{"id":80030,"date":"2022-01-23T11:45:36","date_gmt":"2022-01-23T10:45:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80030"},"modified":"2022-01-24T10:14:08","modified_gmt":"2022-01-24T09:14:08","slug":"suedostasiens-aeltester-konfliktherd-bald-nurmehr-geschichte-teil-i-von-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80030","title":{"rendered":"S\u00fcdostasiens \u00e4ltester Konfliktherd: Bald nurmehr Geschichte? (Teil I von II)"},"content":{"rendered":"<p>Im S&uuml;den der Philippinen (vorrangig auf den Inseln Mindanao, Basilan und Jolo) widersetzte sich die vormals &uuml;berwiegend muslimische Bev&ouml;lkerung seit Mitte des 16. Jahrhunderts s&auml;mtlichen milit&auml;rischen Attacken und politischer Bevormundung seitens ausw&auml;rtiger (kolonialer) M&auml;chte &ndash; ob es sich nun um spanische Konquistadoren, US-amerikanische Imperialisten oder diverse philippinische Regierungen im fernen Manila handelte. Es war ein ebenso windungsreicher wie komplexer Kampf, der auch intern zu Spaltungen und Zerw&uuml;rfnissen f&uuml;hrte. Vor drei Jahren, am 21. Januar und 6. Februar 2019, fanden in der Region zwei Referenden statt, in denen sich die Bev&ouml;lkerung mehrheitlich f&uuml;r eine Teilautonomie entschied.[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80030#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>] Ein historischer Abriss von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Der zweite Teil des Beitrags erscheint auf den NachDenkSeiten am n&auml;chsten Wochenende.<\/em><\/p><p><strong>Geschichtliche Wurzeln des Konflikts<\/strong><\/p><p>Der Kernkonflikt im islamischen S&uuml;den der (von der sp&auml;teren Kolonialmacht Spanien so getauften) Philippinen hat seine Wurzeln in externem Kolonialismus und interner Kolonisierung. Seit etwa 1380 unserer Zeitrechnung setzte eine relativ friedliche Islamisierung des Gebietes der heutigen S&uuml;dphilippinen ein. In deren Folge entstanden lange vor dem Advent des spanischen Kolonialismus im 16. Jahrhundert muslimische Gesellschaften mit ausgepr&auml;gt hierarchischen Strukturen &ndash; einschlie&szlig;lich Sultanaten. Gesellschaftlich ganz oben rangierte die dominante Klasse der Aristokratie (<em>Sultan, Rajah<\/em> und\/oder <em>Datu<\/em>), der Beamten sowie der Geistlichen und Gelehrten. Die <em>Mahardika<\/em> oder <em>Maharlika <\/em>nahmen als Freie eine Mittelstellung ein, w&auml;hrend sich auf der untersten sozialen Stufenleiter die in milit&auml;rischen Beutez&uuml;gen eingefangenen Sklaven befanden, denen eigener Besitz verwehrt blieb. Bis in moderne Zeiten bildete deren Arbeit &ndash; eine Verschr&auml;nkung von Elementen der Sklaverei, Fron-\/Schuldknechtschaft und Leibeigenschaft &ndash; den Eckpfeiler des Moro-Milit&auml;rapparates. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Diese feudalen Gesellschaften befanden sich im Prozess der Ausweitung des Handels mit angrenzenden Regionen im indonesisch-malaiischen Archipel, der Schifffahrt und exportorientierter Produktion, was als Basis f&uuml;r eine engere Verzahnung von Landbesitz mit erh&ouml;htem Handelskapital h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Der spanische Kolonialismus intervenierte, bevor tiefgreifende gesellschaftliche Wandlungen einsetzten. Es l&auml;sst sich nur dar&uuml;ber spekulieren, was geschehen w&auml;re, h&auml;tten sich die Moro-Gesellschaften im Rahmen ihres pr&auml;kolonialen Systems ausw&auml;rtiger Handelsbeziehungen autonom weiterzuentwickeln vermocht. Stattdessen kam es zu einem Abblocken ohne Eroberung: Durch kolonialen Druck in seiner Bewegungsfreiheit eingeschr&auml;nkt, fiel das Handelskapital auf eine bedeutungslose, lokale Stufe zur&uuml;ck. Schiffsbauer und Navigatoren wurden zu &raquo;Piraten&laquo;, st&auml;ndige Kriegshandlungen lie&szlig;en die landwirtschaftliche Produktion sinken, was zu weiterer Militarisierung beitrug. Gr&ouml;&szlig;ere Bev&ouml;lkerungsgruppen aus den Ebenen und fruchtbaren T&auml;lern wanderten in abgelegenes, gebirgiges, unwirtliches Terrain ab. Die unmittelbaren Produzenten wurden durch sprunghaft gestiegene Tributzahlungen zum Unterhalt der Milit&auml;rapparates geschr&ouml;pft und ruiniert, w&auml;hrend die herrschenden Klassen ihre soziale Stellung durch die neugewonnene F&uuml;hrungsrolle im antikolonialen Kampf zu festigen trachteten. National(istisch)e Ideologie entfaltete sich in religi&ouml;sem Gewand.<\/p><p>Die Errichtung des spanischen Kolonialregimes gl&uuml;ckte dort, wo es den durch politische Zersplitterung und geographische Streuung charakterisierten, wesentlich eigenbedarfsorientierten <em>Barangays<\/em> (Dorfgemeinschaften, w&ouml;rtlich: Bootsladung) an sozialer Koh&auml;sion mangelte, was unter anderem ihr Unverm&ouml;gen eines erfolgreichen Widerstandes begr&uuml;ndete. Letzterer war wirksam und lebendig dort, wo entwickelte politische Machtverh&auml;ltnisse als Ausdruck fortgeschrittener, Surplus schaffender Produktionsweisen und -verh&auml;ltnisse existierten, f&uuml;r deren ideologische Legitimation und funktionale Herrschaftsstabilisierung ein relativ einheitliches kulturell-religi&ouml;ses Scharnier &ndash; der Islam &ndash; dienstbar gemacht werden konnte. In diesem Sinne erwiesen sich die Moros als weitaus &raquo;resistenter&laquo; als die anderen Bev&ouml;lkerungsgruppen in den zentralen und n&ouml;rdlichen Teilen der Philippinen.<\/p><p><strong>&raquo;Wohlwollende Assimilierung&laquo; und Counterinsurgency<\/strong><\/p><p>Zwar konnten die spanischen Kolonialtruppen den Einfluss auch der Moros eind&auml;mmen, aber sie vermochten es nicht, sie zu unterwerfen und dauerhaft unter ihr Kolonialjoch zu pressen. Das gelang erst den waffentechnologisch hoch &uuml;berlegenen Truppen der Vereinigten Staaten von Amerika, die Spanien 1898 besiegten. Bis 1902 vermochten die USA die &raquo;Aufr&uuml;hrer&laquo; im Norden der Philippinen in die Knie zu zwingen. Die Moros indes widersetzten sich den auf &raquo;Entwicklung&laquo; bedachten neuen &raquo;Zivilisatoren&laquo; bis 1913 (in einigen Gebieten Jolos gar bis 1916) &ndash; immer wieder begleitet von Massakern unter der Zivilbev&ouml;lkerung auf den Inseln Mindanao, Basilan und Jolo. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Was die neuen Kolonialherren unter Entwicklung verstanden, verdeutlichten US-Truppenkommandeure auf Mindanao und Sulu im Jahre 1903:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es wird notwendig sein, nahezu s&auml;mtliche Br&auml;uche auszumerzen, welche bislang das Leben (der Moros) auszeichneten. Sie sind ein grundlegend verschiedenes Volk; von uns unterscheiden sie sich in Gedanken, Worten und Taten, und ihre Religion wird eine ernste H&uuml;rde bei unseren Bestrebungen darstellen, sie im Sinne des Christentums zu zivilisieren. Solange der Mohammedanismus vorherrscht, kann der angels&auml;chsischen Zivilisation nur m&uuml;hsam der Weg geebnet werden.&ldquo; [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] (&Uuml;bersetzung: RW)\n<\/p><\/blockquote><p>Als US-Pr&auml;sident Theodore Roosevelt den &raquo;Aufstand&laquo; offiziell am 4. Juli 1902 f&uuml;r beendet erkl&auml;rte, hatte buchst&auml;blich ein Zehntel der damals etwa sechs Millionen Einwohner z&auml;hlenden philippinischen Bev&ouml;lkerung gewaltsam den Tod gefunden. Diese erste milit&auml;rische US-Intervention in Asien und eines der bis dahin gr&ouml;&szlig;ten dokumentierten Kolonialmassaker in der Geschichte &ndash; in Washington euphemistisch mal &raquo;benevolent assimilation&laquo;, mal &raquo;pacification&laquo; genannt &ndash; sah laut damaligen Untersuchungen des amerikanischen Kongresses knapp 127.000 US-Soldaten im Fronteinsatz, von denen 4.234 Mann fielen.<\/p><p>Die um die vorletzte Jahrhundertwende praktizierten &raquo;Befriedungs&laquo;-Methoden nahmen vorweg, was sp&auml;ter in Malaya unter den Briten (w&auml;hrend der sogenannten <em>Emergency<\/em> von 1948 bis 1960), Korea (1950-53) und Indochina (1965-75) technisch ausgekl&uuml;gelter zur Anwendung kommen sollte &ndash; sogenannte &raquo;strategische Wehrd&ouml;rfer&laquo;, Freifeuerzonen, systematische Such-und-Zerst&ouml;r-Aktionen und Nahrungsmittelblockaden. Flankiert wurde all das von gesetzlichen Auflagen: das <em>Sedition Law <\/em>(1901) ahndete jedes Eintreten f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit mit langj&auml;hrigen Haftstrafen oder Tod; der <em>Brigandage Act<\/em> (1902) stufte Widerstandsk&auml;mpfer als &raquo;<em>ladrones<\/em>&laquo; (Diebe und Banditen) ein, worauf die Todesstrafe und f&uuml;r Helfershelfer eine zehnj&auml;hrige Haftstrafe stand. Der <em>Reconcentration Act <\/em>(1903) rechtfertigte &raquo;<em>strategic hamletting<\/em>&laquo;. Dadurch sollten die Au&szlig;enkontakte von Menschen in bestimmten Regionen genau &uuml;berwacht beziehungsweise verhindert werden. Zu diesem Zweck wurden entsprechende Gebiete hermetisch abgeriegelt, streng patrouilliert, mit Stacheldraht umz&auml;unt und die Bev&ouml;lkerung angewiesen, eine Seitenwand ihrer &ndash; meist aus Bambus oder Nipa gefertigten &ndash; H&auml;user zu entfernen, um diese &bdquo;durchsichtig&ldquo; zu machen. Ziel war es, die Zivilbev&ouml;lkerung von potenziellen &raquo;Aufr&uuml;hrern&laquo; zu trennen. Sp&auml;ter nannte man dies: &raquo;der Guerilla das Wasser abgraben&laquo;. Das <em>Flag Law<\/em> (1907) verbot das Hissen der philippinischen Flagge, w&auml;hrend das Singen des Jahrzehnte sp&auml;ter, in der Endphase der Pr&auml;sidentschaft von Ferdinand E. Marcos (1965-86), wieder popul&auml;ren antikolonialen Liedes <em>Ang Bayan Ko<\/em> (Mein geliebtes Heimatland) unter Strafe gestellt wurde.<\/p><p>Scharfe Proteste gegen den Krieg in den Philippinen hagelte es seitens der in den Vereinigten Staaten r&uuml;hrigen <em>Antiimperialistischen Liga der USA<\/em>. Deren Vizepr&auml;sident war von 1901 bis zu seinem Tode 1910 der mittlerweile ber&uuml;hmte Schriftsteller Samuel Langhorne Clemens alias Mark Twain. Wiederholt begr&uuml;ndete er seine Haltung auf &ouml;ffentlichen Veranstaltungen mit den Worten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Noch vor einem Jahr war ich kein Antiimperialist. Ich dachte, es sei eine gro&szlig;artige Sache, den Filipinos ein gro&szlig;es St&uuml;ck an Freiheit zu geben. Heute allerdings glaube ich, es ist besser, dass die Filipinos sich selbst darum k&uuml;mmern.&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Stets betonte Mark Twain, er sei dagegen, dass der amerikanische Adler seine Krallen auf fremdes Territorium setzt. Anfangs hatte er den Spanisch-Amerikanischen Krieg noch ausdr&uuml;cklich begr&uuml;&szlig;t; von ihm versprach er sich Hilfe f&uuml;r die kubanischen Revolution&auml;re in ihrem Kampf gegen die verhassten Spanier. Sp&auml;ter aber fand die US-amerikanische Kriegf&uuml;hrung in den Philippinen in Twain einen unerbittlichen Gegner. Mit &auml;tzender Kritik attackierte er diesen Waffengang, der au&szlig;erhalb der USA jene Werte zerst&ouml;rte, die in den Staaten selbst als sakrosankt galten. Dass der Autor des <em>Huckleberry Finn<\/em> so vehement gegen die politische F&uuml;hrung seines Landes opponierte, war seinen &ndash; letztlich m&auml;chtigeren &ndash; Gegnern ein Dorn im Auge. Diese setzten nach dem Tod des streitbaren Schriftstellers und Publizisten alles daran, das letzte Jahrzehnt seines Schaffens im Ged&auml;chtnis seiner breiten Leserschaft und Bewunderer zu tilgen. Die meisten Biographien &uuml;ber Mark Twain blenden seine aktive Zeit in der Liga einfach aus, wie sich dies denn auch in Berichten anl&auml;sslich seines 100. Todestages am 21. April 2010 spiegelte.<\/p><p><strong>Siedlerkolonialismus und multinationales Agrobusiness<\/strong><\/p><p>Etliche Jahre blieb die Moro-Provinz unter direkter Verwaltung der US-Armee. Ab 1920 setzte Washington dann gezielt Mitglieder der nordphilippinischen Elite als Beamte im S&uuml;den ein. Die von amerikanischen Milit&auml;rs trainierten <em>Philippine Scouts<\/em> sowie die <em>Constabulary<\/em> &uuml;bernahmen ab den 1930er Jahren verst&auml;rkt &raquo;Ordnungsfunktionen&laquo; im S&uuml;den. Das <em>Pensionado<\/em>-Programm tat ein &Uuml;briges, um Teile der s&uuml;dlichen Herrschaftseliten, <em>Datus <\/em>und <em>Rajahs<\/em>, durch finanzierte Aufenthalte im &raquo;zivilisierten&laquo; Manila und kostenlose Studienreisen in die USA sozial zu domestizieren, politisch zu kooptieren und kulturell aufzuweichen.<\/p><p>Auf dieses amerikanische Erbe besann sich nach der Unabh&auml;ngigkeit der Republik der Philippinen (4. Juli 1946) die &ndash; &uuml;berwiegend christliche &ndash; Zentralregierung im fernen Manila. Sie verfolgte eine Doppelstrategie. Zum einen nahm sie zusammen mit dem internationalen Agrobusiness den S&uuml;den wegen seiner taifungesch&uuml;tzten Lage und reichen Bodensch&auml;tze f&uuml;r die &raquo;Entwicklung&laquo; ins Visier. Zum anderen wollte sie durch die Umsiedlung nordphilippinischer Bauern sowie desertierter Guerilleros der <em>Hukbalahap<\/em> (der Antijapanischen Volksarmee; 1950 umbenannt in Volksbefreiungsarmee) die sozialpolitischen Probleme in Nordluzon abfedern, die sich dort aufgrund erdr&uuml;ckender feudaler Pachtverh&auml;ltnisse aufgestaut hatten. Unter Pr&auml;sident Ramon Magsaysay fanden Mitte der 1950er Jahre die ersten gr&ouml;&szlig;eren systematischen Umsiedlungen nach Mindanao statt. W&auml;hrend der Marcos-&Auml;ra verst&auml;rkte sich dieser Trend: Fortan flankierten interne Kolonisierungsma&szlig;nahmen die von Manila verfolgte Strategie exportorientierter Entwicklung.<\/p><p>Allein auf der gr&ouml;&szlig;ten s&uuml;dphilippinischen Insel Mindanao werden etwa 50 Prozent der gesamten Mais- und Kokosnuss-, 20 Prozent der Reis-, 50 Prozent der Fisch-, nahezu 100 Prozent der f&uuml;r die Ausfuhr bestimmten Bananen- und Ananasproduktion des Landes gewonnen. 40 Prozent der Viehzucht sind dort lokalisiert, und fast 90 Prozent der Nickel-, Kobalt- und Eisenerz- sowie nahezu 100 Prozent der Bauxitvorkommen werden dort abgebaut. Bis auf Erd&ouml;l verf&uuml;gen Mindanao und der Sulu-Archipel &uuml;ber ein betr&auml;chtliches Arsenal an strategischen Ressourcen. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Eine Vielzahl nat&uuml;rlicher H&auml;fen und seine Fruchtbarkeit machten Mindanao zum Magneten f&uuml;r ausl&auml;ndisches Kapital. Nach einer verheerenden Kahlschlagpolitik <em>(deforestation)<\/em> wurden Grund und Boden vom internationalen Agrobusiness unter Beschlag genommen. <em>Dole, Del Monte<\/em> und weitere Konzerne unterhielten hier ihre weltweit gr&ouml;&szlig;ten Plantagen mit einer Gesamtnutzungsfl&auml;che von weit &uuml;ber hunderttausend Hektar Land, die lange Zeit f&uuml;r lediglich umgerechnet 50 US-Cents pro Hektar\/Jahr von der regierungseigenen Nationalen Entwicklungsgesellschaft gepachtet worden waren.<\/p><p><strong>Einschneidender demographischer Wandel &ndash; Squatters im eigenen Land<\/strong><\/p><p>Betrug im S&uuml;den der muslimische Bev&ouml;lkerungsanteil 1913 noch 98 Prozent, so war dieser bereits Mitte der 1970er Jahre auf nur 30 Prozent geschrumpft. Vor der Kolonisierung geh&ouml;rten der muslimischen Bev&ouml;lkerung und den <em>Lumad<\/em> (nicht-muslimischen indigenen V&ouml;lkern) s&auml;mtliches Land. Heute besitzen diese weniger als 15 Prozent, vorwiegend in abgelegenen, unfruchtbaren Gebirgsregionen. Rund 80 Prozent der Moslems sind gegenw&auml;rtig landlose P&auml;chter. Der Verwaltungsapparat, das Milit&auml;r sowie der Dienstleistungs- und Handelssektor sind fest in den H&auml;nden der aus dem Norden zugewanderten Siedler. Selbst die m&auml;chtigsten Vertreter der zahlenm&auml;&szlig;ig kleinen muslimischen Elite waren ihnen unter Marcos untergeordnet. Zur politischen und wirtschaftlichen Benachteiligung gesellte sich eine von Manila zielstrebig gesch&uuml;rte kulturelle Geringsch&auml;tzung. In Schulb&uuml;chern und Schauspielen figurier(t)en die Moros bestenfalls als Staffage oder bemitleidenswertes Schlusslicht nationaler Entwicklung. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Der Landraub vollzog sich keineswegs friedlich. Auf der einen Seite bildeten die Siedler bewaffnete Formationen &ndash; staatlich unterst&uuml;tzte oder geduldete B&uuml;rgerwehren und paramilit&auml;rische (christliche) Sekten. Auf der anderen Seite organisierten sich (muslimische) Selbstschutzkommandos und bewaffnete Gangs. Dies bildete den Hintergrund einer stetig gr&ouml;&szlig;er werdenden Gewaltkulisse. Kein Wunder, dass Mindanao w&auml;hrend der Marcos-&Auml;ra zur mit Abstand h&ouml;chstmilitarisierten Region des Archipels avancierte. &Uuml;ber 60 Prozent der Kampfeinheiten der Philippinischen Streitkr&auml;fte (AFP) waren dort st&auml;ndig stationiert &ndash; vorrangig zum Schutz von Siedlern und ausl&auml;ndischen Wirtschaftsinteressen vor sich neuformierendem Moro-Widerstand. Ein &raquo;Religionskrieg&laquo; verhindere die Entwicklung des S&uuml;dens, hie&szlig; es in Manila. F&uuml;r ein &Uuml;berleben und die Selbstbestimmung k&auml;mpfe man &ndash; konterten die Moslems. Dieses &raquo;Missverst&auml;ndnis&laquo; kostete seit 1970 etwa 150.000 Menschen das Leben. Ganz zu schweigen von den hunderttausenden Entwurzelten und Vertriebenen (<em>s.u.: Exkurs<\/em>). Noch immer lebt etwa eine Viertel Million Moros im benachbarten ostmalaysischen Bundesstaat Sabah im Exil.<\/p><p><strong>Neu formierter Widerstand<\/strong><\/p><p>Jahrzehnte sollten vergehen, bis sich die Moros erneut und vehement gegen die Zentralregierung auflehnten. Niemand hatte sie gefragt, ob sie 1946 Teil der unabh&auml;ngig gewordenen philippinischen Republik werden wollten. Die in Washington und Manila unterbreiteten Protestresolutionen und Petitionen gegen die Eingliederung des s&uuml;dlichen Teils des Archipels in die neue Republik fanden kein Geh&ouml;r.<\/p><p>Am 1. Mai 1968 unterzeichnete der fr&uuml;here Gouverneur von Cotabato, Datu Udtog Matalam, ein Manifest, das die Errichtung eines islamischen Staates &ndash; der Republik von Mindanao und Sulu &ndash; vorsah. Dies signalisierte den Beginn der <em>Muslim Independence Movement <\/em>&ndash; sp&auml;ter in <em>Mindanao Independence Movement (MIM) <\/em>umbenannt &ndash; die die traditionelle muslimische Elite gr&uuml;ndete. Diese pr&auml;sentierte sich, wollte sie ihren R&uuml;ckhalt in der Bev&ouml;lkerung nicht g&auml;nzlich verlieren, nach au&szlig;en hin antikolonial. Allein aus materiellen Erw&auml;gungen war ihr jedoch daran gelegen, antiimperiale und antikoloniale Inhalte zu verschleiern oder sie zum sp&auml;teren Zeitpunkt, in einem neu zu gr&uuml;ndenden Staat, aufgehoben zu wissen. Die religi&ouml;s gewendete Anti-Marcos-Kritik sicherte der MIM-F&uuml;hrung betr&auml;chtliche finanzielle Zuwendungen aus dem Nahen und Mittleren Osten. Ob und in welchem Umfang sie auch aus den Anrainerstaaten Malaysia und Indonesien Sch&uuml;tzenhilfe bezog, ist ungewiss.<\/p><p>In Abgrenzung zur MIM entstand 1968\/69 der Nukleus der <em>Moro National Liberation Front (MNLF)<\/em> unter der &Auml;gide des s&uuml;dlich von Jolo stammenden Nur Misuari. Misuaris Politisierung erfolgte Mitte der 1960er Jahre in der linken Studenten- und Jugendbewegung Manilas, wo er Politik studiert und zeitweilig gelehrt hatte. Anfang der 1970er Jahre setzte er sich ins Ausland ab und verbrachte die Jahre bis 1986\/87 vorwiegend in Libyen und anderen L&auml;ndern des Nahen und Mittleren Ostens. Politisch-diplomatisch unterst&uuml;tzt wurde die MNLF von der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) mit Sekretariatssitz im saudi-arabischen Jeddah. Bis Mitte der 1970er Jahre hielt die MNLF am Konzept der Sezession MINSUPALAs (Mindanaos, des Sulu-Archipels und Palawans) und an der Schaffung einer auf diesem Territorium unabh&auml;ngigen <em>Bangsa Moro Republik<\/em> (Republik der Moro-Nation) fest.<\/p><p><strong>Vereitelte Autonomie <em>oder<\/em> Von Konfrontation zur Kooperation<\/strong><\/p><p>Eine Z&auml;sur in der Geschichte der MNLF und des j&uuml;ngeren Moro-Widerstandes bildete das am 23. Dezember 1976 im libyschen Tripolis unterzeichnete Abkommen zwischen Manila und der MNLF. Im Vordergrund standen dabei: (a) die politische und friedliche Beilegung des Konflikts, der mittlerweile zu einem offenen B&uuml;rgerkrieg eskaliert war, sowie (b) Autonomie f&uuml;r die Moros &raquo;innerhalb der nationalen Souver&auml;nit&auml;t und territorialen Integrit&auml;t der Republik der Philippinen&laquo;. Die MNLF sah sich mithin &ndash; nicht zuletzt auf Druck seitens der OIC &ndash; zur R&uuml;cknahme ihrer urspr&uuml;nglich maximalistischen Forderung nach staatlicher Eigenst&auml;ndigkeit gezwungen.<\/p><p>Nutznie&szlig;er des Tripolis-Abkommens war eindeutig die Regierung in Manila, welche eine vereinbarte &raquo;Autonome Moslem-Region&laquo; nicht verwirklichte, MNLF-Abtr&uuml;nnige mit finanziellen Zuwendungen zu k&ouml;dern und sie mit Hilfe zugeschanzter Posten in Ministerien und Beh&ouml;rden politisch zu kooptieren vermochte. Scharenweise kehrten desillusionierte MNLF-Kader ihrer Organisation den R&uuml;cken. Zudem blieben etliche Mitglieder des Zentralkomitees der MNLF, darunter auch Nur Misuari, in Libyen und anderen Nahoststaaten, sodass die organisationsinterne Kommunikation nur durch Emiss&auml;re erfolgte. Unter solchen Bedingungen brachen auch interethnische Rivalit&auml;ten im Moro-Widerstand auf und es kam zu Friktionen zwischen der Auslandsf&uuml;hrung und lokalen Kommandeuren ebenso wie unter den vor Ort agierenden Befehlshabern.<\/p><p>W&auml;hrend der Pr&auml;sidentschaft von Fidel V. Ramos (1992-98) erfolgte eine noch weitergehende Ann&auml;herung zwischen MNLF-F&uuml;hrung und der Zentralregierung, die zum Endg&uuml;ltigen Friedensabkommen vom 2. September 1996 f&uuml;hrte. Zu den Bestimmungen dieses Abkommens geh&ouml;rte zwar die Schaffung einer (anf&auml;nglich aus lediglich vier Provinzen bestehenden) <em>Autonomen Region in Moslem Mindanao<\/em> (ARMM<em>), <\/em>deren Gouverneur Misuari wurde,<em> <\/em>und der <em>S&uuml;dphilippinische Rat f&uuml;r Frieden und Entwicklung <\/em>(SPCPD). Doch die Machtbefugnisse dieser beiden Instanzen blieben vage und, problematischer noch, deren finanzielle Ausstattung vom Goodwill der Zentralregierung in Manila abh&auml;ngig. Bereits Anfang Oktober 1996, nur einen Monat nach Unterzeichnung des Friedensabkommens, wurde in einer entsprechenden Exekutivorder aus dem Pr&auml;sidentenpalast <em>Malaca&ntilde;ang<\/em> verf&uuml;gt, dass Fragen der Finanzhoheit und Ressourcenzuteilung f&uuml;r ARMM und SPCPD k&uuml;nftig exklusiv der Regierung in Manila obl&auml;gen, die MNLF mithin ausgehebelt und ihr Restvertrauen innerhalb des auf genuine Selbstbestimmung bedachten Teils der Moro-Bev&ouml;lkerung verspielt wurde. Gefolgsleute von einst ziehen Misuari nunmehr der Kapitulation, da er sich darauf eingelassen hatte, dass laut der Vereinbarung vom 2. September 1996 k&uuml;nftige Unstimmigkeiten und Probleme bei der Umsetzung des Friedensabkommens im Rahmen der Verfassung und Rechtsprechung der Republik der Philippinen zu l&ouml;sen seien. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Anstelle der MNLF und Nur Misuari trat fortan die <em>Moro Islamic Liberation Front<\/em> (MILF) unter ihrem Vorsitzenden Hashim Salamat, der an Kairos altehrw&uuml;rdiger Al-Azhar-Universit&auml;t ausgebildet worden war, als Hauptprotagonist der Moro-Anliegen in Erscheinung. Ihr erkl&auml;rtes Ziel war es, den Moro-Widerstand nach dem &raquo;Tripolis-Desaster&laquo; zu revitalisieren und am Selbstbestimmungsrecht der Moros festzuhalten. 1978 trat die MILF, die sich nach der Unterzeichnung des Tripolis-Abkommens von der MNLF abgespalten hatte, erstmals &ouml;ffentlich in Erscheinung und ist gegenw&auml;rtig die mit Abstand bedeutsamste und gr&ouml;&szlig;te Organisation des Moro-Widerstands. Die Regierung bezifferte die Zahl ihrer Kombattanten, der <em>Bangsa Moro Islamic Armed Forces <\/em>(BIAF), auf zirka 12.500 Mann.<\/p><p>Die MILF konzentriert sich auf den Aufbau beziehungsweise die St&auml;rkung sektoraler Organisationen in der Region und unterhielt bis zum Fr&uuml;hjahr 2000 insgesamt 46 &uuml;ber ganz Mindanao verstreute sogenannte Camps, bei denen es sich allerdings um selbstverwaltete Gemeinwesen handelte. Am 9. Juli 2000 nahm das philippinische Milit&auml;r nach einer milit&auml;rischen Gro&szlig;offensive das Hauptquartier der MILF, Camp Abubakar (Provinz Maguindanao), ein, und im Gegenzug verk&uuml;ndete ihr Vorsitzender Salamat den <em>jihad<\/em>. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Im Unterschied zur langj&auml;hrig autokratischen F&uuml;hrung der MNLF praktiziert die MILF einen kollektiven F&uuml;hrungsstil und hielt lange Zeit am strategischen Konzept eines unabh&auml;ngigen Bangsa-Moro-Staates fest. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Aus Sicht der MILF wird sich nichts vorw&auml;rtsbewegen, wenn nicht endlich die Rechte der muslimischen Bev&ouml;lkerung auf Unabh&auml;ngigkeit anerkannt und ihre fr&uuml;heren Landrechte wie auch jener der Lumad respektiert werden.<\/p><p><strong>MILF versus MNLF und Abu Sayyaf<\/strong><\/p><p>Eine Folge langj&auml;hriger Peripherisierung, Pauperisierung und Marginalisierung der muslimischen Bev&ouml;lkerung einerseits und des politischen Kotaus der MNLF andererseits war aber auch das Entstehen solcher Gruppen wie der <em>Abu Sayyaf<\/em> (ASG). [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Da ihre Gr&uuml;nder in Afghanistan zur Zeit der sowjetischen Okkupation (1979-89) k&auml;mpften, werden ihr bis heute Kontakte zur al-Qaida nachgesagt sowie zu Ramsi Jusef, der wegen des Anschlags 1993 auf das World Trade Center in New York verurteilt wurde. Ende der 1980er Jahre nach erfolglosen Friedensverhandlungen Nur Misuaris mit Pr&auml;sidentin Corazon C. Aquino entstanden, rekrutierte die ASG Mitglieder mit Kampferfahrungen in Afghanistan haupts&auml;chlich auf der Insel Basilan. In den 1990er Jahren machte die Gruppe, die &uuml;ber keine politische Agenda verf&uuml;gt, durch diverse Terroranschl&auml;ge gegen &ouml;ffentliche Einrichtungen (z.B. Kirchen, Passagierschiffe und Kaufh&auml;user) und Zivilisten sowie durch Erpressung und Kidnapping reicher in- wie ausl&auml;ndischer Gesch&auml;ftsleute auf sich aufmerksam.<\/p><p>International bekannt wurde die ASG im Jahre 2000, als es ihr gelang, von der ostmalaysischen Insel Sipadan aus mehrere westliche Touristen auf die Insel Jolo zu entf&uuml;hren &ndash; darunter auch die G&ouml;ttinger Familie Wallert &ndash; und nach deren mehrmonatiger Geiselhaft L&ouml;segelder in H&ouml;he von nahezu einer Milliarde Peso (damals rund 50 Millionen DM) zu erpressen. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Seitdem hat die philippinische Regierung die Existenz und das Treiben der ASG wiederholt f&uuml;r ihre politischen Zwecke einzuspannen versucht, was bereits auf dem H&ouml;hepunkt der Jolo-Geiselnahme im philippinischen Senat auf Kritik gesto&szlig;en war.<\/p><p>Am 8. Mai 2000 hielt Senator Aquilino Pimentel in seinem und im Namen der anderen beiden aus Mindanao stammenden Senatoren, Teofisto F. Guingona und Robert Z. Barbers, eine in dreifacher Hinsicht bemerkenswerte Rede im philippinischen Senat. Erstens handelte es sich um eine partei&uuml;bergreifende Stellungnahme. Zweitens attackierte sie scharf den von Pr&auml;sident Joseph E. Estrada kurz zuvor proklamierten &raquo;totalen Krieg&laquo; gegen den Moro-Widerstand in Zentralmindanao. Schlie&szlig;lich enthielt sie Pikantes zur Abu Sayyaf. In dieser mit &raquo;<em>Stop Hostilities for the People&rsquo;s Sake<\/em>&laquo; betitelten Stellungnahme hie&szlig; es auszugsweise:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;(&hellip;) Die MILF und Abu Sayyaf st&auml;ndig zusammenzuw&uuml;rfeln, als handele es sich um ein und denselben Hund mit unterschiedlichen Halsb&auml;ndern, ist unstatthaft. Die MILF hat eine politische Agenda. Die Abu Sayyaf ist eine durch und durch kriminelle Vereinigung. Die MILF k&auml;mpft daf&uuml;r, die eigene Kultur, Religion und Identit&auml;t zu wahren. Abu Sayyaf k&auml;mpft hingegen, um ihre Verbrechen in ein Business zu verwandeln, von dem einzig diese Gruppe profitiert. Abu-Sayyaf-K&auml;mpfer wurden urspr&uuml;nglich als freiwillige Mujahedeen rekrutiert, um im amerikanischen Stellvertreter-Krieg in Afghanistan in den fr&uuml;hen 1980er Jahren zu dienen. (&hellip;) Finanzielle und logistische Unterst&uuml;tzung erhielt Abu Sayyaf von US-Undercover-Agenten &ndash; mit eventueller Verbindung zur CIA. Osama bin Laden k&ouml;nnte dabei den Hauptkurier gespielt haben, was entweder die finanzielle Unterst&uuml;tzung oder Waffenlieferung an Abu Sayyaf oder gar beides betrifft.&ldquo; (&Uuml;bersetzung: RW)\n<\/p><\/blockquote><p>Fazit der Senatoren: Widerstandsk&auml;mpfer werden von einflussreichen politischen Kr&auml;ften zuerst kreiert und politisch instrumentalisiert, um im Bedarfsfall zu Terroristen abgestempelt und verteufelt zu werden.<\/p><p><strong>Exkurs: Hohe Kriegskosten<\/strong><\/p><p>Das philippinische Verteidigungsministerium (DoD) sch&auml;tzte allein die Kriegskosten im S&uuml;den des Landes von 1970 bis 1996 auf 73 Milliarden Peso (zirka 1,2 Milliarden Euro). Diese Sch&auml;tzung wurde im philippinischen <em>Human Development Report 2005<\/em> geteilt, der konstatierte, dass der langwierige Konflikt im S&uuml;den der Philippinen von 1970 bis zum Jahr 2001 j&auml;hrlich zwischen f&uuml;nf und 7,5 Milliarden Peso verschlungen hatte. Die Weltbank gelangte bereits 2002 zu dem Ergebnis, dass sich die Kosten eines nicht endenden Konflikts in der Region auf 30 Millionen Peso t&auml;glich oder 10 Milliarden Peso pro Jahr summierten. All das ber&uuml;cksichtigte nicht die zus&auml;tzlich anfallenden Kosten bei der Bek&auml;mpfung der kommunistischen Guerilla der <em>Neuen Volksarmee<\/em> (NPA) in Mindanao.<\/p><p>Was die Zahl interner Fl&uuml;chtlinge betrifft, errechnete der genannte Philippine Human Development Report 2005, dass allein im Zeitraum von 2000 (als der damalige Pr&auml;sident Joseph E. Estrada dem Moro-Widerstand offiziell den &raquo;totalen Krieg&laquo; erkl&auml;rt hatte) bis 2004 insgesamt 1,135 Millionen Menschen f&uuml;r k&uuml;rzere oder l&auml;ngere Zeit infolge bewaffneter Feindseligkeiten in Mindanao vertrieben worden und &uuml;ber Nacht obdachlos geworden sind. In all diesen Zahlen sind nicht eingerechnet die der Region vorenthaltenen Investitionen, der Verlust und die Zerst&ouml;rung von Eigentum und schwere posttraumatische St&ouml;rungen, von anderen &raquo;Kollateralsch&auml;den&laquo; des Krieges wie Hass, verfestigte Vorurteile, Rache(gef&uuml;hle) und Diskriminierung abgesehen.<\/p><p>Titelbild: Acrylik Vectors\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;0<\/a>] Die Informationen in diesem Beitrag basieren neben den angegebenen Quellen auf zahlreichen pers&ouml;nlichen Gespr&auml;chen und Interviews mit s&auml;mtlichen Protagonisten des Konflikts in Mindanao, Basilan und im Sulu-Archipel seit Mitte der 1970er Jahre. Der Autor war u.a. der letzte ausl&auml;ndische Besucher, den die F&uuml;hrung der Moro Islamischen Befreiungsfront (MILF) Mitte M&auml;rz 2000 in ihr Hauptquartier in Camp Abubakar eingeladen hatte, bevor die philippinischen Streitkr&auml;fte ihren Belagerungsring um das Camp immer enger zogen und Anfang Juli 2000 schlie&szlig;lich zur milit&auml;rischen Gro&szlig;offensive &uuml;bergingen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] In Anlehnung an die &raquo;Mauren&laquo;\/&raquo;Mohren&laquo; Nordafrikas bezeichneten die spanischen Kolonialherren in h&ouml;chst pejorativem Sinne all jene Personen im S&uuml;den der Philippinen als &raquo;Moros&laquo;, die sich zum Islam bekannten. Ende der 1960er Jahre interpretierte der damalige F&uuml;hrungskern der Moro Nationalen Befreiungsfront (MNLF) den Begriff neu, ma&szlig; ihm fortan eine positive Bedeutung bei und entschloss sich, &raquo;Moro&laquo; explizit als Teil ihres Organisationsnamens zu verwenden.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Gross, Max L. (2007): <em>A Muslim Archipelago: Islam and Politics in Southeast Asia.<\/em> Washington, DC: National Defense Intelligence College, pp. 171-232 &ndash; hier: S. 177<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Bacevich, Andrew J. (2006): <em>What happened at Bud Dajo: A forgotten massacre &ndash; and its lessons, <\/em>in: The Boston Globe. March 12<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Zit. nach: George W. Davis (1903) <em>Annual Report of Major General George W. Davis, U.S. Army, Commanding Division of the Philippines, October 1, 1903 to July 28, 1903, <\/em>p. 261. Manila<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Zwick, Jim (ed.) (1992): <em>Mark Twain&rsquo;s Weapons of Satire: Anti-Imperialist Writings on the Philippine-American War.<\/em> Syracuse: Syracuse University Press<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Werning, Rainer (2009): Bitter Legacies of a long-lasting War, in: Graf, Arndt\/Kreuzer, Peter\/Werning, Rainer (eds.): <em>Conflict in Moro Land &ndash; Prospects for Peace? <\/em>Penang: Penerbit Universiti Sains Malaysia &ndash; hier S.6ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Bis heute hat sich daran nichts grundlegend ge&auml;ndert &ndash; siehe u.a.: Latiph, Atty. Algamar A. (2007): <em>The Root Cause of Electoral Fraud, Violence and Vote Vending in the Autonomous Region in Muslim Mindanao<\/em>, in: Bulatlat (online-magazine = <a href=\"http:\/\/www.bulatlat.org\">bulatlat.org<\/a>) Vol. VII, No. 18. Quezon City. June 10-16; Asani, Abdurasad (1980): <em>Moros &ndash; Not Filipinos,<\/em> published by A. Asani\/Bangsa Moro Research Centre. n.p. &amp; Silva, Rad D. (1979): <em>Two Hills of the Same Land: Truth Behind the Mindanao Problem, n.p., <\/em>Mindanao-Sulu Critical Studies &amp; Research Group. Sept. 1979 (rev. ed.)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] W&ouml;rtlich hei&szlig;t es in der entsprechenden Passage des Abkommens: &raquo;Any conflict in the interpretation of this Agreement shall be resolved in the light of the Philippine Constitution and existing laws&laquo; &ndash; zitiert nach: Kreuzer, Peter\/Werning, Rainer (eds.) (2007): <em>Voices from Moro Land &ndash; Perspectives from Stakeholders and Observers on the Conflict in the Southern Philippines<\/em>. Petaling Jaya (Malaysia): SIRD, p. 214. &ndash; Siehe ferner: Conde, Carlos H. (2001): <em>The Politics of Betrayal<\/em>, in: Sunday Inquirer Magazine. Manila, 23.09.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Werning, Rainer (2000): <em>Der erkl&auml;rte Krieg. Der philippinische Pr&auml;sident Estrada will die Moros &bdquo;pulverisieren<\/em>&laquo;<em>,<\/em> in: Freitag (Berlin), 09. Juni. &ndash; W&ouml;rtlich hatte der Pr&auml;sident mit Blick auf den Moro-Widerstand erkl&auml;rt: <em>&raquo;We&rsquo;ll pulverize them into ashes!<\/em>&laquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] In einem mehrst&uuml;ndigen Interview (8. M&auml;rz 2000) mit dem Autor sagte der MILF-Vorsitzende Hashim Salamat in seinem Hauptquartier Camp Abubakar: <em>&raquo;Unabh&auml;ngigkeit ist kein Verhandlungsthema. Wor&uuml;ber sich verhandeln l&auml;sst, betrifft das Territorium eines eigenst&auml;ndigen Bangsa-Moro-Staates.&laquo;<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Abu Sayyaf ist eigentlich eine Hybridkonstruktion:<em> <\/em>Abu<em> <\/em>Sa<em>yaaf <\/em>hei&szlig;t &raquo;<em>Vater des Scharfrichters<\/em>&laquo;<em>, <\/em>Abu<em> <\/em>Se<em>yef <\/em>hingegen<em> <\/em>&raquo;<em>Vater des Schwertes<\/em>&laquo;<em>.<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] M&uuml;hlmann, Sophie (2003): <em>Berlin zahlte eine Million Dollar L&ouml;segeld f&uuml;r Renate Wallert<\/em>, in: Die Welt, 11. Dezember 2003 &amp; Aventajado, Roberto N. (2004): <em>140 Days of Terror: In the Clutches of the Abu Sayyaf<\/em>. Pasig City (Philippines): Anvil Publications\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/f555cbfdb6a342f69cb21079fce50f7b\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im S&uuml;den der Philippinen (vorrangig auf den Inseln Mindanao, Basilan und Jolo) widersetzte sich die vormals &uuml;berwiegend muslimische Bev&ouml;lkerung seit Mitte des 16. Jahrhunderts s&auml;mtlichen milit&auml;rischen Attacken und politischer Bevormundung seitens ausw&auml;rtiger (kolonialer) M&auml;chte &ndash; ob es sich nun um spanische Konquistadoren, US-amerikanische Imperialisten oder diverse philippinische Regierungen im fernen Manila handelte. Es war ein<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80030\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":80032,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,171],"tags":[1692,912,2529,1792,2104,3151,835,1971,2039,564,3187,2991,1556],"class_list":["post-80030","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-agrarwirtschaft","tag-buergerkrieg","tag-imperialismus","tag-kolonialismus","tag-kriegsopfer","tag-nationale-minderheiten","tag-nationalismus","tag-philippinen","tag-siedlungspolitik","tag-spanien","tag-twain-mark","tag-unabhaengigkeitsbewegungen","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/shutterstock_1218999781.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=80030"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80030\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80078,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80030\/revisions\/80078"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/80032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=80030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=80030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=80030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}