{"id":79316,"date":"2021-12-29T09:00:31","date_gmt":"2021-12-29T08:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79316"},"modified":"2021-12-29T11:54:34","modified_gmt":"2021-12-29T10:54:34","slug":"myanmar-daw-aung-suu-kyi-und-die-revolution-teil-13-die-fruehen-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79316","title":{"rendered":"Myanmar, Daw Aung Suu Kyi und die Revolution &#8211; Teil 1\/3: Die fr\u00fchen Jahre"},"content":{"rendered":"<p>Am 19. Juli 1947, sechs Monate bevor Myanmar in die Unabh&auml;ngigkeit entlassen wurde, leitete Aung San, der stellvertretende Vorsitzende des Exekutivrats des britischen Gouverneurs und damit De-facto-Regierungschef, gerade eine Sitzung in der damaligen burmesischen Hauptstadt Rangun. Aufst&auml;ndische Soldaten st&uuml;rmten den Sitzungssaal und erschossen neun der Kabinettsmitglieder, darunter auch Aung San, den Ehemann von Khin Kyi. Er hinterlie&szlig; drei Kinder, darunter die sp&auml;tere Staatsr&auml;tin und Regierungschefin von Myanmar, die damals erst zweij&auml;hrige Aung Suu Kyi. Der Sozialist U Nu &uuml;bernahm den Posten von Aung San als Premierminister. Der Anf&uuml;hrer des Todeskommandos wurde gefasst und geh&auml;ngt.  Von <strong>Marco Wenzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn den Kriegswirren hatte Aung San eine kleine Gruppe von Gegnern der britischen Kolonialmacht mit dem Ziel um sich geschart, die Briten aus Burma zu vertreiben und einen unabh&auml;ngigen Staat zu gr&uuml;nden. Legend&auml;r wurde die Gruppe von M&auml;nnern als die &bdquo;Drei&szlig;ig Kameraden&ldquo;. Die Drei&szlig;ig Kameraden wurden die V&auml;ter der burmesischen Unabh&auml;ngigkeit und Gr&uuml;nder der Armee, die sp&auml;ter zu den unseligen Tatmadaw verkommen und einen eigenen Staat im Staat bilden sollten. Dazu mehr weiter unten.<\/p><p>Zuerst wandten die Drei&szlig;ig Kameraden sich an Japan, das unter der Parole &bdquo;Asien den Asiaten&ldquo; dasselbe Ziel wie die burmesischen Patrioten, n&auml;mlich die Vertreibung der englischen Kolonialmacht aus Asien, zu verfolgen schien. Die Japaner erkannten ihre Chance, bildeten die Kameraden in Japan milit&auml;risch aus und unterst&uuml;tzten sie mit Waffen. Zusammen mit den Japanern r&uuml;ckten die Drei&szlig;ig Kameraden unter Aung San mit einer kleinen Armee Anfang 1942 in Burma ein und vertrieben die Engl&auml;nder aus Burma. <\/p><p>Als sich aber herausstellte, dass Japan in Burma ein faschistisches Marionettenregime errichten wollte und, nach der Vertreibung der Briten, keineswegs gewillt war, Burma den Burmesen zu &uuml;berlassen, wandten Aung San und seine Kameraden sich an die Alliierten, erkl&auml;rten Japan den Krieg und zusammen gelang es ihnen, Japan wieder aus Burma zu vertreiben. <\/p><p>Der Mord an Aung San sechs Monate vor der Unabh&auml;ngigkeit Burmas war f&uuml;r Burma ein herber R&uuml;ckschlag, weil Aung San die wichtigste Integrationsfigur war. Im Februar 1947, f&uuml;nf Monate vor seinem Tod, hatte er in einer Konferenz in Panlong, im Shan-Staat des heutigen Myanmar, ein Abkommen mit den ethnischen Minderheiten der Shan, Kachin und Chin unterzeichnet, das ihnen ihre Rechte in einem zuk&uuml;nftigen f&ouml;deralen Staat garantierte. Ein erster wichtiger Schritt f&uuml;r die Integration der etwa 135 verschiedenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_ethnischen_Gruppen_in_Myanmar\">ethnischen Gruppen<\/a> in einem sp&auml;teren f&ouml;deralen burmesischen Staat.  Aung San war einer der Wenigen, denen die Minderheiten vertrauten. Der f&ouml;derale Staat wurde nie Wirklichkeit und die, oft bewaffneten, Auseinandersetzungen der ethnischen Gruppen mit der von den Bamar kontrollierten Zentralregierung, der gr&ouml;&szlig;ten Ethnie in Burma, begannen Ende 1949 und dauern bis heute an. <\/p><p>Am 4. Januar 1948 wurde Burma in die Unabh&auml;ngigkeit entlassen und es schloss sich bis zum Milit&auml;rputsch von 1962 eine demokratische Phase an, mit sozialistischen und buddhistischen Leitmotiven, allerdings stets unter der Vorherrschaft der Bamar, der auch Aung Suu Kyi angeh&ouml;rt. <\/p><p>Wir wollen hier 40 Jahre &uuml;berspringen. Wir m&ouml;chten nur erw&auml;hnen, dass Aung San Suu Kyi, so ihr voller Name, in Indien aufwuchs, wo ihre Mutter als Botschafterin t&auml;tig war, und dass sie sp&auml;ter in Oxford studierte. Von 1969 bis 1971 arbeitete sie im UN-Sekretariat in New York. 1972 heiratete sie den englischen Tibetforscher Michael Aris und zog mit ihm wieder nach Oxford. Die beiden haben zwei S&ouml;hne.  1985 bis 1986 studierte Aung Suu Kyi in Kyoto, Japan, und zog danach mit ihrem Mann nach Nordindien, wo Aris eine Anstellung an der Universit&auml;t von Simla bekommen hatte.  1999 verstarb Michael Aris in England. <\/p><p><strong>Burma in den 1980er Jahren<\/strong><\/p><p>Die Kommunistische Partei Burmas, die zusammen mit Aung Sans &bdquo;Partei gegen den Faschismus&ldquo; (AFPPL) erst gegen die Briten und dann gegen die Japaner f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit gek&auml;mpft hatte, wurde 1948 verboten. Sie ging in den Untergrund und f&uuml;hrte seither den bewaffneten Kampf gegen die Regierung in Rangun. Aung San war einst eines der Gr&uuml;ndungsmitglieder der CPB gewesen. Die CPB setzte sich vornehmlich im Nordosten Burmas fest, wo sie von der chinesischen KPCH unterst&uuml;tzt und mit Waffen versorgt wurde.  Ziel war es, gem&auml;&szlig; der maoistischen Strategie, erst einmal das Land zu gewinnen und dann die St&auml;dte zu erobern, irgendwann einmal von dort &uuml;ber Zentralburma nach Rangun vorzusto&szlig;en, Rangun einzunehmen und die Regierung zu st&uuml;rzen. Erst 1989 zerfiel die CPB, nach einem Putsch gegen die Parteif&uuml;hrung, in einzelne Gruppen. <\/p><p>Auch die ethnischen Gruppen, deren Zusagen auf Autonomie nach dem Tod von Aung San nicht eingehalten wurden, griffen 1949 zu den Waffen. Ihre Forderungen waren, je nachdem, eine gr&ouml;&szlig;ere Autonomie oder die Unabh&auml;ngigkeit. Je nach aktueller Lage bildeten sie Allianzen untereinander oder bek&auml;mpften sich auch gegenseitig, einige schlossen auch zeitweilige Abkommen mit dem Milit&auml;r. Vor allem aber bauten sie zur Finanzierung ihrer Waffenk&auml;ufe und ihrer Guerillaaktionen den Opiumanbau und sp&auml;ter die Herstellung von Heroin aus. Die Grenzen zwischen Freiheitsk&auml;mpfern und Drogenbaronen, die nur f&uuml;r die eigene Tasche wirtschafteten und mit dem Freiheitskampf nichts am Hut hatten, wurden zunehmend flie&szlig;end und auch die CPB verdiente mit am Drogenhandel.<\/p><p>Burma wurde seit den 1960er Jahren zum gr&ouml;&szlig;ten Exporteur von Heroin weltweit. Die Heroinfabriken an den Grenzen zu Thailand und China waren gut organisiert und wurden von eigenen Armeen gesch&uuml;tzt. Der Drogenbaron Khun Sa z.B. verf&uuml;gte in den 1980er Jahren &uuml;ber eine Armee von &uuml;ber zwanzigtausend Soldaten zum Schutz seines Territoriums und seiner Heroinfabriken. Khun Sa war nicht der einzige, wenn auch vielleicht der bekannteste Drogenbaron mit eigener Armee in der Region. Legend&auml;r wurde das &bdquo;goldene Dreieck&ldquo;, im Dreil&auml;ndereck von Laos, Thailand und Burma gelegen, wo die Heroinfabriken sich auf burmesischem Boden befanden, die Exportrouten durch Thailand nach Bangkok gingen oder &uuml;ber Laos und China nach Saigon und Hong Kong und von dortaus die Drogen jeweils tonnenweise in alle Welt verschifft wurden. Bangkok, Hong Kong und Saigon, das heutige Ho Chi Minh City, wurden zu den gr&ouml;&szlig;ten Umschlagpl&auml;tzen f&uuml;r Heroin weltweit, die Drogen wurden mit Konvois, gesch&uuml;tzt durch bestechliche Beamte, tonnenweise &uuml;ber den Landweg zu den H&auml;fen transportiert. <\/p><p>Im Vietnamkrieg war sch&auml;tzungsweise ein Viertel aller amerikanischen Soldaten heroins&uuml;chtig, das Heroin wurde von H&auml;ndlern sogar direkt in die Kasernen geliefert. Zu Hause dann war der Kampf gegen die vietnamesischen Kommunisten zwar vorbei, die Heroinabh&auml;ngigkeit aber blieb und das Heroin kam weiterhin aus dem goldenen Dreieck bis nach New York und Chicago. Heute hat die Drogenproduktion in Myanmar immer noch Hochkonjunktur, sie wurde aber auf Amphetaminpillen (Ya Ba) umgestellt und beliefert jetzt vornehmlich den asiatischen Markt. Und der Erl&ouml;s dient nicht mehr nur allein dem Waffenkauf f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit, sondern der Finanzierung ganzer Unternehmen in Immobilien, Bergbau, Hoch- und Tiefbau usw. Gangstersyndikate haben l&auml;ngst den Markt &uuml;bernommen. Und, wie k&ouml;nnte es auch anders sein, die Tatmadaw verdient mit. Ohne den Sturz der Tatmadaw und die Einbeziehung der ethnischen Gruppen in eine f&ouml;derale Republik Myanmar wird das Drogenproblem im goldenen Dreieck und in den von den Aufst&auml;ndischen kontrollierten Gebieten niemals zu l&ouml;sen sein. Alle L&auml;nder in der Region haben heute ein immenses Drogenproblem, es w&auml;re auch in ihrem Interesse, wenn Myanmar geeinigt und eine zivile Regierung bekommen w&uuml;rde. <\/p><p>Im Jahre 1962 &uuml;bernahm das Milit&auml;r durch einen Putsch die Macht und bis 2016 hatte Burma keine Zivilregierung mehr. (Inwieweit man aber &uuml;berhaupt von einer &bdquo;Zivilregierung&ldquo; sprechen kann, dazu mehr in Teil 2 &amp; 3). Das Milit&auml;r herrscht seit 60 Jahren ununterbrochen in Myanmar, damals noch Burma. Das Milit&auml;r gab vor, einen &bdquo;sozialistischen Staat&ldquo; aufzubauen, in Wirklichkeit verfolgte es seine eigenen wirtschaftlichen Interessen und baute seine Macht aus. Es schottete das Land von der Au&szlig;enwelt ab und machte aus dem einst reichsten Staat in S&uuml;dostasien ein Armenhaus. Das Milit&auml;r entwickelte sich zu einem Staat im Staat, gleich einer Besatzungsarmee im eigenen Land. Es sonderte sich von der Bev&ouml;lkerung ab und lebt heute in einer eigenen Welt mit Privilegien, die nur f&uuml;r sie gelten. Eine Demokratie in Burma w&auml;re das Ende der Tatmadaw und ihres Imperiums auf Kosten der Bev&ouml;lkerung. Seit 1949 herrscht in Burma ununterbrochen B&uuml;rgerkrieg. Die Bev&ouml;lkerung Burmas protestierte bei unz&auml;hligen Gelegenheiten gegen die Milit&auml;rjunta und wurde immer wieder mit brutaler Gewalt geschlagen. <\/p><p><strong>R&uuml;ckkehr nach Burma<\/strong><\/p><p>Die politische Karriere von Suu Kyi begann im Jahre 1988, als sie im April nach Burma zur&uuml;ckkehrte, um ihre Mutter nach einem Schlaganfall zu pflegen. Burma befand sich 1988 in einer turbulenten Phase. Der Unmut der Bev&ouml;lkerung gegen die Tatmadaw war gerade am Hochkochen.<\/p><p>Im September 1987 hatte die Milit&auml;rjunta &uuml;ber Nacht per Dekret die 25-, 35- und 75-Kyat-Geldscheine f&uuml;r ung&uuml;ltig erkl&auml;rt und sie durch neue Geldscheine von 45 und 90 Kyat ersetzt. Ein Umtauschrecht bestand nicht. Damit waren &uuml;ber Nacht mehr als die H&auml;lfte der sich im Umlauf befindlichen Geldscheine wertlos. Am meisten betroffen waren die armen Leute, darunter auch die Studenten, die gerade zu der Zeit ihre Studiengeb&uuml;hren zahlen mussten und nun wertloses Geld in der Tasche hatten. <\/p><p>Schon die ungew&ouml;hnlichen Geldscheine von 35 und 75 Kyat waren das Ergebnis des Aberglaubens von Ne Win, dem Putschisten von 1962, der noch immer Vorsitzender der Regierungspartei BSPP (Burmese Socialist Programme Party) war und der bereits die 100-Kyat-Scheine abgeschafft hatte. Die Einf&uuml;hrung der ungew&ouml;hnlichen Noten von 45 und 90 Kyat geschah deshalb, man glaubt es kaum, weil sein Wahrsager und &bdquo;Hofastrologe&ldquo; ihm gesagt hatte, die Neun sei seine pers&ouml;nliche Gl&uuml;ckszahl und weil sowohl 45 als auch 90 durch neun teilbar sind. <\/p><p>Am 12. M&auml;rz 1988 gerieten Studenten aus nichtigem Anlass in einer Schl&auml;gerei in einer Teestube in Rangun mit betrunkenen G&auml;sten aneinander. Es wurde Strafanzeige gestellt und die Polizei nahm die Schl&auml;ger fest. Es stellte sich heraus, dass einer der Beschuldigten, die die Schl&auml;gerei provoziert hatten, der Sohn des von der Regierung ernannten Vorsitzenden des &bdquo;Volksrates&ldquo; war. Die Studenten zogen daraufhin zum Amtssitz des Volksrates. Milit&auml;r zog auf und schoss auf die Studenten. Mehrere Studenten wurden verwundet und mindestens ein Student get&ouml;tet. Das war der Tropfen, der das Fass zum &Uuml;berlaufen brachte. Am 18. M&auml;rz protestierten Tausende in den Stra&szlig;en von Rangun gegen die Junta. <\/p><p>Die Junta reagierte mit massiver Gewalt und kn&uuml;ppelte die Demonstration nieder. Mindestens 42 junge Leute starben. Aber die Protestaktionen gingen weiter. Am 23. Juli erkl&auml;rte Ne Win seinen R&uuml;cktritt als Parteichef der BSPP. Am 1. August riefen die Studenten zum Generalstreik auf, der am 8. August 1988 um 8 Uhr und 8 Minuten begann.  (8-8-88) Und wieder gingen tausende Menschen auf die Stra&szlig;e und forderten die Wiederherstellung der Demokratie von vor 1962. Die Demonstrationen breiteten sich im ganzen Land aus. Erneut schoss das Milit&auml;r in die Menschenmenge und t&ouml;tete unz&auml;hlige Demonstranten. Erst am 13. August wurde das Morden beendet. Das Volk lie&szlig; sich nicht beeindrucken und rief einen neuen Generalstreik f&uuml;r den 25. August aus. Diesmal nahmen Millionen von Menschen an den Demonstrationen teil. <\/p><p>Die gr&ouml;&szlig;te Kundgebung fand am 26. August statt und hier hielt Aung Suu Kyi ihre erste Rede. Sie musste sich zu Fu&szlig; den Weg durch die Menschenmenge bahnen. Auf der Rednertrib&uuml;ne hing ein gro&szlig;es Portrait ihres Vaters, des Nationalhelden Aung San, der alles verk&ouml;rperte, was Burma h&auml;tte werden k&ouml;nnen ohne den Putsch von 1962. Niemand kannte Suu Kyi bisher, man wusste nur, wessen Tochter sie war.  Suu Kyi begann zu sprechen und eroberte im Nu die Herzen der Anwesenden. Ab diesem Tag hatte die Demokratiebewegung in Burma ein gewaltiges Sprachrohr und eine neue Anf&uuml;hrerin.  <\/p><p>Die Streik- und Protestbewegung, die am 8. August begonnen hatte, endete am 18. September in einem erneuten Blutbad. Die Junta wechselte einige Personen aus, nannte sich fortan SLORC (State Law and Order Restoration Council) und regierte weiter unter Kriegsrecht. Das Ausland reagierte entsetzt, verurteilte das Massaker und viele L&auml;nder brachen ihre Beziehungen zu Burma ab. Aber au&szlig;er Worth&uuml;lsen kam keine konkrete Hilfe aus dem Ausland f&uuml;r die junge Protestbewegung. China und Russland blockierten eine Verurteilung Burmas im UN-Sicherheitsrat. <\/p><p>Sowohl die Kommunistische Partei als auch die ethnischen Gruppen hatten von den Unruhen in Rangun nur wenig mitbekommen und hatten auch nicht eingegriffen. Sie waren viel zu sehr mit ihren eigenen K&auml;mpfen untereinander sowie mit ihren (Drogen-)Gesch&auml;ften besch&auml;ftigt. Die Ereignisse im fernen Rangun interessierten sie kaum. Ausgerechnet in den Wochen der Demonstrationen in Rangun hatten sie ihre Gefechte mit der Junta eingestellt, dabei h&auml;tte ihr Eingreifen entscheidend zum Sturz der Junta beitragen k&ouml;nnen. 1988 stand das Regime vor der gr&ouml;&szlig;ten Herausforderung, seit es sich 1962 an die Macht geputscht hatte. <\/p><p>Kurz darauf, am 24. September 1988, wurde die NLD gegr&uuml;ndet, Suu Kyi wurde Generalsekret&auml;rin.  Sie bereiste zwischen Oktober 1988 und Juli 1989 ganz Burma und hielt in allen St&auml;dten und D&ouml;rfern unterwegs Reden vor begeisterten Menschenmengen. Das wiederum beunruhigte die Junta, sodass Suu Kyi am 20. Juli 1989 verhaftet und unter Hausarrest gestellt wurde. Zeitgleich wurden zahlreiche F&uuml;hrungskader der NLD verhaftet und ins Gef&auml;ngnis gesteckt. <\/p><p>Nach der Niederschlagung der Proteste am 18. September hatte das Regime freie Wahlen angek&uuml;ndigt und versprochen, die Macht an die Partei abzugeben, die gewinnen w&uuml;rde. Jetzt, nachdem die NLD besiegt und ihre Anf&uuml;hrerin unter Hausarrest stand, begann das SLORC mit der Vorbereitung der Wahlen, die es ohne nennenswerte Opposition zu gewinnen hoffte.<\/p><p>Die Junta beherrschte die Medien, die Zeitungen, das Radio und das Fernsehen. Die ersten freien Wahlen seit 1962 fanden im Mai 1990 statt. Das SLORC aber hatte den Hass gegen die Junta in der Bev&ouml;lkerung untersch&auml;tzt und die Menschen w&auml;hlten mit &uuml;berw&auml;ltigender Mehrheit die NLD und andere mit ihr verb&uuml;ndete Parteien in den ethnischen Gebieten. Die Wahl war ein Referendum gegen die Milit&auml;rdiktatur.  <\/p><p>Nat&uuml;rlich dachte das SLORC jetzt nicht im Traum daran, wie versprochen die Macht an eine Zivilregierung abzugeben. Stattdessen behauptete es, zuerst m&uuml;sse eine Verfassung ausgearbeitet werden und bis dahin w&uuml;rde das SLORC die Regierung weiterf&uuml;hren.  Die Kandidaten der NLD wurden inhaftiert und die Wahlergebnisse wurden ignoriert. Die Reaktion der NLD darauf war aufgrund ihrer Politik des gewaltlosen Protestes entsprechend schwach. Sie verabschiedete blo&szlig; eine Resolution, in der sie das SLORC aufforderte, zur&uuml;ckzutreten, in einen Dialog einzutreten und die Macht an eine Zivilregierung abzugeben. Das SLORC aber dachte nicht an einen Dialog und setzte seine Macht auf bew&auml;hrte Art und Weise mit den Gewehrl&auml;ufen durch.<\/p><p>Am 8. August, dem zweiten Jahrestag des Aufstandes von 1988, gingen die M&ouml;nche auf die Stra&szlig;e. Das Milit&auml;r verpr&uuml;gelte sie, woraufhin die M&ouml;nche die Annahme von Almosen von den Angeh&ouml;rigen des Milit&auml;rs verweigerten.  Das kam in dem tief religi&ouml;sen buddhistischen Burma einer Exkommunikation gleich. Denn nach buddhistischem Glauben wird nicht der Empf&auml;nger von Almosen beschenkt, sondern er gibt dem Spender Gelegenheit, Gutes zu tun, um damit sein Karma zu verbessern und irgendwann dem Zyklus der Wiedergeburten zu entrinnen und ins Nirwana zu kommen. Darum ziehen in buddhistischen L&auml;ndern die M&ouml;nche jeden Morgen in aller Fr&uuml;he mit ihrer Bettelschale durch die Stra&szlig;en. Die gl&auml;ubigen Buddhisten legen etwas Essbares, meist ein paar L&ouml;ffel Reis, in die Bettelschale und verbessern damit ihr Karma. Nicht der Empf&auml;nger, sondern der Gebende wird so begl&uuml;ckt. Ein M&ouml;nch kann niemanden schlimmer bestrafen als dadurch, dass er die Annahme des Almosens verweigert. <\/p><p>Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass das Milit&auml;r gegen die M&ouml;nche vorgehen w&uuml;rde, aber das Milit&auml;r st&uuml;rmte im Oktober 1990 alle Kl&ouml;ster, die gegen das Milit&auml;r waren, und verhaftete die M&ouml;nche. Viele wurden ins Gef&auml;ngnis geworfen, andere ermordet. Auch Abgeordnete der NLD f&uuml;r das Parlament, das nie zusammentreten konnte, wurden verhaftet und eingesperrt. Ende Oktober 1990 war das Ende der Demokratiebewegung besiegelt. Es sollte bis 2007 dauern, bis sich wieder Massenproteste zeigten. <\/p><p>Am 18. Juni 1989 wurde Birma in Myanmar und die Hauptstadt Rangun in Yangon umbenannt. Suu Kyi verbrachte von den 21 Jahren zwischen Juli 1989 und November 2010 insgesamt 15 Jahre unter Hausarrest.  Die internationale Gemeinschaft wollte ein Zeichen setzen und 1991 bekam Aung Suu Kyi den Friedensnobelpreis. Die Milit&auml;rjunta n&auml;herte sich, geschm&auml;ht vom Westen, immer mehr an China an, das Land blieb weiterhin abgeschottet unter einer Milit&auml;rdiktatur.<\/p><p>Titelbild: Kyaw Pyae Lwin\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19. Juli 1947, sechs Monate bevor Myanmar in die Unabh&auml;ngigkeit entlassen wurde, leitete Aung San, der stellvertretende Vorsitzende des Exekutivrats des britischen Gouverneurs und damit De-facto-Regierungschef, gerade eine Sitzung in der damaligen burmesischen Hauptstadt Rangun. Aufst&auml;ndische Soldaten st&uuml;rmten den Sitzungssaal und erschossen neun der Kabinettsmitglieder, darunter auch Aung San, den Ehemann von Khin Kyi.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79316\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":79317,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20],"tags":[3033,912,282,1092,3024,2177,2875,2991],"class_list":["post-79316","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","tag-aung-san-suu-kyi","tag-buergerkrieg","tag-buergerproteste","tag-drogen","tag-ethnische-minderheiten","tag-militaerdiktatur","tag-myanmar","tag-unabhaengigkeitsbewegungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/211229_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79316","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=79316"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79316\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":79396,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79316\/revisions\/79396"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/79317"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=79316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=79316"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=79316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}