{"id":8242,"date":"2011-02-07T11:26:04","date_gmt":"2011-02-07T10:26:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8242"},"modified":"2019-03-02T12:33:43","modified_gmt":"2019-03-02T11:33:43","slug":"zur-orientierung-in-einer-heillosen-debatte-um-staatsbankrott-euro-inflation-etc-ein-beitrag-von-flassbeck-und-folien-mit-interessanten-daten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8242","title":{"rendered":"Zur Orientierung in einer heillosen Debatte um Staatsbankrott, Euro, Inflation, etc. ein Beitrag von Flassbeck und Folien mit interessanten Daten"},"content":{"rendered":"<p>Angela Merkel und ihre Helfer in Wissenschaft und Medien bestimmen irrsinnigerweise weit gehend die &ouml;ffentliche Debatte um die wirtschafts-, finanz- und w&auml;hrungspolitische Linie. Zu Ihrer Orientierung bringen wir einen neuen Beitrag von Heiner Flassbeck &uuml;ber &bdquo;Staatsbankrott und der drohende Sieg der Unvernunft&ldquo; und 20 Folien von Flassbeck und Friederike Spiecker &uuml;ber &bdquo;Euroland: von der Geldwertstabilit&auml;t zur Deflation&ldquo; (siehe Anlage). Sie d&uuml;rfen diese Folien bei Quellenangabe gerne benutzen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Staatsbankrott oder der drohende Sieg der Unvernunft<\/strong><\/p><p>von Heiner Flassbeck<\/p><p>Wirtschaft und Markt, Februar 2011<\/p><p>Nichts f&uuml;hren unsere modernen &Ouml;konomen von links bis rechts derzeit lieber im Mund als den Staatsbankrott in S&uuml;deuropa. W&auml;hrend die auf der linken damit hoffen, endlich die ungeliebten Banken an den Haken zu bekommen, triumphieren die auf der Rechten, weil mit der &ouml;ffentlich verk&uuml;ndeten Staatspleite endlich die Finanzm&auml;rkte aus dem Fokus der Finanzkrisenanalytiker geraten sind und der aus ihrer Sicht wahre Schuldige gefunden ist. Besonders kluge Rechte schlie&szlig;en sich sogar scheinbar der Sichtweise der Linken an und machen geltend, mit den Gl&auml;ubigern der Staaten w&uuml;rden endlich die Schuldigen an der Finanzkrise zur Rechnung gebeten. Nimmt man noch die vielen Unbedarften hinzu, gibt es einen gewaltigen Chor der &bdquo;Staatspleitenbef&uuml;rworter&ldquo;. Wer das Wort &bdquo;haircut&ldquo; ordentlich aussprechen kann, gilt schon als Experte f&uuml;r Staatsbankrott.<\/p><p>Beide Sichtweisen sind gleich falsch und gef&auml;hrlich. Zun&auml;chst sollte man einfach zur Kenntnis nehmen, und das gilt f&uuml;r links wie f&uuml;r rechts, dass die K&auml;ufer von Staatsanleihen nichts mit der Finanzkrise zu tun haben. Wer zwischen 2003 und 2007 eine griechische Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit gekauft hat, erhielt wie in der ganzen Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion (EWU) einen &bdquo;grandiosen&ldquo; Ertrag von unter 4 Prozent nominal pro Jahr. Das war weder unzul&auml;ssig viel, noch war ein solches Gesch&auml;ft in irgendeiner Weise an der Entstehung der Finanzkrise beteiligt. Warum man aber die &bdquo;Banken&ldquo;, die  an der Finanzkrise ma&szlig;geblich beteiligt waren, ausgerechnet bei der einzigen Art von vern&uuml;nftigem Gesch&auml;ft, das sie vor der Krise t&auml;tigten, heute bestrafen will, w&auml;hrend sie aktuell in allen Kasinos genau wie vor der Krise hochriskante Wetten eingehen d&uuml;rfen, kann kein vern&uuml;nftiger Mensch nachvollziehen.<\/p><p>Auch mit den tiefer liegenden Ursachen der Krise in der Eurozone haben die Staatshaushalte nur am Rande zu tun. Die Eurozone leidet an einer gewaltigen L&uuml;cke in der Wettbewerbsf&auml;higkeit zwischen ihren Mitgliedern im Norden und im S&uuml;den, die in einem riesigen Leistungsbilanz&uuml;berschuss in Deutschland und entsprechenden Defiziten der Mittelmeerl&auml;nder zum Ausdruck kommt. Diese L&uuml;cke ist aber nicht durch unterschiedliches Haushalten der Staaten entstanden, sondern fast ausschlie&szlig;lich durch Unterschiede in der Lohnentwicklung im Verh&auml;ltnis zur nationalen Produktivit&auml;t, also nationalem, aber nicht staatlichem Unter- oder &Uuml;ber-den-Verh&auml;ltnissen-Leben. Spanien hat etwa im &ouml;ffentlichen Bereich viel sparsamer gewirtschaftet als Deutschland, aber im privaten umso mehr &uuml;ber die Str&auml;nge geschlagen.<\/p><p>Dieses Problem wird durch einen Staatsbankrott oder eine Umstrukturierung staatlicher Schulden nicht einmal im Ansatz gel&ouml;st. Wer sich, wie die deutsche Regierung, weigert, das Wettbewerbsf&auml;higkeitsproblem auch nur ernsthaft zu diskutieren, geschweige denn L&ouml;sungen durch eine langfristige &Auml;nderung der Lohnpolitik ins Auge zu fassen, will mit dem Gerede &uuml;ber Staatsbankrott nur davon ablenken, dass er sein eigenes Wirtschaftsmodell fundamental &auml;ndern m&uuml;sste, um der Eurozone insgesamt eine &Uuml;berlebenschance zu geben.  <\/p><p>Hinzu kommen die noch immer bestehenden Sorgen um die Fragilit&auml;t der Finanzinstitutionen. Wer jetzt die Halter von Staatsanleihen oder deren Derivaten (also von den Banken auf der Basis von Staatsanleihen konstruierten &bdquo;Produkten&ldquo;) bestraft, muss damit rechnen, dass als n&auml;chstes solche Finanzinstitutionen wieder in die Knie gehen und nur von den Staaten gerettet werden k&ouml;nnen. Dann gehen also Staaten Pleite, weil sie Banken gerettet haben und gef&auml;hrden im n&auml;chsten Schritt wieder Banken, weil sie selbst ihre Schulden nicht mehr bedienen. Schlie&szlig;lich m&uuml;ssen die Banken wieder von den Staaten gerettet werden, die gerade noch nicht in Schwierigkeiten sind. So schafft man die Voraussetzungen f&uuml;r eine globale Panik, die genau dann ausbricht, wenn die neuen Blasen an den Aktien- und Rohstoffm&auml;rkten platzen.<\/p><p>Nimmt man noch die Gefahr hinzu, dass durch den Staatsbankrott die Einleger der Banken in dem betroffenen Land nerv&ouml;s werden, weil sie um ihre Einlagen f&uuml;rchten &ndash; schlie&szlig;lich haben in fast allen Staaten die Regierungen die Sicherheit der Einlagen garantiert &ndash;, wird das oben beschriebene Szenario gemeingef&auml;hrlich. Man stelle sich vor, ein gerade in der Nichtbedienung seiner Schulden befindlicher Staat sehe sich gezwungen, die B&uuml;rger von einem Run auf die eigenen Banken abzuhalten! Was sagt der Regierungschef den Menschen? Wir k&ouml;nnen zwar unsere Schulden nicht bedienen, aber eure Einlagen werden wir mit all den Mitteln, die wir nicht haben, verteidigen? Willkommen im Chaos.<\/p><p>Noch toller ist ein solches Vorgehen in Euroland, wo man &uuml;ber eine Abwertung der eigenen W&auml;hrung die Menschen nicht abhalten kann, ihre Einlagen in Banken anderer L&auml;nder zu halten.  In der Krise in Argentinien vor zehn Jahren hat sich nach der Abwertung der nationalen W&auml;hrung mancher &uuml;berlegt, ob Kapitalflucht f&uuml;r ihn wirklich eine Option ist, weil das eigene Geld im Ausland fast nichts mehr wert war, man heimische Waren daf&uuml;r aber immer noch zu vern&uuml;nftigen Preisen kaufen konnte. In Euroland muss man nur die Bank und das Land wechseln und schon ist man mit seinem Geld ohne Wertverlust auf der sicheren Seite. Wer will die Halter von portugiesischen und spanischen Staatsanleihen oder sonstigen Euro-Anlagen hindern, ihr Geld durch eine einfache &Uuml;berweisung au&szlig;er Landes zu schaffen, wenn der erste Domino namens Griechenland gefallen ist? <\/p><p>Freilich, richtig ist, dass Griechenland und anderen geholfen werden muss, weil ihre Zinsen viel zu hoch sind und die L&auml;nder anders als Argentinien keine M&ouml;glichkeit haben, &uuml;ber eine Verbesserung der Wettbewerbsf&auml;higkeit mit Hilfe einer Abwertung ihre Wirtschaft zu beleben. Dazu brauchen sie Euro-Bonds und vor allem eine langfristig florierende Binnennachfrage in den L&auml;ndern, die &Uuml;bersch&uuml;sse in der Leistungsbilanz haben. Auch hier hilft eine Nichtbedienung staatlicher Schulden kein St&uuml;ck weiter. Denn kann man sich vorstellen, dass ein Land, das gerade seinen Gl&auml;ubigern erkl&auml;rt hat, dass es leider nicht mehr voll zur&uuml;ckzahlen kann, fr&ouml;hlich an den Kapitalmarkt geht und um neues Geld zu niedrigen Zinsen nachsucht, weil es seine Wirtschaft ankurbeln muss? <\/p><p><strong>Anlage:<\/strong><\/p><p><a href=\"upload\/pdf\/110207_HF+FS_Euroland_in_der_Krise.pdf\">Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker &ndash; &bdquo;Euroland: von der Geldwertstabilit&auml;t zur Deflation&ldquo; &ndash; 20 Folien [PDF &ndash; 82 KB]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Merkel und ihre Helfer in Wissenschaft und Medien bestimmen irrsinnigerweise weit gehend die &ouml;ffentliche Debatte um die wirtschafts-, finanz- und w&auml;hrungspolitische Linie. Zu Ihrer Orientierung bringen wir einen neuen Beitrag von Heiner Flassbeck &uuml;ber &bdquo;Staatsbankrott und der drohende Sieg der Unvernunft&ldquo; und 20 Folien von Flassbeck und Friederike Spiecker &uuml;ber &bdquo;Euroland: von der Geldwertstabilit&auml;t<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8242\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,157,30],"tags":[283,499,953],"class_list":["post-8242","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-wettbewerbsfaehigkeit","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-finanzmaerkte","tag-handelsbilanz","tag-staatsbankrott"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8242"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8242\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49740,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8242\/revisions\/49740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8242"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8242"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}