{"id":81991,"date":"2022-03-17T08:49:14","date_gmt":"2022-03-17T07:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81991"},"modified":"2022-03-17T10:16:04","modified_gmt":"2022-03-17T09:16:04","slug":"es-ist-unfair-politiker-an-ihren-wahlversprechen-zu-messen-franz-muentefering","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81991","title":{"rendered":"\u201eEs ist unfair, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen\u201c (Franz M\u00fcntefering)"},"content":{"rendered":"<p>Erinnern Sie sich noch an diesen Satz von Franz M&uuml;ntefering? Er bezieht sich auf die Wahlperiode von 2005 bis 2009. Damals hatten wir eine Gro&szlig;e Koalition aus SPD und CDU\/CSU. Die CDU hatte im Wahlkampf angek&uuml;ndigt, die Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent zu erh&ouml;hen. Die SPD hatte das abgelehnt. &bdquo;Keine Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer. Nicht in n&auml;chster Zeit und nicht in der kommenden Legislaturperiode&ldquo; (Franz M&uuml;ntefering, S&auml;chsische Zeitung, 19. August 2005). Das war eine der zentralen Wahlaussagen der SPD. Der &bdquo;Kompromiss&ldquo; in der Regierung dann: Die Mehrwertsteuer wurde auf 19 Prozent erh&ouml;ht. Mit anderen Worten: Beide Parteien hatten ihre Wahlversprechen gebrochen. M&ouml;glicherweise wird demn&auml;chst ein noch viel wichtigeres Versprechen gebrochen, n&auml;mlich dass es keine Impfpflicht geben wird. Zeit, mal &uuml;ber das Thema &bdquo;L&uuml;gen und Wahrheit in der Politik&ldquo; nachzudenken. Unser Autor <strong>Udo Brandes<\/strong> hat daf&uuml;r in zwei Klassiker der politischen Theorie geschaut.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>&bdquo;In dieser Pandemie wird es keine Impfpflicht geben&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das ZDF berichtete am 13. Juli letzten Jahres, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Corona-Impfpflicht <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/merkel-spahn-rki-100.html\">in jeder Form ablehne<\/a>. Ebenso &auml;u&szlig;erte sich der damalige Bundesgesundheitsminister Spahn: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/bundesgesundheitsminister-spahn-cdu-zur-impfdebatte-in-100.html\">In dieser Pandemie wird es keine Impfpflicht geben<\/a>&ldquo; <\/p><p>Am 21. November 2021 <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/impfpflicht-deutschland-streitet-und-soeder-korrigiert-sich-ld.1656315?trco=21021291-05-18-0001-0004-009651-00000009&amp;s_kwcid=AL%216521%213%21514185926100%21%21%21s%21%21\">berichtete<\/a> die Neue Z&uuml;rcher Zeitung dann Folgendes: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte noch im Juli erkl&auml;rt, &sbquo;Es wird keine Impfpflicht geben&lsquo;. Davon r&uuml;cken die k&uuml;nftigen &sbquo;Ampel&lsquo;-Koalition&auml;re ab und bereiten gemeinsam mit den L&auml;ndern eine &sbquo;einrichtungsbezogene&lsquo; Impfpflicht vor. So steht es im Beschluss der Bund-L&auml;nder-Gespr&auml;che vom vergangenen Donnerstag. Vor diesem Hintergrund sorgt die Bundesregierung (gemeint ist die abgew&auml;hlte, aber noch gesch&auml;ftsf&uuml;hrende Regierung Merkel; UB) mit einer neuen Sprachregelung f&uuml;r Aufregung. Sie entfernte von ihrer Website die Aussage, &sbquo;Eine Impfpflicht wird es nicht geben. Nachrichten und Beitr&auml;ge, die etwas anderes behaupten, sind falsch&rsquo;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Schlussfolgerung: Was heute politisch wahr ist, darf unter Umst&auml;nden schon morgen nicht mehr wahr sein. Oder anders formuliert: Was heute eine b&ouml;swillige Unterstellung von b&ouml;sen Querdenkern ist, kann schon morgen offizielle Politik der Regierung sein. F&uuml;r alle Funktion&auml;re in diversen Apparaten ein echtes Problem. Es erfordert &auml;u&szlig;erste Flexibilit&auml;t bei der eigenen Positionierung, um nicht ins politische Abseits zu geraten. <\/p><p><strong>Schadet es Politikern, Wahlversprechen zu brechen?<\/strong><\/p><p>Aber wenn Politiker regelm&auml;&szlig;ig Wahl- und sonstige Versprechen brechen: Schadet ihnen dies? K&ouml;nnte dies ihre Macht gef&auml;hrden? Der Schriftsteller, Diplomat und politische Philosoph Niccol&ograve; Machiavelli (1469-1527) meint in seinem ber&uuml;hmten Werk &bdquo;Der F&uuml;rst&ldquo;, dies sei kein Problem: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Denn die Menschen sind so einf&auml;ltig und gehorchen so sehr dem Eindruck des Augenblicks, dass der, welcher sie hintergeht, stets solche findet, die sich betr&uuml;gen lassen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Als Beispiel f&uuml;hrt Machiavelli Papst Alexander VI. an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Alexander VI. tat nichts anderes als zu betr&uuml;gen, sann auf nichts anderes und fand immer solche, die sich betr&uuml;gen lie&szlig;en. Nie besa&szlig; ein Mensch eine gr&ouml;&szlig;ere Fertigkeit, etwas zu beteuern und mit gro&szlig;en Schw&uuml;ren zu versichern, und es weniger zu halten. Trotzdem gelangen ihm alle seine Betr&uuml;gereien nach Wunsch, weil er die Welt von dieser Seite gut kannte&ldquo; (Beide Zitate aus &bdquo;Der F&uuml;rst&ldquo;, Kapitel XVIII, &bdquo;Inwiefern die F&uuml;rsten ihr Wort halten sollen&ldquo;).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wer in der Politik nicht alles f&uuml;r m&ouml;glich h&auml;lt, f&uuml;r den kann es bitter werden<\/strong><\/p><p>Konkret sah dies dann wie folgt aus: Cesare Borgia, der Sohn Papst Alexanders VI., hatte 1502 als milit&auml;rischer Oberbefehlshaber im Auftrag des Papstes verlorene Gebiete des Kirchenstaates zur&uuml;ckerobert &ndash; und sich dabei viele Feinde gemacht. Nun verschworen sich seine eigenen Condottieri (Heerf&uuml;hrer) zusammen mit einigen anderen Adeligen gegen ihn und erzielten schnell einige milit&auml;rische Erfolge. Cesare Borgia gewann jedoch wieder milit&auml;risch die Oberhand und konnte sie zur Aufgabe zwingen. Die Borgias gaben sich dann vers&ouml;hnlich. Cesare lud vier der Verschw&ouml;rer zu einem Vers&ouml;hnungstreffen nach Senigallia ein. Der Historiker Volker Reinhardt &ndash; Autor des Buches &bdquo;Machiavelli oder die Kunst der Macht&ldquo; &ndash; beschreibt das wie folgt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die eben noch so aufm&uuml;pfigen Unterfeldherren trabten brav wie die L&auml;mmchen ins Schlachthaus. Cesare Borgia brauchte sie nur noch einzusammeln. Vitellozzo Vitelli und Liverotto da Fermo lie&szlig; er noch in derselben Nacht erw&uuml;rgen; Francesco und Paolo Orsini blieben als Geiseln am Leben &ndash; vorerst&ldquo; (Reinhardt, S. 111).\n<\/p><\/blockquote><p>Cesare Borgia hatte die mentalen Schw&auml;chen seiner Feinde genau erkannt und eiskalt ausgenutzt. Der Historiker Volker Reinhardt kommentiert dies wie folgt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Falle der Condottieri bestanden diese Schw&auml;chen in ihrem schlechten Gewissen, der daraus resultierenden Halbherzigkeit und im Vertrauen auf die Ehrlichkeit des Papstes. Dieser letzte Fehler war t&ouml;dlich. Selbst so hart gesottene Schlagetots wie Vitellozzo Vitelli und Liverotto da Fermo konnten sich nicht vorstellen, dass der Stellvertreter Christi auf Erden ein abgefeimter Betr&uuml;ger war. Sie sahen die Welt, wie sie sein sollte, und nicht so, wie sie nun einmal war&ldquo; (Reinhardt, S. 113).\n<\/p><\/blockquote><p>Mit anderen Worten: Sie liefen in ihr Verderben, weil sie die Welt nur aus ihrer eigenen Perspektive betrachteten. Weil sie glaubten, dass der Papst, der doch der Stellvertreter Gottes auf Erden war, niemals l&uuml;gen und betr&uuml;gen w&uuml;rde. Sie wurden also das Opfer ihrer eigenen Mythen und Illusionen. Genau diesen Fehler nicht zu machen und nicht Mythen und Illusionen zu erliegen &ndash; das ist es, was die Lekt&uuml;re des &uuml;ber 500 Jahre alten Textes von Machiavelli noch heute lohnend macht. Denn die geschichtlichen Umst&auml;nde m&ouml;gen sich massiv ver&auml;ndert haben &ndash; aber die Menschen und ihre Natur nicht. <\/p><p><strong>In der Politik ist Schein wichtiger als das Sein<\/strong><\/p><p>Nach Machiavelli reicht es unter dem Gesichtspunkt der Machterhaltung vollkommen aus, wenn ein F&uuml;rst (heute m&uuml;sste man sagen: Regierungschef, Parteichef, Konzernchef usw.) lediglich im Ruf steht, &uuml;ber moralische Tugenden zu verf&uuml;gen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ein F&uuml;rst muss also nicht alle oben genannten Tugenden besitzen, muss aber im Rufe davon stehen. Ja, ich wage es zu sagen, dass es sehr sch&auml;dlich ist, sie zu besitzen und sie stets zu beachten; aber fromm, treu, menschlich, gottesf&uuml;rchtig und ehrlich zu <strong>scheinen<\/strong> ist n&uuml;tzlich. Man muss nur sein Gem&uuml;t so gebildet haben, dass man, wenn es n&ouml;tig ist, auch das Gegenteil vermag. (&hellip;) Daher muss er (der F&uuml;rst; UB) ein Gem&uuml;t besitzen, das sich nach den Winden und dem wechselnden Gl&uuml;ck zu drehen vermag.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Aber f&uuml;hrt dies nicht zu Misstrauen gegen&uuml;ber einem Herrscher? Machiavelli meint nein:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Jeder sieht, was du scheinst, wenige f&uuml;hlen, was du bist, und diese wagen es nicht, der Meinung der Menge zu widersprechen, welche die Majest&auml;t des Staates zu ihrem Schutze hat&ldquo; (Beide Zitate aus &bdquo;Der F&uuml;rst&ldquo;, Kapitel XVIII, &bdquo;Inwiefern die F&uuml;rsten ihr Wort halten sollen&ldquo;).\n<\/p><\/blockquote><p>Die Aussagen von Machiavelli klingen f&uuml;r viele Menschen wahrscheinlich ganz furchtbar. Aber seine Sichtweise der Politik ist, so denke ich, ganz nah an der Realit&auml;t. Insbesondere das letzte Zitat entspricht durchaus modernen psychologischen Erkenntnissen. Und der Alltagserfahrung, dass die gro&szlig;e Mehrheit der Menschen lieber mit dem Strom schwimmt als gegen den Strom. Und diese Tendenz nimmt eher zu als ab, denn &ndash; so meine These &ndash; unsere Gesellschaft nimmt zunehmend totalit&auml;re Z&uuml;ge an.<\/p><p><strong>Es ist teuer geworden, die Wahrheit auszusprechen &ndash; und ein untr&uuml;gliches Zeichen f&uuml;r totalit&auml;re Tendenzen in der Gesellschaft<\/strong><\/p><p>Ein Beispiel daf&uuml;r ist die sogenannte &bdquo;Cancel Culture&ldquo;, deren Gef&auml;hrlichkeit von Linksliberalen oft geleugnet wird. Diese nimmt inzwischen immer schlimmere Z&uuml;ge an. J&uuml;ngstes Opfer dieser &bdquo;Kultur&ldquo; ist der &ndash; jetzt ehemalige &ndash; Vorstand der BKK ProVita-Krankenkasse, Andreas Sch&ouml;ffbeck. Er hatte auf die hohe Zahl der bei seiner Kasse von &Auml;rzten und Krankenh&auml;usern abgerechneten Behandlungen wegen Impfsch&auml;den hingewiesen und das auf Deutschland hochrechnen lassen &ndash; und das amtlich zust&auml;ndige Paul-Ehrlich&ndash;Institut gebeten, das genauer zu untersuchen. Selbst eine solche Tatsache zu benennen, ist offenbar in unserer Gesellschaft nicht mehr m&ouml;glich. Der Mann wurde umgehend vom Verwaltungsrat der Krankenkasse entlassen &ndash; fristlos. Und musste sich auch noch diffamieren lassen. Der Vorsitzende des &auml;rztlichen Virchowbundes, Dirk Heinrich, sprach in einem Statement von &bdquo;peinlichem Unwissen oder hinterlistiger T&auml;uschung&ldquo; der &bdquo;Schwurbel-BKK&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/gesundheit-oekologie\/nach-kassen-kritik-an-impfnebenwirkungszahlen-wir-muessen-ihn-sofort-entfernen-li.214855?pid=true\">siehe dazu den Bericht der Berliner Zeitung<\/a>).<\/p><p>Warum diese extreme Reaktion? Der Mann hatte doch nur Tatsachen mitgeteilt. Genau das ist der Punkt: Es waren nicht nur &bdquo;einfache&ldquo; Tatsachen. Es waren Tatsachen, die die herrschende Ideologie (&bdquo;Die neuen Impfstoffe sind sicher&ldquo;) auf Basis von unab&auml;nderlichen Tatsachen infrage stellten. Und das ist inzwischen f&uuml;r alle, die politisch wie praktisch im &bdquo;Impfgesch&auml;ft&ldquo; involviert sind, eine echte Gefahr. Ein Zitat von Hannah Arendt ist da sehr erhellend:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Denn vom Standpunkt der Politik ist Wahrheit despotisch; und dies ist der Grund, warum Tyrannen sie hassen und die Konkurrenz mit ihr f&uuml;rchten, und warum andererseits konstitutionelle Regierungsformen, die den nackten Zwang nicht ertragen, mit ihr auch nicht auf bestem Fu&szlig;e stehen. (&hellip;) Mit unwillkommenen Meinungen kann man sich auseinandersetzen, man kann sie verwerfen oder Kompromisse mit ihnen schlie&szlig;en; unwillkommene Tatbest&auml;nde sind von einer unbeweglichen Hartn&auml;ckigkeit, die durch nichts als die glatte L&uuml;ge ersch&uuml;ttert werden kann&ldquo; (Arendt, S. 61).\n<\/p><\/blockquote><p>An anderer Stelle beschreibt Hannah Arendt etwas, was auch heute noch zutrifft (ihr Text wurde erstmals 1967 ver&ouml;ffentlicht): <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zwar hat es vermutlich nie eine Zeit gegeben, die so tolerant war in allen religi&ouml;sen und philosophischen Fragen, aber es hat vielleicht auch kaum je eine Zeit gegeben, die Tatsachenwahrheiten, welche den Vorteilen oder Ambitionen einer der unz&auml;hligen Interessengruppen entgegenstehen, mit solchem Eifer und so gro&szlig;er Wirksamkeit bek&auml;mpft hat. (&hellip;) Dass deren Kundgebung sich dann als nicht minder gef&auml;hrlich erweisen kann als etwa die Verk&uuml;ndigung gewisser H&auml;resien in fr&uuml;heren Zeiten, mutet in der Tat seltsam an&ldquo; (Arendt S. 55).\n<\/p><\/blockquote><p>Da kann man Hannah Arendt nur zustimmen. Ich h&auml;tte bis vor Kurzem auch nicht glauben m&ouml;gen, dass der Vorstand einer Krankenkasse seinen Job verlieren kann, weil er etwas ethisch Gebotenes tat, n&auml;mlich auf Daten und Fakten in Zusammenhang mit der Sicherheit eines Impfstoffes hinzuweisen. Und auf potenzielle Gesundheitsgefahren, die diese Impfstoffe in sich bergen. <\/p><p><strong>Res&uuml;mee<\/strong><\/p><p>Viele Menschen schockiert Machiavellis Schrift &bdquo;Der F&uuml;rst&ldquo;, weil er die politische Welt nicht so beschrieb und bewertete, wie sie nach ethischen Ma&szlig;st&auml;ben sein sollte, sondern wie sie in der empirischen Wirklichkeit objektiv funktioniert. Aber genau darin liegt ihr Wert: Wer Entt&auml;uschungen und Selbstt&auml;uschungen vermeiden will, sich also ein realistisches Bild &uuml;ber Politik und die darin handelnden Akteure machen will (das sind nicht nur Politiker, auch Medien, Wissenschaftler, Beh&ouml;rdenvertreter, Interessenvertreter usw.), der sollte unbedingt Machiavellis &bdquo;Der F&uuml;rst&ldquo; lesen. Der Text ist, weil er eben &uuml;ber 500 Jahre alt ist, nicht ganz einfach zu lesen. Auch weil den meisten Menschen von heute die damalige Welt fremd ist. Trotzdem kann man darin viele sehr gute Passagen finden (einige hatte ich zitiert), deren inhaltliche Aussagen bis heute Politik und Gesellschaft zutreffend beschreiben. Man muss nur &bdquo;F&uuml;rst&ldquo; durch &bdquo;Pr&auml;sident&ldquo;, &bdquo;Regierungschef&ldquo; oder &bdquo;Vorstandsvorsitzender&ldquo; (auch Unternehmen funktionieren nach den Regeln der Politik) ersetzen. <\/p><p>Der Ertrag dieser Lekt&uuml;re f&uuml;r einen selbst dabei ist, dass man zum einen die Politik realit&auml;tsn&auml;her analysieren kann &ndash; und eher davor gesch&uuml;tzt ist, die eigene Perspektive als die einzig denkbare, weil vern&uuml;nftige zu sehen. Zum anderen sch&uuml;tzt es vor schmerzhaften Entt&auml;uschungen, wenn man erleben muss, dass Politiker oder Institutionen, mit denen man sich wom&ouml;glich identifiziert hat, sich als ganz und gar nicht vertrauensw&uuml;rdig erweisen. Mir f&auml;llt dazu ein, was G&uuml;nter Grass einmal in einem Interview in Bezug auf seine Erfahrung mit dem Dritten Reich dem Sinn nach gesagt hat: Er hege seitdem ein tiefes Misstrauen gegen&uuml;ber Institutionen und halte grunds&auml;tzlich deren Korrumpierbarkeit f&uuml;r m&ouml;glich. <\/p><p>Der Text von Hannah Arendt ist ebenfalls keine leichte Lekt&uuml;re. Ich konnte mir den Text erst bei der zweiten Lekt&uuml;re richtig erschlie&szlig;en, weil ich interessante Passagen unterstrichen habe. Aber ich denke, auch dieser Text ist lehrreich, sowohl der Text &uuml;ber die Pentagonpapiere (darin geht es um den Vietnamkrieg der USA), als auch der Text &bdquo;Wahrheit und Politik&ldquo;. <\/p><p>Hannah Arendt: Wahrheit und L&uuml;ge in der Politik, Zwei Essays, Piper Verlag, 6. Auflage 2021, 92 Seiten, 10,00 Euro. <\/p><p>Niccol&ograve; Machiavelli: Der F&uuml;rst, &Uuml;bersetzt von Philipp Rippel, Reclam Verlag, 132 Seiten, 6.00 Euro (Hinweis: Ich habe f&uuml;r diesen Text meine alte Ausgabe aus dem Insel-Verlag benutzt, die von Friedrich von Oppel-Bronikowski &uuml;bersetzt wurde. Die &Uuml;bersetzung der Reclamausgabe scheint mir leichter lesbar zu sein). <\/p><p>Volker Reinhardt: Machiavelli oder Die Kunst der Macht, Eine Biographie, C.H. Beck Verlag, 1. Auflage 2014, 14, 95 Euro.<\/p><p>Titelbild: rudall30\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/70afd2d627204d59bb53d397001c2bb1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnern Sie sich noch an diesen Satz von Franz M&uuml;ntefering? Er bezieht sich auf die Wahlperiode von 2005 bis 2009. Damals hatten wir eine Gro&szlig;e Koalition aus SPD und CDU\/CSU. 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