{"id":82367,"date":"2022-03-28T12:00:54","date_gmt":"2022-03-28T10:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82367"},"modified":"2022-03-28T20:13:01","modified_gmt":"2022-03-28T18:13:01","slug":"gut-und-boese-und-richtig-und-falsch-in-der-politik-was-heisst-das-konkret-im-ukrainekrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82367","title":{"rendered":"Gut und B\u00f6se und Richtig und Falsch in der Politik \u2013 Was hei\u00dft das konkret im Ukrainekrieg?"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend bis vor Kurzem im sich selbst als &bdquo;linksliberal&ldquo; verortenden Milieu schon &bdquo;Mikroaggressionen&ldquo; (also etwa die Frage &bdquo;Woher kommst du?&ldquo; an einen dunkelh&auml;utigen Menschen) und Nationalismus und Heldentum (&bdquo;toxische wei&szlig;e M&auml;nner&ldquo;) geradezu als die Inkarnation des B&ouml;sen angesehen wurden, kann es Vielen jetzt gar nicht patriotisch, heldenhaft, kriegerisch und feindselig genug sein. Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock etwa verk&uuml;ndet in Bezug auf die EU-Sanktionen: &bdquo;Das wird Russland ruinieren&ldquo;. So also sieht feministische Au&szlig;enpolitik aus. Unser Autor <strong>Udo Brandes<\/strong> hat in diesem Zusammenhang eine Erfahrung gemacht, die ihn dazu inspirierte, mal &uuml;ber das Gut und B&ouml;se und das Richtig und Falsch in der Politik nachzudenken. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8459\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-82367-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220328_Gut_und_Boese_Was_heisst_das_konkret_im_Ukrainekrieg_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220328_Gut_und_Boese_Was_heisst_das_konkret_im_Ukrainekrieg_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220328_Gut_und_Boese_Was_heisst_das_konkret_im_Ukrainekrieg_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220328_Gut_und_Boese_Was_heisst_das_konkret_im_Ukrainekrieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=82367-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220328_Gut_und_Boese_Was_heisst_das_konkret_im_Ukrainekrieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220328_Gut_und_Boese_Was_heisst_das_konkret_im_Ukrainekrieg_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vor einer Woche schickte ich im Freundes- und Bekanntenkreis einen Text von Holger Panhu&szlig;en und Robert Roisch herum. Der Text war in der Berliner Zeitung ver&ouml;ffentlicht worden (Den Link zum Artikel siehe am Ende dieses Textes). Beide Autoren besch&auml;ftigen sich seit Jahren mit Friedensforschung und Friedenspolitik. In ihrem sehr differenziert argumentierenden Text sprechen sie sich f&uuml;r eine Kapitulation der Ukraine aus. Zum einen, um das Leid der betroffenen Menschen zu beenden. Und zum anderen, um die Gefahr eines Atomkrieges, der wom&ouml;glich die ganze Menschheit ausl&ouml;scht, zu verhindern. Wie gesagt: Die Argumentation ist sehr differenziert und war aus meiner Sicht eigentlich unwiderlegbar. Ich bekam aber trotzdem von mehreren Seiten Widerspruch. Deshalb m&ouml;chte ich in diesem Essay darlegen, warum aus meiner Sicht das (vermeintlich) moralisch Richtige oder Gute falsch sein kann.<\/p><p><strong>Was sind die westlichen Werte wirklich wert?<\/strong><\/p><p>Dieser Krieg von Putin ist ohne Wenn und Aber ein schweres Verbrechen. Wenn ich also eine Kapitulation der Ukraine f&uuml;r zumindest bedenkenswert halte, hei&szlig;t das nat&uuml;rlich nicht, dass ich Putins Krieg gegen die Ukraine rechtfertigen will. Auch nicht mit dem Argument, dass die NATO eine aggressive Erweiterungspolitik betrieben hat. Denn auch dann darf man nicht einfach ein Land bombardieren und zerst&ouml;ren &ndash; und Menschen t&ouml;ten, die im &Uuml;brigen auch nicht verantwortlich sind f&uuml;r die Politik der NATO. <\/p><p>Zun&auml;chst einmal m&ouml;chte ich auf die ber&uuml;hmten und bei jeder Gelegenheit beschworenen &bdquo;westlichen Werte&ldquo; (Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, V&ouml;lkerrecht etc.) eingehen, die ja besonders gerne in solchen Krisensituationen als argumentative Rechtfertigung f&uuml;r politische Entscheidungen dienen. Was diese Werte in der politischen Realit&auml;t wirklich wert sind, das konnten wir k&uuml;rzlich in Katar beobachten, als der gr&uuml;ne Wirtschaftsminister Robert Habeck einen tiefen B&uuml;ckling (im wahrsten Sinne des Wortes, also k&ouml;rperlich) vor dem Energieminister Katars machte: nichts. Denn wenn der Gr&uuml;ne Robert Habeck seine angeblichen Werte (und die seiner Partei) wirklich ernst n&auml;hme, d&uuml;rfte er niemals Gesch&auml;fte mit einem Land wie Katar einf&auml;deln, in denen (um nur zwei Beispiele zu nennen) die Frauenrechte mit F&uuml;&szlig;en getreten werden und Homosexualit&auml;t strafbar ist (Weitere Details siehe in Jens Bergers Text <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82168\">&bdquo;Der gr&uuml;ne B&uuml;ckling&ldquo;<\/a>). Denn nach dem Werteverst&auml;ndnis der Gr&uuml;nen sind Regime wie das in Katar &bdquo;die B&ouml;sen&ldquo;. Robert Habeck hat also durch sein politisches Handeln klar gemacht, dass Egon Bahr recht hatte, als er sagte: In der Politik z&auml;hlen nur die Interessen (Originalzitat von Egon Bahr: &bdquo;Wenn ein Politiker anf&auml;ngt, &uuml;ber &sbquo;Werte&rsquo; zu schwadronieren, anstatt seine Interessen zu benennen, wird es h&ouml;chste Zeit, den Raum zu verlassen.&ldquo;). Und da macht man auch schon mal Gesch&auml;fte mit dem Belzebub. Willkommen in der Realit&auml;t, liebe Gr&uuml;nen! <\/p><p>Im &Uuml;brigen wurden die Werte der &bdquo;westlichen Wertegemeinschaft&ldquo; sowieso schon seit Jahren mit F&uuml;&szlig;en getreten, wenn es um Kriege und Verbrechen der USA ging. Da galt schon lange ein moralischer Doppelstandard: Was bei dem einen ein Verbrechen ist, ist bei dem anderen legitime Politik. <\/p><p><strong>Mephistos Satz gilt auch umgekehrt<\/strong><\/p><p>Jetzt zur Frage, ob die Ukraine nicht lieber kapitulieren sollte. Oder ob wir die Ukraine nicht noch weitreichender mit Waffenlieferungen unterst&uuml;tzen sollten. (Die zweite Frage hat die Bundesregierung bereits mit Ja beantwortet.) Von der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung wird diese Frage, so mein Eindruck, ebenfalls mit Ja beantwortet und als das moralisch Richtige angesehen. Waffenlieferungen in einen laufenden Krieg an die &bdquo;Guten&ldquo; (die Verteidiger bzw. Angegriffenen) sind meines Erachtens aber nicht eindeutig moralisch einzuordnen. Aber ich will das jetzt mal f&uuml;r ein Gedankenexperiment unterstellen, weil es so viele glauben, und fragen: Ist es das moralisch Richtige (in diesem Fall Waffenlieferungen an die Ukraine oder eine noch weitergehende milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung) auch notwendigerweise politisch richtig und sinnvoll?<\/p><p>Diese Frage will ich zun&auml;chst allgemein in Bezug auf das Handeln in schwierigen Situationen beantworten: K&ouml;nnen oder sollten Politiker immer das moralisch Richtige, Gute oder Gerechte tun? F&uuml;r meine Antwort werde ich zwei Klassiker der politischen Philosophie heranziehen, Max Weber und Niccol&ograve; Machiavelli. Aber beginnen m&ouml;chte ich mit einem Zitat aus Goethes Faust. Er l&auml;sst dort Mephisto (also den Teufel) sagen: <\/p><blockquote><p>&bdquo;(Ich bin) ein Teil von jener Kraft, die stets das B&ouml;se will, und stets das Gute schafft.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Diesen Satz kann man auch umdrehen: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will, und stets das B&ouml;se schafft.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Genau dies gilt es nach dem deutschen Soziologen Max Weber (1864&ndash;1920) zu bedenken. Er unterschied in der Politik zwischen Gesinnungsethik (stets an seinen moralischen Prinzipien festhalten und das moralisch Richtige oder Gerechte tun) und Verantwortungsethik (man bedenke die Folgen):<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir m&uuml;ssen uns klar machen, dass alles ethisch orientierte Handeln unter zwei voneinander grundverschiedenen, unaustragbar gegens&auml;tzlichen Maximen stehen kann: es kann &sbquo;gesinnungsethisch&lsquo; oder &sbquo;verantwortungsethisch&lsquo; orientiert sein. Nicht dass Gesinnungsethik mit Verantwortungslosigkeit und Verantwortungsethik mit Gesinnungslosigkeit identisch w&auml;re. Davon ist nat&uuml;rlich keine Rede. Aber es ist ein abgrundtiefer Gegensatz, ob man unter gesinnungsethischer Maxime handelt &ndash; religi&ouml;s geredet: &sbquo;der Christ tut recht und stellt den Erfolg Gott anheim&lsquo;, oder unter der verantwortungsethischen: dass man f&uuml;r die Folgen seines Handelns aufzukommen hat&ldquo; (Max Weber, Politik als Beruf).<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Flamme der reinen Gesinnung soll nicht erl&ouml;schen<\/strong><\/p><p>Weber f&uuml;hrt dann aus, und das erinnert sehr an heutige Diskussionen, dass der Gesinungsethiker nicht bereit sei, die wom&ouml;glich &uuml;blen Folgen seiner Handlung durch seine Handlung verursacht zu sehen, sondern die Welt, Gott oder die Dummheit der Menschen daf&uuml;r verantwortlich mache. Und kommt zu dem Schluss:<\/p><blockquote><p>&bdquo;&rsquo;Verantwortlich&lsquo; f&uuml;hlt sich der Gesinnungsethiker nur daf&uuml;r, dass die Flamme der reinen Gesinnung (&hellip;) nicht erlischt. Sie stets neu anzufachen, ist der Zweck seiner, vom m&ouml;glichen Erfolg her beurteilt, ganz irrationalen Taten, die nur exemplarischen Wert haben k&ouml;nnen und sollen. (&hellip;) Keine Ethik der Welt kommt um die Tatsache herum, dass die Erreichung &sbquo;guter&lsquo; Zwecke  in zahlreichen F&auml;llen daran gebunden ist, dass man sittlich bedenkliche oder mindestens gef&auml;hrliche Mittel und die M&ouml;glichkeit oder auch die Wahrscheinlichkeit &uuml;bler Nebenerfolge mit in den Kauf nimmt, und keine Ethik der Welt kann ergeben: wann und in welchem Umfang der ethisch gute Zweck die ethisch gef&auml;hrlichen Mittel und Nebenerfolge &sbquo;heiligt&lsquo;.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>In eine &auml;hnliche Richtung zielen die Gedanken des Florentiner Diplomaten, Philosophen und Schriftstellers Niccol&ograve; Machiavelli (1469&ndash;1527). Er schrieb in seiner ber&uuml;hmten Schrift &bdquo;Der F&uuml;rst&ldquo;: <\/p><blockquote><p>&ldquo;Da es aber meine Absicht ist, f&uuml;r den, der es versteht, etwas N&uuml;tzliches zu schreiben, so schien es mir wichtiger, die Wahrheit nachzupr&uuml;fen, wie sie wirklich ist, als den Hirngespinsten jener Leute zu folgen. Viele haben sich Republiken und F&uuml;rstent&uuml;mer ausgedacht, die niemals gesehen worden, noch als wirklich bekannt gewesen sind. Denn die Art, wie man lebt, ist so verschieden von der Art, wie man leben sollte, dass, wer sich nach dieser richtet, statt nach jener, sich eher ins Verderben st&uuml;rzt, als f&uuml;r seine Erhaltung sorgt; denn ein Mensch, der in allen Dingen nur das Gute tun will, muss unter so vielen, die das Schlechte tun, notwendig zugrunde gehen. Daher muss ein F&uuml;rst, der sich behaupten will, imstande sein, schlecht zu handeln, wenn die Notwendigkeit es erfordert&rdquo;<br>\n(Quelle: XV. Kapitel: Wodurch die Menschen, insbesondere die F&uuml;rsten, Lob und Tadel erwerben, S. 77-79).<\/p><\/blockquote><p><strong>Eine Au&szlig;enministerin wie ein Elefant im Porzellanladen<\/strong><\/p><p>Nun geht es hier nicht um die Frage, wie die Regierung sich behauptet. Vielmehr ist der Grundgedanke Machiavellis entscheidend; und dieser ist dem Weber&rsquo;schen Gedankengang ganz &auml;hnlich: Eine Regierung kann nicht stets moralisch &bdquo;gut&ldquo; oder &bdquo;gerecht&ldquo; handeln, sondern muss die Folgen bedenken. Und wer stets &bdquo;gut&ldquo; handelt, k&ouml;nnte am Ende im allerschlimmsten &Uuml;bel enden. (Wie gesagt: F&uuml;r das gedankliche Experiment unterstelle ich, obwohl dies in der Realit&auml;t nat&uuml;rlich keineswegs ethisch so eindeutig ist, dass Waffenlieferungen an die Ukraine oder gar noch weitergehende milit&auml;rische Unterst&uuml;tzungen das moralisch &bdquo;Richtige&ldquo;, weil &bdquo;Gerechte&ldquo; w&auml;re. Ich selber denke nicht so. Aber viele sehen dies offenbar so.) Dieses &Uuml;bel w&auml;re konkret ein Dritter Weltkrieg und\/oder ein atomarer Krieg &ndash; und die Ausl&ouml;schung der Menschheit.<\/p><p>Die Autoren des Artikels in der Berliner Zeitung schrieben deshalb ganz zu Recht, dass es hier um zwei Alternativen zwischen &bdquo;schlecht&ldquo; und ebenfalls &bdquo;schlecht&ldquo; geht. Bei einer Kapitulation k&ouml;nnte Putin sich als Sieger f&uuml;hlen und gelernt haben: Ich kann alles kriegen und machen, was ich will. Im Falle einer Eskalation k&ouml;nnte die ganze Menschheit ausgel&ouml;scht werden. Deshalb ist meine Position: Jetzt darf man auf keinen Fall gesinnungsethisch handeln, sondern muss mit k&uuml;hlem Kopf kalkulieren und darf sich nicht an Prinzipien klammern. Denn es geht um existentielle Interessen, wie sie existentieller nicht sein k&ouml;nnten.<\/p><p>Deshalb m&uuml;ssen wir von unseren Politikern auch erstens erwarten k&ouml;nnen, dass sie sich nicht einfach feindseligen Gef&uuml;hlen hingeben &ndash; wie Annalena Baerbock, die als Au&szlig;enministerin unseres Landes mit ihrem Satz &bdquo;Das wird Russland ruinieren&ldquo; ihre Vernichtungsphantasien offenbarte. Und zweitens, dass Politiker ein Gef&uuml;hl daf&uuml;r haben, was man als Minister in einer solchen Situation &ouml;ffentlich sagen kann und was nicht. Sowie drittens, dass Politiker &uuml;ber eine gewisse Sprachkompetenz verf&uuml;gen, die sie bef&auml;higt, sich sehr nuanciert in Bezug auf einen solchen Konflikt zu &auml;u&szlig;ern. Leider hat die derzeitige Amtsinhaberin, Annalena Baerbock, nichts davon und wird deshalb noch &ouml;fter den Elefanten im Porzellanladen geben. Allerdings ist sie nicht die Einzige. Teile unserer politischen &bdquo;Elite&ldquo; platzen ja geradezu vor Gro&szlig;- und Allmachtsphantasien. Und genau das kann uns ins Verderben f&uuml;hren. Auch dazu sagt Machiavelli in seinen &bdquo;Discorsi&ldquo; (ein weiteres Werk von ihm) geradezu Prophetisches:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Das Volk, get&auml;uscht durch den falschen Schein des Guten, begehrt oft sein Verderben und l&auml;sst sich leicht durch gro&szlig;e Hoffnungen und &uuml;bertriebene Versprechungen verf&uuml;hren. (&hellip;) Verspricht ein Vorschlag, der dem Volk gemacht wird, scheinbar Gewinn, wenngleich er sich tats&auml;chlich verlustreich auswirkt, und erscheint ein Vorschlag mutig, wenngleich er zum Untergang des Staates f&uuml;hrt, so wird es immer leicht sein, die Masse zur Annahme zu &uuml;berreden. Dagegen wird es immer schwer sein, sie zu solchen Entschl&uuml;ssen zu &uuml;berreden, die nach au&szlig;en feige und verlustbringend erscheinen, obgleich sie in Wirklichkeit Heil und Gewinn bringen&ldquo; (Niccol&ograve; Machiavelli: Discorsi, Gedanken &uuml;ber Politik und Staatsf&uuml;hrung, Erstes Buch, 53. Kapitel).<\/p><\/blockquote><p>Zum Schluss noch eine Anmerkung: Der schon verstorbene Berliner Politologe Ekkehart Krippendorff hat in seinem Buch &bdquo;Staat und Krieg. Die historische Logik politischer Unvernunft&ldquo; Folgendes geschrieben:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Kriegsursachenforschung (&hellip;) selbst steckt noch in ihren Kinderschuhen, ist erst wenige Jahre, allenfalls Jahrzehnte alt (das Buch erschien bereits 1985; UB). Immerhin: einige Antworten kann sie geben und hat sie gegeben &ndash; z. B. die, dass R&uuml;stungswettl&auml;ufe mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 82% zu Kriegen f&uuml;hren (&hellip;), oder die andere, dass Verteidigungs- und Milit&auml;rb&uuml;ndnisse statistisch nachweisbar kriegsf&ouml;rdernde Wirkungen haben; auf die Praxis derer, die f&uuml;r die sogenannte Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik zust&auml;ndig sind, hat das offensichtlich keinen Eindruck gemacht. K&ouml;nnen Argumente sie &uuml;berhaupt erreichen und beeindrucken?&ldquo; (Krippendorff, S. 9).<\/p><\/blockquote><p>Ich bef&uuml;rchte: nein. Und hoffe, dass ich <strong>nicht<\/strong> recht habe.<\/p><p>Den anfangs erw&auml;hnten Text der Berliner Zeitung k&ouml;nnen Sie <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wochenende\/krieg-in-der-ukraine-ist-die-freiheit-einen-atomkrieg-wert-li.216078\">hier finden<\/a>.<\/p><p>Titelbild: rogistok\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/c4c2aa6a255b450897bf2c909163529b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend bis vor Kurzem im sich selbst als &bdquo;linksliberal&ldquo; verortenden Milieu schon &bdquo;Mikroaggressionen&ldquo; (also etwa die Frage &bdquo;Woher kommst du?&ldquo; an einen dunkelh&auml;utigen Menschen) und Nationalismus und Heldentum (&bdquo;toxische wei&szlig;e M&auml;nner&ldquo;) geradezu als die Inkarnation des B&ouml;sen angesehen wurden, kann es Vielen jetzt gar nicht patriotisch, heldenhaft, kriegerisch und feindselig genug sein. 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