{"id":81689,"date":"2022-03-08T13:47:56","date_gmt":"2022-03-08T12:47:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81689"},"modified":"2022-03-08T15:30:23","modified_gmt":"2022-03-08T14:30:23","slug":"verschoben-bis-zum-sanktnimmerleinstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81689","title":{"rendered":"Verschoben bis zum Sanktnimmerleinstag?"},"content":{"rendered":"<p>In Frankreich steht aktuell die Wahl des Pr&auml;sidenten an. Der jetzige Pr&auml;sident Emmanuel Macron, von seinem Volk President de Rich genannt, will es wieder werden. Ob Macron gewinnt, obwohl die Kritik an seiner Amtsf&uuml;hrung und seinen Entscheidungen, oft gegen das Volk getroffen, heftig ist, h&auml;ngt davon ab, dass es m&ouml;glicherweise nicht gelingt, ihm einen Kandidaten einer geeinten Front progressiver Kr&auml;fte gegen&uuml;berzustellen. Einen aussichtsreichen Mann aber gibt es: Jean-Luc M&eacute;lenchon, allein, ihm fehlt der wirklich gro&szlig;e R&uuml;ckhalt weiterer linker und progressiver Kr&auml;fte. Stattdessen schielen rechtsradikale, mindestens reaktion&auml;re Kr&auml;fte nach dem h&ouml;chsten Amt im Land, und die werden eifrig unterst&uuml;tzt vom Gro&szlig;kapital, welches genau wie auch Macron alles beim Alten belassen m&ouml;chte. Das existierende Alte indes &ndash; es ist eine Schande f&uuml;r die Grande Nation, ein Zustand voller Pein, voller Arroganz, voller Heuchelei, ein Wandel hin zum Guten &ndash; der wird verschoben bis zum Sanktnimmerleinstag? Von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Bevor der eigentliche Artikel beginnt, sei hier eine Post von meinem Gespr&auml;chspartner und Experten Sebastian Chwala vorangesetzt, der zeigt, welcher Wind gerade in Frankreich weht in Sachen Pr&auml;sidentschaftswahlkampf. Chwala schreibt: &bdquo;Eine neue Frechheit aus dem franz&ouml;sischen Wahlkampf seitens Emmanuel Macrons gibt es heute zu vermelden. Wie aus dem Umfeld des Amtsinhabers zu vernehmen ist, gedenkt dieser sich keinen TV-Debatten mit seinen 11 Mitbewerbern zu stellen. Diese Formate w&uuml;rden dem Staatschef nicht gen&uuml;gend Raum f&uuml;r die Entwicklung seiner politischen Projekte bieten. Doch ist dies eine ziemlich perfide Ausrede, um sich politisch nicht auf den Zahn f&uuml;hlen lassen zu m&uuml;ssen. Denn bisher liegt &uuml;berhaupt kein Programmentwurf f&uuml;r die n&auml;chste Legislaturperiode vor. Macron versucht aktuell, allein durch seinen Amtsbonus zu punkten und sich der franz&ouml;sischen &Ouml;ffentlichkeit so weit wie m&ouml;glich zu entziehen. Selbst seine Kandidatur erkl&auml;rte er nicht pers&ouml;nlich, sondern in Form einer &uuml;berlangen Presseerkl&auml;rung. Macrons Strategie, sich als unnahbare F&uuml;hrungsperson, die demokratische Kontrollinstanzen verlacht, zu zelebrieren, k&ouml;nnte in der gegenw&auml;rtigen geopolitischen Krisensituation aufgehen, da sich Macron durch die M&ouml;glichkeit, die ihm sein Amt bietet, als Krisenmanager darstellen kann. Zumal alle Umfragen darauf hindeuten, dass die Mehrzahl der Franzosen keine tiefe Verstrickung des Landes in den Krieg in der Ukraine w&uuml;nscht. Au&szlig;erdem haben s&auml;mtliche Rechtskandidaten idelogisch und\/oder finanziell in der Vergangenheit die N&auml;he der russischen F&uuml;hrung gesucht und sind deshalb argumentativ in der Defensive. Dagegen befinden sich der &ldquo;gr&uuml;ne&rdquo; Kandidat Jadot und die Sozialdemokratin Hidalgo verbal auf Eskalationskurs. Beide Kandidaten d&uuml;rften allerdings M&uuml;he haben, &uuml;berhaupt in die N&auml;he der 5-Prozent-Marke zu kommen, wie die kaum besuchten Wahlkampfveranstaltungen der Beiden zeigen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Die gesellschaftliche Lage in Frankreich &ndash; sie ist alles andere als stabil, friedlich, sozial, verbindend, zukunftsorientiert. Viele Menschen k&auml;mpfen sich in unserem Nachbarland (so wie zunehmend auch bei uns und in vielen L&auml;ndern Europas) Tag f&uuml;r Tag durch, um ihren Lebensstandard zu sichern, irgendwie w&uuml;rdevoll zu halten, im schlimmeren Fall wenigstens nicht ganz abzust&uuml;rzen. Diese Lage zu verbessern, daf&uuml;r stehen an und f&uuml;r sich der Pr&auml;sident des Landes, die weiteren Entscheidungstr&auml;ger, die dazu geschaffenen Gesetze und Regeln, das zum Wohl des Volkes get&auml;tigte Wirken der M&auml;chtigen. Eigentum verpflichtet, Macht verpflichtet. Allein &ndash; er ist nicht vorgesehen: der gro&szlig;e Wurf f&uuml;r ein wirkliches Aufatmen bei den einfachen Menschen des Landes. Aufgeatmet, gejubelt und gefeiert wird vor allem bei den Reichen, dessen Pr&auml;sident Macron ist und es wom&ouml;glich bleibt. Es hat ja enorme Vorteile, in deren Lage zu sein. Allein ist es mir vollkommen unverst&auml;ndlich, wie ein reicher, einflussreicher, sch&ouml;ner, chicer Mensch in Paris sein Gl&uuml;ck finden kann, wenn er neben sich mehr und mehr Menschen sieht, denen es schlecht geht.<\/p><p>Gegen den Wahnsinn, der zunehmend in Schwung kommt, ist trotz allem und mutigerweise landauf landab Samstag f&uuml;r Samstag zu erleben, wie viele Menschen auf die Stra&szlig;e gehen, demonstrieren, protestieren, sich solidarisieren, eingebunden in die Bewegung der Gelbwesten (das Kleidungsst&uuml;ck, das zu jeder Ausr&uuml;stung eines Autos geh&ouml;rt und weithin sichtbar ist). Die Westen sind zum Symbol geworden, zum Signal, welches aufleuchtet: Vielerorts ist zu h&ouml;ren: &bdquo;Nein zu diesen Verh&auml;ltnissen!&ldquo;<\/p><p>Plakativ aufgez&auml;hlt sind es unter anderem diese, die Protest hervorrufen: hohe Mieten, hohe Lebenshaltungskosten, schrittweise Beschneidung der Arbeitnehmerrechte, schlechte Behandlung von Alten, K&uuml;rzungen in sozialen und kulturellen Bereichen, w&auml;hrend die Liste der Verm&ouml;genden gr&ouml;&szlig;er wird und deren Verm&ouml;gen immer ausufernder ger&auml;t. Die Ausweitung der Befugnisse des Pr&auml;sidenten &ndash; gerade in der immer noch andauernden Covid-Krise wird durchregiert, bis die Schwarte kracht &ndash; macht die Menschen auf der Stra&szlig;e noch w&uuml;tender. Macron und seine Regierung agiert. Inklusive Dem&uuml;tigung, Erpressung, Ausgrenzung und Existenzgef&auml;hrdung von Kritikern, Gegnern und Skeptikern versus die vielf&auml;ltigen Ma&szlig;nahmen bis hin zum verhassten Pass Sanitaire &ndash; der Impfpass, welcher die Eintrittskarte zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ist. In Frankreich wird der &uuml;beraus hart und unbarmherzig umgesetzt, auch wenn es im Alltag scheint, als tr&uuml;gen die meisten Franzosen diese Politik mit, es ist eher die Resignation und die Ohnmacht, die es erm&ouml;glicht. Es geh&ouml;rt zum b&ouml;sen Drama, auch zu sagen, wie brutal die Macht durch Macrons Infrastruktur durchgedr&uuml;ckt wurde und wird, dies schon mal mit Sonderpolizei (Gendarmerie und CRS-ORDNUNGSPOLIZEI) in Form zum Beispiel massiver Gewalt gegen Demonstranten. Selbst ge&auml;chtete Waffen kommen da zum Einsatz, das Zielen der Sch&uuml;tzen auf die Gesichter der Demonstrierenden mit der Absicht, Augen zu treffen und zu verletzen, eingeschlossen. Ein Beitrag (von vielen) &ndash; hier von der TAZ &ndash; beschreibt die Brutalit&auml;t, die bisher zu keinen Konsequenzen f&uuml;r die T&auml;ter und Befehlsgeber &ndash; einschlie&szlig;lich Macron &ndash; f&uuml;hrten.<\/p><blockquote><p>\n<em>Polizeigewalt in Frankreich <\/em><br>\n<em>H&auml;nde zerfetzt, Augen weg<\/em><br>\n<em>Mit Tr&auml;nengasgranaten und Hartgummigeschossen maltr&auml;tiert Frankreichs Polizei Demonstranten. Regeln werden missachtet <\/em> (TAZ)\n<\/p><\/blockquote><p>Auszug aus dem Artikel:<\/p><blockquote><p>\n<em><strong>Fotograf die Hand abgerissen<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Am Samstag hat indes ein weiterer Demonstrant bei der Explosion einer Polizeigranate eine Hand verloren, er wurde zudem am Kopf verletzt. Der 30-j&auml;hrige Schlosser S&eacute;bastien M. war als Fotograf der Gilets jaunes ganz vorn dabei, als ein paar Hitzk&ouml;pfe eine f&uuml;r Renovierungsarbeiten dienende Bretterwand vor dem Geb&auml;ude der Nationalversammlung zu demontieren versuchten. Die Polizei antwortete mit Tr&auml;nengasgranaten.<\/em><\/p>\n<p><em>Hat S&eacute;bastien M. eine dieser Granaten in die Hand genommen, oder wurde er direkt getroffen? Laut Augenzeugen waren seine Verletzungen schrecklich. Eine Untersuchung soll nun kl&auml;ren, wie und warum er vermutlich von einer Granate vom Typ GLI-F4 verletzt wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Diese wird in Europa nur von Frankreichs Polizei bei Kundgebungen verwendet. Sie enth&auml;lt 25 Gramm TNT, damit bei der Detonation nicht nur das Tr&auml;nengas entweicht, sondern auch ein gewaltiger Knall erzeugt wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Einmalig in Europa<\/em><\/p>\n<p><em>Auch der Einsatz von Hartgummigeschossen durch Frankreichs Polizei wird aufgrund der zahlreichen Verletzungen heftig kritisiert. Diese werden aus Waffen des Typs LBD-40 abgefeuert und unterscheiden sich vom in anderen L&auml;ndern bekannten Gummischrot.<\/em><\/p>\n<p><em>Laut Vorschrift d&uuml;rfen die Patronen mit 4 Zentimeter Durchmesser nicht auf Kopfh&ouml;he und nicht auf kurze Distanz verschossen werden. Diese Regel wird aber, wie auf Videos zu sehen ist, st&auml;ndig missachtet.<\/em><\/p>\n<p><em>Laut dem Magazin <em>Nouvel Obs <\/em>wurden diese &bdquo;Hartgummi-Granatwerfer&ldquo; in der &uuml;berwiegenden Zahl von rund 9.000 registrierten F&auml;llen auch nicht von darauf spezialisierten Einheiten der Gendarmerie oder CRS-Ordnungspolizei eingesetzt, sondern von aus diversen Polizeibeamten gebildeten Adhoc-Formationen.<\/em><\/p>\n<p><em>Falsche Munition im Einsatz<\/em><\/p>\n<p><em>Au&szlig;erdem verwendet die franz&ouml;sische Polizei laut Angaben von Br&uuml;gger &amp; Thomet, dem Schweizer Hersteller der LBD-40 (auch als GL06 angeboten), nicht die mit gesch&auml;umtem Kunststoff versehene Originalmunition &bdquo;SIR&ldquo;, sondern ein Produkt der Konkurrenz.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf taz-Anfrage erkl&auml;rt der Waffenfabrikant: &bdquo;Bei Nutzung von Munition von Drittherstellern kann die Pr&auml;zision beeintr&auml;chtigt werden und das Verletzungsrisiko steigt signifikant.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p><em>Trotz aller Einw&auml;nde hat Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht vor wenigen Tagen eine Klage der Menschenrechtsliga gegen die LBD-40 abgewiesen und damit f&uuml;r deren weiteren Einsatz gr&uuml;nes Licht gegeben.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dem nicht genug, was so alles im Land von &bdquo;Freiheit, Gleichheit, Br&uuml;derlichkeit&ldquo; (franz&ouml;sisch <em><strong>Libert&eacute;<\/strong><\/em>, <em><strong>&Eacute;galit&eacute;<\/strong><\/em>, <em><strong>Fraternit&eacute;<\/strong><\/em>)  m&ouml;glich ist, beweist sich mit derlei Ereignissen: W&auml;hrend der Lockdowns zeigten sich Uniformierte &uuml;beraus aktiv und brutal gegen&uuml;ber B&uuml;rgern, die sich mutma&szlig;lich nicht an Regeln hielten, Rassismus inklusive: Man erinnert sich an den <a href=\"https:\/\/loopsider.com\/fr\/video\/la-folle-scene-de-violences-policieres\">&Uuml;bergriff<\/a> der Polizei auf einen schwarzen Musiker, der vor dem Haus seiner Wohnung zusammengeschlagen wurde. ..<\/p><p><em><strong>Was war geschehen?<\/strong><\/em><\/p><p><em>In einem Interview mit dem franz&ouml;sischen Nachrichtenmagazin <\/em><a href=\"https:\/\/loopsider.com\/fr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Loopsider<\/a><em> berichtete Michel, dass er in das Studio gegangen sei, nachdem er vor der T&uuml;r ein Polizeiauto gesehen habe. Er hatte sich zuvor unsicher gef&uuml;hlt, da er sich auf der Stra&szlig;e ohne Atemschutz-Maske aufgehalten habe, die in Frankreich aufgrund der Corona-Pandemie &uuml;berall getragen werden muss. Die Aufnahmen zeigen, wie die T&uuml;r des Studios aufgebrochen wird, worauf Michel von zwei Polizisten auf engstem Raum geschlagen und getreten wird und das &uuml;ber mehrere Minuten hinweg. W&auml;hrenddessen soll der Produzent rassistisch beleidigt worden sein. Verstanden habe er S&auml;tze wie: &bdquo;Du schmutziger N***a.&ldquo;<\/em><\/p><p>Nun also geht es zur Wahl. Wahlen sollten ja etwas &auml;ndern. W&auml;re ich Franzose, ich w&auml;re genau wie viele Menschen in dem sch&ouml;nen, unseren Nachbarland ern&uuml;chtert, ohnm&auml;chtig, w&uuml;tend und mir bewusst: es &auml;ndert sich nichts, auch die kommenden f&uuml;nf Jahre nicht. K&ouml;nnte man meinen. Es wird durchaus so sein, dass der aktuell amtierende und unbeliebte Emmanuel Macron weitere Jahre agieren darf, dar&uuml;ber wird in Medien der gro&szlig;en Gazetten, TV und Rundfunksender frohlockt. Was Wunder, ist er einer von ihnen. Macron will es nochmal wissen, selbstbewusst bis selbstgef&auml;llig h&auml;lt er sich gar dazu bef&auml;higt, Jahrhundertherausforderungen zu stemmen.<\/p><p>Der Deutschlandfunk brachte dazu passend aktuell die Nachricht, die zugleich Macrons Botschaft, ja Eitelkeit und Arroganz verk&uuml;ndet:<\/p><blockquote><p>\n<em>Frankreichs Pr&auml;sident Emmanuel Macron (AP \/ dpa \/ Jean-Francois Badias)<\/em><br>\n<em>Dies k&uuml;ndigte er in einem Brief an die Franzosen an. Er sei Kandidat, um eine franz&ouml;sische und europ&auml;ische Antwort auf die Herausforderungen des Jahrhunderts zu finden, schreibt Macron. Der Brief wurde zun&auml;chst von Regionalzeitungen online ver&ouml;ffentlicht.<\/em><br>\n<em>Morgen endet die Frist f&uuml;r Bewerberinnen und Bewerber um das Pr&auml;sidentenamt, bis zu der sie die n&ouml;tigen 500 Unterschriften von B&uuml;rgermeistern und Abgeordneten f&uuml;r ihre Kandidatur gesammelt haben m&uuml;ssen. Gew&auml;hlt wird am 10. und 24. April. In Umfragen liegt Macron seit Wochen deutlich vor der Rechtspopulistin Le Pen und dem rechtsextremen Politiker Zemmour. Nach derzeitigem Stand k&ouml;nnten Macron und Le Pen wie bereits 2017 in einer Stichwahl gegeneinander antreten.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Interessant wie entlarvend ist, dass die Geschichten von staatlich angeordneter Gewalt &ndash; siehe taz und Video &ndash; und die DLF-Aussage zu &bdquo;Macron &ndash; &hellip; sei ein Kandidat, um eine franz&ouml;sische und europ&auml;ische Antwort auf die Herausforderungen des Jahrhunderts zu finden&ldquo; &ndash; in Gegen&uuml;berstellung einen Angst machenden Widerspruch ergibt und die Frage aufwirft: &bdquo;Kann so ein Mann mit dem Hang zu Gewalt und Machtmissbrauch eine europ&auml;ische Antwort geben &ndash; Europa, der Kontinent der Menschen und V&ouml;lker, des Friedens, der Werte usw.?<\/p><p>Der Wahlkampf in Frankreich, f&uuml;r deutsche Beobachter wirkt der wie ein einerseits transparentes Schaulaufen, andererseits wie ein innerfranz&ouml;sisch scheindemokratischer Akt, scheinen die Karten doch schon verteilt, was die Chancen f&uuml;r den Einzug in den Elysee anbelangt. Macron ist kein Mann aus dem Volk, er stammt aus den Kadern der Elite-Unis und feinen Internate. Ein Mann aus dem Volk &ndash; seit zig Jahren ist das keine Option f&uuml;r das wichtigste Amt im Staat. <em><strong>Libert&eacute;<\/strong><\/em>, <em><strong>&Eacute;galit&eacute;<\/strong><\/em>, <em><strong>Fraternit&eacute;<\/strong><\/em> &ndash; die drei Versprechensworte stehen w&uuml;rdevoll an Eingangsportalen wichtiger Geb&auml;ude das Landes, als Deutscher staunt man schon mal im Vorbeigehen &uuml;ber solche Versprechen und m&ouml;chte die Atmosph&auml;re f&uuml;r wahr halten, dass sie in Frankreich auch gelebt werden. Gehalten werden sie nicht, stellt man dann aber immer wieder in Frankreich fest.<\/p><p>Der Frankreich-Kenner Dr. Sebastian Chwala, ein Politologe und Philosoph, macht er sich wie ich so seine Gedanken &hellip; Er beobachtet schon lange die franz&ouml;sische Gesellschaft und gerade den Verlauf des Wahlgeschehens. Er konstatiert &uuml;ber die Umfragen: &bdquo;Die neueste Umfrage des CEVIPOF-Instituts f&uuml;r die erste Runde der Pr&auml;sidentschaftswahlen in Frankreich am 10. April ist interessant und aufschlussreich. Im Gegensatz zu den kommerziellen Meinungsforschungsinstituten ist das CEVIPOF eine wissenschaftliche Einrichtung. Der allgemeine Trend der Projektion dieses Instituts sieht aktuell Macron und M&eacute;lenchon im Aufwind, w&auml;hrend die &uuml;brigen Kandidaten stagnieren oder sinkende Werte aufweisen. Die in dieser Umfrage hier ausgewiesenen Werte f&uuml;r Marine Le Pen sind die niedrigsten aller verf&uuml;gbaren Daten von Umfrageinstituten, entspr&auml;che aber der negativen Tendenz des RN in den letzten beiden Jahren.&ldquo;<\/p><p>Was Chwala positiv stimmt, ist, dass M&eacute;lenchon zulegt, dass seine Werte steigen, dass er sehr aktiv im ganzen Land unterwegs ist und viele Menschen erreicht. Sebastian Chwala gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten: &bdquo;Am vergangenen Wochenende weilte er in Lyon und es kamen mehrere tausend Besucher zu seiner Wahlkampfveranstaltung.&ldquo;<\/p><p>Chwala beobachtet auch: &bdquo;In Frankreich geht der Protest gegen die herrschende Covid-Politik und die neuerlichen Versch&auml;rfungen weiter. Macrons Beleidigungen gegen jene Menschen, die sich bisher nicht f&uuml;r eine Impfung entscheiden konnten, d&uuml;rften mit dazu beigetragen haben, dass die Beteiligung an den Protesten nach den Feiertagen wieder deutlich angezogen hat. Es bleibt aktuell, die KERNFORDERUNG DER GELBWESTENBEWEGUNG lautet: Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Besch&auml;ftigten.&ldquo; <\/p><p>Der Experte weist darauf hin, dass es bedrohliche Tendenzen im Wahlkampf g&auml;be. So stellte sich zum einen die extreme Rechte Marine Le Pen als moderat dar. Macron gibt derweil den Staatsmann, der seinen Gesch&auml;ften nach und somit unbequemen Wahldebatten aus dem Weg geht. Und dann steht mit Eric Zemmour ein gef&auml;hrlicher Mann auf der B&uuml;hne. Chwala: &bdquo;Zemmours Wahlkampftruppen bauen allerdings an der Basis nicht nur auf die Unterst&uuml;tzung von vorbestraften, offen faschistischen Kameradschaften. Viel wichtiger ist Zemmours Unterst&uuml;tzung durch das rechtskonservative verm&ouml;gende B&uuml;rgertum, das seit Monaten eifrig die finanziellen Mittel f&uuml;r den teuren Wahlkampf zuschie&szlig;t. Anw&auml;lte, Hedgefondmanager und nicht zuletzt der Medienunternehmer Bollor&eacute;, der Zemmour &uuml;ber sein Sendernetzwerk erst gro&szlig; gemacht und dieses sukzessive zu einem weit rechts stehenden Propagandanetz umgebaut hat, stehen hinter ihm.&ldquo;<\/p><p>Zemmour ist bei den Eliten beliebt. Warum? Er fordert Steuersenkungen, Abgabebefreiungen f&uuml;r Reiche. Er fordert die R&uuml;cknahme einer Verpflichtung f&uuml;r franz&ouml;sische Gemeinden, mindestens 20 Prozent des verf&uuml;gbaren Wohnraums in sozial gef&ouml;rderter Form bereitzustellen. Zemmour &bdquo;gl&auml;nzt&ldquo; mit Polemik gegen Minderheiten und Migranten. Klimapolitik steht ebenso nicht auf der Liste der notwendigen Aufgaben f&uuml;r die n&auml;chsten f&uuml;nf Jahre. <\/p><p>Was erschreckend zu beobachten ist, und das ist kein franz&ouml;sisches Ph&auml;nomen: die aussichtsreichen Kandidaten von Macron, Le Pen bis Zemmour haben alle nicht auf dem Schirm, die soziale Krise im Land zu l&ouml;sen, sie sehen diese nicht als eine Krise, sie sehen sie vielmehr als Druckmittel von Oben nach Unten. Allein der Gedanke, beispielsweise mittels einer Erh&ouml;hung der Abgaben von Reichen eine Umverteilung und Entspannung der gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse zu erzielen, wird vermieden wie das Weihwasser vom Teufel. <\/p><p>Chwala beschreibt, wie reaktion&auml;re Politiker ticken: &bdquo;Le Pen stellt die Existenzangst der Menschen in den Mittelpunkt ihrer Agitation. Demzufolge verspricht sie Steuersenkungen auf alle G&uuml;ter des Grundbedarfs, sowie Erh&ouml;hungen gewisser Sozialleistungen und Renten. Davon ausgenommen sind allerdings Erwerbslose, diese sind Teil des Feindbildes von Le Pens Fraktion. Der neue finanzielle Spielraum des Staates soll vor allen Dingen durch den Kampf gegen &bdquo;Betrug und Migration&ldquo; gewonnen werden. Dass Erwerbslosigkeit und migrantischer Background nicht selten zusammenfallen, ist kein Geheimnis. Somit setzt der Rassemblement National die alte Front-National-Linie, nach der Zuwanderung letztendlich f&uuml;r alles gesellschaftliche &Uuml;bel verantwortlich ist, fort. Das erfolgt mit dem Unterschied, dass durch die Anerkennung der Existenz&auml;ngste der unteren sozialen Gruppen ein Interesse an Wirtschafts- und Sozialreformen vorgegaukelt wird. Letztendlich sollen diese &Auml;ngste allerdings kanalisiert werden, indem noch schw&auml;chere S&uuml;ndenb&ouml;cke gesucht werden. Kapitaleigner werden, wie sollte es rechtsau&szlig;en auch anders sein, nicht in st&auml;rkere soziale Verantwortung genommen.&ldquo;<\/p><p>Es k&ouml;nnte dennoch spannend werden. So gibt es Neues aus Frankreich: Die ehemalige Pr&auml;sidentschaftskandidatin der Sozialdemokraten aus dem Jahr 2007, S&eacute;gol&egrave;ne Royal, forderte die offizielle Kandidatin der Partei auf, ihre Kandidatur zur&uuml;ckzuziehen. Gleichzeitig bezeichnet sie die Wahl Jean-Luc M&eacute;lenchons als einzige sinnvolle M&ouml;glichkeit. Royal geh&ouml;rt eigentlich eher zum rechten Fl&uuml;gel der Partei, zeichnete sich in der Vergangenheit allerdings auch oft genug durch opportunistische Wendungen aus. <\/p><p>Der Politologe Sebastian Chwala beobachtet im Zustand der Linken in Frankreich, dass die in einem &uuml;beraus engagierten Diskurs stehen, um die Herausforderungen anzunehmen, eine bessere Gesellschaft auf den Weg zu bringen: &bdquo;Die Linke hat viele Transformationen erfahren. Bildeten einst reformorientierte b&uuml;rgerliche Kr&auml;fte ihren Kern, r&uuml;ckten diese aus Furcht, ihre mitunter kleinen materiellen Vorteile gegen&uuml;ber der politisch aufstrebenden Arbeiterklasse zu verlieren, nach rechts. Ressentiments gegen&uuml;ber Erwerbslosen und migrantischen Gruppen fanden sich auch immer unter sozial etablierteren Arbeitern, die sich wahlweise &uuml;ber die Alimentierung von Arbeitsverweigerung oder &uuml;ber Schmutzkonkurrenz emp&ouml;rten. Diese Angst konnte politisch umso mehr bedient werden, je mehr die alten Linksparteien durch die Ver&auml;nderung der &ouml;konomischen und kulturellen Rahmenbedingungen unter Druck gerieten. Heutzutage erscheint daher die gegenw&auml;rtige politische Linke oftmals als wenig attraktiv oder zug&auml;nglich f&uuml;r viele Menschen, die nicht durch pers&ouml;nliche Bindungen &uuml;ber eine Bezug zur Traditionspflege der Strukturen verf&uuml;gen. Doch allzu h&auml;ufig verlangen Linke, dass die h&auml;ufig eher nach innen gerichteten und entsprechend kodifizierten theoretischen und strategischen Debatten auch von potentiellen B&uuml;ndnispartnern ebenso als Grundlage des Denkens akzeptiert werden.&ldquo; <\/p><p>Chwala beobachtet, dass statt einer Verabsolutierung des &bdquo;Geistes&ldquo; der politischen Praxis Raum einger&auml;umt werden m&uuml;sse. Die moderne Linke befindet sich noch in einer Art Defensive. Chwala: &bdquo;Und das, obwohl sich die Eliten und die politischen Entscheidungstr&auml;ger die Entscheidungen stets einseitig zu Lasten der breiten Masse f&auml;llen und sich damit von den Erwartungen einer Mehrheit der Gesellschaft mehr denn je entfremden.&ldquo;<\/p><p>Die Gegenwartslinke muss diese Sorgen aufnehmen und die zentralen Fragen, wie die soziale Absicherung und somit die Gleichberechtigung der sozial dominierten gesellschaftlichen Gruppen, in das Zentrum ihrer Politik stellen und darf sich nicht an abstrakten Nebenwiederspr&uuml;chen aufreiben, so der Experte. &bdquo;Politische Theorie muss sich immer auch an der Praxis messen lassen. Ein tieferes theoretisches Verst&auml;ndnis der kapitalistischen Verh&auml;ltnisse wird dann notwendig, wenn die bestehenden gesellschaftlichen und ideologischen Machtverh&auml;ltnisse Reformbestrebungen aufhalten, weil zu allem Verdru&szlig; viele Menschen sich aus ihrer ideologischen Befangenheit nicht l&ouml;sen k&ouml;nnen. Dennoch m&uuml;ssen Linke bereit sein, Formen ganz unterschiedlichen Bewusstseins in ihren Reihen zu akzeptieren und Freir&auml;ume auch f&uuml;r voluntaristische Aktivit&auml;ten zu schaffen. Dabei sollte nicht auf die Einhaltung der Enge der b&uuml;rokratischen Str&auml;nge klassischer Linksparteien gepocht werden. Zu guter Letzt sei darauf verwiesen, dass es nat&uuml;rlich Ziel linker Politik sein muss, die Machtfrage zu stellen. Dabei muss es allerdings darum gehen, diese auch gestalten zu k&ouml;nnen.&ldquo; <\/p><p>Der linke Kandidat Jean-Luc M&eacute;lenchon und sein Team sind jedenfalls enorm engagiert. Es ist mehr als je zuvor in der j&uuml;ngeren Geschichte Frankreichs notwendig, sich der Zementierung der Praxis demokratiefeindlicher, menschenfeindlicher Politik entgegenzustellen. <\/p><p>Chwala berichtet &uuml;ber das Wahlprogramm des Kandidaten. Der Politologe kritisiert, dass hierzulande, in der Bundesrepublik, wenig bis nichts berichtet wird, ganz so, als sei es ausgemachte Sache, dass der &bdquo;Europ&auml;er und gro&szlig;e Freund Frankreichs&ldquo;, Macron, die Wahl schon schaukeln wird. Doch so einfach sollte es nicht werden. Chwala: Hier eine (kurze) Zusammenfassung des Wahlprogramms von Jean-Luc M&eacute;lenchon f&uuml;r die Pr&auml;sidentschaftswahlen. Im Kern handelt es sich bei diesem Programm um eine erg&auml;nzte und erweiterte Version des schon f&uuml;r M&eacute;lenchons Wahlkampagne 2017 ver&ouml;ffentlichten Manifests &bdquo;L`avenir en commun&ldquo; (Die gemeinschaftliche Zukunft).<\/p><p>Viele Punkte behalten ihre G&uuml;ltigkeit und finden beinahe wortgleich Eingang in das neue Wahlmanifest. Dies gilt insbesondere f&uuml;r die Au&szlig;en-, Europa- und Sicherheitspolitik. Hier dr&auml;ngt M&eacute;lenchon weiterhin darauf, dass Frankreich in Zukunft wieder eine eigenst&auml;ndige Politik verfolgen m&uuml;sse. Die Mitgliedschaft in der NATO wird infrage gestellt und die Ablehnung der Expansion der milit&auml;rischen Pr&auml;senz der &bdquo;westlichen&ldquo; Gro&szlig;m&auml;chte sowie die Schaffung anti-chinesischer Milit&auml;rb&uuml;ndnisse stark angedeutet (hier ist M&eacute;lenchon bei seinen Medienauftritten allerdings in der Sache deutlich klarer, als im Programm formuliert). Wie nicht anders zu erwarten, stellt sich &bdquo;L`avenir en commun&ldquo; weiterhin klar gegen eine US-dominierte Au&szlig;en- und Milit&auml;rpolitik und verspricht im Falle eines Wahlsieges M&eacute;lenchons eine Neuorientierung globaler Zusammenarbeit auf Basis &bdquo;anti-neoliberaler&ldquo; Grunds&auml;tze. So fordert das Programm einen Abzug aller franz&ouml;sischen Truppen vom afrikanischen Kontinent und eine Aufarbeitung von Verbrechen von Angeh&ouml;rigen der franz&ouml;sischen Streitkr&auml;fte. Auch die hierarchischen und auf Ungleichheit bestehenden &ouml;konomischen und monet&auml;ren Verh&auml;ltnisse sollen &uuml;berwunden werden.<\/p><p>In diesem Zusammenhang muss auf die Positionen zum Umgang mit Fl&uuml;chtlingen verwiesen werden. Das Wahlprogramm spricht sich nicht f&uuml;r eine Politik der dauerhaften &bdquo;offenen Grenzen&ldquo; aus, sondern fordert die Schaffung von Lebensbedingungen, welche Fluchtbewegungen unn&ouml;tig machen. Allerdings fordert &bdquo;L`avenir en commun&ldquo; eine Aufnahme und Legalisierung aller aktuell in Frankreich lebenden illegalen Migranten. Die legalen Fluchtgr&uuml;nde sollen erweitert werden (Klima). Zudem soll der Zugang zur Staatsb&uuml;rgerschaft erleichert, aber auch das Wahlrecht f&uuml;r in Frankreich lebende Ausl&auml;nder eingef&uuml;hrt werden. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r das Verh&auml;ltnis zur Europ&auml;ischen Union nach einem Wahlsieg. Hier wird offen angek&uuml;ndigt, dass weiterhin der konsequente Konflikt gesucht werde, sollte es nach Verhandlungen und Gespr&auml;chen nicht m&ouml;glich sein, eine Akzeptanz der franz&ouml;sischen Standpunkte zu erreichen. M&eacute;lenchon pl&auml;diert hier f&uuml;r eine &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; (meine Worte !), die sich den wirtschaftsliberalen Interessen der EU entgegenstellen soll. Ein Austrittsszenario wird allerdings nicht mehr explizit durchgespielt. Relevant bleibt aber die alte franz&ouml;sische Idee einer vertieften Zusammenarbeit im Mittelmeer-Raum, die &uuml;ber eine verst&auml;rkte kulturelle Zusammenarbeit vertieft werden soll.<\/p><p>Das zentrale Thema, das sich durch das Programm zieht, ist die &Ouml;kologie und die Klimakrise. &bdquo;L`avenir en commun&ldquo; betont immer wieder, dass die Menschheit an einem Scheidepunkt angelangt sei. So k&ouml;nnen die richtigen Weichen nur gestellt werden, wenn gezielt in die Verf&uuml;gungsmacht der gro&szlig;en Konzerne eingegriffen und von Seiten des franz&ouml;sischen Staates in gro&szlig;em Stil Wirtschaftsplanung betrieben werde. Dabei sollen stark solidarische und genossenschaftliche Strukturen gest&auml;rkt werden. Gro&szlig;konzerne sollen &uuml;ber scharfe Regulierungen zur Einhaltung von Klimazielen gezwungen werden, wenn sie nicht ohnehin durch eine rechtliche Neuregelung, die zentral wichtige franz&ouml;sische Wirtschaftsunternehmen zu einer Art nationalem Erbe erkl&auml;ren, direkt unter die Kontrolle des Staates fallen.<\/p><p>Dass demzufolge alle &bdquo;Reformprojekte&ldquo; Macrons nach einem Wahlsieg sofort wieder au&szlig;er Kraft gesetzt werden sollen, versteht sich dabei von selbst. Eine &bdquo;M&eacute;lenchon-Administration&ldquo; will allerdings auch die Polizei entwaffnen und eine zivile Kontrollbeh&ouml;rde schaffen. Wichtiger sind allerdings die sozialen Forderungen. Niemand soll mehr unter die Armutsgrenze fallen und Zeiten der Erwerbslosigkeit f&uuml;r die Rentenberechnung anerkannt werden. Ohnehin plant man, Anspr&uuml;che auf Leistungen der Sozial- und Arbeitslosenversicherung auf Menschen ohne eigentliche Leistungsberechtigung auszudehnen, besonders bei Fort- und Weiterbildungen. Zudem sollen Erwerbslose das Recht auf eine regelm&auml;&szlig;ige halbj&auml;hrige arbeitsmedinzische Untersuchung erhalten. Im gro&szlig;en Stil soll sozialer Wohnungsbau entstehen. Die Dichte des Angebots &ouml;ffentlicher und infrastruktureller Dienstleistungen soll so definiert werden, dass diese von allen Menschen erreicht werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Da sich LFI als Erbe des Geists der Aufkl&auml;rung sieht, verwundert es nicht, dass Bildung als eine zentrale Achse des umrissenen politischen Projekts angesehen wird. Hier sollen die Kapazit&auml;ten in allen Bereichen ausgebaut werden. Private Investoren im Bildungsbereich werden abgelehnt. Zwar definiert LFI auch Zielvorstellungen f&uuml;r die nichtakademische Berufsausbildung. Doch auch hier strebt man an, dass die H&uuml;rden f&uuml;r verl&auml;ngerte Bildungskarrieren deutlich zu senken sind.<\/p><p>Alles dies tr&auml;gt dazu bei, den von M&eacute;lenchon und den zentralen Akteuren angestrebten &Uuml;bergang in eine &bdquo;6. Republik&ldquo; verwirklichen zu k&ouml;nnen. Die Wahl einer &bdquo;verfassungsgebenden Versammlung&ldquo;, die innerhalb von zwei Jahren eine neue Verfassung ausarbeiten soll und deren Mitglieder keine aktiven oder gewesenen Parlamentarier sein d&uuml;rfen, steht nach wie vor an allererster Stelle in diesem Wahlprogramm. Nat&uuml;rlich schlie&szlig;en sich andere Zielsetzungen an, die, wie M&eacute;lenchon es in der Einleitung sinngem&auml;&szlig; formuliert, das Gemeinwesen wieder mit den B&uuml;rger vers&ouml;hnt. So sollen Staatsvertreter, welche in die freie Wirtschaft wechseln, ihre Ausbildungskosten zur&uuml;ckzahlen, um den Lobbyismus zur&uuml;ckzudr&auml;ngen. Zudem lieb&auml;ugelt man mit einer R&uuml;ckkehr von Schwurgerichten als Beteiligung der B&uuml;rger am Justizsystem. Weiterhin muss in diesem Zusammenhang auch der von mir bereits 2017 kritisierte Plan erw&auml;hnt werden, alle Franzosen zu einem 9-monatigen sozialen Pflichtdienst, der auch milit&auml;rische Komponenten enthalten soll, heranzuziehen. Die Bezahlung soll der H&ouml;he des Mindestlohns entsprechen.<\/p><p>Obwohl also traditionelle patriotische Momente nicht fehlen, erkennt &bdquo;L`avenir en commun&ldquo; die Notwendigkeit einer Dezentralisierung der von Republikanern gerne hochgehaltenen Zentralit&auml;t und Einheitlichkeit des Staatsgebietes an. Insbesondere die &Uuml;berseegebiete sollen dadurch gr&ouml;&szlig;ere Anerkennung erhalten, sodass lokale Sprachen, Geschichte und Traditionen Gewicht im Alltagsleben erhalten sollen. Zudem sollen dort Quoten f&uuml;r Arbeitsverh&auml;ltnisse im &ouml;ffentlichen Dienst eingef&uuml;hrt werden, die sicherstellen, dass die Gebiete nicht von Beamten aus dem Mutterland v&ouml;llig &bdquo;&uuml;berfremdet&ldquo; werden. Zudem m&uuml;ssen sich Staatsvertreter aus Kernfrankreich Pflichtkurse &uuml;ber die historischen und sozialen Bedingungen der Region, in die sie entsandt sind, belegen.<\/p><p>Sicherlich habe ich in dieser &Uuml;bersicht einige wichtige Dinge vergessen (ach ja, die Legalisierung und Dekriminalisierung des Cannabiskonsums steht auch 2021 im Programm), ich m&ouml;chte an dieser Stelle allerdings erst einmal zum Schluss kommen. Weiteren Debatten und Diskussion zum Thema steht ja nichts im Weg.&ldquo;<\/p><p>Titelbild: Frederic Legrand &ndash; COMEO\/shuterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Frankreich steht aktuell die Wahl des Pr&auml;sidenten an. 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