{"id":79739,"date":"2022-01-14T10:00:52","date_gmt":"2022-01-14T09:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79739"},"modified":"2022-01-17T07:56:27","modified_gmt":"2022-01-17T06:56:27","slug":"abgezapft-eine-beispiellose-preisrally-an-den-energieboersen-geht-otto-normalbuerger-ans-eingemachte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79739","title":{"rendered":"Abgezapft. Eine beispiellose Preisrallye an den Energieb\u00f6rsen geht Otto Normalb\u00fcrger ans Eingemachte"},"content":{"rendered":"<p>Die Kosten f&uuml;r Strom, Gas und Benzin steigen seit Monaten ins Unermessliche und st&uuml;rzen immer mehr Menschen in finanzielle N&ouml;te. Dutzende Billiganbieter sind bereits vom Markt verschwunden, Hunderttausende gek&uuml;ndigter Kunden stranden bei lokalen Grundversorgern zu unerh&ouml;rten Tarifen und die Konkurrenz h&auml;lt sie sich auch lieber vom Leib. Die Bundesregierung signalisiert Handlungsbereitschaft und diskutiert &uuml;ber &bdquo;Klimabonus&ldquo; und &bdquo;Klimadividende&ldquo;. An die &Auml;rmsten im Hartz-IV-Apparat denkt sie wie immer nicht, auch nicht daran, das freie Spiel der Kr&auml;fte zu regulieren. Bei dem mischen wie immer auch Spekulanten kr&auml;ftig mit, die sich am Elend von Millionen eine goldene Nase verdienen. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5969\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-79739-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220114_Abgezapft_Preisrally_an_den_Energieboersen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220114_Abgezapft_Preisrally_an_den_Energieboersen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220114_Abgezapft_Preisrally_an_den_Energieboersen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220114_Abgezapft_Preisrally_an_den_Energieboersen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=79739-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220114_Abgezapft_Preisrally_an_den_Energieboersen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220114_Abgezapft_Preisrally_an_den_Energieboersen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Am vergangenen Sonntag gingen haufenweise Berliner auf Tuchf&uuml;hlung zum Mittelalter. Im tiefsten Winter bei minus drei Grad hatten Heizungen und Warmwasserversorgung in sch&auml;tzungsweise 90.000 Haushalten der Ostbezirke Lichtenberg, Marzahn und Treptow-K&ouml;penick f&uuml;r mehrere Stunden den Geist aufgegeben. Ursache war eine <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/lichtenberg-marzahn-hellersdorf-treptow-koepenick-90-000-berliner-haushalte-ohne-heizung-und-warmwasser\/27959968.html\">St&ouml;rung<\/a> beim landeseigenen Betreiber Stromnetz Berlin, die auch das Heizkraftwerk Klingenberg lahmlegte. Wohl weit &uuml;ber eine halbe Million Einwohner waren deshalb am Nachmittag f&uuml;r einige Minuten vom Strom abgekoppelt. Selbst am Ostbahnhof, in Superm&auml;rkten und anderen Gesch&auml;ften wurde es zwischenzeitlich zappenduster. <\/p><p>Die Macher des WDR-Instagram-Kanals &bdquo;klima.neutral&ldquo; waren prompt mit Rat und Tat zur Stelle. Wer <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/klima.neutral\/?hl=de\">&bdquo;entspannt in den Blackout&ldquo;<\/a> gehen m&ouml;ge, solle sich nebst Kerzen, Taschenlampen und &bdquo;Kurbel-Radio&ldquo; mit reichlich Essbarem und Wasser eindecken sowie gen&uuml;gend Bargeld bunkern. Nicht gedacht hatte man an das Notstromaggregat f&uuml;r Oma Lieschen, falls ihr Beatmungsger&auml;t pl&ouml;tzlich streikt. &Uuml;berhaupt wirkte der Beitrag ziemlich daneben, so als m&uuml;sste demn&auml;chst jeder Otto Normalb&uuml;rger auf den Prepper-Trip kommen, nur nicht ganz so apokalyptisch, sondern ganz l&auml;ssig und unverbissen, von wegen: Gew&ouml;hnt Euch dran und macht das Beste draus! Und wahrhaftig offenbart ein Blick in den Google-Newsroom: Allein in der zur&uuml;ckliegenden Woche gingen gleich etliche Male irgendwo in Deutschland die Lichter aus und manch einen beschleicht darob vielleicht das Gef&uuml;hl, dass das mit der Energiewende doch nicht so klappt, wie die Politik es den Menschen weismachen will. Das &bdquo;klima.neutral&ldquo;-Team vom WDR wei&szlig; jedenfalls Bescheid. Einen fr&uuml;heren Artikel &uuml;berschrieb es mit: &bdquo;Drei Gr&uuml;nde f&uuml;r Blackouts. Und was die Energiewende damit zu tun hat.&ldquo;<\/p><p><strong>Energiepreisschock ohne Ende<\/strong><\/p><p>Ganz zynisch gedacht, haben Aussetzer wie der am Wochenende in der Hauptstadt auch etwas Gutes. F&uuml;r wenigstens ein paar Stunden oder Minuten muss man f&uuml;r die entgangene Energie auch nicht bezahlen. Man bibbert sich praktisch ein St&uuml;ckchen weniger arm. Tats&auml;chlich erlebt man hierzulande n&auml;mlich seit Monaten einen beispiellosen Kostenauftrieb bei Strom und Gas. Wie das Vergleichsportal <a href=\"https:\/\/www.check24.de\/strom\/stromkrise\/\">Check24<\/a> am Montag mitteilte, h&auml;tten in 692 F&auml;llen Stromgrundversorger ihre Preise erh&ouml;ht oder dies angek&uuml;ndigt. Das waren 52 mehr als in der Vorwoche. Im Schnitt l&auml;gen die Zuschl&auml;ge bei 65,1 Prozent und betr&auml;fen &bdquo;rund 4,3 Millionen Haushalte&ldquo;. Bei einem Verbrauch von 5.000 Kilowattstunden (kWh) bedeute dies Mehrausgaben von durchschnittlich 1.068 Euro j&auml;hrlich. <\/p><p>Das trifft nat&uuml;rlich zuallererst die &Auml;rmsten der Gesellschaft. Am Dienstag meldete das Statistische Bundesamt, dass die Aufwendungen f&uuml;r Strom, Heizung und Warmwasser bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.300 Euro im Jahr 2020 mit <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/Zahl-der-Woche\/2022\/PD22_02_p002.html;jsessionid=EDDC1AD07FFE0C1138FD2FBCCD1FCB84.live711zu\">im Mittel 95 Euro<\/a> zu Buche geschlagen h&auml;tten. Das entspreche einem Anteil an den Konsumausgaben von 9,5 Prozent, wogegen Spitzenverdiener mit einem Gehalt von 5.000 Euro im Verh&auml;ltnis nur halb so viel daf&uuml;r aufbringen m&uuml;ssten. Wohlgemerkt war dies der Stand vor einem Jahr. Seither seien die Verbraucherpreise f&uuml;r Haushaltsenergie laut der Wiesbadener Beh&ouml;rde &uuml;ber Monate &bdquo;teilweise deutlich&ldquo; angestiegen. Mit einem Plus von 101,9  Prozent haben sich demnach die Kosten f&uuml;r Heiz&ouml;l gegen&uuml;ber 2020 mehr als verdoppelt. Die Preise f&uuml;r Erdgas h&auml;tten um 9,6 Prozent, die f&uuml;r Strom um 3,1 Prozent zugelegt. Allerdings beziehen sich diese Zahlen auf den November und sind damit auch bereits &uuml;berholt. <\/p><p><strong>Hartz-IV um plus drei Euro gek&uuml;rzt<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Angeh&ouml;rige der unteren bis hin zu den mittleren Einkommensschichten wird die Situation immer bedrohlicher. Nicht nur &auml;chzen sie unter den horrend gestiegenen Mieten und der allgemeinen Teuerung, obendrein gehen jetzt auch die Ausgaben f&uuml;r die &bdquo;zweite Miete&ldquo; durch die Decke. Besonders prek&auml;r ist die Lage derer, die Sozialleistungen beziehen. W&auml;hrend die Inflationsrate im Vorjahresvergleich zuletzt die F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde &uuml;bersprang, wurde der Regelsatz f&uuml;r Hartz-IV-Empf&auml;nger zu Jahresbeginn um k&uuml;mmerliche drei Euro oder 0,7 Prozent auf jetzt 449 Euro &bdquo;aufgebessert&ldquo;. H&auml;lt die Preisrallye an den Energiem&auml;rkten an, tickt hier eine soziale Zeitbombe. Davor warnte am Dienstag auch der Parit&auml;tische Wohlfahrtsverband. Der Miniaufschlag bei den Bez&uuml;gen komme faktisch einer <a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/alle-meldungen\/steigende-energiepreise-paritaetischer-begruesst-zuschuss-beim-wohngeld-und-mahnt-dringend-hilfen-auch-bei-hartz-iv-an-1\/\">&bdquo;K&uuml;rzung der Kaufkraft&ldquo;<\/a> gleich, erkl&auml;rte Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Ulrich Schneider per Pressemitteilung. Bei aktuell durchschnittlich 50 Euro Ausgaben f&uuml;r Strom in der Grundversorgung l&auml;ge die Summe &bdquo;30 Prozent &uuml;ber dem daf&uuml;r vorgesehenen Anteil im Hartz-IV-Regelsatz&ldquo;.<\/p><p>Immerhin hat die neue Bundesregierung ein Entgegenkommen bei den Beziehern von Wohngeld signalisiert. F&uuml;r sie soll es schon bald einen einmaligen Heizkostenzuschuss geben. Das fragliche Gesetz sei in Arbeit und der Kabinettsbeschluss dazu soll Ende Januar gefasst werden, hei&szlig;t es aus dem Bundesbauministerium. Erwogen wird &uuml;berdies ein <a href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/politik\/regierung-plant-offenbar-heizkosten-zuschuss-klima-bonus-36490180\">&bdquo;Klimabonus&ldquo;<\/a> f&uuml;r einkommensschwache Gruppen, wie ihn offenbar die SPD favorisiert. Die FDP pl&auml;diert gar f&uuml;r eine &bdquo;Klimadividende&ldquo; von 300 Euro f&uuml;r jeden Haushalt. Diese soll eine Kompensation daf&uuml;r sein, dass die zum Jahresanfang von 6,5 auf 3,72 Cent pro kWh gesenkte EEG-Umlage zum Ausbau der erneuerbaren Energien dem Endverbraucher keinerlei Kostenvorteile beschert hat. Der Parit&auml;tische hat die Ank&uuml;ndigungen begr&uuml;&szlig;t, fordert aber dar&uuml;ber hinaus Sofortma&szlig;nahmen f&uuml;r Hartz-IV-Empf&auml;nger, die &bdquo;erneut durchs Raster&ldquo; fallen w&uuml;rden. Diesen m&uuml;sse mit 100 Euro mehr &bdquo;schnell und unb&uuml;rokratisch&ldquo; geholfen werden. Zum Handeln forderte am Mittwoch auch der <a href=\"https:\/\/www.sovd.de\/presse\/pressemitteilungen\/meldung\/sovd-begruesst-geplanten-heizkostenzuschuss-fuer-wohngeldbeziehende\">Sozialverband Deutschland<\/a> (SoVD) auf. <\/p><p><strong>Pleitewelle bei Billigheimern<\/strong><\/p><p>Den Kapriolen der Energiem&auml;rkte hilflos ausgeliefert sind dieser Tage auch zahllose B&uuml;rger, deren Strom- oder Gasanbieter wegen ihres wackligen Gesch&auml;ftsmodells einfach mal das Weite gesucht haben. Knapp 40 Unternehmen, vornehmlich solche aus dem Niedrigpreissegment, haben laut Bundesnetzagentur allein im abgelaufenen Jahr 2021 entweder Insolvenz angemeldet oder ihre Energielieferungen auf unbestimmte Zeit eingestellt. Allein das Ausscheiden des Anbieters Stromio, dessen Liefervertr&auml;ge f&uuml;r die Marken &bdquo;Stromio&ldquo; und &bdquo;Gr&uuml;nwald Energie&ldquo; am 21. Dezember ausliefen, betrifft laut Verbrauchsch&uuml;tzern mehrere Hunderttausend Haushalte. <\/p><p>Energiediscounter decken ihren Bedarf kurzfristig zu g&uuml;nstigen Konditionen am sogenannten Spotmarkt, w&auml;hrend die gro&szlig;en Versorger und Stadtwerke verst&auml;rkt auf langfristige Kontrakte setzen. Das macht ihr Gesch&auml;ft im Zusammenspiel mit h&ouml;heren Endverbraucherpreisen weniger krisenanf&auml;llig. F&uuml;r die Billigheimer sind extreme Preisschwankungen dagegen Gift, weil ihre &bdquo;Unschlagbar&ldquo;-Tarife bei langanhaltenden Hochpreisphasen mit Verlusten ins Kontor schlagen, die direkt ans Eingemachte gehen. Am Ende m&uuml;ssen dies freilich die Verbraucher ausbaden, von denen sich die wenigsten bewusst sein d&uuml;rften, dass sie auf dem Opferaltar der Ende der 1990er-Jahre ins Werk gesetzten Liberalisierung der Energiem&auml;rkte gelandet sind.  <\/p><p><strong>Neukunden unerw&uuml;nscht<\/strong><\/p><p>Wenigstens hat Stromio seinen R&uuml;ckzug im Vorfeld angek&uuml;ndigt. In vielen anderen F&auml;llen wurden die Kunden sogar ohne Vorwarnung vor die T&uuml;r gesetzt und so in hoffnungslos &uuml;berteuerte Tarife der Konkurrenz getrieben. Eben noch bei &bdquo;Strom-Wie-Nix&ldquo; und dann wie aus dem Nix bei den Stadtwerken Buxtehude. Wie das? Was eigentlich ein Rettungsanker sein sollte, dass bei Pleite des Anbieters automatisch der &ouml;rtliche Grundversorger einspringt (Ersatzversorgung), erweist sich in diesen Tagen als b&ouml;se Falle, mit denkbar schlechten Chancen zu entrinnen. Denn nat&uuml;rlich m&uuml;ssen die Grundversorger f&uuml;r die andernorts in Massen Gek&uuml;ndigten selbst kurzfristig teuer Energie zukaufen, um ihren Versorgungsauftrag zu erf&uuml;llen. Weil das aber die Bilanzen au&szlig;erplanm&auml;&szlig;ig belastet, langen sie entsprechend heftig bei den Gestrandeten zu. <\/p><p>Inzwischen richten viele Unternehmen eigens einen zweiten Grundtarif f&uuml;r die von den Discountern Verjagten ein. Wie Check24 unl&auml;ngst informierte, haben allein rund 260 Grundversorger neue Tarife nur f&uuml;r diese Klientel mit Preisaufschl&auml;gen von durchschnittlich 105,8 Prozent aufgelegt. F&uuml;r die Betroffenen w&auml;re das kurzfristig mithin zu verkraften, wenn sich z&uuml;gig ein g&uuml;nstigere Alternative auftun lie&szlig;e. Sch&ouml;n w&auml;r&rsquo;s. Aktuell gibt es praktisch keine g&uuml;nstigen Angebote mehr und halbwegs erschwinglich sind die Preise allenfalls noch f&uuml;r Bestandskunden. Neukunden dagegen werden &uuml;berall mit heftigen Zuschl&auml;gen belegt, da sie die derzeit ohnehin schon schwierigen Kalkulationen zu einem Lotteriespiel machen. <\/p><p>Deshalb h&auml;lt man sie sich entweder mit Mondpreisen vom Hals (beziehungsweise zockt man sie damit ab) oder gew&auml;hrt ihnen gar nicht erst Zutritt. Nach einem Bericht des &bdquo;Handelsblatts&ldquo; aus der Vorwoche (hinter Bezahlschranke) nehmen mittlerweile mehrere Strom- und Gasversorger vor&uuml;bergehend gar keine Neukunden mehr auf, darunter die E.ON-Tochter Eprimo, der &Ouml;kostromanbieter Green Planet Energy oder die Elektrizit&auml;tswerke Sch&ouml;nau (EWS). Zur Begr&uuml;ndung werden auch hier die hohen Beschaffungskosten vorgebracht, die eine &bdquo;&Uuml;berarbeitung des Tarifangebots&ldquo; erforderlich machten, wie Eprimo noch am Mittwoch auf seiner Webseite bekanntgab. Green Planet Energy genderte: &bdquo;Im Sinne unserer Bestandskund:innen haben wir uns deshalb dazu entschieden, vor&uuml;bergehend keine Neukund:innen mehr unter Vertrag zu nehmen.&ldquo; <\/p><p><strong>Gro&szlig;e Nachfrage, weniger Wind<\/strong><\/p><p>Die Vorg&auml;nge haben inzwischen die neue Bundesverbraucherschutzministerin Steffi Lemke von der Gr&uuml;nen-Partei auf den Plan gerufen. Gegen&uuml;ber der Nachrichtenagentur Reuters bezeichnete sie am Wochenende die Annullierung laufender Kontrakte als &bdquo;teilweise in der Form v&ouml;llig rechtswidrig&ldquo;. Sie verwies auf Strompreise von &bdquo;mehr als 70 oder gar 90 Cent&ldquo; pro kWh, die sich auch mit den hohen Beschaffungskosten nicht rechtfertigen lie&szlig;en. Hier seien die Verbraucherzentralen und gegebenenfalls die Gerichte gefragt, &bdquo;genau hinzuschauen&ldquo;, bemerkte die Politikerin. Die Regierung beobachte die Entwicklung und pr&uuml;fe, ob weiterer Handlungsbedarf bestehe. Schon zuvor hatte ein Ministeriumssprecher von einer Verpflichtung des k&uuml;ndigenden Anbieters gesprochen, im Falle von Mehrkosten &bdquo;dem Kunden eine Schadenersatzleistung zu zahlen&ldquo;. Die Verbraucherzentrale Berlin r&auml;t den Angeschmierten dazu, Widerspruch gegen die Vertragsaufl&ouml;sung einzulegen und den Differenzbetrag beim alten Versorger einzufordern. Bei dessen Bankrott d&uuml;rfte das jedoch ziemlich aussichtslos sein. <\/p><p>Aber warum spielen die Energiem&auml;rkte so verr&uuml;ckt? Urs&auml;chlich sind daf&uuml;r mehrere Faktoren: Nach dem brutalen Einbruch der Weltwirtschaft im ersten Pandemiejahr 2020 trat Anfang 2021 eine so bald nicht erhoffte Erholung ein. Mit anziehender Produktion legte auch die Nachfrage nach Strom wieder sprunghaft zu, was im Verbund mit einem gesunkenen Angebot infolge von D&uuml;rren etwa in Brasilien, wo viel Strom aus Wasserkraft gewonnen wird, die Preise in ungeahnte H&ouml;hen trieb. Obendrein sank 2021 auch noch das Energieaufkommen aus Windkraft und Photovoltaik, w&auml;hrend zugleich eine h&ouml;here CO2-Bepreisung auf fossile Brennstoffe wie Heiz&ouml;l, Erdgas, Benzin und Diesel Wirkung zeigte.  <\/p><p>Im Wesentlichen ist der Preisgalopp somit auf politische Verfehlungen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren: einerseits die ewig auf die lange Bank geschobene Energiewende (mehr Windr&auml;der k&ouml;nnten auch bei weniger Wind genug Strom erzeugen), andererseits eine Lockdown-Politik im globalen Ma&szlig;stab, zu deren Kollateralsch&auml;den sich nun auch eine nie dagewesene Energiepreisexplosion gesellt. Fraglos spielen auch politische Kraftmeiereien wie die zwischen dem Westen und Russland &ndash; gerade vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts &ndash; eine Rolle. Die Abh&auml;ngigkeit Deutschlands von russischem Gas ist allseits bekannt. Als etwa am 21. Dezember der B&ouml;rsenstrompreis innerhalb weniger Stunden auf 620 Euro pro MWh in die H&ouml;he schoss und sich damit binnen 24 Stunden mehr als verdoppelt hatte, sahen Experten prompt einen Zusammenhang mit Russlands Dreherei am Gashahn. <\/p><p><strong>Hedgefonds mit Rekordrenditen<\/strong><\/p><p>Das mag in Teilen stimmen, &uuml;bersieht aber, dass sich gerade hinter so turbulenter Kulisse unscheinbare Kr&auml;fte noch viel doller austoben k&ouml;nnen als sonst. Im Sp&auml;tsommer 2021 hatte die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, eine <a href=\"https:\/\/krass-und-konkret.de\/klima-umwelt\/spekulation-bei-strompreis-explosion-in-ganz-europa-im-spiel\/\">&bdquo;obskure Gruppe&ldquo;<\/a> von Hedgefonds wette computergesteuert auf Gas- und Strompreise. Betroffen seien &bdquo;exotische&ldquo; M&auml;rkte wie niederl&auml;ndisches und britisches Erdgas oder die spanischen und deutschen Strompreise. Allein der Investor GreshamQuant habe mit dieser Strategie von Januar bis August eine Rekordrendite von 38,5 Prozent eingefahren. Der Systematica Alternative Master Markets Fund legte um 23 Prozent zu, AHL Evolution Frontier um 32 Prozent. Bloomberg res&uuml;mierte: &bdquo;Ihre Wetten auf die europ&auml;ischen Energiem&auml;rkte sind jetzt aufgegangen.&ldquo;<\/p><p>Und was, wenn die Preisraserei so weitergeht? In Frankreich warnte dieser Tage Finanzminister Bruno Le Maire vor einem weiteren Kostenauftrieb von 35 bis 40 Prozent bis Ende Januar. &bdquo;Schauen Sie, was in Kasachstan passiert, das ist ein guter Hinweis darauf, was passieren kann, wenn die Energiepreise explodieren, das ist politisch gef&auml;hrlich.&ldquo; Eine drastische Erh&ouml;hung der Benzinpreise hatte 2018 die Gelbwesten-Bewegung mobilisiert, die das franz&ouml;sische  Establishment monatelang in Angst und Schrecken versetzte. Man stelle sich &Auml;hnliches f&uuml;r Deutschland vor. Ansage an den SPD-Kanzler: Zeig Dein soziales Herz, Olaf!        <\/p><p>Titelbild: Veja\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/f94d6d4d405544c3a906f6f9ec60a047\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kosten f&uuml;r Strom, Gas und Benzin steigen seit Monaten ins Unermessliche und st&uuml;rzen immer mehr Menschen in finanzielle N&ouml;te. Dutzende Billiganbieter sind bereits vom Markt verschwunden, Hunderttausende gek&uuml;ndigter Kunden stranden bei lokalen Grundversorgern zu unerh&ouml;rten Tarifen und die Konkurrenz h&auml;lt sie sich auch lieber vom Leib. Die Bundesregierung signalisiert Handlungsbereitschaft und diskutiert &uuml;ber &bdquo;Klimabonus&ldquo;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79739\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":79742,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,162,146,150],"tags":[1960,1754,365,3184,214,1390],"class_list":["post-79739","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-energiepolitik","category-soziale-gerechtigkeit","category-verbraucherschutz","tag-boersenwetten","tag-energieversorgung","tag-inflation","tag-lemke-steffi","tag-regelsatz","tag-strompreise"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/shutterstock_2089943536.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=79739"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79739\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":79828,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/79739\/revisions\/79828"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/79742"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=79739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=79739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=79739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}