{"id":81946,"date":"2022-03-15T16:49:52","date_gmt":"2022-03-15T15:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81946"},"modified":"2022-03-17T15:23:01","modified_gmt":"2022-03-17T14:23:01","slug":"londoner-supreme-court-sieht-keine-strittige-rechtsfrage-und-will-sich-nicht-mit-dem-fall-assange-befassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81946","title":{"rendered":"Londoner Supreme Court sieht \u201ekeine strittige Rechtsfrage\u201c und will sich nicht mit dem Fall Assange befassen"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Nachmittag kam f&uuml;r mich &uuml;berraschenderweise die Nachricht, <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2022\/03\/14\/uk-supreme-court-refuses-assange-appeal\/\">dass der Supreme Court von England und Wales es abgelehnt hat<\/a>, sich mit der von Julian Assanges Anwaltsteam eingelegten Berufung zu befassen. Am Wochenende hatte es noch die positive Nachricht gegeben, dass Assange und seine Verlobte am 23. M&auml;rz im Gef&auml;ngnis heiraten werden. Versuch einer Einordnung von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3568\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-81946-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220316-Londoner-Supreme-Court-sieht-keine-strittige-Rechtsfrage-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220316-Londoner-Supreme-Court-sieht-keine-strittige-Rechtsfrage-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220316-Londoner-Supreme-Court-sieht-keine-strittige-Rechtsfrage-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220316-Londoner-Supreme-Court-sieht-keine-strittige-Rechtsfrage-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=81946-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220316-Londoner-Supreme-Court-sieht-keine-strittige-Rechtsfrage-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220316-Londoner-Supreme-Court-sieht-keine-strittige-Rechtsfrage-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Als ich gestern titelte <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81893\">&bdquo;Julian Assange &ndash; Im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis in den sicheren Hafen der Ehe&ldquo;<\/a>, hatte ich den Satz zuerst noch mit einem Fragezeichen versehen, welches ich dann aus Gr&uuml;nden des (Zweck-)Optimismus weggelassen habe. In dem Artikel schrieb ich auch, dass es vom Supreme Court, in dessen Bereich der Fall lag, noch keine Anzeichen gegeben hat, wann er sich mit dem Fall befassen werde. Das ist seit der Ablehnung gestern Nachmittag anders und Optimismus ist mal wieder ins Hintertreffen geraten.<\/p><p>Hier etwas zur Vorgeschichte der gestrigen Entscheidung. Im Februar und September 2020 fanden insgesamt 5 Wochen Anh&ouml;rung im Auslieferungsfall Assange statt. Ich habe dar&uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?gastautor=moritz-mueller\">ausf&uuml;hrlich auf den NachDenkSeiten berichtet<\/a>. Die anh&ouml;rende Instanz war das Westminster Magistrates Court mit Bezirksrichterin Vanessa Baraitser. Die Durchf&uuml;hrung fand erst in den R&auml;umlichkeiten des Woolwich Crown Court und dann am Zentralen Strafgerichtshof &bdquo;Old Bailey&ldquo; in der Londoner City statt.<\/p><p>Julian Assange und auch wir Prozessbeobachter wurden durch die Beh&ouml;rden konsequent schikaniert. Am zweiten Prozesstag beschwerten sich Assanges Anw&auml;lte, dass Assange seit dem Vortag zweimal einer Leibesvisitation unterzogen wurde, dass er in 5 verschiedenen Zellen festgehalten wurde und dass ihm 11 Mal Handschellen angezogen wurden.<\/p><p>Das damalige Gerichtsgeb&auml;ude Woolwich Crown Court ist wohlgemerkt mit dem Hochsicherheitsgef&auml;ngnis Belmarsh, wo Assange seit fast drei Jahren festgehalten wird, durch einen unterirdischen Tunnel verbunden. Assange sa&szlig; w&auml;hrend der Verhandlung hinter Panzerglas. Wozu es dann zweimaliger Leibesvisitationen bedarf, kann sich jeder selbst ausmalen. Richterin Baraitser erkl&auml;rte sich f&uuml;r die Haftbedingungen nicht zust&auml;ndig. Als daraufhin Assanges Verteidiger Edward Fitzgerald anmerkte, dass das Gericht sehr wohl daf&uuml;r verantwortlich sei, dass der Angeklagte bei guter Gesundheit und wach vor Gericht erscheint, hatte sie dagegen keinen triftigen Einwand zur Hand.<\/p><p>Die Behandlung der &Ouml;ffentlichkeit, von Journalisten und unabh&auml;ngigen Beobachtern lie&szlig; die Vertreter von &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; (RSF) kommentieren, dass sie sich bei Prozessen in der T&uuml;rkei oder in Russland willkommener gef&uuml;hlt h&auml;tten als bei der britischen Justiz. RSF ist eine mir etwas suspekte Organisation, die Pressefreiheit manchmal selektiv zu behandeln scheint, aber im Fall Assange scheint sich die Organisation mittlerweile eindeutig positioniert zu haben. Auch ich habe diese Behinderung der Prozessbeobachtung des &Ouml;fteren erlebt und beschrieben.<\/p><p>In den 5 Verhandlungswochen ging es darum, ob Assange an die USA ausgeliefert werden darf, wo ihm f&uuml;r 18 Anklagepunkte bis zu 175 Jahre Haft drohen, f&uuml;r Spionage und Einbruch in einen Computer. Es wurden Fragen er&ouml;rtert, ob die Ver&ouml;ffentlichungen von Wikileaks, die nach Meinung des UN-Sonderberichterstatters f&uuml;r Folter, Nils Melzer, auch Kriegsverbrechen ans Tageslicht bef&ouml;rderten, im &ouml;ffentlichen Interesse sind. Das US-Spionagegesetz von 1917 l&auml;sst dieser Frage keinen Raum. Es ging darum, ob durch die Wikileaks-Ver&ouml;ffentlichungen Informanten gef&auml;hrdet wurden.<\/p><p>Eine weitere Frage war, ob Assange in den USA einen fairen Prozess zu erwarten habe. Die Grand Jury, die Assange anklagt, befindet sich geografisch im District Eastern Virginia, wo der &uuml;berwiegende Teil der Bev&ouml;lkerung f&uuml;r US-Bundesbeh&ouml;rden arbeitet. Au&szlig;erdem h&ouml;rten wir widerwillig von Assanges prek&auml;rem Gesundheitszustand und den unvorstellbar grausamen m&ouml;glichen Haftbedingungen in US-Gef&auml;ngnissen.<\/p><p>Die n&auml;chste Frage war, ob der Auslieferungsvertrag zwischen den USA und dem Vereinigten K&ouml;nigreich politische F&auml;lle explizit ausschlie&szlig;t. Merkw&uuml;rdigerweise hat es diese Klausel aber nicht bis in das britische Gesetz, welches Auslieferungen regelt, geschafft.<\/p><p>Am Ende der vier Wochen im September 2020 f&uuml;hlte ich mich, der ich nur Beobachter war, wie ger&auml;dert. Wie Julian Assange sich da gef&uuml;hlt haben muss, braucht man sich gar nicht auszumalen, aber er musste dennoch weitere 3 Monate bis zum 4. Januar letzten Jahres warten, bis Richterin Baraitser ihren Schiedsspruch verk&uuml;ndete. Baraitser folgte damals in allen Punkten der Anklage, bis sie ganz am Ende ihrer 45-min&uuml;tigen Erkl&auml;rung die Auslieferung mit der Begr&uuml;ndung ablehnte, die Haftbedingungen in den USA seien m&ouml;glicherweise zu repressiv f&uuml;r Julian Assange, dessen gesundheitliche Probleme sie akzeptierte.<\/p><p>Nichtsdestotrotz lehnte sie 2 Tage sp&auml;ter auch seinen Antrag auf Freilassung auf Kaution ab und schickte ihn wieder zur&uuml;ck in &auml;hnliche Haftbedingungen ins Hochsicherheitsgef&auml;ngnis Belmarsh, das sicher teilweise mitverantwortlich f&uuml;r seinen prek&auml;ren Zustand ist. Die Vertreter der USA k&uuml;ndigten an, gegen das Urteil Berufung einlegen zu wollen.<\/p><p>Die Anklage wollte das zentrale medizinische Gutachten von Dr. Michael Kopelman &uuml;berpr&uuml;fen lassen und au&szlig;erdem sollten im Nachhinein gegebene Zusicherungen der USA bez&uuml;glich Assanges m&ouml;glicher Haftbedingungen in den USA in Betracht gezogen werden, obwohl die Beweisaufnahme zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen war.<\/p><p>In der Verhandlung vor dem High Court Ende Oktober letzten Jahres ging es dann weniger um die Anzweiflung des Kopelman-Gutachtens als um die Zulassung der nachtr&auml;glichen Beweise in Form von Zusicherungen, deren G&uuml;ltigkeit zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr richtig &uuml;berpr&uuml;ft werden konnte. <\/p><p>Anfang Dezember kippte der High Court das Urteil des Bezirksgerichts und erkl&auml;rte Assanges Auslieferung f&uuml;r m&ouml;glich. Das Gericht akzeptierte das medizinische Gutachten, aber gleichzeitig auch die Zusicherungen der US-Amerikaner als &bdquo;feierliche Zusicherungen eines souver&auml;nen Staates an einen anderen&ldquo;. Wenn man z.B. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78774\">den Fall von David Mendoza Herrarte<\/a> betrachtet, fragt man sich, wie die Richter darauf kommen k&ouml;nnen. Die beiden High-Court-Richter gingen sogar so weit, Baraitser daf&uuml;r zu r&uuml;gen, dass sie diese Zusagen nicht aus den USA herausgekitzelt habe. Gegen dieses Urteil legte wiederum Julian Assange in mehreren Punkten Berufung ein.<\/p><p>Ende Januar war ich dann in den Londoner Royal Courts of Justice zugegen, als Richter Burnett in einer weniger als zweimin&uuml;tigen Erkl&auml;rung die G&uuml;ltigkeit eines der Punkte zertifizierte, aber <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80133\">dem Supreme Court selbst die Entscheidung &uuml;berlie&szlig;<\/a>, ob er sich mit diesem Punkt befassen wolle. Es ging in dem Punkt um die Frage, ob es von &ouml;ffentlichem Interesse sei, zu welchem Zeitpunkt Zusicherungen bez&uuml;glich Auslieferungsverfahren eingereicht werden k&ouml;nnen oder m&uuml;ssen, um ber&uuml;cksichtigt zu werden. Gestern verk&uuml;ndete der Supreme Court, dass es die Berufung nicht zulassen werde, weil es &bdquo;keine strittige Rechtsfrage&ldquo; (&bdquo;no arguable point of law&ldquo;) gebe.<\/p><p>Ich fand das sehr erstaunlich, denn als ich im Januar in London war, f&uuml;hrte ich ein ausf&uuml;hrliches Gespr&auml;ch mit dem befreundeten Rechtsgelehrten D. Nach seinen Worten sei es Usus, dass der High Court die Zulassung einer Berufung dem h&ouml;heren Supreme Court selbst &uuml;berlasse. Wenn allerdings der High Court eine juristische Frage zertifiziere, sei es auch normal, dass der Supreme Court sich dann damit befasse.<\/p><p>Zu Beginn der Unterhaltung bezeichnete D. das Vorgehen der Justiz im Fall Assange als absolute Schande (&bdquo;absolute disgrace&ldquo;) und er war sichtlich erregt &uuml;ber das Verhalten seiner Kollegen. Der US-Seite sei illegales Vorgehen erlaubt worden, so als wenn beim Schach der gleiche L&auml;ufer schwarze und wei&szlig;e Felder benutzen d&uuml;rfe oder wenn man Bauern r&uuml;ckw&auml;rts ziehen lie&szlig;e.<\/p><p>D. meinte, dass es in der Bezirksrichterschaft gro&szlig;e Unruhe geben m&uuml;sse, da die nachtr&auml;gliche Zulassung von Beweisen das F&uuml;hren von Auslieferungsprozessen sinnlos mache. Die Bezirksrichter m&uuml;ssten sich wohl fragen, warum man auf deren Ebene &uuml;berhaupt noch Auslieferungsprozesse f&uuml;hre, wenn die resultierenden Urteile dann vom High Court nach Belieben mit nachtr&auml;glich eingereichten Beweisen gekippt werden k&ouml;nnten. Bei dieser Vorgehensweise im Fall Assange habe die Verteidigung die nachtr&auml;glich eingereichten Zusicherungen der USA keiner juristischen Pr&uuml;fung unterziehen k&ouml;nnen, und dies sei auch so beabsichtigt gewesen.<\/p><p>D. zufolge sei die Anzweiflung des medizinischen Gutachtens ein Ablenkungsman&ouml;ver gewesen, damit Assanges Verteidigung hierauf knappe Ressourcen ver(sch)wende. Er erkl&auml;rte, dass die Verteidigung in einem solchen Fall unheimlich arbeitsintensiv sei und dass die Verteidigung wohl permanent mit terminierten Anfragen der mit fast unbegrenzten Kapazit&auml;ten ausgestatteten Gegenseite konfrontiert sei. Bei Assanges Verteidigern handele es sich um eine relativ kleine Kanzlei, die sich bisher wacker geschlagen habe. Wir beide konnten uns aber auch nicht erkl&auml;ren, warum nach der Ablehnung des Kautionsantrags keine juristische Pr&uuml;fung (judicial review) beantragt worden sei.<\/p><p>D. schien aber fest davon &uuml;berzeugt, dass sich der Supreme Court nun mit dem Fall befassen werde. Deshalb bin ich nun so &uuml;berrascht, und auch f&uuml;r mich als Laien stellt es sich als eine zentrale rechtliche Frage dar, wann Zusicherungen gemacht werden m&uuml;ssen, damit man deren G&uuml;ltigkeit auch pr&uuml;fen kann.<\/p><p>Auch D. zeigt sich fassungslos &uuml;ber die gestrige Ablehnung durch den Supreme Court, weil dies absolut un&uuml;blich sei, nachdem der High Court eine Frage f&uuml;r diskussionsw&uuml;rdig erkl&auml;rt hat. Der ganze Prozess sei wohl hochgradig politisiert und es gebe eine Art Redeverbot. Darum k&auml;men auch aus den Reihen der Richterschaft keine Stimmen des Protests. Ich denke nicht, dass D. mit seiner &bdquo;absolut disgrace&ldquo;-Ansicht alleine steht, sondern dass sich sonst nur niemand traut, diese zu &auml;u&szlig;ern.<\/p><p>Der Beobachter <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/archives\/2022\/03\/assange-extradition-on-to-the-next-hurdle\/\">Craig Murray ist der Ansicht<\/a>, dass dem Supreme Court diese Frage zu heikel sei, weil es von der Tory-Regierung sowieso Bestrebungen gebe, die Befugnisse des Supreme Court zu beschneiden.<\/p><p>Nun geht der Fall an die britische Innenministerin Priti Patel, die nicht gerade als Freigeist bekannt ist. Die Assange-Verteidigung ver&ouml;ffentlichte gestern <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Pierce-statement.png\">das folgende Statement<\/a>:<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220315-Pierce-statement.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220315-Pierce-statement.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Assange hat nun vier Wochen Zeit, Eingaben an Priti Patel zu machen, von denen man sich aber wohl nicht zu viel erwarten sollte. Die jetzige Innenministerin war von der damaligen Regierungschefin Theresa May aus dem Kabinett geworfen worden, weil sie auf einer privaten Israel-Reise ihre eigene Au&szlig;enpolitik betrieben hatte, als sie sich fast t&auml;glich mit israelischen Regierungsvertretern traf. Ein anderes Mal drohte sie den Iren im Zuge der Brexit-Verhandlungen mit Nahrungsmittelknappheit. Das war doppelt unsensibel, da sich im 19. Jahrhundert, als Irland Teil des britischen Imperiums war, dort eine Hungersnot mit Millionen Toten ereignet hatte. Und auch Indien, von wo Patels Vorfahren stammen, war w&auml;hrend der britischen Kolonialzeit des &Ouml;fteren <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Famine_in_India\">von Hungersn&ouml;ten geplagt<\/a>.<\/p><p>Auch von der deutschen Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock, die noch im September gefordert hatte, dass Assange sofort freigelassen werden m&uuml;sse, ist wohl in ihrer neuen Funktion kein Einwirken auf ihre britische Kollegin zu erwarten, und Vizekanzler Habeck, der sich vor einem Jahr bei Tilo Jung gewunden f&uuml;r die Freilassung Assanges ausgesprochen hatte, h&uuml;llt sich seitdem in Schweigen und pl&auml;diert lieber f&uuml;r Waffenlieferungen in ein Kriegsgebiet.<\/p><p>Man kann also davon ausgehen, dass Patel Assanges Auslieferung genehmigen wird. Sie verweist den Fall dann an das Westminster Magistrates Court zur&uuml;ck, zur Abwicklung der Auslieferung. Zu diesem Zeitpunkt kann dann eine erneute Berufung, diesmal von Seiten Assanges, an den High Court stattfinden, bez&uuml;glich der Punkte im Auslieferungsbegehren, die Baraitser urspr&uuml;nglich akzeptiert hatte. Diese sind haupts&auml;chlich:<\/p><ul>\n<li>Der Missbrauch des Auslieferungsvertrags, der ausdr&uuml;cklich die politische Auslieferung verbietet.<\/li>\n<li>Die Verletzung des in Artikel 10 UNCHR verankerten Rechts auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung.<\/li>\n<li>Die missbr&auml;uchliche Anwendung des US-Spionagegesetzes.<\/li>\n<li>Die Verwendung von anr&uuml;chigen, bezahlten Beweisen eines verurteilten Betr&uuml;gers, der inzwischen &ouml;ffentlich zugegeben hat, dass seine Aussagen falsch waren.<\/li>\n<li>Das Fehlen einer Grundlage f&uuml;r den Hacking-Vorwurf.<\/li>\n<\/ul><p>Die Verteidigung hatte Craig Murray zufolge schon im letzten Jahr beantragt, diese Punkte in einem sogenannten Cross Appeal gleichzeitig mit dem Berufungsantrag zu verhandeln, was aber abgelehnt wurde. Die Folge ist, dass es nun ein weiteres Jahr im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis dauern wird, bis der Fall erneut verhandelt wird. Auch der Supreme Court h&auml;tte wohl schon im kommenden Sommer getagt.<\/p><p>Wie ich schon vor L&auml;ngerem geschrieben habe, scheint hier der Weg das negative Ziel zu sein. Je l&auml;nger es dauert, desto mehr wird Assange, das Opfer dieser Rechtsbeugung, durch seine Isolation zerm&uuml;rbt.<\/p><p>Der &ouml;ffentliche Druck auf die Politik muss weiter aufrechterhalten und ausgebaut werden. Sonst traut sich am Ende niemand mehr, seine Meinung zu &auml;u&szlig;ern.<\/p><p>Solange niemand mit einem Hubschrauber Assange in Belmarsh abholt, kann man <a href=\"https:\/\/www.freeassange.eu\/#aktionsuebersicht\">Informationen zum Protest und zu Mahnwachen hier<\/a> finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Nachmittag kam f&uuml;r mich &uuml;berraschenderweise die Nachricht, <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2022\/03\/14\/uk-supreme-court-refuses-assange-appeal\/\">dass der Supreme Court von England und Wales es abgelehnt hat<\/a>, sich mit der von Julian Assanges Anwaltsteam eingelegten Berufung zu befassen. Am Wochenende hatte es noch die positive Nachricht gegeben, dass Assange und seine Verlobte am 23. M&auml;rz im Gef&auml;ngnis heiraten werden. Versuch einer Einordnung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81946\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":81947,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,126],"tags":[681,2163,469,3093,930,304,1556,665],"class_list":["post-81946","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","tag-assange-julian","tag-gefaengnis","tag-grossbritannien","tag-haftbedingungen","tag-justiz","tag-kriegsverbrechen","tag-usa","tag-wikileaks-2"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/IMG_3383.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81946","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=81946"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81946\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82019,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81946\/revisions\/82019"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/81947"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=81946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=81946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=81946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}