{"id":82662,"date":"2022-04-05T13:39:31","date_gmt":"2022-04-05T11:39:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82662"},"modified":"2022-04-05T16:20:02","modified_gmt":"2022-04-05T14:20:02","slug":"was-sind-das-fuer-zeiten-wo-ein-gespraech-ueber-spanien-fast-peinlich-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82662","title":{"rendered":"Was sind das f\u00fcr Zeiten, wo ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Spanien fast peinlich ist"},"content":{"rendered":"<p>Nach der schweren Krise des Partido Popular, der spanischen &bdquo;Volkspartei&ldquo;, im Februar dieses Jahres wusste keiner, wie es mit dieser nun weitergeht. Der Machtkampf zwischen dem Parteivorsitzenden Pablo Casado und seiner Rivalin, der Pr&auml;sidentin der Autonomen Region Madrid, Isabel Ayuso, hatte in einem &bdquo;showdown&ldquo;, fast im Stil von &bdquo;Highnoon&ldquo;, geendet. Casado wollte seine Parteifreundin Ayuso wegen eines Korruptionsverdachtes beim Einkauf von COVID-Masken ausspionieren lassen und diese hatte Casado daraufhin &bdquo;blutiger Angriffe&ldquo; bezichtigt. Statt des von Casado betriebenen Parteiausschlusses von Ayuso wurde er selbst daraufhin vom Parteiapparat entmachtet. Die gro&szlig;e Truppe seiner Getreuen hatte sich &uuml;ber Nacht in Luft aufgel&ouml;st. Als Motor dieser Entmachtung trat seinerzeit Alberto N&uacute;&ntilde;ez Feij&oacute;o, Regierungschef der Autonomen Region Galicien, auf die B&uuml;hne, mit der Forderung, &uuml;ber die Zukunft der Partei auf einem au&szlig;erordentlichen Parteitag zu entscheiden. Dieser fand nun am 1. und 2. April statt. Von <strong>Eckart Leiser<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nHinter seinem auf den ersten Blick nach einem Vermittlungsversuch aussehenden Eingreifen wurde schon seinerzeit sein eigener Griff nach der Macht vermutet. Dazu muss man wissen, dass nach der Abwahl von Mariano Rajoy, Chef der letzten Rechtsregierung, auf dem H&ouml;hepunkt der Korruptionsskandale des PP im Jahr 2018 und mittels eines Misstrauensantrags, und nach seinem R&uuml;cktritt als Parteivorsitzender Feij&oacute;o schon einmal f&uuml;r den Parteivorsitz kandidieren wollte. Damals hatte schlie&szlig;lich Pablo Casado das Rennen gemacht.<\/p><p>Dieses Mal hatte Feij&oacute;o bessere Karten. Es gen&uuml;gte, die Partei von Galicien aus zur Ordnung zu rufen und sein Angebot, ihr bei der Rettung aus der &bdquo;schwersten Krise ihrer Geschichte&ldquo; beizustehen, und die PP-Parteibarone aus allen Landesteilen feierten ihn geradezu als Erl&ouml;ser. In einem Medienhype wurde er als &bdquo;moderates&ldquo; Gegenmodell zum &bdquo;Schreihals&ldquo; Pablo Casado gefeiert, als jemand, der nicht nur seine Partei, sondern das ganze Land einen und in eine bessere Zukunft f&uuml;hren k&ouml;nne. Praktisch &uuml;ber Nacht war Pablo Casado von der politischen B&uuml;hne verschwunden. Er erreichte mit M&uuml;h und Not, dass er bis zum au&szlig;erordentlichen Parteitag &ndash; zumindest formal &ndash; Parteivorsitzender bleiben durfte.  Die Angst war gro&szlig;, dass er andernfalls auf dem Parteitag als Rache erneut als Kandidat auftreten k&ouml;nnte. Schnell war klar, dass Feij&oacute;o auf dem Parteitag ohne Gegenkandidaten zum neuen Vorsitzenden gek&uuml;rt w&uuml;rde.<\/p><p>Bald gab es allerdings Grund, an seinem &bdquo;moderaten&ldquo; Profil und an seinem Willen zu einem programmatischen und moralischen Aufbruch zu zweifeln. Sehr bald segnete Feij&oacute;o das Regierungsb&uuml;ndnis mit der faschistischen Partei Vox in Castilla y Le&oacute;n ab. Zun&auml;chst war die Entschuldigung, die Entscheidung daf&uuml;r w&auml;re ja noch unter dem Parteivorsitzenden Pablo Casado gefallen. Vox, nicht dumm, verschob daraufhin das Unterschreiben der Koalitionsvereinbarung auf die Zeit nach der Wahl von Feij&oacute;o. Dann schob er die Rechtfertigung hinterher, die sozialistische Partei w&uuml;rde ja auch mit den &bdquo;Linksextremen&ldquo; in Madrid eine Regierung bilden. Sp&auml;ter wurde bekannt, dass bei der Vorbereitung des Parteitags in Sevilla der dortige Parteibaron Javier Arenas eine wichtige Rolle spielen solle. Arena war Schl&uuml;sselfigur in verschiedenen Korruptionsskandalen des PP gewesen. Sch&ouml;ner Neuanfang. Von solchen Korruptionsskandalen gab es &uuml;brigens auch genug in der Regierungszeit von Feij&oacute;o in Galicien.<\/p><p>Am Ende trauten sich gar einige Politiker und Medien, ein wenig die Biografie von Feij&oacute;o zu recherchieren. Im Jahr 2013 tauchten Fotos auf: Feij&oacute;o an Bord einer Yacht, an seiner Seite Marcial Dorado, wichtiger Drogenboss in Galicien. Er wurde 2007 zu 14 Jahren Haft wegen Kokainhandels verurteilt. Wie herauskam, war Feij&oacute;o jahrelang mit Marcial Dorado befreundet und hatte mit ihm mehrere Luxusurlaube verbracht. Als Feij&oacute;o noch als Generalsekret&auml;r dem Gesundheitsministerium von Galicien angeh&ouml;rte, soll er Marcial Dorado zudem Auftr&auml;ge f&uuml;r die Treibstoffbeschaffung der Ambulanzfahrzeugflotte verschafft haben.<\/p><p>Schwamm dr&uuml;ber. Feij&oacute;o ist gerade mit &uuml;ber 98 Prozent der Stimmen zum neuen Parteivorsitzenden des PP gew&auml;hlt worden. Der Wahrheit halber muss gesagt werden, dass man sich auf diesem Parteitag durchaus um ein neues Image bem&uuml;ht hatte. So t&ouml;nte immer wieder aus den Lautsprechern des Kongresszentrums die Stimme von Patti Smith mit dem Song &bdquo;People have the power&ldquo;.<\/p><p>Pedro S&aacute;nchez von der sozialistischen Partei, die nach Umfragen bisher von der Krise des PP profitiert hat und in der W&auml;hlergunst gestiegen ist, tut derweil alles, um der linken Koalitionsregierung den Garaus zu machen. Kurz nach der nicht mit dem Koalitionspartner Unidas Podemos abgestimmten Entscheidung f&uuml;r Waffenlieferungen in die Ukraine hat er gerade im Alleingang entschieden, die Westsahara, ehemalige spanische Kolonie, als Marokko zugeh&ouml;riges Gebiet anzuerkennen. Laut UNO-Beschluss von 1965 soll aber die Bev&ouml;lkerung dieses Territoriums in einem von Marokko bisher verhinderten Referendum &uuml;ber ihre Zukunft abstimmen. In den n&auml;chsten Tagen wird das spanische Parlament &uuml;ber die Ablehnung dieser neuerlichen Kehrtwende von Pedro S&aacute;nchez beraten. Auch Unidas Podemos will gegen diese Kehrtwende stimmen, der damit mit gro&szlig;er Mehrheit widersprochen w&uuml;rde. Selbst unter seinen eigenen Abgeordneten st&ouml;&szlig;t Pedro S&aacute;nchez inzwischen mit dieser abrupten Abwendung vom Prinzip der Selbstbestimmung f&uuml;r die Ex-Kolonie auf Widerstand.<\/p><p>Titelbild: Tatohra\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der schweren Krise des Partido Popular, der spanischen &bdquo;Volkspartei&ldquo;, im Februar dieses Jahres wusste keiner, wie es mit dieser nun weitergeht. Der Machtkampf zwischen dem Parteivorsitzenden Pablo Casado und seiner Rivalin, der Pr&auml;sidentin der Autonomen Region Madrid, Isabel Ayuso, hatte in einem &bdquo;showdown&ldquo;, fast im Stil von &bdquo;Highnoon&ldquo;, geendet. 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