{"id":80112,"date":"2022-01-25T09:49:16","date_gmt":"2022-01-25T08:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80112"},"modified":"2022-02-11T13:37:04","modified_gmt":"2022-02-11T12:37:04","slug":"schluss-mit-einseitigkeit-swr-nachrichtensprecher-rechnet-mit-herdenjournalismus-in-corona-zeiten-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80112","title":{"rendered":"Schluss mit Einseitigkeit. SWR-Nachrichtensprecher rechnet mit Herdenjournalismus in Corona-Zeiten ab."},"content":{"rendered":"<p>Mit <strong>Martin Ruthenberg<\/strong> &bdquo;outet&ldquo; sich bereits der zweite Mitarbeiter beim S&uuml;dwestrundfunk als Kritiker der Corona-Berichterstattung der &ouml;ffentlich-rechtlichen Medienanstalten. Im Interview mit den NachDenkSeiten beklagt er inhaltliche Unausgewogenheit, das Sch&uuml;ren von Angst und eine bedenkliche N&auml;he zu den Regierenden. Damit behinderten ARD, ZDF und Co. einen offenen, demokratischen Diskurs und leisteten der gesellschaftlichen Spaltung Vorschub. Er selbst lie&szlig;e sich auch mit einem Rauswurf nicht mundtot machen. Mit ihm sprach <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6873\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-80112-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220125_Schluss_mit_Einseitigkeit_beim_WDR_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220125_Schluss_mit_Einseitigkeit_beim_WDR_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220125_Schluss_mit_Einseitigkeit_beim_WDR_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220125_Schluss_mit_Einseitigkeit_beim_WDR_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=80112-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220125_Schluss_mit_Einseitigkeit_beim_WDR_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220125_Schluss_mit_Einseitigkeit_beim_WDR_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Ruthenberg, wie Sie in einer am 9. Januar ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=h1w5HslJLL0\">Sprachbotschaft<\/a> ge&auml;u&szlig;ert haben, war es Ihnen als Nachrichtensprecher beim S&uuml;dwestrundfunk zuletzt immer schwerer gefallen, den &bdquo;geistigen Spagat&ldquo; zwischen Ihrer pers&ouml;nlichen Wahrnehmung der Corona-Krise und den Meldungen, die Sie zum Thema verlesen mussten, zu meistern. Seit Oktober 2021 sind Sie arbeitsunf&auml;hig. Wurden Ihnen die Widerspr&uuml;che am Ende zu viel? <\/strong><\/p><p>Die vielen Widerspr&uuml;che waren es, die mich schon sehr viel fr&uuml;her in der Krise veranlasst haben, an dem zu zweifeln, was zum Thema Corona offiziell medial transportiert wird. Mein Gang an die &Ouml;ffentlichkeit erfolgte dann an einem Punkt, an dem ich es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, wichtige und berichtenswerte Dinge zwar wahrzunehmen, aber einfach nicht sagen zu d&uuml;rfen.<\/p><p><strong>Welche Dinge meinen Sie? <\/strong><\/p><p>Da gab es etwa den Fall des Leipziger Mathematikers <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/inland\/118803-corona-dissens-nicht-genehm-ehemaliges\/\">Stephan Luckhaus<\/a>, der Ende 2020 aus Protest aus der Wissenschaftsakademie Leopoldina ausgetreten war. Er hatte damals vor einem zweiten harten Lockdown gewarnt, wie ihn die Bundesregierung auf Empfehlung der Leopoldina dann prompt verordnete. In einer im Juni 2021 ver&ouml;ffentlichten Videobotschaft begr&uuml;ndete Luckhaus seinen Schritt mit dem Fehlen einer evidenzbasierten wissenschaftlichen Fundierung dieser Politik und damit, bei der Verbreitung seiner eigenen Arbeiten zur mathematischen Epidemiologie der Corona-Krise massiv behindert worden zu sein. Das Beispiel f&uuml;hrte mir neben vielen anderen vor Augen, wie sich sogar sehr renommierte Fachleute mit Kritik zu Wort melden, ohne dass man davon beim SWR etwas mitbekommt. Mir erschien dies h&ouml;chst bedenklich.<\/p><p><strong>Haben Sie das intern thematisiert? <\/strong><\/p><p>Innerhalb meiner Teamleitung habe ich meine Beobachtungen und die Sorgen, die mir das bereitet, zur Sprache gebracht. Ich habe vereinzelt auch Kollegen darauf angesprochen, insbesondere auf dieses rituelle Wiederk&auml;uen von Infektions- und Covid-19-Todeszahlen, deren Informationsgehalt gegen Null geht, weil ihnen jede Bezugsgr&ouml;&szlig;e fehlt. Immerhin brachte eine Redakteurin einmal auf meine Einw&auml;nde hin eine Meldung, die die nackten Zahlen in eine gewisse Relation setzte. Aber das war nur ein Tropfen auf den hei&szlig;en Stein.<\/p><p><strong>Sie selbst haben als Nachrichtensprecher keinen Einfluss darauf, was und wie etwas vermeldet wird? <\/strong><\/p><p>Ich kann sprachliche und grammatikalische Verbesserungen vorschlagen, grobe Irrt&uuml;mer wie die Nennung eines falschen Namens ansprechen oder auf Sachverhalte innerhalb einer Meldung hinweisen, die mir unstimmig erscheinen. So etwas habe ich dann mit den Redakteuren besprochen, die mir gegen&uuml;ber immer eine gro&szlig;e Bereitschaft dazu gezeigt haben. &Uuml;ber die Auswahl der Themen und die Ausgewogenheit der Inhalte bestimmen allerdings die zust&auml;ndigen Redakteure.<\/p><p><strong>Was war letztlich f&uuml;r Sie der Ausl&ouml;ser, die Auseinandersetzung mit Ihren Vorgesetzten zu suchen? <\/strong><\/p><p>Irgendwann im vergangenen Sommer war f&uuml;r mich ein Punkt erreicht, wo ich merkte, jetzt kann ich nicht mehr abwarten. Davor hatte ich noch darauf gebaut, dass sich Dinge von selbst kl&auml;ren und ans Licht kommen. Aber es kam nichts wirklich in Bewegung. Dann fand ich Kontakt zu einer Kollegin, die &auml;hnlich denkt wie ich. So entstand die Idee, sich mit anderen Gleichgesinnten zusammenzutun, um m&ouml;glicherweise gemeinsam hausintern Stellung zu beziehen. Allerdings befand sich zu der Zeit fast die ganze Belegschaft im Homeoffice, was den Austausch extrem erschwerte. Dann erfuhr ich von diesem Brief, den mein SWR-Kollege Ole Skambraks ver&ouml;ffentlicht hat. Da habe ich innerlich aufgejubelt.<\/p><p><strong>Zum Verst&auml;ndnis: Skambraks war zw&ouml;lf Jahre lang f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Rundfunk t&auml;tig. Im Oktober publizierte er im Onlinemagazin &bdquo;Multipolar&ldquo; einen langen Text, in dem er mit der Corona-Berichterstattung der Medien abrechnete. Unter dem Titel: <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/ich-kann-nicht-mehr\">&bdquo;Ich kann nicht mehr&ldquo;<\/a> schrieb er zum Beispiel: &bdquo;Das Ergebnis von anderthalb Jahren Corona ist eine Spaltung der Gesellschaft, die ihresgleichen sucht. Der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk hat daran gro&szlig;en Anteil. Seiner Verantwortung, Br&uuml;cken zwischen den Lagern zu bauen und Austausch zu f&ouml;rdern, kommt er immer seltener nach.&ldquo; Kannten Sie Skambraks bis dahin? <\/strong><\/p><p>Nur vom Namen her. Ich war v&ouml;llig &uuml;berw&auml;ltigt von seinem Vorsto&szlig; und dachte: Oh, jetzt wagt sich da einer gleich so weit vor. Ich habe sofort mit ihm Kontakt aufgenommen und mich bei ihm bedankt. Ihm wurde dann ja sehr bald fristlos gek&uuml;ndigt, wobei zwischen seiner Darstellung und der des Senders, warum es dazu kam, aus meiner Sicht Welten liegen.<\/p><p><strong>Offiziell war von einem &bdquo;gest&ouml;rten Vertrauensverh&auml;ltnis&ldquo; die Rede &hellip;<\/strong><\/p><p>F&uuml;r mich ist nach wie vor der Verdacht nicht ausger&auml;umt, dass man Ole Skambraks ins offene Messer laufen lie&szlig;, um ihn vor die T&uuml;r setzen zu k&ouml;nnen. Jedenfalls habe ich schon kurz darauf einen <a href=\"https:\/\/magentacloud.de\/s\/QCaCRHp8NPjYf7R?dir=undefined&amp;openfile=2892164843\">hausintern offenen Brief<\/a> an den Intendanten und die Gesch&auml;ftsleitung verfasst, in dem ich meine Best&uuml;rzung &uuml;ber die Art des Umgangs mit meinem Kollegen zum Ausdruck brachte und um eine R&uuml;cknahme der K&uuml;ndigung sowie einen offenen Diskurs &uuml;ber die von ihm vorgebrachte Kritik bat. Dazu dr&uuml;ckte ich meine Sorge dar&uuml;ber aus, dass die Grundrechte zur Disposition stehen und die Berichterstattung nicht ausgewogen ist und der gesellschaftlichen Spaltung Vorschub leistet. Ein zentraler Punkt in dem Brief ist das Thema Angst, die in der Krise eine &uuml;berragende Rolle spielt und die in meinen Augen ganz gezielt gesch&uuml;rt wird, um Politik zu machen.<\/p><p><strong>Was wurde aus Ihrem Vorsto&szlig;? <\/strong><\/p><p>Ich hatte angeregt, meinen Brief im Intranet des SWR zu ver&ouml;ffentlichen und den Kolleginnen und Kollegen so die M&ouml;glichkeit zu geben, die Inhalte anonym zu kommentieren. Das hat die Gesch&auml;ftsleitung abgelehnt und stattdessen angeboten, eine interne Dialogveranstaltung zum Thema Ausgewogenheit der Berichterstattung durchzuf&uuml;hren. Meiner Bitte um ein pers&ouml;nliches Gespr&auml;ch mit dem Intendanten wurde angeblich aus Zeitgr&uuml;nden auch nicht entsprochen. Weil mir klar war, dass der vorgeschlagene Dialog im Onlineformat nur eine Art Alibiveranstaltung sein w&uuml;rde, habe ich daran nicht teilgenommen. Den n&ouml;tigen Kulturwandel und einen offenen Diskurs kann man so nicht einleiten. Von verschiedenen Seiten wurde mir sp&auml;ter best&auml;tigt, dass besagte Veranstaltung diesem Zweck gerade nicht diente.<\/p><p><strong>Ihr &bdquo;Coming-out&ldquo; hatten Sie dann im Nachgang einer Demonstration von Kritikern der Corona-Ma&szlig;nahmen in Freiburg, &uuml;ber die Ihr Sender <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=azXoVZ9dQdw\">in einer Videoschalte<\/a> den Eindruck erweckte, dass es sich dabei um einen Aufzug von Spaltern handeln w&uuml;rde. <\/strong><\/p><p>Ich selbst war vor Ort gewesen. Das waren alles sehr friedliche, sehr liebevolle Menschen und ich habe keine einzige Person gesehen, die auch nur eine Tendenz hatte, zu spalten &ndash; ganz im Gegenteil. Was der SWR daraus machte, l&ouml;ste bei mir gro&szlig;e Wut aus und war letztlich der Tropfen, der das Fass zum &Uuml;berlaufen brachte. Unmittelbar danach habe ich meine Sprachbotschaft abgesetzt.<\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie es sich, dass die Corona-Berichterstattung, gerade auch die der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen, fast wie gleichgeschaltet wirkt? <\/strong><\/p><p>Eine abschlie&szlig;ende Erkl&auml;rung habe ich daf&uuml;r nicht. Auf alle F&auml;lle erleben die Nachrichtenredakteure seit Jahren eine permanente Arbeitsverdichtung. Es bleibt in ihrem Alltag praktisch keine Zeit, etwas zu hinterfragen und in die Tiefe zu recherchieren. Die Leute werden von fr&uuml;h bis sp&auml;t mit Agenturmeldungen bombardiert, bei denen man sich auch mal die Frage stellen m&uuml;sste: Wem geh&ouml;ren diese Agenturen und welche Interessen verfolgen ihre Besitzer? Das alles mitzudenken und sich gegebenenfalls alternativer Quellen zu bedienen, kann ein Nachrichtenredakteur im Tagesgesch&auml;ft gar nicht leisten. Und ich sch&auml;tze, das ist auch nicht erw&uuml;nscht.<\/p><p><strong>Aber das allein erkl&auml;rt noch nicht, warum die Berichterstattung beim Thema Corona in ihrer Gesamtheit wie orchestriert anmutet und es Ausrei&szlig;er aus dem Einheitsbrei so gut wie gar nicht gibt. <\/strong><\/p><p>Woran es vor allem im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk fehlt, ist eine wirklich angstfreie Arbeitsatmosph&auml;re, bei der auch die Au&szlig;enseiter eingebunden sind und kritische Meinungen zugelassen werden. In all meinen Jahren beim SWR habe ich eine solche Atmosph&auml;re nie erlebt. Ich kenne mich auf dem Gebiet ein wenig aus, weil ich als Therapeut selbst mit Gruppen arbeite und auch schon F&uuml;hrungskr&auml;fte trainiert habe. Als ich beim Sender in den 1990er-Jahren angetreten war, hatte ich vorgeschlagen, regelm&auml;&szlig;ige Feedbacks innerhalb unseres Teams einzuf&uuml;hren. Darauf reagierten die meisten Kollegen sehr abwehrend, weil ihnen das, was sie sich darunter vorstellten, offensichtlich Angst bereitete.<\/p><p>Nach meiner Beobachtung bestehen bis in die obersten F&uuml;hrungsebenen hinauf erhebliche Verst&auml;ndnis- und Wissensl&uuml;cken in puncto zwischenmenschliche Kommunikation und konstruktive Umgangsformen. Viele Menschen w&auml;hnen sich in einer angstfreien Umgebung, weil sie die eigene Angst verdr&auml;ngt haben. Das gilt f&uuml;r unsere gesamte Gesellschaft. Angst zu haben, ist so selbstverst&auml;ndlich, dass die meisten gar nicht auf die Idee kommen, sie k&ouml;nnten angstgesteuert handeln.<\/p><p><strong>Ist die seit Anbeginn der Pandemie befeuerte und quasi regierungsamtlich verordnete Angst vor einem vermeintlichen Killervirus den Nachrichtenmachern vielleicht so in die Glieder gefahren, dass sie meinen, in bestem Wissen und Gewissen Panik verbreiten zu m&uuml;ssen? <\/strong><\/p><p>Journalisten sind ja auch nur Menschen und leben nicht im luftleeren Raum. Und je &ouml;fter wir einen bestimmten Satz h&ouml;ren, desto gr&ouml;&szlig;er ist unsere Bereitschaft, diesen Satz f&uuml;r wahr zu halten.<\/p><p><strong>J&uuml;ngst tauchte ein Video auf, in dem der Chef des in der Schweiz ans&auml;ssigen internationalen Medienkonzerns Ringier, Marc Walder, freim&uuml;tig einr&auml;umte, die hauseigenen Redaktionen von <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79486\">&bdquo;ganz oben&ldquo;<\/a> angewiesen zu haben, die Corona-Politik der Regierung aktiv zu unterst&uuml;tzen, anstatt sie distanziert und kritisch zu begleiten. Halten Sie derlei auch f&uuml;r deutsche Gro&szlig;medien f&uuml;r denkbar?<\/strong><\/p><p>In meinen Augen hat es schon vor Corona eine gro&szlig;e N&auml;he der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen zur Regierung gegeben &ndash; auf Landes- und auf Bundesebene. Auch schon fr&uuml;her war mir aufgefallen, dass gewisse Themen und Akteure in der Berichterstattung bevorzugt und andere ausgeblendet werden. So nehme ich schon lange und mit zunehmender Sorge wahr, dass die Medien hierzulande eine sehr transatlantische Ausrichtung haben, sehr einseitig auf die Karte USA setzen und das Feindbild Russland oder auch China bedienen. Ich denke auch, dass es Strukturen gibt, die diese Einseitigkeit in der Darstellung des Weltgeschehens bef&ouml;rdern. Mit dem Thema habe ich mich jedoch nicht gr&uuml;ndlich genug befasst, um hier gut argumentieren zu k&ouml;nnen. Allerdings h&auml;tte ich es nie f&uuml;r m&ouml;glich gehalten, dass dies alles so weitreichende und drastische Folgen haben k&ouml;nnte, wie sich das in dieser Krise offenbart hat.<\/p><p><strong>Haben Sie Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass im SWR mehr Mitarbeiter so denken k&ouml;nnten wie Sie? <\/strong><\/p><p>Es gibt sicherlich mehr kritische Geister, als es den Eindruck hat. Beziffern kann ich das nicht, zumal die Angst, sich damit zu &bdquo;outen&ldquo;, bestimmt gro&szlig; ist. Der Fall des Kollegen Skambras hat sich ohne Frage herumgesprochen.<\/p><p><strong>Sie selbst scheint das nicht zu schrecken. Mittlerweile haben Sie in <a href=\"https:\/\/magentacloud.de\/s\/QCaCRHp8NPjYf7R\">weiteren Sprachbotschaften<\/a> nachgelegt. Was treibt Sie an? <\/strong><\/p><p>Ich habe nicht mit einem so gro&szlig;en Echo auf meinen Vorsto&szlig; gerechnet. Das allein schon spornt mich an, dranzubleiben. Ich bin in der komfortablen Situation, kurz vor der Rente zu stehen. Ein junger Familienvater, der ein Haus abbezahlen muss, hat einfach nicht diese Freiheit, seinem &Auml;rger Luft zu machen. Vielleicht werde auch ich ein paar Schwierigkeiten bekommen und mich in finanziellen Dingen umstellen m&uuml;ssen. Aber das ist mir die Sache wert und ich wei&szlig;, dass ich mich heute sehr schlecht f&uuml;hlen w&uuml;rde, h&auml;tte ich diesen Schritt nicht getan.<\/p><p><strong>Sie wurden bisher nicht gek&uuml;ndigt? <\/strong><\/p><p>Ich habe hin und her &uuml;berlegt, ob ich selbst k&uuml;ndige oder die K&uuml;ndigung provoziere. Ich will es dem SWR aber auch nicht zu leicht machen und erwarte immer noch irgendeine Reaktion &ndash; bisher jedoch vergebens. Wie es beruflich f&uuml;r mich weitergeht, wei&szlig; ich momentan noch nicht.<\/p><p><strong>Und wie geht es mit Ihrem Protest weiter? <\/strong><\/p><p>Ich habe mich entschieden, meine ganze Energie auf den friedlichen Widerstand zu richten und meine bescheidene Prominenz zu nutzen, um dazu beizutragen, dass die Dinge sich in eine konstruktive Richtung bewegen. Unter den gegebenen Voraussetzungen kann ich mir &uuml;berhaupt nicht vorstellen, in den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk zur&uuml;ckzukehren.<\/p><p>Titelbild: &copy; SWR und &copy; Privat<\/p><p><em><strong>Zur Person:<\/strong> Martin Ruthenberg, Jahrgang 1957, blickt als ausgebildeter Schauspieler auf 40 Jahre Erfahrung als Sprecher, Moderator und Redakteur in Radio und Fernsehen zur&uuml;ck. Seit 1996 hat er beim S&uuml;dwestfunk\/S&uuml;dwestrundfunk unter anderem Nachrichten gesprochen und klassische Musiksendungen pr&auml;sentiert. Nebenberuflich arbeitet er als Kommunikationstrainer und Therapeut.<\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/3bec8c1b74cf4946a2998833ddd162fb\" alt=\"\" title=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit <strong>Martin Ruthenberg<\/strong> &bdquo;outet&ldquo; sich bereits der zweite Mitarbeiter beim S&uuml;dwestrundfunk als Kritiker der Corona-Berichterstattung der &ouml;ffentlich-rechtlichen Medienanstalten. Im Interview mit den NachDenkSeiten beklagt er inhaltliche Unausgewogenheit, das Sch&uuml;ren von Angst und eine bedenkliche N&auml;he zu den Regierenden. Damit behinderten ARD, ZDF und Co. einen offenen, demokratischen Diskurs und leisteten der gesellschaftlichen Spaltung Vorschub. 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