{"id":79048,"date":"2021-12-16T09:46:57","date_gmt":"2021-12-16T08:46:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79048"},"modified":"2021-12-16T14:31:43","modified_gmt":"2021-12-16T13:31:43","slug":"serbien-im-geopolitisches-ringen-zwischen-eu-und-russland-was-will-aber-serbiens-praesident","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79048","title":{"rendered":"Serbien im geopolitischen Ringen zwischen EU und Russland: Was will aber Serbiens Pr\u00e4sident?"},"content":{"rendered":"<p>Die deutschen Parteistiftungen schlagen Alarm. &bdquo;Russland spielt bravour&ouml;s auf der Klaviatur der Soft power tools, um die Herzen der Serben f&uuml;r sich zu gewinnen&ldquo;, so die aktuelle Fallstudie im Auftrag der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung &bdquo;Wie Moskaus Propaganda Serbien beeinflusst&ldquo;. Um dieses Spiel zu konterkarieren, m&uuml;sse man dieses &bdquo;Spiel&ldquo; mitspielen.  Dabei stellt sich die Lage f&uuml;r die Europ&auml;ische Union und Deutschland &ndash; sie werden in der Studie praktisch gleichgesetzt &ndash; als eine &auml;u&szlig;erst ungerechte Angelegenheit dar. Die EU mache rund 66 Prozent der gesamten serbischen Exporte aus und Deutschland sei f&uuml;r Serbien der wichtigste Handelspartner. &bdquo;Weit abgeschlagen folgt der russische Markt, der sich auf weniger als f&uuml;nf Prozent der gesamten serbischen Exporte bel&auml;uft&ldquo;. Auch bei ausl&auml;ndischen Direktinvestitionen liege die EU weit vor Russland. &bdquo;Dennoch sind weite Teile der serbischen Bev&ouml;lkerung davon &uuml;berzeugt, dass Russland der engste und wichtigste Wirtschaftspartner des Landes ist&ldquo;. Von <strong>Wladimir Sergijenko<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Autor r&auml;umt ein, dass es zwischen Russland und Serbien historisch-kulturell begr&uuml;ndete, emotionale Verbundenheiten gibt, wobei die gemeinsame slawische Sprache eine wichtige Rolle spiele. Warum im Gegenzug zum Serbischen die Sprachen Kroatiens, Polens, Tschechiens und insbeondere der ostslawischen Ukraine keine verbindende politische Funktion besitzen, erkl&auml;rt der Autor nicht. Eigentlich sollte der langj&auml;hrige Leiter des DPA-B&uuml;ros in der gesamten Region, Dr. Thomas Brey, ein ausgewiesener Experte sein. W&auml;hrend aller Jugoslawien-Kriege einschlie&szlig;lich NATO-Aggression des Jahres 1999 und Abspaltung des Kosovo 2008 war er in Belgrad und der Region t&auml;tig. Er m&uuml;sste es wissen, was das Trauma des Staatszerfalls, der Vertreibung und ethnischen S&auml;uberungen f&uuml;r Millionen von Serben bedeutet und welche politische Position Russland auf der internationalen B&uuml;hne in der Serbien-Frage spielt. Dennoch geht er in seinem 60-seitigen Werk um NATO-Krieg und kosovarischen Separatismus wie um den hei&szlig;en Brei herum und erw&auml;hnt sie mit keinem Wort. <\/p><p>Welche Chancen hat der wichtigste Handelspartner Serbiens also, mit der angestrebten Soft-Power-Gegenoffensive noch die Herzen der Serben zu gewinnen, wenn es in Gestalt der politischen Stiftung einer Regierungspartei so wenig Verst&auml;ndnis und Anteilnahme f&uuml;r Probleme der Serben zeigt? Um das einsch&auml;tzen zu k&ouml;nnen, lohnt es sich, dem popul&auml;rsten Politiker des Landes, dem Staatspr&auml;sidenten Alexandar Vucic, im O-Ton zuzuh&ouml;ren. Sein letztes <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=g02j-tbcPp0&amp;t=5s\">gro&szlig;es Interview<\/a> gab er dem russischen Fernsehsender Rossija 24 kurz vor seiner Reise nach Moskau am 25. November, wo sich Serbiens Pr&auml;sident mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin traf. <\/p><p>Dieses Gespr&auml;ch steht im krassen Kontrast zu dem Interview, das Vucic noch im Februar dieses Jahres dem Boulevardmedium Bild im Videoformat gegeben hat. F&uuml;nfzehn Minuten lang musste sich Vucic mit seinem simplen Englisch f&uuml;r seine vermeintlichen Vergehen rechtfertigen, denn die Fragen wurden in einem unfreundlichen, teilweise anklagenden Ton formuliert. Der kritische Reporter war dabei nicht einmal im Bild. &bdquo;Dear friend, I`m not Communist&ldquo; &ndash; konterkarierte Vucic den unsichtbaren Fragesteller. Konnte sich das Springer-Medium f&uuml;r das Interview bei einer Person in diesem Amt keine zus&auml;tzlichen Kameras leisten und auch keinen Dolmetscher engagieren, um ihm die M&ouml;glichkeit zu geben, sich in seiner Muttersprache auszudr&uuml;cken? Hauptsache, man konnte Vucic die S&auml;tze wie &bdquo;Ich w&uuml;rde immer wieder Angela Merkel w&auml;hlen&ldquo; entlocken. Das Interview, das auf YouTube <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Cew57WMZObw\">verf&uuml;gbar<\/a> ist, wurde &uuml;brigens f&uuml;r die deutschen Zuschauer nicht einmal in deren Sprache vertont. <\/p><p>So behandelt man einen Pr&auml;sidenten? Wenn man ihm etwas aufzwingen will, ja. Auch wenn man ihm eine politische Botschaft durch Journalisten &uuml;bermitteln will. Wenn man wissen m&ouml;chte, wie er denkt und f&uuml;hlt, nein. Und es ist nicht der Rede wert, wie weit so ein Interview von der angestrebten &bdquo;Charme-Offensive&ldquo; entfernt ist. <\/p><p>Anders Russland. F&uuml;r das Interview mit Vucic reiste einer der bekanntesten Journalisten des Landes, Moderator mehrerer politischen Talk-Shows, Wladimir Solowjew, nach Belgrad. Die Kan&auml;le &bdquo;Soloviev Live&ldquo; (russ. &#1057;&#1086;&#1083;&#1086;&#1074;&#1100;&#1077;&#1074; Live) auf YouTube und Telegram belegen erste Pl&auml;tze im russischen politischen Internet. Auf ihnen warb der Medienmacher f&uuml;r das Interview, stellte zun&auml;chst Kurzfassung und erst Tage sp&auml;ter das volle 51-min&uuml;tige, komfortabel gef&uuml;hrte <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4bfZ6ofJr70\">Gespr&auml;ch ins Netz<\/a>. Solowjew hat auch schon den russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin, den japanischen Premier Shinz&#333; Abe, den russischen Au&szlig;enminister Sergei Lawrow und den Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergei Naryschkin, interviewt. Der Einsatz eines journalistischen Schwergewichts f&uuml;r das Gespr&auml;ch mit dem serbischen Pr&auml;sidenten spricht f&uuml;r hohes gesellschaftliches und politisches Interesse in Russland an seiner Person.<\/p><p><strong>Wirtschaft und Gas<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend des Gespr&auml;chs lobte Vucic das hohe Tempo beim wirtschaftlichen Wachstum des Landes. Mit 7,5 Prozent sei es das h&ouml;chste in der ganzen Region. &bdquo;Wir konnten das erreichen, weil wir freundschaftliche Beziehungen zu Russland und China haben&ldquo;. Den Aufschwung brachte er auch mit vertraglich gesicherten, g&uuml;nstigen Gas-Preisen in Zusammenhang, deren Ersparnis im Vergleich mit Marktpreisen in Europa &uuml;ber die Jahre mittlerweile eine Milliarde Euro betrage. Im Unterschied zu Nachbarl&auml;ndern wie Bulgarien sei Serbien niemals das Problem f&uuml;r den Bau der Gas-Pipelines Turkish- und South-Stream gewesen. &bdquo;Wir reden inzwischen vom Balkan-Stream &ndash; wir haben zusammen mit Gazprom 400 km durchs Territorium unseres Landes gebaut&ldquo;. <\/p><p><strong>Gespr&auml;che mit Putin &uuml;ber NATO<\/strong><\/p><p>Der Druck des Westens auf den serbischen Pr&auml;sidenten war mehrmals das Thema des Gespr&auml;chs. So nannte der Fragesteller den geopolitischen Weg des Landes &bdquo;schwierig&ldquo;. Er vermutete, dass Serbien vor die Wahl gestellt wurde: &bdquo;Vergessen Sie die Geschichte der serbischen Trag&ouml;die und sie werden ein gutes Leben haben&ldquo;. Vuvic sagte: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Danke f&uuml;r diese Frage. Das klingt logisch &ndash; was w&auml;re geschehen, wenn wir uns gegen Russland positioniert h&auml;tten, wenn wir die Sanktionen gegen Russland eingef&uuml;hrt h&auml;tten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man dann uns schon damals gesagt h&auml;tte &ndash; willkommen in der NATO. Zuerst, und dann willkommen in der EU.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dann leuchtete Vucic ein, wie er mit dem russischen Pr&auml;sidenten tete-a-tete diese schwierige Frage besprach. <\/p><blockquote><p>&bdquo;Er war &uuml;ber gewisse Nachrichten etwas ver&auml;rgert, wollte das aber nicht zeigen. Er begann mit einer leisen Stimme zu reden. <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Na gut, Alexander, sie k&ouml;nnen ein Teil NATO werden, aber unsere V&ouml;lker bleiben Freunde &ndash; das ist Ihre Wahl, wir werden nicht dagegen sein.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe ihm so 35 Minuten zugeh&ouml;rt und dann gesagt: <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Wer hat Ihnen das &uuml;berhaupt erz&auml;hlt?&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Es gab viele Informationen, die ihn erreicht haben.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Vucic bat Putin, ihm f&uuml;nf Minuten zuzuh&ouml;ren: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Serbien ist ein milit&auml;risch neutrales Land. Serbien wird der NATO nicht beitreten. Ich sage Ihnen nichts dar&uuml;ber, was heute passiert ist, ich rede von der Zukunft, dass Serbien weder morgen noch &uuml;bermorgen, &uuml;berhaupt in der Zukunft einem Milit&auml;rb&uuml;ndnis beitritt. Wir st&auml;rken unsere Gesetzgebung und unsere milit&auml;rische Basis, damit wir im milit&auml;rischen Sinne ein neutrales Land sein k&ouml;nnen und das ist die Selbstbestimmung der Republik Serbien auf langfristige Sicht. Ich verstehe nicht, wie Sie darauf gekommen sind, dass wir der NATO beitreten wollen. Serbien wird niemals Sanktionen gegen Russland verh&auml;ngen. Serbien ist ein Land, dass im milit&auml;rischen, milit&auml;rtechnischen und politischen Sinne mit Ihnen zusammenarbeitet und wir werden uns auch k&uuml;nftig so verhalten. Ich habe ihm mein Wort gegeben und sagte, dass dies nicht nur im Interesse Russlands sei, sondern auch Serbiens. Seitdem gab es zwischen uns keine schwierigen Gespr&auml;che mehr.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Der Weg in die EU<\/strong><\/p><p>Im Laufe des Gespr&auml;chs betonte Vucic mehrmals, dass Serbien ein milit&auml;risch neutrales Land sein wird, das niemals gegen die Russische F&ouml;deration gerichtet sein werde. Er sagte auch, dass Serbien den Beitritt in die EU anstrebe. &bdquo;Nat&uuml;rlich kommen von der EU enorme Investitionen. Das Wesen der Politik besteht darin, dass das Land selbstst&auml;ndig beim Treffen seiner Entscheidungen ist, dass das Land nicht fremde, sondern eigene Interessen verfolgt. Wenn Serbien ein milit&auml;risch neutrales Land sein wird, wird es eine eigene Politik verfolgen.&ldquo; Dann kam Vucic wieder auf Putin zu sprechen, mit dem er sich bereits 19 Mal traf. <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn ich Putin sage, dass wir auf dem europ&auml;ischen Wege sind, l&auml;chelt er nur. <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Ich wei&szlig;, ich wei&szlig;. Ich wei&szlig;, dass sie euch nicht aufnehmen wollen, aber dass ihr auf dem europ&auml;ischen Wege seid&ldquo;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Er sagt das mir jedes Mal. Und ich sage ihm, da ich niemanden bel&uuml;gen und nichts verstecken will, sage ich Europ&auml;ern und Amerikanern Folgendes: <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Wir haben mit Russland gute, besondere Beziehungen und wir wollen sie nicht besch&auml;digen, also ihr sollt von uns weder etwas fordern noch um etwas bitten.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich glaube, dass ich damit eine Art von Respekt mir gegen&uuml;ber als Pr&auml;sident meines Landes verdient habe.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>&bdquo;Redet mit mir nicht &uuml;ber Moral&ldquo;<\/strong><\/p><p>Alexandar Vucic versicherte seinem Gespr&auml;chspartner, dass es Geschichtsumschreibung in Serbien niemals geben werde. Er wei&szlig;, wie wichtig das Gedenken an den Krieg in Russland ist und nahm vor wenigen Jahren gemeinsam mit Wladimir Putin am Tag des Sieges an der Volksaktion &bdquo;Unsterbliches Regiment&ldquo; auf dem Roten Platz teil. &bdquo;Bei uns wird die Rolle Russlands und der Roten Armee w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges respektiert. Wir wissen, was Faschismus und Nazismus bedeuten. Wir h&auml;tten niemals siegen k&ouml;nnen, wenn das russische Volk und die anderen V&ouml;lker der Sowjetunion im Gro&szlig;en Vaterl&auml;ndischen Krieg nicht teilgenommen h&auml;tten. Wir sind uns dessen bewusst und wir geben das an unsere Kinder weiter und werden das auch in Zukunft tun.&ldquo;<\/p><p>An dieser Stelle kam Vucic auf die schwierige Situation der Anerkennung des Kosovo und der Lage mit der serbischen Enklave in Bosnien-Herzegowina zu sprechen und zitierte anschlie&szlig;end lobend den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Emmanuel Macron aus einem vertraulichen Gespr&auml;ch. <\/p><blockquote><p>&bdquo;Was all das betrifft, was in den 1990er Jahren passiert war. Sie haben erw&auml;hnt, wie das serbische Volk in mehrere kleine Staaten aufgeteilt wurde. (&hellip;) Und jetzt, wenn wir &uuml;ber moralische Prinzipien und Gerechtigkeit reden, sage ich: <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;H&ouml;rt auf. Sprecht nicht dar&uuml;ber. Sagt mir &ndash; macht das und das, aber sagt nicht, dass dies irgendwelchen moralischen oder ethischen Prinzipien entspr&auml;che, wenn sie etwas &uuml;ber Kosovo oder Bosnien und Herzegowina sagen.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe einmal bei Pr&auml;sident Macron gefragt &ndash; Sie werden verstehen, warum ich ihn respektiere &ndash; wie werde ich Serben erkl&auml;ren, warum hatten die anderen &ndash; Slowenen, Kroaten, Bosniaken &ndash; das Recht auf Selbstbestimmung und nur die Serben hatten dieses Recht nicht? Alle haben es und die Serben nicht. Wie kann ich das dem Volk erkl&auml;ren? <\/p>\n<p>Emmanuel Macron antwortete mir dann: <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Alexander, ich muss mit dir nicht mit allem einverstanden sein, aber in Wirklichkeit ist vieles, was du mir erz&auml;hlst, die Wahrheit. Aber du bist ein rationaler Politiker, Pragmatiker, verstehst, dass dies jetzt in dieser politischen Situation unm&ouml;glich ist. Und es gibt politische Faktoren, die jetzt nicht dazu passen.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dann sagte ich ihm &ndash; danke, diese Herangehensweise ist korrekt. Blo&szlig; sagt mir nicht, dass dies mit moralischen Prinzipien und gro&szlig;er Gerechtigkeit zu tun hat. Ja, ich kann verstehen, wer im Moment st&auml;rker ist, aber ich kann und will es nicht h&ouml;ren, dass diese Situation gerecht sei und Serben an allem schuld seien. Das ist nicht die Wahrheit.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>&bdquo;Frieden um jeden Preis&ldquo;<\/strong><\/p><p>Dann waren die aktuellen Spannungen in der Region das Thema. K&ouml;nnte der Balkan wieder zum Brandherd Europas werden, fragte Wladimir Solowjew. Vucic sagte, dass Russland derjenige Akteur sei, der f&uuml;r Frieden und Stabilit&auml;t sorge. <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn wir &uuml;ber die L&ouml;sung der Probleme (in der Region) sprechen, ist es f&uuml;r Serbien sehr wichtig, den Frieden und die Stabilit&auml;t zu erhalten. Daf&uuml;r sind f&uuml;r uns sehr wichtig die stabilisierenden Beziehungen mit der russischen F&ouml;deration. F&uuml;r uns ist es sehr wichtig, wenn Russland sagt, dass Dayton (das Dayton-Abkommen, das den Bosnien-Krieg im Jahre 1995 beendete &ndash; Anm. des Verfassers) als internationale Rechtsnorm eingehalten werden muss, denn f&uuml;r uns ist jetzt der Frieden das Wichtigste&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Frieden sei die wichtigste Grundlage f&uuml;r den Aufschwung Serbiens, betonte Vucic. <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir wachsen wirtschaftlich in der ganzen Region am schnellsten. Unsere Wirtschaft entwickelt sich besser als die aller Anderen in der Region. Noch zu meiner Zeit als Premier-Minister vor sieben Jahren betrug der durchschnittliche Lohn 329 Euro. Und jetzt ist er bei 560. Und im n&auml;chsten Jahr wird er mehr als 610 Euro sein, also wird sich fast verdoppeln. (&hellip;) Serbien entwickelt sich mit enormer Geschwindigkeit. Deswegen brauchen wir Frieden und Stabilit&auml;t, deswegen respektieren wir diejenigen, die unsere Unabh&auml;ngigkeit, unsere Souver&auml;nit&auml;t und die Resolution des internationalen V&ouml;lkerrechts respektieren &ndash; dazu z&auml;hlt auch die Resolution der Vereinten Nationen 1244 zu Kosovo und Methochien &ndash; wer die territoriale Integrit&auml;t Serbiens respektiert.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Vucis sagte, dass er angesichts der Spannungen gro&szlig;e Angst vor der Zukunft hat. Deswegen sei f&uuml;r ihn ein Treffen mit Putin derzeit wichtig. &bdquo;Ich werde um jeden Preis f&uuml;r den Frieden k&auml;mpfen. Die Situation ist nicht einfach. Alles andere, was ich sagen kann &ndash; ich bef&uuml;rchte, dass ich nur &Ouml;l ins Feuer gie&szlig;en werde, was die Leute falsch interpretieren k&ouml;nnten. Deswegen alles, was ich sagen kann, ist, dass die Situation kompliziert ist, ohne Zweifel&ldquo;. <\/p><p>Dann begr&uuml;ndete Vucic die Aufr&uuml;stung Serbiens mit modernen Waffensystemen mit einem Satz des langj&auml;hrigen Staatschefs Jugoslawiens Josip Broz Tito: &bdquo;Wir arbeiten so, als ob es Krieg nicht geben wird. Aber wir m&uuml;ssen dazu bereit sein, dass morgen der Krieg ausbrechen wird&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Von Russland bekamen wir ganz moderne Technik, wie Panzer, Helikopter, Milit&auml;rjets zum Beispiel. Wir f&uuml;hrten auch Milit&auml;r&uuml;bungen durch und unsere Zusammenarbeit im Milit&auml;rbereich verl&auml;uft ausgezeichnet. Und das ist kein Geheimnis&ldquo;, sagte Vucic. <\/p><p><strong>Migranten: &bdquo;Wo bleibt Solidarit&auml;t?&ldquo;<\/strong><\/p><p>Bei diesem Teil des Gespr&auml;chs musste Alexander Vucic fast die ganze Zeit milde l&auml;cheln &ndash; aus Verwunderung &uuml;ber die 180-Grad-Wende bei den Europ&auml;ern in der Fl&uuml;chtlings-Frage. Er erinnerte daran, dass durch Serbien in den Jahren 2015-2016 bis zu einer Million Fl&uuml;chtlinge gegangen sind. &bdquo;Auf unserem Territorium halten sich auch derzeit zwei- bis dreitausend Migranten auf. Aber es hat sich alles ge&auml;ndert in Europa. Als sie zum ersten Mal bei uns angekommen und &uuml;ber serbisches Territorium gegangen sind, fragten wir (bei europ&auml;ischen Politikern) &ndash; was sollen wir tun? Und wir konnten keine Antwort bekommen, weil die Politiker uneins waren. Die einen sagten aber, seid solidarisch. Ja, wir haben Solidarit&auml;t gezeigt. Sie wollten aber nach Westeuropa. Aber jetzt, wie ich sehe, hat sich alles grundlegend ge&auml;ndert, es hat sich das Verh&auml;ltnis zu Migranten ge&auml;ndert. Niemand sagt ihnen, &bdquo;Herzlich willkommen&ldquo;. Zumindest in den meisten europ&auml;ischen L&auml;ndern&ldquo;<\/p><p>Anschlie&szlig;end war auch von der Migrations-Krise an der polnisch-wei&szlig;russischen Grenze die Rede. &bdquo;Ich hoffe, dass diese Krise gel&ouml;st wird, denn diese Menschen sind Opfer der Konflikte in ihren Herkunftsl&auml;ndern. Und ich hoffe, dass die Beziehungen zwischen Polen und Wei&szlig;russland besser werden und dass alle Probleme friedlich und durch Verhandlungen gel&ouml;st werden. Durch unser Territorium zogen etwa eine Million Fl&uuml;chtlinge durch. Es war nicht einfach, aber wir konnten alles organisieren. Es war f&uuml;r uns kein gro&szlig;es Problem&ldquo;. <\/p><p><strong>&bdquo;Im Ausland habe ich keine Konten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf die Frage des Journalisten, ob Serbien zum von den USA initiierten sogenannten &bdquo;Gipfel der Demokratie&ldquo; eingeladen sei, sagte Vucic, dass er das noch nicht wisse, und erz&auml;hlte eine Episode aus seinem Alltag als Pr&auml;sident. &bdquo;Von allen Seiten h&ouml;re ich Belehrungen &ndash; aus Europa, aus dem US-Kongress usw. Aber wenn ich die Texte dieser Menschen lese, komme ich zu dem Schluss, dass diese Leute kaum Verst&auml;ndnis haben f&uuml;r das, was hier passiert. Sie waren niemals hier. Und dann verstehen Sie, dass hinter allen diesen &Auml;u&szlig;erungen gro&szlig;es Interesse steht &ndash; &ouml;konomisches, politisches. Im US-Kongress gibt es sechs, sieben Leute, die gegen mich sind, und sie haben mich der Korruption bezichtigt und mit Sanktionen gedroht, falls jemand Gesetze oder sonst irgendetwas verbrochen hat. Ich erwiderte damals, &bdquo;wissen Sie, ihr k&ouml;nnt bei mir nichts einfrieren&ldquo; &ndash; ich sage das ganz offen.&ldquo; An dieser Stelle begr&uuml;ndete Vucic nochmal, worin das Wesen seiner internationalen Politik besteht und wof&uuml;r er Russland dankbar ist:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ja, wir sind auf dem europ&auml;ischen Weg. Aber wir werden niemals unsere Beziehungen zu Russland besch&auml;digen. Wir werden Wladimir Putin respektieren und es ist unerheblich, wer was dar&uuml;ber denkt. Wir werden auch wunderbare Beziehungen mit China haben, ob es ihnen gef&auml;llt oder nicht. Das ist die Politik Serbiens. In Russland muss man nicht mit jedem meiner Worte einverstanden sein, aber da wird unsere Wahl respektiert und das ist das, was wir an Pr&auml;sident Putin sch&auml;tzen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der 4+2-Vertrag, der die deutsche Wiedervereinigung im Jahre 1990 besiegelte, war der Ausgangspunkt f&uuml;r die Ver&auml;nderung der Sicherheitsarchitektur in Europa. Ein &bdquo;Europ&auml;isches Haus&ldquo; f&uuml;r alle ist es aber nicht geworden. F&uuml;r jedes Land gibt es st&auml;ndig einen sichtbaren oder unsichtbaren Kampf. Beitritt zur NATO, Assoziierung mit den Zollvorschriften der EU oder Russland sind Bespiele davon. Wo ist der Platz der kleinen Staaten in diesen geopolitischen Spielen? <\/p><p>Berlin und Br&uuml;ssel wollen ihr Einfluss auf dem Westbalkan noch weiter vergr&ouml;&szlig;ern. Deshalb betrachten sie mit Argwohn die fortschreitende Ann&auml;herung zwischen Serben und Russen &ndash; die geschichtlich und kulturell ohnehin nie voneinander fern waren. Ihre &bdquo;Ratgeber&ldquo; wollen nun zunehmend auf deutsche &bdquo;Soft Power&ldquo; setzen, um die &bdquo;Herzen&ldquo; der Serben zu erobern. Aber welche &bdquo;Soft Power&ldquo; haben sie Belgrad anzubieten? Bombardierung Belgrads mit Bundeswehrflugzeugen f&uuml;r &bdquo;gute Zwecke&ldquo;? Dieses Verbrechen wird in der deutschen Politik kaum erw&auml;hnt, geschweige denn aufgearbeitet.  <\/p><p>Russland hat Belgrad in dem Moment unterst&uuml;tzt, als die NATO Bomben &uuml;ber dem damaligen Jugoslawien abwarf. Russland unterst&uuml;tzt Serbien auch jetzt politisch. Berlin und Br&uuml;ssel stellen aber Forderungen und machen Druck auf den Pr&auml;sidenten.<\/p><p>Das Interview mit Vucic ist ein Beispiel daf&uuml;r, dass in den westlichen Medien die Rolle Serbiens im historischen und aktuellen politischen Kontext nicht beachtet wird. Es zeigt auch, insbesondere im Vergleich mit dem konfrontativen Bild-Interview, dass es in Berlin kaum Verst&auml;ndnis gibt f&uuml;r die Interessen unserer kleineren europ&auml;ischen Nachbarn. Vor dem Hintergrund des Gespr&auml;chs zwischen Putin und Biden ist dies nat&uuml;rlich nur eine Episode aus unserem europ&auml;ischen Leben. Dinge sollen nicht zu einer milit&auml;rischen Konfrontation eskaliert werden und Serbiens Pr&auml;sident hat sein gro&szlig;es Interesse f&uuml;r den Erhalt des Friedens bekundet. Aber wenn andere Akteure in der Region auf Eskalation setzen, kann das Kosovo-Problem leicht zu einem weiteren Brandherd an der EU-Grenze f&uuml;hren. Bisher konnten aber die Dinge diplomatisch gel&ouml;st werden. <\/p><p>Titelbild: Aermedia\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutschen Parteistiftungen schlagen Alarm. &bdquo;Russland spielt bravour&ouml;s auf der Klaviatur der Soft power tools, um die Herzen der Serben f&uuml;r sich zu gewinnen&ldquo;, so die aktuelle Fallstudie im Auftrag der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung &bdquo;Wie Moskaus Propaganda Serbien beeinflusst&ldquo;. Um dieses Spiel zu konterkarieren, m&uuml;sse man dieses &bdquo;Spiel&ldquo; mitspielen. 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