{"id":79698,"date":"2022-01-13T09:34:22","date_gmt":"2022-01-13T08:34:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79698"},"modified":"2022-01-13T11:12:31","modified_gmt":"2022-01-13T10:12:31","slug":"einige-ueberlegungen-zur-deutschen-insbesondere-buendnis-gruenen-feindbildoffensive-gegen-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79698","title":{"rendered":"Einige \u00dcberlegungen zur deutschen, insbesondere b\u00fcndnisgr\u00fcnen Feindbildoffensive gegen Russland"},"content":{"rendered":"<p>Der NachDenkSeiten-Leser <strong>Ulrich Meyer<\/strong> hat in der deutschen Geschichte zum Umgang mit Russland recherchiert und Interessantes gefunden. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nFeind, nicht mehr nur Gegner und schon lange nicht mehr Partner, so sollen wir Russland sehen. Den Russen sollen wir kein &ldquo;Volk der guten Nachbarn&rdquo; mehr sein, wie es Willy Brandt in seiner Regierungserkl&auml;rung von 1969, im tiefsten Kalten Krieg, gewollt hatte.<\/p><p>Die Guten sind nat&uuml;rlich immer wir, der Westen, der Russe immer schon der B&ouml;se, der Aggressor.  Unsere Eltern wussten: Hilfe, die Russen kommen. Und jetzt erst recht der Putin, der Gott-sei-bei-uns.<\/p><p>So das Narrativ der ver&ouml;ffentlichten Meinung und des politischen Mainstreams. Und nat&uuml;rlich in vorderster Front unsere &ldquo;wertebasierten&rdquo; Gr&uuml;nen, jetzt in Amt und W&uuml;rden, schon 1999 im Kosovo dabei gewesen. Damals &ldquo;Nie wieder Auschwitz&rdquo;, heute &ldquo;Dialog und H&auml;rte&rdquo; und Sanktionsdrohungen gegen den Aggressor, das autokratische Regime des Wladimir Putin.<\/p><p>Ein Blick zur&uuml;ck in das Jahr 1914, die Vorkriegszeit. Geschichte wiederholt sich offenbar doch.  Hoffentlich nur als Farce:<\/p><p>Statt Gr&uuml;n damals Rot, die Sozialdemokratie 1914. August Bebel wollte die `Flinte auf den Buckel` nehmen gegen ein &ldquo;Russland&hellip;, das ich als Feind aller Kultur und aller Unterdr&uuml;ckten &hellip;ansehe. &hellip;Mir ist es mit den Worten bitter ernst&rdquo;. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Schuld an diesem Russlandbild der Sozialdemokratie vor 1914 waren auch &ldquo;theoretische Autorit&auml;ten &hellip; Karl Marx war der Ansicht, die russische Gesellschaft sei `aufgewachsen und gro&szlig;gezogen in der erb&auml;rmlichen Schule mongolischer Sklaverei`, Friedrich Engels sprach sich f&uuml;r den `Kampf gegen die zaristischen Horden` aus&rdquo;.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Rechte Parteikreise in der SPD sprachen von einem &ldquo;progressiven Krieg&rdquo; &ldquo;als Beihilfe f&uuml;r den   gesellschaftlichen Fortschritt &ndash; das Machtzentrum reaktion&auml;rer Politik im eurasischen Raum sollte zerschlagen werden. &hellip;als Schlag gegen die russische Bastion der Reaktion&auml;re&rdquo;. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Verkn&uuml;pft war dies mit rassistischen Vorstellungen. Die Primitiven m&uuml;ssen mit Gewalt zur Zivilisation gebracht werden.&rdquo; [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>1918\/19 versuchten Ebert\/Noske und Co. das auch mit dem eigenen Volk.<\/p><p>&ldquo;Werteorientiert&rdquo; marschierte die SPD mit in den Krieg, in das &ldquo;gro&szlig;e Menschenschlachthaus&rdquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>], denn &ldquo;die alte Auffassung , der Krieg gegen Ru&szlig;land sei der heilige Krieg der deutschen Sozialdemokratie, war in ihr noch stark lebendig, und sie hat im Verein mit der deutschen Nachrichtenf&auml;rbung gar manchen guten Sozialisten und Internationalisten bewogen, am 4. August f&uuml;r die Kriegskredite zu stimmen, nicht unter der Verleugnung seiner Grunds&auml;tze, sondern in dem Glauben, sie dadurch am besten zu best&auml;tigen&rdquo; [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Zweckbewusst hatten die deutschen Politikmacher die Kriegserkl&auml;rung an Russland als unvermeidlichen Akt der `Verteidigung` dargestellt, als notwendige Pr&auml;vention, um eine &Uuml;berw&auml;ltigung durch die Kosaken zu verhindern.&rdquo; [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Doch war der Russe wirklich der B&ouml;sewicht?<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;In Wirklichkeit war es anders. Deutschland hat den Krieg gegen Ru&szlig;land begonnen. Die Darstellung des Kriegsbeginns durch die deutsche Regierung stellt die Dinge auf den Kopf.&rdquo; [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Nikolaus II, autokratischer Herrscher im Innern, hatte 1899 die Haager Friedenskonferenz initiiert, tief beeindruckt von den Schriften von Jan Bloch, eines polnisch-russischer Eisenbahnmagnaten, der die Wirkungen der modernen technisierten Kriege und ihre gesellschaftlichen Folgen mit all ihrem Leid und Terror beschreibt (Jan Bloch, Der Zukunftskrieg, 6 Bde., 1899) Er f&uuml;hrte den &ldquo;Nachweis, dass angesichts des erreichten R&uuml;stungsniveaus und der totalen Vernichtungskraft sich der Charakter des Krieges v&ouml;llig ver&auml;ndert habe und zwischen den modernen industrialisierten Staaten nicht mehr gef&uuml;hrt werden k&ouml;nne.&rdquo; [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Abr&uuml;stungsinitiativen scheiterten 1899 in Den Haag am deutschen Veto, das Verbot von Angriffskriegen und die Einrichtung eines obligatorischen Schiedsgerichts bei internationalen Streitigkeiten scheiterte in der Folgekonferenz 1907 ebenso am deutschen, &ouml;sterreich-ungarischen, italienischen und t&uuml;rkischen Veto, an den Mittelm&auml;chten. <\/p><p>Eine Schiedsstelle wurde in Den Haag dann doch eingerichtet, ein Appell des russischen Zaren, den Konflikt um Serbien 1914 dort zu verhandeln, wurde von Deutschland jedoch umgehend abgelehnt. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Dass Jan Bloch und die Initiative von Nikolaus II weitgehend vergessen ist, ist &ldquo;ein Lehrst&uuml;ck des europ&auml;ischen Ged&auml;chtnisses. Die kollektive Erinnerung der Europ&auml;er nimmt bis heute das Randst&auml;ndige und Sperrige aus dem Osten Europas nicht oder nur in Ausnahmef&auml;llen zur Kenntnis&rdquo; [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Aus der Geschichte zu lernen, w&uuml;rde auch den Gr&uuml;nen helfen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] 1. Protokoll &uuml;ber die Verhandlungen des Parteitages der SPD, abgehalten zu Essen vom 15.-21. September 1907, Berlin 1907, S.255<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] 2. Arno Kl&ouml;nne, Ru&szlig;landbilder in Deutschland, russische Realit&auml;ten und deutsche Ru&szlig;landpolitik, telepolis magazin vom 27.12.2014<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] 3. ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] 4. ders., Allgemeine Kriegsbegeisterung 1914, marx 21.de 28.7.2014<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] 5. Wilhelm Lamszus, Das Menschenschlachthaus. Bilder vom kommenden Krieg, Nachdruck der 1. Auflage von 1912, M&uuml;nchen, 2014<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] 6. Karl Kautsky, Wie der Weltkrieg entstand, Berlin, 1919, Nachdruck der Originalausgabe, 2021  S.177<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] 7. s.o., Arno Kl&ouml;nne, telepolis magazin<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] 8. s.o. Karl Kautsky, S.145<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] 9. Manfred Sapper, Den Krieg &uuml;berwinden. Jan Bloch: Unternehmer, Publizist und Pazifist, Osteuropa 58. Jg. 2008, S. 309f<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] 10. s.o. Karl Kautsky, S.122<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] 11. s.o. Manfred Sapper, S. 305<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der NachDenkSeiten-Leser <strong>Ulrich Meyer<\/strong> hat in der deutschen Geschichte zum Umgang mit Russland recherchiert und Interessantes gefunden. 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