{"id":79245,"date":"2021-12-22T09:14:28","date_gmt":"2021-12-22T08:14:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79245"},"modified":"2021-12-23T08:02:50","modified_gmt":"2021-12-23T07:02:50","slug":"kaputtfoerderung-im-zweiten-pandemie-jahr-wurden-wieder-etliche-kliniken-dicht-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79245","title":{"rendered":"Kaputtf\u00f6rderung: Im zweiten Pandemie-Jahr wurden wieder etliche Kliniken dicht gemacht."},"content":{"rendered":"<p>Karl Lauterbach meinte einmal, dass &bdquo;eigentlich jede zweite Klinik&ldquo; in Deutschland schlie&szlig;en sollte. Das war vor seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister, als der er jetzt &uuml;ber einen Apparat befehligt, der seit Jahren die Axt an die Versorgungsstrukturen legt. R&uuml;cksichten auf Corona? Pustekuchen. Nach 20 Spit&auml;lern 2020 sind in diesem Jahr neun weitere von der Bildfl&auml;che verschwunden. Und noch einmal Dutzende stehen auf der Abschussliste. Das Geld f&uuml;rs Abwickeln liefert der Bund frei Haus und f&uuml;rs Neusprech sorgen die Bertelsm&auml;nner. F&uuml;r sie ist Kahlschlag eine &bdquo;Frage der Patientensicherheit&ldquo;. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3989\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-79245-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211222_Im_zweiten_Pandemie_Jahr_wurden_wieder_etliche_Kliniken_dicht_gemacht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211222_Im_zweiten_Pandemie_Jahr_wurden_wieder_etliche_Kliniken_dicht_gemacht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211222_Im_zweiten_Pandemie_Jahr_wurden_wieder_etliche_Kliniken_dicht_gemacht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211222_Im_zweiten_Pandemie_Jahr_wurden_wieder_etliche_Kliniken_dicht_gemacht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=79245-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211222_Im_zweiten_Pandemie_Jahr_wurden_wieder_etliche_Kliniken_dicht_gemacht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211222_Im_zweiten_Pandemie_Jahr_wurden_wieder_etliche_Kliniken_dicht_gemacht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Krankenhausschlie&szlig;ungen &ndash; mitten in der Pandemie? Wo gibt es denn so was? Antwort: Mitten in Deutschland und zwar nicht zu knapp. Am Dienstag legte das <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/krankenhausschliessungen\/\">&bdquo;B&uuml;ndnis Klinikrettung&ldquo;<\/a> eine vorl&auml;ufige Bilanz f&uuml;r das zur Neige gehende Jahr 2021 vor. Nachdem 2020, im Jahr eins der Corona-Krise, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68858\">20 H&auml;user ihren Betrieb eingestellt<\/a> hatten, gingen im Verlauf der zur&uuml;ckliegenden fast zw&ouml;lf Monate an neun weiteren Standorten die Lichter aus. Hinzu k&auml;men &bdquo;mindestens 22 F&auml;lle von Teilschlie&szlig;ungen, die erfahrungsgem&auml;&szlig; vielfach eine sp&auml;tere komplette Schlie&szlig;ung einleiten&ldquo;, teilten die Aktivisten am Dienstag im Rahmen einer <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/buendnis-klinikrettung-zieht-bilanz-notstand-in-der-stationaeren-versorgung\/\">Bilanzpressekonferenz<\/a> mit. &Uuml;berdies sei es &bdquo;wahrscheinlich&ldquo;, dass sich die Verluste bis Stichtag 31. Dezember noch vergr&ouml;&szlig;ern. Auch im Vorjahr hatten einige Einrichtungen auf den letzten Dr&uuml;cker dicht gemacht. <\/p><p>Im Einzelnen wurden folgende Spit&auml;ler aus der Versorgungslandschaft getilgt: Ortenau-Klinikum Oberkirch (Baden-W&uuml;rttemberg), Krankenhaus Trier-Ehrang (Rheinland-Pfalz), Main-Spessart-Klinikum Marktheidenfeld (Bayern), Lungenklinik Borstel (Schleswig-Holstein), Rehaklinik Seesen (Niedersachsen), Alb-Donau Klinikum Langenau (Baden-W&uuml;rttemberg), Sana Klinik Laupheim, (Baden-W&uuml;rttemberg), Pneumologische Klinik Waldhof Elgershausen (Hessen), Klinik St. Blasien (Baden-W&uuml;rttemberg). In den vier zuletzt genannten F&auml;llen soll der Bettenbestand zum Teil beziehungsweise komplett erhalten bleiben, indem die Kapazit&auml;ten an andere Standorte verlagert werden. Damit bel&auml;uft sich der Schwund auf 814 Betten, w&auml;hrend 2020 &uuml;ber 2.000 Behandlungspl&auml;tze und 4.000 Arbeitspl&auml;tze dem Rotstift zum Opfer gefallen waren.<\/p><p>Wohlgemerkt sind dies nur die unmittelbaren Einbu&szlig;en infolge von Schlie&szlig;ungen ganzer Kliniken oder einzelner Stationen. Nicht zu verwechseln sind diese mit den im Laufe des Jahres 2020 zu Tausenden &bdquo;abgebauten&ldquo; Intensivpl&auml;tzen aufgrund &ouml;konomischer Fehlanreize und des politischen Vers&auml;umnisses, f&uuml;r Personalnachwuchs zu sorgen, damit die Betten tats&auml;chlich auch genutzt werden k&ouml;nnen (vgl. dazu <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72019\">hier<\/a>).<\/p><p><strong>Kahlschlag von Staats wegen<\/strong><\/p><p>Carl Wa&szlig;muth vom Verein &bdquo;Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand&ldquo; (GiB) erkl&auml;rt sich den vergleichsweise moderaten Bettenabbau auch mit der &ouml;ffentlichen Sensibilisierung f&uuml;r das Thema. &bdquo;Ich denke, das k&ouml;nnen wir ein St&uuml;ck weit uns auf die Fahnen schreiben&ldquo;, sagte er gestern gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten. GiB setzt sich f&uuml;r die Demokratisierung der Daseinsvorsorge ein und ist Tr&auml;ger des &bdquo;B&uuml;ndnisses Klinikrettung&ldquo;. Konfrontiert mit den von der Initiative recherchierten 20 Klinikabwicklungen hatte der damals amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zum Jahresanfang 2020 durch einen Sprecher ausrichten lassen: &bdquo;Die Bundesregierung hat keine Kenntnis &uuml;ber die Schlie&szlig;ung von Kliniken im Pandemiejahr 2020.&ldquo; Das war mutma&szlig;lich eine kleine Notl&uuml;ge, denn einem ausgewiesenen &bdquo;Klinikkahlschl&auml;ger&ldquo; werden die Fr&uuml;chte des eigenen Schaffens kaum entgangen sein. <\/p><p>Tats&auml;chlich ist das Kliniksterben politisch gewollt. Seit 2016 wird die Erosion von Versorgungsstrukturen von Staats wegen und &auml;u&szlig;ert gro&szlig;z&uuml;gig honoriert. Mit dem damals aufgelegten Krankenhausstrukturfonds (KHSF) hat der Bund j&auml;hrlich 500 Millionen Euro bereitgestellt, um damit den &bdquo;Abbau von &Uuml;berkapazit&auml;ten, die Konzentration von station&auml;ren Versorgungsangeboten sowie die Umwandlung von Krankenh&auml;usern in nicht akutstation&auml;re lokale Versorgungseinrichtungen&ldquo; zu f&ouml;rdern. Ende November ver&ouml;ffentlichte das Leibniz-Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (RWI) den Abschlussbericht zur ersten Projektphase, die Ende 2018 auslief. Wie unter anderem das &bdquo;&Auml;rzteblatt&ldquo; berichtete, wurden beziehungsweise werden mit dem Geld schlussendlich <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/129920\/34-Krankenhaeuser-werden-mit-Mitteln-aus-Strukturfonds-geschlossen\">34 Krankenh&auml;user<\/a> abgewickelt. &bdquo;An weiteren 24 Standorten wurden 36 Abteilungen geschlossen&ldquo;, wovon fast die H&auml;lfte Gyn&auml;kologien und Geburtshilfen seien. <\/p><p><strong>Hilfe au&szlig;er Reichweite<\/strong> <\/p><p>Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) kommentierte die Zahlen in einer <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/002\/2000225.pdf\">Unterrichtung des Bundestages<\/a> mit Genugtuung: Es werde deutlich, &bdquo;dass der mit dem KHSF verfolgte gesetzgeberische Zweck, die Versorgungsstrukturen anhand von Konzentrationseffekten und des Abbaus von Vorhalteaufwand zu verbessern, grunds&auml;tzlich erreicht wurde&ldquo;. Und weiter: &bdquo;Die gef&ouml;rderten Vorhaben haben einen messbaren Beitrag zur Verbesserung der Krankenhausstrukturen geleistet.&ldquo; Otto-Normal-Patient kann den &bdquo;Fortschritt&ldquo; mit der eigenen Uhr messen. Gem&auml;&szlig; der RWI-Analyse hat das Verschwinden besagter 34 Kliniken zur Folge, dass sich die Pkw-Fahrzeit zum n&auml;chstm&ouml;glichen Grundversorger &bdquo;f&uuml;r circa 61.000 auf &uuml;ber 30 Minuten&ldquo; erh&ouml;ht hat oder erh&ouml;hen wird. <\/p><p>Eigentlich hat jeder B&uuml;rger einen gesetzlichen Anspruch auf ein Krankenhaus, das in maximal einer halben Autostunde erreichbar ist und mindestens Innere Medizin, Chirurgie und Notfallversorgung anbietet. Allein in Bayern werde dieses Kriterium &bdquo;bereits jetzt in 115 Postleitzahlregionen verletzt&ldquo;, monierte Wa&szlig;muth. Zugleich sei ein Anstieg der Kliniken in privater Regie zu verzeichnen, die wenig Interesse am Betrieb regionaler Allgemeinversorger h&auml;tten. Ferner wies er darauf hin, dass Schlie&szlig;ungen h&auml;ufig mit der Planung von Zentralkliniken einhergingen. Daf&uuml;r werden millionenteure, &ouml;kologisch fragw&uuml;rdige Neubauten projektiert, f&uuml;r die Bund und L&auml;nder hohe F&ouml;rdersummen locker machten. &bdquo;Dieses Geld m&uuml;sste stattdessen in den Erhalt bestehender H&auml;user und einen Aufwuchs an Personal gesteckt werden&ldquo;, so Wa&szlig;muth.   <\/p><p><strong>Bertelsm&auml;nner denken vor<\/strong><\/p><p>Selbstredend wurde zu Jahresanfang 2019 ein Nachfolgepakt aufgelegt, der <a href=\"https:\/\/www.bdolegal.de\/de-de\/insights\/newsletter\/legal-news_gs_oktober_2020\/das-krankenhauszukunftsgesetz\">KHSF II<\/a>, den sich der Bund insgesamt zwei Milliarden Euro kosten lassen will. Urspr&uuml;nglich sollte das Regelwerk 2022 auslaufen, wurde aber von der Gro&szlig;en Koalition im Oktober 2020 &ndash; wieder einmal mitten in der Pandemie &ndash; als Teil ihres &bdquo;Krankenhauszukunftsgesetzes&ldquo; bis 2024 gestreckt. Nach Darstellung des &bdquo;B&uuml;ndnisses Klinikrettung&ldquo; wird sich die Gangart beim Entsorgen von Versorgern damit noch zuspitzen. Zum jetzigen Zeitpunkt w&auml;ren bereits 31 Klinikschlie&szlig;ungen beschlossen, die ab 2022 in Kraft treten. Weitere 19 Krankenh&auml;user seien von einer Abwicklung bedroht &ndash;  aufgrund von Gutachten, die den Schritt empfehlen, Abteilungsschlie&szlig;ungen oder Personalabzug. Dabei herrsche schon heute ein &bdquo;bundesweiter Notstand im Krankenhaussystem, der durch die Pandemie noch versch&auml;rft wird&ldquo;, hei&szlig;t es in einem <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Buendnis-Klinikrettung_PK-21.21.21_Bilanz-Klinikschliessungen_Pressemappe.pdf\">Hintergrundpapier<\/a> der Initiatoren. Demnach gab es im Jahr 1991 deutschlandweit noch 2.411 Kliniken mit insgesamt 666.000 Betten. 2019, also 28 Jahre sp&auml;ter, waren es noch 1.914 Spit&auml;ler mit 494.000 Betten, was einen R&uuml;ckgang von 21 beziehungsweise 26 Prozent entspricht. <\/p><p>&bdquo;Im Takt der andauernden Krankenhausschlie&szlig;ungen verschlechtert sich die gesundheitliche Versorgungslage in Deutschland weiter&ldquo;, beklagte B&uuml;ndnissprecherin Laura Valentukeviciute. Sp&auml;testens mit dem BMG-Bericht zur Auswertung des KHSF sei klar, &bdquo;dass die meisten Schlie&szlig;ungen ein systematisches, staatlich geplantes und bezahltes Vorhaben ist sind&ldquo;. Neoliberale Denkfabriken wie die Bertelsmann Stiftung, die Wissenschaftsakademie Leopoldina oder die Robert-Bosch-Stiftung arbeiten seit langem mit Feuereifer daran, die Zahl der Kliniken nach der Leitlinie &bdquo;Effizienz, Spezialisierung, Zentralisierung&ldquo; auf wenige hundert der aktuell noch knapp unter 2.000 Standorte einzudampfen. Eine Expertise der Bertelsm&auml;nner vom Sommer 2019 pl&auml;diert f&uuml;r eine Reduzierung der allgemeinen Kliniken von 1.400 auf 600. Auf diesem Wege lie&szlig;en sich <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/de\/themen\/aktuelle-meldungen\/2019\/juli\/eine-bessere-versorgung-ist-nur-mit-halb-so-vielen-kliniken-moeglich\">&bdquo;viele Komplikationen und Todesf&auml;lle&ldquo;<\/a> vermeiden, weshalb die Neuordnung der Krankenhauslandschaft &bdquo;eine Frage der Patientensicherheit&ldquo; sei und das Ziel verfolgen m&uuml;sse, &bdquo;die Versorgungsqualit&auml;t zu verbessern&ldquo;. <\/p><p><strong>Corona fegt Betten leer<\/strong> <\/p><p>Selbst die nach Worten von EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides &bdquo;gr&ouml;&szlig;te Gesundheitskrise seit Menschengedenken&ldquo; bremst derlei Planspiele nicht aus. Im Gegenteil kam die Pandemie f&uuml;r die Verfechter einer radikalen Flurbereinigung sogar wie gerufen. Wie von den NachDenkSeiten zuletzt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77634\">hier<\/a> berichtet, herrscht in Deutschlands Krankenh&auml;usern seit nunmehr zwei Jahren ein historischer Leerstand. 2020 fiel die Auslastung &uuml;bers Jahr betrachtet 13 Prozent geringer aus als 2019, wie aus den vom Institut f&uuml;r das Entgeltsystem im Krankenhaus GmbH (InEK) erhobenen Klinikdaten hervorgeht. 2021 hielt die Talfahrt an. Bis 31. Mai waren die Fallzahlen um weitere f&uuml;nf Prozent gegen&uuml;ber dem Vorjahr zur&uuml;ckgegangen und damit um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr vor Corona. <\/p><p>Das l&auml;sst sich nur zum Teil durch die vor allem 2019 in gro&szlig;em Stil abgesagten und aufgeschobenen Operationen erkl&auml;ren, mit denen man Kapazit&auml;ten f&uuml;r potentielle Covid-19-Patienten freihalten wollte. Der wichtigere Faktor d&uuml;rfte sein, dass unter dem Eindruck der verbreiteten &Auml;ngste, sich mit SARS-Cov-2 anzustecken, deutlich weniger Menschen ins Versorgungssystem dr&auml;ngen. W&auml;hrend sich aktuell ein vermeintliches Drama vermeintlich &uuml;berlaufender Kliniken abspielt &ndash; was mit Blick auf die personell am Anschlag befindlichen Intensivstationen punktuell durchaus zutreffend ist &ndash; hat Corona die Kliniken in Wahrheit regelrecht leergefegt. Und je l&auml;nger die Pandemie anh&auml;lt, desto mehr werden unter dem Druck fernbleibender Patienten in die Knie gehen.<\/p><p><strong>700 H&auml;user &bdquo;&uuml;berfl&uuml;ssig&ldquo;<\/strong> <\/p><p>Dass dabei vor allem kleinere und in &ouml;ffentlicher Hand betriebene H&auml;user in l&auml;ndlichen Regionen und abseits der Ballungsgebiete auf der Strecke bleiben, liegt auf der Hand. Die gro&szlig;en privaten Klinikkonzerne wie allen voran Rh&ouml;n, Sana, Fresenius und Asklepios haben dagegen Substanz genug, die Corona-Flaute zu &uuml;berstehen und danach, sobald die Beute bei der aus dem Feld geschlagenen Konkurrenz gemacht ist, mit neuer Kraft durchzustarten. Weil die Big Player aber vor allem auf Spezialisierung, lukrative OPs und Privatpatienten setzen, wird sich das Angebot an Voll- und Grundversorgern immer weiter ausd&uuml;nnen. Anfang Dezember hatte das &bdquo;B&uuml;ndnis Klinikrettung&ldquo; anhand einer <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/neue-recherche-zum-corona-notstand-nur-knapp-1-200-krankenhaeuser-tragen-zur-allgemeinversorgung-bei\/\">Recherche<\/a> enth&uuml;llt, dass aktuell weniger als 1.200 Krankenh&auml;user &uuml;berhaupt in der Lage sind, Covid-19-Patienten zu behandeln. Von diesen h&auml;tten lediglich 845 eine Geburtshilfe und 339 eine Kinderstation. Demgegen&uuml;ber st&uuml;nden &uuml;ber 700 reine Fachkliniken ohne angeschlossene Notfallversorgung (37 Prozent). <\/p><p>Wohin die Reise gehen soll, hatte im vergangenen Juli der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken, in gro&szlig;er Offenheit in einem Interview mit der &bdquo;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&ldquo; (FAZ) offenbart (hinter Bezahlschranke). Nach seiner &Uuml;berzeugung sind 700 der aktuell &uuml;ber 1.900 Kliniken schlichtweg <a href=\"https:\/\/www.aerztezeitung.de\/Wirtschaft\/GBA-Chef-Hecken-700-Kliniken-koennten-schliessen-421048.html\">&bdquo;&uuml;berfl&uuml;ssig&ldquo;<\/a>. Kleinere Standorte auf dem Land sollten sich auf &bdquo;einfache Eingriffe&ldquo; beschr&auml;nken, w&auml;hrend sich spezialisierte Zentren um &bdquo;anspruchsvolle Operationen&ldquo; zu k&uuml;mmern h&auml;tten. Man kann sicher sein, dass Hecken die Abrissbirne nicht gegen letztere, sondern zuvorderst gegen kleinere Standorte in staatlicher Regie in Stellung bringen will. &bdquo;Das w&auml;re gut f&uuml;r die Wirtschaftlichkeit und f&uuml;r die medizinische Qualit&auml;t&ldquo;, so der Funktion&auml;r, der immerhin dem h&ouml;chsten Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vorsteht. Um seine Pl&auml;ne umsetzbar zu machen, m&uuml;sste allerdings den Bundesl&auml;ndern die Planungshoheit &uuml;ber die Krankenh&auml;user entzogen werden, wof&uuml;r eine Grundgesetz&auml;nderung vonn&ouml;ten w&auml;re. Man sollte die Beharrungskr&auml;fte der L&auml;nderf&uuml;rsten in der Frage nicht &uuml;bersch&auml;tzen. 2017 hatten sie sich bereits die Zust&auml;ndigkeit &uuml;ber den Fernstra&szlig;enbau vom Bund abjagen lassen.<\/p><p><strong>Verlass auf Lauterbach?<\/strong><\/p><p>Mit Heckens Vorsto&szlig; habe das Kahlschlagsprogramm &bdquo;praktisch offiziellen politischen Segen&ldquo;, gab GiB-Sprecher Wa&szlig;muth zu bedenken. &bdquo;Kommt es wirklich so, haben wir in Deutschland bald nur noch 500 Allgemeinkrankenh&auml;user mit Notaufnahmen, weniger als halb so viele wie heute.&ldquo; Der ehemalige Klinikleiter Klaus Emmerich warb f&uuml;r ein Alternativmodell zum Status quo einer auf Profitstreben ausgerichteten Gesundheitsversorgung: &bdquo;Krankenh&auml;user m&uuml;ssen selbstkostendeckend finanziert werden, dann g&auml;be es keine Gewinne und keine Verluste.&ldquo; Der Entzug von Geldern aus dem System w&uuml;rde gestoppt und so verhindert, dass Kliniken zur Vermeidung von Verlusten ihr Leistungsangebot massiv einschr&auml;nkten. &bdquo;Verbleiben w&uuml;rden stabile Krankenh&auml;user, die nicht um ihre Existenz bangen m&uuml;ssen und die sich auf ihre Patientinnen und Patienten konzentrieren k&ouml;nnen.&ldquo; <\/p><p>Und dann richteten die Aktivisten noch einen Appell an den neuen BMG-Frontmann Lauterbach. Der hatte tats&auml;chlich am 30. Mai die vom B&uuml;ndnis initiierte <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/civi-public\/?civiwp=CiviCRM&amp;q=civicrm%2Fpetition%2Fsign&amp;sid=29&amp;reset=1\">Petition gegen Klinikschlie&szlig;ungen<\/a> unterzeichnet. &bdquo;Als Gesundheitsminister hat er jetzt die Macht und auch die Aufgabe, die Schlie&szlig;ungen zu stoppen&ldquo;, bekr&auml;ftigte Valentukeviciute. Ob darauf Verlass ist? 2019 twitterte Lauterbach in Reaktion auf eine Einlassung der Bertelsmann Stiftung: &bdquo;Jeder wei&szlig;, dass wir in Deutschland mindestens jede dritte, eigentlich jede zweite Klinik schlie&szlig;en sollten.&ldquo; <\/p><p>Titelbild: Gts \/ shutterstock.com<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/02553afe2d94439789d9de70a769dd6f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Lauterbach meinte einmal, dass &bdquo;eigentlich jede zweite Klinik&ldquo; in Deutschland schlie&szlig;en sollte. Das war vor seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister, als der er jetzt &uuml;ber einen Apparat befehligt, der seit Jahren die Axt an die Versorgungsstrukturen legt. R&uuml;cksichten auf Corona? Pustekuchen. 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