{"id":8176,"date":"2011-02-01T09:13:12","date_gmt":"2011-02-01T08:13:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8176"},"modified":"2014-11-18T09:39:33","modified_gmt":"2014-11-18T08:39:33","slug":"der-streit-um-die-frauenquote-ein-wahlkampfgetoese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8176","title":{"rendered":"Der Streit um die Frauenquote: Ein Wahlkampfget\u00f6se"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen Ursula von der Leyen und Kristina Schr&ouml;der scheint es heftigen Zoff zu geben. Die Sozialministerin pocht auf die Einf&uuml;hrung einer festen 30-Prozent-Quote f&uuml;r Frauen in F&uuml;hrungspositionen, die Frauenministerin ist f&uuml;r eine &ldquo;<a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/domesticNews\/idDEBEE70U0DN20110131\">gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung<\/a>&ldquo;, also f&uuml;r Freiwilligkeit per Gesetz.<br>\nEs geh&ouml;rt zu den &auml;ltesten Tricks aus der Mottenkiste von Wahlk&auml;mpfern, einen Streit zu inszenieren bei dem man das Interesse einer gro&szlig;en Gruppe von W&auml;hlern auf die eigene Partei lenkt und bei dem innerhalb dieser Partei die kontroversen Standpunkte vertreten werden. Das soll zeigen dass man in der CDU um dieses Thema ringt. Das lenkt von unangenehmen Themen ab. Das macht die Streitenden bekannter und man kann sicher sein, dass kein Schaden entsteht, weil n&auml;mlich nichts daraus folgt. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n&ldquo;Wir sind im Augenblick, was Frauen in den F&uuml;hrungspositionen angeht, auf H&ouml;he mit Indien, hinter Russland, hinter Brasilien, hinter China &ndash; mit anderen Worten, es ist wirklich an der Zeit, dass sich in diesem Land auch etwas &auml;ndert&ldquo;, f&auml;hrt von der Leyen ein gro&szlig;es Gesch&uuml;tz auf.<br>\nDie Freiwilligkeit einer individuellen Frauenquote je nach Gr&ouml;&szlig;e einer Firma per Gesetz, sei eine marktwirtschaftliche L&ouml;sung,  &ldquo;die auf den Wettbewerb zwischen den Unternehmen setzt und eben keine staatliche Einheitsquote quer &uuml;ber alle Branchen&ldquo; h&auml;lt Schr&ouml;der dagegen. Die CSU hat endlich auch wieder ein Thema gefunden, mit dem sie ihr Frauenbild mit &bdquo;Kinder, K&uuml;che, Kirche&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/regional\/muenchen\/dpa\/2011\/01\/31\/csu-gegen-gesetzliche-frauenquote-fuer-unternehmen.html\">mal wieder bekr&auml;ftigen kann<\/a>. Und die FDP kann mit der Warnung vor einem Eingriff in die Vertragsfreiheit ihr marktliberales F&auml;hnchen hochziehen. (<a href=\"http:\/\/www.heute.de\/\">So Generalsekret&auml;r Lindner im ZDF<\/a>)<\/p><p>Ein Streit zwischen Regierung und Opposition rei&szlig;t keinen Journalisten vom Hocker, das ist normal. Aber ein Streit innerhalb der Regierung, gar noch innerhalb der st&auml;rkeren Regierungspartei wird sofort zum Topthema der Medien. (Zum Beleg braucht man nur einmal &bdquo;Frauenquote&ldquo; in die Internet-Suchmaschinen eingeben.) Nur der Aufstand in &Auml;gypten hat den Spin-Doktoren der CDU ein wenig die Ernte verhagelt, sonst h&auml;tte es die &bdquo;Frauenquote&ldquo; wohl sogar in die Balken&uuml;berschriften geschafft. <\/p><p>Wenn sich Mitglieder innerhalb eines Kabinetts &ouml;ffentlich kabbeln, dann geht in den Medien nat&uuml;rlich unter, dass die Oppositionsparteien schon seit langem f&uuml;r eine gesetzliche Frauenquote eintreten. Der Parteirat der Gr&uuml;nen hatte schon 2006 einen <a href=\"http:\/\/www.gruene-partei.de\/cms\/files\/dokbin\/109\/109683.gleiche_rechte_gleiche_chancen.pdf\">entsprechenden Beschluss gefasst [PDF &ndash; 60,3 KB]<\/a>. Und die SPD hat vor einem Jahr eine Beschlussempfehlung dazu in den Bundestag einbebracht (Drucksache 1712\/74, 29. M&auml;rz 2010) und ist an der schwarz-gelben Mehrheit gescheitert. Auch DIE LINKE hatte sich schon mehrfach f&uuml;r eine Quote ausgesprochen. Aber das interessiert bestenfalls nur noch am Rande, wenn die Sozialministerin auf der Medienb&uuml;hne auf die Frauenministerin losgeht. <\/p><p>Das ist die ideale Theaterdonner f&uuml;r ein Thema, mit dem man eine W&auml;hlergruppe ansprechen kann, die die Mehrheit der Wahlberechtigten ausmacht (2009 waren 32 Millionen Frauen und nur 30 Millionen M&auml;nner wahlberechtigt.). Der Streit innerhalb der CDU soll den Frauen signalisieren, dass sich die CDU um dieses Thema k&uuml;mmert und gleichzeitig werden alle unterschiedlichen Meinungen durch die &ouml;ffentlich gemachten Meinungsunterschiede zwischen von der Leyen und Schr&ouml;der erreicht. Und ganz zuf&auml;llig wird die Frauenquote kurz vor den bevorstehenden 7 Landtagswahlen hochgezogen. Ein Schelm ist, der B&ouml;ses dabei denkt&hellip;<\/p><p>Man kann sicher sein, dass bis zu diesen Wahlen keine Entscheidung f&auml;llt und danach kann das Thema dann wieder auf der langen Bank abgelegt werden. Und damit der Streit nicht wirklich eskaliert kann man sich ohnehin wieder aus den Sch&uuml;tzengr&auml;ben zur&uuml;ckziehen und auf eine <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,742544,00.html\">EU-Richtlinie irgendwann warten<\/a>. <\/p><p>Der inszenierte Krach hat dar&uuml;ber hinaus den Vorteil, dass von der Leyens knallharte Linie bei den Verhandlungen im Vermittlungsausschuss um die Neuregelung der Hartz IV-Regels&auml;tze in den Hintergrund ger&auml;t. Gleichzeitig kann ihre &auml;u&szlig;erst blasse Kontrahentin Kristina Schr&ouml;der endlich einmal mit etwas anderem als ihrer Schwangerschaft Schlagzeilen machen und ihr Sarah Palin-Image pflegen. Paradoxerweise spielt sich gerade die Frau, die ihren Parlaments- und ihren Kabinettssitz der Frauenquote in der Politik verdankt, nun gerade als Quotengegnerin auf. Warum sollte sich die, die oben ist, auch noch an die da unten k&uuml;mmern?<\/p><p>Anders als eine Bek&auml;mpfung der Frauenf&ouml;rderung auch in F&uuml;hrungspositionen der Wirtschaft kann man Schr&ouml;ders Vorschlag zu einer &ldquo;gesetzlichen Pflicht zur Selbstverpflichtung&rdquo; nicht bezeichnen. Denn im in ihrem Frauenministerium m&uuml;sste eigentlich noch wenigstens aus der Aktenlage bekannt sein, dass unter der damaligen Familienministerin Christine Bergmann (SPD) die Wirtschaft schon 2001 f&ouml;rmlich eine solche freiwillige Verpflichtung gegen&uuml;ber der Bundesregierung <a href=\"http:\/\/www.dihk.de\/ressourcen\/downloads\/chancengleichheit.pdf\">eingegangen ist [PDF &ndash; 231 KB]<\/a>. <\/p><p>Verbessert hat sich allerdings mit <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/107_109259.html\">dieser Vereinbarung nichts<\/a>.<\/p><p>Die Faktenlage ist schnell dargestellt:<br>\nNach Informationen des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung vom 18. Januar lag im vergangenen Jahr der Frauenanteil in den Vorst&auml;nden der gr&ouml;&szlig;ten 200 Unternehmen bei lediglich 3,2 Prozent lag. 877 der insgesamt 906 Vorstandsposten werden demnach von M&auml;nnern besetzt. In den gr&ouml;&szlig;ten 100 Betrieben sowie in den 30 DAX-Unternehmen waren sogar nur 2,2 Prozent der <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/frauenquote106.html\">Top-Positionen mit Frauen besetzt<\/a><br>\n(Siehe dazu auch schon die DIW-Studie aus dem Jahr 2007 Spitzenpositionen in gro&szlig;en <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.55752.de\/07-7-1.pdf\">Unternehmen fest in der Hand von M&auml;nnern [PDF &ndash; 407 KB]<\/a>)<br>\nIn den Aufsichtsr&auml;ten sieht es nicht viel besser aus. Bei den gro&szlig;en Dax-Unternehmen sitzen dort nur 13 Prozent Frauen.<br>\nNach einem L&auml;ndervergleich des Weltwirtschaftsforums entwickelt sich die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sogar langsamer als in vielen anderen L&auml;ndern. Deutschland ist von  Platz 5 auf Platz 13 &ndash; hinter Lesotho und S&uuml;dafrika &ndash; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,722611,00.html\">zur&uuml;ckgefallen<\/a>.<\/p><p>Dass die Quote wirkt, belegt z.B. Norwegen: dort ist der Anteil der Frauen in Spitzenpositionen seit Einf&uuml;hrung einer Quote <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/eufrauenquote100.html\">von 25 auf 45 Prozent gestiegen<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Ursula von der Leyen und Kristina Schr&ouml;der scheint es heftigen Zoff zu geben. 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