{"id":79600,"date":"2022-01-11T08:22:00","date_gmt":"2022-01-11T07:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79600"},"modified":"2022-01-11T10:37:01","modified_gmt":"2022-01-11T09:37:01","slug":"kasachstan-stoppte-russland-einen-putsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79600","title":{"rendered":"Kasachstan: Stoppte Russland einen Putsch?"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Unruhen in Kasachstan, die sich an Gaspreiserh&ouml;hungen entz&uuml;ndet hatten, haben die Polizei und die Armee von Kasachstan die Kontrolle &uuml;ber die St&auml;dte weitgehend wiederhergestellt. Nach Einsch&auml;tzung russischer Medien gab es innerhalb der kasachischen Elite Kr&auml;fte &ndash; auch aus dem Umfeld von Ex-Pr&auml;sident Nursultan Nasarbajew &ndash; welche die Proteststimmung unter den einfachen Leuten f&uuml;r eigene Machtinteressen ausnutzen wollten und an einem Gewaltausbruch interessiert waren. Interesse an einer Zuspitzung in Kasachstan haben nach Angaben russischer Beobachter Kr&auml;fte in der T&uuml;rkei, England und den USA. Konkrete Namen von ausl&auml;ndischen Unterst&uuml;tzern wurden nicht genannt, au&szlig;er dem in Frankreich lebenden kasachischen Oligarchen Muchtar Abljasow, der die Proteste &uuml;ber Facebook koordiniert haben soll. Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWladimir Putin <a href=\"https:\/\/www.mk.ru\/politics\/2022\/01\/10\/putin-pokhvalil-tokaeva-i-poobeshhal-vyvesti-mirotvorcev.html\">erkl&auml;rte<\/a> am Montag auf einer Sitzung des von Russland gef&uuml;hrten Milit&auml;rb&uuml;ndnisses &bdquo;Organisation des Vertrags &uuml;ber kollektive Sicherheit&ldquo; (OVKS), die nach Kasachstan entsandten russischen Truppen w&uuml;rden demn&auml;chst abgezogen. Russische Liberale und Linke hatten die Truppenentsendung scharf kritisiert und vor einem neuen Afghanistan gewarnt.<\/p><p>Nach Meinung von Putin gelang es dem OVKS-Milit&auml;rb&uuml;ndnis schnell, die n&ouml;tigen Entscheidungen zu treffen, damit sich die Situation nicht verschlimmere. Nach Beendigung der Mission werde das gesamte Kontingent aus Kasachstan abgezogen. <\/p><p>Putin erkl&auml;rte, &bdquo;&auml;u&szlig;ere Kr&auml;fte&ldquo; h&auml;tten die inneren Probleme von Kasachstan ausgenutzt und die &bdquo;Technologie des (ukrainischen) Maidan&ldquo; angewandt. Die Menschen, welche gegen die Gaspreiserh&ouml;hungen demonstrierten, seien andere Leute als die, welche Unruhen mit Waffen angezettelt und &bdquo;den Staat angegriffen haben&ldquo;. Die Gewaltt&auml;ter seien an Krisenherden ausgebildet worden. Der russische Pr&auml;sident lobte den Pr&auml;sidenten von Kasachstan, Kassym-Schomart Tokajew, f&uuml;r seine Entschlossenheit und seinen Mut. Tokajew hatte den Aufstand in Almaty mit dem Einsatz von Milit&auml;r so gut wie beendet. <\/p><p><strong>Polizei zun&auml;chst in der Defensive<\/strong><\/p><p>Die Proteste begannen am 2. Januar wegen der Erh&ouml;hung der Gaspreise und erstreckten sich schlagartig &uuml;ber das ganze Land. Die Polizei war zun&auml;chst in der Defensive und konnte Pl&uuml;nderungen, Besetzungen und das Anstecken von Regierungsgeb&auml;uden nicht verhindern. Als Pr&auml;sident Tokajew die Regierung abberief, machte das auf die Protestbewegung keinen Eindruck. Das Blatt wendete sich erst, als am Mittwoch die Armee in der gr&ouml;&szlig;ten Stadt, Almaty, eingesetzt wurde und einen Schie&szlig;befehl erhielt. <\/p><p>Die gewaltt&auml;tigen Aufst&auml;ndischen zogen sich in Au&szlig;enbezirke von Almaty und aufs Land zur&uuml;ck. Die Bev&ouml;lkerung von Almaty &ndash; in der Stadt leben zwei Millionen Menschen &ndash; hat noch Angst, auf die Stra&szlig;e zu gehen. Das Internet ist phasenweise wieder in Betrieb. <\/p><p><strong>Ein Jazz-Pianist f&uuml;r Geld angeworben?<\/strong><\/p><p>Das russische Fernsehen Rossija 24 <a href=\"https:\/\/smotrim.ru\/article\/2661678\">zeigte<\/a> ein Video von der Vernehmung eines Teilnehmers der Unruhen aus Kirgistan, der vor der Kamera erkl&auml;rte, man habe ihm f&uuml;r seine Teilnahme an den Unruhen 200 Dollar gezahlt. Der Mann gab an, er habe Angst bekommen, als die Unruhen begannen und er sei in die Wohnung zur&uuml;ckgekehrt, die man ihm zur Verf&uuml;gung gestellt habe. <\/p><p>Freunde und Verwandte des Verhafteten erkl&auml;rten, bei dem vorgef&uuml;hrten Zeugen handele es sich um den kirgisischen Jazz-Musiker <a href=\"https:\/\/www.mk.ru\/photo\/gallery\/26701-512007.html\">Vikram Rusachunow<\/a>, der auf gro&szlig;en Konzerten auftritt. Der Musiker wurden inzwischen freigelassen und nach Kirgistan zur&uuml;ckgebracht. <\/p><p><strong>Russische Truppen sch&uuml;tzen Flugh&auml;fen, die Zentralbank und eine Uran-Fabrik<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Russland hat Kasachstan eine zentrale sicherheitspolitische Bedeutung als Schutzg&uuml;rtel vor dem Einsickern von radikalen Islamisten aus Afghanistan, Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan. Dass Russland gerade jetzt, wo es mit dem Westen &uuml;ber Sicherheitsgarantien verhandelt, ein neues Problem an seiner S&uuml;dflanke bekommt, ist zwar h&ouml;chst unangenehm. Doch die russische Regierung konnte diese Herausforderung wohl sogar zu Gunsten einer st&auml;rkeren Integration der postsowjetischen Staaten nutzen. <\/p><p>Es ist das erste Mal seit der Gr&uuml;ndung der OVKS im Jahre 2002, dass die Organisation eine gemeinsame milit&auml;rische Operation durchf&uuml;hrt. Dabei hatte es schon zahlreiche Anl&auml;sse gegeben, bei denen die OVKS h&auml;tte eingreifen k&ouml;nnen, wie beim Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan im Herbst 2020, beim milit&auml;rischen Konflikt um ein Wasser-Reservoir zwischen Tadschikistan und Kirgistan im Mai 2021 und bei den bunten Revolutionen in Kirgistan 2005, 2010 und 2020, bei denen drei Pr&auml;sidenten gest&uuml;rzt wurden. <\/p><p>Zur Friedenstruppe der OVKS, welche keine Kampfaufgaben &uuml;bernehmen, sondern nur Infrastruktur-Objekte sch&uuml;tzen sollen, geh&ouml;ren 3.000 Soldaten aus Russland, 500 aus Wei&szlig;russland, 80 aus Armenien, 100 aus Tadschikistan und 100 aus Kirgistan. <\/p><p>Wie aus einer von der russischen Zeitung Komsomolskaja Prawda <a href=\"https:\/\/www.kp.ru\/daily\/27348.3\/4529213\/\">ver&ouml;ffentlichten<\/a> &Uuml;bersicht hervorgeht, sch&uuml;tzen Soldaten der OVKS-Friedenstruppe Regierungsgeb&auml;ude, strategisch wichtige Fabriken und Infrastruktur-Objekte im ganzen Land. <\/p><p>Gesch&uuml;tzt werden sollen die Flugh&auml;fen der Hauptstadt Nur-Sultan und der Stadt Almaty, das Generalstabsgeb&auml;ude, der Stab der Vereinigten Luftabwehr von Kasachstan und Russland, das 22 Etagen hohe Fernsehzentrum Kasmedia, das weltweit gr&ouml;&szlig;te Produktionszentrum von Natur-Uran &bdquo;Kasatomprom&ldquo;, die Zentralbank, der Pr&auml;sidentenpalast in Nursultan, die Fabrik f&uuml;r die Produktion von Corona-Impfstoff sowie der Hafen von Aktau am Kaspischen Meer.<\/p><p>F&uuml;r die Entsendung und Versorgung der Friedenstruppe werden 70 russische Milit&auml;rtransportflugzeuge vom Typ IL-76 und An-124 eingesetzt. Am Sonntag wurde gemeldet, dass die Transportflugzeuge 500 russische Touristen aus Kasachstan nach Russland ausgeflogen haben. <\/p><p><strong>8.000 Verhaftete<\/strong><\/p><p>In Kasachstan war am Montag offiziell Tag der Trauer f&uuml;r die Opfer der Unruhen. Nach offiziellen Angaben wurden bei den Unruhen 2.265 Menschen verletzt, davon 1.100 in Almaty. 719 mussten in Krankenh&auml;usern behandelt werden, davon 83 auf Intensivstationen. Unter den 164 Toten in ganz Kasachstan sind 16 tote Polizisten, von denen drei enthauptet wurden. Die urspr&uuml;nglich angegebene Zahl von 164 Toten &ndash; darunter drei Kinder &ndash; wurde kurze Zeit sp&auml;ter von den offiziellen Stellen <a href=\"https:\/\/www.mk.ru\/politics\/2022\/01\/09\/minzdrav-kazakhstana-oproverg-informaciyu-o-164-pogibshikh.html\">widerrufen<\/a>. Angeblich habe man wegen des Ausfalls des Internets die Angabe nicht korrigieren k&ouml;nnen. Wie nun die offizielle Todeszahl lautet, wurde nicht mitgeteilt.<\/p><p>Nach einer am Montag ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.gov.kz\/memleket\/entities\/qriim\/press\/news\/details\/310015?lang=kk\">Mitteilung<\/a> des kasachischen Innenministeriums wurden in ganz Kasachstan 7.939 Personen verhaftet, darunter 200 Personen, die auf zwei M&auml;rkten festgenommen wurden. <\/p><p><strong>Russischer Soziologe: &bdquo;Es war eine Revolution&ldquo;<\/strong><\/p><p>Nach <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2FiyLQzbNhY\">Meinung<\/a> des russischen Soziologen Boris Kagarlitsky war die Gaspreiserh&ouml;hung der letzte Tropfen, der das Fass zum &Uuml;berlaufen gebracht hat. Die Leute, die in Kasachstan auf den Stra&szlig;en waren, &bdquo;&auml;hnelten nicht den Hipstern aus Moskau. Die Leute kamen aus Bergwerken, &Ouml;l-Unternehmen und Fabriken. Das sind Menschen, die m&uuml;de sind vom jahrelangen L&uuml;gen, Rauben und der Verfolgung. Das sind Menschen, welche die Situation real ver&auml;ndern wollen. Das ist eine Revolution in einem Land, das als Beispiel f&uuml;r Stabilit&auml;t im postsowjetischen Raum galt.&ldquo; <\/p><p>Der Soziologe wies darauf hin, dass linke Organisationen in Kasachstan, wie die Kommunistische Partei und die Organisation &bdquo;Rote Jurte&ldquo;, nicht legal arbeiten k&ouml;nnen. Die Protestbewegung in Kasachstan habe im Westen des Landes in der Stadt Schanaosen begonnen. Dort habe die Arbeiterbewegung Kampferfahrung. Im Dezember 2011 hatte es in der Stadt Proteste von entlassenen &Ouml;larbeitern gegeben, bei deren Niederschlagung 15 Arbeiter get&ouml;tet wurden. <\/p><p>In Kasachstan &ndash; so der Soziologe &ndash; g&auml;be es eine hohe Ausbeutung. Die Elite wisse &ndash; wie auch in anderen L&auml;ndern &ndash; dass die Zeiten wirtschaftlich schlechter werden, weshalb man nicht mehr bereit sei, Gewinne mit dem Volk zu teilen, sondern beginne, Reserven f&uuml;r den eigenen Verbrauch anzulegen. <\/p><p><strong>Wo ist Nasarbajew?<\/strong><\/p><p>Am Mittwoch setzte Kassym-Schomart Tokajew, der 68 Jahre alte Pr&auml;sident von Kasachstan, den 81 Jahre alten Ex-Pr&auml;sidenten von Kasachstan, Nursultan Nasarbajew, als Leiter des Sicherheitsrates ab. <\/p><p>Das russische Radio Echo Moskwy meldete daraufhin, aus Russland sei ein Flugzeug unterwegs, welches Nasarbajew angeblich aus Kasachstan evakuieren solle. Doch offenbar hat Nasarbajew Kasachstan nicht verlassen. Am Sonntag erkl&auml;rte sein Pressesprecher, Nasarbajew habe seinen Posten als Vorsitzender des Sicherheitsrates aus eigener Initiative an den Pr&auml;sidenten Tokajew abgetreten, damit dieser in einer f&uuml;r den Staat gef&auml;hrlichen Situation operativ handeln kann. <\/p><p><strong>Moskauer Zeitung: Ein &bdquo;geheimer Putsch&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die russische Tageszeitung &bdquo;Moskowski Komsomolez&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.mk.ru\/politics\/2022\/01\/09\/zasekrechennyy-putch-chto-na-samom-dele-proizoshlo-v-kazakhstane.html\">meint<\/a>, &bdquo;ohne die Einmischung von Moskau&ldquo; w&auml;re die Macht in Kasachstan &bdquo;zu 90 Prozent zusammengebrochen&ldquo;, was f&uuml;r Russland &bdquo;eine geopolitische Katastrophe&ldquo; gewesen w&auml;re, da Kasachstan zum &bdquo;Sicherheitsg&uuml;rtel&ldquo; Russlands geh&ouml;re. Kasachstan h&auml;tte sich zu einem &bdquo;zentralasiatischen Somalia&ldquo; entwickeln k&ouml;nnen. <\/p><p>Am Freitag wurde der Leiter des kasachischen Geheimdienstes, Karim Masimow, wegen Landesverrats verhaftet und in ein Untersuchungsgef&auml;ngnis eingeliefert. Pr&auml;sident Tokajew &ndash; so Moskowski Komsomolez &ndash; habe jetzt zwar alle Macht in seinen H&auml;nden zentralisiert, aber die Probleme in Kasachstan seien gewachsen und k&ouml;nnten nicht gel&ouml;st werden, indem man den bisherigen Leiter des kasachischen Geheimdienstes als &bdquo;sakrales Opfer&ldquo; aufbaue. <\/p><p><strong>Drahtzieher &bdquo;noch unantastbar&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Preisgabe der gr&ouml;&szlig;ten Stadt von Kasachstan an Gewaltt&auml;tige sei eine Niederlage des Geheimdienstes. Aber aus Masimow den Drahtzieher eines Putsches gegen Pr&auml;sident Tokajew zu machen, sei &bdquo;&uuml;bertrieben&ldquo;. Drahtzieher m&uuml;sse man &bdquo;unter anderen kasachischen Politikern suchen, die im Schatten arbeiten&ldquo; und &bdquo;aus verschiedenen Gr&uuml;nden noch unantastbar bleiben&ldquo;. <\/p><p>Ohne die Einmischung aus Moskau &ndash; so das Blatt &ndash; h&auml;tte sich &bdquo;eine unerwartete Person&ldquo; auf den &bdquo;zerbrochenen kasachischen Thron&ldquo; gesetzt. Diese &bdquo;unerwartete Person&ldquo; h&auml;tte sich im Gegensatz zu Tokajew &bdquo;nicht im Rahmen ziviler Regeln und Vereinbarungen verhalten&ldquo;. Es habe die Gefahr bestanden, dass in Kasachstan eine Person die Macht &uuml;bernimmt, die &bdquo;sich aus der Realit&auml;t verabschiedet&ldquo;. In der Vergangenheit seien die gef&auml;hrlichsten Bedrohungen gegen Pr&auml;sident Nasarbajew &bdquo;oft aus Kreisen nahe der Familie&ldquo; Nasarbajew gekommen. <\/p><p>Damit spielt &bdquo;Moskowski Komsomolez&ldquo; auf Dariga Nursultanowa, die 1963 geborene, &auml;lteste Tochter von Ex-Pr&auml;sident Nasarbajew, an, die ihrem Vater in das Amt des Pr&auml;sidenten h&auml;tte folgen k&ouml;nnen. Dariga Nursultanowa hatte hohe Posten in den staatlichen Medien. Von 2007 bis 2010 sa&szlig; sie im Aufsichtsrat der kasachischen &bdquo;Nurbank&ldquo;. 2015\/16 war sie stellvertretende Ministerpr&auml;sidentin. Jetzt ist sie Abgeordnete der von ihrem Vater gegr&uuml;ndeten Partei &bdquo;Nur Otan&ldquo;.<\/p><p>Die Tochter des Ex-Pr&auml;sidenten &ndash; so Moskowski Komsomolez &ndash; sei durch fragw&uuml;rdige &Auml;u&szlig;erungen aufgefallen, wie etwa, dass man Kinder ab und zu durch Internate f&uuml;r behinderte Kinder f&uuml;hren m&uuml;sse, &bdquo;damit sie sehen, wozu Sexualit&auml;t im unreifen Alter f&uuml;hrt&ldquo;. <\/p><p>&bdquo;Aus der Realit&auml;t verabschiedet&ldquo; habe sich auch Rachat Alijew, der fr&uuml;here Ehemann von Dariga Nursultanowa. Dieser habe versucht, Schutzgeld zu erpressen und seinen Schwiegervater, Pr&auml;sident Nasarbajew, zu erpressen. <\/p><p>2007 &uuml;berwarf sich Rachat Alijew mit seinem Schwiegervater, Nursultan Nasarbajew. Gegen Alijew wurde ein Strafverfahren wegen der Entf&uuml;hrung und Ermordung von zwei Top-Managern der kasachischen Nurbank er&ouml;ffnet. Dariga Nursultanowa l&ouml;ste die Ehe mit Alijew einseitig auf. Alijew bat um Asyl in &Ouml;sterreich, wo er bis Mai 2007 Botschafter Kasachstans war. Er stand eine Zeitlang unter dem Schutz der &ouml;sterreichischen Polizei. <\/p><p>In den folgenden Jahren trat Alijew im Westen als &bdquo;f&uuml;hrender Oppositioneller&ldquo; aus Kasachstan auf. 2009 ver&ouml;ffentlichte Alijew das Buch &ldquo;Godfather-in-law. Eine Dokumentation&ldquo;, in dem er Pr&auml;sident Nasarbajew diktatorischer Methoden beschuldigt. <\/p><p>Doch Alijew wurde nun auch zum Objekt von Ermittlungen der &ouml;sterreichischen Justiz. Am 19. Mai 2014 wurde Alijew in Wien wegen des Mordes an den beiden Managern der kasachischen Nurbank verhaftet. Knapp ein Jahr sp&auml;ter &ndash; am 24. Februar 2015 &ndash; fand man Alijew erh&auml;ngt in seiner Zelle. Seine Anw&auml;lte <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/5132850\/es-war-mord-wende-im-fall-alijew\">bezweifeln<\/a>, dass es sich um einen Selbstmord handelte.<\/p><p><strong>Eine Warnung aus der Familie Nasarbajew<\/strong><\/p><p>Der russische Fernsehkanal Rossija 24 <a href=\"https:\/\/smotrim.ru\/article\/2661678\">berichtete<\/a> am Montag, bereits vor eineinhalb Jahren habe Ajsultan Nasarbajew &ndash; ein Enkel von Ex-Pr&auml;sident Nasarbajew und Sohn von Dariga Nursultanowa &ndash; in einer Ver&ouml;ffentlichung am 6. Juni 2020 auf Facebook vom Verrat innerhalb der kasachischen Sicherheitsstrukturen berichtet. In seinem Post behauptete der Enkel, dass es in der Umgebung seines Gro&szlig;vaters Personen gebe, die 400 Militante finanzieren, die sich in den Bergen verstecken, um einen gewaltsamen Staatsstreich vorzubereiten. Diesen Worten habe damals niemand geglaubt, weil der Enkel kokainabh&auml;ngig war, so die Off-Stimme im russischen Fernsehkanal Rossija 24.<\/p><p>In einem weiteren Facebook-Post vom 9. Juni 2020 schrieb Ajsultan Nasarbajew, dass hinter dem Plan f&uuml;r einen Staatsstreich die CIA stecke. Man benutze Salafisten und radikale Islamisten, um vor Russlands Grenzen Chaos zu stiften. <\/p><p>Schon am 13. Februar 2020 hatte Ajsultan Asyl in Gro&szlig;britannien beantragt. In einem <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/aisultan.nazarbayev\/posts\/2817084081681396\">Facebook-Eintrag<\/a> vom gleichen Tag erkl&auml;rt Ajsultan, beim kasachisch-russischen Gasgesch&auml;ft g&auml;be es Korruption im gro&szlig;en Stil. Seine Mutter, Dariga, kritisierte er wegen &bdquo;Geiz&ldquo;. Er m&uuml;sse jetzt dar&uuml;ber schreiben, weil man ihn beseitigen oder f&uuml;r verr&uuml;ckt erkl&auml;ren k&ouml;nne. <\/p><p>Am 16. August 2020 starb der Enkel des kasachischen Ex-Pr&auml;sidenten in London, nach offiziellen Angaben an einem Herzstillstand in Folge von Kokain-Konsum.<\/p><p><strong>Eine freie Presse w&auml;re jetzt wichtig<\/strong><\/p><p>Soviel ist gewiss. Die kasachische Gesellschaft macht jetzt sehr schwere Zeiten durch. Eine freie Presse in Kasachstan w&auml;re jetzt wichtig, um Aufkl&auml;rung und Dialog zwischen den einzelnen Gruppen in der Gesellschaft zu f&ouml;rdern und die Verfehlungen der Oberschicht n&uuml;chtern zu analysieren. Bisher setzt Pr&auml;sident Tokajew einen anderen Akzent. Er schalt die Medien f&uuml;r ihre angebliche N&auml;he zu den Aufst&auml;ndischen. <\/p><p>W&auml;hrend der Unruhen bekamen es kasachische Medien auch mit Aufst&auml;ndischen zu tun. Russische Medien berichteten, vier Fernsehstudios, darunter der Kanal der Gemeinschaft unabh&auml;ngiger Staaten, seien verw&uuml;stet worden. Russische Beobachter machen f&uuml;r diese Angriffe kasachische Nationalisten und islamistische Extremisten verantwortlich.<\/p><p>Viele B&uuml;rger von Almaty bildeten w&auml;hrend der Unruhen B&uuml;rgerwehren, um die Pl&uuml;nderungen in der Stadt zu stoppen. Die Polizei hatte nicht genug Kr&auml;fte. Solche B&uuml;rgerwehren werden wohl auch in Zukunft eine Rolle spielen, denn die gewaltbereiten Aufst&auml;ndischen werden nicht so schnell aufgeben, so die Bef&uuml;rchtung vieler Beobachter. <\/p><p><em>Nachtrag, 11.01.2022, 10 Uhr:<\/em><\/p><p>Auf der Sitzung des kasachischen Parlaments am 11. Januar gab Pr&auml;sident Tokajew die Einrichtung einer Untersuchungskommission bekannt. Hochqualifizierte Experten sollen demnach alle Details der Trag&ouml;die untersuchen. Der Pr&auml;sident erkl&auml;rte, es m&uuml;sse herausgefunden werden, &bdquo;warum der Staat schlief&ldquo; und die Zellen der Gewaltbereiten nicht beachtete und woher so viele nicht legale Waffen kamen. Herausgefunden werden m&uuml;sse auch, warum die verdeckte Arbeit zur Neutralisierung terroristischer Agenten nicht funktionierte. Tokajew erkl&auml;rte, alle Militanten und ihre Helfer werde man finden und bestrafen. Au&szlig;erordentlich wichtig sei auch herauszufinden, wer hinter den terroristischen Attacken stehe. Die Staatsbank bekam den Auftrag herauszufinden, welche Finanzen unbegr&uuml;ndet au&szlig;er Landes gebracht wurden. Die Regierung werde innerhalb von zwei Monaten ein Programm ausarbeiten, um die Eink&uuml;nfte der Bev&ouml;lkerung zu erh&ouml;hen. Ein sozialer Kodex soll erarbeitet werden. Gro&szlig;e ausl&auml;ndische Firmen, die Ex-Pr&auml;sident Nasarbajew ins Land geholt hat, sollen &bdquo;dem Volk von Kasachstan ihren Anteil geben und dem Volk systematisch helfen.&ldquo; <\/p><p>Diese Vorhaben sind zu begr&uuml;&szlig;en, allerdings wird &bdquo;das Volk&ldquo; selbst mehr in politische Entscheidungen einbezogen werden m&uuml;ssen, da die beharrenden Kr&auml;fte im Staatsapparat stark sind und ihre Privilegien verteidigen werden. Eine Reform des gesamten Staatswesens w&auml;re also n&ouml;tig.<\/p><p>Titelbild: Screenshot &ndash; Ulrich Heyden<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/283130a1be374bb0a980a17c81e05fb0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Unruhen in Kasachstan, die sich an Gaspreiserh&ouml;hungen entz&uuml;ndet hatten, haben die Polizei und die Armee von Kasachstan die Kontrolle &uuml;ber die St&auml;dte weitgehend wiederhergestellt. 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