{"id":80555,"date":"2022-02-08T11:53:41","date_gmt":"2022-02-08T10:53:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80555"},"modified":"2022-02-08T13:21:48","modified_gmt":"2022-02-08T12:21:48","slug":"ein-offener-brief-an-ver-di-berlin-wegen-ver-dis-feindseliger-haltung-zu-demos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80555","title":{"rendered":"Ein Offener Brief an Ver.di Berlin wegen Ver.dis feindseliger Haltung zu Demos"},"content":{"rendered":"<p>Die Sonderp&auml;dagogin Magda von Garrel hat einen Offenen Brief an Ver.di geschrieben. Wir machen darauf aufmerksam und ver&ouml;ffentlichen diesen Brief (Teil A), weil es langsam unertr&auml;glich wird, mit welcher Selbstverst&auml;ndlichkeit sich Einrichtungen und Organisationen, die eigentlich anderes zu tun haben, gegen Menschen positionieren, die ihr demokratisches Recht wahrnehmen zu demonstrieren. In Teil B ist ein Unterst&uuml;tzungsschreiben von Angeh&ouml;rigen von Anti-Nazi-Widerstandsfamilien angef&uuml;gt, passend zur Kritik Garrels an Ver.di. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Teil A &ndash; Offener Brief<\/strong><\/p><p>Magda von Garrel Berlin, d. 07.02.2022<br>\n<strong>Offener Brief<\/strong><br>\nan die Bezirksleitung des ver.di-Landesbezirks Berlin-Brandenburg<\/p><p>Herrn Landesbezirksleiter Frank Wolf<br>\nK&ouml;penicker Str. 30<br>\n10179 Berlin<\/p><p>Sehr geehrter Kollege Wolf,<\/p><p>als ver.di-Mitglied (Mitgliedsnummer 5550009707) protestiere ich gegen die am 04.02.2022 als Mail bei mir eingegangene Presseinformation des Landesbezirks Berlin-Brandenburg mit der &Uuml;berschrift &bdquo;Ver.di unterst&uuml;tzt bezirkliche Demos gegen &lsquo;Montagsspazierg&auml;nge&rsquo;&ldquo;.<\/p><p>Der Inhalt der Presseinformation widerspricht dem Wortlaut der Satzung von ver.di in der Fassung vom 12.10.2021. In &sect; 5.1 bekennt sich ver.di &bdquo;zu den Grunds&auml;tzen des demokratischen und sozialen Rechtsstaats&ldquo;. In &sect; 5.3 bezeichnet sich ver.di als &bdquo;pluralistisch&ldquo; (Unterpunkt h.), setzt sich ein f&uuml;r die &bdquo;Verteidigung der Wissenschafts- und Meinungsfreiheit&ldquo; (Unterpunkt k.) sowie f&uuml;r die &bdquo;Auseinandersetzung mit und Bek&auml;mpfung von faschistischen, militaristischen und rassistischen Einfl&uuml;ssen&ldquo; (Unterpunkt i.).<\/p><p>Der Aufruf zur Unterst&uuml;tzung einer Gegendemonstration ignoriert, dass in einem demokratischen Rechtsstaat die Wahrnehmung des Demonstrationsrechts grunds&auml;tzlich nicht durch eine organisierte Gegendemonstration behindert werden darf. Dar&uuml;ber hinaus verletzt der Aufruf das innergewerkschaftliche Prinzip des Pluralismus in einer Einheitsgewerkschaft, untergr&auml;bt die Verteidigung der Wissenschafts- und Meinungsfreiheit und ist kein Beitrag zur Auseinandersetzung mit und zur Bek&auml;mpfung von &bdquo;faschistischen &hellip; Einfl&uuml;ssen&ldquo;, da diese ohne jeden juristischen Beweis lediglich unterstellt werden.<\/p><p>In der bei mir am 04.02.2022 eingegangenen Presseinformation wird Andrea K&uuml;hnemann mit den Worten zitiert: &bdquo;<i>Wir wehren uns dagegen, dass insbesondere rechte Gruppierungen versuchen, aus der Pandemie Kapital zu schlagen und ihre kruden Thesen auf die Stra&szlig;e tragen. Diese Leute mit ihren &lsquo;Montagsprotesten&rsquo; sind nur eine kleine Gruppe, sie haben kein Recht, f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Bev&ouml;lkerung zu sprechen. Das m&uuml;ssen wir klar zum Ausdruck bringen, deswegen rufen wir die ver.di-Mitglieder auf, gegen diese &lsquo;Montagsspazierg&auml;nge&rsquo; zu demonstrieren.&ldquo;<\/i><\/p><p>Einmal abgesehen davon, dass man kein Recht f&uuml;r obsolet erkl&auml;ren kann, das gar nicht in Anspruch genommen wird (Sprechen f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Bev&ouml;lkerung), sollte es zum demokratischen Selbstverst&auml;ndnis einer Gewerkschaft geh&ouml;ren, sich f&uuml;r die Rechte von Minderheiten einzusetzen.<\/p><p>Diese drastische Abkehr von einem einstmals ehernen Grundprinzip rechtfertigt ver.di mit einer weiteren blo&szlig;en Behauptung, nach der die Teilnehmer*innen an den Montagsspazierg&auml;ngen Impfgegner und Rechte seien. Bei allem Verst&auml;ndnis f&uuml;r eine Positionierung gegen rechte Gruppierungen wird hier v&ouml;llig ausgeblendet, dass das Spektrum der Beteiligten sehr viel gr&ouml;&szlig;er ist und beispielsweise auch mehrfach geimpfte Menschen umfasst. Dieser nicht beachtete Umstand l&auml;sst die Frage aufkommen, inwieweit ver.di-Vertreter*innen eigene Recherchen durchgef&uuml;hrt haben. Dar&uuml;ber hinaus wird auf die f&uuml;r die sogenannten Impfgegner ausschlaggebenden Gr&uuml;nde gar nicht erst eingegangen.<\/p><p>Dementsprechend fehlt auch eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der Frage, weshalb es zu einer gr&ouml;&szlig;eren Beteiligung von Rechten &uuml;berhaupt kommen konnte. Meines Erachtens haben wir es hier mit der Folge eines eklatanten gewerkschaftlichen Versagens zu tun. Von Anfang an hat sich ver.di in einem als gewerkschaftlich zu bezeichnenden Sinne lediglich um die Absicherung finanzieller Unterst&uuml;tzungsleistungen (zum Beispiel f&uuml;r K&uuml;nstler und Solo-Selbstst&auml;ndige) und um die Organisation von Streiks zur Durchsetzung besserer Rahmenbedingungen f&uuml;r das Pflegepersonal bem&uuml;ht.<\/p><p>Dieses Engagement ist zwar aller Ehren wert, aber nicht ausreichend f&uuml;r Menschen, die von einer Gewerkschaft ein umfassendes gesellschaftskritisches Verhalten erwarten. Dass in dieser Hinsicht von ver.di nicht mehr viel zu erwarten ist, l&auml;sst der letzte Satz der Presseinformation bef&uuml;rchten, in dem Sie sich wie folgt ge&auml;u&szlig;ert haben: &bdquo;<i>Die Experten sind sich einig &ndash; nur eine Impfung sch&uuml;tzt derzeit vor schlimmen Krankheitsverl&auml;ufen und Folgesch&auml;den.&ldquo;<\/i><\/p><p>Diese Aussage trifft schon allein wegen der zu Unrecht behaupteten Einigkeit der Experten nicht zu, aber noch wichtiger ist mir die Feststellung, dass keinerlei Bereitschaft zur F&uuml;hrung eines ergebnisoffenen Dialogs erkennbar ist. Eine Gewerkschaft, die (abgesehen von einigen Ausnahmen) unter Inkaufnahme schwerster sozialer Folgen seit Ausrufung der Pandemie auf eine &Uuml;berpr&uuml;fung der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der angeordneten Ma&szlig;nahmen verzichtet und durch die Nichter&ouml;ffnung eines Diskussionsraums zur Vertiefung der gesellschaftlichen Spaltung beigetragen hat, spricht und handelt weder in meinem Namen noch im Namen ihrer eigenen Statuten.<\/p><p><strong>Deshalb fordere ich den ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg auf, die o.g. Presseinformation als gewerkschaftssch&auml;digend zu widerrufen.<\/strong><\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Teil B <\/strong><\/p><p>26. Januar 2022<br>\nAngeh&ouml;rige von Anti-Nazi-Widerstandsfamilie f&uuml;r &ldquo;Spazierg&auml;nge&rdquo;<\/p><p>In letzter Zeit erlebt Deutschland etwas sehr Hoffnungsvolles. Etwas, das Mut macht. Jede Woche gehen gut 300.000 Leute (etwa dreihundert Tausend Personen) auf die Stra&szlig;en, um gr&ouml;&szlig;tenteils friedlich, freundlich und grundrechtstreu f &uuml; r demokratische Rechte auf zu treten. F&uuml;r &ldquo;Frieden Freiheit, Demokratie&rdquo; . Gegen die Grundrechts-&ldquo;Einschr&auml;nkungen&rdquo; der Regierenden. &hellip;<\/p><p>Leute, die in der damaligen DDR lebten (wie der heute israelische Journalist und Schriftsteller Chaim Noll) weisen immer wieder darauf hin, dass die gegenw&auml;rtig angebliche Anti-&ldquo;Corona&rdquo;-Politik deutscher Regierungen teils auff&auml;llig an die Unterdr&uuml;ckung der Bev&ouml;lkerung in der einstigen DDR erinnert. <\/p><p>Umso erfreulicher, dass die friedlichen Massenproteste diesen Januar (und bald Februar?) 2022 in Hunderten deutscher Orte sich &auml;hnlich friedlich zeigen wie die auch damals nicht &ldquo;genehmigten&rdquo; Demonstrationen in den letzten Monaten der DDR-Honecker-Regierung. <\/p><p>Demokratie lebt von Meinungsvielfalt. Gerade auch jetzt, Januar\/Februar 2022. Mit ein Grund daf&uuml;r, dass mehrere heutige Mitglieder von Familien, deren Angeh&ouml;rige teils w&auml;hrend der Nazi-Zeit Widerstand gegen das Hitler-Regime leisteten, die &ldquo;Spazierg&auml;nge&rdquo; in Hunderten deutscher Orte, Januar 2022, sehr begr&uuml;&szlig;en.<\/p><p>Sie tun dies bewusst am Gedenktag f&uuml;r die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2022 &ndash; denn die Blutopfer des deutschen Widerstands sollen nicht umsonst gewesen sein, sondern auch heute einer freien Demokratie mit gesicherten Grundrechten dienen. <\/p><p>Die Unterzeichnenden dieser Erkl&auml;rung:<\/p><p>Julian Aicher <\/p><p>(Sohn der &ldquo;Die Wei&szlig;e-Rose&rdquo;-Verfasserin Inge Aicher-Scholl) <\/p><p>Christian von Lerchenfeld <\/p><p>(Verwandter Nachfahre von Nina Schenk Gr&auml;fin von Stauffenberg, geborene von Lerchenfeld) <\/p><p>Weitere Mitglieder aus Verfolgten- und Widerstandsfamilien haben diese Erkl&auml;rung ausdr&uuml;cklich begr&uuml;&szlig;t, m&ouml;chten aber aus Angst vor Repressalien nicht namentlich genannt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sonderp&auml;dagogin Magda von Garrel hat einen Offenen Brief an Ver.di geschrieben. 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