{"id":80097,"date":"2022-01-24T16:56:45","date_gmt":"2022-01-24T15:56:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80097"},"modified":"2022-01-25T07:40:23","modified_gmt":"2022-01-25T06:40:23","slug":"50-jahre-bundestagswahl-1972-ueber-die-aktualitaet-ihrer-wichtigsten-botschaft-wir-wollen-ein-volk-der-guten-nachbarn-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80097","title":{"rendered":"50 Jahre Bundestagswahl 1972. \u00dcber die Aktualit\u00e4t ihrer wichtigsten Botschaft:  \u201eWir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Heute werden Feindschaften gepflegt. Unentwegt. Seit Monaten wird gegen die Russen polemisiert und milit&auml;risch und geistig aufger&uuml;stet. Und wenn die Russen nicht mehr die Feinde sein sollen, dann m&uuml;ssen die Chinesen herhalten. Leider auch bei Kujat und dem zur&uuml;ckgetretenen Marinechef. Eine verr&uuml;ckte Zeit. Weil es auch anders geht, erinnere ich an die Wahl von 1972. Die WAZ hat gestern <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/220124-WEPOLITI_NRWTZ_4_1434_2022-01-23_WAZ_LowAD-1.pdf\">dazu einen Artikel<\/a> und ein Interview mit mir ver&ouml;ffentlicht. Eine der Fragen lautete: &bdquo;Was ist von Willy Brandt geblieben?&ldquo;. Die Antwort: &bdquo;In einer entscheidenden Frage hat Brandt leider keine Relevanz mehr in der aktuellen Politik. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs geht um sein Versprechen: &sbquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein&lsquo;. Das war der Kern seiner Ostpolitik. Die Regierung Brandt wollte sich mit dem Osten verstehen und vers&ouml;hnen. Man wollte im Gegen&uuml;ber nicht den Feind sehen. Heute ist das v&ouml;llig anders. Von Annalena Baerbock &uuml;ber Olaf Scholz bis zum Au&szlig;enexperten der SPD, Nils Schmid, sieht man in Putin den Feind. Das ist ein gravierender Unterschied zu Brandt. Er setzte auf vertrauensbildende Ma&szlig;nahmen.&ldquo;<\/p><p><strong>Heute schwadroniert man &uuml;ber Kriege und droht Kriege an<\/strong><\/p><p>Die Mehrheit der Medien und viele westliche Politiker heizen die Stimmung an. Warnungen kommen sonderbarer- und gl&uuml;cklicherweise von Milit&auml;rs. So wundert sich der fr&uuml;here Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, in einem Gespr&auml;ch mit der Tagesschau dar&uuml;ber, dass t&auml;glich die Kriegstrommeln ger&uuml;hrt w&uuml;rden. <strong>Offenbar w&uuml;ssten die Leute nicht mehr, was so ein Krieg bedeutet.<\/strong> So ist es. &Uuml;ber Kriege und Kriegsplanung wird heute schwadroniert, als handele es sich um einen Spaziergang. Das gesamte Interview, in dem es vor allem um die Entlassung\/den R&uuml;cktritt von Deutschlands Marine-Chef Kay-Achim Sch&ouml;nbach geht, anzusehen, lohnt sich. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wQdcP33edoo\">Siehe hier<\/a>. Ein Zeitdokument von 9 Minuten. Das Dokument zeigt auch, wie gleichgeschaltet, oberfl&auml;chlich und ahnungslos Mitarbeiterinnen der Tagesschau, des wichtigsten deutschen Mediums sind.<\/p><p><strong>Wenn nicht mehr die Russen, dann m&uuml;ssen die Chinesen als Feindbild herhalten<\/strong><\/p><p>Leider unterf&uuml;ttern die Milit&auml;rs Kujat und Sch&ouml;nbach ihre Argumente gegen die Fortsetzung der Feindschaft zu Russland mit dem Hinweis auf China. Kujat verweist auf die USA, wo man in den Chinesen die eigentlichen Gegner sehe. Und der zur&uuml;ckgetretene Marinechef hatte bei seinen &Auml;u&szlig;erungen in Indien einer dort wohl g&auml;ngigen Meinung geschmeichelt, dass der eigentliche Gegner China sei. Und leider hat auch der SPD-Politiker Platzeck den Hinweis auf China in seiner Argumentation f&uuml;r den Frieden mit Russland eingebaut. Er warnte vor einer Zusammenarbeit zwischen Russland und China. <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/phoenix-tagesgespraech\/matthias-platzeck-zur-ukraine-krise\/phoenix\/Y3JpZDovL3Bob2VuaXguZGUvMjQ4MDUxMw\/\">Siehe hier gegen Ende des Interviews<\/a>. <\/p><p>Diese eigentlich vern&uuml;nftigen Vertreter friedlicher Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Westen benutzen den Hinweis auf China wohl auch deshalb, weil er hierzulande eing&auml;ngig ist. Und dennoch ist die Frage zu stellen: Ist es wirklich sinnvoll, die hoffentlich f&auml;llige Beendigung der Feindseligkeiten gegen&uuml;ber Russland mit neuen Feindseligkeiten gegen&uuml;ber den Chinesen auszugleichen, m&ouml;glich zu machen? Warum wird nicht der Versuch gemacht, sich auch mit China zu verst&auml;ndigen, bevor man auch da aufr&uuml;stet, was das Zeug h&auml;lt?<\/p><p>Man mag gegen diese Frage und Argumentation einwenden, ein solcher Versuch sei unrealistisch und entspreche nicht den Realit&auml;ten dieser Welt. Darauf w&auml;re zu antworten: Auch Willy Brandts Erkl&auml;rung &bdquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein&ldquo;, die er in seiner ersten Regierungserkl&auml;rung im Oktober 1969 formuliert hat und die bei der Wahl 1972 best&auml;tigt wurde, widersprach den im Kalten Krieg der f&uuml;nfziger und sechziger Jahre einge&uuml;bten Denkmustern. Sie widersprach dem konservativen, dem erzkonservativen Denken. Aber sie fand Unterst&uuml;tzung bei Millionen von Menschen, die offensichtlich besser wissen, was notwendig und was m&ouml;glich ist, um den Frieden zu bewahren: Verst&auml;ndigung mit allen. Das ist wirklich ein Gegenkonzept zum g&auml;ngigen Denken.<\/p><p><strong>Nachtrag zur Aktualit&auml;t.<\/strong> Als ich am sp&auml;ten Vormittag des 24. Januar entschied, diesen Beitrag zu schreiben, &uuml;bten Kampfflugzeuge der NATO &uuml;ber unseren K&ouml;pfen. Die Sonne schien und es dr&ouml;hnte die milit&auml;rische Bedrohung. Das ging so bis zum Nachmittag. Und das ist die Realit&auml;t. Dagegen aufzustehen wie vor 50 Jahren und dann sp&auml;ter noch einmal gegen die Nachr&uuml;stung, w&auml;re auch heute dringend notwendig.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/220124-WEPOLITI_NRWTZ_4_1434_2022-01-23_WAZ_LowAD-1.pdf\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220124-WEPOLITI_NRWTZ_4_1434_2022-01-23_WAZ_LowAD-1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Titelild: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/220124-WETITEL_NRWTZ_1_1434-152539933_2022-01-23_WAZ_LowAD-1.pdf\">WAZ<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute werden Feindschaften gepflegt. Unentwegt. Seit Monaten wird gegen die Russen polemisiert und milit&auml;risch und geistig aufger&uuml;stet. Und wenn die Russen nicht mehr die Feinde sein sollen, dann m&uuml;ssen die Chinesen herhalten. 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