{"id":79616,"date":"2022-01-11T10:31:10","date_gmt":"2022-01-11T09:31:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79616"},"modified":"2022-01-12T07:40:47","modified_gmt":"2022-01-12T06:40:47","slug":"honduras-xiomara-castro-die-frau-die-es-mit-dem-ende-der-zentralamerikanischen-bananenrepubliken-ernst-meint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79616","title":{"rendered":"Honduras \u2013 Xiomara Castro, die Frau, die es mit dem Ende der zentralamerikanischen \u201eBananenrepubliken\u201c ernst meint"},"content":{"rendered":"<p>Die Vorherrschaft konservativer Regierungen in Zentralamerika br&ouml;ckelt. Mit den endg&uuml;ltigen Zahlen best&auml;tigte der Nationale Wahlrat (CNE) von Honduras kurz vor Weihnachten 2021 den am 28. November errungenen Sieg der progressiven Pr&auml;sidentschaftskandidatin der Partei der Freiheit und Neugr&uuml;ndung (auch bekannt als &bdquo;Libre&ldquo;), Xiomara Castro. Mit 51,12 Prozent gegen 36,93 Prozent der Stimmen ihres wichtigsten konservativen Herausforderers der Nationalen Partei, Nasry Asfura, wurde sie f&uuml;r den Zeitraum 2022 bis 2026 zur <a href=\"https:\/\/ladiaria.com.uy\/mundo\/articulo\/2021\/11\/xiomara-castro-gano-las-elecciones-hondurenas-por-una-amplia-ventaja\/\">neuen Pr&auml;sidentin des zentralamerikanischen Landes<\/a> gew&auml;hlt. Dass nahezu 70 Prozent der Wahlberechtigten (rund 3,6 Millionen W&auml;hler) im 10 Millionen Einwohner z&auml;hlenden Land zu den Urnen str&ouml;mten, wurde im In- und Ausland als Zeichen eines &bdquo;Basta ya!&ldquo; (&bdquo;Es reicht!&ldquo;) an die Adresse uferloser Korruption, Gewalt und sozialer Unsicherheit gewertet, die insbesondere vom abdankenden Pr&auml;sidenten Juan Orlando Hern&aacute;ndez verk&ouml;rpert wird. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_371\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-79616-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220111_Honduras_Xiomara_Castro_Die_Frau_die_es_ernst_meint_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220111_Honduras_Xiomara_Castro_Die_Frau_die_es_ernst_meint_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220111_Honduras_Xiomara_Castro_Die_Frau_die_es_ernst_meint_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220111_Honduras_Xiomara_Castro_Die_Frau_die_es_ernst_meint_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=79616-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220111_Honduras_Xiomara_Castro_Die_Frau_die_es_ernst_meint_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220111_Honduras_Xiomara_Castro_Die_Frau_die_es_ernst_meint_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Castros <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mK2KOZ5yGGk\">erste Ansprache nach dem Wahlsieg<\/a> best&auml;tigte dieses Volksbegehren nach Ende der Demut und Aufbruch in eine demokratische, gewaltfreie und sozial gerechtere Zukunft. Ihre Zuh&ouml;rer f&uuml;hlten sich vertreten, als die Wahlsiegerin daran erinnerte, das honduranische Volk habe &bdquo;12 Jahre im Widerstand beharrt. Dass diese 12 Jahre jedoch nicht umsonst waren&ldquo;, h&auml;tten &bdquo;die Menschen mit ihrer Stimme demonstriert&ldquo;. Dieser Widerstand habe &bdquo;M&auml;rtyrer erlebt, die ihr Leben hingaben, damit die Menschen heute Freiheit und Gerechtigkeit ernten&ldquo;, unterstrich die Frischgew&auml;hlte, die am kommenden 27. Januar als neue Staatschefin ihr Amt antritt.<\/p><p>Gegebenenfalls vom Geist der Bes&auml;nftigung eines Nelson Mandela oder eines konzilianten Lula da Silva angetrieben, k&uuml;ndigte Castro &bdquo;eine Regierung der Vers&ouml;hnung, des Friedens und der Gerechtigkeit&ldquo; an. Diese solle landesweit mit einer partizipativen, direkten Demokratie durch Referenden eingeleitet und gesichert werden. Volksbefragungen durch Regionalregierungen, B&uuml;rgermeister, Abgeordnete des Nationalkongresses und der Exekutive sollen zur Regel werden. Als symbolische Geste bot die Wahlsiegerin ihren Gegnern an, ihre &bdquo;Hand zu reichen&ldquo;, und rief zum umfassenden politischen Dialog auf.<\/p><p>Das Dialog-Angebot richtete sich allerdings an die abtr&uuml;nnigen Kr&auml;fte ihres Vorg&auml;ngers Juan Orlando Hern&aacute;ndez, dessen Regierung unter schweren Korruptionsvorw&uuml;rfen und Verbindungen zum internationalen Drogenhandel steht. Die Anschuldigungen sind gravierend. Juan Antonio &bdquo;Tony&ldquo; Hern&aacute;ndez, ein j&uuml;ngerer Bruder des Pr&auml;sidenten, wurde bereits 2019 in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt. Er wurde f&uuml;r schuldig befunden, w&auml;hrend seiner &uuml;ber ein Jahrzehnt dauernden kriminellen Karriere Tonnen von Kokain in die USA geschmuggelt zu haben. Von der <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-latin-america-56947595\">britischen <em>BBC<\/em><\/a> bis zum <a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2021\/11\/15\/is-the-president-of-honduras-a-narco-trafficker\">linksliberalen The <em>New Yorker<\/em><\/a> sinnierten internationale Medien seit Mai 2021, &bdquo;ob aus Honduras ein Narco-Staat geworden ist&ldquo;.<\/p><p>Den Hintergrund bildet die Anschuldigung von zwei m&auml;chtigen Drogenbossen vor einem New Yorker Gericht, wonach ihnen der Pr&auml;sident zum Preis zigtausender US-Dollar Schutz f&uuml;r ihr illegales Drogengesch&auml;ft gew&auml;hrte. Hern&aacute;ndez wurde zum ersten Mal 2014 als Nachfolger des Putschisten Porfirio Lobo Sosa gew&auml;hlt. Als Vertreter der ultrakonservativen Partido Nacional trat er 2017 zur Wiederwahl an. Die Wahlbeobachtungsmission der Europ&auml;ischen Union sowie Dutzende internationale Wahlbeobachter bescheinigten Hern&aacute;ndez Wahlbetrug. Die Folgen waren gewaltt&auml;tige Zusammenst&ouml;&szlig;e zwischen Polizei, Milit&auml;r und Demonstranten der Opposition, die mindestens 7 Tote und mehr als 20 Schwerverletzte forderten. Doch Hern&aacute;ndez verharrte im Amt.<\/p><p><strong>Ehefrau eines Putsch-Opfers<\/strong><\/p><p>Als eine der ersten Gratulanten Castros meldete sich telefonisch US-Vizepr&auml;sidentin Kamala Harris. Die US-Unterstaatssekret&auml;rin f&uuml;r zivile Sicherheit, Demokratie und Menschenrechte, Urza Zeya, sparte auch nicht mit Aufwand und traf bereits am 12. Dezember in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa ein, um Washingtons Unterst&uuml;tzung anzubieten. Waren dies Zeichen der Reue und einer Neudeutung der US-Au&szlig;enpolitik gegen&uuml;ber Zentralamerika?<\/p><p>Xiomara Castro ist n&auml;mlich die Ehefrau des Ende Juni 2009 durch einen kombinierten Putsch von Justiz, Parlament und Milit&auml;rs gest&uuml;rzten und des Landes verwiesenen, ehemaligen Pr&auml;sidenten Manuel Zelaya, der damit an einer geplanten Volksbefragung gehindert werden sollte. Doch das US-State Department hatte mehr als nur Vorkenntnisse von dem geplanten Putsch. Zusammen mit dem US-Kongress finanzierte und beriet es die am Putsch beteiligten honduranischen Akteure und Organisationen. Doch weshalb die Frage nach einer vermeintlichen Reue? Die Frage macht Sinn, die Verschw&ouml;rung entfaltete sich n&auml;mlich w&auml;hrend der ersten sechs Monate der Amtszeit der Demokraten Barack Obama und Joe Biden als Pr&auml;sident und Vizepr&auml;sident der USA.<\/p><p>Nachforschungen, die auf der Sichtung von Tausenden von Seiten freigegebener Regierungsakten und Dutzenden von Interviews mit hochrangigen Beamten des US-amerikanischen und honduranischen Milit&auml;rs, Politikern und anderen wichtigen Quellen basieren, enth&uuml;llten bereits 2017 <a href=\"https:\/\/cepr.net\/how-pentagon-officials-may-have-encouraged-a-2009-coup-in-honduras\/\">Einzelheiten &uuml;ber die Rolle der USA beim Putsch<\/a> und seine Folgen. Das urspr&uuml;nglich auf der Plattform <em>The Intercept<\/em> ver&ouml;ffentlichte Material lieferte auch Einblicke in den au&szlig;enpolitischen Apparat der USA, der nach Meinung von Autor Jake Johnston vom Washingtoner Center for Economic and Policy Research (CEPR) derart massiv ausgebaut sei und so viele gegeneinander konkurrierende Interessen offenbare, dass es &bdquo;nicht nur eine US-Regierung oder -Politik zu geben scheint&ldquo;. Die Untersuchung <a href=\"https:\/\/rebelion.org\/washington-y-el-golpe-de-estado-en-honduras-aqui-estan-las-pruebas\/\">best&auml;tigte die Jahre zuvor von Eva Golinger auf der Plattform Counterpunch vorgetragenen Beschuldigungen<\/a> und deckte die heimlichen Akteure auf, die Honduras ins Chaos f&uuml;hrten, die offizielle US-Politik nach dem Putsch teilweise illegal unterliefen und eine neue &Auml;ra der Militarisierung einleiteten, die viele Spuren von Gewalt und Repression hinterlie&szlig;.<\/p><p><strong>Castros Erbe: Von der &bdquo;Bananen-Republik&ldquo; auf Rang 6 unter den sozial ungleichsten L&auml;ndern der Welt<\/strong><\/p><p>Nach Angaben der Nationalen Autonomen Universit&auml;t von Honduras (UNAH) nahm die Armut in dem zentralamerikanischen Land im Jahr 2020 um 10,7 Prozentpunkte zu und schoss in den 70-Prozent-Bereich empor. Das hei&szlig;t, drei von vier Honduranern lebten Ende 2021 in Armut, mahnte Ismael Zepeda, &Ouml;konom beim Sozialforum f&uuml;r Auslandsverschuldung und Entwicklung von Honduras (Fosdeh) gegen&uuml;ber der Nachrichtenagentur EFE. <a href=\"https:\/\/www.efe.com\/efe\/america\/sociedad\/la-pobreza-en-honduras-podria-aumentar-de-70-a-75-2021-por-covid-19\/20000013-4584810\">Soziale Unsicherheit, Arbeitslosigkeit und ein hohes Ma&szlig; an Korruption<\/a> sind drei ernsthafte Probleme, denen sich die neue Exekutive stellen m&uuml;sse. Der alarmierende Armutsanstieg ist jedoch auch eine klare Folge der Coronavirus-Pandemie, die in 16 Monaten 274.478 Ansteckungen und 7.259 Todesf&auml;lle in Honduras verursachte. Das Empfinden von Ausweglosigkeit verst&auml;rkte wiederum die irregul&auml;re Migration in Richtung USA als angebliches &bdquo;Sicherheitsventil&ldquo;, bedauert Zepeda.<\/p><p>Wovon lebt die &uuml;berwiegende Zahl der Honduraner? Seit &uuml;ber einem Jahrhundert ist der exportorientierte Agrarsektor die treibende Kraft der Wirtschaft, mit Ausfuhren von Kaffee (47 Prozent), Garnelen (21 Prozent), Bananen (11 Prozent), Melonen (7 Prozent), Hummern (6 Prozent) und Ananas (3 Prozent). Indes ist die ungleiche Landbesitz-Verteilung zugunsten transnationaler Unternehmen &bdquo;einer der gr&ouml;&szlig;ten strukturellen Br&uuml;che&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.libre.hn\/plan-de-gobierno-de-xiomara-2022-2026\">warnt Castros Regierungsprogramm<\/a>. Die in- und ausl&auml;ndischen Latifundien, mit Ausdehnungen &uuml;ber 50 Hektar, machen kaum 5 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe aus, konzentrieren jedoch 61 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Anbaufl&auml;che auf sich, w&auml;hrend 71 Prozent der Klein- und Mikro-Bauern zusammen kaum 9 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfl&auml;che besitzen. Neben dem Kaffeeanbau investiert das Agrobusiness seit wenigen Jahren nun auch in die Expansion der Produktion von &Ouml;lpalmen. Die Anbaufl&auml;che nahm um 673 Prozent zu, machte aus der Nutzpflanze eine neue Monokultur fern jeder Nachhaltigkeit und versch&auml;rfte die Bedingungen f&uuml;r den Anbau von Lebensmitteln f&uuml;r die Grundern&auml;hrung.<\/p><p>Das Latifundium ist jedoch die logische Fortsetzung einer langen und konfliktbeladenen Vorgeschichte, die mit der neuzeitlichen Kolonisierung Zentralamerikas durch US-Konzerne begann und in der Errichtung zahlreicher US-Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte gipfelte.<\/p><p><strong>&bdquo;Chiquita Banana&ldquo;: 120 Jahre Kolonisierung und Staatsstreiche<\/strong><\/p><p>Mehr starb als lebte Honduras seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts an den Folgen seines Bananen-Exports in die USA. Heute exportiert das Land haupts&auml;chlich Menschen als Billiglohn- und Elendsjobs-ArbeiterInnen in die USA. Honduras besitzt 10 Millionen Einwohner und ist mit rund einer Million nach Mexiko eine der gr&ouml;&szlig;ten Migranten-Gemeinden in den USA. Im Jahr 2020 beliefen sich ihre &Uuml;berweisungen an Familienmitglieder nach Honduras auf insgesamt 5,74 Milliarden US-Dollar und stellen gegenw&auml;rtig die Devisen-Haupteinnahmequelle des Landes dar.<\/p><p>Nicht wenige Beobachter fragten sich in den vergangenen Jahren, wie zu erkl&auml;ren sei, dass hunderttausende HonduranerInnen, nat&uuml;rlich auch Guatemalteken und Salvadorianer, ausgerechnet in die USA str&ouml;men. N&auml;mlich in das Land, dessen Drogenbek&auml;mpfungs-Beh&ouml;rde (DEA) korrupte Deals mit der Drogenmafia aushandelte sowie <a href=\"https:\/\/www.elheraldo.hn\/pais\/1361106-466\/arreglos-corruptos-desataron-violencia-en-honduras-seg%C3%BAn-la-dea\">Gewalt verbreitete<\/a> und &ndash; neben 12 Milit&auml;rbasen in Panama, 12 in Puerto Rico, 9 in Kolumbien und 8 in Peru &ndash; mindestens einen <a href=\"https:\/\/pt.granma.cu\/mundo\/2018-08-16\/bases-militares-dos-eua-na-america-latina-e-no-caribe-o-plano-da-america-do-sul\">Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt mit mehr als 1.000 Soldaten<\/a> auf honduranischem Boden betreibt. Man k&ouml;nnte meinen, im Verh&auml;ltnis der millionenfachen Migrantenmassen Zentralamerikas gegen&uuml;ber dem &bdquo;inneren Feind&ldquo; (die USA) in ihren L&auml;ndern lauere so etwas wie das Stockholm-Syndrom, also eine Art emotionale Abh&auml;ngigkeit und Komplizenschaft zwischen Opfer und H&auml;scher. Doch lautet die mehrheitliche Antwort der Migranten, weit und breit erblickten sie kein anderes &bdquo;Land der Verhei&szlig;ung&ldquo; als das Land ihrer Blutsauger und Besatzer.<\/p><p>Scharen von Zentralamerikanern ist die M&ouml;glichkeit auf Widerstand nicht mehr in Erinnerung, doch das war vor einem halben Jahrhundert noch anders. Zum Beispiel der historische Streik von 35.000 Plantagen-Arbeitern, die am 1. Mai 1954 die Herrschaft der United Fruit Company herausforderten und <a href=\"https:\/\/www.elsoca.org\/index.php\/america-central\/movimiento-obrero-y-socialismo-en-centroamerica\/2470-honduras-1-de-mayo-de-1954-a-58-anos-de-la-gran-huelga-bananera\">die ersten Arbeitsrechte in Honduras erk&auml;mpften<\/a>.<\/p><p>Wer in Deutschland sch&auml;lte nicht wenigstens einmal in seinem Leben einen gelben Bananen-Halbmond mit dem Aufkleber &bdquo;Chiquita&ldquo;? Ja, Bananen, &uuml;ber deren Produktionsbedingungen vor Ort Bundesregierung und EU Bescheid wussten und mit einer lachhaften Einfuhrklausel die <a href=\"https:\/\/voxeurop.eu\/de\/was-wirklich-geschah-als-bruessel-die-bananen-geradebog\/\">Importbananen &bdquo;geradebiegen&ldquo;<\/a> lie&szlig;en.<\/p><p>Nun, die folkloristisch abgebildete Dame mit der Fruchtschale als Kopfbedeckung ist eine der Hausmarken von <em>Chiquita Brands International<\/em>, dem Erbe des United-Fruit-Konzerns. Dessen Herrschaftssystem begann 1871, als der US-amerikanische Unternehmer Henry Meiggs eine Eisenbahn in Costa Rica baute. Im Jahr 1882 erkl&auml;rte jedoch die costa-ricanische Regierung, dass sie Meiggs Auftrag nicht bezahlen k&ouml;nne und sah sich zur Aufnahme eines Eine-Million-Pfund-Sterling-Kredites bei der Bank of London gezwungen. Als &bdquo;Dankesgeste&ldquo; (?) f&uuml;r die Eisenbahnstrecke schenkte die Regierung dem US-Amerikaner eine Fl&auml;che von 800.000 Morgen (ca. 3.200 Quadratkilometer).<\/p><p>Meiggs wurde als Verwalter der miserablen, schlecht gebauten Eisenbahnstrecke eingesetzt, gr&uuml;ndete jedoch 1899 das Bananen-Unternehmen Tropical Trading and Transport Company, das bald mit der Rivalfirma, der Boston Fruit Company, fusionierte und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MoRmtQht8-E\">sich fortan United Fruit Company nannte<\/a>.<\/p><p>Im Jahr 1900 stieg United Fruit mit der Ver&ouml;ffentlichung des Reisebuchs <em>The Golden Caribbean: A Winter Visit to the Republics of Colombia, Costa Rica, Spanish Honduras, Belize and the Spanish Main<\/em> in den Fernreise-Markt f&uuml;r wohlhabende US-Amerikaner ein und wurde ein Jahr sp&auml;ter von der guatemaltekischen Regierung mit der Verwaltung ihres Postdienstes beauftragt, was United Fruit zur Gr&uuml;ndung der Tropical Radio and Telegraph Company befeuerte. Von der Eisenbahn- und Postverwaltung bis hin zum Obstanbau expandierte der Konzern Schritt f&uuml;r Schritt &uuml;ber die Grenzen Panamas hinweg ins s&uuml;dlich gelegene Kolumbien. Dort inszenierte United Fruit einen der blutigsten Zusammenst&ouml;&szlig;e zwischen Landarbeitern, Gro&szlig;grundbesitzern und Milit&auml;r: das weltweit betrauerte <a href=\"https:\/\/www.banrepcultural.org\/biblioteca-virtual\/credencial-historia\/numero-117\/masacre-de-las-bananeras-diciembre-6-de-1928\">Bananen-Massaker vom Dezember 1928<\/a> in Ci&eacute;naga, Verwaltungsbezirk Magdalena.<\/p><p>Etwa 1.800 Plantagen-Arbeiter starben an diesem Tag im Kugelhagel des kolumbianischen Milit&auml;rs, nachdem die konservative Regierung Miguel Abad&iacute;a M&eacute;ndez beschloss, einen einmonatigen Streik der Plantagen-Arbeitergewerkschaft f&uuml;r bessere Arbeitsbedingungen niederzuschlagen. Der Arbeitskampf war am 28. November 1928 als gr&ouml;&szlig;ter Streik in der kolumbianischen Geschichte ausgebrochen, als mehr als 25.000 Plantagenarbeiter sich weigerten, Bananen von United Fruit und einheimischen Plantagenbesitzern zu pfl&uuml;cken und nicht bezahlte Flurbereinigung umzusetzen. United Fruit weigerte sich strikt, der Hauptforderung nachzukommen, die ausbeuterische Akkordarbeit von t&auml;glich mindestens 10 Stunden durch monatliche Entlohnung zu ersetzen. Der US-Konzern setzte auf Konfrontation, die Armee griff ein und schoss friedlich protestierende Arbeiter &uuml;ber den Haufen.<\/p><p>Die blutige Episode floss auch Jahrzehnte sp&auml;ter noch in Literatur und Filmkunst ein. Das Massaker kommt als Episode in Gabriel Garc&iacute;a M&aacute;rquez&lsquo; weltber&uuml;hmtem Roman &bdquo;Hundert Jahre Einsamkeit&ldquo; vor. Doch Jahrzehnte davor entlud der chilenische Dichter und Literatur-Nobelpreistr&auml;ger Pablo Neruda seine Ironie, Emp&ouml;rung und Trauer mit dem ebenfalls bekannten Gedicht <a href=\"https:\/\/panamericanafahrt.com\/2016\/04\/26\/the-united-fruit-company\/\">&bdquo;The United Fruit Company&ldquo;<\/a>, in dessen zweiter Strophe es hei&szlig;t:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Sie taufte ihre Neuerwerbungen<br>\n&bdquo;Bananen-Republiken&ldquo;,<br>\nund &uuml;ber den schlafenden Toten,<br>\n&uuml;ber den ruhelosen Helden,<br>\ndie Gr&ouml;&szlig;e errungen hatten,<br>\nFreiheit und Fahnen,<br>\nerrichtete sie eine Opera buffa: &hellip;&ldquo;.<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: rawf8 \/ shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorherrschaft konservativer Regierungen in Zentralamerika br&ouml;ckelt. Mit den endg&uuml;ltigen Zahlen best&auml;tigte der Nationale Wahlrat (CNE) von Honduras kurz vor Weihnachten 2021 den am 28. November errungenen Sieg der progressiven Pr&auml;sidentschaftskandidatin der Partei der Freiheit und Neugr&uuml;ndung (auch bekannt als &bdquo;Libre&ldquo;), Xiomara Castro. Mit 51,12 Prozent gegen 36,93 Prozent der Stimmen ihres wichtigsten konservativen Herausforderers<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79616\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":79618,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,20,132,190],"tags":[1692,881,1904,1092,2603,662,663,1556],"class_list":["post-79616","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wahlen","tag-agrarwirtschaft","tag-armut","tag-direkte-demokratie","tag-drogen","tag-gastarbeiter","tag-honduras","tag-putsch","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/shutterstock_593138570.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79616","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=79616"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79616\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":79640,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79616\/revisions\/79640"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/79618"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=79616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=79616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=79616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}