{"id":80583,"date":"2022-02-09T09:00:21","date_gmt":"2022-02-09T08:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80583"},"modified":"2022-02-10T07:51:28","modified_gmt":"2022-02-10T06:51:28","slug":"die-lockdown-logik-ist-nur-noch-ein-ideologischer-scherbenhaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80583","title":{"rendered":"Die Lockdown-Logik ist nur noch ein ideologischer Scherbenhaufen"},"content":{"rendered":"<p>Lockdowns senken die Covid-19-Sterblichkeit im Schnitt um 0,2%. Selbst h&auml;rteste Ma&szlig;nahmen wie Ausgangssperren kommen nur auf eine Reduktion von 2,9%. Das sind die Kernaussagen einer aktuellen, gro&szlig; angelegten <a href=\"https:\/\/sites.krieger.jhu.edu\/iae\/files\/2022\/01\/A-Literature-Review-and-Meta-Analysis-of-the-Effects-of-Lockdowns-on-COVID-19-Mortality.pdf\">Meta-Studie<\/a> &ndash; und die kommt nicht von irgendwem, sondern von der Johns Hopkins University, deren &bdquo;Coronavirus Resource Center&ldquo; seit Beginn der Pandemie als das Mekka der Corona-Daten-Analyse gilt. Das Fazit der Forscher: &bdquo;Lockdowns haben wenig bis gar keine Auswirkungen auf die &ouml;ffentliche Gesundheit und dort, wo sie eingef&uuml;hrt wurden, haben sie enorme wirtschaftliche und soziale Kosten verursacht. Daher sind Lockdowns als politische Ma&szlig;nahme unbegr&uuml;ndet und sollten als pandemiepolitisches Instrument abgelehnt werden&ldquo;. Derweil verbreiten hierzulande die Regierungsberater das genaue Gegenteil. Das Beste w&auml;re es daher, den Corona-Expertenrat der Bundesregierung aufzul&ouml;sen und endlich evidenzbasierten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu folgen. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7028\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-80583-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220209_Die_Lockdown_Logik_ist_nur_noch_ein_ideologischer_Scherbenhaufen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220209_Die_Lockdown_Logik_ist_nur_noch_ein_ideologischer_Scherbenhaufen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220209_Die_Lockdown_Logik_ist_nur_noch_ein_ideologischer_Scherbenhaufen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220209_Die_Lockdown_Logik_ist_nur_noch_ein_ideologischer_Scherbenhaufen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=80583-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220209_Die_Lockdown_Logik_ist_nur_noch_ein_ideologischer_Scherbenhaufen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220209_Die_Lockdown_Logik_ist_nur_noch_ein_ideologischer_Scherbenhaufen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Bereits in meinem im Juni 2021 erschienenen &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/corona-buecher\/schwarzbuch-corona.html?listtype=search&amp;searchparam=jens%20berger%20Schwarzbuch%20corona\">Schwarzbuch Corona<\/a>&ldquo; habe ich mich im Kapitel &bdquo;Mehr Schaden als Nutzen?&ldquo; ausf&uuml;hrlich mit der Frage besch&auml;ftigt, welche Evidenz die Lockdown-Logik eigentlich hat. Daf&uuml;r habe ich Zahlen aus Deutschland und Schweden sowie den US-Bundesstaaten Nord- und S&uuml;ddakota, Kansas, Missouri und Nebraska verglichen, die jeweils mit deutlich unterschiedlichen Lockdown-Strategien auf die ersten beiden Wellen der Corona-Pandemie reagiert haben. Hierbei zeigte vor allem der Vergleich der in Sachen Demographie, Siedlungsstruktur und Kultur sehr gut vergleichbaren US-Bundesstaaten, dass die vermeintlich positive Wirkung von Ma&szlig;nahmen wie Schulschlie&szlig;ungen, Schlie&szlig;ungen von Gastronomie und Einzelhandel, Kontaktbeschr&auml;nkungen und Ausgangssperren sich aus den Daten schlicht nicht erkennen l&auml;sst. Neu ist die Erkenntnis, die sich nun auch an der Johns Hopkins University durchgesetzt hat, also nicht.<\/p><p>Um nun zu dem gleichen Schluss zu kommen, haben die Hopkins-Forscher 18.590 Studien gescreent, von denen jedoch nur 34 die n&ouml;tigen Anforderungen erf&uuml;llten. Beim Rest der Studien wurde schlicht wissenschaftlich unsauber gearbeitet. Es wurden &Auml;pfel mit Birnen verglichen, es wurde der Zeithorizont komplett ignoriert, die Daten wurden nicht auf Basis der Allgemeinsterblichkeit adjustiert und und und. Es ist es schon erstaunlich, wie viel minderwertige Studien zu diesem Thema ver&ouml;ffentlich wurden. Junk-Science nennt man das wohl heute. <\/p><p><strong>Neil Fergusons &bdquo;Pfusch&ldquo; schaffte die Basis<\/strong><\/p><p>Als &bdquo;Mutter aller Junk-Studien&ldquo; zu Corona gilt dabei die, auch in der Hopkins-Studie mehrfach negativ zitierte, <a href=\"https:\/\/www.imperial.ac.uk\/media\/imperial-college\/medicine\/sph\/ide\/gida-fellowships\/Imperial-College-COVID19-NPI-modelling-16-03-2020.pdf\">Studie<\/a> &bdquo;Impact of non-pharmaceutical interventions (NPIs) to reduce COVID-19 mortality and healthcare demand&ldquo;. Diese meist als &bdquo;Imperial-College-Studie&ldquo; bezeichnete Arbeit wurde bereits im M&auml;rz 2020 unter Federf&uuml;hrung des britischen Epidemiologen Neil Ferguson ver&ouml;ffentlicht. Ferguson ist in der &bdquo;Szene&ldquo; kein Unbekannter. Bereits 2005 sagte er bis zu 200 Millionen Todesopfer f&uuml;r die Vogelgrippe f&uuml;r den Fall voraus, dass man die Verbreitung des Virus nicht mit schnellen, harten Ma&szlig;nahmen eind&auml;mme. Damals gab es keine Lockdowns und am Ende starben nicht 200 Millionen, sondern weltweit gerade einmal 74 Personen. Vier Jahre sp&auml;ter war Ferguson schon etwas vorsichtiger. F&uuml;r die nun kursierende Schweinegrippe sagte er f&uuml;r Gro&szlig;britannien 65.000 Todesopfer voraus &ndash; nat&uuml;rlich nur dann, wenn man das Land nicht durch Lockdown-Ma&szlig;nahmen herunterfahren w&uuml;rde. Auch damals kam es zu keinen Lockdowns und zu 392 statt der vorhergesagten 65.000 Todesopfer.<\/p><p>Auch bei Covid 19 blieb Neil Ferguson seiner Tradition der gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Panikmache treu. Nun sagte er 580.000 Todesopfer binnen weniger Monate voraus, wenn man die Pandemie nicht mit harten Lockdowns unterbindet &ndash; bis heute sind &uuml;brigens trotz zeitweise harter Lockdowns und Ausgangssperren &bdquo;nur&ldquo; 158.000 Menschen in Gro&szlig;britannien mit oder an Covid 19 verstorben. Doch anstatt Ferguson aufgrund seiner einschl&auml;gigen Vergangenheit zu ignorieren, bef&ouml;rderte ihn der britische Premier Johnson in sein Beraterteam; den Posten musste er &uuml;brigens bereits wenige Wochen sp&auml;ter wieder verlassen, nachdem publik wurde, dass ausgerechnet &bdquo;Mr. Lockdown&ldquo; sich selbst nicht an die Ausgangssperren hielt und lieber seine Geliebte besuchte. Doch das ist nebens&auml;chlich. Fergusons Studien sollten von nun an weltweit als die &bdquo;wissenschaftliche Grundlage&ldquo; f&uuml;r die nun verh&auml;ngten Lockdowns gelten. Meist unter Berufung auf Fergusons &bdquo;Imperial College Studie&ldquo;. Kleiner Sidefact &ndash; unter der <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Genesenennachweis.html\">&bdquo;Begr&uuml;ndung&ldquo;<\/a> des RKI f&uuml;r die j&uuml;ngst durchgef&uuml;hrte und wissenschaftlich nicht haltbare Verk&uuml;rzung des Genesenenstatus steht gleich als erste Fu&szlig;note genau dieser Neil Ferguson.<\/p><p>Worin besteht die &bdquo;Methode Ferguson&ldquo;? Viele von uns kennen ja die Tabellenkalkulation Excel. Das Programm l&auml;dt zu Spielereien mit Zahlenreihen und Formeln ein. Mithilfe der Tabellen kann jedes Kind zum &bdquo;Modellierer&ldquo; werden. Was Spielerei und Wissenschaft unterscheidet, ist die Qualit&auml;t der Modelle. Und die Qualit&auml;t der Ferguson-Berechnungen ist unterirdisch. So geht er beispielsweise davon aus, dass die Menschen ohne Zwangsma&szlig;nahmen ihr Verhalten nicht &auml;ndern und stets genau das machen, was die Ma&szlig;nahmen ihnen vorschreiben und blo&szlig;e Empfehlungen nicht befolgen. Das ist schon drollig, wenn man bedenkt, dass er selbst seinen Job verloren hat, weil er sich eben nicht an die gesetzlich verh&auml;ngte Ausgangssperre gehalten hat. Es ist auch nicht so, dass Fergusons Excel-Spielereien von anderen Wissenschaftlern nicht kritisiert worden w&auml;ren. Im Gegenteil. Schon fr&uuml;h bezeichneten Experten seine Rechenmodelle w&ouml;rtlich als <a href=\"https:\/\/www.telegraph.co.uk\/technology\/2020\/05\/16\/coding-led-lockdown-totally-unreliable-buggy-mess-say-experts\/\">&bdquo;komplett unzuverl&auml;ssig&ldquo; und &bdquo;kompletten Pfusch&ldquo;<\/a>. <\/p><p><strong>Deutsche Modellierer im Alarmmodus<\/strong><\/p><p>Es dauerte jedoch nicht lange, bis dieser &bdquo;komplette Pfusch&ldquo; auch nach Deutschland kam. Hier waren es dann allen voran die Physiker Dirk Brockmann, Viola Priesemann und Kai Nagel, die fortan mit ihren alarmistischen &bdquo;Rechenmodellen&ldquo; erst die Titelseiten der Zeitungen und dann die Beratergremien der Bundesregierung eroberten. Die Botschaft war immer die gleiche: Wir steuern auf ein exponentielles Wachstum zu, wenn man nicht durch m&ouml;glichst harte Lockdowns entgegensteuert, werden die Todeszahlen explodieren. Eine nachtr&auml;gliche &Uuml;berpr&uuml;fung dieser Prognosen fand in den Medien nicht statt und auch der Politik scheint es egal zu sein, dass sie mit vollkommen &uuml;bertriebenen Horrorzahlen zu einer Lockdown-Politik getrieben wurde, die mehr Schaden als Nutzen anrichtete.<\/p><p>Pr&uuml;fen wir doch mal: Am 5. Februar 2021 interviewte der SPIEGEL die Virologin <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/melanie-brinkmann-ueber-corona-mutanten-der-wettlauf-ist-laengst-verloren-a-00000000-0002-0001-0000-000175196841\">Melanie Brinkmann<\/a>. Brinkmann stellte im Interview die Prognosen der No-Covid-Gruppe, der sie selbst ebenso wie die genannten Modellierer angeh&ouml;rt, vor. Nach diesen &bdquo;Prognosen&ldquo; sollten ohne massive Ma&szlig;nahmen <strong>bis zum &bdquo;n&auml;chsten Fr&uuml;hjahr&ldquo; 180.000 Menschen unter 60 Jahren an Covid 19 sterben. Die harten Ma&szlig;nahmen blieben bekanntlich aus und bis dato starben lediglich 4.000 Menschen unter 60 an oder mit Covid 19. Die &bdquo;Experten&ldquo; lagen also um sportliche 98% daneben. Bei der Gesamtzahl der &bdquo;Corona-Toten&ldquo; brachte Brinkmann damals sogar die Zahl von &bdquo;eine Million Tote oder mehr&ldquo; ins Spiel. In Realit&auml;t sind es bis jetzt 49.000.<\/strong> Auch hier eine Differenz von 95%. Konsequenzen? Keine! Im Gegenteil. Mit Michael Meyer-Hermann, Viola Priesemann und Melanie Brinkmann wurden sogar drei Gr&uuml;ndungsmitglieder der No-Covid-Gruppe in den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Corona-Expertenrat_der_Bundesregierung\">Corona-Expertenrat der Bundesregierung<\/a> berufen &ndash; Letztere sogar als stellvertretende Vorsitzende. <\/p><p>Und die alarmistischen Fehlprognosen h&ouml;ren nicht auf. H&auml;tten die Regierungsberater rund um die G&ouml;ttinger Physikerin Viola Priesemann mit ihrer erst sechs Wochen alten <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/coronavirus-modellrechnungen-zeigen-moegliche-verlaeufe-der-omikron-welle-a-a133d574-6e16-4069-9867-19441342bf6c\">&bdquo;Modellrechnung&ldquo;<\/a> zu Omikron recht behalten, <strong>m&uuml;ssten heute 6.000 bis 7.000 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sein. In der Realit&auml;t sind es 2.355.<\/strong> <\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220204_prognosen1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Grafik: SPIEGEL. Die gelbe Kurve mit dem tats&auml;chlichen Verlauf wurde in die Grafik montiert. <\/p><p>Im Mittelalter hat man Wahrsager, deren Prognosen regelm&auml;&szlig;ig derart massiv danebenlagen, vom Hof gejagt. Heute werden die schlimmsten Scharlatane zu engen Beratern der Regierung.  <\/p><p>Titelbild: HE68\/shutterstock.com <\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/06e70c24c45e4ce7a787928c5633b0d0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lockdowns senken die Covid-19-Sterblichkeit im Schnitt um 0,2%. Selbst h&auml;rteste Ma&szlig;nahmen wie Ausgangssperren kommen nur auf eine Reduktion von 2,9%. 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