{"id":80869,"date":"2022-02-15T13:35:44","date_gmt":"2022-02-15T12:35:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80869"},"modified":"2022-02-15T16:49:07","modified_gmt":"2022-02-15T15:49:07","slug":"brauchen-wir-einen-feind-leserbriefe-zu-debatte-um-nato-osterweiterung-ein-nebenkriegsschauplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80869","title":{"rendered":"Brauchen wir einen Feind? Leserbriefe zu \u201eDebatte um NATO-Osterweiterung. Ein Nebenkriegsschauplatz\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In diesem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80613\">Beitrag<\/a> erinnert Albrecht M&uuml;ller an das Versprechen des deutschen Bundeskanzlers von 1969: &bdquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein&ldquo; und er fragt, warum das nicht mehr gilt, warum der Westen nicht am Projekt &bdquo;Gemeinsame Sicherheit&ldquo; in einem vereinten Europa einschlie&szlig;lich Russlands weitergearbeitet habe. Warum hat man Russland quasi aus Europa hinausgeworfen? Warum musste die NATO &uuml;berhaupt bestehen bleiben? Warum betreibt man in diesen Tagen r&uuml;cksichtslos und in nahezu allen Sendungen von ARD und ZDF sowie in den meisten Zeitungen den Aufbau eines neuen und grellen Feindbildes Russland? Warum k&ouml;nnen wir uns nicht mit allen V&ouml;lkern verstehen? Brauchen wir wirklich Feinde? Die wichtigsten Gr&uuml;nde f&uuml;r die Trennung in Freund und Feind seien erstens die USA, die nicht wollten, dass wir Frieden mit Russland machen, und zweitens die R&uuml;stungswirtschaft. Hierzu haben wir interessante Leserbriefe erhalten. Zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>. In den Leserbriefen werden neue, wichtige Fragen aufgeworfen. Albrecht M&uuml;ller antwortet, soweit das m&ouml;glich ist.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_239\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-80869-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220215-Leserbriefe-NATO-Osterweiterung.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220215-Leserbriefe-NATO-Osterweiterung.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220215-Leserbriefe-NATO-Osterweiterung.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220215-Leserbriefe-NATO-Osterweiterung.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=80869-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220215-Leserbriefe-NATO-Osterweiterung.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220215-Leserbriefe-NATO-Osterweiterung.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Brauchen wir &uuml;berhaupt Feinde?<\/p><p>Ja, brauchen wir, wahrscheinlich.<\/p><p>Sloterdijk wirft in seiner Sph&auml;ren-Trilogie (2004) den Gedanken auf, da&szlig; eine Gruppe, wie auch immer sie geartet und charakterisiert sein mag, grunds&auml;tzlich eine Existenzbedingung hat: einen Feind. Eine Gruppe, die keinen Feind ausmachen kann, h&ouml;re auf zu existieren, sie werde beliebig, sie gehe in anderen auf oder im Nichts. Man k&ouml;nne das im Kleinen wie im Gro&szlig;en beobachten, im Weltlichen wie im Religi&ouml;sen. Wenn zwei sich zusammenrotten, definieren sie als erstes, wer nicht zu ihnen geh&ouml;rt.<\/p><p>Der Gedanke, da&szlig; eine Gruppe auch andere integrative Ideen haben k&ouml;nnte (etwa Geist, oder auch Flintenuschis &ldquo;Werte&rdquo;), steht hinter einem proklamierten Feind immer zur&uuml;ck. Nichts eint so sehr wie ein Feind, noch dazu wenn er offenkundig waffenstarrend und blutr&uuml;nstig ist, das kapiert selbst ein Analphabet. Werte betreffend ist es ganz wesentlich komplizierter mit dem Kapieren, zumal wenn man sich &uuml;ber diese selbst nicht einig ist.<\/p><p>Das ist &uuml;brigens auch ein Aspekt von Nietzsches ber&uuml;hmt gewordenem Aphorismus aus &ldquo;Jenseits von Gut und B&ouml;se&rdquo; (1886):<\/p><p>(156) Der Irrsinn ist bei einzelnen etwas Seltenes &ndash; aber bei Gruppen, Parteien, V&ouml;lkern, Zeiten die Regel.<\/p><p>T.M.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<br>\n&nbsp;<br>\nVielen Dank, insbesondere f&uuml;r den Hinweis auf den Artikel von Vladimir Putin&nbsp;in der S&uuml;ddeutschen Zeitung von 2010 &ndash; wohlgemerkt in der SZ, die heute besonders schrill geradezu nach Krieg schreit.<\/p><p>Eine so tiefgehende Analyse der Weltwirtschaftskrise und der Finanzmarkt getriebenen&nbsp;Ungleichgewichte zwischen L&auml;ndern und Klassen&nbsp;bleibt deutschen Politikern weitgehend fremd.&nbsp; Ehrlich auch die Aussage der noch zu grossen Abh&auml;ngigkeit Russlands von Rohstoffkonjunktur und Energieexport. Weitsichtig der Hinweis auf &ldquo;die Fr&uuml;chte der langj&auml;hrigen Deindustrialisierung&rdquo; Europas, die uns angesichts des Zusammenbruchs der weltweiten Lieferketten in Coronazeiten allzu bewusst werden.<br>\n&nbsp;<br>\nDoch der Vorschlag einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Ziel eines einheitlichen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostock lie&szlig;&nbsp;die Alarmglocken in Washington schrillen. Das ist der Hauptkriegsschauplatz.<\/p><p>&ldquo;F&uuml;r die USA ist die gr&ouml;&szlig;te Urangst, dass &hellip;deutsches Kapital und deutsche Technologien und die russischen Rohstoffe und die russische Arbeitskraft sich zu einer einzigartigen Kombination verbinden&hellip;&rdquo;. Deswegen sei es seit &uuml;ber 100 Jahren wichtigstes Ziel der USA, ein deutsch-russisches B&uuml;ndnis zu verhindern. So George Friedmann vom Thinktank&nbsp;STRATFOR auf dem &ldquo;Chicago Council on Global Affairs&rdquo; 2015.<\/p><p>Und er schl&auml;gt einen Cordon sanitaire vor zwischen Deutschland und Russland mit kleinen US-h&ouml;rigen und US-abh&auml;ngigen Staaten. Dass das gelungen ist, sehen wir in den scharfmacherischen Wortmeldungen aus den baltischen Staaten oder Polen.<br>\nUnd deutsche Politik handelt gegen deutsche Interessen.<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundlichem Gru&szlig;<br>\nUlrich Meyer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Sie fragen, ob wir Feinde brauchen. Meine Antwort ist leider: Ja. Zumindest das in der Welt vorherrschende kapitalistische Wirtschaftssystem braucht kurz vor seinem &bdquo;vermeintlichen Ende&ldquo; (es steht wieder mal vor der T&uuml;r) regelm&auml;&szlig;ig einen Feind. Das hat Karl Marx in seinem Buch &bdquo;Das Kapital&ldquo; anhand von vielen wissenschaftlichen Fakten klar feststellen k&ouml;nnen. Und nicht nur er kam zu diesem Schluss &ndash; es gab auch schon andere Wirtschafts&ouml;konomen wie Schumpeter, die das analysierten.<\/p><p>Von letzterem stammt der Ausspruch: Krieg ist nur sch&ouml;pferische Zerst&ouml;rung. (nebenbei bemerkt: ich wei&szlig; nicht, wie oft ich Ihnen das in meinen Leserbriefen schon geschrieben habe&hellip;)<\/p><p>Es wird immer wichtiger f&uuml;r die Menschheit dass sie diesem System, das im Grunde nur dem schn&ouml;den Mammon dient, eine Alternative entgegen setzt. So eine Alternative wollten damals die sozialistischen Staaten schaffen. Und ja, es wurden in der relativ kurzen Zeit ihrer Existenz noch viele Fehler gemacht. Zum Beispiel wurde der wichtige Gedanke der Demokratie vernachl&auml;ssigt. Deshalb bildete sich damals kurz vor der sogenannten Wende in der DDR die Partei PDS &ndash; Partei des Demokratischen Sozialismus. Eine Neuausrichtung &ndash; egal in welchen Lebensbereichen &ndash; ist aber auch immer mit einer w&auml;hrend dieser Zeit besonders gro&szlig;en Verletzlichkeit der Agierenden verbunden. Diese wurde dann auch prompt vom kapitalistischen Westen schamlos ausgenutzt, um den Plan der Amerikaner, den Sozialismus auf dem europ&auml;ischen Kontinent endlich den Todessto&szlig; versetzen zu k&ouml;nnen, zu verwirklichen. Und ja, es gab diesen Plan, der jahrzehntelang verfolgt wurde &ndash; das ist keine Verschw&ouml;rung.<\/p><p>Die Menschheit muss sich entscheiden, wem sie dienen will: Gott oder dem schn&ouml;den Mammon. Ob sie sich uneingeschr&auml;nkt Werten wie Frieden, Gerechtigkeit, Solidarit&auml;t, Mitgef&uuml;hl &ndash; und ja, auch Demut geh&ouml;rt dazu &ndash; verschreiben, oder lieber wieder irgendwann dem Teufel auf dem Leim gehen will.<\/p><p>Das ist in meinen Augen die alles entscheidende Frage f&uuml;r einen gesicherten Fortbestand unserer Welt und allen Lebewesen, die in ihr leben &ndash; eischlie&szlig;lich uns Menschen.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nM. R&uuml;tter<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>ich lese Ihre Berichte schon seit Jahren und versuche Ihre Gedanken im Familienkreis weiter zu geben. Wie kann man den Menschen die Augen &ouml;ffnen, damit Sie sehen welche Kriegstreiber seit Jahren die Politik bestimmen. Ich (69 Jahre) werde langsam depressiv und habe Angst, wenn ich mir vorstelle, dass ein Funke gen&uuml;gt einen Krieg vom Zaun zu brechen. Machen Sie weiter so.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nKlaus Oberst<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<br>\n&nbsp;<br>\ndanke f&uuml;r Ihren neuerlichen Beitrag zu diesem leidigen Thema!<\/p><p>Was mich immer wieder erstaunt in Gespr&auml;chen mit Freunden, Bekannten, wenn es um Ru&szlig;land, um Putin geht: Es gibt wenige Leute, die Verst&auml;ndis f&uuml;r die russische Sicht zeigen. Herausragendes Merkmal vieler Gespr&auml;che: Die mir v&ouml;llig unverst&auml;ndliche deutsche &Uuml;berheblichkeit gegen&uuml;ber &ldquo;dem Russen&rdquo;. Man d&uuml;rfe ihm nicht trauen, er sei nicht ehrlich, sogar hinterh&auml;ltig und bedrohe uns. Woher kommt das? Warum ma&szlig;en sich gerade deutsche Politiker, deutsche Journalisten an, &ldquo;dem Russen&rdquo; zu sagen, was er zu tun und zu unterlassen habe?&nbsp;Es ist zum Fremdsch&auml;men angesichts zweier Kriege, die nicht von Ru&szlig;land, sondern von Deutschland ausgingen und die unvorstellbare Verw&uuml;stungen in Ru&szlig;land (!) hinterlassen haben.<br>\n&nbsp;<br>\nDie deutsche Politik h&auml;lt sich aus gutem Grund mit Kritik an Israel zur&uuml;ck, jeder wei&szlig; warum. Das m&uuml;sste doch verst&auml;rkt gegen&uuml;ber Ru&szlig;land gelten, aber nein, wir Deutschen drohen Ru&szlig;land Sanktionen an, machen ihnen Vorhaltungen zu allem und jedem, quaken st&auml;ndig &uuml;ber&nbsp;angeblich undemokratische&nbsp;Verh&auml;ltnissen, die uns gar nichts angehen. Kurz, woher kommt die oberlehrerhafte Anma&szlig;ung so vieler Deutscher gegen&uuml;ber Ru&szlig;land? Hatten unsere Journalisten und Politiker keinen Geschichtsunterricht in der Schule, waren die Geschichtslehrer auch so drauf wie unsere fast gesamte &ldquo;Qualit&auml;tspresse&rdquo;? Wei&szlig; denn niemand au&szlig;er den nds-Lesern etwas von Putins Rede 2001 im Deutschen Bundestag? Man stelle sich das mal vor, der Pr&auml;sident der am meisten geschundenen Siegermacht des zweiten Weltkrieges h&auml;lt im deutschen Parlament eine Rede, zum gro&szlig;en Teil sogar auf deutsch, reicht die Hand zur Zusammenarbeit und Freundschaft, und muss sich heute von uns Deutschen Vorhaltungen machen lassen, was er alles falsch macht! Geht&rsquo;s noch &auml;rger und b&ouml;sartiger?<br>\n&nbsp;<br>\nFreundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nEmmo Frey<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<br>\n&nbsp;<br>\nin dem o.g. Artikel beantwortet Herr M&uuml;ller die Frage warum die Russen nicht unsere Freunde sein k&ouml;nnen u.a. mit dem Hinweis, dass die USA es nicht wollen. Dem stimme ich zu. Ich frage mich nur, woran lag es, dass Willy Brandt ab 69 seine &ldquo;neue Ostpolitik&rdquo; durchsetzen konnte. Haben die USA damals vielleicht wg. Vietnam weniger Druck ausge&uuml;bt? Hatten sie wirtschaftliche Schwierigkeiten (Bretton-Woods)? Wollte Nixon den Kalten Krieg abmildern (Anerkennung China)? oder hatten Brandt und Bahr einfach mehr Courage? Ich w&auml;re Ihnen f&uuml;r eine Einsch&auml;tzung dankbar!<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundschaftlichem Gru&szlig;<br>\nEberhard Schwarz<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Albrecht M&uuml;ller, gesch&auml;tztes NDS Team,<\/p><p>ich blicke entsetzt auf das, was westliche Politiker und Medien in Bezug auf Russland anrichten. Alles scheint auf einen Krieg zuzusteuern, den Putin bestimmt nicht im Sinn hat, und der f&uuml;r alle Beteiligten fatal w&auml;re, da er die Vernichtung allen menschlichen Lebens zeitigen w&uuml;rde. Ein Krieg zwischen diesen atomaren Machtbl&ouml;cken l&auml;&szlig;t sich nicht auf einen konventionellen begrenzen.<\/p><p>Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand kann diesen Krieg wollen und dennoch wird heftigst gez&uuml;ndelt.<\/p><p>Ich denke, es liegt an den Interessen US amerikanischer Plutokraten, die ihre Aktien via Blackrock in zahlreichen R&uuml;stungskonzernen investiert haben und dringend Feinde brauchen, damit der monstr&ouml;se R&uuml;stungshaushalt nicht gek&uuml;rzt werden kann, der ihre Kassen klingeln l&auml;&szlig;t.&nbsp; Geopolitische Interessen sehe ich in der Gruppierung der Neocons, deren Vordenker Brzezi&#324;ski davor warnte, das Deutschland sich mit Russland verb&uuml;ndet. Eigenst&auml;ndige Deutsche Ostpolitik wurde daher in diesen Kreisen verdammt und jede Ann&auml;herung mit dem Druck einer Besatzungsmacht unterbunden. Zudem lieb&auml;ugeln sie vielleicht damit, durch ihre Drohkulisse Putin innenpolitisch zu schaden, damit sie im Falle eines neuen Jelzin endlich Zugriff auf Russlands Bodensch&auml;tze haben.<\/p><p>Kriege wurden immer f&uuml;r die Interessen der Reichen und M&auml;chtigen gef&uuml;hrt und damit Leid und Verderben &uuml;ber uns einfachen Menschen gebracht.<\/p><p>Unsere Journalisten und Politiker sind in transatlantischen Kreisen, Vereinen, NGOs und Institutionen eingebunden und agieren als willige Dummk&ouml;pfe f&uuml;r die Interessen von skrupellosen Gierh&auml;lsen. Mit Journalismus oder Politik im Interesse der Menschen, hat das was sie absondern nichts mehr zu tun.<\/p><p>Ich bin froh, dass es die NDS gibt, auch wenn die vielleicht nicht so viel ausrichten, wie wir es gerne s&auml;hen.<\/p><p>MfG<br>\nJD<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Nachbemerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong><\/p><ol type=\"a\">\n<li>Die Leserbriefe sind sehr interessant und lehrreich.<\/li>\n<li>Im 1. Leserbrief steht: &bdquo;Sloterdijk wirft in seiner Sph&auml;ren-Trilogie (2004) den Gedanken auf, da&szlig; eine Gruppe, wie auch immer sie geartet und charakterisiert sein mag, grunds&auml;tzlich eine Existenzbedingung hat: einen Feind.&ldquo; &ndash; Man glaubt ja nicht, dass und wie dies funktioniert. Zum Beispiel: nach dem Desaster in Afghanistan war die NATO und der Ruf des Milit&auml;rs insgesamt ziemlich besch&auml;digt. Und jetzt? Jetzt haben wir wieder einen Feind, die Russen. Und siehe da: am Sinn des milit&auml;rischen B&uuml;ndnisses wagt niemand mehr zu zweifeln. Das Afghanistan-Desaster liegt nur ein halbes Jahr zur&uuml;ck und die NATO sonnt sich im neuen Glanz des neuen, alten Feindes. V&ouml;llig verflogen ist die Frage nach der Existenzberechtigung. Es ist schon verr&uuml;ckt, wie das funktioniert.<\/li>\n<li>Der Hinweis auf George Friedman und STRATFOR ist berechtigt. Dabei wird klar, dass unsere jetzigen Konflikte geplant worden sind, von zynischen Strategen in den USA. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf einen wichtigen Artikel vom 13. M&auml;rz 2015: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25398\">&bdquo;Der Tod kommt aus Amerika&ldquo; und die Best&auml;tigung durch den Chef von STRATFOR<\/a>. Nebenbei: Dieser Artikel f&uuml;hrte in der damaligen Redaktion zu einer gro&szlig;en Zerrei&szlig;probe. Aber die Einsch&auml;tzung hat sich als richtig erwiesen.<\/li>\n<li>Im 5. Leserbrief wird die Frage aufgeworfen, wie es zu der erkennbaren &Uuml;berheblichkeit gegen&uuml;ber Russland kommt. Hatten unsere Journalisten und Politiker keinen Geschichtsunterricht in der Schule, waren die Geschichtslehrer auch so drauf wie unsere fast gesamte &bdquo;Qualit&auml;tspresse&ldquo;? &hellip; wird gefragt.\n<p>Nach meinem Eindruck reicht die wieder aufgelegte Feindseligkeit und &Uuml;berheblichkeit historisch weiter zur&uuml;ck. &Uuml;berheblichkeit gegen&uuml;ber der slawischen Rasse wurde von den Nazis gepflegt. Dieser antislawische Rassismus musste von den Nazis allerdings nicht erfunden werden. Er war schon vorher weit verbreitet. <\/p>\n<p>Die Aggression gegen&uuml;ber den Russen wurde dann &ndash; in Westdeutschland &ndash; zus&auml;tzlich in den f&uuml;nfziger Jahren des letzten Jahrhunderts und bis weit hinein in die sechziger Jahre angeheizt. Die Bundesrepublik gr&uuml;ndete sich in ihrer Anfangsphase ideologisch erstaunlich weitgehend und tiefgehend auf der Aggression gegen&uuml;ber den &bdquo;Russen&ldquo;. Ich erinnere mal wieder an das bekannte Plakat mit der Abbildung eines aggressiven Rotarmisten, ich erinnere an Adenauers sportliches bis b&ouml;sartiges &bdquo;Soffjets&ldquo; und ich berichte von meinen eigenen Erfahrungen als politisch interessierter Jugendlicher: <\/p>\n<p>Im Geschichts- und Deutschunterricht mussten wir uns mit Lehrern herumschlagen, die im Krieg waren und Schlimmes erlebt hatten oder dieses aus Erz&auml;hlungen &uuml;bernommen hatten. Ihre Feindseligkeit gegen&uuml;ber Russen und Russland diente auch der pers&ouml;nlichen Aufarbeitung der eigenen Vers&auml;umnisse und Untaten. Entsprechend eindeutig war das, was sie an uns Sch&uuml;ler und Jugendliche weitergaben.<\/p>\n<p>Es gab andere Erwachsene, die ihre eigene Geschichte produktiver und friedlicher aufarbeiteten. Aber diese Menschen waren in der Minderheit.<\/p>\n<p>Also: Aus meiner Sicht ist es &uuml;berhaupt nicht verwunderlich, dass es heute eine so weit verbreitete Aggression gegen&uuml;ber Russen gibt. Sie war zwischenzeitlich &uuml;berdeckt und wird jetzt neu belebt. <\/p><\/li>\n<li>Die neue Pflege der Russen-Feindseligkeit steht &uuml;brigens in diametralem Gegensatz zu dem, was notwendig ist, um Frieden zu schaffen: Der Friede zwischen den V&ouml;lkern lebt davon, dass Vertrauen gebildet wird und nicht Misstrauen ges&auml;t wird. Jetzt erleben wir t&auml;glich, wirklich t&auml;glich in unseren Bl&auml;ttern und in unseren Fernseh- und H&ouml;rfunkmedien, wie unentwegt gestichelt wird und auf diese Weise Misstrauen ges&auml;t wird. Was muss Lawrow, was muss Putin f&uuml;r ein dickes Fell haben, um die t&auml;glichen Sticheleien auszuhalten, nicht wirken zu lassen. Ich f&uuml;rchte, dass diese Aggressionen Wirkung zeigen werden. Das ist das eigentlich Gef&auml;hrliche an ihnen.<\/li>\n<li>Im Leserbrief Nummer 6 wird die Frage aufgeworfen, woran es wohl lag, dass Willy Brandt ab 1969 seine Ostpolitik gegen&uuml;ber den USA durchsetzen konnte. Ich denke, dass das schon daran lag, dass Brandt schon ein ganzes St&uuml;ck mutiger war als die heute handelnden Personen. Aber zum ersten kam noch hinzu, dass er die neue Politik verbal anfangs immer mit Bekenntnissen zum NATO-B&uuml;ndnis abgesichert hat. Damit begann er schon als Au&szlig;enminister bei einer NATO-Konferenz in Reykjavik &ndash; wenn ich mich recht erinnere 1968. &ndash; Zum zweiten hatte er die Unterst&uuml;tzung einiger wichtiger Politiker in Europa. Ich nenne nur zwei: Olof Palme in Schweden und Bruno Kreisky in &Ouml;sterreich. Zum dritten hat Brandt gro&szlig;en Wert darauf gelegt, die Ostpolitik im Volk abzusichern. Da ich damals f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit der SPD verantwortlich war, wei&szlig; ich genau, was wir unternommen haben, um mit unserer Informations- und &Ouml;ffentlichkeitsarbeit weit in die Reihen der Anh&auml;nger von CDU\/CSU und FDP vorzusto&szlig;en. Willy Brandt hat gerade in den Reihen von christlich orientierten und gl&auml;ubigen Menschen, die das Friedensgebot ernstnahmen, viel Sympathie und Unterst&uuml;tzung gewonnen. &ndash; Diese weitgehende Unterst&uuml;tzung unter Westdeutschen haben auch die Botschaften der westlichen Alliierten mitbekommen. Sie wussten, dass die Ostpolitik nicht in der Luft h&auml;ngt, sondern &ndash; von Hardlinern abgesehen &ndash; im deutschen Volk verankert worden war. &Uuml;brigens auch bei den Ostdeutschen, was ja nun wirklich nicht unerheblich ist.<\/li>\n<li>Die im 7. Leserbrief aufgeworfene Vermutung, die Aggression gegen Putin werde auch deshalb gesch&uuml;rt, weil man ihn weghaben will, um wie zu Jelzins Zeiten Zugriff zu den gro&szlig;en Ressourcen Russlands zu bekommen, ist nicht falsch, im Gegenteil.<\/li>\n<\/ol><p>Soweit der erg&auml;nzende Kommentar und nochmals gro&szlig;en Dank f&uuml;r die Leserbriefe, die wirklich informativ und weiterf&uuml;hrend waren.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Titelbild: <em>Spezialeinheit Asow &ndash; klares Feindbild<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80613\">Beitrag<\/a> erinnert Albrecht M&uuml;ller an das Versprechen des deutschen Bundeskanzlers von 1969: &bdquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein&ldquo; und er fragt, warum das nicht mehr gilt, warum der Westen nicht am Projekt &bdquo;Gemeinsame Sicherheit&ldquo; in einem vereinten Europa einschlie&szlig;lich Russlands weitergearbeitet habe. Warum hat man Russland quasi aus Europa hinausgeworfen?<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80869\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":80873,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,103],"tags":[],"class_list":["post-80869","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-leserbriefe"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DLsmQ9JXcAAXEyp.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80869","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=80869"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80869\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80884,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80869\/revisions\/80884"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/80873"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=80869"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=80869"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=80869"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}