{"id":80685,"date":"2022-02-11T10:56:01","date_gmt":"2022-02-11T09:56:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80685"},"modified":"2022-02-12T17:40:36","modified_gmt":"2022-02-12T16:40:36","slug":"corona-panoptikum-mit-den-neuesten-krankenhausdaten-wirkt-die-pandemie-nur-halb-so-schlimm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80685","title":{"rendered":"Corona-Panoptikum &#8211; mit den neuesten Krankenhausdaten wirkt die Pandemie nur halb so schlimm"},"content":{"rendered":"<p>Die frisch vorgelegten Abrechnungsdaten der Krankenkassen mit den Kliniken bergen allerlei Kuriosit&auml;ten: Der Rekordleerstand in Deutschlands Hospit&auml;lern hat sich zugespitzt und die sogenannten Corona-F&auml;lle schlugen sich in einer Belegungsquote von nur 2,3 Prozent nieder. Die vielbeschworene &bdquo;&Uuml;berlastung&ldquo; geben die Zahlen nicht her, so wenig wie sie das Narrativ von der schweren Covid-19-Last st&uuml;tzen. Bei genauerem Hinsehen wurden Abertausende Erkrankte und Tote aufs falsche Konto gebucht. Das kann man kreative Buchf&uuml;hrung nennen oder einfach nur Betrug. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1669\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-80685-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220211_Corona_Panoptikum_die_neuesten_Krankenhausdaten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220211_Corona_Panoptikum_die_neuesten_Krankenhausdaten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220211_Corona_Panoptikum_die_neuesten_Krankenhausdaten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220211_Corona_Panoptikum_die_neuesten_Krankenhausdaten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=80685-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220211_Corona_Panoptikum_die_neuesten_Krankenhausdaten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220211_Corona_Panoptikum_die_neuesten_Krankenhausdaten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Was wenige wissen: 2020 herrschte in Deutschlands Kliniken, anders als man es bei einer &bdquo;epidemischen Notlage von nationaler Tragweite&ldquo; erwarten w&uuml;rde, historischer Leerstand. Zuletzt im Jahr 1997 gab es <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Gesundheit\/Krankenhaeuser\/Tabellen\/gd-krankenhaeuser-jahre.html;jsessionid=4ECB5D4A9DFA367784BE2D51B84DBFB2.live721\">weniger Behandlungen<\/a> und nie seit der deutschen Wiedervereinigung war die Bettenauslastung mit <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70975\">knapp &uuml;ber 67 Prozent<\/a> auch nur ann&auml;hernd so gering wie im Jahr eins der Pandemie. Doch jetzt ist klar: Das zweite Jahr der Corona-Krise hat den Minusrekord noch einmal &bdquo;getoppt&ldquo;. Wurden im Jahr davor rund 16,77 Millionen Krankenhausf&auml;lle gez&auml;hlt &ndash; nach 19,2 Millionen 2019 &ndash; waren es 2021 mit zirka 16,66 Millionen noch einmal &uuml;ber 100.000 weniger.<\/p><p>Hervor geht dies aus den vor wenigen Tagen vom <a href=\"https:\/\/www.g-drg.de\">Institut f&uuml;r das Entgeltsystem im Krankenhaus GmbH (InEK)<\/a> ver&ouml;ffentlichten Abrechnungsdaten der deutschen Kliniken mit den Krankenkassen. Im Unterschied zu den oft gesendeten TV-Reportagen aus ausgew&auml;hlten Covid-19-Corona-Stationen, die &Auml;rzte und Pfleger am Rande mentaler und k&ouml;rperlicher Ersch&ouml;pfung zeigen, liefert das InEK-Zahlenmaterial ein unaufgeregtes Abbild der Versorgungssituation in der Fl&auml;che. Dadurch gewinnt man einen besseren, weil umfassenden &Uuml;berblick dar&uuml;ber, was in deutschen Hospit&auml;lern in zwei Jahren des &bdquo;vermeintlichen Gesundheitsnotstands&ldquo; wirklich los war &ndash; oder eben nicht. Die <a href=\"https:\/\/datenbrowser.inek.org\/nutzungsbedingungen\">Datenbank<\/a> erm&ouml;glicht &uuml;berdies erhellende Einsichten in das &bdquo;Betriebssystem&ldquo; des medizinischen Corona-Managements, die dem Publikum des t&auml;glichen Corona-Panikorchesters vorenthalten werden. <\/p><p><strong>2,3 Prozent &bdquo;Covid-19-F&auml;lle&ldquo;<\/strong><\/p><p>Lag die Gesamtauslastung der Kliniken 2020 um 13 Prozent unter der im Jahr 2019, haben sich die Einbu&szlig;en mit etwa 13,4 Prozent (gegen&uuml;ber 2019) noch einmal verst&auml;rkt. Die Belegungstage verharrten auf dem Vorjahresniveau und blieben damit um ebenfalls 13 Prozent hinter 2019 zur&uuml;ck. Das erscheint insofern verwunderlich, als die Corona-Hypothek eigentlich deutlich schwerer wog als noch 2020. Die zweite Welle im Winter und die dritte im Fr&uuml;hjahr hatten ungleich mehr Infektions-, Krankheits- und Todesf&auml;lle gefordert als die erste Welle und der Beginn der zweiten im Jahr 2020. Das best&auml;tigen auch die InEK-Daten: W&auml;hrend 2020 insgesamt rund 176.000 Patienten mit einer U07.1-Kodierung in der Nebendiagnose gef&uuml;hrt wurden, waren es 2021 mit fast 385.000 mehr als doppelt so viele. Kodes beziehungsweise Schl&uuml;sselnummern sind bestimmten Diagnosen, Krankheitsbildern und Behandlungsroutinen zugeordnet. U07.1 umfasst nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle F&auml;lle, &bdquo;bei denen das Virus SARS-CoV-2 durch Labortest nachgewiesen wurde&ldquo;, unabh&auml;ngig davon, ob ein Patient urs&auml;chlich wegen eines anderen Leidens in Behandlung ist und quasi nur nebenbei positiv getestet wird. <\/p><p>Bezogen auf die Gesamtbelegung schlugen die so kategorisierten Covid-19-Patienten im Jahr 2020 lediglich mit einer Quote von knapp &uuml;ber einem Prozent zu Buche. Dagegen waren es 2021 schon etwas mehr als 2,3 Prozent. Deutlicher sind die Verschiebungen bei den Covid-19-Intensivpatienten. Diese machten 2020 bei einer Gesamtzahl von nahezu 40.000 etwa zwei Prozent aller F&auml;lle aus. 2021 entsprachen rund 98.000 Behandlungsf&auml;lle einer Quote von &uuml;ber 5,2 Prozent. Hier zeigt sich jedoch eine Auff&auml;lligkeit: W&auml;hrend 2020 nur 22 Prozent aller Covid-19-Hospitalisierungen zu einem Fall f&uuml;r die Intensivmedizin wurden, waren es im Folgejahr &uuml;ber 25 Prozent. Das erscheint sonderbar, weil man annehmen sollte, dass die Behandlungsfortschritte nach einem Jahr Pandemieerfahrung sich g&uuml;nstig auf die Schweregrade und Verl&auml;ufe der Krankheit auswirken. Dazu kommt, dass die ab der zweiten Jahresh&auml;lfte dominante Delta-Variante verglichen mit dem urspr&uuml;nglichen Wuhan-Virus als weniger gef&auml;hrlich gilt. Genau das spiegelt sich dann auch in den Todeszahlen wider. 2020 starben von allen Intensivpatienten etwa 34 Prozent, 2021 lediglich noch 32,8 Prozent. <\/p><p><strong>Blo&szlig; nicht ins Krankenhaus <\/strong><\/p><p>Dass das Vorjahr dagegen verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig mehr Intensivpatienten hervorgebracht hat, ist nur eine von diversen Kuriosit&auml;ten, die das Studium der InEK-Datensammlung ans Licht bef&ouml;rdert. Dazu geh&ouml;rt die Frage, wie trotz einer zahlenm&auml;&szlig;ig schwereren Corona-Last in der Jahresendabrechnung noch einmal weniger Patienten den Weg in die Kliniken fanden als 2020. M&uuml;ssten sich 208.000 zus&auml;tzliche Covid-19-Patienten nicht in h&ouml;heren Belegungszahlen niederschlagen? Sofern der Klinikleerstand medial &uuml;berhaupt einmal behandelt wird, dann stets mit dem Hinweis, dies begr&uuml;nde sich insbesondere mit den vielen abgesagten oder aufgeschobenen Operationen, wodurch Kapazit&auml;ten f&uuml;r potenzielle Covid-19-Zug&auml;nge geschaffen worden seien. W&auml;hrend das Argument f&uuml;r 2020 eine &ndash; wenn auch begrenzte &ndash; Berechtigung hat, greift es f&uuml;r 2021 nicht mehr. Anders als in der Fr&uuml;hphase der Krise gab es im vergangenen Jahr kein politisch verordnetes Freihaltegebot. Vielmehr muss man den Klinikdirektoren sogar ein gesteigertes Interesse unterstellen, das Flautejahr 2020 mit einer Behandlungsoffensive zu kompensieren. <\/p><p>Die Talfahrt setzte sich aber sogar fort, was vor allem eine Ursache hat: Die durch zwei Jahre Angstpropaganda verschreckten Menschen im Land machen einen gro&szlig;en Bogen um die Krankenh&auml;user aus Sorge, sich selbst todbringend mit dem Virus anzustecken. Das mag in gewissem Umfang ein Gewinn sein, weil nirgendwo sonst so unn&ouml;tig viel behandelt, therapiert und operiert wird wie in Deutschland. Bei einem Schwund von 2,5 Millionen Krankenhausf&auml;llen ist gleichwohl von schwerwiegenden Folgewirkungen f&uuml;r eine Vielzahl an Menschen auszugehen, die eine mithin lebenswichtige Therapie nicht erhalten haben. Das Ausma&szlig; der durch die Corona-&bdquo;Schutzma&szlig;nahmen&ldquo; und ihre PR-Begleitung bedingten Kollateralsch&auml;den l&auml;sst sich nicht beziffern, so wenig wie die Zahl der verhinderten Genesungen oder durch sie provozierten Erkrankungen. Sicher erscheint nur, dass die Zukunft noch viel Leid bereithalten wird. <\/p><p>&bdquo;<strong>Falsche&ldquo; Corona-Patienten <\/strong><\/p><p>Zur&uuml;ck zu den Merkw&uuml;rdigkeiten der InEK-Daten. Es lohnt sich, zu schauen, welche Arten von Patienten mit der Kodierung U07.1 erfasst sind, und dies damit abzugleichen, was einen Corona-Patienten eigentlich ausmacht. Ein solcher muss einen positiven PCR-Befund haben, Covid-19-typische Symptome zeigen und wegen seiner Virulenz isoliert werden. Der &bdquo;Kodierleitfaden f&uuml;r die Intensivmedizin 2022&ldquo;, ein j&auml;hrlich aktualisiertes Handbuch f&uuml;r Mediziner, mitverfasst vom Heidelberger Internisten Markus Thalheimer, schl&uuml;sselt dagegen eine Konstellation von Kodes f&uuml;r das auf, was gemeinhin als asymptomatischer Corona-Patient bezeichnet wird. Nach Auskunft der Pressestelle des Universit&auml;tsklinikums Heidelberg beschreibt dies F&auml;lle, welche &bdquo;wegen anderer Erkrankungen&ldquo; station&auml;r versorgt w&uuml;rden (zum Beispiel Unfall), bei denen &bdquo;Corona im Screeningtest nachgewiesen&ldquo; werde und &bdquo;die deswegen isoliert werden m&uuml;ssen, aber nicht an Covid-19 erkrankt sind&ldquo;. Kombiniert man die dazu im Leitfaden angegebenen Schl&uuml;ssel Z29.0 (&bdquo;Isolierung als prophylaktische Ma&szlig;nahme&ldquo;) und Z22.8 (&bdquo;Keimtr&auml;ger sonstiger Infektionskrankheiten&ldquo;) mit dem Kode U.07.1, spuckt die Datenbank f&uuml;r 2021 nur noch 204.000 statt 385.000 Treffer aus. Die Zahl der intensivmedizinischen Behandlungen schrumpft durch die Eingrenzung von 98.000 auf nur noch 54.500. <\/p><p>Faktisch wurden also Zehntausende sogenannte Corona-Kranke weder isoliert noch litten sie unter den spezifischen Symptomen, woraus sich schlie&szlig;en l&auml;sst: Es handelte sich bei ihnen gar nicht um &bdquo;echte&ldquo; Corona-Patienten. Trotzdem hielten es die Verantwortlichen zu keinem Zeitpunkt f&uuml;r n&ouml;tig, &uuml;ber diese stattliche Unwucht in der Statistik aufzukl&auml;ren und dem polit-medialen Get&ouml;se von mit Covid-19-Kranken &uuml;berlaufenen Intensivstationen zu widersprechen. Im Gegenteil haben die Klinikmanager offenbar Geschmack an all dem gefunden. Vergleicht man n&auml;mlich die Jahre 2020 und 2021, dann hat die Gruppe der &bdquo;falschen&ldquo; Corona-F&auml;lle im vergangenen Jahr anteilig sogar noch zugenommen. <\/p><p><strong>Mitl&auml;ufer steigern V&ouml;llegef&uuml;hl <\/strong><\/p><p>&Uuml;ber eine andere Gruppe, die der &bdquo;Corona-Verd&auml;chtigen&ldquo;, hatten die NachDenkSeiten unter anderem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67419\">hier<\/a> berichtet. F&uuml;r die unter der Kodierung U07.2 laufenden F&auml;lle liegt kein oder ein negativer PCR-Test vor. Dennoch soll bei ihnen laut WHO-Definition eine Infektion &bdquo;klinisch-epidemiologisch&ldquo; best&auml;tigt worden sein. Obwohl etwa Experten der Initiative Qualit&auml;tsmedizin (IQM), eines gro&szlig;en Klinikverbunds, feststellten, dass es sich bei diesen Patienten aufgrund niedrigerer Todesziffern und abweichender Behandlungsprozeduren &bdquo;um eine andere Population als bei den nachgewiesenen Covid-19-F&auml;llen&ldquo; handele, laufen die Betroffenen doch irgendwie im gro&szlig;en Corona-Panoptikum mit. <\/p><p>Zwar werden Verstorbene nicht unter Covid-19-Toten gef&uuml;hrt. Und auch das Leibniz-Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (RWI) hat die Gruppe in seinen durch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) beauftragten <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/C\/Coronavirus\/Analyse_Leistungen_Ausgleichszahlungen_2020_Corona-Krise.pdf\">&bdquo;Analysen zum Leistungsgeschehen der Krankenh&auml;user und zur Ausgleichspauschale in der Corona-Krise&ldquo;<\/a> vom 30. April 2021 nicht ber&uuml;cksichtigt. Trotzdem spielen sie, da wenigstens informell als Corona-F&auml;lle klassifiziert, eine Art von Statistenrolle, wann immer von der vermeintlichen &Uuml;berlastung der Kliniken die Rede ist. Soll hei&szlig;en: Mit ihnen f&uuml;hlt sich alles noch viel voller an. Schlie&szlig;lich kamen in zwei Jahren 446.000 dieser F&auml;lle zusammen, davon allein knapp 75.000 auf Intensivstation. Weshalb sich einmal mehr die Frage stellt: Warum haben die Verantwortlichen nicht kommuniziert, dass diese Gruppe wohl in gro&szlig;er Mehrheit nicht zur Corona-Krise beitr&auml;gt? Und wieso hat die WHO &uuml;berhaupt den Kode U07.2 aufgesetzt, wohlgemerkt f&uuml;r Menschen, die keinen positiven PCR-Laborbefund haben? <\/p><p><strong>Konstante Krankheitslast <\/strong><\/p><p>Das oben angesprochene Paradoxon, dass eine neu hinzugekommene Krankheit mit einer zahlenm&auml;&szlig;ig signifikanten Patientenpopulation die Versorgungskapazit&auml;ten trotzdem nicht zus&auml;tzlich strapaziert und nicht an beziehungsweise &uuml;ber ihre Grenzen bringt, zeigt sich an verschiedenen Stellen. F&uuml;r Schlagzeilen hatte das unter der Bezeichnung &bdquo;Divigate&ldquo; aufgeflogene Versteckspiel mit Intensivbetten gesorgt, bei dem sich mehrere Tausend Behandlungspl&auml;tze praktisch in Luft aufl&ouml;sten. Ausl&ouml;ser daf&uuml;r waren im Wesentlichen finanzielle Fehlanreize, die die Bundesregierung gesetzt hatte und zu Mitnahmeeffekten f&uuml;hrten. Der vermeintliche Druck bei der Intensivbettenbelegung war in der Fl&auml;che zu keinem Zeitpunkt real, sondern einer Mischung aus politischem Versagen (Absicht?) und der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72019\">kreativen Buchf&uuml;hrung<\/a> von Klinikmanagern geschuldet. Tats&auml;chlich blieben die Belegungszahlen der Intensivstationen f&uuml;r die gesamte Dauer der Pandemie auf einem ziemlich konstanten Niveau, nahezu unber&uuml;hrt davon, wie hoch gerade die Corona-Welle schwappte. Wie in einem System kommunizierender R&ouml;hren nahm die Last durch sonstige Patienten bei zunehmender Corona-Last ab und umgekehrt wieder zu, sobald die Zahl der Covid-19-F&auml;lle wieder abfiel. <\/p><p>Dieses durch die Eidgen&ouml;ssische Technische Hochschule Z&uuml;rich (ETH) erstellte Schaubild zur Intensivpflegebelegung in den Schweizer Kliniken veranschaulicht die Vorg&auml;nge eindr&uuml;cklich. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220211-KlinikLeerstand-grafik.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220211-KlinikLeerstand-grafik.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><em>Quelle: ETH<\/em><\/p><p><em>Gr&uuml;n &ndash; Intensivpatienten ohne Covid<br>\nGelb &ndash; Intensivpatienten mit Covid<br>\nSchwarz &ndash; Intensivpatienten gesamt<\/em><\/p><p><strong>Nicht mehr Atemwegsleiden <\/strong><\/p><p>Dasselbe Ph&auml;nomen zeigt sich bei den Fallzahlen zu akuten respiratorischen Atemwegserkrankungen (Severe Acute Respiratory Infection &ndash; SARI), die etwa durch Erreger wie Influenza-, Rhino- oder Humane Metapneumoviren (hMPV) verursacht werden. Obwohl darunter auch Infektionen mit SARS-Cov-2 subsumiert sind, gab es sowohl 2020 als auch 2021 nicht mehr, sondern sogar weniger F&auml;lle als noch 2019. Und w&auml;hrend zwar der Anteil der SARI-F&auml;lle mit positivem Corona-Test jeweils deutlich zugelegt hat, ging der Anteil anderer Erreger bei den Befunden wie von Zauberhand zur&uuml;ck. Auch hierf&uuml;r gab es eine anfangs schl&uuml;ssig wirkende Erkl&auml;rung: Demnach h&auml;tten die AHA-Ma&szlig;nahmen, also Abstandsregeln und Isolierungsma&szlig;nahmen, saisonal g&auml;ngige Erreger ein St&uuml;ck weit zur&uuml;ckgedr&auml;ngt. Inzwischen ist das Argument allerdings schwerlich haltbar: Obwohl die Bestimmungen seit Monaten sehr viel weniger streng sind, ist die Zahl der nicht corona-assoziierten SARI-F&auml;lle nicht signifikant gestiegen. <\/p><p>Einmal mehr helfen die InEK-Daten, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Dort sind s&auml;mtliche Atemwegsleiden unter den Hauptdiagnosen mit dem Buchstaben J aufgef&uuml;hrt. Covid-19 taucht hier namentlich nicht auf, weil die Krankheit ausnahmslos als Nebendiagnose kodiert wird. Die F&auml;lle finden sich offenbar in gro&szlig;er Zahl unter der Schl&uuml;sselnummer J12.8, &bdquo;Pneumonie durch sonstige Viren&ldquo;. Davon gab es 2019 knapp &uuml;ber Tausend F&auml;lle, 2020 dann etwa 90.000 und 2021 knapp &uuml;ber 200.000. Kein Zufall: Diese Werte sind fast deckungsgleich mit der Zahl der oben ermittelten Covid-19-Patienten, die Symptome zeigen, isoliert werden und nicht &bdquo;Keimtr&auml;ger sonstiger Infektionskrankheiten&ldquo; sind. <\/p><p><strong>PCR-Verschiebebahnhof<\/strong><\/p><p>Aber auch das m&uuml;ssen deshalb nicht allesamt &bdquo;echte&ldquo; Corona-F&auml;lle sein, dergestalt, dass allein das SARS-Cov-2-Virus die Hospitalisierung begr&uuml;nden w&uuml;rde. Betrachtet man die anderen J-Schl&uuml;ssel, wird ersichtlich, dass die Fallzahlen gegen&uuml;ber dem Jahr 2019 an vielen Stellen massiv eingebrochen sind, wobei dieser Trend auch im Vergleich der Jahre 2020 und 2021 anh&auml;lt. Gab es zum Beispiel 2019 noch 72.000 F&auml;lle von &bdquo;akuter Bronchitis, nicht n&auml;her bezeichnet&ldquo; (J20.9), waren es 2020 noch 43.000 und 2021 nur 32.000. Eine Abfolge in &auml;hnlicher Gr&ouml;&szlig;enordnung zeigt sich auch bei &bdquo;Pneumonie, nicht n&auml;her bezeichnet&ldquo; (J18.9) oder &bdquo;Bronchopneumonie, nicht n&auml;her bezeichnet&ldquo; (J18.0). Die schwerwiegenden SARI-F&auml;lle sind unter den Kodes J09 bis J22 aufgeschl&uuml;sselt, wobei jede Rubrik zumeist mehrere Spezifizierungen enth&auml;lt. Bei insgesamt &uuml;ber 40 Diagnosen liegen die Fallzahlen f&uuml;r 2021 bis auf f&uuml;nf Ausnahmen unter denen von 2019 &ndash; zumeist sehr deutlich. <\/p><p>Die F&uuml;lle an Beispielen folgt augenscheinlich einem Muster: Wo immer irgendwie ein Virus im Spiel ist, haben sich die F&auml;lle geradewegs verfl&uuml;chtigt, beziehungsweise sind sie mutma&szlig;lich ins Corona-Lager &uuml;bergelaufen. Ist kein Virus beteiligt, wie etwa bei einer &bdquo;Pneumonie durch Nahrung oder Erbrochenes&ldquo; (J69.0), bewegen sich die Fallzahlen im Dreijahresr&uuml;ckblick auf praktisch identischem Level. <\/p><p><strong>&Uuml;berzogene Todeszahlen <\/strong><\/p><p>Kurzum: Die InEK-Daten liefern starke Indizien daf&uuml;r, dass eine im Bereich der Atemwegsinfektionen im saisonalen Normalbereich befindliche Krankheitslast in einem wohl nicht unerheblichen Ausma&szlig; auf das Corona-Konto umgeschichtet wird, wobei als &bdquo;Beweisst&uuml;ck&ldquo; ein positiver PCR gen&uuml;gt. Das soll nicht bedeuten, dass Covid-19 keine origin&auml;r neue Krankheit mit spezifischen Symptomen und einer besonderen Gef&auml;hrlichkeit ist. Allerdings werden die Fallzahlen mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit deutlich zu hoch angesetzt. <\/p><p>Das betrifft auch die Angaben zu den Todesopfern, die sich mittlerweile auf knapp 120.000 summieren sollen. Bekanntlich schert die Zahl alle &bdquo;an&ldquo; und &bdquo;mit&ldquo; Corona Verstorbenen &uuml;ber einen Kamm. Allein in den Krankenh&auml;usern haben von den U07.1-Kodierten 2020 und 2021 fast 94.000 ihr Leben gelassen. Bereinigt man den Wert nur um die &bdquo;falschen&ldquo; Covid-19-F&auml;lle &ndash; weil ohne Symptome, ohne Isolierung und &bdquo;Keimtr&auml;ger sonstiger Infektionskrankheiten&ldquo; &ndash; bleiben 53.643 F&auml;lle &uuml;brig. <\/p><p><em>Hinweis: In den InEK-Daten sind eigens F&auml;lle m&ouml;glicher Impfnebenwirkungen und -sch&auml;den aufgef&uuml;hrt &ndash; weit &uuml;ber 20.000 f&uuml;r das Jahr 2021. Die NachDenkSeiten berichten dar&uuml;ber in der n&auml;chsten Woche. <\/em><\/p><p>Titelbild: Cryptographer\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/0c68ae0ea5c6401f995b9771a7901b91\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die frisch vorgelegten Abrechnungsdaten der Krankenkassen mit den Kliniken bergen allerlei Kuriosit&auml;ten: Der Rekordleerstand in Deutschlands Hospit&auml;lern hat sich zugespitzt und die sogenannten Corona-F&auml;lle schlugen sich in einer Belegungsquote von nur 2,3 Prozent nieder. Die vielbeschworene &bdquo;&Uuml;berlastung&ldquo; geben die Zahlen nicht her, so wenig wie sie das Narrativ von der schweren Covid-19-Last st&uuml;tzen. Bei genauerem<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80685\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":80686,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,11],"tags":[343,2853,2855,2453,2834],"class_list":["post-80685","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-luegen-mit-zahlen","tag-medizinische-ausruestung","tag-morbiditaet","tag-mortalitaet","tag-virenerkrankung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/shutterstock_1728317920.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80685","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=80685"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80685\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80745,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80685\/revisions\/80745"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/80686"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=80685"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=80685"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=80685"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}