{"id":79416,"date":"2022-01-02T11:37:46","date_gmt":"2022-01-02T10:37:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79416"},"modified":"2022-01-02T13:31:02","modified_gmt":"2022-01-02T12:31:02","slug":"mit-der-meute-klaeffender-koeter-ist-der-frieden-in-europa-nicht-zu-halten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79416","title":{"rendered":"Mit der Meute kl\u00e4ffender K\u00f6ter ist der Frieden in Europa nicht zu halten"},"content":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Parlamentarische Staatssekret&auml;r im Bundesverteidigungsministerium und langj&auml;hrige CDU-Abgeordnete <strong>Willy Wimmer<\/strong> blickt auf die letzten 30 Jahre zur&uuml;ck und macht sich Gedanken &uuml;ber die Zukunft. Hier sein Text:<br>\n<!--more--><br>\nDie NATO und die EU, die eine unter F&uuml;hrung von Herrn Stoltenberg, die EU unter F&uuml;hrung von Frau Dr. von der Leyen, erwecken in Bezug auf Russland verbal den Eindruck einer Meute kl&auml;ffender K&ouml;ter, die endlich ihrem Ziel auf Nasenl&auml;nge n&auml;her gekommen zu sein scheinen. Diese Meute wird verst&auml;rkt durch die Fanfaren-Bl&auml;ser der transatlantischen Netzwerke. Dem ehemaligen Merkel-Berater, Herrn Heusgen, scheint dabei die Spitzenrolle bei der Sicherheitskonferenz zu M&uuml;nchen zuzufallen. Anders sind seine Aussagen um Weihnachten 2021 zur angeblichen Revitalisierung der Sowjetunion durch Pr&auml;sident Putin kaum zu werten.  Eine Umdrehung mehr und eine zu viel f&uuml;r die Schraube, die das geschundene Europa darstellt, und unser Traum vom &bdquo;gemeinsamen Haus Europa&ldquo; ist f&uuml;r ewig ausgetr&auml;umt. Soll es das gewesen sein?<\/p><p>Diese Frage zu stellen, bedeutet gleichzeitig, die Antwort zu kennen. Es ist gewiss nicht so, dass am Ende des Kalten Krieges in Europa die Flutlichter h&auml;tten angehen m&uuml;ssen. Jeder, der sich mit der Lage in Europa jenseits m&ouml;glicher Tr&auml;umereien besch&auml;ftigte, wusste um die Probleme. Fr&uuml;h war deutlich geworden, dass die Wiedervereinigung Deutschlands ausschlie&szlig;lich und alleine auf  die Zustimmung  der damaligen Sowjetunion zur&uuml;ckzuf&uuml;hren gewesen war. Noch um die Jahreswende 1989\/90 war amerikanischer Widerstand wahrscheinlich oder nicht auszuschlie&szlig;en. Ein solcher Fall schien der gr&ouml;&szlig;te denkbare Gau f&uuml;r Deutschland und Europa zu sein, weil das deutsche Volk in Sekunden begriffen haben w&uuml;rde, wer die Verantwortung f&uuml;r exorbitant schwierige Entwicklungen in Europa tragen und gegen Deutschland eingestellt sein w&uuml;rde.<\/p><p>Es war die politische Einsicht, die diesen Ausgang der Entwicklung verhindert hat. Aber was haben wir daraus gemacht? Unmittelbar nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Charta von Paris aus dem November 1990 gab es einen friedensbezogenen Mittelpunkt des europ&auml;ischen politischen Handelns. Das war auch an Personen gebunden, wie an dem Team Kohl\/Genscher deutlich wurde. Es ging darum, das sprichw&ouml;rtliche politische, historische und &ouml;konomische Minenfeld Mittel- und Osteuropa auf genau diesen Feldern behutsam wieder auf eigene Beine zu stellen. Da hatte man sogar im amerikanischen Pr&auml;sidenten Bush einen Partner, der nicht ahnen konnte, wie die Gang um die Herren Wolfowitz und Perle die Charta von Paris noch zu seiner Amtszeit torpedierte. In Deutschland war alles vorbei, als im Fr&uuml;hjahr 1992 Au&szlig;enminister Genscher das Feld r&auml;umte. <\/p><p>Das Nat&uuml;rlichste der Welt w&auml;re es gewesen, den wirtschaftlichen Austausch zwischen den europ&auml;ischen Staaten unter Einschluss Russlands und der zentralasiatischen Staaten zu entwickeln, zu st&auml;rken und vorw&auml;rts zu treiben. Nichts w&auml;re daf&uuml;r geeigneter gewesen als die Politik der &bdquo;Sozialen Marktwirtschaft&ldquo;, die auf dem gesamten euro-asiatischen Kontinent Ankn&uuml;pfungselemente vorfand. &Uuml;brigens bis nach China, wie erfolgreiche deutsch-chinesische Bem&uuml;hungen deutlich gemacht haben. Statt einer Entwicklung &uuml;ber die genannten Politikfelder mussten wir erleben, dass die &bdquo;Soziale Marktwirtschaft&ldquo; mittels der zu diesem Zeitpunkt mit brachialer Gewalt betriebenen US-Politik des &bdquo;shareholder value&ldquo; geradezu in der Luft zerschossen wurde. Die Verwerfungen in Deutschland k&uuml;nden bis heute davon und erst recht im &ouml;stlichen Teil des gemeinsamen Kontinents.<\/p><p>Eines haben die letzten mehr als drei&szlig;ig Jahre aber deutlich gemacht. Die verh&auml;ngnisvolle Entwicklung in Europa fing zeitgleich mit zwei politischen Entwicklungen an: dem Siegeszug von &bdquo;shareholder value&ldquo; und der Osterweiterung der NATO. Das eine bedingte das andere. Was bedeutet das f&uuml;r die Anfang Januar 2022 in Genf startenden Gespr&auml;chskaskaden, die durch den russischen Pr&auml;sidenten Putin initiiert worden sind? Europa wird nur dann vor dem Schlimmsten bewahrt, wenn die &bdquo;R&auml;der in Europa&ldquo; im Vergleich zur Charta von Paris gleichsam auf null zur&uuml;ckgedreht werden. Europa muss von wirtschaftlicher Zusammenarbeit und darf nicht von der amerikanischen Mentalit&auml;t des &bdquo;High noon&ldquo; bestimmt werden und damit von auferzwungenen Sanktionen. Diese dienen nach dem gegen Japan exekutierten Modell vor dem Weltkrieg II nur der Vorbereitung einer endg&uuml;ltigen Aggression. <\/p><p>In der NATO hatte man das seinerzeit klar erkannt, als der NATO-Gipfel im Einheits-Sommer 1990 die Umwandlung der NATO von einer Milit&auml;rmaschine in eine politische Organisation beschloss. Dabei war die NATO seinerzeit rein defensiv ausgerichtet. Sie war so ganz anders als das heutige globale Offensivorgan imperialer Machenschaften.<\/p><p>Das wird an einem Punkt besonders deutlich, der f&uuml;r das heutige und aggressive Vorgehen der NATO so entlarvend ist. Nach dem NATO-Vertrag w&auml;re es unm&ouml;glich gewesen, milit&auml;risch mit einem Staat zusammenzuarbeiten, der ungekl&auml;rte Sicherheits-Verh&auml;ltnisse mit einem Nachbarstaat h&auml;tte haben k&ouml;nnen. Nach dem NATO-Vertrag w&auml;re eine milit&auml;rische Zusammenarbeit der NATO mit der Ukraine und Georgien v&ouml;llig unm&ouml;glich. Nur, der NATO-Vertrag ist heute das Papier nicht mehr wert, auf dem er steht. Dazu z&auml;hlt auch der Dauerhinweis darauf, dass jeder Staat seine B&uuml;ndnisse frei w&auml;hlen k&ouml;nne. Das in einen Automatismus zu verf&auml;lschen, kommt nur den Triebfedern hinter der NATO in den Sinn. Bekanntlich geh&ouml;ren zu einem Vertrag zwei Partner. Wo ist denn eigentlich die Einsch&auml;tzung des B&uuml;ndnisses dar&uuml;ber, ob der Aufnahmewunsch eines x-beliebigen Staates mit dem NATO-Vertrag oder den sonstigen Sicherheitsinteressen des B&uuml;ndnisses &uuml;bereinstimmt? Oder reicht es bei der Ukraine aus, &uuml;ber gen&uuml;gend Nazis auf der richtigen Seite zu verf&uuml;gen, um aufgenommen zu werden?<\/p><p>Niemand kann Russland verwehren, aus der Entwicklung der letzten drei&szlig;ig Jahre seine Schl&uuml;sse f&uuml;r Vergangenheit und Zukunft zu ziehen. Uns ist nach der Putin-Rede 2001 im Reichstag nur die Politik der ausgestreckten Hand bekannt. Und bei der NATO?<\/p><p>Willy Wimmer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Parlamentarische Staatssekret&auml;r im Bundesverteidigungsministerium und langj&auml;hrige CDU-Abgeordnete <strong>Willy Wimmer<\/strong> blickt auf die letzten 30 Jahre zur&uuml;ck und macht sich Gedanken &uuml;ber die Zukunft. 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