{"id":79103,"date":"2021-12-17T12:42:03","date_gmt":"2021-12-17T11:42:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79103"},"modified":"2021-12-17T22:23:19","modified_gmt":"2021-12-17T21:23:19","slug":"scholz-friends-spd-parteitag-mit-freundlicher-unterstuetzung-von-pfizer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79103","title":{"rendered":"Scholz &#038; Friends &#8211; SPD-Parteitag mit freundlicher Unterst\u00fctzung von Pfizer"},"content":{"rendered":"<p>Der US-Pharmariese hat als einer von 30 Partnern das j&uuml;ngste Bundesdelegiertentreffen der Sozialdemokraten gesponsert. Das lie&szlig; sich nicht &auml;ndern, hei&szlig;t es von der SPD-Pressestelle, schlie&szlig;lich sei der Konzern &bdquo;regelm&auml;&szlig;ig&ldquo; als Aussteller zu Gast. Dass der gerade Milliardenprofite mit dem BioNTech-Impfstoff Comirnaty einf&auml;hrt, den Neubundeskanzler Olaf Scholz allen B&uuml;rgern im Land im Halbjahresrhythmus in den Oberarm bef&ouml;rdern will, erzeugt bei den Genossen kein bitteres Geschm&auml;ckle. Schamlos ist irgendwie auch ehrlich, findet <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong> in seiner Glosse.<br>\n<!--more--><br>\nMan g&ouml;nnt sich ja sonst nichts, gerade in tristen Zeiten wie diesen. Deshalb: Ein Spritzchen von BioNTech, ein zweites von AstraZeneca, obendrauf den Booster von Moderna und das Ganze am besten im Halbjahresabo. Mit jeder neuen Mutante ein Dreifachshot f&uuml;r die Ewigkeit. So l&auml;sst es sich leben. Oder auch nicht, wenn man Pech hat und das Zeug nicht vertr&auml;gt oder eine Charge mit <a href=\"https:\/\/www.pharmazeutische-zeitung.de\/verunreinigung-in-moderna-impfstoff-waren-stahlpartikel-127850\/\">Stahlpartikeln<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.uni-ulm.de\/home\/uni-aktuell\/article\/verunreinigungen-im-astrazeneca-impfstoff-gefundenproteine-koennten-qualitaet-des-vakzins-beeintraechtigen\/\">Hitzeschock-Proteinen<\/a> erwischt. Aber das sind Spitzfindigkeiten. <\/p><p>Auf alle F&auml;lle kommt da allerhand zusammen mit den Jahren, bei 82 Millionen Menschen im Land und &uuml;ber sieben Milliarden weltweit. Vor allem in den Kassen der Impfstoffhersteller. Die m&uuml;ssen sich wie in einem Wolkenkuckucksheim in Endlosschleife f&uuml;hlen, seit sie die Notzulassung f&uuml;r ihre Wundermittelchen in der Tasche haben. Schlie&szlig;lich hatte daran etwa die F&uuml;hrungsmannschaft  von BioNTech noch vor 15 Monaten kaum zu hoffen gewagt. Im <a href=\"https:\/\/www.corodok.de\/horror-risikokatalog-biontech\/#more-8863\">Bericht zum 3. Gesch&auml;ftsquartal 2020<\/a> ist n&auml;mlich festgehalten: &bdquo;Es ist m&ouml;glich, dass keiner unserer Produktkandidaten oder Produktkandidaten, die wir in Zukunft entwickeln wollen, jemals eine Zulassung erhalten wird.&ldquo; Dazu kam noch die Sorge, eine &bdquo;mRNA-basierte Immuntherapie&ldquo; k&ouml;nnte &bdquo;nicht oder nur m&auml;&szlig;ig wirksam sein oder unerw&uuml;nschte oder unbeabsichtigte Nebenwirkungen, Toxizit&auml;ten oder andere Eigenschaften aufweisen&ldquo;. Sicher sei ebenso wenig, &bdquo;dass unerw&uuml;nschte Wirkungen (&hellip;) nicht aufgedeckt werden, wenn eine wesentlich gr&ouml;&szlig;ere Anzahl von Patienten mit dem Produktkandidaten behandelt wird&ldquo;.<\/p><p><strong>Bundesverdienstkreuz mit Stern<\/strong><\/p><p>Am Ende ging dann doch alles gut (nicht f&uuml;r jeden Impfling), beziehungsweise wie von selbst. In weniger als einem Vierteljahr hatten sich s&auml;mtliche Bedenken in Luft aufgel&ouml;st und die Beh&ouml;rden ganz bestimmt ganz gewissenhaft kein &Auml;uglein zugedr&uuml;ckt. Wer h&auml;tte damals ahnen k&ouml;nnen, dass die Impfstoffe nicht ganz das halten, was man sich versprach: &bdquo;Gamechanger&ldquo;, Ende der Pandemie, R&uuml;ckkehr zur Freiheit. Pustekuchen zwar, aber eben doch irgendwie &bdquo;Rettung&ldquo;, durch  Impfen, Impfen, Impfen. So etwas verdient Anerkennung, allen voran f&uuml;r die Gentech-Pioniere aus Mainz, die Frank-Walter Steinmeier prompt mit dem Gro&szlig;en Verdienstkreuz mit Stern ausstaffierte. <\/p><p>Aber auch die politische Heimat des Bundespr&auml;sidenten, die altehrw&uuml;rdige Sozialdemokratie, zeigt sich dankbar. Zu ihrem Bundesparteitag am 11. Dezember gab sich ihr frisch vereidigter Bundeskanzler Olaf Scholz die Ehre, vor dem Logo von Pfizer zu posieren. Tats&auml;chlich war der deutsche Ableger des mit BioNTech kooperierenden US-Pharmakonzerns nur einer von vielen Sponsoren, die zum Gelingen des SPD-Happenings in Berlin freundlichst beigetragen haben. Nur gut, dass dies dem Wirtschaftsjournalisten Norbert H&auml;ring aufgefallen ist. Sonst w&auml;re dem geneigten Publikum ein so beispielloser Akt der Gro&szlig;herzigkeit glatt durchgerutscht. Wobei H&auml;ring den Vorgang in anderem Licht und angesichts der Umst&auml;nde die Frage aufgeworfen sieht, <a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/die-regenten-der-welt\/pfizer-microsoft-spd-parteitag-sponsern\/\">&bdquo;ob das nicht vielleicht korrupt sei&ldquo;<\/a>. Immerhin stelle die SPD &bdquo;ja sogar den Gesundheitsminister, den altbew&auml;hrten Pharmalobbyisten Karl Lauterbach&ldquo;. <\/p><p><strong>Krank und schlank mit Lauterbach<\/strong><\/p><p>Wer wird denn wohl? Nur weil Lauterbach einst bei der Erstellung von industriegef&auml;lligen <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/der-einfluesterer-a-cac9b0b4-0002-0001-0000-000030346862\">Studien zum Fettsenker Lipobay<\/a> mitgewirkt hatte, an dessen Nebenwirkungen in den USA 31 Menschen verstarben, und sein Einsatz f&uuml;r den Appetitz&uuml;gler Reductil mit dem Wirkstoff Sibutramin dem deutschen Erzeuger Knoll satte Profite und den Verbrauchern mithin t&ouml;dliche Herzsch&auml;den bescherte, und er ma&szlig;geblich an der Einf&uuml;hrung des Fallpauschalensystems in den Kliniken beteiligt war &ndash; et cetera pp. &ndash; muss man ihn deshalb einen Handlanger der Gesundheitswirtschaft schimpfen? <\/p><p>Nicht doch. Und von wegen &bdquo;korrupt&ldquo;. Hierzulande nennt man so etwas &bdquo;Politik&ldquo; oder &bdquo;Beraterrepublik&ldquo;. In Bundesministerien wie dem f&uuml;r Verkehr oder Verteidigung schreiben sich externe Experten die Gesetze manchmal eben selbst, aber immer zum Wohl der Allgemeinheit und auf deren Kosten. So was verbucht man unter Arbeitsteilung, Effizienzgewinn oder &bdquo;schlanker Staat&ldquo;. Da kann ein bisschen mehr N&auml;he zwischen Regierenden, Machern und M&auml;chtigen nicht schaden. Wenn sich Neukanzler Scholz hinstellt und sagt, er werde als &bdquo;auch der Kanzler der Ungeimpften&ldquo; demn&auml;chst alle B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger im Land zur Nadel n&ouml;tigen und &bdquo;30 Millionen Impfdosen bis Jahresende in die Oberarme kriegen&ldquo;, dann muss das mit Pfizer doch abgesprochen sein. Oder will er riskieren, dass die mit der Lieferung nicht nachkommen? <\/p><p><strong>30 Helfer und G&ouml;nner<\/strong> <\/p><p>Und deshalb: Gut so, dass die SPD mit den Namen ihrer Helfer und G&ouml;nner nicht hinterm Berg h&auml;lt. Beim j&uuml;ngsten Parteitag waren das ja auch nur 30, darunter nicht wenige mit Rang und Prestige: Neben dem Microsoft-Konzern, den H&auml;ring gewiss zu Unrecht verd&auml;chtigt, die Gesundheitsdaten deutscher Kassenpatienten vermarkten zu wollen, um &bdquo;uns zu gl&auml;sernen Patienten&ldquo; am <a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/die-regenten-der-welt\/epa-erezept-arvato-ibm\/\">&bdquo;digitalen G&auml;ngelband&ldquo;<\/a> zu machen, tauchen da noch auf: die Deutsche Telekom, die Deutsche Post, E.on, der Deutsche Bauernverband, die Deutsche Fu&szlig;ballliga, Union Investment, Die Arzneimittel Importeure, der Verband der Privaten Bausparkassen oder der Essener Spezialchemiefabrikant Evonik. <\/p><p>Auch dessen Dienste haben Deutschland und der Rest der Welt bitter n&ouml;tig: Das Unternehmen versorgt BioNTech im Rahmen einer <a href=\"https:\/\/corporate.evonik.de\/de\/produktions-start-in-rekordzeit-evonik-liefert-erste-lipide-aus-deutscher-produktion-an-biontech-157104.html\">&bdquo;strategischen Partnerschaft&ldquo;<\/a> mit den Lipidnanopartikeln, die die mRNA im Comirnaty-Impfstoff vor dem Zerfall bewahren. Selbstredend, dass die SPD der Firma dankt und f&uuml;r sie ein Pl&auml;tzchen auf der Sponsorentafel freir&auml;umt. Auf der <a href=\"https:\/\/parteitag.spd.de\/\">SPD-Webseite zum Parteitag<\/a> ploppt diese am unteren Bildende allerdings blo&szlig; bei inaktivem Adguard auf. Wer nicht auf Werbung steht, kriegt die Werbebande auch nicht zu sehen. Zuviel Transparenz kann schon mal l&auml;stig werden. <\/p><p><strong>Vier Jahre Pandemie?<\/strong><\/p><p>Bisweilen ist es einfach besser, dass die Menschen im Land nicht alles wissen. Zum Beispiel die Inhalte eines Vertrages, den die alte Bundesregierung zum 1. April 2020 mit einer Werbeagentur zur &bdquo;Unterst&uuml;tzung bei der Konzeption und Durchf&uuml;hrung von Kommunikationsdienstleistungen&ldquo; im Zusammenhang mit der Pandemie abgeschlossen hat. Die smarten Marketingtypen versorgen uns seit bald zwei Jahren mit immer wieder neuen Erbauungen zum Thema &bdquo;Bleiben Sie gesund&ldquo; und &bdquo;&Auml;rmel hoch&ldquo;. Im TV bekommt jetzt sogar der <a href=\"https:\/\/www.zusammengegencorona.de\/mediathek\/\">Weihnachtsmann<\/a> eine Spritze verpasst, weil &bdquo;wirkt auch, wenn man nicht dran glaubt&ldquo;. <\/p><p>Nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums gesch&auml;tzt 22 Millionen Euro umfasst das Auftragsvolumen des Deals und das &ndash; fast noch unglaublicher &ndash; <a href=\"https:\/\/fragdenstaat.de\/anfrage\/ausschreibungen-bzgl-der-kommunikation-zu-coronacovid-19sars-cov2\/\">&bdquo;f&uuml;r die Dauer von vier Jahren&ldquo;<\/a>. Da behaupte noch einer, unsere politischen F&uuml;hrer agierten nicht vorausschauend. Aber noch einmal: Nicht alles ist publikumstauglich, zumal in diesem Fall schon der Name der Berliner PR-Bude (mit Hamburger Hauptsitz) Stoff f&uuml;r wirrste Verschw&ouml;rungsmythen liefern w&uuml;rde: Scholz &amp; Friends. <\/p><p>Sonst aber spielen die Sozialdemokraten mit komplett offenen Karten. &bdquo;Vor dem Hintergrund sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben ist Sponsoring f&uuml;r uns unerl&auml;sslich&ldquo;, enth&uuml;llt der Vorstand in seiner <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Parteiorganisation\/Finanzen\/Sponsoring\/20161212_Sponsoringrichtlinie.pdf\">Richtlinie<\/a> &bdquo;zur Zusammenarbeit mit Ausstellern und Sponsoren&ldquo;. Wer wollte das der SPD krummnehmen? Wo doch nur noch so wenige ihr Kreuzchen bei den Sozen machen, m&uuml;ssen halt alternative Einnahmequellen her. Letztlich sind die W&auml;hler selbst schuld daran, dass sich die Parteien nach anderen Anh&auml;ngern umsehen.  <\/p><p><strong>Zu Gast bei Freunden<\/strong> <\/p><p>Und zur Wahrheit geh&ouml;rt auch: Einen Reibach macht das Willy-Brandt-Haus mit all dem auch nicht. Wie die SPD-Pressestelle auf Anfrage der NachDenkSeiten am Donnerstag mitteilte, lassen sich die Sponsoren ihre &bdquo;Logopr&auml;senz&ldquo; lediglich 1.500 Euro kosten. Schlie&szlig;lich verlangen die Vorgaben, dass Leistung und Gegenleistung &bdquo;in einem angemessenen Verh&auml;ltnis zueinander stehen&ldquo;. Bei einem BioNTech-Gewinn nach Steuern von &uuml;ber sieben Milliarden Euro nach den ersten drei Quartalen 2021 erscheinen 1.500 Euro sogar verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig g&uuml;nstig. Aber das war ja l&auml;ngst nicht alles an Ausgaben. Schlie&szlig;lich ist Pfizer schon in der Vergangenheit &bdquo;regelm&auml;&szlig;ig&ldquo; bei SPD-Parteitagen pr&auml;sent gewesen. Und da &bdquo;kein Versto&szlig; (&hellip;) gegen die interne Sponsoringrichtlinie der SPD vorliegt, w&auml;re ein Ausschluss nicht begr&uuml;ndbar&ldquo;, erkl&auml;rte Sprecher Philipp Geiger. <\/p><p>So sieht man das wohl auch bei der <a href=\"https:\/\/archiv.cdu.de\/cdupt16\/aussteller\">CDU<\/a> und der <a href=\"https:\/\/twitter.com\/believethehype\/status\/1470714052246650883?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1470714052246650883%7Ctwgr%5E%7Ctwcon%5Es1_&amp;ref_url=https%3A%2F%2Fde.rt.com%2Finland%2F128511-marktgerechte-demokratie-pfizer-microsoft-und%2F\">FDP<\/a>, wo der Pharmariese ebenfalls immer wieder seine Aufwartung macht. Da kommt, wie eingangs bemerkt, einiges zusammen &ndash; was zusammen geh&ouml;rt. &bdquo;Wir danken f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung&ldquo;, sagt die SPD. &bdquo;Milliarden Dank zur&uuml;ck&ldquo;, h&ouml;rt man im Geiste die BioNTech-Bosse sagen. Aber wof&uuml;r denn?<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/83219ef50b8040d2a1fd61f8fb4ac8f2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-Pharmariese hat als einer von 30 Partnern das j&uuml;ngste Bundesdelegiertentreffen der Sozialdemokraten gesponsert. Das lie&szlig; sich nicht &auml;ndern, hei&szlig;t es von der SPD-Pressestelle, schlie&szlig;lich sei der Konzern &bdquo;regelm&auml;&szlig;ig&ldquo; als Aussteller zu Gast. 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