{"id":81485,"date":"2022-03-03T12:01:29","date_gmt":"2022-03-03T11:01:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81485"},"modified":"2022-03-03T14:50:26","modified_gmt":"2022-03-03T13:50:26","slug":"osteuropa-und-russland-das-oekonomische-desaster-das-wir-angerichtet-haben-wird-vergessen-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81485","title":{"rendered":"Osteuropa und Russland \u2013 Das \u00f6konomische Desaster, das wir angerichtet haben, wird vergessen \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Von <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/author\/hflassbeck\/\"><strong>Heiner Flassbeck<\/strong><\/a> &ndash; Der Konflikt, mit dem die Welt derzeit in der Ukraine konfrontiert ist, kann nicht verstanden werden, wenn man ignoriert, auf welche Weise &bdquo;der Westen&ldquo; nach dem Fall der Mauer Osteuropa einschlie&szlig;lich Russlands mit einer Wirtschaftslehre &uuml;berzogen hat, die nicht nur ungeeignet war, sondern massiven wirtschaftlichen und politischen Schaden f&uuml;r die L&auml;nder und das Gef&uuml;hl der Zweitklassigkeit mit sich gebracht hat.<br>\n<!--more--><br>\n<em><strong>Zwischenbemerkung:<\/strong> Das ist ein Beitrag von Heiner Flassbeck, den wir von &bdquo;Relevante &Ouml;konomik&ldquo; &uuml;bernommen haben. <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/2022\/03\/03\/osteuropa-und-russland-das-oekonomische-desaster-das-wir-angerichtet-haben-wird-vergessen-teil-1\/\">Siehe hier<\/a>. Albrecht M&uuml;ller.<\/em><\/p><p>Und weiter mit dem Text von Flassbeck:<\/p><p>Das Ergebnis sind eine gro&szlig;e Anzahl von Staaten, die heute nur deswegen nicht zu den failed states gez&auml;hlt werden, weil sie im Gefolge der &Ouml;ffnung aller M&auml;rkte in der Lage waren, ihre Rohstoffe zu verschleudern. Damit und mit absurden Privatisierungsversuchen, die der Westen orchestriert hat, wurde einer Oligarchie der Weg geebnet, die vom Westen zun&auml;chst als &bdquo;private L&ouml;sung&ldquo; des Strukturproblems bejubelt wurde, die sich jedoch als fatal f&uuml;r die Entwicklungschancen der L&auml;nder erwies.<\/p><p>Hinzu kam, dass genau diese oligarchischen Strukturen jeden Weg in eine funktionierende Demokratie von vorneherein verstellten, weil nur Regime, die sich mit den Oligarchen arrangierten, von diesen zugelassen wurden. Das will man allerdings bis heute im Westen nicht zur Kenntnis nehmen. Man hat bis vor wenigen Tagen ja gerne Handel mit den Firmen der Oligarchen getrieben und ihnen unsere Luxusg&uuml;ter verkauft.<\/p><p>Frustration und entt&auml;uschte Hoffnungen betreffen nicht nur die politischen Beziehungen zwischen Ost und West. Noch schlimmer ist es, dass der Osten sich kollektiv &ouml;konomisch verkauft f&uuml;hlt, aber vor allem viele kleinere L&auml;nder immer noch glauben, es gebe den einfachen Ausweg aus ihrer Misere, die da hei&szlig;t, Anschluss an den Westen. Dass der Westen nie ein Konzept f&uuml;r Integration und Entwicklung hatte und bis heute nicht hat (wie <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/2021\/12\/09\/osteuropa-das-vergessene-und-unverstandene-europaeische-hinterland\/\">hier<\/a> gezeigt), k&ouml;nnen viele immer noch nicht glauben.<\/p><p><strong>Die Mauer in den K&ouml;pfen<\/strong><\/p><p>Als vor drei&szlig;ig Jahren die Mauer aus Stein in Deutschland fiel, blieben die Mauern in den K&ouml;pfen vieler Politiker und &Ouml;konomen im Westen leider stehen. Drei Jahrzehnte verstrichen weitgehend ungenutzt, wenn man sich den &ouml;konomischen Abstand anschaut, den die meisten europ&auml;ischen Regionen, die &ouml;stlich der Elbe liegen, zum &bdquo;goldenen&ldquo; Westen haben.<\/p><p>Das beginnt bereits in Ostdeutschland, wo trotz des sofortigen vollst&auml;ndigen Anschlusses an das Wirtschaftswunderland und ungeheurer &bdquo;Aufbauhilfen&ldquo; auch heute noch die Wirtschaft weit zur&uuml;ckh&auml;ngt und gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung zu Recht den Eindruck haben, nicht wirklich dazuzugeh&ouml;ren. Je weiter man nach Osten geht, umso schlimmer wird es.<\/p><p>Noch viel schlechter ist es seither der Ukraine und Russland ergangen. Das russische Einkommen pro Kopf der Bev&ouml;lkerung stagniert im Vergleich zu den USA auf einem niedrigen Niveau (Abbildung 1). Die Ukraine f&auml;llt bei diesem entscheidenden Ma&szlig;stab seit der Finanzkrise von 2008\/2009 auf noch viel tieferem Niveau als Russland sogar deutlich zur&uuml;ck. Dagegen gelingt es China, sich gegen&uuml;ber den USA (die hier einhundert gesetzt worden sind) stetig zu verbessern.<\/p><p>Abbildung 1<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220303-Ukraine.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220303-Ukraine.png\" title=\"\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Abbildung 2 zeigt, dass sich in der Ukraine die Entwicklung der Wirtschaft seit 2015 noch einmal verschlechtert hat. Nach einer tiefen Rezession ist das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bis heute kaum noch gestiegen, das Land kommt genau von dem Zeitpunkt an, wo es sich am st&auml;rksten dem Westen zugeh&ouml;rig f&uuml;hlen konnte, wirtschaftlich nicht mehr voran.<\/p><p>Abbildung 2<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220303-Ukraine-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220303-Ukraine-01.png\" title=\"\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Das muss man sich deutlich vor Augen f&uuml;hren: Das Nachbarland Russlands, dessen Schicksal wir heute beklagen, wurde von den westlichen Beratern unter F&uuml;hrung des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) in eine &ouml;konomische Lage gebracht, die f&uuml;r das Funktionieren einer jungen Demokratie und f&uuml;r die Lebensperspektiven der Menschen absolut fatal war und ist.<\/p><p>&bdquo;<strong>Washington Consensus&ldquo;, der Anfang vom Ende<\/strong><\/p><p>Ich habe selbst in den neunziger Jahren mit einigen Kollegen versucht, in einer der ehemaligen Sowjetrepubliken, in Kasachstan, zum Neuaufbau von &ouml;konomischen Strukturen und rationaler &ouml;konomischer Entscheidungfindung beizutragen. Mehrere Male pro Jahr besuchten wir das Land und hatten die Gelegenheit, mit hochrangigen Politikern wirtschaftspolitische Grundfragen zu diskutieren und anschlie&szlig;end der Regierung unsere eigenen Empfehlungen vorzulegen[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Kollegen vom DIW waren ebenso intensiv in Russland, in der Ukraine und in anderen L&auml;ndern unterwegs.<\/p><p>Doch wohin man auch kam, andere waren schon da. Weil alle ehemaligen Sowjetrepubliken eine schnelle Transformation in Richtung Marktwirtschaft anstrebten und damit einen Anschluss an das weltweite Finanzsystem, baten praktisch alle Regierungen unmittelbar den Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) und die Weltbank um Hilfe. Selbst da, wo die politische F&uuml;hrung den Eindruck hatte, man solle sich nicht einseitig auf die Washingtoner Institutionen verlassen, gab es nach kurzer Zeit Dollarbedarf, den nur der IWF decken konnte. Damit war der IWF &uuml;berall und unmittelbar in der Lage, ein Monopol zur Beratung der Regierungen zu etablieren. Das gilt selbst f&uuml;r Russland in den 1990er Jahren.<\/p><p>Von den Washingtoner Institutionen wurde nat&uuml;rlich der sogenannte Washington Consensus gepredigt, n&auml;mlich der feste Glaube an die Segnungen der Marktwirtschaft, des freien Handels und freier Kapitalbewegungen. Gekr&ouml;nt wurde das Ganze vom Monetarismus, also der heute selbst in der herrschenden Lehre weitgehend &uuml;berwundenen &Uuml;berzeugung, man m&uuml;sse mit einer strikter Geldmengenbegrenzung durch eine unabh&auml;ngige Notenbank das Aufflackern von Inflation behindern. Fiskalisch schrieb der Konsensus nat&uuml;rlich Frugalit&auml;t vor, also den Versuch des Staates, mit m&ouml;glichst geringen Steuers&auml;tzen und ohne Staatsverschuldung auszukommen. In Sachen W&auml;hrungssystem, also bei der Frage, wie man den Wechselkurs der (zum Teil ja gerade geschaffenen) nationalen W&auml;hrungen festlegen sollte, vertrat der IWF, was er heute noch vertritt, n&auml;mlich entweder absolut feste Kurse oder frei schwankende Kurse (die sogenannten corner solutions, dazu <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/2021\/12\/26\/20-jahre-waehrungsdrama-in-argentinien-ein-trauriges-jubilaeum\/\">hier<\/a> einige Anmerkungen und die dort erw&auml;hnte Literatur).<\/p><p>Man kann sich nicht vorstellen, mit welcher Naivit&auml;t und mit welcher Brutalit&auml;t zugleich der IWF und die Weltbank in diesen L&auml;ndern ihre &bdquo;Theorien&ldquo; durchsetzten. Ich erinnere mich lebhaft an einen heftigen Streit zwischen unserer Beratungsgruppe und dem damaligen Missionschef des IWF in Almaty, der geldpolitische Ideen (hinsichtlich der ber&uuml;hmten &bdquo;rationalen&ldquo; Erwartungen in der Bev&ouml;lkerung) hatte, f&uuml;r die man ihn ausgelacht h&auml;tte, wenn er es f&uuml;r die USA vorgeschlagen h&auml;tte. Er aber vertrat das allen Ernstes f&uuml;r ein Land, das gerade eine neue W&auml;hrung eingef&uuml;hrt und gerade einige Jahrzehnte Planwirtschaft hinter sich hatte und wo der normale Mensch nicht einmal wusste, welche Rolle eine Notenbank &uuml;berhaupt zu &uuml;bernehmen hat.<\/p><p>Einen H&ouml;hepunkt erreichte die &bdquo;Beratung&ldquo; durch die Washingtoner Institutionen mit der f&uuml;r die deutschen Berater vollkommen &uuml;berraschenden Entscheidung, in Kasachstan die Rentenversicherung auf Kapitaldeckung umzustellen. Vom IWF und von der Weltbank wurde das als alternativlos bezeichnet und als ein Weg, mit einem Schlag die sozialen und finanziellen Probleme des Landes zu l&ouml;sen (<a href=\"http:\/\/www.flassbeck.de\/pdf\/2000\/Riesters.pdf\">hier<\/a> ein St&uuml;ck aus dem Jahr 2000 dazu). Die Regierung setzte es tats&auml;chlich gegen unseren Rat in kurzer Zeit um und die einzigen, die davon profitierten, waren die neu geschaffenen &bdquo;Investmentfonds&ldquo;, die das Geld der B&uuml;rger aufnahmen und an den Staat weiterleiteten. Der gr&ouml;&szlig;te dieser Fonds wurde von der Deutschen Bank betrieben.<\/p><p>Es war allerdings nicht nur Osteuropa, wo dieser Unfug umgesetzt wurde. Auch im Westen war das gang und g&auml;be. Der heutige Notenbankpr&auml;sident &Ouml;sterreichs, Robert Holzmann, war lange Jahre w&auml;hrend seiner T&auml;tigkeit f&uuml;r die Weltbank ma&szlig;geblich an dem Versuch beteiligt, dieses total unsinnige Konzept zu verbreiten, obwohl man gerade bei der Weltbank aus den Erfahrungen in Lateinamerika (Chile war mit den Chicago-Boys unter der Pinochet-Diktatur der Vorreiter bei der Kapitaldeckung) h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, welchen Schaden das anrichten kann. Vergessen wir schlie&szlig;lich nicht, dass auch Deutschland von diesem Virus infiziert wurde und Rot-Gr&uuml;n die Riester-Rente Anfang der 2000er Jahre ohne jede ernsthafte Diskussion einf&uuml;hrte.<\/p><p><strong>Handel, Wandel und W&auml;hrung<\/strong><\/p><p>Gekr&ouml;nt wurde die &bdquo;Beratung&ldquo; der Transformationsl&auml;nder jedoch bei der auch in anderen Weltregionen vollkommen ungel&ouml;sten W&auml;hrungsfrage. In der Transformationsphase von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft war es f&uuml;r praktisch alle L&auml;nder die schwierigste Aufgabe, offene und andauernde Inflation zu verhindern, weil die in der Planwirtschaft unterdr&uuml;ckte Inflation offenbar wurde und in allen L&auml;ndern die Arbeitnehmer versuchten, das Aufholen gegen&uuml;ber dem Westen durch rasche Lohnsteigerungen gegen&uuml;ber Unternehmen zu erreichen, die &uuml;berhaupt nicht wussten, was ihnen auf dem Weltmarkt bl&uuml;ht, wenn die Grenzen sich &ouml;ffnen.<\/p><p>Weil f&uuml;r den IWF L&ouml;hne als &bdquo;Marktpreise&ldquo; ein vollst&auml;ndiges Tabu f&uuml;r die Wirtschaftspolitik waren und funktionierende Gewerkschaften mit einer gewissen Einsicht in gesamtwirtschaftliche Zusammenh&auml;nge zumeist nicht existierten, kam es regelm&auml;&szlig;ig zu einer massiven Inflationierung in den Jahren nach dem Fall der Grenzen &ndash; in der Ukraine war die besonders ausgepr&auml;gt. Das einzige Mittel, das dem IWF dagegen einfiel, war nat&uuml;rlich geldpolitische Restriktion &uuml;ber hohe Zinsen und\/oder die Festsetzung eines festen Wechselkurses gegen&uuml;ber einer westlichen W&auml;hrung (als Anker), womit &uuml;ber billige Importe die heimischen Produzenten diszipliniert werden sollten.<\/p><p>In der Ukraine wurde der Wechselkurs zum Dollar nach dem Ende der Hyperinflation zu Beginn des Transformationsprozesses fixiert und bis 2014 festgehalten. Danach wertete sich die W&auml;hrung dramatisch ab, blieb aber offenbar Spielball westlicher W&auml;hrungsspekulation, wie die starken Schwankungen des Wechselkurses andeuten (Abbildung 3). Auch Russland ging durch eine absolut chaotische Phase der W&auml;hrungsanpassungen, die mit der sogenannten Russlandkrise endete und dem Land enorm schadete[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. Wir kommen auf beides im Laufe dieser Artikelserie zur&uuml;ck.<\/p><p>Abbildung 3<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220303-Ukraine-02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220303-Ukraine-02.png\" title=\"\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Quelle: National Bank of Ukraine<\/p><p>Feste Wechselkurse als Anker waren fatal f&uuml;r die realen Produktionsm&ouml;glichkeiten in den entscheidenden Industrien der Transformationsl&auml;nder. Fast alles, was heimisch war, verschwand, weil sich westliche Produzenten mit ihren v&ouml;llig unterbewerteten W&auml;hrungen durchsetzten. Damit war das Schicksal der wichtigsten Betriebe von Ostdeutschland bis Wladiwostok besiegelt &ndash; und zwar f&uuml;r immer. Wer einmal als Transformationsbetrieb seine wirtschaftliche Basis eingeb&uuml;&szlig;t hat, kann sie auch bei g&uuml;nstigeren &auml;u&szlig;eren Bedingungen nur mit viel Gl&uuml;ck wiederherstellen. &Uuml;berleben konnte man im besten Fall als Produktionsstandort f&uuml;r westliche Firmen, als Rohstofflieferant oder als Produzent landwirtschaftlicher Produkte. Von einer eigenst&auml;ndigen industriellen Entwicklung der L&auml;nder und dem Aufbau gesunder marktwirtschaftlicher Strukturen konnte nicht mehr die Rede sein.<\/p><p><strong>Der Westen hatte nichts zu bieten, behauptete aber das Gegenteil<\/strong><\/p><p>Die L&auml;nder Osteuropas und weit dar&uuml;ber hinaus wurden Opfer westlicher Hybris und westlichen Gesch&auml;ftssinns zugleich. Man behauptete leichter Hand, die &Ouml;ffnung aller M&auml;rkte w&uuml;rde automatisch und sehr schnell neue Gesch&auml;ftsfelder f&uuml;r die Transformationsl&auml;nder schaffen, weil es ja das Prinzip der komparativen Vorteile gebe, das auch solchen L&auml;nder weitgehende Teilhabe am internationalen Wirtschaftsgeschehen erm&ouml;glicht, die nicht sofort in der Lage sind, auf dem absoluten Niveau des Westens zu konkurrieren. Das ist einfach falsch (wie ich u. a. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4tUWXRqu31c\">hier<\/a> erkl&auml;rt habe). Das Prinzip der komparativen Vorteile ist eine Schim&auml;re, eine Fata Morgana, die immer hervorgeholt wird, wenn man wirklich nichts Substantielles zu sagen wei&szlig;.<\/p><p>Viel schlimmer noch ist die Konfusion und die Kaltschn&auml;uzigkeit in der W&auml;hrungsfrage. Gegen jede Vernunft hat man den Transformationsl&auml;ndern verkauft, sie k&ouml;nnten die Kapitalm&auml;rkte liberalisieren, ohne dass man bereit war, ihnen ein W&auml;hrungssystem anzubieten, das sie vor &Uuml;berbewertung und Spekulation h&auml;tte sch&uuml;tzen k&ouml;nnen. Und dieser Vorwurf betrifft bei weitem nicht nur die USA, die vermutlich noch nie verstanden haben, wie wichtig ein funktionierendes W&auml;hrungssystem f&uuml;r kleine offene L&auml;nder ist. Er betrifft vor allem Europa, wo man genau in dem Augenblick in den 1990er Jahren, wo man erkannt hatte, dass eine gemeinsame W&auml;hrung von erheblichem Wert sein k&ouml;nnte, den Osteurop&auml;ern ein W&auml;hrungschaos ohnegleichen zugemutet hat.<\/p><p>In Teil 2 werde ich mit Friederike Spiecker die wirtschaftliche Lage in der Ukraine n&auml;her beleuchten.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Nachlesen kann man die Papiere, die damals im Verlauf der Beratung entstanden, in dem Buch: Hoffmann, Bofinger, Flassbeck, Steinherr: Kazakstan 1993 &ndash; 2000, Independent Advisors and the IMF, Physica-Verlag 2001 (ist auch auf Russisch erschienen)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Pr&auml;sident Jelzin hatte sich von den westlichen Beratern feste Wechselkurse einreden lassen und versuchte gleichzeitig, mit hohen Zinsen westliches Kapital anzuziehen. Die Folge war eine massive Spekulation mit kurzfristigen russischen Staatsanleihen, bei der die Deutsche Bank wieder ganz vorne dabei war.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von <a href=\"https:\/\/www.relevante-oekonomik.com\/author\/hflassbeck\/\"><strong>Heiner Flassbeck<\/strong><\/a> &ndash; Der Konflikt, mit dem die Welt derzeit in der Ukraine konfrontiert ist, kann nicht verstanden werden, wenn man ignoriert, auf welche Weise &bdquo;der Westen&ldquo; nach dem Fall der Mauer Osteuropa einschlie&szlig;lich Russlands mit einer Wirtschaftslehre &uuml;berzogen hat, die nicht nur ungeeignet war, sondern massiven wirtschaftlichen und politischen Schaden f&uuml;r die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81485\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":81486,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,134,205,30],"tags":[365,589,3182,1950,1337,575,273,1177,259,260,1085,600],"class_list":["post-81485","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-finanzen-und-waehrung","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-inflation","tag-iwf","tag-kasachstan","tag-marktwirtschaft","tag-oligarchen","tag-ostdeutschland","tag-privatvorsorge","tag-rezession","tag-russland","tag-ukraine","tag-wechselkurse","tag-weltbank"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/eKTZ0QRkpIjY6W0m.png","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81485","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=81485"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81485\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81496,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81485\/revisions\/81496"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/81486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=81485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=81485"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=81485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}