{"id":80315,"date":"2022-02-01T09:12:57","date_gmt":"2022-02-01T08:12:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80315"},"modified":"2022-02-01T15:50:29","modified_gmt":"2022-02-01T14:50:29","slug":"goldige-verwahrlosung-wie-marode-bruecken-und-hochschulen-investorenherzen-hoeher-schlagen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80315","title":{"rendered":"Goldige Verwahrlosung. Wie marode Br\u00fccken und Hochschulen Investorenherzen h\u00f6her schlagen lassen."},"content":{"rendered":"<p>Jetzt ist es raus: Deutschlands Autobahnbr&uuml;cken sind so kaputt, dass sie schleunigst und unb&uuml;rokratisch f&uuml;r Zigmilliarden Euro flott gemacht werden m&uuml;ssen. Das hat die neue Autobahn GmbH ermittelt. Wie sie das gemacht hat und wie schlimm die Sache wirklich ist, muss keinen interessieren. Hauptsache, die Bundesregierung hat verstanden und r&uuml;ckt das n&ouml;tige Geld raus, um den in Jahrzehnten herbeigek&uuml;rzten Verschlei&szlig; zu beheben, am besten gleich durch Komplettneubau. Und wenn sich dabei die Profiteure der Entstaatlichung am Scherbenaufkehren noch einmal bereichern, macht das die Sache noch viel besser &ndash; zum Beispiel f&uuml;r anlages&uuml;chtige Banken, Versicherungen und Hedgefonds. Mit br&ouml;ckelnden Unigeb&auml;uden geht das &uuml;brigens auch. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-80315-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220201_Goldige_Verwahrlosung_Wie_marode_Bruecken_und_Hochschulen_Investorenherzen_hoeher_schlagen_lassen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220201_Goldige_Verwahrlosung_Wie_marode_Bruecken_und_Hochschulen_Investorenherzen_hoeher_schlagen_lassen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220201_Goldige_Verwahrlosung_Wie_marode_Bruecken_und_Hochschulen_Investorenherzen_hoeher_schlagen_lassen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220201_Goldige_Verwahrlosung_Wie_marode_Bruecken_und_Hochschulen_Investorenherzen_hoeher_schlagen_lassen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=80315-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220201_Goldige_Verwahrlosung_Wie_marode_Bruecken_und_Hochschulen_Investorenherzen_hoeher_schlagen_lassen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220201_Goldige_Verwahrlosung_Wie_marode_Bruecken_und_Hochschulen_Investorenherzen_hoeher_schlagen_lassen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es gibt viel zu tun &ndash; lassen wir&rsquo;s bleiben! Das war gestern. Ab sofort gilt: Es wird richtig rangeklotzt, so doll, dass sich die Balken biegen, beziehungsweise die Br&uuml;ckenpfeiler. Die n&auml;mlich sind irgendwie nicht mehr so belastbar nach Jahrzehnten, in denen sie dem Zahn der Zeit und den Megatonnen schwergewichtiger Brummis schutzlos ausgeliefert waren. Das geht so weit, dass mitunter akute Einsturzgefahr droht, wie die seit Anfang Dezember abgeriegelte Talbr&uuml;cke Rahmede auf der A 45 bei L&uuml;denscheid beweist. Dort erleben Autofahrer und Anlieger seither ein mittleres Waterloo. T&auml;glich m&uuml;ssen Tausende Pkw und Laster umgeleitet werden, in den nahen Gemeinden herrscht allt&auml;glicher Verkehrskollaps &ndash; und das wohl noch jahrelang. Denn seit drei Wochen steht fest: Das Ding ist nicht mehr zu retten, muss <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/panorama\/welt\/talbruecke-rahmede-bei-luedenscheid-marode-bruecke-auf-sauerlandlinie-a45-muss-abgerissen-werden_id_35866170.html\">abgerissen und komplett erneuert<\/a> werden.<\/p><p>Deshalb: Will Deutschland nicht sein eigenes Genua erleben, muss etwas passieren und zwar schnell. Mitte Januar gab der &bdquo;Spiegel&ldquo; den Einsatzbefehl aus. Die Zahl der j&auml;hrlich instandzusetzenden Autobahnbr&uuml;cken d&uuml;rfte sich schon bald von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/deutschland-bruecken-sind-noch-maroder-als-befuerchtet-a-4ae84c75-afaf-444d-ac0a-dd3016638def\">200 auf 400 verdoppeln<\/a>, schrieb das deutsche Nachrichtenflaggschiff. Mittelfristig m&uuml;ssten viele der vor 1980 errichteten Bauwerke nicht einfach nur saniert, sondern gleich per Neubau ersetzt werden. Das werde bei den Betroffenen f&uuml;r reichlich Frust und &bdquo;erhebliche verkehrliche Einschr&auml;nkungen mit weitreichenden regionalen und auch &uuml;berregionalen Auswirkungen&ldquo; sorgen. <\/p><p><strong>Geballter Alarmismus<\/strong><\/p><p>Das alles steht so in einem &bdquo;vertraulichen&ldquo; Bericht der &bdquo;Autobahn GmbH des Bundes&ldquo;, die seit rund einem Jahr die Alleinverantwortung &uuml;ber den Fernstra&szlig;enbau innehat. Das Papier ist so geheim,  dass es ausgerechnet in der Woche an die &Ouml;ffentlichkeit durchsickerte, in der der Todessto&szlig; f&uuml;r die Rahmede-Talquerung verk&uuml;ndet wurde und sich wie zuf&auml;llig auch noch der <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/875484\/66da32c441ead3adda956be3b2760bca\/to003_12-01-22-data.pdf\">Verkehrsausschuss im Bundestag<\/a> mit eben diesem Fall befasste. Und weil man schon mal so sch&ouml;n am Probleme-W&auml;lzen war, haben die Damen und Herren Parlamentarier auch prompt besagten Alarmreport thematisiert. Da kam auf einen Schlag einiges an Aufregung zusammen und dem Berufspendler auf dem TV-Sofa konnte glatt angst und bange werden: &bdquo;Was, wenn es morgen mich erwischt?&ldquo;<\/p><p>Die NachDenkSeiten wollten bei der Autobahn GmbH durch eine schriftliche Anfrage in Erfahrung bringen, welche Kosten sich bei Abarbeitung der vorgelegten Schadensanalyse j&auml;hrlich und auf lange Sicht ergeben k&ouml;nnten. Eine Antwort sparte sich die Pressestelle, wahrscheinlich aus Gr&uuml;nden der Ressourcenschonung. Zur Orientierung taugt wom&ouml;glich ein anderer, vor einer Woche, diesmal offiziell, vorgelegter Bericht des Wissenschaftsrats. Der hat zwar mit Stra&szlig;en und Br&uuml;cken nichts am Hut, aber umso mehr mit den Hochschulen, die, so die &uuml;berbrachte <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/marode-unigebaeude-und-moderne-lehre-sanierungsstau-von-60-milliarden-euro-beim-hochschulbau\/28001788.html\">Hiobsbotschaft<\/a>, ebenfalls in erb&auml;rmlichem Zustand sind und dringend einer Rundumerneuerung bed&uuml;rfen. Es m&uuml;ssten nicht nur viele Geb&auml;ude auf ihre Instandsetzung warten, sondern es seien auch &bdquo;zahlreiche Umbauma&szlig;nahmen notwendig, um Fl&auml;chen, R&auml;ume und Ausstattung des Campus zu modernisieren und an neuen Anforderungen auszurichten&ldquo;, teilte das in wissenschaftspolitischen Fragen wichtigste Beratergremium der Bundesregierung mit. In einem Positionspapier beziffert der Expertenzirkel den Ert&uuml;chtigungsbedarf f&uuml;r Deutschlands Unis mit schlappen &bdquo;60 Milliarden Euro&ldquo;.<\/p><p><strong>Zerst&ouml;rungswerk von Umverteilern<\/strong><\/p><p>Das ist eine Hausnummer und Herausforderungen in &auml;hnlicher Gr&ouml;&szlig;enordnung lauern in weiten Bereichen dessen, was einmal ein &ouml;ffentliches Gemeinwesen war. Dringend sanierungsbed&uuml;rftig sind auch Schulen, staatliche Krankenh&auml;user, Bahnh&ouml;fe, Schienenwege oder Einrichtungen der &ouml;ffentlichen Verwaltung wie Rath&auml;user, Finanz&auml;mter oder Jobcenter. All der sch&ouml;ne Staatsbesitz wurde im Zeichen politischer Kampfbegriffe wie &bdquo;Austerit&auml;t&ldquo;, &bdquo;Stabilit&auml;tskriterien&ldquo;, &bdquo;Schwarze Null&ldquo; und &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; &uuml;ber Jahrzehnte sich selbst und dem schleichenden Zerfall &uuml;berlassen, w&auml;hrend die eigentlich f&uuml;r Wartung und Instandhaltung zu bildenden R&uuml;cklagen durch diverse Steuerreformen in die Taschen von Konzernen, Banken und Spitzenverdienern wanderten. Aber erst jetzt und ganz allm&auml;hlich n&auml;hert sich die Verwahrlosung einem Punkt, an dem die Spuren des Raubbaus nicht mehr zu &uuml;bersehen sind und die marode Bausubstanz buchst&auml;blich zusammenzukrachen droht. <\/p><p>Wunderbar, k&ouml;nnte man sagen, endlich wird das hei&szlig;e Eisen angepackt und die kaputte Infrastruktur wieder fit gemacht. Ja, das wird wohl geschehen. Allerdings werden sich daran genau diejenigen Akteure abermals bereichern, denen schon das ganze &bdquo;gesparte&ldquo; Volksverm&ouml;gen &uuml;bereignet wurde, also wiederum: Baukonzerne, Banken, Versicherer und alle Arten von Investoren und Finanzjongleuren. Denn, so stellt sich die Frage: Wer soll die Zigmilliarden Euro f&uuml;r den Wiederaufbau des Zerst&ouml;rungswerks bezahlen? <\/p><p><strong>Der dumme Steuerzahler<\/strong><\/p><p>Genau hier kommt dann zum Beispiel die Autobahn GmbH ins Spiel. Was davor die Bundesl&auml;nder an Verkehrsplanung, -bau und -unterhaltung in &ouml;ffentlicher Verwaltung erledigt hatten, regelt jetzt eine Bundesbeh&ouml;rde nach Privatrecht. Kritiker wie der Verein &bdquo;Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand&ldquo; (GiB) hatten stets gewarnt, das Konstrukt sei dazu da, die Privatisierung des Stra&szlig;enbaus voranzutreiben. Vornehmlich werde dies in Gestalt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67726\">&ouml;ffentlich-privater Partnerschaften (&Ouml;PP)<\/a> vonstatten gehen, die den Steuerzahler auf lange Sicht viel mehr kosten als klassische staatliche Beschaffungsma&szlig;nahmen. Die geschlossenen Vertr&auml;ge haben Laufzeiten von 30 Jahren und mehr, in denen die Kosten in unsch&ouml;ner Regelm&auml;&szlig;igkeit &ndash; zugunsten der Investoren, zum Schaden der Steuerzahler &ndash; explodieren und an deren Ende der Staat die fragliche Infrastruktur verschlissen zur&uuml;ckbekommt.<\/p><p>Dabei verspricht das Gesch&auml;ft mit &Ouml;PPs in Regie der Autobahn GmbH gerade deshalb so eintr&auml;glich zu werden, weil abseits der Schuldenbremse operiert werden kann. W&auml;hrend das Instrument sonst dazu herh&auml;lt, die Politik zum &bdquo;Sparen&ldquo; (K&uuml;rzen) zu disziplinieren und diese oder jene Baustelle wegen Geldn&ouml;ten eben nicht zu beheben, werden mit &Ouml;PPs in der Endabrechnung unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig hohe Kosten in nur scheinbar verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig geringe j&auml;hrliche Mietausgaben des Staates gest&uuml;ckelt (etwa f&uuml;r einen Autobahnabschnitt). Das l&auml;sst sich auch gut kommunizieren: &bdquo;Seht her, wir investieren in die Zukunft, ohne uns gleich v&ouml;llig &uuml;berheben zu m&uuml;ssen.&ldquo; So etwas kann man dann auch mit &bdquo;Generationengerechtigkeit&ldquo; verkaufen, von wegen die Lasten werden gleichm&auml;&szlig;ig auf Jung und Alt verteilt. Alles Augenwischerei: Der Steuerzahler ist immer der Dumme. Genau dies haben die Rechnungsh&ouml;fe in Bund und L&auml;ndern wiederholt beanstandet &ndash; und wurden stets von den politischen Verantwortlichen ignoriert.   <\/p><p><strong>Kassepl&uuml;ndern nach &Ouml;PP-Machart<\/strong><\/p><p>Zur&uuml;ck zu den Hochschulen. Auch dort ist die Misere kein Ungl&uuml;cksfall. Mit der F&ouml;deralismusreform von 2006 wurde die Bund-L&auml;nder-Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau aus dem Grundgesetz gestrichen. 2019 schoss die Bundesregierung zum letzten Mal sogenannte Kompensationsmittel zu, seit zwei Jahren m&uuml;ssen die L&auml;nder die Aufgabe alleine stemmen. Bei der Sparwut der Landesf&uuml;rsten konnte das nicht gutgehen und der Wissenschaftsrat sieht die Bundesregierung in der Pflicht, die Scherben aufzukehren: &bdquo;Weitere Verz&ouml;gerungen bergen die Gefahr zus&auml;tzlicher und vermeidbarer Kosten, da teure Notma&szlig;nahmen unumg&auml;nglich werden k&ouml;nnen und die Baupreise weiter steigen&ldquo;. Auch gelte es, darauf zu achten, &bdquo;dass &uuml;ber eine nachhaltige, den Lebenszyklus von Immobilien ber&uuml;cksichtigende Finanzierung ein erneutes Anwachsen des Sanierungsstaus verhindert wird&ldquo;. <\/p><p>Nur wo sollen mal eben 60 Milliarden Euro herkommen? Die pr&auml;sentierte Analyse hilft weiter: Unter Bezugnahme auf die &bdquo;USA und Ostasien&ldquo; ist dort von &bdquo;alternativen Finanzierungsformen&ldquo;, insbesondere durch Gewinnung privaten Kapitals, die Rede. B&uuml;rogeb&auml;ude und weitere Geb&auml;udetypen, die in anderen Bereichen mittels &ouml;ffentlich-privater Partnerschaften (&Ouml;PP) finanziert worden seien, &bdquo;finden sich auch auf dem Hochschulcampus&ldquo;. Beispielhaft wird auf laufende &bdquo;Projekte in dieser Abwicklungsform&ldquo; verwiesen, den Forschungscampus &bdquo;Galileo&ldquo; der Technischen Universit&auml;t M&uuml;nchen etwa oder das Universit&auml;tsklinikum Schleswig-Holstein. &bdquo;Naheliegend&ldquo; erscheine auch eine &bdquo;Kreditfinanzierung von Bauma&szlig;nahmen und eine Refinanzierung &uuml;ber die nutzende Einrichtung in Zeiten niedriger Zinsen&ldquo;, hei&szlig;t es weiter. Und dann erf&auml;hrt man noch, wer von solchen Unternehmungen profitieren wird: &bdquo;Insbesondere f&uuml;r private Investoren wie Versorgungswerke oder Versicherungsunternehmen, die &uuml;ber Jahrzehnte sichere Renditen erwirtschaften m&uuml;ssen, sind &Ouml;PP-Projekte von Anlageimmobilien in Form von Betreibermodellen von Interesse.&ldquo; <\/p><p><strong>Unabh&auml;ngige Expertise?<\/strong><\/p><p>Aber wer hat eigentlich diese 60 Milliarden Euro in die Welt gesetzt? Vor sechs Jahren noch hatten die Kultusministerkonferenz (KMK) und das staatliche HIS-Institut f&uuml;r Hochschulplanung eine Finanzierungsl&uuml;cke bis 2025 von 35 Milliarden Euro ermittelt. Nun soll der Bedarf 25 Milliarden Euro &uuml;ber dieser Marke liegen. Urheber der Zahl ist nicht der Wissenschaftsrat selbst, sondern die rheform GmbH, ein privates Beratungs-, Management- und Planungsunternehmen mit Sitz in M&uuml;nchen, von dem es in einer Fu&szlig;note hei&szlig;t, es bet&auml;tige sich als &bdquo;Dienstleister an der Bedarfsplanung zahlreicher Hochschulen&ldquo;. Das stimmt, aber zur Wahrheit geh&ouml;rt auch, dass die Firma zwei weitere Standbeine hat, wovon eines, namentlich die &bdquo;rheform &ndash; ImmobilienManagement GmbH&ldquo;, mit der Entwicklung und Realisierung von &bdquo;Bauprojekten von Kommunen und staatlichen Institutionen&ldquo; befasst ist. Das Unternehmen taxiert also nicht nur den m&ouml;glichen Sanierungsbedarf von Unis oder Schulen, sondern verdient an deren Instandsetzung m&ouml;glicherweise selbst mit. Geht so unabh&auml;ngige Expertise? <\/p><p>Auch die Autobahn GmbH spielt genau den Kr&auml;ften in die H&auml;nde, die die allgemeine Entstaatlichung zuerst ins Werk gesetzt und f&uuml;r sich vergoldet haben, um sich jetzt an den Verheerungen ein zweites Mal gesundzusto&szlig;en. Die Idee hatte einst die von Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bestellte sogenannte <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52667\">Fratzscher-Kommission<\/a> unter Leitung des Chefs des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, ausgebr&uuml;tet. Der Zirkel aus marktliberalen &Ouml;konomen und Vertretern der Finanzbranche wurde 2014 mit dem Auftrag betraut, hochprofitable Anlagem&ouml;glichkeiten f&uuml;r von Niedrigzinsen gebeutelte Banken und Versicherungen &bdquo;zur St&auml;rkung von Investitionen in Deutschland&ldquo; ausfindig zu machen, woraus der Plan erwuchs, den Stra&szlig;enbau noch st&auml;rker als heute f&uuml;r private Profitinteressen zu &ouml;ffnen. Das juristische Betriebssystem f&uuml;r all dies lieferten namhafte und nicht minder skandalumwitterte Beraterkonzerne und Wirtschaftspr&uuml;fer wie Pricewaterhouse Coopers (PwC) oder die KPMG, die im Bundesverkehrsministerium ein und aus gehen und unter deren gewerblichen Auftraggebern sich wiederum jene finden, die demn&auml;chst beim gro&szlig;en &Ouml;PP-Reibach mitmischen wollen. <\/p><p><strong>Gebremst arbeitsf&auml;hig<\/strong><\/p><p>In einem solchen System struktureller Korruption ist Transparenz Fehlanzeige. Ohne Frage erreicht eine Vielzahl der bundesweit 28.000 Br&uuml;cken in den n&auml;chsten zwei Jahrzehnten das Ende ihrer Nutzungsdauer. Und die systematische Vernachl&auml;ssigung hat einen deutlich gr&ouml;&szlig;eren Investitionstau hinterlassen, als es unter Bedingungen regelm&auml;&szlig;iger Wartungen der Fall gewesen w&auml;re. Aber gerade weil es um so viel Geld geht: Warum sollte man Horrorszenarien trauen, die quasi den Untergang von Auto-Deutschland beschw&ouml;ren? Auch die Frage der NachDenkSeiten, wie die seit einem Jahr <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71629\">mehr schlecht als recht arbeitsf&auml;hige Autobahn GmbH<\/a> zehntausende Bauwerke auf ihre T&uuml;chtigkeit hat pr&uuml;fen k&ouml;nnen, blieb unbeantwortet. Die Beh&ouml;rde ist immer noch von Personalsorgen geplagt und weit davon entfernt, ihre Aufgaben reibungslos zu erledigen. Au&szlig;erdem ist sie in ihrer privatrechtlichen Ausrichtung extrem unempf&auml;nglich f&uuml;r Kontrolle. Anders als etwa bei einer &ouml;ffentlichen Anstalt &ndash; als die man sie durchaus auch h&auml;tte aufstellen k&ouml;nnen &ndash; hat der Bundestag kaum Einblick-, geschweige denn Eingriffsm&ouml;glichkeiten. <\/p><p>Carl Wa&szlig;muth, Sprecher von &bdquo;Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand&ldquo;, traut deshalb auch den neuesten Schreckensmeldungen nicht. &bdquo;Man muss wissen: Auch die Inspektion ist nun formell privat&ldquo;, sagte er den NachDenkSeiten. &bdquo;Die Bauindustrie hat ein gro&szlig;es Interesse daran, dass alle glauben, dass viel kaputt ist und dass man viel mehr Geld und viel weniger B&uuml;rgerbeteiligung braucht.&ldquo; Tats&auml;chlich hat der <a href=\"https:\/\/www.onvista.de\/news\/bauindustrie-genehmigungsverfahren-wesentlich-verkuerzen-511091965\">Hauptverband der deutschen Bauindustrie<\/a> erst in der Vorwoche an die neue Ampelregierung appelliert, die Genehmigungsverfahren wesentlich zu verk&uuml;rzen. Abermals taucht in der Mitteilung die Talbr&uuml;cke Rahmede auf, deren Ersatzneubau man &bdquo;ohne eine komplett neue Genehmigung&ldquo; m&ouml;glich machen m&uuml;sse. &bdquo;Dies gilt besonders bei Br&uuml;cken, bei denen der Kollaps droht.&ldquo;<\/p><p><strong>Auto-Deutschland vorm Klimakollaps<\/strong><\/p><p>Der Kollaps droht vor allem dem Klima, das in dem ganzen Gerede um marode Br&uuml;cken und Stra&szlig;en einmal mehr unter die R&auml;der kommt. &bdquo;Die neue Autobahn GmbH wurde f&uuml;r Privatisierungen geschaffen. Die Macher sind bisher keine glaubw&uuml;rdigen Treuh&auml;nder des Gemeinwohls, weder finanziell und erst recht nicht &ouml;kologisch&ldquo;, gab Wa&szlig;muth zu bedenken und weiter: &bdquo;Wenn bei 30-j&auml;hrigen &Ouml;PP-Vertragslaufzeiten bis 2050 die Republik zubetoniert wird, hat das Pariser Klimaabkommen ausgedient.&ldquo; <\/p><p>Abzuwarten bleibt, wie sich die neuerdings mitregierende Gr&uuml;nen-Partei in der Frage verh&auml;lt. Zumindest die Bundestagsfraktion hatte sich bis zuletzt immer wieder als entschiedener Gegner von &Ouml;PPs im Stra&szlig;enbau exponiert. Gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten &auml;u&szlig;erte sich nun der verkehrspolitische Sprecher Stefan Gelbhaar zu seinen Ambitionen: &bdquo;Statt immer neue Prestigeprojekte aus dem Boden zu stampfen, die eine miserable Klimabilanz haben, wollen wir das, was bereits vorhanden ist, erhalten und pflegen&ldquo;, befand er. &bdquo;Die vielen Neubauprojekte allerdings m&uuml;ssen wir genauestens &uuml;berpr&uuml;fen.&ldquo; Man sieht sich &ndash; beim n&auml;chsten Br&uuml;cken-Richtfest. <\/p><p>Titelbild: mykhailo pavlenko\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/6269307213b74ed2912b6b5d7f2d753e\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt ist es raus: Deutschlands Autobahnbr&uuml;cken sind so kaputt, dass sie schleunigst und unb&uuml;rokratisch f&uuml;r Zigmilliarden Euro flott gemacht werden m&uuml;ssen. Das hat die neue Autobahn GmbH ermittelt. 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