{"id":79323,"date":"2021-12-30T09:00:43","date_gmt":"2021-12-30T08:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79323"},"modified":"2021-12-30T12:24:23","modified_gmt":"2021-12-30T11:24:23","slug":"myanamar-daw-aung-suu-kyi-und-die-revolution-teil-23-unter-hausarrest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79323","title":{"rendered":"Myanmar, Daw Aung Suu Kyi und die Revolution &#8211;  Teil 2\/3: Unter Hausarrest"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Kulturrevolution und dem Tod von Mao Tse Tung &uuml;bernahm, nach einer kurzen Amtszeit von von Hua Guofeng, Deng Xiao Ping die F&uuml;hrung der KPCh. Gem&auml;&szlig; seiner Theorie, dass es egal ist, ob die Katze wei&szlig; oder schwarz ist, Hauptsache, sie f&auml;ngt M&auml;use, trat die kommunistische Ideologie zugunsten einer pragmatischen Wirtschaftspolitik in den Hintergrund. Deng wollte &bdquo;erst einmal einige Wenige reich werden lassen&ldquo; und st&auml;rkte die Privatinitiative in der Wirtschaft, indem er den Privatbesitz an Produktionsmitteln zulie&szlig;. Anfang der 1980er Jahre nahm die chinesische F&uuml;hrung offizielle Kontakte zur Junta in Burma auf. Zur gleichen Zeit strich Peking der CPB die direkten Zuwendungen. Von <strong>Marco Wenzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Lesen Sie dazu auch Teil 1: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79316\">Die fr&uuml;hen Jahre<\/a><\/em><\/p><p>Die CPB, die 1949 in den Untergrund gegangen war und die Zentralregierung bek&auml;mpfte, wurde bis Ende der 1970er Jahre von der KPCh sowohl ideologisch unterst&uuml;tzt als auch mit Ausr&uuml;stung und Waffen versorgt. Etwa ein Viertel der Einnahmen der CPB kam direkt aus China und die H&auml;lfte ihrer Einnahmen insgesamt stammten aus Z&ouml;llen, die sie aus dem schwarzen Grenzhandel mit China erhoben. Diese Einnahmen fielen nun weg, da China selber nun offizielle Grenz&uuml;berg&auml;nge mit Burma &ouml;ffnete und die Z&ouml;lle selber erhob. Die CPB war pl&ouml;tzlich auf sich allein gestellt und musste sich ihre Geldmittel selber beschaffen. <\/p><p>Etwa 80 Prozent der Opiumplantagen im Nordosten Burmas lagen in Gebieten, die die CPB kontrollierte. Die CPB, die den Opiumanbau bisher immer tendenziell unterdr&uuml;ckt hatte und alternativen Anbau von Getreiden unterst&uuml;tzte, stieg nun selber in den Opiumhandel ein, eine eher unorthodoxe Art der Geldbeschaffung f&uuml;r eine kommunistische Partei. Sie verlangte nun von den Bauern 20 Prozent des geernteten Opiums als Abgabe und besteuerte zus&auml;tzlich den Opiumhandel auf den M&auml;rkten in ihrem Herrschaftsbereich und dessen Verkauf nach drau&szlig;en. Bald schon stapelte sich das Opium tonnenweise in den Lagerhallen der PCB. Von dort wurde es, anfangs noch meist noch mit Muli-Karawanen, durch unwegsames Gel&auml;nde zu den s&uuml;dlich gelegenen Heroinlabors im Goldenen Dreieck gebracht und verkauft. Die Karawanen umfassten oft Dutzende von Tieren, die Karawanen waren schwer bewacht. Die Heroinlabors wiederum wurden von lokalen Drogenbaronen betrieben, die im Goldenen Dreieck bereits seit Langem das Gesch&auml;ft betrieben und ausl&auml;ndische Chemiker zur Heroinproduktion eingeflogen hatten. Das Heroin aus dem Goldenen Dreieck galt unter S&uuml;chtigen als besonders rein und von hoher Qualit&auml;t. Das letzte Stadium der Produktion f&uuml;r Heroin IV ist besonders anspruchsvoll und bei falscher Handhabung fliegt das ganze Labor in die Luft. Nichts f&uuml;r Amateurchemiker.<\/p><p>Um den beschwerlichen und gef&auml;hrlichen Transport zu vereinfachen, erlaubte die CPB den Drogenbaronen bald, auf ihrem Gebiet eigene Labore zu betreiben, und verlangte daf&uuml;r &bdquo;Schutzgeld&ldquo;.  Da man f&uuml;r die Herstellung von 1kg Heroin ungef&auml;hr 10 kg Opium braucht, verringerte sich so das Gewicht der Waren, die transportiert werden mussten. An der Grenze zu China, wo die CPB ihr Hauptquartier hatte, florierte das Gesch&auml;ft. Aus ehemaligen kleinen D&ouml;rfern wurden mittelgro&szlig;e St&auml;dte mit eigenen Elektrizit&auml;tswerken und eigener Infrastruktur. In diesen St&auml;dten gab es riesige Spielcasinos und Bordelle. Daf&uuml;r verfiel die Moral der F&uuml;hrung der CPB und anstatt den Ideen Mao Tse-tungs widmeten sie sich ihren krummen Gesch&auml;ften. 1989 meuterten die einfachen Parteisoldaten und die CPB zerfiel in vier kleine Gruppen, die bald von den ethnischen Gruppen in der Region aufgesogen wurden. Die F&uuml;hrung ging nach China, wo die KPCh ihnen Exil und eine kleine Rente angeboten hatte, unter der Bedingung, dass sie sich nicht mehr politisch bet&auml;tigen. <\/p><p>Der Opiumanbau und -handel ging allerdings unvermindert weiter, lokale Gangster &uuml;bernahmen nun das Gesch&auml;ft vollends. Zudem hinterlie&szlig;en die Kommunisten gro&szlig;e Lagerbest&auml;nde an Waffen, Munition und Fahrzeugen aller Art, die sie im Laufe der Zeit von den Chinesen bekommen hatten. Chinesische Gangstersyndikate &uuml;bernahmen im Lauf weniger Monate die Reste der CPB und wurden die bestbewaffnetesten Drogensyndikate der Welt. Mit diesen Warlords schloss die Junta jetzt Abkommen, versprach ihnen freie Hand und gab ihnen die Erlaubnis, die Stra&szlig;en Burmas f&uuml;r ihre Drogentransporte zu nutzen, wenn sie daf&uuml;r die aufst&auml;ndischen Rebellen in Schach halten w&uuml;rden. <\/p><p>So schaffte sich die Milit&auml;rdiktatur in Rangun ihre Gegner im Nordosten vom Hals, deren Gebiete sie sowieso niemals kontrollierten, von denen aus sie aber immer wieder milit&auml;risch angegriffen wurden. Und nachdem die Oppositionellen von 1988 in Rangun nun entweder ermordet waren oder im Gef&auml;ngnis sa&szlig;en, die NLD geschw&auml;cht war und Suu Kyi unter Hausarrest stand, konnte die Junta ihre Herrschaft &uuml;ber S&uuml;dburma, das Irawadi-Delta und die Zentralregion festigen und sich ihren eigenen Gesch&auml;ften widmen, die sie &uuml;ber ihre Firmen MEHL und MEC kontrollierten. Und das waren und sind bis heute nicht wenige. Die Gesch&auml;fte der Junta gehen &uuml;ber Bergbau, Hoch- und Tiefbau, Transportunternehmen, Bierbrauereien, Zigarettenfabriken, eigene Banken, eine eigene Schifffahrtslinie, Tourismusindustrie usw. Es gibt keinen Wirtschaftszweig, in dem das Milit&auml;r nicht &uuml;ber eigene Firmen beteiligt w&auml;re, und es gibt keinen Investor aus dem Ausland, der an der Junta vorbei Gesch&auml;fte machen k&ouml;nnte. <\/p><p><strong>Die neue Verfassung und der Fahrplan zur Demokratie<\/strong><\/p><p>Nach der 88er Revolution war das Regime in Burma unter st&auml;ndigem Druck des Westens, demokratische Reformen durchzuf&uuml;hren als Vorbedingung f&uuml;r Handels- und Wirtschaftsbeziehungen und politische Anerkennung. Das Regime, dem als einzige &bdquo;Freunde&ldquo; fast nur noch China und Russland blieben, wollte sich aber nicht allzu sehr an China allein binden und damit erpressbar werden. Das Regime beschloss, sich einen demokratischen Anschein zu geben.<\/p><p>Am 9. Januar 1993 wurde ein Nationalkonvent einberufen, um die Grundz&uuml;ge einer neuen Verfassung zu erarbeiten. Bereits das Komitee zur Einberufung des Nationalkonvents setzte sich haupts&auml;chlich aus Milit&auml;roffizieren und handverlesenen Regierungsbeamten zusammen. Die NLD wurde 1995 von der Nationalen Versammlung ausgeschlossen. Im Mai 1996 verhaftete die Junta &uuml;ber 500 Funktion&auml;re, Politiker und Anh&auml;nger der NLD. Danach wurde der Nationalkonvent erst einmal ausgesetzt. Aung Suu Kyi wurde in den 21 Jahren von 1989 bis 2010 mehrmals aus dem Hausarrest entlassen und wieder neu eingesperrt. Sie konnte die Partei in dieser Zeit niemals richtig f&uuml;hren. 1997 wurde Burma Mitglied der ASEAN, auch das nur, um internationale Anerkennung zu gewinnen. Myanmar hat sich nie um die ASEAN verdient gemacht und war immer deren Sorgenkind. <\/p><p>2003 stellte das Regime, das immer mehr international in die Isolation geraten war, einen &bdquo;Sieben-Schritte-Fahrplan zur Demokratie&ldquo; vor. Der Nationalkonvent wurde wieder einberufen, aber immer wieder erneut ausgesetzt. Eine Verfassung sollte jetzt endlich ausgearbeitet werden, danach, &bdquo;sobald Recht und Ordnung wiederhergestellt&ldquo; seien, sollten Wahlen abgehalten und die Macht an den Sieger &uuml;bergeben werden, eine Ank&uuml;ndigung voller Hinterlist und Heimt&uuml;cke, denn die Verfassung wurde so geschrieben, dass sie die Vorherrschaft des Milit&auml;rs garantierte, egal wer die Wahlen gewinnt. <\/p><p>Im November 2005 begann das Regime, seinen Amtssitz in die neue Hauptstadt Naypyidaw zu verlegen.  Auf dem 11. ASEAN-Gipfel 2005 wurde Myanmar aufgefordert, seinen Demokratisierungsprozess zu beschleunigen und alle politischen Gefangenen freizulassen. <\/p><p><strong>Die Safranrevolution und der Zyklon Nargis<\/strong><\/p><p>Am 15. August 2007 strich das Regime die Subventionen auf Kraftstoffe im Land, wodurch sich die Preise verf&uuml;nffachten. Ab September kam es zu Demonstrationen, zuerst gegen die Verteuerung. Die Proteste richteten sich aber bald schon gegen das Regime als solches. Die Proteste wurden diesmal von buddhistischen M&ouml;nchen angef&uuml;hrt, daher der Name Safranrevolution. Ende September begann das Regime, gegen die Demonstranten vorzugehen. Das Milit&auml;r st&uuml;rmte die Kl&ouml;ster und verhaftete die M&ouml;nche. Es gab hunderte von Festnahmen und, je nach Angaben, bis zu 200 Tote. Auch zivile Oppositionsf&uuml;hrer wurden verhaftet. Das Internet wurde abgeschaltet. Am 29. September war die Revolution zerschlagen. Die ganze Zeit &uuml;ber war Suu Kyi unter Hausarrest gewesen, die F&uuml;hrer der NLD waren meist schon vorher verhaftet worden. Ende 2007 nahm eine neugeschaffene Kommission zum Entwurf einer neuen Verfassung seine Arbeit auf.  Im Mai 2008 sollte ein Referendum &uuml;ber die Verfassung abgehalten werden und 2010 sollten dann endlich Wahlen stattfinden.<\/p><p>Am 2. Mai 2008 erreichte der Zyklon Nargis, ein tropischer Wirbelsturm, Myanmar. In f&uuml;nf Provinzen mit insgesamt 24 Millionen Einwohnern wurde der Notstand ausgerufen. Das ganze Irawadi-Delta, darunter Rangun, war betroffen, ganze Landstriche waren &uuml;berschwemmt, es gab zehntausende von Toten und hunderttausende von Obdachlosen, deren H&auml;user verw&uuml;stet wurden. Die Gegend wurde zum Katastrophengebiet erkl&auml;rt. Es herrschte Lebensmittelknappheit. Trotzdem lie&szlig; das Regime keine fremden Helfer und Hilfsg&uuml;ter ins Land. <\/p><p>Statt das Referendum &uuml;ber die Verfassung, das auf den 10. Mai festgelegt worden war, zu vertagen, lie&szlig; das Regime die Bev&ouml;lkerung inmitten des Chaos, das nach Nargis herrschte, abstimmen. Jede Aktion, das Referendum durch ein Nein scheitern zu lassen, war mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder mit einer empfindlichen Geldstrafe bedroht. Das Regime hatte landesweit in den Medien f&uuml;r ein Ja zur Verfassung aufgerufen. Mit einer Wahlbeteiligung von &uuml;ber 99 Prozent ist diese dann mit 92,4 Prozent Ja-Stimmen angenommen worden. Kaum jemand der W&auml;hler d&uuml;rfte das Dokument je gelesen haben. Ohne ein Ja zur Verfassung w&uuml;rden aber keine Wahlen stattfinden, so wurde gedroht, ein Mittel, das auch in Thailand angewandt wurde, um eine vom Milit&auml;r geschriebene, undemokratische Verfassung durchzusetzen. <\/p><p>Laut Verfassung hat das burmesische Milit&auml;r 25 Prozent der Parlamentssitze f&uuml;r Kandidaten reserviert, die vom Oberbefehlshaber des Milit&auml;rs ernannt werden. Eine Verfassungs&auml;nderung kann nur mit dreiviertel Mehrheit beschlossen werden, das Milit&auml;r hat somit immer ein Vetorecht im Parlament, wenn es um Verfassungs&auml;nderungen geht. Zudem gehen die &Auml;mter des Innenministers, des Verteidigungsministers und des Ministers f&uuml;r Grenzangelegenheiten automatisch an Mitglieder des Milit&auml;rs. So sichert sich das Milit&auml;r die Kontrolle &uuml;ber die wichtigsten Ministerien und &uuml;ber die Verwaltung des Staates, egal wer die Wahlen gewinnt. Trotz aller Reformversprechen hatte die burmesische Junta nie die Absicht, die Kontrolle &uuml;ber das Land abzugeben.<\/p><p>Aung Suu Kyi war als charismatischste Figur der Demokratiebewegung den Milit&auml;rs von Anfang an ein Dorn im Auge. Um zu verhindern, dass sie, die mit einem Engl&auml;nder verheiratet gewesen und mit ihm zwei S&ouml;hne hatte (ihr Ehemann verstarb 1999), Staatspr&auml;sidentin werden k&ouml;nnte, wurde in die Verfassung hineingeschrieben, dass dieses Amt niemand bekleiden kann, der ausl&auml;ndische Familienangeh&ouml;rige hat. Deshalb wurde sp&auml;ter, nach dem Wahlsieg von 2015, von der NLD extra f&uuml;r sie das Amt der Staatsr&auml;tin geschaffen. In diesem Amt wurde sie dann de facto doch noch Regierungschefin. <\/p><p>Unter diesen Voraussetzungen fanden 2010 die ersten Wahlen seit 1990 statt. Die NLD boykottierte die Wahlen, Suu Kyi stand immer noch unter Hausarrest. Erst im November 2010 wurde der Hausarrest aufgehoben. Bei Nachwahlen im April 2012 kandidierte Suu Kyi erstmals f&uuml;r einen Sitz im Parlament. <\/p><p>Als Reaktion auf das, was man im Ausland als demokratischen Reformprozess sah, nahmen Japan und die EU ihre Entwicklungshilfe wieder auf und setzten ihre Sanktionen aus, die Weltbank bewilligte dem Land einen Hilfskredit. Auch die USA strichen ihre Sanktionen. Alle Welt war enthusiastisch und sah Myanmar endlich auf dem Weg zur Demokratie. Diese Erz&auml;hlung war zu sch&ouml;n, man wollte sie einfach glauben und &uuml;bersah geflissentlich, dass, wie man es auch drehen und wenden wollte, das Parlament in Myanmar nur ein Scheinparlament war und die Macht immer noch beim Milit&auml;r lag, nur schamhaft verh&uuml;llt unter einem demokratischen M&auml;ntelchen. Die wahre Fratze des Milit&auml;rs sollte keine zehn Jahre sp&auml;ter ihr grausames Antlitz erneut zeigen. Doch davon mehr im dritten Teil. <\/p><p><strong>Betrachtungen zur Pers&ouml;nlichkeit von Daw Aung Suu Kyi und zur Zukunft Myanmars<\/strong><\/p><p>Die Politik der NLD gr&uuml;ndete von Anfang an auf den Prinzipien der Gewaltlosigkeit, wie Mahatma Gandhi sie in Indien praktiziert hatte. Suu Kyi ist eine charismatische Pers&ouml;nlichkeit mit einer starken Ausstrahlung, die die Menschen zu begeistern wei&szlig;. Aber sie ist keine politische Theoretikerin wie Lenin, Mao, Fidel Castro oder Ho Chi Minh, deren Ideen ausgereift w&auml;ren, noch ist sie eine Revolution&auml;rin mit einem Fahrplan f&uuml;r die &Auml;nderung des Systems in Burma. Ihre Vorstellungen von Freiheit und Demokratie hat sie nie theoretisch behandelt und auch nie dargelegt, wie ihre Vorstellungen denn umgesetzt werden sollen. Sie blieb immer vage, alles sollte aber immer durch gewaltlosen Widerstand geschehen. Und so blieb es im Prinzip auch immer nur ein Traum, den sie wahr werden lassen wollte. In diesem Sinn ist sie sogar unpolitischer als Martin Luther King. F&uuml;r sie soll Demokratie durch nationale Vers&ouml;hnung und durch Dialog zustandekommen, die Tatmadaw haben jedoch offensichtlich kein Interesse an einem Dialog mit ihr. <\/p><p>Suu Kyi wollte immer eine Welt ohne Gewalt und lehnte es ab, Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten. Pazifistische Ideen aber sind sch&ouml;n und gut, angesichts eines bis an die Z&auml;hne bewaffneten und skrupellosen Gegners wie die Tatmadaw sind sie wirkungslos. Die Tatmadaw sehen sich als Elite der burmesischen Gesellschaft, ohne die Burma untergehen w&uuml;rde, und zumindest die einfachen Soldaten, die abgeschirmt vom Rest der Gesellschaft in einer Parallelwelt leben, glauben das durchaus auch selber. Sie sind durch und durch indoktriniert und sie verteidigen das System ihrer Meinung nach zum Wohl des ganzen Landes. Da hilft kein gutes Zureden, die Tatmadaw verpr&uuml;geln und ermorden in ihren Augen nur die Feinde Burmas, die das Land kaputtmachen wollen. Und sie tun dabei Gutes f&uuml;r Burma.<\/p><p>Suu Kyi war immer kompromissbereit, selbst nach dem Ende ihres jahrelangen Hausarrestes hegte sie keinen Groll gegen die Milit&auml;rjunta und meinte, sie sei immer gut behandelt worden. Auf eine Frage nach ihrer Haltung zu den Gener&auml;len sagte sie sogar, die seien &bdquo;eigentlich ganz nett&ldquo;.  Kurz nach der Niederschlagung der Proteste im September 1988 und dem anschlie&szlig;enden Blutbad der Tatmadaw kann es zu Racheakten der Bev&ouml;lkerung an den mutma&szlig;lichen T&auml;tern. Einige von ihnen wurden gefasst und von der Bev&ouml;lkerung an Ort und Stelle gelyncht. Suu Kyi schickte daraufhin, wenn sie von Festnahmen von Repressionskr&auml;ften durch die Bev&ouml;lkerung erfuhr, regelm&auml;&szlig;ig eigene Leute, oft auch M&ouml;nche, dorthin, um das Leben der gefangenen Tatmadaw zu retten. Gedankt hat die Junta es ihr kurz darauf mit ihrer Festnahme und mit Hausarrest. Soviel zu Pazifismus und Gewaltlosigkeit, der Leser m&ouml;ge sich seine eigenen Gedanken dazu machen. <\/p><p>Suu Kyi ist eine tief gl&auml;ubige Buddhistin. Sie steht fr&uuml;hmorgens auf und meditiert und hat sich selber eine strenge Disziplin auferlegt, was ihren Tagesablauf anbelangt. Sie ist eine arbeitsame Frau mit leicht mystischen Charakterz&uuml;gen.  Die F&uuml;hrung der NLD fiel Suu Kyi deshalb zu, weil niemand sonst eine &auml;hnlich starke Ausstrahlung wie sie hatte und weil sie die Tochter ihres Vaters, des Nationalhelden Aung San, ist, f&uuml;r ganz Burma immer noch ein Idol. Die NLD war immer mehr eine Bewegung denn eine Partei. Vieles entwickelte sich mehr spontan als geplant und ideologisch vorbereitet. <\/p><p>Selbst unter Hausarrest, abgeschirmt von der &Ouml;ffentlichkeit, blieb Suu Kyi f&uuml;r ihre Anh&auml;nger eine Ikone. Sie war die mutige junge Frau, die es wagte, die Milit&auml;rdiktatur herauszufordern. Mut, das muss man ihr lassen, hat Suu Kyi immer gehabt. Bilder gingen um die Welt, als sie mutig auf die Soldaten zuging, die mit ihren Gewehren auf sie zielten. Mut und Vertrauen ist neben der Gewaltlosigkeit eines der zentralen Themen ihrer Lehre, die sie an ihre Anh&auml;nger weitergibt. Eines ihrer B&uuml;cher tr&auml;gt den Titel &bdquo;Frei von Angst&ldquo;. Diese junge, attraktive und mutige Frau verk&ouml;rpert eine Erz&auml;hlung, die nicht nur in Burma, sondern in der ganzen Welt Begeisterung hervorrief. Neben dem Friedensnobelpreis bekam Suu Kyi weitere unz&auml;hlige Auszeichnungen und Preise, von Gewerkschaften &uuml;ber NGO&rsquo;s bis hin zu Universit&auml;ten, die ihr die Ehrendoktorw&uuml;rde verliehen. Es ist die Erz&auml;hlung von David gegen Goliath, nur wurde Goliath in dieser Erz&auml;hlung bisher noch nicht besiegt. Und so wie die Welt sich Aung Suu Kyi begeistert hinwandte, weil sie ein Narrativ verk&ouml;rperte, das der Welt so gut gefiel, so wandte die Weltgemeinschaft sich ebenso abrupt wieder von ihr ab, als sie glaubte, Suu Kyi setze sich nicht vehement genug gegen die Unterdr&uuml;ckung der Rohingya ein und dass sie damit dem Ideal, das sie Suu Kyi selber angeheftet hatten, nicht mehr entspr&auml;che. <\/p><p>Allerdings ist Suu Kyi auch eine Angeh&ouml;rige der Bamar und das Thema der Integration der ethnischen Minderheiten war ihr nie eine Herzensangelegenheit. F&uuml;r sie z&auml;hlt Myanmar als Nation, die ethnischen Minderheiten sollen sich den Interessen der Nation unterordnen, aber wie die Nation aussehen soll, auf welchen Klassen die zuk&uuml;nftige Nation aufgebaut werden soll, ob es ein kapitalistisches Myanmar werden soll oder ein sozialistisches oder irgendetwas dazwischen, einem &bdquo;dritten Weg&ldquo; etwa, das blieb immer im Unklaren. Fragen &uuml;ber Fragen, ein Parteiprogramm m&uuml;sste das kl&auml;ren. Und hier erkl&auml;rt sich auch ihre Haltung in der Rohingya-Frage, wo sie sich zwar international diskreditierte, aber eine Meinung vertrat, die in Myanmar, au&szlig;er bei den Betroffenen, durchaus gang und g&auml;be ist. <\/p><p>Nachdem NLD im Jahr 2016 die Regierung f&uuml;hrte, wurde schnell deutlich, dass ihre F&uuml;hrer die gleiche Denkweise wie ihre Vorg&auml;nger hatten, wenn es um Angelegenheiten im Zusammenhang mit den indigenen V&ouml;lkern Myanmars ging. Frieden und Wohlstand f&uuml;r alle kann aber in Myanmar nur dann erreicht werden, wenn die Rechte der indigenen V&ouml;lker, die dort seit Jahrhunderten ans&auml;ssig sind und die selbst von der damaligen englischen Kolonialmacht nicht regiert werden konnten und sich weitgehend ihre Autonomie bewahrten, auch in einer neuen f&ouml;deralen Verfassung verankert werden. Die indigenen Gruppen besitzen in der Regel kaum Besitzurkunden f&uuml;r ihr Land, die Parzellen wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Sie hatten ihre eigenen F&uuml;hrer, Regierungen, Verwaltungen und auch Armeen. <\/p><p>Als die Landesgrenzen gezogen wurden, geh&ouml;rten sie von einem Tag auf den anderen zu Burma, aber sie hatten keinen Bezug zur Zentralregierung der Bamar und haben das bis heute noch kaum. Es kann auch nicht angehen, dass eine von den Bamar angef&uuml;hrte Regierung ihnen wie bis jetzt, ohne Konsultationen, vorschreibt, welche Gesetze sie zu beachten haben, wie sie ihr Leben f&uuml;hren m&uuml;ssen, wem sie Steuern zu bezahlen haben, welche Sprache sie zu sprechen haben und vor allem, wem das Land geh&ouml;rt, auf dem sie seit Generationen leben.  Die Anerkennung der gewohnheitsm&auml;&szlig;igen Landrechte der indigenen V&ouml;lker muss integraler Bestandteil einer neuen, noch zu gr&uuml;ndenden f&ouml;deralen Republik Myanmar ohne Tatmadaw werden. <\/p><p>Die neue Schattenregierung, die auf eine f&ouml;derale Republik nach dem Ende des B&uuml;rgerkrieges hinarbeitet, hat das erkannt und Gespr&auml;che mit den Minderheiten zur L&ouml;sung der Frage aufgenommen. Denn davon h&auml;ngt auch die Unterst&uuml;tzung der ethnischen Gruppen und ihrer Armeen zum Sturz der aktuellen Milit&auml;rjunta ab. Nur wenn die bisher ausgeschlossenen ethnischen Gruppen das Gef&uuml;hl haben, dass ihr Leben in einem zuk&uuml;nftigen Staat ein besseres Leben sein wird, werden sie auch bereit sein, ihre Soldaten in den Dienst der Schattenregierung NUG zu stellen, um die Tatmadaw zu besiegen. Wenn f&uuml;r sie aber sp&auml;ter alles beim Alten bleiben soll, warum sollen sie dann heute k&auml;mpfen? <\/p><p>Titelbild: Nadezda Murmakova\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Kulturrevolution und dem Tod von Mao Tse Tung &uuml;bernahm, nach einer kurzen Amtszeit von von Hua Guofeng, Deng Xiao Ping die F&uuml;hrung der KPCh. 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