{"id":82141,"date":"2022-03-21T16:01:50","date_gmt":"2022-03-21T15:01:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82141"},"modified":"2022-03-21T17:08:25","modified_gmt":"2022-03-21T16:08:25","slug":"leserbriefe-zu-x-ist-ein-verbrecher-y-ist-ein-verbrecher-fuehrt-diese-etikettierung-zu-etwas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82141","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eX ist ein Verbrecher, Y ist ein Verbrecher \u2013 f\u00fchrt diese Etikettierung zu etwas?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Albrecht M&uuml;ller hinterfragt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82065\">hier<\/a> die Bezeichnung des russischen Pr&auml;sidenten Putin als Verbrecher bzw. Kriegsverbrecher durch seinen US-amerikanischen Amtskollegen Biden und andere. Solche Etikettierungen seien &bdquo;zum einen weitere Schritte in die unsinnige Personalisierung der kriegerischen Auseinandersetzungen und zum anderen zugleich Elemente der Eskalation&ldquo;. Notwendig sei, dass Regierungschefs und Pr&auml;sidenten im Notfall miteinander telefonieren\/sprechen k&ouml;nnten, um das Schlimmste zu verhindern. Erinnert wird an die Zeit der beginnenden Entspannungspolitik. Da sei versucht und auch ausdr&uuml;cklich so formuliert worden, &bdquo;sich in die Position des Gegen&uuml;bers oder Gegners zu versetzen&ldquo;. Danke f&uuml;r die interessanten Zuschriften. Hier sind die Leserbriefe. Zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<br>\n&nbsp;<br>\nmit Ihrem Artikel sprechen Sie mir aus der Seele. Zu h&auml;ufig h&ouml;re ich in letzter Zeit harsche Kritik und Hasstiraden, w&auml;hrend ich mir die Frage stelle, ob die Sprecher sich wirklich als frei von jeder Schuld betrachten k&ouml;nnen. Wenn ein amerikanischer Pr&auml;sident, den Pr&auml;sidenten eines anderen Landes als Kriegsverbrecher oder Verbrecher im Allgemeinen bezeichnet, wird es vollends absurd.<br>\n&nbsp;<br>\nAber wir leben in absurden Zeiten, wo Impfgegner die Geiselnehmer ihrer geimpften Mitb&uuml;rger sind, Staatsfeinde und Eiterpickel der Nation, wo auf Friedensdemos Plakate mit Todesw&uuml;nschen geschwenkt werden. Brave New World?<br>\n&nbsp;<br>\nAber im Grunde ist das Ganze doch nur ein Riesentheater, das es einigen Wenigen im Hintergrund erm&ouml;glicht, mal wieder ordentlich Geld zu scheffeln. Dschungelcamp und Co waren gestern. Heute bieten wir dem Konsumenten Pandemien und Kriege in Live-Schaltung.<br>\nWenn dazu Jungpolitikerinnen wie Emilia Fester ihr Schauspieltalent positiv hervorheben, muss ich fast schmunzeln, denn auch wenn die Dame stolz darauf ist, seit ihrem 21. Lebensjahr keine Uni mehr von innen gesehen zu haben, bringt sie definitiv Qualit&auml;ten mit sich, die sie f&uuml;r das, was man heutzutage Politik nennt, pr&auml;destinieren!<br>\n&nbsp;<br>\nHerzliche Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nVeronika Weinand<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Albrecht M&uuml;ller,<br>\n&nbsp;<br>\ndiese Etikettierung f&uuml;hrt sehr wohl zu etwas: mit einem Verbrecher (wahlweise: Diktator, der sein Volk unterdr&uuml;ckt und Oppositionelle ermorden l&auml;&szlig;t) braucht man sich nicht argumentativ auseinander zu setzen, denn seine Motive sind auch f&uuml;r das schlichteste Gem&uuml;t sofort erkennbar. W&uuml;rde man Putin aber als rational denkende Person, die sich im Gegensatz zu einigen Schmierfinken (wahlweise: Edelfedern) der Konsequenzen seines Handelns bewusst ist, darstellen, h&auml;tte es mit der einfachen Erkl&auml;rung ein Ende. Diese verantwortungslosen Cliquen (wahlweise: F&uuml;hrungseliten), die schon seit Jahren nach einem Wirtschaftskrieg mit Russland lechzen, sind nun am Ziel. An wen die Rechnung durchgereicht wird, braucht man nicht eigens zu erw&auml;hnen.<\/p><p>Nun hat die Zerst&ouml;rung des politischen Diskurses ja auch nicht erst mit dem Ukrainekrieg begonnen. Dennoch h&auml;tte ich es nicht f&uuml;r m&ouml;glich gehalten, dass man von K&uuml;nstlern, die die Situation in ihrer Heimat besser kennen d&uuml;rften als ihre hiesigen Vertragspartner, eine Distanzierung von ihrer Regierung fordert und den auf die Verweigerung folgenden Rausschmiss auch noch begr&uuml;&szlig;t &ndash; aufrechter Gang scheint ein Zeichen von Charakterschw&auml;che zu sein? Das Gef&uuml;hl, die eigene Position ein St&uuml;ck weit der &ldquo;&ouml;ffentlichen Meinung&rdquo; anpassen zu m&uuml;ssen, um &uuml;berhaupt noch im Gespr&auml;ch bleiben zu k&ouml;nnen, ist &auml;u&szlig;erst schmerzhaft &ndash; es f&uuml;hlt sich an wie der Verlust eines St&uuml;cks Heimat.<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nEwald Lippok<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Sie haben nat&uuml;rlich ganz recht mit Ihrem Artikel: Diese gegenseitigen bzw. publizierten Verbalinjurien schaffen genau das: (psychische) Verletzungen, die es f&uuml;r die Betroffenen nur noch schwerer machen, miteinander zu reden. Und miteinander reden werden die Politiker irgendwann, sp&auml;testens nach &ldquo;Beendigung der Kampfhandlungen&rdquo;, ja wieder m&uuml;ssen. <\/p><p>Ich hatte &uuml;brigens Gelegenheit, den Botschafter der Ukraine, Herrn Melnyk, im Jahre 2016 bei einer Podiumsdiskussion hier in Freiburg zu erleben. Meine diesbez&uuml;glichen Eindr&uuml;cke habe ich seinerzeit in einem Text zusammengefasst (<a href=\"http:\/\/www.truthorconsequences.de\/ToC_Texte\/toc1624.html\">hier<\/a>), und obwohl mir schon damals klar war, welcher Gesinnung der Mann ist, habe ich ihn in meiner Einleitung auch brav als &ldquo;Seine Exzellenz&rdquo; vorgestellt, denn das ist die den Botschaftern (seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten?) zugemessene formelle Anrede.<\/p><p>Sie wissen es nat&uuml;rlich schon seit Willy Brandt&rsquo;s Zeiten: Auch diesen Krieg wird man nur durch Verhandlungen beenden und &ndash; vielleicht &ndash; auch in seinen Kriegsgr&uuml;nden l&ouml;sen k&ouml;nnen. <\/p><p>Auch in meinem privaten Umfeld stosse ich immer wieder auf den Satz &ldquo;bringt den Kriegsverbrecher Putin vor das Gericht in Den Haag&rdquo;. Der Satz ist aber nicht nur strategisch falsch (siehe oben, Verhandlungsbereitschaft!), sondern bringt auch sehr verschiedene Begriffe durcheinander. <\/p><p>Krieg zu f&uuml;hren kann man ein &ldquo;Verbrechen gegen den Frieden&rdquo; nennen, aber ein Kriegsverbrechen ist es nicht. Die Regelungen, die da in den Haager und Genfer Konventionen festgelegt sind, gehen ja gerade vom Faktum der Kriegsf&uuml;hrung aus und wollen &ldquo;nur&rdquo; daf&uuml;r sorgen, dass das (t&ouml;dliche und zerst&ouml;rerische) Kriegsgeschehen m&ouml;glichst auf die unmittelbaren Kombattanten (die aktiven Soldaten) beschr&auml;nkt bleibt. Deshalb das Verbot der absichtlichen Beschiessung von Zivilisten, deshalb aber auch die Gebote zur Behandlung von Kriegsgefangenen &ndash; die, wenn sie nicht mehr k&auml;mpfen k&ouml;nnen &ndash; gerade vom Kriegsgegner einigermassen w&uuml;rdevoll behandelt und versorgt werden sollen. <\/p><p>Entsprechend ist die Verfolgung von Kriegsverbrechen eine dem Wesen nach kriminalistische Aufgabe: Wer hat wann wen mit welchen Mitteln beschossen oder bek&auml;mpft? Und aufgrund des schon von Clausewitz und McNamara beklagten &ldquo;Nebels des Krieges&rdquo; ist diese Kriminalistik w&auml;hrend eines Krieges fast nie durchf&uuml;hrbar, sondern muss zur &ldquo;Aufr&auml;umarbeit danach&rdquo; werden. <\/p><p>Die Feststellung eines &ldquo;Verbrechens gegen den Frieden&rdquo; ist aber notwendigerweise keine kriminalistische, sondern eine politische Frage. Und mit die gr&ouml;sste Schwierigkeit dabei ist die Kl&auml;rung der Frage, ob denn vorher &uuml;berhaupt Frieden geherrscht hat. Bekanntlich beantwortet dies die russische F&uuml;hrung ganz anders als der &ldquo;Wertewesten&rdquo; mit NEIN. Uns hier in Deutschland, wo &uuml;ber den seit 2014 andauernden und auf kleiner Flamme weiterbetriebenen Krieg zwischen der Kiewer Regierung und den Donbass-Republiken so gut wie nicht mehr berichtet wurde, mag der Zustand vor dem 21.Februar als &ldquo;Frieden&rdquo; erscheinen. Und wenn wir den makabren, in Kriegszeiten leider &uuml;blichen &ldquo;body count&rdquo; auch hier anwenden wollen: Die rund 10&rsquo;000 Toten in der &ldquo;heissen&rdquo; Kriegsphase 2014\/2015 und die noch einmal rund 5&rsquo;000 Toten bis 2021 sind verglichen mit anderen Ereignissen (etwa den rund 10&rsquo;000 j&auml;hrlichen Verkehrstoten in der Ukraine) vielleicht wirklich &ldquo;nicht viel&rdquo;, f&uuml;r die Betroffenen &ouml;stlich und westlich der &ldquo;grauen Zone&rdquo; im Donbass f&uuml;hlte sich die Sache aber sicherlich sehr nach Krieg an.<\/p><p>&ndash; &ndash; &ndash;<\/p><p>Es gibt noch einen anderen Aspekt der von Ihnen beklagten sprachlichen Verrohung gerade auf h&ouml;chster Politikerebene. Denn diese Rhetorik richtet sich ja weniger an den &ldquo;Feind&rdquo; als an das eigene Volk oder die eigenen V&ouml;lker. Mit etwas Abstand betrachtet erleben wir ja seitens der USA und ihrer mehr oder minder treuen Vasallen auch oder gerade einen (&ouml;konomischen, sozialen) Krieg gegen die eigene Bev&ouml;lkerung. So wird in den USA mindestens seit der Pr&auml;sidentschaft Clinton immer wieder &uuml;ber die Einf&uuml;hrung einer allgemeinen Gesundheitsvorsorge nach westeurop&auml;ischem Vorbild debattiert &ndash; meist &ldquo;Medicare for all&rdquo; genannt. &Uuml;berspitzt formuliert: Immer dann, wenn die Sache irgendwie einer Verwirklichung nahe zu kommen scheint, bricht &ldquo;urpl&ouml;tzlich&rdquo; irgendwo auf der Welt ein Krieg aus, den die USA nat&uuml;rlich im Namen der &ldquo;Freiheit&rdquo; auszufechten haben oder ausfechten lassen m&uuml;ssen. Oder man muss gleich ein &ldquo;Wort an sich&rdquo; bek&auml;mpfen, sprich den &ldquo;war on terror&rdquo; erkl&auml;ren. Der US-Durchschnittsb&uuml;rger versammelt sich dann wieder brav um die Flagge und denkt nicht mehr an die &ldquo;Friedensdividende&rdquo;, die er sich doch reichlich verdient h&auml;tte.<\/p><p>In diesem Zusammenhang kann auffallen, dass die Medienhysterie um den angeblich bevorstehenden Einmarsch der Russen in der Ukraine ziemlich genau nach dem so unehrenhaften Abzug der US- und NATO-Truppen aus Afghanistan im August letzten Jahres begann. Da k&ouml;nnte man auf den Gedanken kommen, dass ein von pl&ouml;tzlichem Funktionsverlust bedrohter milit&auml;risch-industrieller Komplex gerade rechtzeitig den n&auml;chsten &ldquo;limited war&rdquo; hervorzog, um Macht, Einfluss und Dividenden zu sichern. In Bezug auf die BRD und ihre so pl&ouml;tzlich entdeckte Liebe zu Gross-R&uuml;stung (&ldquo;100 Milliarden Bundeswehr-Sonderverm&ouml;gen&rdquo;, mehr als 2% BIP-Anteil, neue &ldquo;Stealth&rdquo;-Bomber f&uuml;r die &ldquo;nukleare Teilhabe&rdquo; etc.) scheint das ja auch gut aufgegangen zu sein.<\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller, man soll die Hoffnung nicht verlieren, aber trotz Fr&uuml;hlingstemperaturen hier in Freiburg will keine Fr&uuml;hlingsstimmung in mir aufkommen. Wohin f&uuml;hrt die Reise? Zum &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.truthorconsequences.de\/ToC_Texte\/toc1632.html\">perpetual war<\/a>&ldquo;?<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;ssen<br>\npeter schulz<\/p><p><em><strong>Anmerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Der Hinweis auf Afghanistan ist auch noch aus einem 2. Grund berechtigt: Der neue Krieg hat das Desaster, dass der Westen in Afghanistan angerichtet hat, medial v&ouml;llig &uuml;berlagert. &Uuml;ber Afghanistan, &uuml;ber den Hunger der Menschen dort und das Leid, das 20 Jahre Krieg &uuml;ber sie gebracht hat, ist aus den Medien und aus dem Bewusstsein verschwunden.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>es ist ein gro&szlig;er Unterschied, wer solche Bewertungen &ouml;ffentlich abgibt. Wenn es sich bei dem Angriffskrieg auf die Ukraine um ein (Kriegs)Verbrechen handelt und der Russische Pr&auml;sident letzlich verantwortlich f&uuml;r den Angriffsbefehl ist, dann ist er ein Kriegsverbrecher. Das ist schlicht eine Frage der Logik. Das hat nichts mit Personalisierung oder Einseitigkeit zu tun. Wenn Jens Berger ihn so bezeichnet, ist daran nichts auszusetzen. Anders s&auml;he es aus, wenn er zwischen den Kriegsparteien als Verhandler, Vermittler, Mediator o.&auml;. in Betracht k&auml;me. Dann w&uuml;rde eine solche &ouml;ffentliche Aussage ihn auf einen Schlag disqualifizieren. Niemand akzeptiert einen Mediator, der f&uuml;r eine Seite Partei ergriffen oder eine andere Seite zum Alleinschuldigen erkl&auml;rt hat. In ihrem o.a. Artikel schreiben Sie ja auch, dass es in der Phase des kalten Krieges &ldquo;keine so personalisierte und mit Verbalinjurien gespickte &ouml;ffentliche Auseinandersetzung zwischen den f&uuml;hrenden Personen in West und Ost (gegeben habe) wie heute.&rdquo; Insofern w&uuml;rde ich Ihnen zustimmen, dass die Mitglieder unserer Bundesregierung unverantwortlich handeln, wenn sie &ouml;ffentlich mit solchen Titulierungen um sich schmeissen oder gar, wie unsere Aussenministerin, eigene Kriegsziele verk&uuml;nden (Russland ruinieren). Scholz, Baerbock, Steinmeier usw. haben sich als Konfliktl&ouml;ser disqualifiziert. Das ist tragisch, da Politiker aus der zweiten Reihe nur in Betracht k&auml;men, wenn sie letztlich im Auftrag der &ldquo;ersten Reihe&rdquo; handeln k&ouml;nnten. Aktuell &ndash; und wahrscheinlich auch f&uuml;r lange Zeit &ndash; hat Deutschland sich aus der Rolle des Konfliktl&ouml;sers verabschiedet und bet&auml;tigt sich als Konfliktversch&auml;rfer.<\/p><p>Dass in unserer ver&ouml;ffentlichten Darstellung &ndash; und wahrscheinlich auch in der &ouml;ffentichen Meinung &ndash; &uuml;berwiegend extreme Einseitigkeit herrscht, ist vorerst wohl nicht zu &auml;ndern. Dass man z.B. amerikanische Pr&auml;sidenten, die Angriffkriege, Drohnenmorde oder vergleichbares zu verantworten haben bei uns nicht als Kriegsverbrecher bezeichnet, kann nicht der Grund daf&uuml;r sein, dass man diese Bewertung aufgibt, wenn sie zutrifft. Den russischen Pr&auml;sidenten als Kriegsverbrecher zu bezeichnen bedeutet auch nicht, den Weg zu vergessen, der in diesen Krieg gef&uuml;hrt hat oder seine Verhandlungsangebote der letzten zwanzig Jahre zu vergessen oder als nicht glaubhaft abzutun.<\/p><p>Verbrechen m&uuml;ssen aber als Verbrechen bezeichnet werden, wer immer sie auf dem Gewissen hat. Putins Angriffsbefehl nicht als Verbrechen zu bezeichnen w&uuml;rde bedeuten, die gleiche Verharmlosung und Verdummung zu betreiben, die im Hinblick auf die vielen &ldquo;westlichen&rdquo; Kriegsverbrechen der Normalfall ist.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nJoachim Wieck<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr M&uuml;ller,<\/p><p>ich fand Ihren Artikel hervorragend bis zum letzten Satz:<\/p><p>Mit dem Anfang des Satzes &ldquo;Gemessen daran haben wir es heute, so meine Sicht, mit einer absoluten Verbl&ouml;dung zu tun,&hellip;&rdquo; erschweren Sie ein Einsehen&nbsp; und ein &ldquo;Abr&uuml;sten&rdquo; im Geiste der Kolleg*innen in &auml;hnlicher Weise wie Sie das in Ihrem Artikel so trefflich beschreiben und zu Recht ein Umdenken fordern.<\/p><p>Ich fand es sehr schade, das nimmt dem Artikel die Glaubw&uuml;rdigkeit, wenn Sie selbst nicht in der Lage sind, auf Beschimpfungen zu verzichten. Dabei stimme ich vollkommen &uuml;berein, dass dies so sehr n&ouml;tig w&auml;re.<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nAlisha Huber<\/p><p><em><strong>Anmerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Danke f&uuml;r den Hinweis. Richtig, das Wort Verbl&ouml;dung h&auml;tte ich vermeiden wollen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr M&uuml;ller, <\/p><p>&uuml;blicherweise f&uuml;hren Artikel von Jens Berger bei mir verl&auml;sslich zu dem Schluss, so und nicht anders ist es &ndash; Berger bringt&rsquo;s mal wieder auf den Punkt. Meinem Selbstbild als souver&auml;ner und kritischer Geist ist so viel Einverst&auml;ndnis nicht gerade zutr&auml;glich. So gesehen bildet &bdquo;Ein Held unserer Zeit&ldquo; eine f&uuml;r mich pers&ouml;nlich gl&uuml;ckliche Ausnahme, auch mal auf Distanz gegen&uuml;ber Bergers Sichtweise gehen zu k&ouml;nnen. Denn auch ich bin bei der Etikettierung Verbrecher ausgestiegen. <\/p><p>Je l&auml;nger diese Invasion andauert, desto mehr Informationen, Desinformationen, Fehlinformationen und Variablen sammeln und reichern sich an und umso unsicherer wird es diese Fragmente einer der Kategorien zuzuordnen. Im gleichen Ma&szlig; wie der gesellschaftliche Druck nach einem Bekenntnis ansteigt &ndash; und er war von Beginn an immens hoch &ndash; str&auml;ubt es sich in mir aus mangelndem Wissen und Erkenntnis ein Glaubenszeugnis abzulegen. <\/p><p>Dieser mediale und &ouml;ffentliche Druck gegen jegliche Er&ouml;rterung und Dialektik ist ja hierzulande bereits absto&szlig;end genug, aber wenn ich zudem beobachte wie sich sp&auml;testens seit dem Hearing Rubio \/ Nuland in den USA geradezu eine McCarthy-&Auml;ra 2.0 Bahn bricht, bereits offensichtliche und unausweichliche Fragen als Landesverrat gekennzeichnet werden, wird mir die aufgen&ouml;tigte Unabdingbarkeit von Schwarz-Wei&szlig; zur Farce. <\/p><p>Es scheint, mir soll hier unter immer mehr Druck ein Haus teuer verkauft werden, dass ich bewusst und &uuml;berlegt nicht mal billig mieten w&uuml;rde. <\/p><p>Was wird in 10 Jahren in den Geschichtsb&uuml;chern stehen? Wird der 24. Februar bestand haben als Beginn eines Krieges oder werden Ausgangssituation und Vorgeschichte auch im Westen eine h&ouml;here Gewichtung erfahren? <\/p><p>Wird die Rede sein von einem mehr oder weniger singul&auml;ren Ereignis das f&uuml;r sich steht, oder letztlich nur von einem Kapitel einer viel gr&ouml;&szlig;eren Erz&auml;hlung? Wird die Invasion des 24. Februar 2022 eher als Folge oder Ursache, mehr als Ausl&ouml;ser oder Resultat gewichtet werden? All diese Fragen relativieren die Identifikation eines personifizierten Verbrechers. <\/p><p>Herr M&uuml;ller, Sie waren bewusster Zeitzeuge, ich damals knapp drei Jahre alt; wie war das mit dem Sechstagekrieg? <\/p><p>&bdquo;Der Krieg begann am 5. Juni mit einem Pr&auml;ventivschlag der israelischen Luftstreitkr&auml;fte gegen &auml;gyptische Luftwaffenbasen, der einem bef&uuml;rchteten Angriff der arabischen Staaten zuvorkommen sollte&ldquo; berichtet Wikipedia. Ergo hatte Israel mit der UN-Charta, dem Gebot des Gewaltverzichts und damit das V&ouml;lkerrecht gebrochen. Also waren MP Levi Eschkol und SP Salman Schasar &bdquo;ebenfalls ganz sicher keine Helden, sondern Verbrecher&ldquo;? Ganz sicher? <\/p><p>Man muss nat&uuml;rlich die Erkl&auml;rungen des Kreml zumindest als Arbeitsthesen zulassen, um hier einen Abgleich der Vorg&auml;nge und Bewertungen von damals mit heute vornehmen zu k&ouml;nnen. Aber die Vorgeschichte war ebenso komplex und lang, die Ausgangssituation gleichfalls erst im Nachhinein eindeutig zu kl&auml;ren, vieles nur auf Geheimdienstebene be- oder verkannt, die Argumentation des Aggressors eine Existenzielle und Pr&auml;ventive, ja die Frage nach dem Aggressor selbst schlie&szlig;lich eine rechts-philosophische. <\/p><p>Der allgemeine Bekenntnisdruck ist heute hoch, aber zum Resignieren ist es doch nie zu sp&auml;t, oder? F&uuml;r das Mea culpa eines einstmaligen Bedenkentr&auml;gers (vulgo Putin-Verstehers) bis hin zum Deus Io vult eines umtriebigen Etikettenklebers aber oftmals zu fr&uuml;h. Und dann stellt sich auch noch ihre praktische Frage nach verbaler De-Eskalation zum Gewinn von Gespr&auml;chs- statt Schlachtfeldern. <\/p><p>Zugegeben, der Grat zwischen Bewerten und Verurteilen ist ein schmaler, aber dennoch, ihr seid Redakteure und keine Richter. Ein Urteil von Gewicht &ndash; und davon k&ouml;nnen selbst viele Richter ein oftmals schmachvolles Lied singen &ndash; sprechen ohnehin erst die Historiker aus und auch die sind sich nicht immer einig. <\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nHeiko Gottschall<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>ich m&ouml;chte Ihnen ausdr&uuml;cklich zustimmen!<br>\n&nbsp;<br>\nIch bin sicher, dass Herr Berger den &ldquo;Verbrecher&rdquo; zur&uuml;ck nimmt, wenn u.g. Interview gelesen hat.<br>\n&nbsp;<br>\n<a href=\"https:\/\/zeitgeschehen-im-fokus.ch\/de\/newspaper-ausgabe\/nr-4-vom-15-maerz-2022.html#article_1306\">zeitgeschehen-im-fokus.ch\/de\/newspaper-ausgabe\/nr-4-vom-15-maerz-2022.html#article_1306<\/a><br>\n&nbsp;<br>\nAlles Gute!<br>\nUdo Gloy<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albrecht M&uuml;ller hinterfragt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82065\">hier<\/a> die Bezeichnung des russischen Pr&auml;sidenten Putin als Verbrecher bzw. 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