{"id":80630,"date":"2022-02-10T09:01:59","date_gmt":"2022-02-10T08:01:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80630"},"modified":"2026-01-27T11:41:04","modified_gmt":"2026-01-27T10:41:04","slug":"krone-schmalz-offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-bildung-noch-die-fantasie-aus-um-sich-die-schrecken-des-krieges-vorzustellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80630","title":{"rendered":"Krone-Schmalz: \u201eOffenbar reicht bei vielen weder die Bildung noch die Fantasie aus, um sich die Schrecken des Krieges vorzustellen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Was heute fehlt, ist eine kraftvolle Friedensbewegung, die m&ouml;glichst unideologisch und nicht in Grabenk&auml;mpfen verstrickt eine einfache, klare Forderung formuliert: Wir haben die Nase voll von S&auml;belrasseln (&hellip;).&ldquo;<br>\nDas sagt die Autorin und Journalistin <strong>Gabriele Krone-Schmalz <\/strong>im NachDenkSeiten-Interview. Krone-Schmalz, die viele Jahre als ARD-Korrespondentin in Russland gearbeitet hat, zeigt sich &bdquo;hochgradig besorgt&ldquo; &uuml;ber die aktuellen Entwicklungen zwischen der NATO und Russland. Im Interview erkl&auml;rt Krone-Schmalz, was die Gr&uuml;nde daf&uuml;r sind, dass es keine neue &bdquo;Ostpolitik&ldquo; gibt und beleuchtet die geostrategischen Hintergr&uuml;nde im Hinblick auf den Ukraine-Konflikt. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6365\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-80630-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220210-Offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-Bildung-noch-die-Fantasie-aus-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220210-Offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-Bildung-noch-die-Fantasie-aus-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220210-Offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-Bildung-noch-die-Fantasie-aus-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220210-Offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-Bildung-noch-die-Fantasie-aus-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=80630-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220210-Offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-Bildung-noch-die-Fantasie-aus-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220210-Offenbar-reicht-bei-vielen-weder-die-Bildung-noch-die-Fantasie-aus-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frau Krone-Schmalz, seit Monaten geht es in den Medien verst&auml;rkt darum, ob es einen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80606\">Krieg<\/a> zwischen Russland und der Ukraine geben wird. Selbst die Frage, ob daraus ein Krieg entstehen k&ouml;nnte, in den dann auch die NATO involviert w&auml;re, ist auf dem Tisch. Wie blicken Sie auf diese Entwicklung<\/strong>?<\/p><p>Hochgradig besorgt. St&auml;ndig liest man Meldungen wie: Der amerikanische Pr&auml;sident Biden warnt vor einem unmittelbar bevorstehenden russischen Einmarsch. Die baltischen Staaten bereiten sich auf einen russischen Angriff vor etc. etc. Man bekommt den Eindruck, einigen Journalisten kann es gar nicht schnell genug gehen mit dem Krieg. Am 4. Februar setzte die amerikanische Agentur Bloomberg eine Eilmeldung auf ihre Webseite: &bdquo;Live: Russland marschiert in die Ukraine ein&ldquo;. Diese Falschmeldung konnte man dort immerhin 30 Minuten lang lesen. Ich finde den Vorgang bezeichnend f&uuml;r die hysterische und sensationsl&uuml;sterne Stimmung in manchen Medien. Warum befasst man sich nicht mit den Dingen, die greifbar sind, statt sich in immer wilderen Spekulationen &uuml;ber m&ouml;gliche Entwicklungen zu verlieren? Der russische Truppenaufmarsch, die westliche Reaktion, die Forderungen Russlands in Zusammenhang mit Sicherheitsinteressen, die westliche Antwort bzw. westliche Vorschl&auml;ge, die diplomatischen Aktivit&auml;ten &ndash; mit der genauen Wiedergabe und Analyse dieser Dinge sind wir gut besch&auml;ftigt.<\/p><p><strong>Das Wort Krieg geht vielen Medien erstaunlich schnell von der Hand. Auch wenn die Frage vielleicht banal klingt: Was hei&szlig;t &bdquo;Krieg&ldquo;? <\/strong><\/p><p>Ich habe das Gl&uuml;ck, selbst nie Krieg erlebt zu haben, im Gegensatz zu meinem Mann und meinen Eltern. Und ich habe das Gl&uuml;ck, dass ich mit allen dreien dar&uuml;ber habe reden k&ouml;nnen. Krieg ist Horror und nicht nur aseptische Joystick-Aktivit&auml;t in durchgestylten IT-R&auml;umen. Aber offenbar reicht bei vielen weder die Bildung noch die Fantasie aus, um sich die Schrecken des Krieges vorzustellen. Anders kann ich mir das Verhalten nicht erkl&auml;ren. Willy Brandt hat einmal gesagt: &bdquo;Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.&ldquo; <\/p><p><strong>In den Medien gibt es kaum Zweifel daran, wer &bdquo;gut&ldquo;, wer &bdquo;b&ouml;se&ldquo; ist, also von wem die Aggression ausgeht. Was ist die Realit&auml;t?<\/strong><\/p><p>Mit der Realit&auml;t ist das so eine Sache. Von Geraldine Chaplin stammt der Satz: Wahrheit ist selten so <em>oder<\/em> so, meistens ist sie so <em>und<\/em> so. Unabh&auml;ngig von L&uuml;gen, die es nat&uuml;rlich auch gibt, haben verschiedene Narrative durchaus ihre Berechtigung. Bei der Betrachtung existenzieller Fragen empfiehlt sich immer ein Perspektivwechsel. Nur aus dem eigenen Blickwinkel betrachtet, wird es schwer, L&ouml;sungen zu finden, von denen alle Seiten profitieren. Und die simple Unterteilung in &bdquo;gut&ldquo; und &bdquo;b&ouml;se&ldquo; habe ich in meinen B&uuml;chern immer wieder aufs Korn genommen. Denn so einfach ist es meistens nicht. Nehmen Sie nur die Berichterstattung &uuml;ber Minsk 2. Wer sich mit dem Abkommen nicht auskennt, muss den Eindruck bekommen, es seien vor allem Russland und die Separatisten, die blockieren. In Wahrheit setzt aber auch die Ukraine zentrale Teile des Abkommens nicht um, weil es in einem Moment der milit&auml;rischen Schw&auml;che ausgehandelt wurde und Kiew auf einen besseren Deal hofft.<\/p><p><strong>Der Begriff &bdquo;geostrategische Interessen&ldquo; wird in deutschen Medien oft nur im Zusammenhang mit dem Handeln der russischen Regierung betrachtet. Aber viele L&auml;nder haben geostrategische Interessen. Und ein B&uuml;ndnis wie die NATO ist auch nicht befreit davon. Was sind die geostrategischen Interessen der USA, der NATO in diesem Konflikt mit Russland? <\/strong><\/p><p>In der Tat kann man bei manchen &Auml;u&szlig;erungen den Eindruck gewinnen, als denke man nur noch in Moskau in geopolitischen Einflusszonen. Doch wie glaubw&uuml;rdig ist das? Etwa, wenn man sich die amerikanische Politik im Nahen Osten anschaut. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Aufl&ouml;sung von Warschauer Pakt und Sowjetunion waren die USA die alleinige Supermacht, und eine Zeitlang sah es so aus, als k&ouml;nnten sie ihre Ordnung weltweit durchsetzen. Das geopolitische Interesse der USA war es seitdem, daf&uuml;r zu sorgen, dass kein Rivale auf der Weltb&uuml;hne auftaucht, der sie in derselben Weise herausfordern k&ouml;nnte, wie die Sowjetunion es getan hatte. Eine solche kritische Masse k&ouml;nnte erreicht sein, wenn es Russland gel&auml;nge, Wei&szlig;russland und die Ukraine zu schlucken, so stand es 1992 in Papieren des Pentagon, die ma&szlig;geblich Paul Wolfowitz entworfen hatte, sp&auml;ter stellvertretender Verteidigungsminister unter George W. Bush. Der heutige Konflikt ist sicher vielschichtig. Aber ich w&auml;re sehr &uuml;berrascht, wenn diese Hintergr&uuml;nde nicht auch eine Rolle spielen w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Und welche geostrategischen Interessen sind auf russischer Seite auszumachen?<\/strong><\/p><p>Russland hat den Anspruch, ein eigenst&auml;ndiger Pol der Weltpolitik zu sein und zu bleiben. Daf&uuml;r ist zum Beispiel die M&ouml;glichkeit, eine Blockade des Schwarzen Meeres durch die NATO verhindern zu k&ouml;nnen, von elementarer Bedeutung. Nur wer sich diesen geostrategischen Zusammenhang vergegenw&auml;rtigt, versteht die Bedeutung der Krim sowie die von Abchasien in Georgien. Wenn die NATO unmittelbar an russische Grenzen heranr&uuml;ckt, dann schr&auml;nkt das den geopolitischen Spielraum Russlands ein, genau wie es Washington vermutlich auch beabsichtigt. Aber es geht auch generell darum, auf internationalem Parkett als ein solcher unabh&auml;ngiger Pol wahrgenommen und respektiert zu werden. Dass Russland daf&uuml;r auf milit&auml;rische Drohungen zur&uuml;ckgreifen muss, ist eher ein Zeichen von Schw&auml;che als von St&auml;rke &ndash; und auch bezeichnend daf&uuml;r, wie der Westen viele Jahre mit Russland umgegangen ist. <\/p><p><strong>All das, was Sie ausf&uuml;hren, ist im Grunde genommen ja <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43655\">nicht neu<\/a>. Wohl die meisten Beobachter, die auf den Ukraine-Konflikt blicken, wissen, dass es im Kern um massive geostrategische Interessen auf beiden Seiten geht. Und trotzdem h&auml;lt sich das Bild in den Medien von Russland, das angeblich als Aggressor handelt und &bdquo;der Westen&ldquo; das Unschuldslamm ist. Wenn westliche Staaten der Ukraine &bdquo;beistehen&ldquo;, dann nur aus den edelsten Motiven.<br>\nSind wir damit dann inmitten der Propaganda oder gar einer kriegsvorbereitenden Propaganda? <\/strong><\/p><p>Ich finde es in der Tat problematisch, wenn sich L&auml;nder so bedingungslos auf eine Seite stellen, statt die Chance zu ergreifen, bei einem Konflikt zu vermitteln. Man kann Vieles kritisieren mit Blick auf russische Politik, aber das wird nicht glaubw&uuml;rdiger dadurch, dass man beide Augen zudr&uuml;ckt, sobald es sich um die Ukraine handelt. Die Art, wie zurzeit der ukrainische Botschafter in Deutschland sowohl von der Politik als auch von den Medien hofiert wird, finde ich mehr als befremdlich, und sein Auftreten &ndash; bei allem Respekt &ndash; unversch&auml;mt. Man stelle sich vor, der deutsche Botschafter in Kiew ruft die ukrainische Bev&ouml;lkerung auf, endlich ihrer Regierung nachdr&uuml;cklich deutlich zu machen, was sie zu tun hat, um sich nicht dem Vorwurf unterlassener Hilfeleistung auszusetzen.<\/p><p><strong>Noch mal: Im Grunde genommen ist der Konflikt zwischen der Ukraine, Russland und der NATO nicht so schwer zu durchschauen. Man muss sich nur vorstellen, was w&auml;re, wenn Russland versuchen w&uuml;rde, beispielsweise Mexiko immer n&auml;her &ndash; auch milit&auml;risch &ndash; an sich zu binden.<br>\nUnd dennoch zeichnen Medien ein sehr einseitiges Bild dieses Konfliktes. Ist das Vorsatz? <\/strong><\/p><p>Ich glaube, mit eindimensionalen Erkl&auml;rungen kommt man nicht weit. Es hat ja Gr&uuml;nde, warum diese Mechanismen und das Entstehen von <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80613\">Freund-Feind-Bildern<\/a> immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sind. <\/p><p>Einseitige Bilder werden dadurch beg&uuml;nstigt, dass komplizierte Zusammenh&auml;nge in kurzer Zeit einfach und verst&auml;ndlich erkl&auml;rt werden m&uuml;ssen. Das Bewusstsein, auf der guten Seite zu stehen, verbunden mit missionarischem Eifer, spielt sicher auch eine Rolle. Und schlie&szlig;lich darf man die Techniken von Staaten und Thinktanks nicht untersch&auml;tzen, die Deutungshoheit &uuml;ber die Bewertung politischer Entwicklungen zu erlangen. Das funktioniert &uuml;berall. Deshalb ist es so wichtig, in der Journalistenausbildung nicht nur Handwerk zu vermitteln, sondern auch die F&auml;higkeit, gegen alle Widerst&auml;nde Verantwortung zu &uuml;bernehmen und sich den Blick durch nichts und niemanden verengen zu lassen.<\/p><p><strong>Medien haben sich die Tage dar&uuml;ber echauffiert, dass Deutschland &bdquo;nur&ldquo; 5000 Helme an die Ukraine liefern werde. In der &bdquo;liberalen Zeit&ldquo; fragt ein Kolumnist allen Ernstes: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2022-01\/deutsche-aussenpolitik-ukraine-waffenlieferung-5vor8?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE\">&bdquo;Was ist los mit Deutschland?&ldquo;<\/a><\/strong><\/p><p>L&auml;cherlich ist nicht die Lieferung der 5.000 Helme, wie &uuml;berall gen&uuml;sslich zitiert und berichtet wird. L&auml;cherlich ist der Vorgang. Nach meinem Kenntnisstand hat die Ukraine ganz allgemein nach Helmen und Schutzwesten gefragt f&uuml;r all die Zivilisten, die jetzt den Krieg proben. Und zwar ohne eine konkrete Zahl zu nennen. In Deutschland konnte man offenbar auf Anhieb 5.000 Helme entbehren und hat sie sofort auf die Reise geschickt. Erst dann tauchte die Zahl von 100.000 Helmen auf, um die die Ukraine gebeten habe. Dagegen wirken die 5.000 Helme nat&uuml;rlich etwas albern. Der ukrainische Botschafter, der am 6. Februar in der Talkshow von Anne Will sa&szlig;, ist der Frage nach der Chronologie der Geschichte ausgewichen und leider nicht gedr&auml;ngt worden zu antworten. &ndash; Der &bdquo;Schenkelklopfer&ldquo; wird uns also wohl erhalten bleiben.<\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80591\">Kann es sein, dass manche Journalisten in Deutschland schlicht im Geschichtsunterricht nicht anwesend waren<\/a>? Wie kann man als Journalist alleine schon aufgrund der historischen Hintergr&uuml;nde allen Ernstes wollen, dass sich Deutschland an einer Aufr&uuml;stung eines Landes gegen Russland beteiligt? <\/strong><\/p><p>Manche stellen sich ja auf den Standpunkt, die Ukraine habe es im Zweiten Weltkrieg mindestens so hart getroffen wie Russland &ndash; &auml;hnlich wie Wei&szlig;russland, denn beide L&auml;nder muss man ja erstmal durchqueren, bevor man in Russland ankommt &ndash; und leiten daraus ganz im Gegenteil die Verpflichtung Deutschlands ab, der Ukraine jetzt zu Hilfe zu kommen. Damit werden die verschiedenen Opfergruppen gegeneinander ausgespielt. Ich kann dem nicht folgen. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass es Frieden in Europa nur mit Russland geben kann und nicht ohne, schon gar nicht gegen. Es sollte also auch im Interesse der Ukraine liegen, auf jeden Fall einen Krieg zu vermeiden, und das erreicht man, wie die Geschichte zeigt, nicht durch Aufr&uuml;stung, sondern nur durch Diplomatie. <\/p><p><strong>Wir reden jetzt viel &uuml;ber die Medien. Vielleicht ja auch zu viel. Aber mein Eindruck ist, dass bestimmte Medien und Journalisten sich nicht im Ansatz dar&uuml;ber im Klaren sind, was sie mit ihrer z&uuml;ndelnden &bdquo;Berichterstattung&ldquo; anrichten. Wie sehen Sie das?<\/strong><\/p><p>Eine Kollegin in Washington hat das (am 7.2.) in ihrer Berichterstattung &uuml;ber den Besuch des deutschen Bundeskanzlers Scholz beim amerikanischen Pr&auml;sidenten Biden sehr gut auf den Punkt gebracht. Sie hat gesagt: &bdquo;Die wahre Nagelprobe wird nicht das Gespr&auml;ch mit Biden sein, sondern hinterher die Fragen der Journalisten.&ldquo; Da kann man nur noch den Kopf sch&uuml;tteln. Vielen Journalisten passt offenbar nicht, dass die Bundesregierung, &uuml;brigens im Verbund mit Frankreich, nicht v&ouml;llig auf die Position der Scharfmacher in Washington, London, Warschau und den baltischen Staaten einschwenkt. Und sie haben beschlossen, nicht locker zu lassen, bis der Kanzler einknickt. Doch welche Legitimation haben Journalisten eigentlich, auf diese Weise selbst Politik zu machen? Wer hat sie gew&auml;hlt? Vor wem m&uuml;ssen sie sich rechtfertigen, wenn es schiefgeht? Und es ist schon abenteuerlich, wie sehr die eigene Regierung da manchmal herabgew&uuml;rdigt wird. Von &bdquo;Jesuslatschen&ldquo; ist zu lesen, auf denen der Kanzler unterwegs sei, seine Politik sei &bdquo;blamabel&ldquo;, &bdquo;peinlich&ldquo; und dergleichen. Damit besch&auml;digt man im Endeffekt auch unsere demokratischen Institutionen.<\/p><p><strong>Was m&uuml;sste aus Ihrer Sicht passieren, damit es nicht zu einem Krieg kommt?<\/strong><\/p><p>Journalisten sollten parteipolitische Spielchen entlarven, statt sie mitzuspielen, und endlich damit aufh&ouml;ren, Horrorszenarien zu entwerfen, mit denen sie Politikern m&ouml;glichst markige Worte dazu abn&ouml;tigen, was sie alles im K&ouml;cher haben, <em>wenn&hellip;<\/em><\/p><p>Das ist die eine Seite. <\/p><p>Politiker sollten sich nicht kirre machen lassen, sondern das durchziehen, wof&uuml;r sie schlie&szlig;lich auch Verantwortung &uuml;bernehmen m&uuml;ssen. So etwas wie Helsinki 2.0, also eine gro&szlig;e Sicherheitskonferenz, w&auml;re ganz bestimmt hilfreich. Das kann aber nur gelingen, wenn Verhandeln und Kompromiss nicht als Schw&auml;che ausgelegt werden, und &ndash; um auf die Journalisten zur&uuml;ckzukommen &ndash; wenn Journalisten endlich aufh&ouml;ren, Fragen zu stellen wie: Wer hat gewonnen, wer verloren, was ist mit dem Gesichtsverlust? Etwas Unwichtigeres kann ich mir zurzeit kaum vorstellen.<\/p><p><strong>Warum ist es so schwer, eine Art &bdquo;neue Ostpolitik&ldquo; aufzuziehen?<br>\nWo sind deutsche Politiker, die dazu sowohl f&auml;hig als auch willens w&auml;ren? <\/strong><\/p><p>Weil es in den Leitmedien nicht mehr zu Debatten kommt und alles abgeb&uuml;gelt wird, was nur nach Verst&auml;ndigung mit Russland riecht. Auch die &bdquo;neue Ostpolitik&ldquo; Anfang der 70er Jahre wurde als Vaterlandsverrat diffamiert und deren Vertreter als F&uuml;nfte Kolonne gebrandmarkt. Heute erledigt man das mit Begriffen wie &bdquo;Russlandversteher&ldquo;, &bdquo;Putinversteher&ldquo; und &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo;. Leitmedien haben die Deutungshoheit &uuml;bernommen und wer da vorkommen will, muss mit den W&ouml;lfen heulen. Was heute fehlt, ist eine kraftvolle Friedensbewegung, die m&ouml;glichst unideologisch und nicht in Grabenk&auml;mpfen verstrickt eine einfache, klare Forderung formuliert: Wir haben die Nase voll von S&auml;belrasseln, egal auf welcher Seite, wir wollen Entspannungspolitik und die Ideen dazu &uuml;berall lesen, h&ouml;ren und sehen, damit wir uns damit auseinandersetzen k&ouml;nnen.<\/p><p>Titelbild: kirill_makarov\/shutterstock.com<\/p><p><em>Lesetipp: Krone-Schmalz, Gabriele: Respekt geht anders. Betrachtungen &uuml;ber unser zerstrittenes Land. C.H. Beck Paperback, 16. Oktober 2020. S. 174. 14,90 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Was heute fehlt, ist eine kraftvolle Friedensbewegung, die m&ouml;glichst unideologisch und nicht in Grabenk&auml;mpfen verstrickt eine einfache, klare Forderung formuliert: Wir haben die Nase voll von S&auml;belrasseln (&hellip;).&ldquo;<br \/> Das sagt die Autorin und Journalistin <strong>Gabriele Krone-Schmalz <\/strong>im NachDenkSeiten-Interview. Krone-Schmalz, die viele Jahre als ARD-Korrespondentin in Russland gearbeitet hat, zeigt sich &bdquo;hochgradig besorgt&ldquo; &uuml;ber die aktuellen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80630\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":80631,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,209,123,183],"tags":[2102,2301,2249,466,259,260,1556],"class_list":["post-80630","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-geostrategie","tag-konfrontationspolitik","tag-krone-schmalz-gabriele","tag-nato","tag-russland","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/shutterstock_463640222-Kopie.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80630","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=80630"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80630\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80670,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80630\/revisions\/80670"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/80631"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=80630"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=80630"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=80630"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}