{"id":80440,"date":"2022-02-04T11:20:43","date_gmt":"2022-02-04T10:20:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80440"},"modified":"2022-02-11T12:39:40","modified_gmt":"2022-02-11T11:39:40","slug":"syrischer-aussenminister-im-interview-fuer-eine-politische-loesung-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80440","title":{"rendered":"Syrischer Au\u00dfenminister im Interview: F\u00fcr eine politische L\u00f6sung der Krise"},"content":{"rendered":"<p>Syrien leidet unter den Folgen des Krieges, unter Sanktionen und unter &bdquo;Brain Drain&ldquo; durch Fluchtbewegungen. Unter anderem zu diesen Themen hat die Nahostkorrespondentin <strong>Karin Leukefeld<\/strong> in Damaskus ein Gespr&auml;ch mit dem<strong> syrischen Au&szlig;enminister Dr. Feisal Mekdad <\/strong>gef&uuml;hrt.<br>\n<!--more--><br>\n<em><strong>Es war 2012\/13, als ich die M&ouml;glichkeit hatte, Sie als Vize-Au&szlig;enminister zu interviewen. Thema war damals der beginnende Krieg und ich fragte Sie, ob die Entwicklung in Syrien vergleichbar sei mit der Entwicklung in Europa nach dem 2. Weltkrieg. Die Politik des &raquo;Eisernen Vorhangs&laquo; sollte die Sowjetunion isolieren, es entstanden zwei deutsche Staaten. Ich m&ouml;chte Ihnen heute die Frage erneut stellen: Wird es eine Mauer durch Syrien, wird es eine Spaltung durch die Region in Ost und West geben?<\/strong><\/em><\/p><p>Nein. Nat&uuml;rlich gibt es eine Spaltung zwischen West und Ost, das ist ganz klar. Der britische Poet Rudyard Kipling sagte einmal: &raquo;Der Osten ist der Osten und der Westen ist der Westen. Und beide werden niemals zusammenkommen.&laquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Ich bin nicht so pessimistisch wie er. Ich mag keine Mauern und hoffe, dass niemand kommt, um uns einzumauern. Interne Mauern in Syrien wird es nie geben, die Gesellschaft wird das nie akzeptieren.<\/p><p>Allerdings versuchen einige ausl&auml;ndische M&auml;chte tats&auml;chlich, Mauern in unserem Land zu errichten. Sehen wir uns an, was die T&uuml;rkei macht.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]  Ihr Handeln ist gef&auml;hrlich und absolut unakzeptabel. Genauso unakzeptabel ist, was die Amerikaner im Nordosten des Landes machen. Sie versuchen den Eindruck zu erwecken, als wollten sie dort einen neuen Staat auf syrischem Territorium errichten. Das wird nicht geschehen, aber sie sorgen f&uuml;r Probleme. Sie unterst&uuml;tzen dort Milizen und z&ouml;gern damit eine politische L&ouml;sung der Krise hinaus, die wir anstreben. Aber wir sind sicher, dass die Amerikaner eines Tages abziehen werden.<\/p><p>Die T&uuml;rkei unterst&uuml;tzt im Norden und Nordwesten Terrorgruppen. Sie bewaffnet sie und leistet jede Art von Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Jabhat al Nusra und den &raquo;Islamischen Staat&laquo; und andere. Mehr als 100.000 Terroristen sind seit 2011 aus der T&uuml;rkei &uuml;ber die Grenze nach Syrien gelangt. Die T&uuml;rkei drosselt den Wasserdurchlauf des Euphrat, davon sind viele Gebiete in Syrien betroffen. Es gibt eine Vereinbarung zwischen der T&uuml;rkei, Syrien und dem Irak, wonach die Durchlaufmenge des Euphratwassers nach Syrien 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde betr&auml;gt. Jetzt erhalten wir nur 200 oder 250 Kubikmeter. Das gef&auml;hrdet die Entwicklung und die Landwirtschaft und zwar sowohl in Syrien als auch im Irak.<\/p><p>Die T&uuml;rkei verh&auml;lt sich im Norden Syriens wie eine Kolonialmacht. Sie versucht, das t&uuml;rkische Curriculum an den Schulen durchzusetzen, sie kidnappt geradezu die gedankliche Entwicklung unserer Kinder. Sie verhindert, dass die Kinder in die befreiten Gebiete Syriens gelangen k&ouml;nnen, um dort ihre Examen abzulegen. Die T&uuml;rkei versucht, im Nordwesten einen kleinen Kolonialstaat zu etablieren. Das ist v&ouml;llig unakzeptabel.<\/p><p><strong>Wir wollen keine neuen Kriege<\/strong><\/p><p><em><strong>Elf sehr schwierige Jahre liegen hinter Syrien und nat&uuml;rlich akzeptiert Syrien diese ausl&auml;ndische Anwesenheit nicht. Aber Syrien unternimmt milit&auml;risch auch nichts dagegen. Warum k&auml;mpft Syrien nicht gegen die t&uuml;rkische Armee und treibt sie zur&uuml;ck? Welchen Weg geht Syrien, um sich gegen die fremde Besatzung zu wehren?<\/strong><\/em><\/p><p>Wir wollen keine neuen Kriege im Mittleren Osten ausl&ouml;sen, die nicht mehr aufh&ouml;ren. F&uuml;r die syrische F&uuml;hrung ist die Einheit des Landes, dessen territoriale Integrit&auml;t ein unantastbares Prinzip. Syrien wird nie aufh&ouml;ren, den R&uuml;ckzug dieser beiden M&auml;chte von syrischem Territorium zu fordern. Die T&uuml;rken haben diese Region 500 Jahre lang regiert, aber schlie&szlig;lich sind sie abgezogen.<\/p><p>Und die Amerikaner waren in Afghanistan, sie waren in Vietnam, sie waren in so vielen L&auml;ndern der Welt, aber schlie&szlig;lich sind sie immer in ihr Land zur&uuml;ckgekehrt. Uns geht es darum, die Krise durch politische Diskussion und Dialog zu l&ouml;sen. Daf&uuml;r m&uuml;ssen wir alle friedlichen Mittel einsetzen. Wir wollen, dass nicht noch mehr unserer Infrastruktur zerst&ouml;rt wird. Und nat&uuml;rlich geht es um die Menschen, denn in allen Kriegen leiden die Menschen. Und es gibt Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates, die jeder respektieren muss. Wir respektieren sie.<\/p><p><em><strong>Vor zehn Jahren schlossen die EU-L&auml;nder ihre Botschaften und zogen ihr Personal aus Syrien ab, einschlie&szlig;lich aller Organisationen, die in Syrien erfolgreich f&uuml;r die Zusammenarbeit mit Syrien gearbeitet hatten. Gibt es Anzeichen, dass die EU ihr Verhalten gegen&uuml;ber Syrien &auml;ndern wird?<\/strong><\/em><\/p><p>Wir wollen, dass die EU sich &auml;ndert und einige EU-L&auml;nder haben sich auch schon ge&auml;ndert. Es gibt direkte politische Vertretungen von sechs L&auml;ndern in Damaskus. Sie sind hier. Und ihre Botschaften sind ge&ouml;ffnet und sehr aktiv. Wir sind mit ihnen in Diskussion. Nat&uuml;rlich haben wir auch Vertretungen in verschiedenen EU-L&auml;ndern. Unsere Botschaft in Paris ist weiterhin ge&ouml;ffnet. Unsere Botschaft in Berlin ist ge&ouml;ffnet. Selbst die Vertreter der Europ&auml;ischen Union kommen t&auml;glich in unser Ministerium, um mit uns &uuml;ber die humanit&auml;re Situation zu sprechen. Manchmal ergeben sich daraus auch politische Diskussionen.<\/p><p><em><strong>Warum wei&szlig; kaum jemand, dass europ&auml;ische Botschaften ihre Vertretungen in Damaskus wieder ge&ouml;ffnet haben?<\/strong><\/em><\/p><p>Einige haben Angst vor anderen einflussreichen L&auml;ndern wie den USA, Frankreich oder anderen. Wir freuen uns, wenn sie zur&uuml;ckkehren und viele haben uns angesprochen und wir sind in Verbindung. Bis auf zwei, drei L&auml;nder, die einen harten Kurs verfolgen.<\/p><p><em><strong>Zu denen auch Deutschland geh&ouml;rt?<\/strong><\/em><\/p><p>Ich m&ouml;chte Deutschland nicht so beschreiben. Unsere Botschaft in Berlin ist ge&ouml;ffnet. Und weil es sehr viele Syrer in Deutschland gibt, hoffen wir darauf, dass unsere beiden Regierungen bald ins Gespr&auml;ch kommen.<\/p><p><strong>Die Sanktionen sind unmenschlich<\/strong><\/p><p><em><strong>Ziemlich zu Anfang des Konflikts &ndash; schon 2011 &ndash; verh&auml;ngte die EU einseitige wirtschaftliche Strafma&szlig;nahmen gegen Syrien. Diese wurden Jahr f&uuml;r Jahr verl&auml;ngert und in der EU-Kommission scheint niemand daran zu denken, sie wieder aufzuheben. Welche Auswirkungen haben diese Sanktionen in Syrien?<\/strong><\/em><\/p><p>Die Sanktionen sind verheerend. Sie sind unmenschlich, sie sind unmoralisch, sie sind unakzeptabel. Weil sie die normalen Menschen treffen. Anders als die EU immer vorgibt, kann Syrien keine direkten Finanzgesch&auml;fte mit irgendwelchen Banken unternehmen. Wir k&ouml;nnen keine Medizin kaufen, keine Ersatzteile, nicht einmal D&uuml;nger k&ouml;nnen wir kaufen. Die EU erkl&auml;rt, dass die Sanktionen die humanit&auml;re Hilfe nicht betr&auml;fen.<\/p><p>Das Gegenteil ist der Fall. Sie betreffen haupts&auml;chlich humanit&auml;re Hilfsg&uuml;ter. Und sie verhindern, dass selbst Unternehmen aus der EU und deren Partner Syrien und die Syrer erreichen k&ouml;nnen. K&uuml;rzlich gab es einige Erleichterungen seitens der USA, aber von der EU haben wir nichts dergleichen gesehen. Wir glauben nicht, dass die V&ouml;lker Europas es zulassen wollen, dass so eine aggressive Politik fortgesetzt wird, die unschuldige Syrer, Kinder, Frauen, Schutzbed&uuml;rftige t&ouml;tet. Nur den schwachen Menschen schaden die Sanktionen, nicht dem syrischen Staat.<\/p><p><em><strong>Diese Politik behindert ja auch Syrer, die ihre Heimat wegen des Krieges verlassen mussten und zur&uuml;ckkehren m&ouml;chten&hellip;<\/strong><\/em><\/p><p>Wenn diese Sanktionen weiterhin zur Verarmung des syrischen Volkes f&uuml;hren, warum sollten die Fl&uuml;chtlinge nach Syrien zur&uuml;ckkehren wollen? Von unserer Seite begr&uuml;&szlig;en wir die R&uuml;ckkehr aller Syrer, ohne irgendwelche Vorbedingungen. Um denen zu helfen, die zur&uuml;ckkehren wollen, versuchen wir mit internationalen Nichtregierungsorganisationen und den humanit&auml;ren Organisationen der UNO zu kooperieren.<\/p><p><em><strong>Es gibt Berichte, wonach die R&uuml;ckkehrer nicht sicher sind.<\/strong><\/em><\/p><p>Es gibt keine Ma&szlig;nahmen gegen diejenigen, die zur&uuml;ckkehren. Wir sagen allen, die Probleme haben, die sie l&ouml;sen k&ouml;nnen, dass sie kommen sollen. Pr&auml;sident Assad hat eine Reihe von Dekreten erlassen, damit niemand aus politischen Gr&uuml;nden Probleme bei der R&uuml;ckkehr haben wird. Wenn es gegen jemanden ein Strafverfahren gibt, wenn beispielsweise jemand seine Schwester get&ouml;tet hat, sagen wir das den Betreffenden. Wenn sie zur&uuml;ckkommen m&ouml;chten, sollen sie kommen. Aber sie m&uuml;ssen sich dem Strafverfahren stellen. Alle Syrer, die jetzt au&szlig;erhalb des Landes sind, hei&szlig;en wir willkommen. Die EU-Propaganda, laut der die Bedingungen in Syrien eine R&uuml;ckkehr nicht erlaubten, ist absurd.<\/p><p>Wir haben dem Hochkommissar der Vereinten Nationen vorgeschlagen, diesen Menschen zu helfen und ihnen einen einmaligen Geldbetrag zu geben, damit sie zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnen. Das ist bei der R&uuml;ckkehr in alle L&auml;nder der Welt so &uuml;blich, nur nicht im Fall Syriens. Sie geben den R&uuml;ckkehrern nichts, weil die westlichen L&auml;nder, die Geberl&auml;nder, nicht wollen, dass R&uuml;ckkehrer dieses Geld erhalten. Aber alle Syrer, Fl&uuml;chtlinge, Vertriebene, sind in ihrer Heimat willkommen und ich m&ouml;chte dieses Interview nutzen, um sie alle einzuladen, nach Syrien zur&uuml;ckzukehren.<\/p><p><strong>&raquo;Brain-Drain&laquo;<\/strong><\/p><p><em><strong>Im Libanon gibt es nach offiziellen Angaben rund 1 Million syrische Fl&uuml;chtlinge. Pr&auml;sident Aoun hat selbst vor der UN-Vollversammlung darum gebeten, dass die UNO helfen m&ouml;ge, diese Menschen in ihre Heimat zur&uuml;ckzubringen. Sie sagen nun, Syrien sei mit verschiedenen Akteuren, einschlie&szlig;lich der UNO im Gespr&auml;ch. Hei&szlig;t das, dass eine L&ouml;sung f&uuml;r diese Menschen in greifbarer N&auml;he ist?<\/strong><\/em><\/p><p>Fast 1,2 Millionen Fl&uuml;chtlinge sind aus verschiedenen L&auml;ndern zur&uuml;ckgekehrt. Was andere seit zwei Jahren an der R&uuml;ckkehr gehindert hat, ist das Corona-Virus. Das hat die R&uuml;ckkehr von vielen beeintr&auml;chtigt. Wir sind mit Aufnahmel&auml;ndern im Gespr&auml;ch, um M&ouml;glichkeiten f&uuml;r die R&uuml;ckkehr zu koordinieren. Aber was wir wirklich sehen wollen, ist, dass die UNO die Menschen zur R&uuml;ckkehr ermutigt. Wie ich schon sagte, wird die UNO von den westlichen Staaten, den Geberl&auml;ndern, kontrolliert. Diese wollen nicht, dass die Menschen zur&uuml;ckkehren. Und die Syrer im Libanon beispielsweise haben Angst, die Unterst&uuml;tzung zu verlieren, die sie dort erhalten. W&uuml;rde ihnen dieses Geld auch in Syrien gegeben, w&uuml;rden sie nach Syrien kommen.<\/p><p><em><strong>Warum geben die westlichen Geberl&auml;nder Millionen daf&uuml;r, dass Fl&uuml;chtlinge in verschiedenen L&auml;ndern und in den Lagern dort bleiben, anstatt ihre R&uuml;ckkehr zu unterst&uuml;tzen?<\/strong><\/em><\/p><p>Nat&uuml;rlich hat diese Sache viel mit &raquo;Brain-Drain&laquo; zu tun. Viele Menschen, die Syrien verlassen haben und heute beispielsweise in Deutschland sind, sind unsere besten &Auml;rzte, Architekten, Designer, Ingenieure, K&ouml;che&hellip; Deutschland hat eine &uuml;beralterte Gesellschaft und braucht Intellektuelle und gut ausgebildete Leute aus anderen L&auml;ndern. Deutschland sollte erlauben, dass diese Menschen zur&uuml;ckkehren. Wir werden sie mit W&uuml;rde und in Freiheit empfangen und sie unterst&uuml;tzen, wenn sie Hilfe brauchen. Wir hoffen, dass die Deutschen und die deutsche Regierung das verstehen. Immerhin gibt es jetzt eine neue Regierung in Deutschland.<\/p><p><em><strong>Ich m&ouml;chte auf einen Prozess zu sprechen kommen, der k&uuml;rzlich vor einem Gericht in Koblenz gegen einen ehemaligen syrischen Offizier zu Ende gegangen ist und der in Deutschland anhaltend f&uuml;r Schlagzeilen gesorgt hat. Was denken Sie dar&uuml;ber, dass deutsche Gerichte &ndash; die sich auf das &bdquo;Weltrechtsprinzip&ldquo; berufen &ndash; &uuml;ber etwas verhandeln und Recht sprechen, was in Syrien geschehen sein soll?<\/strong><\/em><\/p><p>Ich bin nicht der Meinung, dass diese Gerichte v&ouml;lkerrechtlich zust&auml;ndig sind. Es sind einzelne Gerichte in verschiedenen L&auml;ndern, die politischen Vorgaben gen&uuml;gen sollen. Was w&auml;re wohl, wenn eine deutsche Person von einem syrischen Gericht angeklagt w&uuml;rde? Alle westlichen Staaten w&uuml;rden dagegen auf die Barrikaden gehen.<\/p><p>Hinter uns liegen zehn sehr schwierige Jahre. Terroristen aus verschiedenen europ&auml;ischen L&auml;ndern sind in unser Land eingedrungen und einige stehen daf&uuml;r jetzt in ihren Herkunftsl&auml;ndern vor Gericht. Doppelmoral bringt die EU-Staaten nicht weiter. Sie sollten alle diese Kriminellen nach Syrien schicken, damit wir ihre Verbrechen untersuchen und sie verurteilen k&ouml;nnen. Viele dieser Kriminellen sind noch in Syrien, im Lager Al Hol gibt es etwa 60.000. Die Europ&auml;er sollten dorthin gehen und sich diese Leute ansehen, die hier Verbrechen begangen haben. Sie haben den &raquo;Islamischen Staat&laquo; unterst&uuml;tzt, der Syrer t&ouml;tete.<\/p><p>Gerade erst habe ich aus einem im Westen ver&ouml;ffentlichten Bericht erfahren, dass mehr als 150.000 Soldaten der syrischen Armee von diesen Terroristen get&ouml;tet wurden. In der EU wird nur &uuml;ber das nachgedacht, was in ihrem Interesse ist. Den Interessen Syriens wird jedoch auf andere Weise gedient, und wir sind bereit, bei Verbrechen, die von diesen Terroristen auf syrischem Territorium begangen werden, sofort zu handeln.<\/p><p><em><strong>Es hei&szlig;t, in Syrien gebe es keine vertrauensw&uuml;rdige Rechtsprechung.<\/strong><\/em><\/p><p>Wir haben gute Richter in Syrien und es gibt viele Gerichte. Wir sollten keine Zweifel &uuml;ber die Rechtssysteme anderer Staaten verbreiten.  Das Internationale Recht definiert alle Verbrechen, die vor lokalen Gerichten verhandelt werden sollten, nicht vor Gerichten in anderen L&auml;ndern. Wenn hier jemand verhaftet wird, unterliegt diese Person dem Gesetz. Das gilt f&uuml;r alle.<\/p><p><em><strong>Sie sagten, Syrien ist mit verschiedenen EU-L&auml;ndern im Gespr&auml;ch, auch mit der EU, und Sie zeigen sich optimistisch, dass die Situation sich in Zukunft &auml;ndern wird.  Was erwartet Syrien von der EU und den EU-Staaten, um das Zerw&uuml;rfnis, den tiefen Graben zu &uuml;berwinden?<\/strong><\/em><\/p><p>Wir m&uuml;ssen die Vergangenheit hinter uns lassen. Die Deutschen haben die Trag&ouml;dien des Ersten und Zweiten Weltkriegs hinter sich, aber solche historischen Entwicklungen m&uuml;ssen &uuml;berwunden werden. Wir hoffen, dass unsere Ansprechpartner in der EU verstehen werden, dass Syrien ein souver&auml;ner Staat ist, mit einem eigenen Rechtssystem, einem eigenen politischen System, und dass Syrien alles verhindern wird, was das Leben unschuldiger Menschen mit terroristischen Angriffen gef&auml;hrden k&ouml;nnte. Das ist das Recht eines jeden Staates.<\/p><p>Ich fordere alle L&auml;nder in Europa auf, EU-Mitglieder und Nicht-Mitglieder der EU, eine neue Herangehensweise im Umgang mit internationalen Problemen zu finden. Sie sollten nicht auf ihren Fehlern beharren. Die syrische Regierung ist zu Gespr&auml;chen auf der Basis der UNO-Charta, der Menschenrechtscharta und des Internationalen Rechts bereit. Wir m&uuml;ssen uns dar&uuml;ber einigen, wie wir im Kampf gegen terroristische Angriffe gemeinsam reagieren k&ouml;nnen.<\/p><p>Die Europ&auml;er sind meiner Meinung nach sachlich und befassen sich mit der Realit&auml;t, sie sind keine Tr&auml;umer. Einige L&auml;nder wollten sich zwar hinter Konzepten wie &raquo;Regime Change&laquo; verstecken und versuchten, die Lage im Mittleren Osten zu &auml;ndern. Die anhaltende Besatzung Israels von Pal&auml;stina, der syrischen Golan-H&ouml;hen, von einigen Teilen des Libanon &ndash; alles das geh&ouml;rte zum realen Hintergrund dieses Konflikts in Syrien, der von westlichen Staaten unterst&uuml;tzt und finanziert wurde. Von den USA, Gro&szlig;britannien und von Frankreich als ehemaliger Kolonialmacht. Was Deutschland betrifft, so hoffen wir auf einen neuen Anfang, um V&ouml;lker und L&auml;nder zusammenzubringen, anstatt die Unterschiede zwischen den Zivilisationen und Kulturen zu vertiefen.<\/p><p><em><strong>Sie sollten ihre Botschaften in Damaskus wieder &ouml;ffnen?<\/strong><\/em><\/p><p>Das ist eine nat&uuml;rliche Sache, um zu verstehen, was hier geschieht. Wenn die Europ&auml;er weiter ihre Augen verschlie&szlig;en, sehen sie nichts. Ihre Botschaften sind ihre Augen in Syrien. Wir wollen alle syrischen Botschaften in Europa &ouml;ffnen und wir wollen, dass alle diese L&auml;nder ihre Botschaften in Damaskus wieder &ouml;ffnen. Nur durch diese Art von Kommunikation kann man sich gegenseitig besser verstehen, und die Europ&auml;er k&ouml;nnen die Realit&auml;t Syriens besser verstehen. Jetzt folgen sie Illusionen und Berichten, die vor der Realit&auml;t keinen Bestand haben, die mit dem wirklichen Geschehen hier wenig zu tun haben.<\/p><p><strong>UNO-Resolutionen werden nicht respektiert<\/strong><\/p><p><em><strong>Wo bleibt dann der Prozess, den die UNO in Genf versucht, in Gang zu halten?<\/strong><\/em><\/p><p>Wir unterst&uuml;tzen diesen Prozess ausdr&uuml;cklich, den die UNO in Gang gebracht hat. Unsere Regierung hat das wiederholt deutlich gemacht. Die Sache ist nur, dass sich manchmal L&auml;nder in diesen Prozess einmischen und das verst&ouml;&szlig;t gegen das Prinzip, dass Syrer sich mit Syrern treffen und eine Vereinbarung finden, ohne ausl&auml;ndische Einmischung. Das sind die Grundlagen des Genfer Prozesses, von dem wir aber leider nicht viel sehen. Wir h&ouml;ren Erkl&auml;rungen hier und da gegen Syrien, manchmal auch gegen die UNO. Und wir sehen, dass selbst UNO-Resolutionen nicht respektiert werden.<\/p><p><em><strong>K&ouml;nnen Sie ein Beispiel nennen?<\/strong><\/em><\/p><p>Im Juli 2021 hat der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 2585 verabschiedet. Damit wurden sogenannte fr&uuml;hzeitige Erholungs-Projekte, grenz&uuml;berschreitende und Frontlinien &uuml;berschreitende Aktivit&auml;ten genehmigt. Wir haben unsere Verpflichtungen erf&uuml;llt, aber die EU verweigert die Umsetzung dieser Resolution. Die T&uuml;rkei hat keine Lieferungen zugelassen, die Frontlinien &uuml;berschreitend in den nicht besetzten Teil Syriens geschickt werden sollen.<\/p><p>Das Einzige, was die T&uuml;rkei an humanit&auml;rer Unterst&uuml;tzung zul&auml;sst, geht an die terroristischen Gruppen nord&ouml;stlich von Aleppo und in den Nordwesten. Die Lieferungen gehen an den &raquo;Islamischen Staat&laquo; und an die Nusra-Front, die die humanit&auml;re Hilfe kontrollieren. Entweder sie verkaufen die Hilfsg&uuml;ter &ndash; ich betone das ausdr&uuml;cklich &ndash; oder sie geben die Hilfe an die mit ihnen verb&uuml;ndeten Gruppen weiter oder sie behalten sie f&uuml;r sich selbst. Das akzeptieren wir nicht. Die westlichen Staaten haben erkl&auml;rt, dass sie das &uuml;berwachen, aber es wurde kein &Uuml;berwachungsmechanismus aktiviert.<\/p><p><em><strong>Werden die &raquo;fr&uuml;hzeitigen Erholungs-Projekte&laquo; umgesetzt?<\/strong><\/em><\/p><p>Die EU weist das kategorisch zur&uuml;ck. Darum habe ich gesagt, sie setzen die Resolution nicht um. Weder die &raquo;fr&uuml;hzeitigen Erholungs-Projekte&laquo; noch die anderen Prinzipien. Wir verlangen ein Minimum an Respekt f&uuml;r Resolutionen der UNO.<\/p><p><strong>Wir brauchen keine Chemiewaffen<\/strong><\/p><p><em><strong>Syrien hat sich immer f&uuml;r die UNO und das Internationale Recht stark gemacht. Syrien war dabei, als die Organisation der Vereinten Nationen gegr&uuml;ndet wurde, wenn ich mich recht entsinne&hellip;<\/strong><\/em><\/p><p>Ja, das stimmt&hellip;<\/p><p><em><strong>&hellip;aber jetzt sehen wir, dass sogar der UNO-Sicherheitsrat zu einer B&uuml;hne f&uuml;r Angriffe gegen Syrien geworden ist. Ein Thema ist die Frage der Chemiewaffen. Syrien hat der Organisation f&uuml;r das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) seinen Bestand gemeldet und zur Vernichtung &uuml;bergeben. Dies wurde von der OPCW am 23. Juni 2014 best&auml;tigt. Dennoch forderte die Hohe Vertreterin f&uuml;r Abr&uuml;stungsfragen, Izumi Nakamitsu, k&uuml;rzlich im UNO-Sicherheitsrat Syrien auf, mit der OPCW zusammenzuarbeiten. Sie sagte, die syrische Erkl&auml;rung &uuml;ber die Einhaltung des Chemiewaffen&uuml;bereinkommens sei &raquo;immer noch ungenau&laquo;. Worum geht es bei der Auseinandersetzung?<\/strong><\/em><\/p><p>Darauf m&ouml;chte ich als Vorsitzender des &raquo;Nationalen Komitees f&uuml;r die Umsetzung der Vereinbarung zwischen Syrien und der OPCW &uuml;ber die chemischen Waffen&laquo; antworten. In den Jahren 2013, 2014, 2015 und auch noch 2016 waren die Bedingungen in Syrien sehr schwer. Die Kontrolleure und Ermittler der OPCW kamen hierher und wir haben uns genau in diesem Raum, wo wir jetzt sitzen, getroffen. Mit dabei war Sigrid Kaag, die sp&auml;ter Ministerin in der holl&auml;ndischen Regierung wurde. Gemeinsam haben wir alles besprochen, erkl&auml;rt und abgeschlossen. Nat&uuml;rlich kann man so eine Erkl&auml;rung nicht in sechs Tagen verfassen, also schickte die OPCW eine Delegation, die uns dabei half, die Erkl&auml;rung zu verfassen. Wir informierten sie vollst&auml;ndig &uuml;ber das Programm. Allerdings hatten wir &uuml;ber einige Orte keine Informationen, weil wir sie nicht erreichen konnten, sie waren von den bewaffneten Gruppen besetzt. Dar&uuml;ber konnten wir keine abschlie&szlig;enden Angaben machen oder Beweise dar&uuml;ber vorlegen, was dort geschah. Aber es war ganz klar, dass die syrische Regierung vollst&auml;ndig zur Zusammenarbeit bereit war.<\/p><p>Wir brauchten solche Waffen nicht, so einfach war das. Wir wollten solche Waffen auch nicht mehr, obwohl Israel &uuml;ber alle die Massenvernichtungswaffen verf&uuml;gt &ndash; nukleare, chemische und biologische Waffen. Aber f&uuml;r uns war klar, wir wollten sie abschaffen, weil sie unmenschlich und unmoralisch sind. Die chemischen Waffen stammten noch aus einer Zeit, in der es ganz andere Entwicklungen in dieser Region gab. Verschiedene ausl&auml;ndische Kr&auml;fte k&auml;mpften um Einfluss, wir suchten nach Waffen, um uns verteidigen zu k&ouml;nnen. Gegen die USA, gegen Israel, gegen die T&uuml;rkei und andere. Niemals hatten wir vor, unser Volk damit zu t&ouml;ten.<\/p><p>Als wir Tonnen von diesem Material aus der syrischen W&uuml;ste zum Mittelmeer transportierten, um es dort auf Schiffe aus den USA, Norwegen, Finnland und Frankreich zu verladen, hat uns niemand gefragt, ob wir etwas verstecken w&uuml;rden. Und warum sollten wir etwas verstecken wollen, wenn wir gleichzeitig diese Waffen der OPCW zur Vernichtung &uuml;bergeben!<\/p><p>Wie dem auch sei, es gibt L&auml;nder, in denen die Ansicht vertreten wird, dass dieses Thema sich gut eignet, um die syrische Regierung weiter zu attackieren und ihre Glaubw&uuml;rdigkeit in Zweifel zu ziehen. Sie haben das Thema im Technischen Sekretariat der OPCW benutzt, um es bis vor den UNO-Sicherheitsrat zu bringen. Wir halten den Sicherheitsrat nicht f&uuml;r den richtigen Ort, um diese Frage zu er&ouml;rtern, weil es sich um ein technisches Problem handelt. Aber die internationalen Kampagnen gegen Syrien gehen weiter.<\/p><p>Wir haben dem Technischen Sekretariat auch angeboten, die Wissenschaftler der OPCW und Syriens zusammenzubringen, um gemeinsam die tats&auml;chliche Lage zu untersuchen. Sie haben das abgelehnt und setzen den Druck gegen Syrien fort, aus politischen Gr&uuml;nden. Das ist die aktuelle Lage.<\/p><p>Ich versichere Ihnen, Syrien hat den Besitz von chemischen Waffen verurteilt, wir akzeptieren diese Waffen unter keinen Umst&auml;nden. Weder in Syrien noch andernorts d&uuml;rfen sie unter irgendwelchen Vorw&auml;nden eingesetzt werden. Wir sind zur Zusammenarbeit mit der OPCW bereit, um zu beweisen, dass Syrien sich an seine Ablehnung von chemischen Waffen h&auml;lt. Aber in der OPCW wird eine Resolution nach der anderen gegen Syrien vorgelegt, wobei die Unterst&uuml;tzung daf&uuml;r bei den Mitgliedstaaten abnimmt. Die letzte Resolution wurde nur von 50 L&auml;ndern angenommen, andere haben sich enthalten, haben dagegen gestimmt oder waren gar nicht erst zur Abstimmung erschienen.<\/p><p><em><strong>Die Blockaden des Westens gegen Syrien scheinen vom Osten nicht unterst&uuml;tzt zu werden. Syrien hat Beziehungen mit Russland, dem Iran, China und Indien. Das war schon vor 2011 so, aber die Beziehungen haben sich verst&auml;rkt. Im Iran hie&szlig; es nach der Islamischen Revolution 1979, das Land sei &bdquo;weder Ost noch West&ldquo;. Aber nun haben Iran und China ein langfristiges und finanzstarkes Abkommen unterzeichnet, Iran wendet sich dem Osten zu. Auch Syrien hat ein Abkommen mit China unterzeichnet, wird auch Syrien sich nach Osten wenden?<\/strong><\/em><\/p><p>Ich bin nicht der Meinung, dass uns irgendjemand zwingen kann, auf dieser oder jener Seite zu stehen. Wir folgen unseren Interessen. Aber wo kann unser Platz sein, wenn die westlichen L&auml;nder sich gegen Syrien positionieren? Nat&uuml;rlich m&uuml;ssen wir unsere Wirtschaft umstellen und unsere Politik muss sich an den Interessen des syrischen Volkes orientieren, am Internationalen Recht und an der Charta der Vereinten Nationen.<\/p><p>Wenn aber L&auml;nder das alles nicht respektieren und einen &raquo;Regime Change&laquo; in Syrien anstreben, wo sollen wir dann hin? K&ouml;nnen wir der USA-Administration zustimmen oder der franz&ouml;sischen Regierung, die Syrien besetzen wollen, die Kampfjets schicken, um Syrien anzugreifen? W&auml;hrend die Russische F&ouml;deration sagt, wir verstehen die rechtm&auml;&szlig;ige Position Syriens und unterst&uuml;tzen das Land?<\/p><p>In so einer Lage werden wir nat&uuml;rlich an der Seite Russlands, Chinas, des Iran und anderer L&auml;nder sein, die verstanden haben, dass wir ein multipolares System brauchen. Ein multipolares System, um das bestehende internationale Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zu ver&auml;ndern, in dem die westlichen L&auml;nder versuchen, die L&auml;nder der ganzen Welt gegen deren Willen zu dominieren und zu beherrschen. Mit dieser Einmischung, wenn er auf Kosten anderer, sich entwickelnder L&auml;nder nur die eigenen Interessen verfolgt, wird der Westen immer mehr L&auml;nder dazu bringen, den gleichen Weg zu gehen wie der Iran, Syrien und andere.<\/p><p><strong>F&uuml;r Kooperation<\/strong><\/p><p><em><strong>Die geographische und geopolitische Lage Syriens macht das Land zu einer Br&uuml;cke zwischen Ost und West. Syrien ist ein Tor zum Mittelmeer und nach Europa und umgekehrt die T&uuml;r nach Asien<\/strong>.<\/em><\/p><p>Das ist richtig und diese Position wollen wir auch haben. Vor diesem terroristischen Krieg gegen Syrien war es so, dass wir die Region zwischen den F&uuml;nf Meeren zusammenf&uuml;hren wollten,[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] wir haben uns um eine Ost-West-Zusammenarbeit bem&uuml;ht, wir verhandelten mit der Europ&auml;ischen Union &uuml;ber ein Abkommen und unsere Beziehungen mit den USA waren nicht so schlecht. Letztlich ist es der Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten, der eine gute Entwicklung in unserer Region verhindert.<\/p><p>W&uuml;rden die syrischen Golan-H&ouml;hen an Syrien zur&uuml;ckgegeben, w&uuml;rden die Pal&auml;stinenser ihr historisches Recht auf einen eigenen Staat in Pal&auml;stina bekommen und w&uuml;rde das libanesische Territorium befreit, das noch unter israelischer Kontrolle ist, dann k&ouml;nnte unserer Meinung nach diese Region Frieden finden, und die Welt auch. Die Probleme gibt es, weil einige Akteure eine gesamte Region f&uuml;r ihre eigenen Interessen kontrollieren wollen.<\/p><p><em><strong>Gibt es Anzeichen, dass die westlichen Staaten diese Position verstehen?<\/strong><\/em><\/p><p>Ich hoffe nat&uuml;rlich, dass die Konflikte eher heute als morgen ein Ende finden. Doch noch werden die Probleme von Kriminellen und Hetzern ausgenutzt.<\/p><p><em><strong>Sie haben das 2009 von Pr&auml;sident Baschar al Assad vorgestellte &raquo;F&uuml;nf-Meeres-Projekt&laquo; erw&auml;hnt, den Plan einer Kooperation der Staaten zwischen dem Kaspischen Meer, dem Schwarzen Meer, dem Mittelmeer, dem Roten Meer und dem Persischen Golf. Dessen Ziel war es, Syrien, die T&uuml;rkei, Libanon und Jordanien zusammenzubringen. Es gab Infrastrukturprojekte, der Handel sollte erleichtert werden, auch die Visabestimmungen. Mit dem Krieg war das vorbei, die Grenzen Syriens waren und sind teilweise noch geschlossen. Nun gibt es die Entscheidung, den Libanon mit Strom und Gas durch die Arabische Gas Pipeline zu versorgen, die &Auml;gypten, Jordanien, Syrien und den Libanon verbindet. Die &Ouml;ffnung der Pipeline und der Stromversorgung verz&ouml;gert sich, was ist der Grund?<\/strong><\/em><\/p><p>Ich m&ouml;chte betonen, dass wir von der regionalen und internationalen Zusammenarbeit &uuml;berzeugt sind. Das &raquo;F&uuml;nf-Meeres-Projekt&laquo; umspannte ein weites Gebiet und hat damals in vielen L&auml;ndern gro&szlig;e Aufmerksamkeit erregt. Es gab einige Staaten, denen diese Entwicklung nicht gefiel, weil sie meinten, Syrien w&uuml;rde &raquo;zu gef&auml;hrlich&laquo; werden. Ich meine das im Sinne von &raquo;zu stark&laquo;. Dann wurden diese Terroristen geschickt, die alles zerst&ouml;rten, was an guten Vereinbarungen zum Wohle der V&ouml;lker in dieser Region entstanden war.<\/p><p>Wenn ein arabisches Land mit einer Herausforderung konfrontiert ist, wie es jetzt aktuell im Libanon der Fall ist, k&ouml;nnen wir unabh&auml;ngig von unseren Positionen auf keinen Fall gegen die Interessen dieses Volkes arbeiten, und der Libanon ist uns sehr wichtig. Wir haben wiederholt eine gro&szlig;e libanesische Delegation von Ministern empfangen und es gab Treffen in Jordanien. Es gab zwei, drei Treffen zum Thema Strom und zwei, drei Treffen zum Thema Gas. Ohne zu kommentieren, was andere tun oder denken, kann ich Ihnen sagen, dass wir sofort zugestimmt haben. Was notwendig ist, um Strom und Gas in den Libanon zu leiten, wurde in Syrien fertiggestellt. Sowohl der Minister f&uuml;r Elektrizit&auml;t als auch der Minister f&uuml;r &Ouml;l und andere Ressourcen haben erkl&auml;rt, dass Syrien f&uuml;r das Projekt bereit ist.<\/p><p>Was das Z&ouml;gern von anderen betrifft, m&uuml;ssen diese L&auml;nder erkl&auml;ren. Allerdings haben wir geh&ouml;rt, dass die USA-Administration noch nicht endg&uuml;ltig entschieden hat, ob die USA-Sanktionen gegen Syrien angewendet werden sollen, wenn Strom und Gas f&uuml;r den Libanon durch Syrien geleitet wird. Die USA m&uuml;ssen das mit den anderen Staaten kl&auml;ren. Wir hoffen, dass das Projekt den Libanesen nutzt und ihre schwierige Situation nicht weiter verl&auml;ngert wird.<\/p><p><em><strong>K&uuml;rzlich konnte man &uuml;berraschenden Besuch in Damaskus sehen, der Au&szlig;enminister der Vereinigten Arabischen Emirate kam zu Gespr&auml;chen. Wird Syrien in die Arabische Liga zur&uuml;ckkehren?<\/strong><\/em><\/p><p>Die Frage, ob Syrien in die Arabische Liga zur&uuml;ckkehrt, ist nicht so sehr das Problem. Sie wissen, dass dieses Gremium keine wirkliche Entscheidungsmacht hat, es sind die Mitgliedstaaten, die entscheiden. Syrien arbeitet mit der Mehrheit der arabischen Staaten gut zusammen. 14 von den insgesamt 22 Mitgliedstaaten der Arabischen Liga (einschlie&szlig;lich Syrien) sind in Damaskus mit Botschaften vertreten. Selbst Dschibouti, das nie in Syrien vertreten war, hat jetzt eine Botschaft in Damaskus er&ouml;ffnet. Zwei L&auml;nder k&ouml;nnten noch gegen die R&uuml;ckkehr Syriens in die Liga sein, aber f&uuml;r uns sind die bilateralen Beziehungen mit allen arabischen Staaten wichtig. Ich will nicht einzelne L&auml;nder hervorheben, jedes arabische Land ist eingeladen, wieder normale Beziehungen mit Syrien aufzunehmen. Syrien ist dazu bereit, um die arabische Position in der Geopolitik des Mittleren Ostens zu st&auml;rken.<\/p><p>Dabei geht es auch um die T&uuml;rkei, die arabische L&auml;nder angreift. Die T&uuml;rkei positioniert sich in Libyen, in Syrien, im Jemen, im Irak, im Sudan, in Somalia, in Dschibouti. Als arabische Staaten m&uuml;ssen wir unsere Kontakte festigen und zusammenarbeiten. Wie kann ein arabisches Land, das die Muslim-Bruderschaft  verurteilt, mit der T&uuml;rkei kooperieren? Solche Widerspr&uuml;che m&ouml;chten wir beenden. Die arabischen L&auml;nder haben gemeinsame politische, geographische, wirtschaftliche und kulturelle Interessen. All dies bringt uns zusammen und wir sollten uns nicht spalten lassen durch Loyalit&auml;ten zu Positionen, die den arabischen L&auml;ndern nicht helfen werden, sich zu entwickeln und die neuen Herausforderungen zu bew&auml;ltigen. Ganz gleich, ob es sich um &ouml;kologische oder humanit&auml;re Herausforderungen handelt. Die ganze Welt steht vor vielen Herausforderungen. Wenn wir uns nicht zusammenschlie&szlig;en, werden wir alle bedroht sein.<\/p><p><em><strong>In diesen Tagen war eine Delegation der Pal&auml;stinensischen Autonomiebeh&ouml;rde in Damaskus &hellip;<\/strong><\/em><\/p><p>Ja und wir hatten gute Gespr&auml;che. Syrien glaubt an die Gerechtigkeit der pal&auml;stinensischen Sache. Dies war eine Delegation der F&uuml;hrung der Fatah. Wir haben ihnen unsere &Uuml;berzeugung mitgeteilt, dass sie ohne die Einheit der pal&auml;stinensischen Fraktionen die Unterst&uuml;tzung der ganzen Welt verlieren w&uuml;rden. Syrien w&uuml;rde niemals seine Positionen aufgeben, wenn es um die Rechte des pal&auml;stinensischen Volkes geht. Sie k&ouml;nnen sehen, dass sich derzeit die gesamte Region in eine Richtung bewegt, die den Kampf um Gerechtigkeit f&uuml;r das pal&auml;stinensische Volk nicht f&ouml;rdern wird &hellip;<\/p><p><em><strong>Das Abraham-Abkommen zwischen Israel und einigen Golfstaaten steht dem entgegen?<\/strong><\/em><\/p><p>Ganz genau. Wir wollen keine neue Seite aufschlagen, auf der die arabischen Konflikte sich vertiefen, anstatt dass die arabische Einheit sich durchsetzt. Wir wollen, dass sich die Pal&auml;stinenser zusammenschlie&szlig;en, ihre eigenen Probleme diskutieren und L&ouml;sungen finden, und sie werden dabei immer die Hilfe Syriens finden. Das macht es auch anderen arabischen L&auml;ndern leichter, sie zu unterst&uuml;tzen.<\/p><p><strong>Das Interview f&uuml;hrte Karin Leukefeld (<a href=\"http:\/\/www.leukefeld.net\">leukefeld.net<\/a>). Es ist am 1. Februar 2022 in der Zeitung &bdquo;Laetzebuerger Vollek&ldquo; (Luxemburg) erschienen.<\/strong><\/p><p>Titelbild: Der syrische Au&szlig;enminister Dr. Feisal Mekdad im Gespr&auml;ch mit der Nahostkorrespondentin Karin Leukefeld in Damaskus. Quelle: Syrisches Au&szlig;enministerium, Damaskus, 12.01.2022<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] &ldquo;Oh, East is East and West is West, and never the twain shall meet&rdquo;<strong>, Rudyard Kipling.<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.kiplingsociety.co.uk\/poem\/poems_eastwest.htm\">kiplingsociety.co.uk\/poem\/poems_eastwest.htm<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Die T&uuml;rkei baut entlang der Grenze zu Syrien an vielen Orten eine Mauer. Um Azaz, das etwa 60 km n&ouml;rdlich von Aleppo liegt, wird von der T&uuml;rkei auf syrischem Territorium eine Mauer zwischen Azaz und Afrin errichtet: <a href=\"https:\/\/www.al-monitor.com\/originals\/2022\/01\/turkey-isolating-azaz-rest-syrian-territory\">al-monitor.com\/originals\/2022\/01\/turkey-isolating-azaz-rest-syrian-territory<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] F&uuml;nf-Meeres-Strategie: 2009 von Pr&auml;sident Bashar al Assad vorgestellter Plan einer Kooperation der Staaten zwischen dem Kaspischen Meer, dem Schwarzen Meer, dem Mittelmeer, dem Roten Meer und dem Persischen Golf.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Syrien leidet unter den Folgen des Krieges, unter Sanktionen und unter &bdquo;Brain Drain&ldquo; durch Fluchtbewegungen. 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