{"id":81029,"date":"2022-02-21T09:05:19","date_gmt":"2022-02-21T08:05:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81029"},"modified":"2022-02-21T09:55:02","modified_gmt":"2022-02-21T08:55:02","slug":"inflation-und-kommunikation-warum-sind-wir-vollkommen-unfaehig-miteinander-zu-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81029","title":{"rendered":"Inflation und Kommunikation: Warum sind wir vollkommen unf\u00e4hig, miteinander zu sprechen?"},"content":{"rendered":"<p>Von <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/author\/hflassbeck\/\"><strong>Heiner Flassbeck<\/strong><\/a>. Dauerfeuer aus allen medialen Rohren, das kann man in diesen Tagen an vielen Beispielen beobachten, entfaltet ab einem bestimmten Punkt ein Eigenleben, das nur noch schwer zu kontrollieren ist, weil selbst rational denkende und arbeitende Zeitgenossen davon nicht unbeeindruckt bleiben. Geradezu schlafwandlerisch betritt man im Gefolge der medialen Indoktrination gef&auml;hrliche, aber vermeintlich unvermeidbare Pfade, weil sich niemand traut, einmal laut und vernehmlich &bdquo;Halt&ldquo; zu rufen.<br>\n<!--more--><br>\n<em><strong>Zwischenbemerkung:<\/strong> Dieser Beitrag erschien am 20. Februar <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/2022\/02\/20\/inflation-und-kommunikation-warum-sind-wir-vollkommen-unfaehig-miteinander-zu-sprechen\/\">auf Flassbecks Blog &bdquo;Relevante &Ouml;konomik&ldquo;<\/a>.<\/em><\/p><p>Weiter im Text:<\/p><p>Das gilt auch in immer st&auml;rkerem Ma&szlig;e f&uuml;r die jeden Tag hunderte Male an die Wand gemalte Inflationsgefahr in Europa. War vor einigen Wochen wenigstens <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/2022\/01\/19\/ein-hoch-auf-die-europaeische-zentralbank\/\">die EZB noch in der Lage, den Kopf einigerma&szlig;en &uuml;ber Wasser zu halten<\/a>, geht nun auch dort die Vernunft langsam baden. Der Chefvolkswirt der Bank, der Ire Philip Lane, f&uuml;hlt sich nun (<a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/caff1285-89dd-41c9-bdb6-db9a56f334e5\">in der FT<\/a>) bem&uuml;&szlig;igt, steigende Inflationserwartungen nicht auszuschlie&szlig;en und signalisiert eine m&ouml;gliche &bdquo;Normalisierung&ldquo; der Geldpolitik.<\/p><p>Das deutsche Mitglied des EZB Direktoriums, <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/d874327c-ce79-4772-b63f-b8f56e30be8d\">Isabel Schnabel, glaubt, man k&ouml;nne den Anstieg der Hauspreise nicht aus der Inflationsrechnung heraushalten<\/a> (was schwer zu begr&uuml;nden sein d&uuml;rfte), und auch die Pr&auml;sidentin der EZB, Christine Lagarde, h&auml;lt nun die Inflationsrisiken f&uuml;r gr&ouml;&szlig;er als die Deflationsrisiken. Weil der Bundesbankpr&auml;sident von vier Prozent Inflationsrate f&uuml;r Deutschland f&uuml;r dieses Jahr ausgeht, glaubt <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article236962289\/Lindners-Top-Berater-Lars-Feld-Die-Gefahr-einer-Lohn-Preis-Spirale-ist-gross.html\">der neue Chefberater der Bundesfinanzministers<\/a>, dass die Gewerkschaften ihre Lohnforderungen entsprechend h&ouml;herschrauben und dass deshalb die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale gro&szlig; ist.<\/p><p><strong>Was ist geschehen?<\/strong><\/p><p>Das alles ist mehr als erstaunlich. Wir wissen eigentlich genau, was geschehen ist. Dennoch tun fast alle so, als ob es gro&szlig;e Geheimnisse um die Erkl&auml;rung der aktuellen Inflationsrate g&auml;be. Die Einzelpreise, die hinter der gestiegenen Inflationsrate stehen, verstehen wir dagegen ohne weiteres. So schreibt das Statistische Bundesamt, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen, vor einigen Tagen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Lieferengp&auml;sse, Rohstoffknappheit, erh&ouml;hte Nachfrage im In- und Ausland haben sich auf den Bausektor ausgewirkt: Bauen ist im Jahr 2021 deutlich teurer geworden. &hellip; die Erzeugerpreise f&uuml;r einzelne Baustoffe wie Holz und Stahl sind im Jahresdurchschnitt 2021 so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949 gestiegen. So verteuerte sich Konstruktionsvollholz um 77,3 % gegen&uuml;ber dem Vorjahresdurchschnitt, Dachlatten um 65,1 %, Bauholz um 61,4 %. Selbst die Preise f&uuml;r Spanplatten, f&uuml;r die in der Regel das Abfallprodukt S&auml;gesp&auml;ne genutzt wird, stiegen um 23,0 %. Zum Vergleich: Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte insgesamt legte im Jahresdurchschnitt 2021 um 10,5 % gegen&uuml;ber 2020 zu.<\/em><\/p>\n<p><em>Nicht nur die gestiegenen Holzpreise, auch die Stahlpreise treiben die Kosten auf dem Bau in die H&ouml;he: Betonstahl in St&auml;ben war im Jahresdurchschnitt 2021 um 53,2 % teurer, Betonstahlmatten kosteten 52,8 % mehr als 2020. Betonstahl wird unter anderem im Rohbau zur Verst&auml;rkung von Bodenplatten, Decken oder W&auml;nden eingesetzt. Metalle waren 2021 insgesamt um 25,4 % teurer als im Vorjahr, was nicht ohne Folgen f&uuml;r Bauprojekte bleiben d&uuml;rfte. So verteuerte sich Halbzeug aus Kupfer und Kupferlegierungen, das beispielsweise f&uuml;r den Heizungsbau oder in der Elektroinstallation genutzt wird, um 26,9 % gegen&uuml;ber dem Vorjahresdurchschnitt.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Daran ist nichts geheimnisvoll: Aus Gr&uuml;nden, die man zwar im Einzelnen schwer nachvollziehen kann, die aber mit den Produktionsstopps im Zuge der Coronakrise zu tun haben, ist es zu massiven Verknappungen von bestimmten Vorleistungen f&uuml;r die Bauproduktion und f&uuml;r andere wichtige industrielle Bereiche gekommen. Das erh&ouml;ht den Preisindex zun&auml;chst auf der Stufe der Erzeuger von Produkten und danach auf der Verbraucherstufe. Das Ergebnis nennt man zwar gemeinhin und leichtfertig Inflation, es ist aber nur Ausdruck der Tatsache, dass in einem marktwirtschaftlichen System die Preise Knappheit signalisieren. Normalerweise vertrauen wir bei solchen Prozessen auf die Effizienz der Einzelm&auml;rkte und erwarten nicht, dass der Staat hier eingreift.<\/p><p>Dazu kommen deutlich gestiegene Preise f&uuml;r landwirtschaftliche Produkte und, ganz besonders ausgepr&auml;gt, f&uuml;r Energie. Sowohl Gas als auch &Ouml;l sind wesentlich teurer geworden, wenn auch die &Ouml;lpreise noch ein ganzes St&uuml;ck unter den historischen H&ouml;chstwerten liegen. Auch hier mag es Knappheit geben, wir wissen dennoch genau, dass bei den &Ouml;lpreisen wie bei den meisten Rohstoffen Spekulation eine gro&szlig;e Rolle spielt.<\/p><p>Dar&uuml;ber h&ouml;rt man in den deutschen Medien fast nie etwas, eine seri&ouml;se Zeitung <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/6e24689d-679f-4b45-ac73-dc1ace2ff69e\">wie die englische FT berichtet allerdings immer wieder dar&uuml;ber<\/a>. W&uuml;rden die Kontinentaleurop&auml;er die neoliberalen Scheuklappen absetzen, w&auml;re das genauso offensichtlich wie die physische Knappheit. Spekulation kann man bek&auml;mpfen, aber es mit steigenden Zinsen zu tun, ist vollkommen absurd, weil man die Zinsen massiv erh&ouml;hen m&uuml;sste und die Kollateralsch&auml;den immens w&auml;ren. Hier liegen seit vielen Jahren <a href=\"https:\/\/unctad.org\/system\/files\/official-document\/gds20111_en.pdf\">Vorschl&auml;ge f&uuml;r die sch&auml;rfere Regulierung dieser M&auml;rkte auf dem Tisch<\/a>, die man mit dem n&ouml;tigen politischen Willen ohne weiteres umsetzen k&ouml;nnte.<\/p><p>Gegen die Verknappung einiger G&uuml;ter im Zuge des f&uuml;r die Weltwirtschaft vollkommen neuen und vermutlich einmaligen Corona-Schocks kann man unmittelbar kurzfristig nichts tun. Man kann nur darauf hoffen, dass diese Knappheiten, weil sie ja ungeheure und unerwartete Gewinne f&uuml;r die Produzenten dieser Produkte sich bringen, rasch beseitigt werden. Die alten und neue Produzenten werden versuchen, an dem Boom mitzuverdienen, indem sie das Angebot durch neue Investitionen in neue Produktionsanlagen so weit wie m&ouml;glich ausweiten. Jede Versch&auml;rfung oder Normalisierung der Geldpolitik w&uuml;rde schon an dieser Stelle Schaden anrichten, weil Investitionen gef&auml;hrdet werden.<\/p><p>Wir wissen auch, dass solche preistreibenden Knappheitseffekte aus rein statistischen Gr&uuml;nden nicht von Dauer sind. Einige Preise haben schon ihren H&ouml;hepunkt &uuml;berschritten, wie etwa die Preise f&uuml;r die oben erw&auml;hnten Holzprodukte (Abbildung 1). Es w&auml;re mehr als erstaunlich, wenn die Preise dieser Produkte im n&auml;chsten Jahr noch einmal weit &uuml;ber ihr heutiges Niveau hinaus ansteigen w&uuml;rden. Nur dann k&auml;me es zu einer Fortsetzung der Inflation, denn der R&uuml;ckgang der Preise &ndash; auch von einem sehr hohem Niveau &ndash; bedeutet im n&auml;chsten Jahr einen R&uuml;ckgang auch der Inflationsrate. Je h&ouml;her die Preise derzeit steigen, umso sicherer kann man sein, dass es nicht zu einer Fortsetzung der hohen Inflationsraten kommt.<\/p><p>Abbildung 1<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220221-Flassbeck-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220221-Flassbeck-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Wer muss die Belastung tragen?<\/strong><\/p><p>Von den Belastungen durch die Knappheiten wie auch durch die spekulationsbedingten Preissteigerungen, die ein nahezu globales Ph&auml;nomen sind, kann man auf nationaler Ebene nur einzelne Gruppen vollst&auml;ndig freistellen. Der Staat kann ohne Zweifel die &Auml;rmsten in der Gesellschaft entlasten, die Gesellschaft kann aber nicht gro&szlig;en Gruppen wie den Arbeitnehmern insgesamt die Anpassung an die Verteuerung der Lebenshaltung ersparen, insbesondere nicht an die Verteuerung, die von au&szlig;en kommt. Der Staat hat vielf&auml;ltige M&ouml;glichkeiten, um schnell und unb&uuml;rokratisch denen zu helfen, die, gemessen an ihrem Einkommen, am st&auml;rksten getroffen sind. Aber auch in den Tarifverhandlungen kann man daf&uuml;r sorgen, dass die unteren Einkommensgruppen gr&ouml;&szlig;ere Zuw&auml;chse erhalten und so die Einkommenspyramide gestaucht wird.<\/p><p>W&uuml;rden die Arbeitnehmer dagegen pauschal versuchen, sich von der Anpassung freizustellen und alle Belastungen auf die Arbeitgeber abzuw&auml;lzen, w&uuml;rde das nicht gelingen. Die Arbeitgeber sind immer in der Lage, sich erfolgreich zur Wehr zu setzen, indem sie auf steigende L&ouml;hne wiederum mit steigenden Preisen reagieren. Warum aber sollten Gewerkschaften, die bis zuletzt nicht einmal die von der EZB vorgegebene Inflationsrate von 2 Prozent durchsetzen konnten, auf einmal in der Lage sein, weit h&ouml;here Preissteigerungen, die die deutschen Arbeitgeber ja nur zu einem kleinen Teil zu verantworten haben, in h&ouml;here Nominall&ouml;hne umzusetzen?<\/p><p>Hinzu kommt: Die deutschen und die &uuml;brigen europ&auml;ischen Gewerkschaften sollten in den 1970er Jahren gelernt haben, dass auch Erfolge bei der Durchsetzung h&ouml;herer Nominall&ouml;hne ein zweischneidiges Schwert sind, weil genau dieser &bdquo;Erfolg&ldquo; den Fall heraufbeschw&ouml;rt, bei dem die Zentralbank &ndash; zu Recht &ndash; mit steigenden Zinsen die Konjunktur abw&uuml;rgt und steigende Arbeitslosigkeit erzwingt, mit der Folge, dass die gewerkschaftlichen M&ouml;glichkeiten erheblich eingeschr&auml;nkt werden. Wem w&auml;re damit geholfen?<\/p><p>Die Arbeitslosigkeit in Europa ist, auch wenn das von &Ouml;konomen wie Lars Feld einfach nicht zur Kenntnis genommen wird, immer noch sehr hoch. Unmittelbar nach dem Corona-Schock sind die Gewerkschaften schw&auml;cher denn je. Die Position des DGB zu dieser Diskussion klingt dann auch nicht wie eine Kampfansage, sondern eher wie Pfeifen im Walde:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Auch ist es mehr als verst&auml;ndlich, wenn Gewerkschaften in Tarifverhandlungen darauf hinweisen, dass Reallohnverluste &ndash; also Lohnsteigerungen unterhalb der Inflationsrate &ndash; mittelfristig nicht hinzunehmen sind. Angesichts von im Durchschnitt satten Gewinnen, k&ouml;nnen Unternehmen durchaus deutlich h&ouml;here L&ouml;hne finanzieren, ohne etwa erneut die Preise erh&ouml;hen zu m&uuml;ssen.&ldquo;<\/em><br>\n&ndash; DGB-Klartext (Nr. 07\/2022, Inflation: Richtige Konsequenzen statt falscher Schl&uuml;sse ziehen)\n<\/p><\/blockquote><p>Die Gewerkschaften sollten nicht auf etwas hinweisen, was sie sowieso nicht verhindern k&ouml;nnten. Sie sollten vielmehr sagen, dass ihr eigener Verzicht auf die von der EZB tolerierten zwei Prozent in der Vergangenheit ein gro&szlig;er Fehler war, weil sie die Verteilungs&auml;nderung zu ihren Lasten, die damit verbunden war, vermutlich nie mehr ausgleichen k&ouml;nnen. Sie sollten deswegen darauf beharren, dass mit politischer Hilfe daf&uuml;r gesorgt wird, dass von nun an bei den Tarifverhandlungen wenigstens die zwei Prozent von vorneherein als gesetzt gelten und nur noch &uuml;ber den Teil verhandelt wird, der der nationalen Produktivit&auml;tszunahme entspricht.<\/p><p><strong>Die Unf&auml;higkeit, miteinander zu reden<\/strong><\/p><p>Schuld an der ungekl&auml;rten Rolle der Notenbanken Bei der Rollenverteilung der Wirtschaftspolitik sind in erster Linie die Mainstream-&Ouml;konomen. Von ihnen hat z. B. <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/politik\/maybrit-illner\/preis-schock-nach-der-pandemie-wohlstand-in-gefahr-mit-lindner-und-merz-ua-maybrit-illner-vom-17-februar-2022-100.html\">Christian Lindner gelernt<\/a>, dass die Inflationserwartungen &bdquo;verankert&ldquo; sein m&uuml;ssten, um ungef&auml;hrlich zu sein. Er wei&szlig; sicher nicht, dass das nur ein dunkler und wenig brauchbarer Begriff ist, mit dem die herrschende &Ouml;konomik den Eindruck erweckt, es gebe einen wettbewerblich organisierten Arbeitsmarkt, auf dem man auf keinen Fall miteinander redet, sondern bei dem die Notenbank Signale sendet, die von den Gewerkschaften und den Arbeitgebern gef&auml;lligst aufgenommen werden m&uuml;ssen, ohne dass es jemals die Chance gibt, vern&uuml;nftig miteinander zu sprechen.<\/p><p>Die &Ouml;konomik hat ein gro&szlig;es Buhei aus den Inflationserwartungen gemacht und den Notenbanken eingeredet, sie m&uuml;ssten nur klar kommunizieren, welche Inflationsrate sie anstreben und schon w&auml;ren die meisten Probleme gel&ouml;st. Dass die Zentralbanken die Inflationsraten, die sie sich zum Ziel setzen, &uuml;ber lange Zeit nicht erreichen k&ouml;nnen, h&auml;tte man eigentlich in der vergangenen deflation&auml;ren Phase begreifen k&ouml;nnen. Man h&auml;tte nur noch die richtigen Schlussfolgerungen ziehen m&uuml;ssen, dann w&uuml;rde man heute nicht so sprachlos dastehen.<\/p><p>Jetzt r&auml;cht sich insbesondere, dass auch die EZB nie klar gesagt hat, dass auf die mittlere Frist, also auf die Frist, auf die es letztlich ankommt, die Preissteigerungsraten von den Lohnst&uuml;ckkostenzuw&auml;chsen bestimmt werden und deswegen ohne eine vern&uuml;nftige Lohnpolitik auch keine vern&uuml;nftige Preispolitik zu machen ist. Die EZB h&auml;tte zugestehen m&uuml;ssen, dass in Zeiten wie diesen, wo die Notenbank offensichtlich total &uuml;berfordert ist, ihr Ziel zu erreichen, es nicht darauf ankommt, H&auml;rte zu zeigen, sondern darauf, mit den Tarifparteien ins Gespr&auml;ch zu kommen, um Konflikte zu vermeiden, die sich aus der Sprachlosigkeit ergeben.<\/p><p>Aus gutem Grund wurde einst in der EWU der &bdquo;Makro&ouml;konomische Dialog&ldquo; gegr&uuml;ndet, wo die Tarifpartner, die Politik und die Zentralbank zusammensitzen k&ouml;nnen, um aktuelle Probleme zu diskutieren. Es w&auml;re Aufgabe der EU-Kommission, diesen Dialog sofort zu aktivieren und daf&uuml;r zu sorgen, dass alle wichtigen Argumente auf den Tisch kommen. Wenn die Gewerkschaften und Arbeitgeber derzeit darauf vertrauen k&ouml;nnten, dass die EZB keine un&uuml;berlegte Restriktionsphase einleitet, k&ouml;nnten sie ihrerseits, ohne jeden Gesichtsverlust oder Verlust ihrer Autonomie, zusagen, dass sie auch weiterhin bei ihren Verhandlungen am bisherigen Inflationsziel der EZB festhalten. Doch die EU-Kommission, ganz besonders unter ihrer derzeitigen Pr&auml;sidentin, versagt an fast allen Fronten.<\/p><p>Wenn die Politik den Kampf gegen den Klimawandel ernst nimmt, wird sie Kommunikation lernen m&uuml;ssen. Sie muss der Gesellschaft steigende Preise f&uuml;r fossile Rohstoffe mitsamt den Auswirkungen auf das Preisniveau erkl&auml;ren und gleichzeitig reibungslos daf&uuml;r sorgen, dass nicht die Schw&auml;chsten davon am st&auml;rksten belastet werden. Gibt es jedes Mal eine babylonische Sprachverwirrung &uuml;ber &bdquo;Inflation&ldquo; wie derzeit, wird man die Mehrheit der Gesellschaft daf&uuml;r kaum gewinnen k&ouml;nnen. Auch die Frage, ob die EZB bei konsequenter Klimapolitik mit ihrem Zwei-Prozent-Ziel auskommt, ist rasch, aber ohne ideologische Vorbehalte zu kl&auml;ren. Doch das ist ein neues Thema.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/author\/hflassbeck\/\"><strong>Heiner Flassbeck<\/strong><\/a>. Dauerfeuer aus allen medialen Rohren, das kann man in diesen Tagen an vielen Beispielen beobachten, entfaltet ab einem bestimmten Punkt ein Eigenleben, das nur noch schwer zu kontrollieren ist, weil selbst rational denkende und arbeitende Zeitgenossen davon nicht unbeeindruckt bleiben. Geradezu schlafwandlerisch betritt man im Gefolge der medialen Indoktrination gef&auml;hrliche, aber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81029\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[134,135,30],"tags":[507,365,319,405],"class_list":["post-81029","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzen-und-waehrung","category-finanzpolitik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-ezb","tag-inflation","tag-lohnentwicklung","tag-statistisches-bundesamt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=81029"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81029\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81043,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81029\/revisions\/81043"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=81029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=81029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=81029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}