{"id":81915,"date":"2022-03-15T09:10:29","date_gmt":"2022-03-15T08:10:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81915"},"modified":"2022-03-15T10:31:25","modified_gmt":"2022-03-15T09:31:25","slug":"wenn-man-die-aktuellen-corona-zahlen-in-einen-kontext-setzt-spricht-ueberhaupt-nichts-gegen-eine-beendigung-der-massnahmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81915","title":{"rendered":"Wenn man die aktuellen Corona-Zahlen in einen Kontext setzt, spricht \u00fcberhaupt nichts gegen eine Beendigung der Ma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"<p>Am 20. M&auml;rz sollen fast alle bundesweiten Corona-Ma&szlig;nahmen fallen. Dies sieht die Arbeitsversion zur &Auml;nderung am Infektionsschutzgesetz vor, die am Mittwoch beraten werden soll. Schon gibt es politischen Widerstand &ndash; vor allem aus Bayern und auch von der SPD-Chefin <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/corona-saskia-esken-pocht-auf-weitere-maskenpflicht-und-einfuehrung-der-impfpflicht-a-a51ab28a-b20a-420e-a468-c3386fb2ae51\">Saskia Esken<\/a>. Auch die Medien verweisen dabei gerne auf die angeblich steigenden Hospitalisierungsraten und Sterbef&auml;lle. Doch beide Zahlen sind isoliert betrachtet nutzlos und liegen vollkommen im Bereich des statistisch Erwartbaren und teilweise sogar darunter. Wenn jeder zwanzigste Bundesb&uuml;rger zurzeit als aktiv infiziert gilt, w&auml;re es bemerkenswert, wenn nicht gleichzeitig auch jeder zwanzigste Neuzugang im Krankenhaus und jeder zwanzigste Todesfall ebenfalls einen positiven Corona-Test aufweist. Doch dieser Gesichtspunkt wird so gut wie nie betrachtet und stattdessen geht die Panikmache munter weiter. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5103\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-81915-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220315_Nichts_spricht_gegen_eine_Beendigung_der_Massnahmen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220315_Nichts_spricht_gegen_eine_Beendigung_der_Massnahmen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220315_Nichts_spricht_gegen_eine_Beendigung_der_Massnahmen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220315_Nichts_spricht_gegen_eine_Beendigung_der_Massnahmen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=81915-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220315_Nichts_spricht_gegen_eine_Beendigung_der_Massnahmen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220315_Nichts_spricht_gegen_eine_Beendigung_der_Massnahmen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Corona ist nicht weg, ganz in Gegenteil. Wenn man sich die offiziellen Zahlen anschaut, gab es sogar noch nie so viele Infektionen wie zurzeit. Die aktuelle Inzidenz liegt bei 1543. Das hei&szlig;t, von 100.000 Bundesb&uuml;rgern infizieren sich 1.543 bzw. 1,54% pro Woche. Da man das Virus rund zwei Wochen lang per Test nachweisen kann, hei&szlig;t dies, dass zurzeit rund drei Prozent der Bev&ouml;lkerung offiziell als aktiv Infizierte gelten. Das sind rund 2,4 Millionen Menschen. Doch selbst dies ist allenfalls die Spitze des Eisbergs. Die Kapazit&auml;ten der PCR-Tests sind auf so gro&szlig;e Zahlen nicht ausgelegt und die Zugangskriterien f&uuml;r diese Tests sind mittlerweile beschr&auml;nkt. Zurzeit ist &uuml;brigens mehr als <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/COVID-19-Trends\/COVID-19-Trends.html?__blob=publicationFile#\/home\">jeder zweite offizielle PCR-Test positiv<\/a>. Wie hoch die Dunkelziffer ist, ist ohne randomisierte Stichproben nicht exakt zu ermitteln. Experten wie z.B. Alexander Kekul&eacute; gehen von mindestens 200% aus. Konservativ gesch&auml;tzt hie&szlig;e das, dass zurzeit mindestens rund sechs Prozent der Bundesb&uuml;rger aktiv infiziert sind. Das sind rund 4,8 Millionen. <\/p><p>Die sogenannte &bdquo;Omikron-Wand&ldquo; l&auml;uft also zurzeit voll durch das Land und m&uuml;sste sich gem&auml;&szlig; der g&auml;ngigen &bdquo;Alarmismus-Szenarien&ldquo; sehr deutlich in den Kennzahlen des Gesundheitssystems widerspiegeln. Doch genau das ist nicht der Fall. Ein Blick auf die sogenannte Hospitalisierungsrate l&auml;sst eher den umgekehrten Schluss zu. Laut RKI liegt die derzeitige <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/COVID-19-Trends\/COVID-19-Trends.html?__blob=publicationFile#\/home\">Hospitalisierungsrate<\/a> bei exakt 7,0. Das hei&szlig;t, von 100.000 Bundesb&uuml;rgern werden zurzeit innerhalb einer Woche sieben mit einem positiven Corona-Test ins Krankenhaus eingewiesen. Hochgerechnet auf die Gesamtbev&ouml;lkerung sind dies rund 800 pro Tag. Das h&ouml;rt sich viel an, ist es aber nicht. Laut Statistischem Bundesamt <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2021\/09\/PD21_445_231.html\">werden jedes Jahr<\/a> 16,4 Millionen Patientinnen und Patienten in den allgemeinen Krankenh&auml;usern station&auml;r behandelt &ndash; das entspricht 45.000 Neuaufnahmen pro Tag. <\/p><p>W&auml;re das Virus bei den Neuaufnahmen in den Krankenh&auml;usern also genau so verteilt wie in der Gesamtbev&ouml;lkerung, m&uuml;ssten drei Prozent &ndash; und mit Ber&uuml;cksichtigung der Dunkelziffer sogar sechs Prozent &ndash; davon positiv auf das Corona-Virus getestet sein. Das entspr&auml;che 1.350 bzw. 2.700 Neuzug&auml;ngen pro Tag. In der Realit&auml;t sind es jedoch nur 800 und damit sehr deutlich weniger, als es statistisch zu erwarten w&auml;re. Der Grund f&uuml;r die Diskrepanz d&uuml;rfte in der Altersverteilung der Infizierten liegen. Laut des letzten <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Wochenbericht\/Wochenbericht_2022-03-10.pdf?__blob=publicationFile\">Wochenberichts des RKI<\/a> sind die Inzidenzen bei den unter 30-J&auml;hrigen besonders hoch, w&auml;hrend sie bei den 70- bis 85-J&auml;hrigen vergleichsweise niedrig sind. Die Altersverteilung der Krankenhauszug&auml;nge d&uuml;rfte indes genau umgekehrt sein. Wie dem auch sei. <strong>Wenn die Hospitalisierungsrate gerade mal ein Drittel des eigentlich statistisch zu erwartenden Wertes ausmacht, ist dies ganz sicher kein Alarmzeichen. Ganz im Gegenteil.<\/strong><\/p><p>Wie sieht es bei den Sterbef&auml;llen aus? Hier gibt das RKI <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/COVID-19-Trends\/COVID-19-Trends.html?__blob=publicationFile#\/home\">aktuell<\/a> eine Inzidenz von 1,71 aus. Das hei&szlig;t, von 100.000 Menschen sterben im Schnitt in einer Woche 1,71 an oder mit Corona. Hochgerechnet auf die Gesamtbev&ouml;lkerung entspricht dies 194 Sterbef&auml;llen pro Tag. Auch das klingt erst einmal sehr hoch. Doch jeden Tag sterben im Winterhalbjahr rund 3.000 Menschen in Deutschland. Drei Prozent davon w&auml;ren 90, sechs Prozent 180 Sterbef&auml;lle pro Tag. Die Zahl der Corona-Toten liegt somit also nur marginal &uuml;ber dem Wert, den man statistisch erwarten w&uuml;rde. Doch anders als bei der Hospitalisierung ist diese Rechnung nicht so einfach zu erstellen. Denn als Corona-Toter gilt in Deutschland nicht etwa jeder Sterbefall, der zum Todeszeitpunkt testpositiv war, sondern jeder Sterbefall, der im Laufe seiner finalen Erkrankung testpositiv war. Dabei kann die Infektion auch schon sehr lange zur&uuml;ckliegen. Ein Vergleich zum statistischen Erwartungswert ist also nicht so einfach aufzustellen, da sehr viele &bdquo;Altinfektionen&ldquo; die Anzahl der Corona-Sterbef&auml;lle in die H&ouml;he treiben. Was man aber sagen kann: <strong>Wenn der offizielle Wert der Sterbef&auml;lle nur marginal &uuml;ber dem statistischen Erwartungswert, der l&auml;ngst nicht alle potenziellen Corona-Toten abbildet, liegt, dann ist auch das ganz sicher kein Alarmzeichen<\/strong>. Eine &bdquo;Pandemie&ldquo;, die sich trotz Rekordwerten bei der Verbreitung nicht negativ in den Statistiken bemerkbar macht, ist keine Pandemie. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220314_Corona.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220314_Corona.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die mehr oder weniger harten Zahlen aus dem Gesundheitssystem geben also keinen Anlass dazu, die Bev&ouml;lkerung jetzt noch durch irgendwelche Ma&szlig;nahmen zu beeintr&auml;chtigen. Wenn sich sowohl bei den Krankenhausneuzug&auml;ngen wie bei den Sterbef&auml;llen kein Trend erkennen l&auml;sst, dass eine Corona-Infektion auch nur irgendeinen negativen statistischen Einfluss hat, ist jedwede Begr&uuml;ndung f&uuml;r diese Ma&szlig;nahmen obsolet. <\/p><p>Der am 20. M&auml;rz eigentlich geplante Wegfall der meisten Ma&szlig;nahmen und die R&uuml;ckkehr zu einem &bdquo;Basisschutz&ldquo; ist also nicht zu weitreichend, sondern ganz im Gegenteil noch lange nicht weitreichend genug. So sieht die Gesetzesnovelle zwar einen Wegfall der Maskenpflicht im Einzelhandel und eine R&uuml;ckkehr zur Normalit&auml;t in Gastronomie, Kultur und Tourismus vor &ndash; aber dennoch bleiben unverst&auml;ndlicherweise Ma&szlig;nahmen wie die Maskenpflicht im Nah- und Fernverkehr oder die Testpflicht in Schulen erhalten. Warum? <\/p><p>Doch selbst dieser &bdquo;Freedom Day light&ldquo; geht den &uuml;blichen Verd&auml;chtigen zu weit. So <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/coronavirus-aerztevertreter-fordern-maskenpflicht-in-innenraeumen-beizubehalten-a-39da45cb-cafc-429f-aec9-d22c9a7bd6bd\">w&uuml;rde<\/a> der bayerische Gesundheitsminister Holetschek die kompletten Ma&szlig;nahmen am liebsten noch &bdquo;zwei oder drei Monate verl&auml;ngern&ldquo; und die SPD-Chefin Esken will weitere Ma&szlig;nahmen, wie die Maskenpflicht im Einzelhandel, in den <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/corona-saskia-esken-pocht-auf-weitere-maskenpflicht-und-einfuehrung-der-impfpflicht-a-a51ab28a-b20a-420e-a468-c3386fb2ae51\">&bdquo;Basisschutz&ldquo;<\/a> aufnehmen. Beides ist selbst aus Perspektive der Alarmisten eigentlich fragw&uuml;rdig. Ein Wegfall der Ma&szlig;nahmen im Infektionsschutzgesetz hie&szlig;e schlie&szlig;lich nur, dass es keine bundesweite Regelung mehr gibt, unter die die L&auml;nder nicht gehen k&ouml;nnen. Dass die L&auml;nder &ndash; wenn sie es denn w&uuml;nschen &ndash; sehr wohl Ma&szlig;nahmen verh&auml;ngen k&ouml;nnen, die &uuml;ber die Bundesregelungen hinausgehen, sieht der Entwurf der Ampel indes ausdr&uuml;cklich vor. Doch dann m&uuml;ssen die L&auml;nderpolitiker das auch ihren W&auml;hlern erkl&auml;ren und k&ouml;nnen sich nicht mehr hinter der Bundesregierung verstecken. Und last but not least m&uuml;ssen diese Landesregelungen auch so formuliert sein, dass sie nicht gleich wieder von den Gerichten kassiert werden. Gerade f&uuml;r die bayerische und die nieders&auml;chsische Regierung scheint genau das eine un&uuml;berwindbare H&uuml;rde zu sein. <\/p><p>So bleibt es abzuwarten, wer sich innerhalb der Regierung durchsetzt. Anders als Saskia Esken ist n&auml;mlich ausgerechnet ihr Genosse Karl Lauterbach &uuml;berraschenderweise ein Bef&uuml;rworter des Auslaufens der meisten Ma&szlig;nahmen. Selbstverst&auml;ndlich ist und bleibt er ein Alarmist und bef&uuml;rwortet ausdr&uuml;cklich diese Ma&szlig;nahmen. Andererseits ist er jedoch auch als talentierter Politiker ein gro&szlig;er Opportunist und ist daher heilfroh, die politische Verantwortung an seine Kollegen auf Landesebene weiterzureichen. Dann kann er auf Twitter von ihnen wieder genau das fordern, was er gegen die FDP im Kabinett nicht durchbekommt. Und am Ende winkt uns eine typisch deutsche L&ouml;sung: Die Ma&szlig;nahmen werden auslaufen &ndash; nicht, weil sie &uuml;berfl&uuml;ssig sind und die Politik dies erkannt hat; sondern weil niemand, der in der Regierungsverantwortung ist, den Charakter hat, seine Fehleinsch&auml;tzungen als solche anzuerkennen und daher lieber die Verantwortung auf untere Ebenen verlagert, die zwar willens, aber dank ihrer gnadenlosen Inkompetenz nicht in der Lage sind, den gr&ouml;&szlig;ten Unsinn zu exekutieren. Wohl bekomm&rsquo;s. Auf einen ma&szlig;nahmenfreien Sommer. <\/p><p>Titelbild: MB.Photostock\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/28280131cb5e4889b73015b4b081ce87\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 20. M&auml;rz sollen fast alle bundesweiten Corona-Ma&szlig;nahmen fallen. Dies sieht die Arbeitsversion zur &Auml;nderung am Infektionsschutzgesetz vor, die am Mittwoch beraten werden soll. Schon gibt es politischen Widerstand &ndash; vor allem aus Bayern und auch von der SPD-Chefin <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/corona-saskia-esken-pocht-auf-weitere-maskenpflicht-und-einfuehrung-der-impfpflicht-a-a51ab28a-b20a-420e-a468-c3386fb2ae51\">Saskia Esken<\/a>. 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