{"id":82124,"date":"2022-03-21T11:30:27","date_gmt":"2022-03-21T10:30:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82124"},"modified":"2022-03-22T07:18:43","modified_gmt":"2022-03-22T06:18:43","slug":"chancen-und-risiken-der-coronaimpfung-ein-blick-auf-die-sterbezahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82124","title":{"rendered":"Chancen und Risiken der Coronaimpfung \u2013 ein Blick auf die Sterbezahlen"},"content":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung h&auml;lt immer noch am Plan einer allgemeinen Impfpflicht fest, obgleich die Debatte stellenweise abstruse Z&uuml;ge <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82041\">angenommen hat<\/a>. Dabei w&auml;re es &auml;u&szlig;erst hilfreich, sich die Sterbezahlen der verschiedenen Wellen einmal genauer anzuschauen. Der Statistiker <strong>G&uuml;nter Eder<\/strong> hat das f&uuml;r die NachDenkSeiten getan. Obgleich der Nutzen der Impfung f&uuml;r die Risikogruppen erkennbar ist, geben die Daten keinen Beleg f&uuml;r den Nutzen einer allgemeinen Impfpflicht, die auch f&uuml;r j&uuml;ngere Menschen gilt. Hier ist sogar Vorsicht angebracht, da vor allem in der vierten Welle eine &Uuml;bersterblichkeit erkennbar ist, die sich wohl nicht auf das Virus selbst zur&uuml;ckf&uuml;hren l&auml;sst. Ein Zusammenhang zur Booster-Impfung ist zumindest nicht auszuschlie&szlig;en.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6223\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-82124-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220321_Chancen_und_Risiken_der_Coronaimpfung_ein_Blick_auf_die_Sterbezahlen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220321_Chancen_und_Risiken_der_Coronaimpfung_ein_Blick_auf_die_Sterbezahlen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220321_Chancen_und_Risiken_der_Coronaimpfung_ein_Blick_auf_die_Sterbezahlen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220321_Chancen_und_Risiken_der_Coronaimpfung_ein_Blick_auf_die_Sterbezahlen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=82124-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220321_Chancen_und_Risiken_der_Coronaimpfung_ein_Blick_auf_die_Sterbezahlen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220321_Chancen_und_Risiken_der_Coronaimpfung_ein_Blick_auf_die_Sterbezahlen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Anfang 2020 verbreitete sich von Wuhan (China) aus ein Coronavirus &uuml;ber die Welt. Es handelte sich um ein neuartiges Virus, &uuml;ber das zun&auml;chst wenig bekannt war. Trotzdem setzte sich schnell das Narrativ durch, dass die Coronapandemie nur durch Impfen &uuml;berwunden werden k&ouml;nne, und auch die Bundesregierung legte sich fr&uuml;h entsprechend fest. Die Pandemie &bdquo;wird nicht verschwinden, bis wir wirklich einen Impfstoff haben, mit dem wir die Bev&ouml;lkerung immunisieren k&ouml;nnen&ldquo; erkl&auml;rte Bundeskanzlerin Merkel bereits Anfang April 2020. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Am 8. November 2020 pr&auml;zisierte sie ihre Vorstellung, indem sie ausf&uuml;hrte, dass ein Virus mehr oder weniger besiegt sei, wenn 60 bis 70 Prozent der Bev&ouml;lkerung entweder durch eigene Erkrankung oder Impfung immun seien. &bdquo;Dann k&ouml;nnen wir auch alle Beschr&auml;nkungen aufheben. Bis dahin m&uuml;ssen wir mit gewissen Einschr&auml;nkungen, die das Virus uns auferlegt, noch leben.&ldquo; [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Seit Ende 2021 sind 70% der Bev&ouml;lkerung vollst&auml;ndig geimpft und viele Menschen sind aufgrund einer &uuml;berstandenen Infektion auf nat&uuml;rliche Weise immunisiert, die einschr&auml;nkenden Ma&szlig;nahmen sind jedoch weitgehend in Kraft geblieben. Und die Experten streiten weiter dar&uuml;ber, ob oder wann die Pandemie wohl zu Ende sein wird. Das pandemische Geschehen hat offensichtlich nicht den Verlauf genommen, den die Verantwortlichen geplant und erwartet hatten.<\/p><p>Im Folgenden wird der Versuch unternommen, auf Basis der Sterbedaten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] und der Coronazahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Zusammenh&auml;nge zwischen dem Infektions- und Impfgeschehen auf der einen Seite und dem Sterbegeschehen auf der anderen Seite herauszuarbeiten und allgemeinverst&auml;ndlich darzustellen. Im Idealfall wird man danach nicht nur den bisherigen Pandemieverlauf besser verstehen, sondern auch Erkenntnisse gewinnen, die sich als n&uuml;tzlich f&uuml;r den weiteren Umgang mit Corona erweisen.<\/p><p>Dazu werden zun&auml;chst die durchschnittliche &Uuml;bersterblichkeit und die &Uuml;bersterblichkeitsverl&auml;ufe der Jahre 2020 und 2021 ermittelt und mit den RKI-Angaben zur Zahl der Coronatoten verglichen. Anschlie&szlig;end wird untersucht, ob und wie sich die Coronaimpfungen auf die Zahl der Sterbef&auml;lle ausgewirkt haben. Den Abschluss der Studie bildet eine Betrachtung der &Uuml;bersterblichkeit in den letzten Monaten des Jahres 2021.<\/p><p><strong>Gedanken zur &Uuml;bersterblichkeit<\/strong><\/p><p>Das Konzept der &Uuml;bersterblichkeit beruht auf wahrscheinlichkeitstheoretischen Annahmen und Vermutungen. Man geht davon aus, dass das Sterbegeschehen in der Zukunft grunds&auml;tzlich &auml;hnlich verl&auml;uft wie in der Vergangenheit, dass also beispielsweise im Sommer weniger Menschen sterben als im Winter. Die H&ouml;he der &Uuml;bersterblichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt entspricht der Differenz zwischen der (auf Basis der Beobachtungen vergangener Jahre) erwarteten und der tats&auml;chlichen Zahl an Sterbef&auml;llen. Der Wert h&auml;ngt somit nicht allein von der Zahl verstorbener Menschen ab, sondern auch von der Referenz- bzw. Basislinie, auf die er sich bezieht. Je nachdem wie die Basislinie gew&auml;hlt wird, wird die &Uuml;bersterblichkeit h&ouml;her oder niedriger ausfallen. Um Willk&uuml;r auszuschlie&szlig;en und eine zeitliche Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gew&auml;hrleisten, ist es wichtig, das Verfahren zur Ermittlung der Basislinie m&ouml;glichst eindeutig festzulegen und sich bei der Berechnung der &Uuml;bersterblichkeit an die Vorgabe zu halten.<\/p><p>Dem Statistischen Bundesamt dienen allgemein die Sterbeverl&auml;ufe der letzten vier Jahre als Vergleichsgrundlage. Die auf diese Weise gewonnene Basislinie muss anschlie&szlig;end allerdings noch um Altersstruktureffekte korrigiert werden. Die Korrektur ist erforderlich, da aufgrund unterschiedlicher Geburtenraten in der Vergangenheit vorhersehbar ist, wie sich die Sterbezahlen tendenziell entwickeln werden, d.h. ob sie eher ansteigen oder eher zur&uuml;ckgehen werden. Das kann und muss angemessen ber&uuml;cksichtigt werden, da die &Uuml;bersterblichkeit sonst systematisch &uuml;ber- oder untersch&auml;tzt wird.<\/p><p>Auf einer Pressekonferenz am 9. Dezember 2021 nahm das Statistische Bundesamt Stellung zur &Uuml;bersterblichkeit w&auml;hrend der Coronapandemie. Vizepr&auml;sident Christoph Unger f&uuml;hrte unter anderem aus:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Insgesamt starben im Jahr 2020 bundesweit rund 985.000 Menschen. Das waren 5% oder 46.000 Verstorbene mehr als im Jahr 2019. Allein aufgrund der Alterung der Bev&ouml;lkerung w&auml;re nur ein Anstieg der Sterbefallzahlen um etwa 2% oder etwa 20.000 F&auml;lle zu erwarten gewesen.&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Man reibt sich verwundert die Augen. Ist das alles, was offiziell zur &Uuml;bersterblichkeitsquote im Jahr 2020 gesagt werden kann? Definiert das Statistische Bundesamt die &Uuml;bersterblichkeit nicht eigentlich bezogen auf vier vorangegangene Jahre? Und war das Vorjahr 2019 nicht zuf&auml;lligerweise ein Jahr mit au&szlig;ergew&ouml;hnlich niedrigen Sterbezahlen? Sind diese &bdquo;Feinheiten&ldquo; f&uuml;r die Beurteilung des Sterbegeschehens in 2020 so unwichtig, dass man sich Ende 2021 immer noch mit einer Aussage begn&uuml;gt, die man so auch Anfang des Jahres schon h&auml;tte machen k&ouml;nnen? Warum teilt man der &Ouml;ffentlichkeit nicht den offiziellen Wert f&uuml;r die &Uuml;bersterblichkeit mit? Es ist schwer vorstellbar, dass die Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes nicht mehr in der Lage sein sollen, den Wert zu berechnen.<\/p><p>Zum Gl&uuml;ck sind die Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes allgemein zug&auml;nglich, so dass es Au&szlig;enstehenden m&ouml;glich ist, die H&ouml;he der &Uuml;bersterblichkeit (zumindest grob) mittels eigener Datenanalyse abzusch&auml;tzen.<\/p><p>Tabelle 1 gibt einen ersten Eindruck vom Ausma&szlig; der &Uuml;bersterblichkeit in den Coronajahren 2020 und 2021. Das Vorgehen bei der Ermittlung der Werte orientiert sich an der (offiziellen) &Uuml;bersterblichkeitsdefinition des Statistischen Bundesamtes und ist in [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] genauer beschrieben.<\/p><p>Tabelle 1<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_tabelle-1.png\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_tabelle-1.png\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Das Jahr 2020 ist danach mit einer &Uuml;bersterblichkeit von 1,59% bzw. 15.679 Personen verbunden. Im darauffolgenden Jahr steigt die &Uuml;bersterblichkeit (trotz Impfung) auf mehr als das Doppelte an und betr&auml;gt 3,45%. Ein solch hoher Wert ist in den zur&uuml;ckliegenden zwanzig Jahren noch nicht gemessen worden. Dabei wird die &Uuml;bersterblichkeit f&uuml;r 2021 letztlich sogar noch etwas h&ouml;her ausfallen, da die zurzeit verf&uuml;gbaren Sterbedaten noch nicht vollst&auml;ndig sind. Die endg&uuml;ltigen Sterbedaten werden den Wert f&uuml;r die &Uuml;bersterblichkeit mit Sicherheit noch ansteigen lassen.<\/p><p>In beiden Jahren ist die &Uuml;bersterblichkeit jeweils geringer als die Zahl der ausgewiesenen Coronatoten. Im Jahr 2020 macht sie 36%, im Jahr 2021 51% der Coronatoten aus.<\/p><p>Ein &auml;hnliches Verh&auml;ltnis von &Uuml;bersterblichkeit zur Zahl der Coronatoten ist im Rahmen einer Studie ermittelt worden, die die Hebrew University in Jerusalem zusammen mit der Universit&auml;t T&uuml;bingen durchgef&uuml;hrt hat. Dort weist man f&uuml;r die Zeit vom Beginn des Coronageschehens bis zur 24. Woche 2021 eine &Uuml;bersterblichkeit von 43% aus, bezogen auf die Zahl gemeldeter Coronatoter. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Warum besteht eine derart gro&szlig;e L&uuml;cke zwischen der H&ouml;he der &Uuml;bersterblichkeit und der Zahl der Coronatoten? Als Erkl&auml;rung wird h&auml;ufig auf die ausgebliebenen Grippeinfektionen in den Jahren 2020 und 2021 verwiesen. Und tats&auml;chlich leitet man aus der &Uuml;bersterblichkeit einen zu niedrigen Sch&auml;tzwert f&uuml;r die Zahl der Verstorbenen ab, wenn die Basislinie nicht ausschlie&szlig;lich grippeschwache Jahre zur Grundlage hat, sondern auch grippestarke Jahre darin eingegangen sind. Das ist ein wichtiger Aspekt, der beim Vergleich der Sterbezahlen nicht vernachl&auml;ssigt werden darf. Doch ist die Problematik damit nicht abschlie&szlig;end und umfassend beschrieben.<\/p><p>Das wird deutlich, wenn man die Basislinie dahingehend abwandelt, dass nicht mehr alle vier Vorjahre in die Berechnung eingehen, also grippearme und grippestarke Jahre gleicherma&szlig;en, sondern nur noch die grippearmen Vorjahre 2016 und 2019. Damit wird der verzerrende Grippeeinfluss weitgehend eliminiert und man erh&auml;lt h&ouml;here Werte f&uuml;r die &Uuml;bersterblichkeit. Der Tabelle 2 k&ouml;nnen die so modifizierten &Uuml;bersterblichkeitswerte entnommen werden.<\/p><p>Bezogen auf die ver&auml;nderte Basislinie erh&ouml;ht sich der Wert f&uuml;r die &Uuml;bersterblichkeit in den Coronajahren 2020 und 2021 von 50.754 Todesf&auml;lle auf 80.831 Todesf&auml;lle. Das entspricht 71% der vom RKI f&uuml;r diese Zeit ausgewiesenen Coronatoten. Man sieht, dass mit dem modifizierten Modellansatz die L&uuml;cke um etwa 30.000 Sterbef&auml;lle geschlossen werden kann. Es verbleibt jedoch immer noch eine gravierende Differenz.<\/p><p>Tabelle 2<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_tabelle-2.png\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_tabelle-2.png\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Angesichts der weiterhin bestehenden Differenz k&ouml;nnte man auf den Gedanken kommen, dass die RKI-Angaben zur Zahl der Coronatoten m&ouml;glicherweise nicht korrekt sind. Ein Blick auf die Abbildung 1 zeigt jedoch, dass diese Vermutung nicht zutrifft. Dort ist der Verlauf der &Uuml;bersterblichkeit zusammen mit der Zahl der Coronaverstorbenen aufgetragen.<\/p><p>Abbildung 1<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-01.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-01.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Es ist zu erkennen, dass die Kurvenverl&auml;ufe im Jahr 2020 recht gut &uuml;bereinstimmen. Nicht nur, dass in der ersten und zweiten Coronawelle die Maximalwerte ann&auml;hernd gleich hoch sind, auch die ansteigenden Phasen verlaufen in beiden Wellen synchron. Dass dem so ist, ist nicht selbstverst&auml;ndlich, da die Verl&auml;ufe auf vollkommen unterschiedliche Weise ermittelt worden sind. Die gute &Uuml;bereinstimmung kann als Indiz daf&uuml;r gedeutet werden, dass die Angaben des RKI, zumindest was die Gesamtzahl der Coronatoten betrifft, im Prinzip korrekt sind, auch wenn das RKI nicht zwischen Menschen, die AN und solchen die MIT Corona verstorben sind, unterscheidet.<\/p><p>Wenn man diese Annahme als zutreffend unterstellt, tauchen pl&ouml;tzlich ganz andere Fragen auf. Warum stimmen die absteigenden Phasen in den ersten beiden Wellen nicht &auml;hnlich gut &uuml;berein wie die ansteigenden Phasen? Warum folgt auf die sehr hohe zweite Coronawelle knapp drei Monate sp&auml;ter eine ausgepr&auml;gte Untersterblichkeit? Warum passen in der dritten Welle die Verlaufskurven f&uuml;r die &Uuml;bersterblichkeit und f&uuml;r die Zahl der Coronatoten so schlecht zusammen? Und warum liegt die &Uuml;bersterblichkeit in der vierten Welle dauerhaft &uuml;ber der Zahl der Coronatoten?<\/p><p>Von der Grippe her wei&szlig; man, dass vor allem alte und gesundheitlich geschw&auml;chte Menschen gef&auml;hrdet sind, an einer Infektion zu sterben. Vielfach handelt es sich um Menschen, die auch ohne die zus&auml;tzliche Infektion nicht mehr lange gelebt h&auml;tten. Wenn nun &ndash; aufgrund eines sich ausbreitenden Infektionsgeschehens &ndash; sehr viele alte und gesundheitlich stark vorbelastete Menschen erkranken und sterben, &auml;u&szlig;ert sich das nicht nur in einer ausgepr&auml;gten &Uuml;bersterblichkeit, sondern auch in einer nachfolgenden hohen Untersterblichkeit. Die Zeit, die zwischen dem Maximum der &Uuml;bersterblichkeit und dem Maximum der Untersterblichkeit vergeht, kann als Hinweis darauf interpretiert werden, wie lange viele dieser Menschen noch gelebt h&auml;tten, h&auml;tten sie sich nicht infiziert.<\/p><p>So lie&szlig;e sich die auf das Maximum der zweiten Welle folgende starke Untersterblichkeit erkl&auml;ren und so w&uuml;rde auch verst&auml;ndlich, warum in den absteigenden Phasen der ersten beiden Coronawellen die &Uuml;bersterblichkeit nicht so gut mit der Verstorbenenkurve &uuml;bereinstimmt wie im aufsteigenden Teil. Auch die schlechte &Uuml;bereinstimmung der Verl&auml;ufe in der dritten Welle ist auf Untersterblichkeitseffekte zur&uuml;ckf&uuml;hrbar. Hier &uuml;berlagern sich zwei gegenl&auml;ufige Einfl&uuml;sse: die auf die zweite Welle folgende Untersterblichkeit und die durch das neuartige Alpha-Virus ausgel&ouml;ste &Uuml;bersterblichkeit. Lediglich die ungew&ouml;hnlich hohe &Uuml;bersterblichkeit w&auml;hrend der vierten Welle kann schwerlich von Untersterblichkeitseffekten herr&uuml;hren.<\/p><p>Als Zwischenfazit l&auml;sst sich festhalten: Das Konzept der &Uuml;bersterblichkeit ist nur bedingt geeignet, die Zahl der Coronaverstorbenen verl&auml;sslich abzusch&auml;tzen. Tendenziell wird deren Anzahl (mehr oder weniger stark) untersch&auml;tzt. Die Untersch&auml;tzung wird umso h&ouml;her ausfallen, je gr&ouml;&szlig;er der Anteil der Menschen ist, der auch ohne zus&auml;tzliche Infektion, egal ob Grippe oder Corona, nur noch kurze Zeit gelebt h&auml;tte.<\/p><p>Bis zu einem gewissen Grad kann der verzerrende Einfluss der Untersterblichkeit rechnerisch korrigiert werden, wenn es Hinweise auf Art und Ausma&szlig; der Untersterblichkeit gibt. Das Dilemma der Untersch&auml;tzung der Verstorbenenzahl kann dadurch nicht vollkommen aufgel&ouml;st werden, aber man erh&auml;lt insgesamt bessere Sch&auml;tzwerte f&uuml;r die Zahl der Coronatoten. Ein Verfahren, mit dem dieses Ziel erreicht werden kann und das auch hier zur Anwendung kommt, ist in [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] beschrieben.<\/p><p>Der Tabelle 3 k&ouml;nnen die so korrigierten Sch&auml;tzwerte f&uuml;r die Zahl der Coronatoten entnommen werden (&bdquo;Destatis\/StBA-Coronatote&ldquo;). Da nur f&uuml;r die Phasen, in denen es relativ viele Coronatote gibt, verl&auml;ssliche Sch&auml;tzwerte ermittelt werden k&ouml;nnen, beschr&auml;nken sich die Berechnungen auf die Coronawellen. In den Zwischenzeiten ist die Zahl coronabedingter Sterbef&auml;lle zu niedrig, als dass sinnvolle Sch&auml;tzwerte aus den Sterbedaten abgeleitet werden k&ouml;nnten. Der Vollst&auml;ndigkeit halber sind die bisherigen &Uuml;bersterblichkeitswerte in der Tabelle mit angegeben (&bdquo;&Uuml;bersterblichkeit&ldquo; bzw. &bdquo;modifizierte &Uuml;bersterblichkeit&ldquo;).<\/p><p>Tabelle 3<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_tabelle-3.png\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_tabelle-3.png\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>F&uuml;r die erste Coronawelle folgt aus den Sterbedaten des Statistischen Bundesamtes ein Sch&auml;tzwert von 6.805 f&uuml;r die Zahl der Coronatoten. Das RKI weist 7.963 Coronatote aus. Der Sch&auml;tzwert entspricht 85% der gemeldeten Coronatoten.<\/p><p>Die &Uuml;bereinstimmung der Werte kann als durchaus zufriedenstellend angesehen werden, auch wenn weiterhin eine Differenz bestehen bleibt. M&ouml;glicherweise werden hier die Grenzen des auf der &Uuml;bersterblichkeit basierenden Sch&auml;tzverfahrens sichtbar.<\/p><p>In den beiden darauffolgenden Wellen zwei und drei liegt der Anteil der Coronatoten, der aus der &Uuml;bersterblichkeit abgeleitet werden kann, etwas h&ouml;her und betr&auml;gt 89% (zweite Welle) bzw. 104% (dritte Welle) der gemeldeten Coronatoten. In der dritten Welle treffen Unter- und &Uuml;bersterblichkeit in ausgepr&auml;gter Form aufeinander und sind nur schwer voneinander zu isolieren, so dass der Sch&auml;tzwert hier mit gr&ouml;&szlig;eren Unsicherheiten behaftet ist als in den vorhergehenden Wellen.<\/p><p>Die Verlaufskurve der vierten Welle enth&auml;lt keine eindeutigen Hinweise auf Untersterblichkeit. Daher wird hier darauf verzichtet, eine bessere Sch&auml;tzung f&uuml;r die Zahl der Coronatoten anzustreben. In der vierten Welle wird stattdessen die modifizierte &Uuml;bersterblichkeit in Relation zur Zahl der Coronatoten betrachtet. Dabei f&auml;llt auf, dass die &Uuml;bersterblichkeit erstmals sehr viel h&ouml;her liegt als die Zahl gemeldeter Coronatoter. Das hat es bis dahin w&auml;hrend der Pandemie noch nicht gegeben. &Uuml;berhaupt unterscheidet sich das Sterbegeschehen in der vierten Welle in grundlegender Weise von den vorangegangenen Coronawellen.<\/p><p>Abbildung 2<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-02.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-02.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Abbildung 2 macht deutlich, dass die &Uuml;bersterblichkeit in der vierten Welle nicht nur punktuell, sondern &uuml;ber mehrere Monate hinweg &uuml;ber den RKI-Angaben zur Zahl der Coronatoten liegt. Im Mittel machen die Coronatoten nur noch 62% der &Uuml;bersterblichkeit aus. Auf die Frage, warum das so ist bzw. so sein k&ouml;nnte, wird am Ende des Textes noch einmal eingegangen.<\/p><p><strong>Auswirkungen des Impfens auf das Sterbegeschehen<\/strong><\/p><p>Am zweiten Weihnachtstag 2020 wurde in Deutschland mit der Impfung gegen Corona begonnen. Da zun&auml;chst nur begrenzte Impfstoffmengen zur Verf&uuml;gung standen, gab es eine Priorit&auml;tenregelung. Als erste konnten sich die &uuml;ber 80-J&auml;hrigen sowie Patienten und Besch&auml;ftigte in Krankenh&auml;usern und Altenheimen impfen lassen. Im M&auml;rz 2021 wurde der Kreis der Impfberechtigten um verschiedene Berufsgruppen sowie um Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen erweitert und das Mindestalter auf 70 Jahre abgesenkt. Ab Mitte April konnten sich auch 60-J&auml;hrige impfen lassen. Seit Juni 2021 gibt es f&uuml;r Erwachsene keine einschr&auml;nkenden Regeln mehr.<\/p><p>Die Impfkampagne lief zun&auml;chst schleppend an. Zwanzig Wochen dauerte es, bis 10% der Bev&ouml;lkerung doppelt geimpft waren. Erst danach nahm das Impfgeschehen Fahrt auf. Anfang August war etwa die H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung doppelt geimpft. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Bei der Darstellung des Impffortschritts in Abbildung 3 ist ber&uuml;cksichtigt, dass der Impfschutz mit der Zeit nachl&auml;sst. Es sind folglich nicht einfach die Impfquoten aufgetragen, sondern die wirksamen Impfquoten. Es wurde davon ausgegangen, dass die Wirksamkeit der Impfung nach sechs Monaten nicht mehr ausreicht, einen sicheren Schutz zu gew&auml;hrleisten. Man sieht, dass in diesem Fall der durch Doppelimpfungen gesch&uuml;tzte Anteil der Bev&ouml;lkerung nach der 33. Woche kaum noch ansteigt und ab der 43. Woche sp&uuml;rbar zur&uuml;ckgeht (rote Linie).<\/p><p>Abbildung 3<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-03.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-03.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Mittels Auffrischimpfungen (ab der 22. Woche 2021) konnte die nachlassende Impfwirkung kompensiert worden. Die M&ouml;glichkeit, sich boostern zu lassen, wurde intensiv genutzt, so dass der Anteil der wirksam gesch&uuml;tzten Bev&ouml;lkerung, trotz nachlassender Impfwirkung, von 55% auf 70% gesteigert werden konnte. Man sieht allerdings, dass die Aufrechterhaltung eines hohen Impfschutzes mit dem Preis einer dauerhaft hohen Impfbereitschaft verbunden ist, die nicht nachlassen darf. Das erinnert in gewisser Weise an den Mythos von Sisyphos, der den schweren Marmorblock immer wieder aufs Neue m&uuml;hevoll den Berg hinaufw&auml;lzen muss.<\/p><p>In Abbildung 4 ist der Verlauf der Corona-Sterbezahlen vor dem Hintergrund mutierender Virusvarianten aufgetragen. Zus&auml;tzlich ist der Zeitpunkt des Impfbeginns markiert. Es f&auml;llt sofort ins Auge, dass der R&uuml;ckgang der Sterbezahlen in der zweiten Welle mit dem Beginn des Impfens zusammenf&auml;llt. Die Vermutung, dass die beiden Ereignisse urs&auml;chlich zusammenh&auml;ngen, liegt nahe, trifft aber nicht zu. Die Impfung kann nicht bereits in den direkten Folgewochen eine derart starke Wirkung auf das Sterbegeschehen entfaltet haben. Das best&auml;tigen Coronadaten aus anderen L&auml;ndern. In Gro&szlig;britannien etwa, wo am 7. Dezember mit dem Impfen begonnen wurde, dauerte es 48 Tage, bis die Sterbezahlen zur&uuml;ckgingen, und in Israel lagen 37 Tage zwischen dem Impfbeginn und den r&uuml;ckl&auml;ufigen Sterbezahlen. Es deutet alles darauf hin, dass die zweite Welle Ende 2020 ihren H&ouml;hepunkt erreicht hatte und danach (auch ohne Impfung) zur&uuml;ckgegangen w&auml;re. Dass diese Einsch&auml;tzung zutrifft, best&auml;tigt der Verlauf der Sterbezahlen bei den unter 60-J&auml;hrigen, die sich zu diesem fr&uuml;hen Zeitpunkt noch nicht impfen lassen konnten (vgl. Abb. 6). Der R&uuml;ckgang setzt hier zum gleichen Zeitpunkt ein wie bei den &Auml;lteren.<\/p><p>Abbildung 4<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-04.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-04.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Was man der Abbildung 4 noch entnehmen kann, ist, dass der Wildtyp, also das urspr&uuml;ngliche Wuhan-Virus, das Pandemiegeschehen &uuml;ber einen langen Zeitraum beherrscht hat. In den ersten zw&ouml;lf Monaten konnte sich keine andere Virusvariante durchsetzen. Das &auml;ndert sich im darauffolgenden Jahr. Bereits im Januar 2021 beginnt die Alpha-Mutation sich auszubreiten und wird im M&auml;rz zur dominierenden Variante. Sie bewirkt den Anstieg der Sterbezahlen in der dritten Welle. Vier Monate sp&auml;ter wird sie von der Delta-Variante verdr&auml;ngt, die die vierte Coronawelle ausl&ouml;st. Mittlerweile beherrscht die Omikron-Variante das Infektionsgeschehen. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>][<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Es mag Zufall sein, dass sich Virusmutationen erst nach Beginn des weltweiten Impfens durchsetzen konnten. Aber manche Experten halten das Impfen in eine Pandemie hinein grunds&auml;tzlich f&uuml;r problematisch. Ihrer Auffassung nach steigt dadurch die Gefahr, dass sich Escape-Mutationen durchsetzen und verbreiten. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>][<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Ob die Bef&uuml;rchtung berechtigt ist, kann man als Laie schwer beurteilen. Soweit hier jedoch Zweifel bestehen, sollten Epidemiologen und Virologen ihre Kompetenz nutzen, diese f&uuml;r die gesamte Menschheit so eminent wichtige Frage m&ouml;glichst schnell und unzweideutig zu kl&auml;ren. Das sollte auch im Interesse der Bundesregierung sein, die sich darauf festgelegt hat, dass die Coronapandemie nur durch Impfen &uuml;berwunden werden k&ouml;nne.<\/p><p>Schon sehr fr&uuml;h hat sich gezeigt, dass es sich bei den Coronatoten zum weit &uuml;berwiegenden Teil um alte oder sehr alte Menschen handelt. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Die Zahl j&uuml;ngerer Verstorbener, die noch keine 60 Jahre alt sind, ist im Vergleich zur Zahl &auml;lterer Verstorbener gering. Der Verlauf ihrer Sterbezahlen hebt sich, wie Abbildung 5 zeigt, kaum von der Nulllinie ab.<\/p><p>Abbildung 5<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-05.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-05.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Lediglich 3,4% aller Coronatoten des Jahres 2020 sind j&uuml;nger als 60 Jahre. Im darauffolgenden zweiten Jahr verdoppelt sich der Anteil nahezu und steigt auf 6,6% an (vgl. Tab. 4). &Uuml;ber die Ursache der Verdopplung kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. M&ouml;glicherweise ist sie das Resultat unterschiedlich hoher Impfquoten. Dadurch, dass j&uuml;ngere Menschen sich erst sp&auml;ter impfen lassen konnten und insgesamt zu einem geringeren Prozentsatz geimpft sind, sind sie unter Umst&auml;nden nicht so gut gegen schwere Verl&auml;ufe gesch&uuml;tzt wie &auml;ltere Menschen. Ende 2021 waren 84% aller Erwachsenen &uuml;ber 60 Jahre vollst&auml;ndig geimpft, aber nur 62% der unter 60-J&auml;hrigen. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Mit der niedrigeren Impfquote l&auml;sst sich allerdings nicht erkl&auml;ren, warum die absolute Zahl junger Menschen, die an oder mit Corona verstorben sind, im Jahr 2021 dreimal so hoch liegt wie im Jahr 2020, als noch kein Impfstoff gegen Corona zur Verf&uuml;gung stand (4.542 Personen gegen&uuml;ber 1.472 Personen). Der starke Anstieg wirft Fragen auf, auf die es bisher keine zufriedenstellende Antwort gibt.<\/p><p>Tabelle 4<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_tabelle-4.png\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_tabelle-4.png\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Fakt bleibt, dass das Risiko, an Corona zu versterben, f&uuml;r einen unter 60-J&auml;hrigen um ein Vielfaches geringer ist als f&uuml;r einen &uuml;ber 60-J&auml;hrigen. Das Risiko, an einer Coronainfektion schwer zu erkranken oder zu versterben, sollte bei der individuellen Abw&auml;gung, ob man sich impfen l&auml;sst oder nicht, folglich eine wichtige Rolle spielen. Gleiches gilt f&uuml;r die aktuellen politischen &Uuml;berlegungen zur Impfpflicht. Ist es angesichts der extrem unterschiedlichen Risiken, die eine Coronaerkrankung f&uuml;r den Einzelnen mit sich bringt, &uuml;berhaupt sinnvoll, eine allgemeine Impfpflicht einzuf&uuml;hren? Ein Gedankenexperiment mag verdeutlichen, warum die Frage wichtig ist. Die &Uuml;berlegungen beziehen sich auf das Jahr 2020, da das Krankheitsgeschehen in dieser Zeit noch nicht durch Impfeffekte beeinflusst worden ist.<\/p><p>Angenommen, zu Beginn der Pandemie h&auml;tte bereits ein hochwirksamer und nebenwirkungsfreier Impfstoff gegen Corona zur Verf&uuml;gung gestanden und alle Menschen unter 60 Jahre w&auml;ren damit geimpft worden, dann w&auml;ren 70% aller Menschen vor einem t&ouml;dlichen Verlauf der Infektion gesch&uuml;tzt gewesen. Doch trotz der hohen Impfquote von 70% h&auml;tte man damit die Zahl der Sterbef&auml;lle lediglich um 3,4% absenken k&ouml;nnen. H&auml;tte man dagegen alle &uuml;ber 30-J&auml;hrigen geimpft, so h&auml;tte man &ndash; bei gleicher Impfquote &ndash; den vorzeitigen Tod von bis zu 99,9% der Coronaverstorbenen verhindert.<\/p><p>Das Beispiel zeigt, wie gering die Aussagekraft der Impfquote ist, wenn sie nicht mit Angaben zum geimpften Personenkreis verbunden ist, in diesem Fall also zum Alter der Geimpften. Die Zahlen machen deutlich, wie wenig sinnvoll es ist, Menschen, deren Leben durch Corona praktisch nicht gef&auml;hrdet ist, in gro&szlig;er Zahl zu impfen, wie es die geplante Impfpflicht vorsieht. Man l&auml;sst v&ouml;llig au&szlig;er Acht, dass Impfungen mit dem neuartigen mRNA-Vakzin mit Risiken verbunden sind, die niemand wirklich absch&auml;tzen kann und die durchaus gravierend sein k&ouml;nnen. Nicht nur, dass viele Menschen danach mit schwerwiegenden Nebenwirkungen zu k&auml;mpfen haben, auch sind zahlreiche Menschen in zeitlicher N&auml;he zur Impfung verstorben. Dem Paul-Ehrlich-Institut sind bis Ende 2021 sage und schreibe 2.255 Sterbef&auml;lle gemeldet worden, bei denen der Verdacht besteht, dass die Impfung den Tod verursacht hat. [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Das ist eine erschreckend hohe Zahl, verglichen mit den wenigen Verdachtsf&auml;llen, die in der Vergangenheit nach Impfungen gemeldet worden sind. Bei jungen, gesunden Menschen kommt hinzu, dass die mRNA-Impfstoffe lediglich eine Notfallzulassung besitzen und nicht so umfassend und gut erforscht sind, dass Langzeitfolgen sicher ausgeschlossen werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Wie aus Abbildung 5 zu ersehen war, sind bisher vergleichsweise wenig Coronatote unter 60 Jahre zu beklagen gewesen. Trotzdem lohnt ein Blick auf die Sterbekurve (vgl. Abb. 6).<\/p><p>Abbildung 6<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-06.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-06.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Der Kurvenverlauf &auml;hnelt im Prinzip dem Verlauf bei der &auml;lteren Bev&ouml;lkerung. Er ist gekennzeichnet durch vier (zeitgleiche) Coronawellen und zwei infektionsarme Zeitabschnitte in der warmen Jahreszeit. Andererseits f&auml;llt auf, dass die dritte und die vierte Welle mit vergleichsweise sehr viel h&ouml;heren Werten verbunden sind als bei den &auml;lteren Verstorbenen.<\/p><p>W&auml;hrend sich die Zahl der Sterbef&auml;lle bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen in der dritten Welle nur geringf&uuml;gig erh&ouml;ht, steigt die Sterbezahl bei den unter 60-J&auml;hrigen stark an und erreicht wieder das hohe Niveau der vorangegangenen zweiten Welle. Das k&ouml;nnte als Hinweis auf die Wirksamkeit der Impfung gedeutet werden. Denn aufgrund der festgelegten Impfreihenfolge konnten sich die J&uuml;ngeren (von Ausnahmen abgesehen) in dieser Zeit noch nicht impfen lassen. Der schw&auml;chere Anstieg der Sterbezahlen bei den &Auml;lteren k&ouml;nnte folglich daher r&uuml;hren, dass sie gro&szlig;teils geimpft und dadurch besser gesch&uuml;tzt waren.<\/p><p>Auch der vergleichsweise starke Anstieg der Sterbezahlen bei den unter 60-J&auml;hrigen in der vierten Welle (vgl. Abb. 5 und Abb. 6) k&ouml;nnte auf die niedrigere Impfquote in dieser Altersgruppe zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sein.<\/p><p>Abbildung 7<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-07.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-07.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Eine Ahnung davon, wie die Sterbezahlen der &uuml;ber 60-J&auml;hrigen ohne die Impfung h&auml;tten aussehen k&ouml;nnen, vermittelt die Abbildung 7. Hier sind die Sterbeverl&auml;ufe der &Auml;lteren und der J&uuml;ngeren (noch einmal) gemeinsam aufgetragen. Allerdings ist diesmal das extrem unterschiedliche Niveau des Sterbegeschehens in der Darstellung ber&uuml;cksichtigt, indem unterschiedliche Skalierungen f&uuml;r die jeweilige Altersgruppe gew&auml;hlt wurden. In der Darstellung entsprechen beispielsweise 5.000 Sterbef&auml;lle bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen (blaue Linie) 150 Sterbef&auml;lle bei den unter 60-J&auml;hrigen (rote Linie).<\/p><p>Unterstellt man, dass sich das Sterbegeschehen bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen, wenn sie nicht geimpft gewesen w&auml;ren, etwa so abgespielt h&auml;tte, wie es die rote Linie andeutet, w&auml;ren in der dritten Welle wesentlich mehr Coronatote zu beklagen gewesen. Eine pr&auml;zise Zahl l&auml;sst sich nicht nennen, aber gr&ouml;&szlig;enordnungsm&auml;&szlig;ig k&ouml;nnte es sich um etwa 30.000 Personen handeln. Mit anderen Worten: Durch das Impfen ist ein vorzeitiger Tod von m&ouml;glicherweise 30.000 alten Menschen verhindert worden.<\/p><p>Am st&auml;rksten profitieren die &uuml;ber 80-J&auml;hrigen von der Impfung. Das liegt nicht nur daran, dass sie sich als Erste impfen lassen konnten, sondern auch daran, dass die meisten Coronatoten in der Vergangenheit das 80. Lebensjahr bereits &uuml;berschritten hatten. Auf dem H&ouml;hepunkt der zweiten Welle, also zu Beginn der Impfung, machen die &uuml;ber 80-J&auml;hrigen 73% aller Coronatoten aus (51. KW 2020). Danach geht der Wert kontinuierlich zur&uuml;ck. Am Ende der dritten Welle liegt er bei nur noch 34% (23. KW 2021). Die Entwicklung spiegelt sich auch im Sterbealter wider. Das Durchschnittsalter der Coronatoten verringert sich zeitgleich um fast zehn Jahre und geht von 83 Jahre auf 74 Jahre zur&uuml;ck.<\/p><p>Um welche Zeitspanne mag das Leben der alten Menschen durch die Impfung verl&auml;ngert worden sein? Diese Frage l&auml;sst sich nat&uuml;rlich nicht verl&auml;sslich beantworten. Aber da das durchschnittliche Sterbealter der Coronatoten seit Beginn des Impfens stark zur&uuml;ckgeht, m&uuml;ssen die &bdquo;Geretteten&ldquo; im Mittel deutlich &uuml;ber 83 Jahre alt gewesen sein. M&ouml;glicherweise liegt ihr Durchschnittsalter bei 85 oder gar 86 Jahren. Angesichts des sehr hohen Alters der Betroffenen kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die meisten von ihnen, trotz des &Uuml;berlebens der Coronainfektion, keine l&auml;ngere Lebensperspektive mehr gehabt haben. In sehr vielen F&auml;llen d&uuml;rfte der Tod nur um wenige Monate hinausgez&ouml;gert worden sein (vgl. hierzu die Ausf&uuml;hrungen in [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]). M&ouml;glicherweise hat das Hinausz&ouml;gern des Sterbegeschehens mit dazu beigetragen, dass die &Uuml;bersterblichkeit in den letzten Monaten des Jahres 2021 so ungew&ouml;hnlich stark angestiegen ist (vgl. Abb. 1).<\/p><p>Abbildung 8<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-08.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-08.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Der positive Effekt, den das Impfen auf die Zahl der Coronatoten in der dritten Welle gehabt hat, entspricht den Hoffnungen und Erwartungen, die allgemein mit dem Impfen verbunden werden. Und doch ist es zugleich eine gro&szlig;e &Uuml;berraschung; denn bis zu diesem Zeitpunkt sind noch nicht allzu viele Menschen gegen Corona geimpft. Hier k&ouml;nnte zum Tragen kommen, dass eine Impfreihenfolge vorgegeben war, die den am st&auml;rksten gef&auml;hrdeten Personen Priorit&auml;t einr&auml;umte.<\/p><p>Zur Veranschaulichung des Sachverhalts ist in Abbildung 8 der Verlauf der Sterbekurve f&uuml;r die &uuml;ber 60-J&auml;hrigen zusammen mit Angaben zur Impfquote aufgetragen. Um die Auswirkung des Impfens auf die Sterbekurve angemessen beurteilen zu k&ouml;nnen, ist es wichtig zu bedenken, dass sich das Impfen nicht sofort auf das Sterbegeschehen auswirkt, sondern mit einer zeitlichen Verz&ouml;gerung. In Gro&szlig;britannien lagen etwa sieben Wochen zwischen dem Impfbeginn und dem R&uuml;ckgang der Sterbezahlen, in Israel gut f&uuml;nf Wochen.<\/p><p>Ber&uuml;cksichtigt man die Zeitverz&ouml;gerung, so erkennt man, dass bereits Quoten von drei bis vier Prozent vollst&auml;ndig Geimpften einen enormen Einfluss auf das Sterbegeschehen aus&uuml;ben.<\/p><p>Bis zur 10. KW 2021 sind in Deutschland knapp 3 Mio. Menschen doppelt geimpft. Das entspricht einer Impfquote von 3,5%. Da sich bis dahin lediglich &uuml;ber 80-J&auml;hrige uneingeschr&auml;nkt impfen lassen konnten, ist es sinnvoll, die Zahl der Geimpften auch in Relation zur Gesamtzahl der &uuml;ber 80-J&auml;hrigen zu betrachten. Bezogen auf diese Altersgruppe entsprechen 3 Mio. Geimpfte einer Impfquote von 50%. Die Wirksamkeit der Impfung vorausgesetzt, w&auml;re damit jeder zweite Hochbetagte vor einem schweren Verlauf der Coronainfektion gesch&uuml;tzt gewesen.<\/p><p>Daraus kann man den Schluss ziehen, dass es f&uuml;r den Erfolg des Impfens nicht so sehr darauf ankommt, wie viele Menschen geimpft sind, als vielmehr darauf, wer geimpft ist. Wichtig ist, dass vor allem hochbetagte und gesundheitlich stark vorbelastete Menschen bereit sind, sich sch&uuml;tzen zu lassen. Und m&ouml;glicherweise spielen Vorerkrankungen hier die entscheidende Rolle. Daf&uuml;r sprechen die Untersuchungsergebnisse von Prof. Klaus P&uuml;schel, der durch die Obduktion von Coronatoten in Hamburg festgestellt hat, dass fast alle Verstorbenen mit relevanten Vorerkrankungen belastet waren. [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Der enge Zusammenhang zwischen Alter und Coronasterblichkeit ist m&ouml;glicherweise gar nicht in erster Linie dem Alter der Betroffenen geschuldet. Der Zusammenhang k&ouml;nnte indirekter Natur sein und daher r&uuml;hren, dass Vorerkrankungen bei alten Menschen eher die Regel als die Ausnahme sind und folglich bei diesen wesentlich st&auml;rker verbreitet sind als bei j&uuml;ngeren Menschen.<\/p><p><strong>Hohe &Uuml;bersterblichkeit w&auml;hrend der vierten Coronawelle<\/strong><\/p><p>Zum Abschluss wird noch einmal das Sterbegeschehen in der zweiten Jahresh&auml;lfte 2021 n&auml;her betrachtet. In diesem Zeitabschnitt ist das ungew&ouml;hnliche Ph&auml;nomen zu beobachten, dass die &Uuml;bersterblichkeit &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum hinweg und zum Teil sehr ausgepr&auml;gt &uuml;ber der Zahl der Coronatoten liegt (vgl. Abb. 9). Ein solcher Effekt ist weder im Coronajahr 2020 noch im ersten Halbjahr 2021 zu beobachten gewesen (vgl. Abb. 1).<\/p><p>In der Zeit von der 35. bis zur 52. Kalenderwoche 2021 summiert sich die &Uuml;bersterblichkeit auf 35.597 Personen auf, d.h. es sterben 35.597 Personen mehr, als nach den vorangegangenen Jahren zu erwarten gewesen w&auml;re (vgl. Tab. 3). Das RKI weist f&uuml;r diesen Zeitraum nur 21.950 Coronatote aus. Es verbleibt eine Differenz von 13.597 Sterbef&auml;llen.<\/p><p>Abbildung 9<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-09.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-09.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Dem Statistischen Bundesamt ist die hohe &Uuml;bersterblichkeit auch aufgefallen. In der Pressemitteilung vom 11. Januar 2022 geht die Beh&ouml;rde n&auml;her darauf ein:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Im November lagen die Sterbezahlen um 15.723 F&auml;lle oder 21% &uuml;ber dem mittleren Wert der Vorjahre. Beim RKI wurden bislang 7.591 Covid-19-Todesf&auml;lle mit einem Sterbedatum in diesem Monat gemeldet. Auch im September und Oktober erkl&auml;ren die gemeldeten Covid-19-Todesf&auml;lle die erh&ouml;hten Sterbefallzahlen nur zum Teil. F&uuml;r den zus&auml;tzlichen Anstieg der Sterbefallzahlen sind mehrere Ursachen denkbar: So k&ouml;nnen hier unerkannte Covid-19-Todesf&auml;lle (Dunkelziffer) oder die zeitliche Verschiebung von Sterbef&auml;llen innerhalb eines Jahres infolge der zum Jahresbeginn ausgefallenen Grippewelle eine Rolle spielen. M&ouml;glicherweise zeigen sich auch die Folgen verschobener Operationen und Vorsorgeuntersuchungen. Der Beitrag einzelner Effekte l&auml;sst sich allerdings derzeit nicht beziffern.&ldquo; [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Mit anderen Worten: Das Statistische Bundesamt wei&szlig; nicht, worauf die hohe &Uuml;bersterblichkeit zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist. Die aufgef&uuml;hrten Gr&uuml;nde haben m&ouml;licherweise eine Rolle gespielt, ob die Liste der Ursachen allerdings vollst&auml;ndig ist, ist ungewiss. Der weitgehend synchrone Verlauf der Zahl der Coronatoten und der H&ouml;he der &Uuml;bersterblichkeit legt die Vermutung nahe, dass auch Corona in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt. Es k&ouml;nnte sein, dass der au&szlig;ergew&ouml;hnliche Anstieg der &Uuml;bersterblichkeit eine direkte oder indirekte Folge des Impfens ist.<\/p><p>Bereits oben ist angedeutet worden, dass es sich bei der hohen &Uuml;bersterblichkeit um ein zeitlich verschobenes Sterbegeschehen handeln k&ouml;nnte, das auf die Coronaimpfungen in der zweiten und dritten Welle zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist. Ein solcher Effekt w&auml;re zu erwarten, wenn von den Menschen, die aufgrund der Impfung in der dritten Coronawelle nicht gestorben sind, viele bereits sehr alt und stark vorerkrankt waren, so dass sich der Sterbezeitpunkt lediglich um einige Monate nach hinten verschoben hat.<\/p><p>Auch k&ouml;nnte ein direkter Zusammenhang zum Impfen bestehen. Als Ursache f&uuml;r den Anstieg der Sterbezahlen k&auml;men dann vor allem die Boosterimpfungen in Betracht. Auffrischimpfungen sind in der betrachteten Zeit nicht nur in gro&szlig;er Zahl verabreicht worden, sondern sind auch, was die Wirkung und die Nebenwirkungen betrifft, weit schlechter erforscht als die regul&auml;ren mRNA-Impfungen.<\/p><p>Abbildung 10<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-10.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220321_EDER-10.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>In Abbildung 10 ist die Zahl der w&ouml;chentlichen Auffrischimpfungen zusammen mit der erh&ouml;hten &Uuml;bersterblichkeit aufgetragen. Die abgebildeten Kurvenverl&auml;ufe sind kein Beweis f&uuml;r einen bestehenden Zusammenhang, aber sie geben diesbez&uuml;glich auch keine Entwarnung. Man wird die weitere Entwicklung aufmerksam beobachten m&uuml;ssen und darauf hoffen, dass die Sterbeursachenstatistik, die voraussichtlich im Herbst 2022 ver&ouml;ffentlicht wird, zur Kl&auml;rung des Sachverhalts beitragen kann. Besser w&auml;re allerdings, wenn die Verantwortlichen nicht so lange warten w&uuml;rden, sondern die hohe &Uuml;bersterblichkeit als Warnsignal ernst n&auml;hmen und m&ouml;gliche Hintergr&uuml;nde und Ursachen des Effekts wissenschaftlich fundiert erforscht w&uuml;rden. Letztlich kann das Leben vieler Menschen von den Ergebnissen einer solchen Untersuchung abh&auml;ngen.<\/p><p>Schlussbemerkung:<\/p><p>Die schlechte Datenlage zum Coronageschehen in Deutschland wird von vielen Seiten immer wieder kritisiert. Und das zu recht. Was das Robert Koch-Institut an Daten erhebt bzw. nicht erhebt, wie diese aufbereitet und selektiv pr&auml;sentiert werden, ist extrem unbefriedigend. Doch trotz der schlechten Datenlage sind die vorhandenen Daten durchaus geeignet, neue und wichtige Erkenntnisse daraus zu gewinnen.<\/p><p>In der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass das Leben vieler alter und sehr alter Menschen durch die Impfung verl&auml;ngert worden ist und dass bereits niedrige Impfquoten von wenigen Prozent einen starken Einfluss auf das coronabedingte Sterbegeschehen haben. Eine allgemeine Impfpflicht macht unter diesen Umst&auml;nden wenig Sinn. Sie w&uuml;rde bestehende gesellschaftliche Gr&auml;ben vertiefen, wichtige Ressourcen binden, viel Geld kosten und kaum Menschenleben retten. Auch branchenbezogene Impfpflichten sind angesichts der Tatsache, dass Geimpfte sich infizieren und andere anstecken k&ouml;nnen, kaum zu rechtfertigen. Viel wichtiger w&auml;re es, differenzierte Konzepte f&uuml;r Personen und Personengruppen zu erarbeiten, die aufgrund ihres Alters, ihrer Vorerkrankungen und\/oder der &auml;u&szlig;eren Bedingungen, unter denen sie leben, besonders gef&auml;hrdet sind, an einer Coronainfektion schwer zu erkranken oder zu versterben. Solange die Coronapandemie nicht &uuml;berwunden ist, sollte hierbei das Testen von Kontaktpersonen im Mittelpunkt jeden Schutzkonzeptes stehen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<p>Titelbild: gnepphoto8\/shutterstock.com<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/0222dee00b744637a40842bcd905352f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article207167375\/Merkel-zu-Corona-Solange-wir-keinen-Impfstoff-haben-wird-das-gelten.html\">Merkel zur Coronalage: &ldquo;Pandemie wird nicht verschwinden, bis wir wirklich einen Impfstoff haben.&rdquo;<\/a> Welt vom 9. April 2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/merkel-rechnet-noch-lange-mit-corona-einschraenkungen-17042582.html\">Merkel rechnet noch lange mit Coronaeinschr&auml;nkungen.<\/a> FAZ vom 8. November 2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Statistisches Bundesamt: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Sterbefaelle-Lebenserwartung\/Tabellen\/sonderauswertung-sterbefaelle.html\">Sterbef&auml;lle &ndash; Fallzahlen nach Tagen, Wochen, Monaten, Altersgruppen, Geschlecht und Bundesl&auml;ndern f&uuml;r Deutschland 2016 &ndash; 2021.<\/a> Publikation vom 24. Januar 2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Robert Koch-Institut: <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Projekte_RKI\/COVID-19_Todesfaelle\"><strong>Coronavirus SARS-CoV-2 &ndash; <\/strong>Todesf&auml;lle nach Sterbedatum<\/a>, Stand: 27. Januar 2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Statistisches Bundesamt: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2021\/12\/PD21_563_12.html\">Corona-Pandemie f&uuml;hrt zu &Uuml;bersterblichkeit in Deutschland.<\/a> Pressemitteilung Nr. 563 vom 9. Dezember 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] G&uuml;nter Eder &ndash; <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/blick-auf-die-statistik\">Blick auf die Statistik.<\/a> Freitag vom 8. April 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Ariel Karlinsky, Dmitry Kobak &ndash; <a href=\"https:\/\/elifesciences.org\/articles\/69336\">Tracking excess mortality across countries during the COVID-19 pandemic with the World Mortality Dataset.<\/a> Hebrew University (Israel) and University of T&uuml;bingen (Germany), 30. Juni 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] G&uuml;nter Eder &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76248\">Die Coronapandemie im Spiegel der amtlichen Sterbefallstatistik.<\/a> NachDenkSeiten vom 22. September 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Robert Koch-Institut: <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Daten\/Impfquoten-Tab.html;jsessionid=4A3823529EC983C68CD4D503D8DA06C1.internet111\">Digitales Impfquotenmonitoring zur Covid-19-Impfung.<\/a> Stand: 20. Januar 2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Robert Koch-Institut &ndash; <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Wochenbericht\/Wochenbericht_2022-01-27.pdf?__blob=publicationFile\">W&ouml;chentlicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit Covid-19.<\/a> Stand: 27. Januar 2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Robert Koch-Institut &ndash; <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Virusvariante.html\">&Uuml;bersicht zu besorgniserregenden SARS-CoV-2-Virusvarianten.<\/a> Stand: 20. Januar 2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Geert Vanden Bossche &ndash; <a href=\"https:\/\/mcusercontent.com\/92561d6dedb66a43fe9a6548f\/files\/ee29efbe-ffaf-4289-8782-d323642a0072\/concern_about_using_current_Covid_19_vaccines_for_mass_vaccination_in_the_midst_of_a_pandemic_Geert_Vanden_Bossche.pdf\">Why should current Covid-19-vaccines not be used for mass vaccination during a pandemic?<\/a> Vaccines summit Ohio, March 1-3, 2021, Ohio, USA<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/211213-Tasler-Interview-komplett-NDS-JB-1.pdf\">Wir haben mit der aktuellen Impfstrategie eine gem&auml;hte Wiese f&uuml;r die Etablierung von Mutationen geschaffen, die dem Impfprinzip entkommen.<\/a>&rdquo; &ndash; NachDenkSeiten vom 13. Dezember 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Paul-Ehrlich-Institut &ndash; <a href=\"https:\/\/www.pei.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/newsroom\/dossiers\/sicherheitsberichte\/sicherheitsbericht-27-12-20-bis-31-12-21.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=5\">Sicherheitsbericht: Verdachtsf&auml;lle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor Covid-19 seit Beginn der Impfkampagne.<\/a> Stand: 7. Februar 2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Fast-alle-Corona-Toten-waren-vorerkrankt-article22371530.html\">Obduktionen in Hamburg &ndash; Fast alle Corona-Toten waren vorerkrankt.<\/a> NTV vom 30. Februar 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Statistisches Bundesamt: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2022\/01\/PD22_014_126.html\">Sterbefallzahlen im Dezember 2021: 22% &uuml;ber dem mittleren Wert der Vorjahre.<\/a> Pressemitteilung Nr. 014 vom 11. Januar 2022<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung h&auml;lt immer noch am Plan einer allgemeinen Impfpflicht fest, obgleich die Debatte stellenweise abstruse Z&uuml;ge <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82041\">angenommen hat<\/a>. Dabei w&auml;re es &auml;u&szlig;erst hilfreich, sich die Sterbezahlen der verschiedenen Wellen einmal genauer anzuschauen. Der Statistiker <strong>G&uuml;nter Eder<\/strong> hat das f&uuml;r die NachDenkSeiten getan. Obgleich der Nutzen der Impfung f&uuml;r die Risikogruppen erkennbar ist, geben<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82124\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":82132,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,11],"tags":[3018,3209,3165,2880,2453,405,2834],"class_list":["post-82124","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-arzneimittelnebenwirkungen","tag-uebersterblichkeit","tag-immunitaet","tag-impfungen","tag-mortalitaet","tag-statistisches-bundesamt","tag-virenerkrankung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/shutterstock_2023733036.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82124","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=82124"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82124\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82147,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82124\/revisions\/82147"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/82132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=82124"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=82124"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=82124"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}