{"id":79280,"date":"2021-12-25T09:00:06","date_gmt":"2021-12-25T08:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79280"},"modified":"2021-12-25T16:17:47","modified_gmt":"2021-12-25T15:17:47","slug":"nachdenken-ueber-afghanistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79280","title":{"rendered":"Nachdenken \u00fcber Afghanistan"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Es muss darum gehen, dass dieses Land nicht in eine besondere Form des Vergessens ger&auml;t.<\/strong><\/em> Noch bis zum Sommer dieses Jahres schien es so, als sei Afghanistan bei den meisten Deutschen in Vergessenheit geraten. Dann wendete sich j&auml;h das Blatt, als die Taliban Mitte August nach vorangegangenen verheerenden Niederlagen der staatlichen afghanischen Sicherheitskr&auml;fte (Polizei und Armee) ohne nennenswerten Widerstand siegreich in die Metropole Kabul einr&uuml;ckten. Jetzt geriet das Land am Hindukusch als Fiasko eines vom Westen verlorenen Krieges in den Blickpunkt politischen Versagens, nachdem bereits drei Jahrzehnte zuvor das Debakel der Roten Armee in dem Land mitverantwortlich f&uuml;r die wenig sp&auml;ter einsetzende Implosion der Sowjetunion und von Afghanistan war. In Deutschland, so argumentiert <strong>Michael Daxner<\/strong> in diesem Beitrag, setzen wir das Versagen der Politik fort, h&uuml;llen das Vergessen in Schicksalsnebel und lassen Zapfenstreiche L&uuml;gen, &bdquo;Missverst&auml;ndnisse&ldquo; und Inhumanit&auml;t gegen&uuml;ber Schutz- und Asylsuchenden und deren Familien mit gro&szlig;em Brimborium &uuml;bert&ouml;nen. Daxner, emeritierter Professor f&uuml;r Hochschuldidaktik und Soziologie und u.a. Pr&auml;sident der Carl von Ossietzky Universit&auml;t Oldenburg (1986-98), hat sich seit Jahren in unterschiedlichen Funktionen und Zusammenh&auml;ngen intensiv mit Afghanistan befasst und setzt sich gegenw&auml;rtig mit Verve f&uuml;r afghanische Fl&uuml;chtlinge ein. F&uuml;r die <em>NachDenkSeiten<\/em> hat <strong>Rainer Werning<\/strong> seinen Text redaktionell bearbeitet und mit Zwischen&uuml;berschriften versehen.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Gern h&auml;tte man sich Seehofer, Maas und ihre Untergebenen einmal auf der Flucht gew&uuml;nscht<\/strong><\/p><p>Undankbarkeit gegen&uuml;ber fr&uuml;heren afghanischen Ortskr&auml;ften und vergleichbaren Unterst&uuml;tzern seitens bundesdeutscher Milit&auml;rs, Soldaten und Mitarbeitern diverser entwicklungspolitischer Organisationen sowie Missachtung aller im Bundestag vorgetragenen moralischen und gesellschaftlichen Prinzipien ragen mittlerweile wie auf romantischen Bildnissen heraus und erheben sich als Gipfel &uuml;ber die Wolken. Zu alledem gesellt sich der Zynismus von Schreibtischt&auml;tern, die sich bei einfachen Verwaltungsakten wie der Visaerteilung auf nichts anderes als auf ihre selbst fixierte Enge berufen &ndash; man w&uuml;nschte sich Seehofer, Maas und ihre Untergebenen mal auf der Flucht oder im Untergrund.<\/p><p>Wie soll man jetzt &uuml;ber Afghanistan nachdenken, was soll man dazu sagen, wem ist man Antworten schuldig? Das &bdquo;man&ldquo; deutet auf Diskurse, in denen es schwierig ist, &bdquo;ich&ldquo; zu sagen (Daxner und Neumann 2012, 20). Nachdem ich aus mehreren Gr&uuml;nden nicht mehr nach Afghanistan reisen konnte und wollte, habe ich mich seit 2017 immer st&auml;rker auf die Diaspora, die Gefl&uuml;chteten und die Abgeschobenen, die unmenschliche Pragmatik der deutschen, der europ&auml;ischen, der US-amerikanischen und der globalen Fl&uuml;chtlingspolitik konzentriert.<\/p><p>Wenn ich im Folgenden die USA als Schutzmacht deutscher Interventionspolitik kritisiere, entlastet das in keiner Weise die am afghanischen Debakel mitbeteiligten Staaten &ndash; allen voran Russland, Pakistan, in weiterer Folge Iran, China und die Golfstaaten. Das wiederum entlastet weder die USA noch Deutschland; zu oft sind die Zusammenh&auml;nge zwischen den Akteuren nicht eindimensional oder kausal.<\/p><p>Seit mehr als 50 Jahren ist Afghanistan ein Proxy gewesen, ein Statthalter f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere politische Prozesse. Und wahrscheinlich schon viel l&auml;nger haben die afghanischen Regierungen und Regime sich in unterschiedlicher Distanz zu ihrer Gesellschaft an der Fragilisierung ebendieser Gesellschaft beteiligt (vgl. die gegenw&auml;rtige Analyse der oberen Klassen bei Spanta 2018). Das ist f&uuml;r alle Vereinfachungen, aber auch eine Lagermentalit&auml;t, unertr&auml;glich. Es geht hier nicht zuletzt gerade auch um unsere deutschen, unsere politischen, kulturellen und moralischen Probleme [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>].<\/p><p><strong>Langj&auml;hrig Spielball globaler Akteure<\/strong><\/p><p>Alle von der Staatsr&auml;son ausgehenden globalen und lokalen Politiken tappen in die Falle, die wesentlichen Strukturen aller Gesellschaften zu vernachl&auml;ssigen oder zu verfehlen: Dazu geh&ouml;ren vor allem kulturelle, soziale und &ouml;konomische Realit&auml;ten, mitsamt ihren Traditionen und Zukunftsvisionen. Ich bezeichne dies als Folge des &bdquo;Glokalismus&ldquo; [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. Andererseits kann man, wie das etliche NGOs machen, nicht einfach alle externen politischen Akte <em>bottom-up<\/em> gestalten, weil man damit die Distanz zur herrschenden Elite (<em>top-down<\/em>) und zur sogenannten Realpolitik gleicherma&szlig;en &uuml;berdehnt. Der wesentliche Ansatz der Abl&ouml;sung des Wir-Sie-Verh&auml;ltnisses scheint mir zu sein, dass die R&uuml;ckwirkungen der Politik des Anderen und mit dem jeweils Anderen auf die eigene Gesellschaft, u.a. Familie, Partei, Sozialisation, Kultur, untersucht werden. Und es gilt, die Politik und Handlungen der jeweiligen Regierungen und Staatsinstitutionen als intervenierende Variablen, nicht aber als Fokus und Kernpunkt der Probleme zu betrachten.<\/p><p>Afghanistan war nicht immer ein Objekt kontroverser Interventionen durch globale Akteure, die meiste Zeit im 19. und 20. Jahrhundert allerdings doch. Die Hoffnungen auf Unabh&auml;ngigkeit und Selbstbestimmung, die unter K&ouml;nig Amanullah (1892-1960, regierte von 1919 bis 1929) keimten, wurden so wenig dauerhaft erf&uuml;llt, wie die Gro&szlig;machtinteressen immer wieder auflebten, Afghanistan als wesentliches Instrument zu nutzen &ndash; oder in die arme Unbedeutsamkeit abzudr&auml;ngen. Das hat auch auf die kulturellen und sozialen Strukturen gewirkt und sicherlich das komplizierte ethnische, religi&ouml;se und traditionelle Machtgeflecht innerhalb der Staatsgrenzen stark beeinflusst.<\/p><p>Aber es war die meiste Zeit &uuml;ber nicht so, dass externe Einfl&uuml;sse sich auf das kulturelle Leben, &uuml;berwiegend in den gro&szlig;en St&auml;dten, aber nicht ausschlie&szlig;lich, unmittelbar auswirkten &ndash; sichtbar je nach der autorit&auml;ren Zwangslage oder tempor&auml;rer liberaler oder kultur-gleichg&uuml;ltiger Inseln. Jedenfalls gab und gibt es dieses Leben, mehr oder weniger wahrnehmbar und mehr oder weniger im Austausch mit der afghanischen Diaspora, die ja nicht nur durch Flucht entstanden ist, sondern gleicherma&szlig;en durch gezielte Auswanderung und bisweilen durch Pendeln zwischen Afghanistan und dem Exilland. Betrachtet man die Migrationswellen der letzten 60 Jahre, so entsteht ein &auml;u&szlig;erst komplexes Muster, das m.E. von den Taliban nach 1995 empfindlich deformiert, aber auch von den intervenierenden Akteuren nach 2001 wenig bis gar nicht zur Kenntnis genommen wurde.<\/p><p>F&uuml;r die folgenden &Uuml;berlegungen ist es wichtig, dass die intervenierenden Westm&auml;chte, voran die USA und etliche NATO-Mitglieder, <em>einen Krieg verloren haben<\/em> und deshalb nicht beliebig mit ihren Ressourcen auftrumpfen k&ouml;nnen, die eine Verhandlungsbasis mit den Taliban sch&uuml;fen [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]. Dass die EU mit den Taliban als Vorspann zur Wiederaufnahme von diplomatischen Vertretungen ohne Anerkennung des Regimes Gespr&auml;che einleitet (3.-4.12.2021), ist ein gesichtswahrender und pragmatisch vertretbarer, aber nicht souver&auml;ner Schritt. Dass die USA und viele EU-Staaten gegen die Menschenrechtsverletzungen der Taliban protestieren [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>], w&auml;re glaubw&uuml;rdiger, wenn vor allem die USA die analogen Verletzungen der Menschenrechte durch ihre Interventionstruppen anerkannten, und davor die Sowjets die der ihren usw. Hier geraten wir in die komplizierte v&ouml;lkerrechtliche Situation postkolonialer Diskurse, die gesondert betrachtet werden muss. Dass zahlreiche &bdquo;Ortskr&auml;fte&ldquo; auch von Deutschen noch im Juni und Juli h&auml;tten gerettet werden k&ouml;nnen, lastet als Menschenrechtsverletzung und Skandal auch an der deutschen Regierung.<\/p><p>Unsensibilit&auml;t und Unwissen gegen&uuml;ber einer intervenierten Gesellschaft sind h&auml;ufige, im Fall von Afghanistan gravierende Defizite der politischen Kommunikation und Aktion. Ich habe seit 2003 <em>lernen<\/em> m&uuml;ssen, dass und wie sich dies auf die deutsche Politik (Bundeswehr, Diplomatie, Entwicklungszusammenarbeit) auswirkte und teilweise die Legitimation der Intervention verzerrte. [Das kann man am Beispiel der so genannten Fortschrittsberichte des Ausw&auml;rtigen Amtes, die sp&auml;t genug 2010 begannen [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>], exemplarisch nachverfolgen. Doch es trifft von Anfang an zu &ndash; mit gewichtigen <em>Ausnahmen<\/em>, die meist pers&ouml;nlich waren und (allzu) wenig Einfluss auf die tats&auml;chliche Politik hatten, soweit diese souver&auml;n war und nicht unter dem Diktat der USA und NATO stand. Die Ausnahmen belegen, dass es sich nicht um notwendige, sondern fahrl&auml;ssige Ignoranz gehandelt hat.] Ich kann auch sarkastisch sagen, dass &auml;hnlich wie bei Corona die Stimme der Wissenschaft in wichtigen F&auml;llen marginalisiert wurde und wird.<\/p><p>Modernisierungssch&uuml;be machen ein Land nicht automatisch fortschrittlicher. Andererseits sind Hoffnungen, die durch Ereignisse oder Konfrontationen geweckt werden, ein entscheidender Treibsatz f&uuml;r Kulturentwicklung, Austausch und neue Horizonte. Das kann man gut f&uuml;r die Zeit nach den Mujaheeddin und vor allem nach den Taliban ab 2001 belegen. Pers&ouml;nlich habe ich das nach 2003 &uuml;ber 15 Jahre lang erfahren. Nun bin ich weder K&uuml;nstler noch Kulturkritiker, aber als Wissenschaftler wenigstens mit einem Arm in der Kultur. Und wenn sich der andere an der Politik klammert, entsteht schon ein solides Spektrum, das sich &uuml;ber diesen Zeitraum entwickelte.<\/p><p><strong>Kulturelle Dynamiken mit produktiven R&uuml;ckwirkungseffekten<\/strong><\/p><p>Das Musikfestival von Bamyan hatte mich &uuml;berrascht. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Die komplizierte Verbindung von Befreiung aus dem scheinbar religi&ouml;sen Zwang durch die Taliban, der Geschichte der Hazara, innenpolitischer Konkurrenz und Opposition bereits unter Karzai haben seltsame, keineswegs &bdquo;exotische&ldquo; Ergebnisse kultureller Dynamik erbracht. Weniger &uuml;berrascht war ich davon, wie die Kulturarbeit der Kulturinstitute, nicht nur Goethe, sofort produktive Ergebnisse, Austausch- und R&uuml;ckwirkungseffekte bewirkten, die sich oft kontrovers der Klassenhierarchie ebenso entzogen wie einer traditionellen Kultur.<\/p><p>Und dann lernt man von der Geschichte des Films und des Kinos, von Freiheiten und Beschr&auml;nkungen unter den Sowjets, von fr&uuml;hen Austausch- und Barrierenerz&auml;hlungen, von vielen kulturellen Strukturen, die mit der meist ungewollten postkolonialen Politik der Intervenierenden &ndash; <em>aller<\/em> Intervenierenden [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] &ndash; zusammenhingen. Das hat auch mit den importierten und mit H&uuml;rden versehenen Ver&auml;nderungen im Bildungs- und Studiensystem, mit der etwas freieren Luft von Kunstschaffenden und Medien gegen die religi&ouml;se Engf&uuml;hrung zu tun. &Uuml;berdies hat es zu tun mit der Einf&uuml;hrung von Handys und der innerafghanischen Kommunikation durch eine erheblich ausgebaute, nicht zuletzt milit&auml;risch zugerichtete Infrastruktur (Stra&szlig;enbau etc.).<\/p><p><strong>Auswirkungen auf und Konsequenzen f&uuml;r die afghanische Diaspora<\/strong><\/p><p>Wir sehen, wie sich bei multi-ethnischen Treffen afghanische Gefl&uuml;chtete von anderen Gruppen absondern oder mit ihnen kommunizieren, wie sich die in Deutschland endlich sicher w&auml;hnenden Afghanen um den Nachzug ihrer Familien k&uuml;mmern, wie die Asyl- und Visapolitik zum Teil unverst&auml;ndlich grausam, oft irrational und mitunter schlicht unversch&auml;mt ist und was man in Deutschland nach immerhin zwei Jahrzehnten aktiver Interventionsbeteiligung noch immer nicht wissen will.<\/p><p>Wie leben die Afghanen, die seit einigen Jahren hier sind, und die, die unter den Taliban gelebt haben und jetzt vor ihnen geflohen sind? Zun&auml;chst: Es bedarf besonderer Umst&auml;nde, sozusagen Katalysatoren, dass wir das &uuml;berhaupt wahrnehmen. Ich gebe ein konkretes Beispiel: Das Kunst- und Kreativquartier Potsdam, das Rechenzentrum RZ also, hat eine afghanische Serie veranstaltet:<\/p><p><em>10.11.2021: Robert Mensing &ndash; Bilder aus einem Sommer in Kabul 2012<br>\nbis 1.12.2021: Maria Hoseini-Habibi: Ausstellung inVisible<br>\n24.11.2021: Till Ansgar Baumhauser: Vortrag zur gegenw&auml;rtigen Teppichkunst<br>\n1.12.2021: &bdquo;True Warriors&ldquo;, Film von Ronja v. Wurmb-Seibel<\/em><\/p><p>Die Serie wird fortgesetzt und verkn&uuml;pft mit &Uuml;berlegungen zur Situation der Hochschulen und der Kunstwissenschaften unter den Taliban nach deren Macht&uuml;bernahme. Die letzte Veranstaltung hat mich best&auml;rkt, dass es gilt, auf die &bdquo;richtigen&ldquo; Aspekte einer Situation zu schauen. Es geht vor allem nicht um die Abl&ouml;sung einer unf&auml;higen und korrupten Regierung durch ein diktatorisches Regime, sondern um die Windungen, K&auml;mpfe, Hoffnungen und Frustrationen des &Uuml;berbaus, um nicht zu sagen des Geistes &uuml;ber den Regimen. Nach der Vorf&uuml;hrung von <em>True Warriors<\/em> [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] war ein Zeitzeuge gegenw&auml;rtig, Homan Wesa [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>], der auch am Film mitgewirkt hatte und nunmehr endg&uuml;ltig in Deutschland lebt &ndash; nach einigen Hin- und R&uuml;ckfahrten. Was mich aber besonders beeindruckte, war seine Interpretation der Rolle der Kultur, nicht blo&szlig; als Widerst&auml;ndigkeit, sondern als Bindemittel f&uuml;r die Gesellschaft &ndash; ohne ihre Dynamik w&uuml;rde sie zerfallen.<\/p><p><strong>Humanit&auml;re Ambiguit&auml;t und westliche Verhandlungsmasse<\/strong><\/p><p>Wir kommen hier nicht ohne die Theorie der Hysteresis aus. Die ist kompliziert, aber wenn wir sie verstanden haben, sagt sie auch etwas &uuml;ber uns aus. Zun&auml;chst kommen wir zu den Afghanen in der Diaspora, vor allem denen, die erst vor kurzem und nach gro&szlig;en Schwierigkeiten hier angekommen sind, ohne &bdquo;angekommen&ldquo; zu sein.<\/p><p>Die einfachste, verk&uuml;rzte Definition:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Bourdieu (1987) bezeichnet mit dem Begriff des Hysteresis-Effekts die Stabilit&auml;t des Habitus eines Menschen und meint damit eine Form von Tr&auml;gheit, die den Habitus dauerhaft stabilisiert. Der Habitus ist ein System von implizit oder explizit durch Lernen erworbenen Dispositionen&ldquo; [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>].<\/p><\/blockquote><p>Die Frage, ob und wie jemand hier in Deutschland seinen\/ihren afghanischen Habitus mitgebracht, modifiziert oder versteinert haben kann, ist etwas, das den meisten <em>Integrationsdebatten<\/em> abgeht. Einfacher gesagt: Ich bin, der ich war. Und der ich hier bin, bin ich nicht geworden. Klingt zu einfach, aber wenn man vor Ort, also hier, das Verhalten dieser Migranten sieht, dann wei&szlig; man auch ohne Bourdieu, was vor sich geht: Erinnerung ohne den Abschied von sich selbst im sozialen, kulturellen, oft auch wirtschaftlichen und politischen Kontext &ndash; &bdquo;man&ldquo; hat &bdquo;sich&ldquo; verloren.<\/p><p>Bevor ich zu den Deutschen komme, die das beobachten oder reflektieren, die daraus Handlungsdruck oder politische Stellungnahmen ableiten, zun&auml;chst zu den Afghanen. Denn wenn wir hier, in Deutschland, mit den Afghanen Kontakt haben, kommunizieren oder handeln, dann wissen wir bestenfalls um das Dass der Hysteresis, nicht unbedingt um das <em>Wie<\/em>.<\/p><p>T&auml;glich erreichen uns (auch mich pers&ouml;nlich) Hilferufe aus Afghanistan. Zum einen verhungern die Menschen dort, bis zu 25 Prozent der Bev&ouml;lkerung sind bedroht [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]. Der Komplex der Hysteresis wird aufgespalten in solche Information und direkte Kommunikation &ndash; z.B. mit der Familie, die noch &bdquo;dort&ldquo; ist und die man heraus, hierher haben m&ouml;chte &ndash; und in allgemeine Nachrichten, die das gleiche Schicksal unabh&auml;ngig von pers&ouml;nlichen Bindungen &uuml;bermitteln: So verteilt <em>Pro Asyl<\/em> Hilferufe der folgenden Art:<\/p><blockquote><p>&bdquo;The Taliban killed my husband and my father-in-law for working with the German army. Please save our children and especially my daughter.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>oder<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich war Journalistin in Kabul und bin wegen Morddrohungen nach Deutschland geflohen. Jetzt mache ich mir gro&szlig;e Sorgen um meine Mutter und meine kleinen Geschwister.&ldquo; [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Hier entstehen zwei nicht deckungsgleiche R&uuml;ckblicke auf die verlassene Heimat &ndash; die soziale und die politische Not &ndash; zu der sich noch als dritter R&uuml;ckblick die im Land gefassten Zukunftsprognosen gesellen, deretwegen man schon vorher fliehen wollte. Dieses Zur&uuml;ckblicken hat gegenw&auml;rtig noch eine besondere Variante dort, wo nicht unmittelbar bedrohte Personen mit f&uuml;r das Regime wichtigen Qualifikationen offenbar an der Ausreise gehindert werden, selbst wenn sie ein Visum bek&auml;men. W&auml;hrend andererseits bestimmte K&uuml;nstler und Intellektuelle auch dann leichter das Land verlassen k&ouml;nnen &ndash; oder auch nicht &ndash; wenn sie nicht unmittelbar mit dem Tod bedroht werden [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]. Diese humanit&auml;re Ambiguit&auml;t geh&ouml;rt offensichtlich zur westlichen Verhandlungsmasse, die den Taliban Ausreise- und Hilfsma&szlig;nahmen abhandeln wollen. Deshalb bin ich besonders zur&uuml;ckhaltend in der Bewertung von R&uuml;ckblicken durch Menschen, die sich hier in Sicherheit befinden.<\/p><p><strong>Bedeutsame Themen ausgeblendet<\/strong><\/p><p>Nun zu den Deutschen und einer speziellen &Uuml;bertragung bzw. Modifikation des Hysteresis-Problems. Es gibt zu wenige verl&auml;ssliche Untersuchungen dar&uuml;ber, wieweit eine intensivere oder auch nur l&auml;ngere Aufenthaltsdauer in Afghanistan den Habitus ver&auml;ndert hat und ob und wie es Erscheinungen von Hysteresis gibt. In Einzelf&auml;llen, vor allem bei Solit&auml;ren aus der NGO-Welt, habe ich das beobachtet, kann und will es aber nicht individuell verallgemeinern. Am besten ist das bei einer sozialen Gruppe m&ouml;glich (n&auml;mlich Bundeswehrangeh&ouml;rigen), die seit 2002 in Afghanistan in unterschiedlichen Funktionen Dienst getan hat, deren Mitglieder also im strengen Sinn &bdquo;Veteranen&ldquo; sind &ndash; selbst &bdquo;Veteraninnen&ldquo; sind anzutreffen. Zu diesem Thema haben wir (ich und einige wenige andere) in den letzten Jahren geforscht. Ein Thema, das lange Zeit von der Bundeswehr und der Politik heruntergespielt oder nicht gesehen wurde, jetzt &ndash; im Nachhinein &ndash; freilich von gro&szlig;em Interesse ist (Daxner and Mann 2016, Daxner, N&auml;ser-Lather et al. 2018).<\/p><p>Unsere Vorarbeiten zum Thema wurden jedenfalls politisch und in der Friedensforschung kaum aufgegriffen. Wir haben eher einen ver&auml;nderten Habitus bei den Einsatzr&uuml;ckkehrern festgestellt, als er beschworen wurde, etwa beim Zapfenstreich f&uuml;r die zu sp&auml;t aktiv gewordenen Rettungseinheiten nach der Macht&uuml;bernahme der Taliban [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]. Hier findet eine Verschiebung statt, von Veteranen zur aktiven Truppe, also gerade nicht vom intensiven langfristigen Erleben, sondern von der kurzfristig angespannten Situation. (Es geht mir hier nicht um die heftige Kontroverse &uuml;ber das fragw&uuml;rdige Zeremoniell des Zapfenstreichs an sich, sondern um die m&ouml;gliche Repr&auml;sentation eines durch Afghanistan ver&auml;nderten Habitus). Die Habitus-Varianten, die wir 2016 vorl&auml;ufig gefunden und sp&auml;ter erweitert haben, wurden zwar bisweilen aufgegriffen, haben aber noch keinen festen empirischen und analytischen Untergrund.<\/p><p>Nun ist zus&auml;tzlich zu fragen, ob und wieweit Angeh&ouml;rige der Sicherheitskr&auml;fte, der Auslandsvertretungen, der Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen durch ihre T&auml;tigkeit im Land sich so in ihrem Habitus ver&auml;ndert haben, dass ein Hysteresis-Effekt eintreten konnte bzw. ein solcher beobachtbar ist und erkl&auml;rt werden kann. Es ist besonders schwierig darzustellen, wieweit dieser Effekt mit den Habitus-Ver&auml;nderungen der hier bei uns lebenden Afghanen in Wechselwirkung tritt und was das gegebenenfalls f&uuml;r Folgen hat. Mir ist bewusst, dass das ein <em>Forschungsprogramm<\/em> ist, das wohl erst unter der neuen Regierung eine Chance hat, verwirklicht zu werden, da sich BMI, AA und BMVg bis dato beharrlich einem koordinierten Vorgehen verweigerten und den engen Zusammenhang von afghanischer Situation, dem Habitus der R&uuml;ckkehrer und der hierher Migrierten und die Fehleranalyse der deutschen Politik missachteten.<\/p><p>Das ist eine schwierige und frustrierende Situation. Wenn ich bei dem Prinzip bleibe, mich &uuml;ber die <em>Gesellschaft<\/em> der jetzigen Situation zu n&auml;hern, muss ich weiterhin <em>staatliches<\/em> Handeln, z.B. die Verhandlungen der EU und Deutschlands mit den nicht-anerkannten Taliban, ausklammern; ich wei&szlig; schon, wie wichtig die sind und welche gesellschaftlichen Auswirkungen sie haben <em>k&ouml;nnen<\/em>. Aber ich bin mir auch sicher, dass sie am Habitus der unterdr&uuml;ckten, hungernden, notleidenden und zukunftslosen Afghanen kurzfristig nichts &auml;ndern werden. Und dass die in Deutschland lebenden Afghanen, ob sie nun schon in der Diaspora mental angekommen sind oder nicht, dies wissen &ndash; und deshalb sowohl ihre irreparable und nicht umkehrbare R&uuml;ckbindung an eine verlorene Heimat als auch unsere deutsche R&uuml;ckbindung an die von uns im Stich gelassenen Menschen dort (nicht nur Ortskr&auml;fte) f&uuml;r l&auml;ngere Zeit das Verh&auml;ltnis zu und mit den Afghanen pr&auml;gen wird. Es gibt hier einen vielfach verknoteten Wechselbezug zwischen beiden Gruppen, den die Politik, also der Staat in diesem Fall, nicht kennenlernen will bzw. fast gewaltsam verdr&auml;ngt &ndash; weil sie sonst heftiger Kritik und eigenen Fehlern ein breites Glacis b&ouml;te. Bleibt dieser Diskurs aber im <em>kulturellen<\/em> Raum und in der <em>sozialen Integrationsdynamik<\/em> eingehegt, erfahren beide Seiten zwar die Wirkungen von Habitus und Hysteresis &ndash; was befriedigend und aufkl&auml;rend, oft aber auch schmerzhaft ist &ndash; doch ihre &Uuml;bersetzung ins Politische wird schwierig.<\/p><p><strong>&bdquo;Nur wer vergessen will, darf sich erinnern&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das ist auch schwierig f&uuml;r mich, vor allem wieder auf den Boden einer Realit&auml;t zu kommen, die von Politik wie Integration ungef&auml;hr gleich weit entfernt ist. Die Muster des Zusammenlebens der afghanischen Gefl&uuml;chteten lassen sich nicht bruchlos fortsetzen oder aus blo&szlig;em guten Willen ver&auml;ndern &ndash; anpassen oder desintegriert zu bleiben. Auch die staatlichen Ma&szlig;nahmen &ndash; karitativ und\/oder restriktiv &ndash; sind meist unverst&auml;ndlich &ndash; beileibe nicht nur f&uuml;r die Betroffenen. Und die Gew&ouml;hnung an diesen Zustand f&uuml;hrt zugleich zu dem, was ich seit Monaten bef&uuml;rchtet und dann unterbrochen hatte &ndash; dass Afghanistan in eine besondere Form des Vergessens ger&auml;t.<\/p><p>Dagegen hilft nur Praxis. Meinetwegen, mit Bourdieu, &bdquo;theoretische Praxis&ldquo; (Bourdieu 1994) und mit Hannah Arendt &bdquo;Handeln&ldquo; (Arendt 2002). Ich will das nur so weit ausf&uuml;hren, da weder Empathie oder eine ethische Norm unsere Praxis allein bestimmen k&ouml;nnen noch unser Handeln allein aus der Motivation oder einem &bdquo;korrekten&ldquo; Diskurs resultieren soll. Um etwas &uuml;ber das Leben der Afghanen bei uns zu wissen, damit wir mit ihnen kommunizieren k&ouml;nnen und etwas &bdquo;f&uuml;r sie&ldquo; und &bdquo;mit ihnen&ldquo; tun k&ouml;nnen, m&uuml;ssen wir sehr viel mehr <em>&uuml;ber uns im Kontext<\/em> wissen (nicht nur f&uuml;hlen oder ahnen, Intuition hat ihre Grenzen). Das gilt &uuml;brigens auch f&uuml;r diese Afghanen, die ohne ihre Flucht- und Asylgeschichten ja nicht hier w&auml;ren.<\/p><p>Auf diese Weise treten beide Gesellsch&auml;ften, beide L&auml;nder in einen konkreten politik- und kulturf&auml;higen Zusammenhang. Soweit das Programm.<\/p><p>F&uuml;r viele der hier lebenden Afghanen gilt auch und gerade der Satz meines Freundes Aron Bodenheimer: <em>&bdquo;Nur wer vergessen will, darf sich erinnern&ldquo;<\/em>. Dieser Satz gilt allgemein und je spezifisch. Hier geht es nicht nur um das Ged&auml;chtnis der Fluchtgeschichte und der Migrationsursachen und -gr&uuml;nde, sondern auch um das, was geschehen ist, damit diese Gr&uuml;nde zum Tragen kamen. Erst wenn wir die Rolle der Deutschen, der USA, der Intervenierenden, aber auch der afghanischen Kriegsherren, Regierungen, Mullahs etc. ausleuchten, wird klar, was vergessen werden kann. Aus diesem Wissen kann Integration entstehen, die sozusagen die modische Identit&auml;tsideologie &uuml;berwindet. Das ist notwendig, um zu verstehen, dass ja die Gefl&uuml;chteten ebenso wenig ein &bdquo;richtiges&ldquo; Leben verlassen oder auch mit sich gebracht haben, wie wir es leben.<\/p><p>Nachsatz Mitte Dezember: Ich kann die Ma&szlig;nahmen der neuen Bundesregierung, von denen einige nur indirekt bekannt werden, noch nicht einsch&auml;tzen, deshalb verliere ich noch kein wertendes Wort dazu. Man darf auf Verbesserungen hoffen, aber noch ist keine Zuversicht empirisch angezeigt. (Ernst Bloch. Hoffnung ist nicht Zuversicht).<\/p><p>Titelbild: alexreynolds\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Literatur:<\/strong><\/p><p>Arendt, H. (2002). Vita activa. M&uuml;nchen, Piper.<br>\nBeck, U. (1997): Was ist Glokalisierung? Frankfurt am Main, Suhrkamp (Referenzen zu Z. Bauman u.a.)<br>\nBourdieu, P. (1994). Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns. Frankfurt am Main, Suhrkamp.<br>\nBundesregierung (2010). Fortschrittsbericht Afghanistan. Berlin.<br>\nBundesregierung (2014). Fortschrittsbericht Afghanistan 2014. A. P. AA. Berlin, Bundesregierung.<br>\nDaxner, M. (2017): A Society of Intervention &ndash; An Essay on Conflicts in Afghanistan and other Military Interventions. Oldenburg, BIS.<br>\nDaxner, M. and R. C. Mann (2016). &ldquo;Veteranen &ndash; eine neue soziale Gruppe.&rdquo; &Ouml;sterreichische Milit&auml;rische Zeitschrift 54 (5\/2016): 624-633.<br>\nDaxner, M., M. N&auml;ser-Lather and S.-L. Nicola, Eds. (2018). Conflict Veterans. Newcastle, Cambridge Scholars Publishing.<br>\nDaxner, M. \/ H. Neumann (Hg. &ndash; 2012). Heimatdiskurs. Wie die Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr Deutschland ver&auml;ndern. Edition Politik. Bielefeld: transcript Verlag.<br>\nKeath, L. (2021): Aid official says Afghanistan&rsquo;s crises &lsquo;progressively getting worse&rsquo;. Associated Press vom 14.10.2021<br>\nM&uuml;nch, P. (2015): Resolute Support Light. Kabul, AAN.<br>\nSpanta, F. D. (2018). Neopatrimoniale Netzwerke in Afghanistan: Kulturelle und politische Ordnungsvorstellungen der afghanischen Eliten PhD, Free University (Dissertation)<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Fu&szlig;noten:<\/strong><\/p><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Zur Vorbereitung empfehle ich Daxner, M. (2017): A Society of Intervention &ndash; An Essay on Conflicts in Afghanistan and other Military Interventions Oldenburg, BIS sowie derselbe: &bdquo;Erst gesch&auml;tzt, dann die kalte Schulter gezeigt&ldquo;, NachDenkSeiten am 17.11.2021 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78061\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78061<\/a>. Unumg&auml;nglich ist &uuml;berdies die regelm&auml;&szlig;ige Lekt&uuml;re von Afghanistan Analysts Network (AAN) und Thomas Ruttigs zugeh&ouml;rigem Blog Afghanistan Zhaghdablai.<\/p><p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Der Begriff ist wichtiger als er scheint, zumal auch globale Politiken die Bodenhaftung immer erst lokal erfahren: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glokalisierung\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glokalisierung<\/a> (1.12.2021); ich f&uuml;hre den Begriff auf Zygmunt Bauman zur&uuml;ck.<\/p><p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Vgl. Tuazon, Bobby: AFGHANISTAN [OPINION] War-torn Afghanistan&rsquo;s future in the hands of Taliban. <a href=\"https:\/\/www.cenpeg.org\/2021\/09-SEP-2021\/War-torn_Afghanistans_future_in_the_hands_of_the_Taliban.html\">https:\/\/www.cenpeg.org\/2021\/09-SEP-2021\/War-torn_Afghanistans_future_in_the_hands_of_the_Taliban.html<\/a> (5.12.2021). Ich habe diesen Text ausgew&auml;hlt, gerade weil er nicht aus einer gebr&auml;uchlichen lokalen Medienquelle stammt. Analoge Texte gibt es zuhauf.<\/p><p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Vgl. <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/sorge-%C3%BCber-exekutionen-in-afghanistan\/a-60023941\">https:\/\/www.dw.com\/de\/sorge-%C3%BCber-exekutionen-in-afghanistan\/a-60023941<\/a> (5.12.2021)<\/p><p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Bundesregierung (2010). Fortschrittsbericht Afghanistan. Berlin. Bis hin zu Bundesregierung (2014): Fortschrittsbericht Afghanistan 2014. A. P. AA. Berlin, Bundesregierung. Danach geht es eher um die Folgen und das Auffangen des Abzugs der ISAF und die Gestaltung von &bdquo;Resolute Support&ldquo;. M&uuml;nch, P. (2015): Resolute Support Light. Kabul, AAN.<\/p><p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Aus vielen Quellen: 2014: <a href=\"https:\/\/slate.com\/news-and-politics\/2014\/09\/bamiyan-can-a-small-afghan-mountain-town-best-known-for-its-blown-up-buddhas-reinvent-itself-as-a-tourist-destination.html\">https:\/\/slate.com\/news-and-politics\/2014\/09\/bamiyan-can-a-small-afghan-mountain-town-best-known-for-its-blown-up-buddhas-reinvent-itself-as-a-tourist-destination.html<\/a>; 2018: <a href=\"http:\/\/www.aopnews.com\/travel\/bamiyan-hosts-famous-music-festival\/\">http:\/\/www.aopnews.com\/travel\/bamiyan-hosts-famous-music-festival\/<\/a> (alle 1.12.2021); noch 2019 wurde dar&uuml;ber ausf&uuml;hrlich berichtet, nicht nur im Westen: <a href=\"http:\/\/www.xinhuanet.com\/english\/2019-08\/25\/c_138337045.htm\">http:\/\/www.xinhuanet.com\/english\/2019-08\/25\/c_138337045.htm<\/a> (1.12.2021).<\/p><p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Das betone ich, denn es waren ja nicht die Amerikaner oder der &bdquo;Westen&ldquo; allein, es waren ja zuvor die Sowjets und vor ihnen noch die Briten, immer wieder und heute erneut die T&uuml;rken oder Chinesen. Gewiss: nach 2001 war der westliche Eintrag erheblich, nur dass Afghanistan eben nicht der Osten war und ist, weshalb auch Russland eher zum Westen z&auml;hlt.<\/p><p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.truewarriors.de\/\">https:\/\/www.truewarriors.de\/<\/a> (2.12.2021).<\/p><p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.hfs-berlin.de\/hochschule\/person\/homan-wesa\/\">https:\/\/www.hfs-berlin.de\/hochschule\/person\/homan-wesa\/<\/a> (2.12.2021).<\/p><p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/lexikon.stangl.eu\/20576\/hysteresis-effekt\">https:\/\/lexikon.stangl.eu\/20576\/hysteresis-effekt<\/a> (2.12.2021). Hier ist es angebracht, darauf hinzuweisen, wie sehr ich mich seit Jahren der Theorie von Bourdieu, vor allem in Bezug des Habitus unterdr&uuml;ckter Ethnien, verbunden f&uuml;hle (bei ihm war es vor allem Algerien, aber der Vergleich h&auml;lt). Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede, Frankfurt 1987 (Suhrkamp): original 1979.<\/p><p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Vgl. Keath, L. (2021) &ldquo;Aid official says Afghanistan&rsquo;s crises &lsquo;progressively getting worse&rsquo;.&rdquo; AP. Keath hat mehr wissenswerte Information &uuml;ber AP geteilt. Dieses ist nur ein Beispiel &ndash; typisch f&uuml;r die Selektivit&auml;t der Verarbeitung von Informationen und die Rechtfertigung daf&uuml;r, dass man dieses und jenes, aber nicht alles wissen kann.<\/p><p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Information und Spendenaufruf von Pro Asyl, Dezember 2021 (F&ouml;rderverein), offenbar gezielt f&uuml;r bereits bekannte SpenderInnen. Hier ergibt sich eine wichtige Frage, die ich noch behandle: wieweit werden diese Informationen mit afghanischen Menschen im Umfeld der Spender geteilt? &Uuml;ber die Situation in Afghanistan erf&auml;hrt man neben AAN und anderen Medien auch kurzzeitig retro viel von den in beiden L&auml;ndern aktiven Hilfsvereinen, wie z.B. dem Afghanischen Frauenverein e.V.: Afghanistan: Ihre Hilfe wirkt (Hamburg 2021).<\/p><p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Vgl. Esther Slevogt: Ein Schauspieler aus Afghanistan &uuml;ber die aktuelle Situation in seinem Land: Unvorstellbare Gefahr <a href=\"https:\/\/nachtkritik.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=19866:interview-ein-schauspieler-aus-afghanistan-ueber-die-aktuelle-situation-in-seinem-land&amp;catid=53:portraet-a-profil&amp;Itemid=83\">https:\/\/nachtkritik.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=19866:interview-ein-schauspieler-aus-afghanistan-ueber-die-aktuelle-situation-in-seinem-land&amp;catid=53:portraet-a-profil&amp;Itemid=83<\/a> (4.12.2021). Ich habe dies ausgew&auml;hlt, weil die Kommentare bereits &uuml;berleiten zum Problem der Verarbeitung der Situation in Deutschland.<\/p><p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/wehrbeauftragter\/20211013-zapfenstreich-865618\">https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/wehrbeauftragter\/20211013-zapfenstreich-865618<\/a> (4.12.2021)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><em><strong>Es muss darum gehen, dass dieses Land nicht in eine besondere Form des Vergessens ger&auml;t.<\/strong><\/em> Noch bis zum Sommer dieses Jahres schien es so, als sei Afghanistan bei den meisten Deutschen in Vergessenheit geraten. Dann wendete sich j&auml;h das Blatt, als die Taliban Mitte August nach vorangegangenen verheerenden Niederlagen der staatlichen afghanischen Sicherheitskr&auml;fte (Polizei und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79280\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":79281,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[165,161],"tags":[351,2357,1055,753,2175,305,466,3109,1556,2360],"class_list":["post-79280","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-wertedebatte","tag-afghanistan","tag-diaspora","tag-fluechtlinge","tag-integration","tag-interventionspolitik","tag-menschenrechte","tag-nato","tag-taliban","tag-usa","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/shutterstock_614199884.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79280","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=79280"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79280\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":79288,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79280\/revisions\/79288"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/79281"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=79280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=79280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=79280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}