{"id":80465,"date":"2022-02-06T14:00:19","date_gmt":"2022-02-06T13:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80465"},"modified":"2022-02-06T18:28:59","modified_gmt":"2022-02-06T17:28:59","slug":"ein-jahr-putsch-in-myanmar-teil-1-eine-chronik-der-ereignisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80465","title":{"rendered":"Ein Jahr Putsch in Myanmar &#8211; Teil 1: Eine Chronik der Ereignisse"},"content":{"rendered":"<p>Der Jahrestag des Putsches ist ein Tag der Schande f&uuml;r Myanmar. Der Tag des Putsches begann mit Razzien in der Morgend&auml;mmerung. Regierungsmitglieder und Aktivisten der NLD, darunter Staatsr&auml;tin Aung San Suu Kyi, wurden verhaftet, die Telefon- und Internetverbindungen wurden unterbrochen. Panzer rollten in die Hauptstadt Naypyitaw. Staatspr&auml;sident Win Myint wurde seines Amtes enthoben und die Macht wurde von General Min Aung Hlaing &uuml;bernommen, der den Ausnahmezustand ausgerufen hatte.<br>\nWir wollen hier eine kurze Zeitreise &uuml;ber das vergangene Jahr machen, bevor wir uns dem aktuellen Stand des Widerstandes und den Perspektiven f&uuml;r das Land widmen. <strong>Von Marco Wenzel<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nSchon Monate vor den Wahlen am 8. November 2020 bereitete sich General Hlaing, der Oberbefehlshaber der Streitkr&auml;fte, auf einen zu erwartenden &uuml;berw&auml;ltigenden Wahlsieg von Suu Kyis Nationaler Liga f&uuml;r Demokratie (NLD) vor und drohte mit Konsequenzen, sollte die Wahl in seinen Augen nicht fair ablaufen, will sagen: falls die Wahlen ein f&uuml;r das Milit&auml;r unakzeptables Resultat erbringen sollten. <\/p><p>Der &uuml;berw&auml;ltigende Wahlsieg der NLD und die schallende Ohrfeige f&uuml;r die Partei des Milit&auml;rs, die USDP, schmeckte den Gener&auml;len nat&uuml;rlich nicht. Sie bef&uuml;rchteten, dass das Volk in einer zweiten Amtsperiode der NLD auf ein Weitertreiben der demokratischen Reformen f&uuml;r das Land und damit auf eine Beschr&auml;nkung der Macht des Milit&auml;rs dr&auml;ngen w&uuml;rde. <\/p><p>Verfassungsgem&auml;&szlig; darf das Milit&auml;r 25% der Parlamentssitze an seine Leute vergeben, fast alle verbleibenden 75% der Sitze hatte die NLD gewonnen. Drei Tage nach der Wahl gab die USDP eine Pressekonferenz, bezeichnete das Komitee, das f&uuml;r die Abhaltung und &Uuml;berwachung der Wahlen eingesetzt worden war, als korrupt und forderte Neuwahlen, was angesichts des korrekten Ablaufs der Wahlen vom Wahlkomitee abgelehnt wurde. Auch internationale Beobachter bescheinigten, dass die Wahlen ordnungsgem&auml;&szlig; abgelaufen waren. Das Milit&auml;r brauchte jedoch einen Vorwand, um zu verhindern, dass die NLD weitere f&uuml;nf Jahre regieren konnte, und hielt an seinem Narrativ von den gef&auml;lschten Wahlen fest. Es setzte seine Kampagne fort und bereitete den Staatsstreich vor. <\/p><p>Ende Januar begannen ultranationalistische Gruppen im ganzen Land, pro-milit&auml;rische Kundgebungen zu veranstalten. Gepanzerte Fahrzeuge tauchten in den gro&szlig;en St&auml;dten auf. Es wurde klar, dass bald etwas passieren w&uuml;rde. Am 1. Februar 2021, dem Tag, an dem das Parlament zur Bildung einer zweiten NLD-gef&uuml;hrten Regierung zusammentreten sollte, putschte das Milit&auml;r und nahm die Volksvertreter fest. <\/p><p><strong>Unbeugsamer Widerstand<\/strong><\/p><p>Nach wenigen Tagen der Schockstarre wurde die Bewegung des zivilen Ungehorsams (Civil Disobedience Movement &ndash; CDM) von Angestellten des &ouml;ffentlichen Gesundheitswesens und anderen Staatsbediensteten ins Leben gerufen. Die Lehrer streikten und die Sch&uuml;ler und Studenten boykottierten den Unterricht. Die Stra&szlig;enproteste gegen den Putsch, die am 4. Februar in Mandalay begannen, breiteten sich bald in ganz Myanmar aus. Als die Proteste nicht abebbten, erhielten die Sicherheitskr&auml;fte den Befehl, auf die Demonstranten zu schie&szlig;en. Am 9. Februar wurde der 20-j&auml;hrigen Mya Thwe Thwe Khine von Scharfsch&uuml;tzen der Polizei in den Kopf geschossen, sie starb 10 Tage darauf. <\/p><p>Ende Februar\/Anfang M&auml;rz nahmen die Demonstrationen weiter an St&auml;rke zu, die Arbeiter und Angestellten begann zu streiken. Gleichzeitig griff das Milit&auml;r immer h&auml;rter durch, um die Proteste zu unterdr&uuml;cken. Die Zahl der Verhafteten und der Todesopfer stieg t&auml;glich an. Bis Ende M&auml;rz waren bereits &uuml;ber 500 Zivilisten get&ouml;tet worden. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Am 26. Februar sprach sich der st&auml;ndige Vertreter Myanmars bei den Vereinten Nationen, Kyaw Moe Tun, gegen den Putsch aus. Angeh&ouml;rige des Botschaftspersonals in mehreren L&auml;ndern schlossen sich ihm an und erkl&auml;rten ebenfalls ihre Solidarit&auml;t f&uuml;r die gew&auml;hlte Regierung und weigerten sich, die Milit&auml;rjunta als ihren Arbeitgeber anzuerkennen.<\/p><p>Einen vorl&auml;ufigen H&ouml;hepunkt fand die Gewalt am 27. M&auml;rz, als die Tatmadaw den Tag der Streitkr&auml;fte feierten und am selben Tag &uuml;ber 100 Demonstranten erschossen. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Die Menschen begannen nun, vorsichtiger zu werden. Sie erkannten, dass sie mit friedlichen Demonstrationen nicht viel ausrichten konnten und nur ihr eigenes Leben riskierten. Sie begannen, sich mit bewaffneten Aktionen und Guerillaaktionen gegen das Milit&auml;r zur Wehr zu setzen. <\/p><p>Um die Opposition zu unterdr&uuml;cken, verbot die Junta alle Oppositionszeitungen und verhaftete zahlreiche Journalisten. Gleichzeitig bereitete sie Geheimprozesse mit erfundenen Anklagen gegen Aung Suu Kyi und andere verhaftete Oppositionelle vor. Immer mehr Menschen gingen in den Untergrund, viele junge Menschen flohen in die Gebiete, die von den bewaffneten ethnischen Organisationen kontrolliert wurden, um sich dort milit&auml;risch f&uuml;r den bewaffneten Widerstand schulen zu lassen. Derweil bereitete die Junta ein Verbot der NLD vor.<\/p><p>Ende M&auml;rz &uuml;berfiel die Karen National Liberation Army (KNLA), der bewaffnete Fl&uuml;gel der Karen National Union (KNU), einen milit&auml;rischen Au&szlig;enposten in dem von der KNLA kontrollierten Gebiet. Die Junta reagierte jetzt erstmals mit Luftangriffen und vertrieb Tausende von Zivilisten aus ihren H&auml;usern. Ebenfalls Ende M&auml;rz begannen lokale Widerstandsgruppen in der Region Sagaing, sich mit traditionellen handgefertigten Jagdgewehren gegen die Regimekr&auml;fte zu wehren. Im April breitete sich der bewaffnete Widerstand weiter aus, in allen St&auml;dten und Regionen bildeten sich lokale Untergrundgruppen, die meist nachts &Uuml;berf&auml;lle und Bombenanschl&auml;ge gegen Einrichtungen der Junta oder Attentate gegen deren Anh&auml;nger ausf&uuml;hrten. Lokale Gruppen &uuml;berfielen Polizeiposten, steckten sie in Brand, nahmen die erbeuteten Waffen mit und t&ouml;teten Spitzel und Kollaborateure der Junta. Parallel dazu &uuml;berfielen die Armeen der ethnischen Gruppen vorgeschobene Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte und Polizeiposten und legten Hinterhalte gegen Truppenbewegungen. <\/p><p><strong>Der Widerstand organisiert sich<\/strong><\/p><p>Die CDM-Kampagne, die von Mitarbeitern des staatlichen Gesundheitswesens unmittelbar nach dem Staatsstreich vom 1. Februar ins Leben gerufen wurde, war eine der kraftvollsten und wirkungsvollsten Antworten des Volkes, sich der Milit&auml;rdiktatur zu widersetzen. Das Milit&auml;rregime reagierte darauf mit der Entlassung von fast 140.000 Lehrern sowie weiteren tausenden Bediensteten aus dem Gesundheitswesen, der Stromversorgung, der Eisenbahn, der Forstwirtschaft usw.<\/p><p>Wenige Tage nach dem Putsch, als sich bereits die Bewegung des zivilen Ungehorsams formiert hatte, trafen sich Parlamentarier, die der Festnahme entkommen waren, an einem geheimen Ort und gr&uuml;ndeten ein Schattenparlament aus ihrer Mitte, das CPRH. Ihr Ziel war es, aus dem Untergrund heraus den Widerstand zu organisieren und die Bev&ouml;lkerung soweit wie m&ouml;glich zu unterst&uuml;tzen. Viele von ihnen waren zu dem Zeitpunkt bereits von der Junta zur Fahndung ausgeschrieben. Mitte April verk&uuml;ndeten sie die Bildung einer Schattenregierung der Nationalen Einheit (NUG) mit Ministerien, die f&uuml;r die verschiedenen Bereiche zust&auml;ndig sind. Sie nahmen Verhandlungen mit den ethnischen Organisationen und ihre Armeen auf mit dem Ziel, die einzelnen Widerstandskr&auml;fte zu vereinen und den Kampf gegen das Milit&auml;r zu b&uuml;ndeln. Sie rief alle Staatsbediensteten auf, ihren Dienst zu verlassen. Sie warnte alle Kollaborateure mit der Milit&auml;rjunta und drohte f&uuml;r nach dem Sieg der Revolution mit empfindlichen Strafen f&uuml;r jede Zusammenarbeit mit der Junta an. Eine ihrer ersten Amtshandlungen war die Ank&uuml;ndigung von Pl&auml;nen zur Auszahlung der Geh&auml;lter der streikenden Staatsbediensteten. <\/p><p>Im Mai verk&uuml;ndete die NUG die Bildung einer Volksverteidigungstruppe (People&rsquo;s Defence Force, PDF) zur Bek&auml;mpfung der Junta, die der NUG untersteht und die der Kern einer sp&auml;teren neuen burmesischen Armee werden soll. Die NUG arbeitet zusammen mit Vertretern der ethnischen Organisationen an der Ausarbeitung einer Verfassung f&uuml;r eine zuk&uuml;nftige f&ouml;derale Republik Myanmar, in der alle ethnischen Gruppen gleiche Rechte haben werden. Auf die Gr&uuml;ndung der PDF hin erkl&auml;rte die Milit&auml;rjunta die NUG zu einer &bdquo;terroristischen Organisation&ldquo;. Seltsam: Die gr&ouml;&szlig;ten Terroristen in Myanmar nennen ihre Gegner Terroristen. Am 7. September verk&uuml;ndete die NUG den lange erwarteten Beginn eines &ldquo;Widerstandskrieges&rdquo; gegen die Junta und rief die Menschen im ganzen Land zum Aufstand auf. <\/p><p>Im Juni eskalierte der bewaffnete Widerstand mit Hinterhalten, Zusammenst&ouml;&szlig;en und Angriffen vor allem, aber nicht nur, in den ethnischen Staaten. In den ethnischen Karenni-Gebieten f&uuml;hrten Widerstandsk&auml;mpfer in der dritten Maiwoche umfangreiche Angriffe durch. T&auml;glich wurden Polizisten, Soldaten und Regimekollaborateure angegriffen. In einem offensichtlichen Versuch, von solchen Angriffen abzuschrecken, verurteilte die Junta im M&auml;rz 16 Personen wegen der Ermordung eines mutma&szlig;lichen Informanten und seiner beiden S&ouml;hne zum Tode. Die Krise weitete sich auf den Nordwesten Myanmars aus, wo das Milit&auml;r am 15. Juni in der Region Magway ein ganzes Dorf in Brand setzte und alle H&auml;user zerst&ouml;rte. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Im Juli plagte eine erneute Covid-Welle Myanmar. Die Junta schloss Krankenh&auml;user, streikende Mediziner wurden verhaftet und die Junta verbot die Verteilung von Sauerstoff, es sei denn unter milit&auml;rischer Kontrolle. In Yangon starben t&auml;glich zwischen 600 und 1.000 Menschen an Covid-19. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Am 26. Juli annullierte das Regime die Wahlergebnisse von 2020, am 1. August ernannte sich Min Aung Hlaing selbst zum Premierminister einer &Uuml;bergangsregierung. In der dritten Augustwoche begann das Milit&auml;r mit S&auml;uberungsaktionen in D&ouml;rfern entlang des Chindwin-Flusses, nahe der Grenze zwischen den Regionen Magway und Sagaing.<\/p><p>Nachdem die NUG am 7. September offiziell zum bewaffneten Aufstand aufgerufen hatte, begann das Milit&auml;r eine neue Terrorkampagne in der Region Magway, bei der 25 Zivilisten get&ouml;tet und 100 H&auml;user niedergebrannt wurden. In der Chin-Stadt Thantlang feuerten die Soldaten am 18. September Artilleriegranaten ab und setzten 18 H&auml;user in Brand. Das Milit&auml;r zog wie gewohnt marodierend durch die D&ouml;rfer im gesamten Land und r&auml;chte sich an der Zivilbev&ouml;lkerung, wenn sie die Aufst&auml;ndischen nicht finden konnten. Es begannen regelm&auml;&szlig;ige Bombardierungen aus der Luft, ganze D&ouml;rfer wurden in Brand gesetzt, die Felder der Bauern wurden abgefackelt und es wurde gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war. <\/p><p>Am 23. September begannen die Geheimprozesse gegen Aung Suu Kyi, ihre Mitarbeiter und Parteigenossen. Das Ziel ist, die NLD zu zerschlagen und Suu Kyi f&uuml;r den Rest ihres Lebens hinter Gitter zu bringen. Erst wenn das geschafft ist, wird die Junta wieder Wahlen abhalten, Scheinwahlen, von denen sie mangels Opposition sicher sein kann, dass sie sie auch gewinnen wird. <\/p><p>Ende Oktober, nachdem die in der Regenzeit aufgeweichten B&ouml;den abgetrocknet waren und die Pisten wieder befahrbar wurden, startete das Milit&auml;r eine Gro&szlig;offensive (Operation Anawrahta), um den bewaffneten Widerstand zu brechen. Aber die Guerillak&auml;mpfer und die ethnischen Armeen waren gut vorbereitet und t&ouml;teten mindesten 1.300 Juntasoldaten in verschiedenen Schlachten und Auseinandersetzungen. Die Verluste der Volksbefreiungsbewegung waren gering. <\/p><p>Am 1. Dezember erlaubte die UN-Vollversammlung Myanmars Anti-Junta-UN-Botschafter Kyaw Moe Tun, als st&auml;ndiger Vertreter des Landes im Amt zu bleiben und verschob eine Entscheidung &uuml;ber seine Rolle bis September 2022. Ebenfalls im Dezember verh&auml;ngte eine korrupte Milit&auml;rjustiz erste Urteile gegen Aung Suu Ky und ihre Mitstreiter. Weitere unz&auml;hlige Prozesse stehen noch aus, alle mit erfundenen Anklagen und absurden H&ouml;chststrafen. Wenn die Revolution siegt, werden die politischen Gefangenen noch am selben Tag freikommen, wenn sie verliert, werden sie im Gef&auml;ngnis sterben. <\/p><p><strong>Ein Schlachtfest zum Jahresende<\/strong><\/p><p>Der Monat Dezember war gepr&auml;gt von t&auml;glichen milit&auml;rischen Auseinandersetzungen, Attentaten gegen das Regime und Massakern an der Zivilbev&ouml;lkerung zur Einsch&uuml;chterung und als Racheakt. Die Massaker vertiefen den Hass auf das Milit&auml;r. Seit Dezember fliegt das Milit&auml;r fast t&auml;glich Bombenangriffe gegen vermutliche aufst&auml;ndische D&ouml;rfer, entweder aus Helikoptern oder aus Jagdflugzeugen. Inzwischen sind etwa 500.000 Menschen in Myanmar auf der Flucht. Ganze D&ouml;rfer wurden entweder niedergebrannt oder wurden von den Bewohnern aufgegeben. Das Zuchtvieh verbrannte entweder in den St&auml;llen oder wurde von den Milit&auml;rs get&ouml;tet, um der Bev&ouml;lkerung die Lebensgrundlage zu entziehen. Die Felder liegen brach, die Bauern trauen sich nicht mehr, sie zu bestellen. Gleichzeitig sind die Preise f&uuml;r Saatgut und D&uuml;nger unerschwinglich geworden. Die n&auml;chste Hungersnot ist vorprogrammiert. <\/p><p>Am 13. Dezember feuerte das Milit&auml;r Artilleriegranaten auf ein Dorf in der Region Sagaing ab, st&uuml;rmte es anschlie&szlig;end und setzte 100 H&auml;user in Brand. Am n&auml;chsten Tag st&uuml;rmten rund 200 Junta-Soldaten das Dorf Lay Kay Kaw Myothit nahe der thail&auml;ndischen Grenze im Bundesstaat Karen. Sie verhafteten etwa 20 Personen, darunter einen NLD-Abgeordneten. Neun Menschen, darunter zwei Kinder, wurden am 17. Dezember in dem Dorf Hnan Khar in der Gemeinde Gangaw in der Region Magway tot aufgefunden. Die Entdeckung erfolgte Tage nachdem das Milit&auml;r das Dorf mit drei Hubschraubern angegriffen hatte. Am Weihnachtsmorgen wurden die &Uuml;berreste von mindestens 35 verkohlten Leichen in der N&auml;he eines Dorfes im Bundesstaat Karenni gefunden. <\/p><p>In den letzten Monaten setzte das Milit&auml;r immer wieder Hubschrauber ein, um Soldaten in D&ouml;rfer zu fliegen, die im Verdacht stehen, Widerstandsk&auml;mpfer zu beherbergen, und zwang die Bewohner zur Flucht, w&auml;hrend ihre H&auml;user von den Besatzungstruppen in Brand gesteckt wurden. Ein Massaker am Heiligabend an Dutzenden von Zivilisten in der N&auml;he von Moso im Bundesstaat Kayah wurde von der UN verurteilt. Es beendete das Jahr auf besonders grausame Weise und zeigte, wie weit das Regime zu gehen bereit ist, um die Bev&ouml;lkerung Myanmars zur Unterwerfung zu zwingen. Knapp die H&auml;lfte der Einwohner des Staates sind &uuml;brigens Christen, was den Tag des Angriffs auf Moso besonders symboltr&auml;chtig macht. <\/p><p>Am 10. Januar dieses Jahres wurde Aung San Suu Kyis immer l&auml;nger werdende Haftstrafe um weitere vier Jahre verl&auml;ngert, nachdem sie f&uuml;r schuldig befunden worden war, illegal eingef&uuml;hrte Walkie-Talkies zu besitzen und gegen die Beschr&auml;nkungen des Covid-19-Gesetzes versto&szlig;en zu haben. Ihr drohen nun Jahrzehnte hinter Gittern wegen einer immer l&auml;nger werdenden Liste von angeblichen Vergehen. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Um die Kommunikation zwischen den Aufst&auml;ndischen und den Nachrichtenaustausch zwischen Myanmar und dem Ausland zu unterbinden, beabsichtigt die Junta, das Cybergesetz weiter zu versch&auml;rfen und die Nutzung von VPN unter Strafe zu stellen. <\/p><p>Am 21. Januar gaben zwei der weltgr&ouml;&szlig;ten Erd&ouml;lproduzenten, die US-amerikanische Chevron und das franz&ouml;sische Total, bekannt, dass sie sich wegen der angespannten Menschenrechtslage aus Myanmar zur&uuml;ckziehen wollen. Die Opposition und die NUG hatten das schon seit Langem gefordert. Am selben Tag verh&auml;ngte die korrupte Milit&auml;rjustiz weitere Todesurteile gegen Regimegegner. <\/p><p>Die 5. Brigade der Karen National Union (KNU) gab am 29. Januar eine Erkl&auml;rung ab, in der sie alle Beamten, die dem Milit&auml;rrat in Hpapun, Bezirk Mudaw, im Karen-Staat, unterstehen, auffordert, die Stadt zu verlassen. &bdquo;Die Nichteinhaltung der KNU-Erkl&auml;rung wird Konsequenzen nach sich ziehen. Die Frist f&uuml;r die Einhaltung ist der 10. Februar 2022.&ldquo;<\/p><p>Zum ersten Jahrestag des Putsches am letzten Dienstag, 1. Februar, hatte die Bev&ouml;lkerung zu einem landesweiten Schweigestreik aufgerufen. Die Menschen wurden aufgefordert, an diesem Tag zu Hause zu bleiben und die Gesch&auml;fte wurden aufgefordert, am 1. Februar zu schlie&szlig;en. Ein erster Schweigestreik fand am bereits 24. M&auml;rz letzten Jahres statt, der zweite am 10. Dezember. Beide Streiks erwiesen sich als gro&szlig;e Erfolge und brachten das Regime in gro&szlig;e Verlegenheit.<\/p><p>Die Kampagne war ein Erfolg, da die Menschen landesweit in den H&auml;usern blieben und die &ouml;ffentlichen Pl&auml;tze des Landes gr&ouml;&szlig;tenteils menschenleer waren. Der Streik vom letzten Dienstag war umso bedeutender, da er trotz aller Versuche des Regimes, ihn zu verhindern, erfolgreich war. Um den Schweigestreik zu torpedieren, organisierte das Milit&auml;rregime Einkaufsfahrten zu Superm&auml;rkten in Rangun und bat Dorf- und Bezirksverwalter, Auto- oder Motorradfahrten auf der Autobahn zu organisieren, um den Anschein zu erheben, dass w&auml;hrend der Streikstunden doch Menschen auf der Stra&szlig;e waren.<\/p><p>Die Junta organisierte zudem Marathon- und Fahrradrennen unter den Anh&auml;ngern des Milit&auml;rs, um den stillen Streik zu st&ouml;ren. In einigen St&auml;dten organisierte die Junta am Dienstag kaum besuchte Pro-Milit&auml;r-Kundgebungen mit Familienangeh&ouml;rigen von Regime-Soldaten und Anh&auml;ngern des Milit&auml;rs. Das Regime feierte das erste Jahr seiner Herrschaft standesgem&auml;&szlig; mit der Verl&auml;ngerung des Ausnahmezustands, der bereits zu Beginn des Putsches verh&auml;ngt worden war. <\/p><p>Myanmars Junta hat in der vergangenen Woche mehr als hundert Menschen verhaftet und angeklagt, weil sie in den sozialen Medien Beitr&auml;ge zur Unterst&uuml;tzung der Anti-Regime-Bewegung ver&ouml;ffentlicht haben. Seit dem Putsch hat die Junta 1.510 Menschen get&ouml;tet und weitere 11.800 inhaftiert.<\/p><p>Das Milit&auml;rregime hat sich illegal an die Macht geputscht. Seit M&auml;rz des vergangenen Jahres ziehen die Tatmadaw marodierend durch die D&ouml;rfer und St&auml;dte, verpr&uuml;geln oder erschie&szlig;en willk&uuml;rlich Passanten und Demonstranten, zerst&ouml;ren Eigentum und stehlen, was sie gebrauchen k&ouml;nnen, und schlagen kaputt, was sie nicht mitnehmen k&ouml;nnen. Und sie bleiben dabei straflos, keiner kann sie verklagen. Kriegsrecht und Ausnahmezustand bedeuten, dass es kein Recht mehr gibt. Was Recht ist in Myanmar, ist der Willk&uuml;r der Tatmadaw &uuml;berlassen.<\/p><p>Ein Jahr nach der Macht&uuml;bernahme bleibt die Milit&auml;rjunta ein illegales Gebilde, das mit Brutalit&auml;t und Angst regiert und keine L&ouml;sung f&uuml;r die anhaltende Krise hat. Die Milit&auml;rjunta ist die verhassteste Institution im ganzen Land. Die vergangenen 12 Monate waren eine Trag&ouml;die f&uuml;r Myanmar. Sie haben das Land um Jahrzehnte zur&uuml;ckgeworfen und das Volk an den Rand einer Hungersnot gebracht. Und sie haben den Hass auf das Milit&auml;r und die Verachtung f&uuml;r es noch weiter verst&auml;rkt. Die Gr&auml;ben zwischen Volk und Milit&auml;r sind un&uuml;berwindlich geworden. Es wird keine Zukunft f&uuml;r Myanmar geben, in der die Tatmadaw noch mit von der Partie sein werden. Mit dem Putsch am 1. Februar 2021 haben die Tatmadaw ihr Todesurteil unterschrieben. <\/p><p>Karte von Myamar:<br>\n<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220206-Myanmar.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220206-Myanmar.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.nationsonline.org\/oneworld\/map\/Myanmar-administrative-map.htm\">Administrative Map of Myanmar<\/a><\/p><p>Titelbild: R. Bociaga\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70034\">Die Wut in Myanmar w&auml;chst<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70296\">Blutsonntag in Myanmar<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73494\">Ein halbes Jahr nach dem Putsch &ndash; Ein Zwischenbericht zur aktuellen Lage in Myanmar<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74951\">In Myanmar l&auml;uft die Pandemie aus dem Ruder<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Myanmar, Daw Aung Suu Kyi und die Revolution &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79316\">Teil 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79323\">Teil 2<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79325\">Teil 3 <\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Jahrestag des Putsches ist ein Tag der Schande f&uuml;r Myanmar. Der Tag des Putsches begann mit Razzien in der Morgend&auml;mmerung. Regierungsmitglieder und Aktivisten der NLD, darunter Staatsr&auml;tin Aung San Suu Kyi, wurden verhaftet, die Telefon- und Internetverbindungen wurden unterbrochen. Panzer rollten in die Hauptstadt Naypyitaw. 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