{"id":7961,"date":"2011-01-10T15:53:02","date_gmt":"2011-01-10T14:53:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7961"},"modified":"2014-07-28T11:44:23","modified_gmt":"2014-07-28T09:44:23","slug":"leidet-die-junge-generation-unter-dem-demographischen-wandel-oder-unter-vielen-anderen-politischen-fehlentscheidungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7961","title":{"rendered":"Leidet die junge Generation unter dem demographischen Wandel oder unter vielen anderen politischen Fehlentscheidungen?"},"content":{"rendered":"<p>Die &ouml;ffentlich-rechtlich betriebene Volksverdummung in Sachen Demographie geht weiter. Morgen, am 11. Januar um 20:15 Uhr, also zur besten Sendezeit, l&auml;uft im ZDF der Film &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/6\/0,1872,1404038_idDispatch:10246329,00.html\">2030 &ndash; Aufstand der Jungen<\/a>&ldquo; Im Ank&uuml;ndigungstext (siehe Anlage) ist von &bdquo;Verlierern der Gesellschaft&ldquo; die Rede, die &bdquo;die immer schwerer wiegende Last, die ihnen der demographische Wandel aufgeb&uuml;rdet hat, nicht mehr schultern k&ouml;nnen&ldquo;. Sie seien Opfer eines Staates, der keine ausreichende Vorsorge getroffen habe. Die hohen Kosten f&uuml;r Renten-, Alters und Gesundheitsversorgung nehme den Jungen die Luft zum Atmen. &ndash; Das sind Glaubenss&auml;tze, die vermutlich viele Menschen und darunter auch solche, die sich f&uuml;r besonders intelligent halten, glauben. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Es besteht f&uuml;r mich kein Zweifel, dass die Generation der heute Jungen &ndash; wie es 2030 sein wird, wei&szlig; keiner, auch nicht das ZDF &ndash; in vieler Hinsicht schlechter dran ist, als meine Generation in den sechziger Jahren war:<\/p><p>Ihre Berufschancen sind oft geringer als zum Beispiel 1965 mit einem guten Ausbildungs-Abschluss.<\/p><p>Sie erhalten oft keinen sicheren und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Leiharbeit und Niedrigl&ouml;hne sind an der Tagesordnung.<br>\nDie solidarische Sicherung gegen die Risiken des Lebens ist merklich eingedampft.<\/p><p>Insbesondere ist die Leistungsf&auml;higkeit und das Vertrauen in die Arbeitslosenversicherung zerst&ouml;rt worden und durch die Hartz-IV-Regelung ersetzt worden.<br>\nDie Gefahren &ouml;kologischer Belastungen und der Klimaver&auml;nderung sind gewachsen.<\/p><p>&Ouml;ffentliche Leistungen sind in einigen Bereichen zur&uuml;ckgefahren worden. Darunter leiden insbesondere Familien und noch mehr Menschen, die finanziell gleichgestellt sind.<\/p><p>Wir f&uuml;hren wieder Krieg.<\/p><p>Viele Privatisierungen &ouml;ffentlicher Unternehmen und &ouml;ffentlichen Eigentums sind uns teuer zu stehen gekommen und belasten &uuml;ber wachsende Geb&uuml;hren der privaten Unternehmen auch k&uuml;nftige Generationen.<\/p><p>Die Einkommensverteilung und Verm&ouml;gensverteilung hat sich weiter verschlechtert. Die Spaltung unserer Gesellschaft ist markant.<\/p><p>Politische Beteiligung scheint sich nicht zu lohnen. Das Vertrauen in die demokratischen Verh&auml;ltnisse schwindet &ndash; mit einem gewissen Recht.<\/p><p>Wenn J&uuml;ngere ehrlich sind, dann gestehen sie ein, dass sich auch manches zum Besseren ver&auml;ndert hat. Die Bildungssysteme sind immer noch durchl&auml;ssiger als in den F&uuml;nfzigern. Der Umgang unter den Geschlechtern hat sich wesentlich ver&auml;ndert, positiv, wie ich meine. Der durchschnittliche Lebensstandard ist gestiegen und nicht gesunken. Die Arbeitsproduktivit&auml;t ist betr&auml;chtlich gewachsen. Die Chance, sich au&szlig;erhalb des eigenen Landes zu bilden und fortzubilden ist vermutlich sehr gestiegen. Usw.<\/p><p>Dennoch, die j&uuml;ngere Generation lebt heute und m&ouml;glicherweise auch in 20 Jahren, wenn die politischen Fehler weitergemacht werden, in geringerer sozialer Sicherheit und mit gr&ouml;&szlig;eren Sorgen um den Arbeitsplatz. Ob sie &bdquo;eine immer schwerer wiegende Last&ldquo; zu tragen haben, wie es im Ank&uuml;ndigungstext hei&szlig;t, ist ungewiss und eher zu bezweifeln. Es ist auch deshalb zu bezweifeln, weil die heute arbeitende und die Rentnergeneration insgesamt in Deutschland eine so hohe Sparrate hinlegen, dass man keinesfalls behaupten kann, diese Generationen lebten auf Kosten der nachwachsenden Generation. Diese gesamtwirtschaftliche Betrachtung ist den &ouml;ffentlich-rechtlichen Filmemachern offenbar v&ouml;llig fremd. <\/p><p>Aber einmal unterstellt, die Behauptung von der &bdquo;schwerer wiegenden Last&ldquo; der k&uuml;nftig Jungen stimme, zu behaupten, diese werde ihnen vom &bdquo;demographischen Wandel aufgeb&uuml;rdet&ldquo;, ist schlicht Unsinn. Sie ist durch nichts belegt. Sie ist Ergebnis einer primitiven Denkweise. Es wird eine partielle Ver&auml;nderung diagnostiziert und dieser dann die gesamten Missst&auml;nde zugeschrieben. Es wird au&szlig;erdem v&ouml;llig ausgeblendet, wie der demographische Wandel zu andern Zeiten war.<\/p><p>Der demographische Wandel war im letzten Jahrhundert rasanter als heute. Die Alterung nahm gewaltig zu. Die Relation von arbeitender Bev&ouml;lkerung bzw. arbeitsf&auml;higer Bev&ouml;lkerung zu der Rentnergeneration und der Kindergeneration hat sich laufend zulasten der arbeitsf&auml;higen Generation ver&auml;ndert. Hinzu kamen die beiden Weltkriege und die Vereinigung beider Teile Deutschlands mit speziellen Belastungen bzw. Verschiebungen. Es kamen Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me und Aussiedlerbewegungen. Es ist nicht absehbar, dass in den n&auml;chsten 20 Jahren nun gerade aus dem demographischen Wandel besondere Belastungen hervor wachsen sollten. Und dennoch wird dieser Unsinn offensichtlich von Drehbuchautoren, Filmemachern und einem weiten Teil der Medienverantwortlichen und Medienmachern geteilt. Irgendwie haben wir neben dem Schwund der Arbeitsplatzsicherheit auch einen Schwund des geistigen Verm&ouml;gens und der kritischen Kraft. Andernfalls m&uuml;ssten die Programmverantwortlichen des ZDF und die Macher eines St&uuml;ckes wie &bdquo;2030 &ndash; Aufstand der Jungen&ldquo; doch merken, dass ihre Verkn&uuml;pfung von Schwierigkeiten der Jungen mit dem demographischen Wandel hinten und vorn nicht stimmt:<\/p><p>Die Verschlechterung der Arbeitsplatz- und Berufschancen junger Menschen folgt nicht aus dem demographischen Wandel, sondern aus der Unf&auml;higkeit und dem Unwillen zu einer makro&ouml;konomisch vern&uuml;nftigen Politik. Die Politik hat versagt. Sie hat den Aufbau einer Reservearmee an Arbeitslosigkeit zugelassen und damit das Gewicht der Arbeitssuchenden auf dem Arbeitsmarkt durchgehend zugunsten der Arbeitsplatzanbieter geschw&auml;cht.<\/p><p>Die Stagnation der L&ouml;hne und die Verschiebung der Einkommensverteilung zu Gunsten der Verm&ouml;gens- und Gewinnseinkommen folgt aus der Weigerung der politisch Verantwortlichen, anzuerkennen, dass die L&ouml;hne mindestens im Rahmen des Produktivit&auml;tsfortschritts steigen d&uuml;rfen und sollten. Die skandal&ouml;se und folgenreiche Auseinanderentwicklung der L&ouml;hne und der Lohnnebenkosten in Europa ist doch nicht die Folge des demographischen Wandels, sondern die Folge einer irren Fixierung der deutschen Bundesregierung auf Export&uuml;berschuss.<\/p><p>Die Erosion der Normalarbeitsverh&auml;ltnisse, der Ausbau des Niedriglohnsektors und der Leiharbeit sind die Folgen bewusster politischer Entscheidungen, deren sich Politiker wie Gerhard Schr&ouml;der sogar noch r&uuml;hmen und von denen Politiker wie Wolfgang Clement profitieren.<\/p><p>Die enorme Last, die auf die junge Generation durch den Bankenrettungsschirm zukommt, hat nicht einmal ein Fitzelchen mit dem demographischen Wandel zu tun.<\/p><p>Die gesetzliche Rente und die anderen solidarischen Sicherungssysteme sind bewusst der Erosion preisgegeben worden, damit den privaten Interessen der Versicherungskonzerne und der Banken Gesch&auml;ftsfelder er&ouml;ffnet werden. Ich verweise in diesem Kontext auf <a href=\"http:\/\/vimeo.com\/6326230\">den Film Rentenangst<\/a> der ARD, wo gezeigt wird, dass sich der einschl&auml;gige Interessenvertreter Professor Raffelh&uuml;schen dieser bewussten Erosion des Vertrauens in die gesetzliche Rente durch Minderung ihrer Leistungsf&auml;higkeit auch noch r&uuml;hmt. Und ich verweise auf die am 12. Januar laufende Dokumentation in der ARD &uuml;ber die Machenschaften des Finanzdienstleisters Maschmeyer und seiner Helfer in Politik und Wissenschaft. Siehe <a href=\"\/?p=7925%20\">hier<\/a>.<\/p><p>Niemand hat die Bundesregierung dazu gezwungen, den sozialen Sicherungssystemen versicherungsfremde Leistungen aufzub&uuml;rden, wie das Anfang der Neunzigerjahre massiv geschehen ist. Niemand hat die Bundesregierung gezwungen, den Beitragssatz der gesetzlichen Rente unter 20 % festzuhalten. W&auml;re das nicht geschehen, dann h&auml;tte die jetzige Generation einen etwas h&ouml;heren Beitrag f&uuml;r die sozialen Sicherungssysteme geleistet, statt in die Privatvorsorge gezw&auml;ngt zu werden.<\/p><p>Diese politischen Fehlentscheidungen haben mit dem demographischen Wandel nichts zu tun. Ihm wird das Elend zugeschrieben. Das ist aber schlicht die Folge von mangelnder &Uuml;bersicht, von mangelnder Intelligenz oder von Einbindung in die Interessen der Versicherungswirtschaft und der Banken. Sie haben ein Interesse an der Verbreitung von Unsicherheit, sie haben ein Interesse daran, den J&uuml;ngeren jeden Tag neu einzutrichtern, sie w&uuml;rden von den Alten benachteiligt und ihnen bliebe nur noch die Chance, privat vorzusorgen. Vielleicht ist das auch die direkt ausgesprochene Botschaft des Films im ZDF. Das werden wir sehen. Der Ank&uuml;ndigungstext reicht jedenfalls f&uuml;r einen lauten Protest gegen diese Dummheit und f&uuml;r eine laute Klage &uuml;ber die Entwicklung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks. Er sollte aufkl&auml;ren, statt einer dumpfen Dummheit nachzulaufen. Dass diese Dummheit weit verbreitet ist, gebe ich zu.<\/p><p><strong>Anlage:<\/strong><\/p><p><strong>Original Ank&uuml;ndigung des ZDF<\/strong><\/p><p><strong>2030 &ndash; Aufstand der Jungen<\/strong><br>\nBerlin im Jahr 2030. Ein junger Mann schleppt sich schwer verletzt &uuml;ber den Gendarmenmarkt. Eine Passantin ruft einen Krankenwagen und in einer Not-Operation versucht man, das Leben Tim Burdenskis (Barnaby Metschurat) zu retten. Wenig sp&auml;ter wird er jedoch f&uuml;r tot erkl&auml;rt. Die junge Journalistin Lena Bach (Bettina Zimmermann) beginnt zu recherchieren, denn der 30-j&auml;hrige Tim Burdenski war kein Unbekannter. Viele kennen ihn als &ldquo;Millenniumskind&rdquo;. Sein Leben &ndash; und das neun weiterer Kinder &ndash; wird seit der Geburt am 01. Januar 2000 vom Fernsehen in einer Langzeitdokumentation begleitet.<\/p><p>Nach Tims Tod teilt die Staatsanwaltschaft der &Ouml;ffentlichkeit mit, dass er beim Versuch, in den nationalen Datenserver einzudringen, ertappt und auf der Flucht erschossen wurde. Was k&ouml;nnte Tim zu dieser Tat bewogen haben? Noch mysteri&ouml;ser wird das Ganze, als ein weiteres Millenniumskind auftaucht: Tims langj&auml;hrige Freundin Sophie Sch&auml;fer (Lavinia Wilson) behauptet, Tim sei gar nicht tot, sie habe einen Anruf von ihm erhalten. Als Lena zudem erf&auml;hrt, dass Tims Leiche ohne Obduktionsbericht dem Krematorium &uuml;bergeben wurde, beschlie&szlig;t sie, den Fall weiter zu verfolgen.<\/p><p>Mit Hilfe der Langzeitdokumentation versucht sich Lena ein Bild von Tims Leben zu machen und st&ouml;&szlig;t dabei auf immer mehr Ungereimtheiten. Zusammen mit Sophie findet sie heraus, dass Tim, entgegen der Darstellung im Fernsehen, offenbar in bedr&uuml;ckender Armut lebte und hoch verschuldet war. Sophie, eine erfolgreiche junge Unternehmerin, ist schockiert. Sie und Tim waren als Jugendliche ein Liebespaar.<\/p><p>W&auml;hrend Sophie sorglos im Ausland studierte, konnte sich Tim ein Studium nicht leisten. Als Grafikdesigner hatte er zun&auml;chst eine Festanstellung, wurde dann aber, wie so viele andere auch, betriebsbedingt gek&uuml;ndigt und hielt sich mit zahlreichen Nebenjobs &uuml;ber Wasser. Offenbar sch&auml;mte er sich und vertuschte seine Mittellosigkeit. Als schlie&szlig;lich Tims geliebte Oma zum Pflegefall wurde und die Familie einen gro&szlig;en Teil der Pflegekosten tragen musste, schnappte die Schuldenfalle endg&uuml;ltig zu. Wie konnte es soweit kommen?<\/p><p>Als Lena und Sophie immer mehr Hinweise erhalten, Tim sei m&ouml;glicherweise doch noch am Leben, beginnt eine verzweifelte Suche, die die beiden Frauen in das Ghetto &ldquo;H&ouml;llenberg&rdquo; f&uuml;hrt. Hier haben sich die Verlierer der Gesellschaft gesammelt, Menschen, die die immer schwerer wiegende Last, die ihnen der demografische Wandel aufgeb&uuml;rdet hat, nicht mehr schultern k&ouml;nnen.<\/p><p>Als gewaltt&auml;tige Unruhen ausbrechen, wird das Schicksal Tim Burdenskis in seinem ganzen politischen Ausma&szlig; sichtbar. Er wurde, wie so viele Menschen seiner Generation, Opfer eines Staates, der keine ausreichende Vorsorge getroffen hat und jetzt, im Jahr 2030, durch die hohen Kosten f&uuml;r Renten-, Alters- und Gesundheitsversorgung den Jungen die Luft zum Atmen nimmt.<\/p><p>Mit &ldquo;2030 &ndash; Aufstand der Jungen&rdquo; zeigt das ZDF seine zweite Produktion des Doku-Fiction-Formates. Schon der preisgekr&ouml;nte Dreiteiler &ldquo;2030 &ndash; Aufstand der Alten&rdquo; hatte f&uuml;r ein beachtliches Medienecho gesorgt. Die fiktive Geschichte spielt in einer Zukunft, deren Rahmenbedingungen von Fakten der gesellschaftspolitischen Forschung untermauert sind und auf wissenschaftlich fundierten Prognosen beruhen. Ein Spiel mit Fakten also, das ein politisch brisantes Dauerthema spannend und informativ aufbereitet.<\/p><p><em>Film von J&ouml;rg L&uuml;hdorff<\/em><br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Sendungsinformationen<\/strong><\/p><p><strong>Regie:<\/strong> J&ouml;rg L&uuml;hdorff<\/p><p><strong>Kamera:<\/strong> Konstantin Kr&ouml;ning<\/p><p><strong>Musik:<\/strong> Oliver Biehler<\/p><p><strong>Darsteller: <\/strong><\/p><ul>\n<li>Lena Bach &ndash; Bettina Zimmermann<\/li>\n<li>Sophie Sch&auml;fer &ndash; Lavinia Wilson<\/li>\n<li>Tim Burdenski &ndash; Barnaby Metschurat<\/li>\n<li>Paula Burdenski &ndash; Kathrin von Steinburg<\/li>\n<li>Vincent Fischer &ndash; Ralph Herforth<\/li>\n<li>&ndash; u.a.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &ouml;ffentlich-rechtlich betriebene Volksverdummung in Sachen Demographie geht weiter. Morgen, am 11. 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