einer erfolglosen und unpopul&auml;ren liberalen &Auml;ra. Eine Alternative zu einer neuen autorit&auml;ren Ordnung ist derzeit nicht in Sicht.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/print-archiv\/printressorts\/digi-artikel\/?ressort=sw&amp;dig=2011%2F01%2F03%2Fa0080&amp;cHash=ad6ef68019\">taz<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h22\"><\/a><strong>Schleichende &Uuml;bernahme<\/strong><br>\nDie Niederlande bieten ein Lehrst&uuml;ck. Hier zeigt sich, wie Intoleranz langsam in einer Gesellschaft wuchert &ndash; seit der Islamfeind und Populist Geert Wilders die b&uuml;rgerliche Regierung toleriert.<br>\nIn seinen Tageb&uuml;chern beschreibt der Literaturwissenschaftler Victor Klemperer, wie sich in Deutschland nach der Macht&uuml;bernahme durch die Nationalsozialisten langsam die Sprache &auml;nderte. Wie die L&uuml;ge oder allenfalls halbe Wahrheit zur weitgehend akzeptierten Tatsache wurde, wie die Allgemeinheit die radikale Meinung &uuml;ber Minderheiten kaum merklich &uuml;bernimmt. Eine &auml;hnlich schleichende Radikalisierung nehmen viele in den Niederlanden wahr: Islamfeindliche Thesen, die vor einem Jahr als unerh&ouml;rt galten, sind heute unspektakul&auml;rer Gespr&auml;chsstoff in Fernseh-Talkshows. Was in &ouml;ffentlichen Diskussionen vor kurzem noch jenseits einer allgemein respektierten Schamgrenze lag, wird heute l&auml;ssig ausgesprochen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/meinung\/schleichende-uebernahme\/-\/1472602\/5059408\/-\/index.html\">Frankfurter Rundschau<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h23\"><\/a><strong>Der Zaun entzweit Europa<\/strong><br>\nDie griechische Regierung st&ouml;&szlig;t mit ihrem Plan, zur Eind&auml;mmung der illegalen Einwanderung einen Zaun an der Grenze zur T&uuml;rkei zu errichten, auf Skepsis. Das Vorhaben sei ein &bdquo;Akt der Notwehr&ldquo;, der angesichts des immensen Drucks auf die s&uuml;d&ouml;stliche EU-Au&szlig;engrenze zwar &bdquo;verst&auml;ndlich&ldquo; sei, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), der FR. &bdquo;Ob der Zaun aber dauerhaft ein geeignetes Mittel ist, um der Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me Herr zu werden, dahinter mache ich ein gro&szlig;es Fragezeichen.&ldquo;<br>\nDistanziert reagierte auch EU-Innenkommissarin Cecilia Malmstr&ouml;m. Z&auml;une und Mauern h&auml;tten sich in der Vergangenheit stets als kurzfristige L&ouml;sungen herausgestellt, sagte ihr Sprecher gestern. Was von Athen jetzt erwartet werde, sei ein umfassendes Konzept zum Grenzschutz, ein funktionierendes System zum Umgang mit illegal Eingewanderten und Asylsuchenden sowie die Kooperation mit Herkunfts- und Transitl&auml;ndern. Ausdr&uuml;cklich nannte er den EU-Beitrittsaspiranten T&uuml;rkei. Br&uuml;ssel und Ankara verhandeln derzeit &uuml;ber ein R&uuml;ck&uuml;bernahmeabkommen f&uuml;r illegal Eingewanderte. Malmstr&ouml;m hoffe, dass diese Gespr&auml;che sehr bald abgeschlossen w&uuml;rden.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/der-zaun-entzweit-europa\/-\/1472596\/5059566\/-\/index.html\">Frankfurter Rundschau<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Jens Berger:<\/strong> Die Frage, wie man die Ursachen der immer gr&ouml;&szlig;er werdenden Armutsflucht in das reiche Europa bek&auml;mpfen kann, spielt heutzutage offensichtlich weder in der Politik noch in den Medien eine Rolle. Stattdessen nimmt man den immensen Unterschied in den Lebensperspektiven als gegeben hin und debattiert lieber dar&uuml;ber, wie man den gemeinschaftlichen Wohlstand m&ouml;glichst effektiv gegen Menschen verteidigen kann, die der Armut in ihren L&auml;ndern entfliehen. Aus der deutschen Politik h&ouml;rt immer wieder das Argument, man m&uuml;sse doch Verst&auml;ndnis daf&uuml;r haben, dass die &ldquo;Aufnahmebereitschaft&rdquo; Deutschlands an seine Grenzen sto&szlig;en w&uuml;rde. In Tansania leben 485.700 Fl&uuml;chtlinge aus anderen Staaten, im Tschad 286.000, in Kenia 338.000, in Venezuela 209.000, in Jordanien 863.000, in Iran 1.025.000, in Syrien 1.329.000 und in Pakistan 2.161.500. Da kann man schon verstehen, warum ein reiches Land wie Deutschland mit der Aufnahme von 20.817 Fl&uuml;chtlingen im letzten Jahr an seine &auml;u&szlig;ersten Kapazit&auml;tsgrenzen stie&szlig;. Die Geschichte wird unsere Gesellschaft auch an diesem offensichtlichen Solidarit&auml;tsdefizit messen &ndash; und wir sollten lieber erst gar hoffen, dass sie mit uns all zu gn&auml;dig sein wird.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h24\"><\/a><strong>Annus horribilis<\/strong><br>\nDas Jahr 2011 hat das Zeug dazu, als &ldquo;Annus horribilis&rdquo; in die Geschichtsb&uuml;cher der FDP einzugehen. In sieben Bundesl&auml;ndern stehen in diesem Jahr Landtagswahlen an und wenn man den j&uuml;ngsten Umfrageergebnissen trauen darf, k&ouml;nnte es passieren, dass die FDP bei keiner dieser Landtagswahlen die 5%-H&uuml;rde meistern kann. [&hellip;]<br>\nAuch wenn sich die Anteile innerhalb der traditionellen politischen Lager momentan einmal wieder verschieben, so hat dies kaum eine Auswirkung auf die Politik. Die Unterschiede zwischen Rot-Gr&uuml;n und Schwarz-Gelb sind vor allem in der Landespolitik marginal. Allenfalls in Detailfragen gibt es grob divergierende Vorstellungen. Es scheint sich vielmehr ein Pendelspiel des Versagens einzustellen &ndash; die Parteien, die jeweils an der Macht sind, werden aufgrund ihres Versagens abgestraft und bei den n&auml;chsten Wahlen wechselt der W&auml;hler die Parteien aus, das Pendel schl&auml;gt zur&uuml;ck und der Trend kehrt sich um. Und t&auml;glich gr&uuml;&szlig;t das Murmeltier. Das Langzeitged&auml;chtnis der W&auml;hler scheint bei der Parteiendemokratie zu versagen und es gibt kein Anzeichen, dass sich daran etwas &auml;ndern k&ouml;nnte. 2011 wird zum &ldquo;Annus horribilis&rdquo; f&uuml;r die FDP, 2013 sind Bundestagswahlen &ndash; und wer wei&szlig;, vielleicht wird 2015 dann zum &ldquo;Annus horribilis&rdquo; f&uuml;r die Gr&uuml;nen und die FDP dominiert in den Meinungsumfragen? Solange wir Journalisten etwas zu schreiben haben und das kumulierte Wahlergebnis der ewigen vier Regierungsparteien im Westen nicht unter 80% sinkt, wissen wir, dass eigentlich alles in bester Ordnung ist &ndash; Umfragehoch der Gr&uuml;nen hin, Umfragetief der FDP her.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegelfechter.com\/wordpress\/4762\/annus_horribilis\">Spiegelfechter<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h25\"><\/a><strong>Chaos Communication Congress in Berlin &ndash; Wie wirkt die Lobby von Medienkonzernen?<\/strong><br>\nUnser Leser M.B. schrieb uns:<br>\n&ldquo;Ihr habt heute in den Hinweisen bereits auf den netten Vortrag zur Digitalen Spaltung auf dem 27c3-Kongress hingewiesen. Ein weiterer Vortrag hat es leider bislang nicht auf Youtube geschafft, steht aber auf diversen Servern zum Download bereit:&rdquo;<br>\nThomas Barth: Netzmedienrecht, Lobbyismus und Korruption<br>\nWie wirkt die Lobby von Medienkonzernen?<br>\nDie Mediennutzung, aber auch ihre Verwaltung und Verg&uuml;tung, also ihr Management, m&uuml;ssen an eine digitale Netzwelt angepasst werden. Wie ist der Stand der juristischen Auseinandersetzung um die Rechte von Urhebern, Verwertern und Nutzern von Medieninhalten? Wie und wo setzen sich starke Wirtschaftsinteressen mit Lobbygruppen durch?<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/events.ccc.de\/congress\/2010\/Fahrplan\/track\/Society\/4081.de.html\">Chaos Communication Congress<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/ftp.halifax.rwth-aachen.de\/ccc\/27C3\/mp4-h264-HQ\/27c3-4081-de-netzmedienrecht_lobbyismus_korruption.mp4\">Download des Vortrags [mp4 &ndash; 890 MB]<\/a><br>\nQuelle 3: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GhQwkMxfcws\">Youtube [Stream]<\/a><br>\nQuelle 4: <a href=\"http:\/\/media.ccc.de\/browse\/congress\/2010\/27c3-4081-de-netzmedienrecht_lobbyismus_korruption.html\">CCC-TV [Stream]<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h26\"><\/a><strong>Interview mit Jean Ziegler &ndash; &ldquo;Ich bin ein wei&szlig;er Neger&rdquo;<\/strong><br>\nDer Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler &uuml;ber den Hunger in der Dritten Welt, seine Zeit als Chauffeur von Che Guevara und den gr&ouml;&szlig;ten Grund zur Verzweiflung: Frauen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2011\/01\/DOS-Ziegler?%20\">Zeit<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Arbeitsmarkt im Dezember 2010; &bdquo;Jobwunder&ldquo;; schw&auml;chelnde Tigerstaaten; Wachstum lohnt sich nicht; die Wahrheit &uuml;ber Mindestl&ouml;hne; Der Euroraum in Tr&uuml;mmern?; die gef&auml;hrlichste Bank der Welt; Hartz-Fabrik; weg mit den Ein-Euro-Jobs!; h&ouml;chster Renten-Abschlag seit 2005; kleiner Sieg f&uuml;r Leiharbeiter; besser, billiger, sozialer; Schlaglochrepublik Deutschland; Zollitsch stolpert in R&ouml;slers Falle; die Tamiflu-L&uuml;ge;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7892\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-7892","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hinweise-des-tages"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7892"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7892\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7901,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7892\/revisions\/7901"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}