{"id":82205,"date":"2022-03-23T11:16:08","date_gmt":"2022-03-23T10:16:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82205"},"modified":"2022-03-23T13:17:32","modified_gmt":"2022-03-23T12:17:32","slug":"ein-montagsspaziergang-mein-staunen-verwandelt-sich-allmaehlich-in-entsetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82205","title":{"rendered":"Ein Montagsspaziergang. Mein Staunen verwandelt sich allm\u00e4hlich in Entsetzen."},"content":{"rendered":"<p>Von Wolfgang Bittner. &ndash; Am 21. M&auml;rz nahm ich an einem angemeldeten &bdquo;Montags-Spaziergang&ldquo; in G&ouml;ttingen teil. Den Ausschlag hatte ein Bericht in der Lokalzeitung gegeben, wonach sich Kritiker der Corona-Ma&szlig;nahmen und &bdquo;Querdenker&ldquo; den Vorwurf gefallen lassen m&uuml;ssten, &bdquo;Mitl&auml;ufer bei einer rechtsextremen Kampagne zu sein&ldquo;. Zitiert wurde ein Politologe der Universit&auml;t, der unter anderem behauptete: &bdquo;Hier keinen Zusammenhang zu Antisemitismus und Rechtsextremismus zu sehen, ist schon sehr konstruiert&ldquo;, eine &bdquo;klassisch rechte Diskursstrategie&ldquo; sei, &bdquo;rechtsextreme Bez&uuml;ge zu verneinen&ldquo;. Ich wollte mir ein Bild davon verschaffen, wer an diesen Veranstaltungen teilnahm, wie sie abliefen und was propagiert wurde.<br>\n<!--more--><br>\nDer Versammlungsort und Ausgang des Demonstrationszuges befand sich am Rande der Innenstadt. Wie den Transparenten und Schildern zu entnehmen war, sollte gegen nicht mehr und nicht weniger als die Impfpflicht sowie eine Ungleichbehandlung Geimpfter und Ungeimpfter demonstriert werden. Slogans waren: &bdquo;Autonome Impfentscheidung!&ldquo;, &bdquo;Schluss mit den spaltenden Ma&szlig;nahmen&ldquo; oder &bdquo;Nein zur Impfpflicht!&ldquo; Ein Plakat hatte die Aufschrift: &bdquo;Wird der B&uuml;rger unbequem, nennt man ihn gleich rechtsextrem&ldquo;.<\/p><p>G&ouml;ttingen z&auml;hlt etwa 120.000 Einwohner, aber es waren trotz sch&ouml;nen Wetters lediglich ca. 250 Protestierende zusammengekommen. Mehrere waren mir bekannt, ganz normale, unverd&auml;chtige B&uuml;rger unterschiedlicher Herkunft und Profession. So verlief die Demonstration dann auch vollkommen ruhig und ohne Zwischenf&auml;lle. Abgeschirmt gegen lautstarke, aggressive Antidemonstranten wurde sie von einem &uuml;berm&auml;&szlig;ig gro&szlig;en Polizeiaufgebot, das dann auch den gegen 18.00 Uhr beginnenden &bdquo;Spaziergang&ldquo; begleitete. Durchgesagt wurde, man solle eine FFP2-Maske tragen.<\/p><p>Mir fiel auf, dass die Teilnehmer des Demonstrationszuges von der Polizei, die sich ansonsten zur&uuml;ckhielt, fotografiert wurden. Der Zug wurde durch die Vorstadt geleitet, nichts Aufregendes also, alles blieb ruhig. Ich ging mit Freunden in der Mitte des Zuges und wir unterhielten uns, als sich urpl&ouml;tzlich zwei junge martialisch wirkende Polizisten vor mir aufbauten und mir erkl&auml;rten, ich h&auml;tte mich ordnungswidrig verhalten, weil ich die FFP2-Maske nicht &uuml;ber die Nase gezogen habe.<\/p><p>In der Tat hatte ich die Gesichtsmaske hin und wieder ein wenig heruntergezogen, um durchzuatmen. Sie sei mir wohl heruntergerutscht, erwiderte ich verbl&uuml;fft und auch etwas erschrocken. Daraufhin sagte einer der Polizisten in barschem Ton: &bdquo;Reden Sie nicht, wir haben Sie die ganze Zeit beobachtet!&ldquo; Bevor ich zu weiteren Einlassungen kam, sprang mir ein Freund bei. Er entschuldigte sich f&uuml;r mich und versicherte, wir w&uuml;rden nun auf den vorgeschriebenen Sitz der Maske achten.<\/p><p>Damit gaben sich die beiden Beamten vorerst zufrieden und belie&szlig;en es bei einer m&uuml;ndlichen Verwarnung, nicht ohne mir zu drohen: &bdquo;Wir werden Sie im Auge behalten.&ldquo; Ich war best&uuml;rzt und wunderte mich &uuml;ber diesen Zugriff, weil andere &bdquo;Spazierg&auml;nger&ldquo; ihre FFP2-Masken auch nicht immer &uuml;ber die Nase gezogen hatten. Offenbar sollte an mir ein Exempel statuiert werden. Warum, wei&szlig; ich nicht, konnte auch nicht sehen, ob andere Demonstranten angegangen wurden. Mein Freund sagte mir, ich sei glimpflich davongekommen, einige Wochen zuvor sei eine Demonstrantin, die sich nicht gleich devot verhalten habe, so sehr geschubst worden, dass sie gest&uuml;rzt war.<\/p><p>Der &bdquo;Montagsspaziergang&ldquo; wurde weiter von einer gro&szlig;en Zahl Polizisten eskortiert, fotografiert und beobachtet. Mir ging die Konfrontation mit der Staatsgewalt noch einige Zeit nach, und mein anf&auml;ngliches Erstaunen dar&uuml;ber verwandelte sich allm&auml;hlich in Entsetzen.<\/p><p><em>Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in G&ouml;ttingen. Von ihm erschien 2021 im Verlag zeitgeist das Buch &bdquo;Deutschland &ndash; verraten und verkauft. Hintergr&uuml;nde und Analysen.&ldquo;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang Bittner. &ndash; Am 21. M&auml;rz nahm ich an einem angemeldeten &bdquo;Montags-Spaziergang&ldquo; in G&ouml;ttingen teil. Den Ausschlag hatte ein Bericht in der Lokalzeitung gegeben, wonach sich Kritiker der Corona-Ma&szlig;nahmen und &bdquo;Querdenker&ldquo; den Vorwurf gefallen lassen m&uuml;ssten, &bdquo;Mitl&auml;ufer bei einer rechtsextremen Kampagne zu sein&ldquo;. 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