{"id":82730,"date":"2022-04-07T08:51:04","date_gmt":"2022-04-07T06:51:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82730"},"modified":"2022-04-08T13:19:09","modified_gmt":"2022-04-08T11:19:09","slug":"usa-venezuela-ukraine-krieg-sanktionen-und-der-oelpoker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82730","title":{"rendered":"USA-Venezuela \u2013 Ukraine-Krieg, Sanktionen und der \u00d6lpoker"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen 6. M&auml;rz <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/es\/minuto-a-minuto\/20220308-delegaci%C3%B3n-de-eeuu-viaj%C3%B3-a-venezuela-y-habl%C3%B3-sobre-energ%C3%ADa-con-el-gobierno-de-maduro\">landete eine Gruppe hochrangiger US-Beamter<\/a> &uuml;berraschender-, aber angek&uuml;ndigterweise auf dem internationalen Flughafen von Caracas. Zur Delegation z&auml;hlten Roger Carstens (Sonderemiss&auml;r des Wei&szlig;en Hauses f&uuml;r Geiselangelegenheiten), Juan Gonz&aacute;lez (Bereichsleiter des Nationalen Sicherheitsrates f&uuml;r Angelegenheiten der westlichen Hemisph&auml;re) und Jimmy Story, US-Botschafter f&uuml;r Venezuela. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2703\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-82730-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220408-USA-Venezuela-Ukraine-Krieg-Sanktionen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220408-USA-Venezuela-Ukraine-Krieg-Sanktionen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220408-USA-Venezuela-Ukraine-Krieg-Sanktionen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220408-USA-Venezuela-Ukraine-Krieg-Sanktionen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=82730-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220408-USA-Venezuela-Ukraine-Krieg-Sanktionen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220408-USA-Venezuela-Ukraine-Krieg-Sanktionen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Einen Besuch, selbst auf Referenten-Ebene, hatte es seit Anfang 2019, mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen Venezuelas zu den USA, nicht mehr gegeben. Der Anlass f&uuml;r das Gespr&auml;chs-Ersuchen sei nach Auskunft der US-Mission der anhaltende russische &Uuml;berfall auf die Ukraine und die darauf von der Regierung Joe Biden verh&auml;ngten Wirtschafts- und Finanzsanktionen gewesen. Mit ihrem Entschluss, die Einfuhr von russischem Roh&ouml;l und Derivaten zu beenden &ndash; die nach unterschiedlichen Angaben h&ouml;chstens <a href=\"https:\/\/www.nbcnews.com\/news\/us-news\/data-how-much-american-oil-comes-russia-n1291369\">8 Prozent ihres gesamten &Ouml;limportes<\/a> und weniger als 2 Prozent des Angebots auf dem Binnenmarkt ausmachen &ndash; habe die Regierung Joe Biden ihre &bdquo;Energie-Sicherheit&ldquo; als Imperativ ausgerufen und erhoffe sich die Deckung des Russland-Embargos mit venezolanischen Ersatz-Lieferungen, so die US-Beamten.<\/p><p>Die nordamerikanische Initiative wurde mehrfach als Ironie des Schicksals bezeichnet, erkennt die US-Administration doch seit 2019 den selbsternannten &bdquo;Pr&auml;sidenten&ldquo;, indes zur politischen Bedeutungslosigkeit verkommenen Oppositions-Politiker Juan Guaid&oacute; als &bdquo;Staatschef&ldquo; Venezuelas an. Nun musste sie sich der politischen Realit&auml;t beugen und Verhandlungen mit der von ihr weltweit br&uuml;skierten, kriminalisierten und mit Dutzenden von Sanktionen bestraften Regierung Nicol&aacute;s Maduro aufnehmen.<\/p><p>Allerdings scheint mit dem US-Blitzbesuch in Caracas nur die H&auml;lfte der ganzen Geschichte erz&auml;hlt. Allen Anzeichen nach waren der Express-Visite politische Signale der Regierung Nicol&aacute;s Maduro an die US-M&auml;rkte vorausgegangen. Nach Auskunft des bankennahen <em>Wall Street Journals<\/em> habe Venezuela sich zuvor mit der <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/articles\/venezuela-asks-wall-street-to-help-lift-u-s-sanctions-so-oil-can-flow-11646312401\">Bitte an einflussreiche Investoren am Geldmarkt<\/a> gerichtet, ihren Einfluss auf das Wei&szlig;e Haus zur Linderung der Sanktionen geltend zu machen. Der seit Jahren in Venezuela operierende US-&Ouml;lkonzern Chevron best&auml;rkte im Handumdrehen den Appell an die US-Regierung mit dem Angebot, seine brachliegenden F&ouml;rderkapazit&auml;ten in dem karibischen Land sofort wieder aufzunehmen.<\/p><p><strong>Energischer UN-Bericht: Sanktionen versto&szlig;en gegen internationales Recht und vernichten elementare Menschenrechte<\/strong><\/p><p>Im September 2021 hatte sich das Hochkommissariat f&uuml;r Menschenrechte der Vereinten Nationen bereits mit einem umfassenden Bericht &uuml;ber die katastrophalen sozialen Auswirkungen und mit einer energischen <a href=\"https:\/\/progressive.international\/wire\/2021-10-18-un-expert-releases-full-report-on-impact-of-us-led-sanctions-against-venezuela\/de\">Ablehnung der US- und EU-Sanktionen gegen Venezuela<\/a> zu Wort gemeldet.<\/p><p>Nach einem zweiw&ouml;chigen Untersuchungs-Aufenthalt in Venezuela trug die belarussische UN-Sonderberichterstatterin Alena Douhan ihre Schlussfolgerungen auf der 48. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates vor und alarmierte, dass die umfassenden Sanktionen verheerende Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der gesamten Bev&ouml;lkerung gehabt haben. So sei die andauernde wirtschaftliche und soziale Krise durch die Verh&auml;ngung von &bdquo;sektorbedingten Sanktionen gegen die &Ouml;l-, Gold- und Bergbauindustrie&ldquo; sowie &bdquo;die Wirtschaftsblockade und das Einfrieren von Verm&ouml;genswerten der Zentralbank&ldquo; versch&auml;rft worden. Infolgedessen erlitten die haupts&auml;chlich aus dem &Ouml;lexport erzielten Einnahmen einen Absturz und wirkten sich drastisch auf die &ouml;ffentlichen Systeme f&uuml;r Strom, Gas, Wasser, Verkehr, Telefonverbindungen und Kommunikation, auf Schul- und Gesundheitssystem sowie auf andere &ouml;ffentliche Einrichtungen aus.<\/p><p>Douhan kritisierte, dass die Androhung von extraterritorialen und sekund&auml;ren Sanktionen zu einer &bdquo;&uuml;bertriebenen Einhaltung durch Banken und Unternehmen in Drittl&auml;ndern&ldquo; gef&uuml;hrt und die negativen Auswirkungen von prim&auml;ren Sanktionen verst&auml;rkt habe; ein Zustand, in dem dann &bdquo;humanit&auml;re Ausnahmeregelungen unwirksam und unzureichend zu sein scheinen&ldquo;, um die Krise zu lindern. Die belarussische UN-Sonderberichterstatterin unterstrich, dass die einseitigen Sanktionen gegen Venezuela politisch motiviert sind, die grundlegendsten Menschenrechte untergraben und gegen das internationale Recht versto&szlig;en. Sie forderte energisch die USA und ihre Verb&uuml;ndeten dazu auf, alle Zwangsma&szlig;nahmen auszusetzen.<\/p><p>Douhans Warnung und Appell sind selbstverst&auml;ndlich der US-Regierung bekannt. Die Frage ist wohl, ob ihr das venezolanische &Ouml;l mehr am Herzen liegt als die elementare Moral, Sanktionen nicht als Waffe gegen unbewaffnete Hungernde einzusetzen.<\/p><p><strong>Die US-Austausch-Agenda<\/strong><\/p><p>Eine Zusage Venezuelas f&uuml;r die erw&uuml;nschten &Ouml;llieferungen m&ouml;chten die USA mit einer offiziellen Lockerung der von der Donald-Trump-Administration erlassenen drakonischen Sanktionen gegen venezolanische &Ouml;lexporte honorieren. Diese werden seit 2021 von der Joe-Biden-Regierung zwar teilweise inoffiziell geduldet und trugen zu einer leichten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78800\">Verbesserung der venezolanischen Wirtschaftsindikatoren<\/a> bei. Die offiziellen Lockerungen will die US-Regierung jedoch mit einer innenpolitischen Agenda in Venezuela koppeln. Wie Geoff Ramsey, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Menschenrechts-Organisation Washington <em>Office <\/em>on <em>Latin America <\/em>(WOLA), erfahren haben will, stand das Wei&szlig;e Haus seit geraumer Zeit unter politischem Druck von Unterh&auml;ndlern der venezolanischen Opposition. Diese forderten die Administration Joe Biden dazu auf, die Regierung Nicol&aacute;s Maduro zur <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/2022\/03\/06\/venezuela-american-officials-visit\/\">Wiederaufnahme der im Oktober 2021 unterbrochenen Verhandlungen mit der konservativen Opposition<\/a> in Mexiko-Stadt zu dr&auml;ngen. Verbl&uuml;ffte venezolanische Oppositionsf&uuml;hrer erkl&auml;rten jedoch gegen&uuml;ber der <em>Washington Post, s<\/em>ie hatten keine Kenntnis vom Besuch der US-Delegation gehabt, was darauf hindeutet, dass die US-Regierung zum Auftakt direkte Gespr&auml;che mit der Regierung Venezuelas ohne Mitwirkung der Opposition bevorzugte.<\/p><p>Umgekehrte Verbl&uuml;ffung auch unter Politikern und Beobachtern wegen der Zug&auml;nglichkeit der venezolanischen Regierung. Pr&auml;sident Maduro ordnete zum Beispiel die sofortige Freilassung von zwei in Venezuela inhaftierten US-B&uuml;rgern an: zum einen des ehemaligen leitenden Angestellten des von den USA enteigneten venezolanischen Treibstoff-Unternehmens Citgo, Gustavo Adolfo C&aacute;rdenas; zum anderen des US-S&ouml;ldners kubanischen Ursprungs, Jos&eacute; Alberto Fern&aacute;ndez, der im Rahmen des 2019 vom venezolanischen Milit&auml;r zerriebenen &bdquo;Unternehmens Gideon&ldquo; zum bewaffneten Sturz der Regierung Nicol&aacute;s Maduro verhaftet wurde. Allerdings wurde Washingtons Wunsch zur Freilassung weiterer sechs Citgo-Inhaftierter sowie der drei f&uuml;hrend in &bdquo;Unternehmen Gideon&ldquo; involvierten und verhafteten ehemaligen Green Berets &ndash; Luke Denman, Airan Berry<em> und <\/em>Matthew Heath &ndash; abgeschlagen. Die als &bdquo;Citgo-6&ldquo; bekannte Managergruppe wird beschuldigt, Venezuela einen Schaden von rund 4 Milliarden US-Dollar in den USA beschert zu haben, w&auml;hrend die US-S&ouml;ldner nach eigenen Aussagen den Auftrag hatten, Nicol&aacute;s Maduro zu entf&uuml;hren und illegal in die USA auszufliegen.<\/p><p>Dennoch gab sich der venezolanische Staatschef au&szlig;erordentlich konziliant. Ja, mit &uuml;berschw&auml;nglichen Worten beschrieb er die Begegnung mit der US-Delegation in einer <a href=\"https:\/\/www.metropoles.com\/mundo\/maduro-bandeiras-dos-eua-e-da-venezuela-ficaram-lindas-unidas\">Ansprache im staatlichen Fernsehen<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Letzten Samstag traf eine Delegation aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika in Venezuela ein. Ich habe sie hier im Pr&auml;sidentenpalast empfangen. Wir hatten ein Treffen, das ich als respektvoll, herzlich und sehr diplomatisch beschreiben k&ouml;nnte. Wir hatten ein Treffen im B&uuml;ro des Pr&auml;sidenten, da waren die Flaggen der USA und Venezuelas und sie waren wundersch&ouml;n. Vereint, wie sie es sein sollten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>US-Beamte sinnierten indes, die Regierung Joe Biden werde den weltweit umstrittenen Juan Guaid&oacute; weiterhin als &bdquo;rechtm&auml;&szlig;igen F&uuml;hrer Venezuelas&ldquo; anerkennen, in einem Interview mit <em>America&rsquo;s Quarterly<\/em> erkl&auml;rte Juan Gonz&aacute;lez wiederum, man <a href=\"https:\/\/www.americasquarterly.org\/article\/aq-podcast-the-white-houses-juan-gonzalez-on-the-americas-summit-ukraine-and-more\/\">konzentriere sich auf Verhandlungen<\/a> anstatt auf Umsturzpl&auml;ne gegen Maduro. Wortw&ouml;rtlich: &bdquo;W&auml;hrend die Theorie des Wandels der vorherigen Regierung auf dem Zusammenbruch des Regimes basierte, ist unsere Theorie &hellip; dass nur eine Verhandlung zu einem konkreten und nachhaltigen Wandel in Venezuela in Richtung einer demokratischen Ordnung f&uuml;hren wird.&ldquo;<\/p><p><strong>Russisches Intermezzo<\/strong><\/p><p>Eine weitere interessante Pointe war, dass das US-amerikanisch-venezolanische Treffen nur wenige Tage nach einem l&auml;ngeren Telefongespr&auml;ch Maduros mit dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin stattfand, in dem der Erstgenannte Letzterem <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/en\/live-news\/20220301-russia-receives-venezuela-s-strong-support\">&bdquo;starke Unterst&uuml;tzung&ldquo; f&uuml;r den Feldzug gegen die Ukraine<\/a> mit der &Uuml;bernahme des anti-nazistischen Narrativs als &Uuml;berfall-Motiv versprach. Doch die Solidarit&auml;ts-Zusicherung war l&auml;ngst nicht der Hauptgrund des Anrufes Maduros im Kreml gewesen. Vielmehr sei das politische Umfeld der venezolanischen Regierung von einer gewissen &bdquo;Panik&ldquo; erfasst gewesen, so die spanische Tageszeitung <em>ABC,<\/em> weil Wladimir Putin den <em>Chavistas<\/em> wegen den gegen Russland verh&auml;ngten Sanktionen <a href=\"https:\/\/www.elnacional.com\/venezuela\/abc-putin-no-garantiza-a-maduro-las-fortunas-chavistas-depositadas-en-la-banca-rusa\/\">keine Garantien f&uuml;r das in russischen Banken deponierte venezolanische Gold und Geldverm&ouml;gen<\/a> geben k&ouml;nne.<\/p><p>Hintergrund der Bef&uuml;rchtungen in Caracas ist der Umstand, dass die venezolanische Regierung zur Umgehung von US- und EU-Sanktionen das europ&auml;ische B&uuml;ro des staatlichen &Ouml;lkonzerns PDVSA im M&auml;rz 2019 von Lissabon nach Moskau verlegt hat und f&uuml;r ihre &Ouml;l-, Gold-, Mineral- und Metall-Exporte Konten auf russischen Banken einrichtete. Doch nicht nur PDVSA, sondern angeblich auch 23 sanktionierte Gener&auml;le, B&uuml;rgermeister, Abgeordnete und Minister der Maduro-Regierung.<\/p><p>Mit den Sanktionen gegen Russland s&auml;he sich Venezuela also einer Doppel-Sanktionierung gegen&uuml;ber. Ein Grund, weshalb bereits 2019 die russische Gazprom-Bank zur Risiko-Minderung von Sanktionen beschloss, die <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/venezuela-politica-gazprombank-idLTAKCN1Q60HE\">Konten der venezolanischen PDVSA einzufrieren<\/a> und die Zusammenarbeit mit der Firma einzustellen, was PDVSA dementierte, doch das Dementi blieb im Raum stehen. Wenn jedoch die venezolanischen Einlagen auf russischen Banken Euro und Dollar in Milliarden-H&ouml;he summieren, wie mehrfach behauptet wird, war wiederum Nicol&aacute;s Maduros Bitte an Wladimir Putin unverst&auml;ndlich, er m&ouml;ge Venezuela 40 Millionen US-Dollar zur Begleichung von Jahre alten UNO-Mitgliedschafts-Schulden leihen. Auch diesen Wunsch musste Pr&auml;sident Putin abschlagen, in Moskau, so gab er zu verstehen, wird seit dem Inkrafttreten der Russland-Sanktionen jeder Cent zweimal umgedreht.<\/p><p>Die venezolanisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen konzentrieren sich seit nahezu zehn Jahren auf &Ouml;lf&ouml;rderung, Weizenexporte und russische Kreditvergaben. Diese <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-venezuela-politics-russia-factbox-idUSKCN1PI1T4\">summierten sich 2017 auf ann&auml;hernd 3,15 Milliarden US-Dollar<\/a>, mit einer R&uuml;ckzahlungsfrist von 10 Jahren, wovon Venezuela zirka die H&auml;lfte p&uuml;nktlich zur&uuml;ckbezahlt hat. Rosneft, Russlands staatlicher gr&ouml;&szlig;ter &Ouml;lproduzent, ist in Venezuela unter dem Firmennamen Roszarubezhneft t&auml;tig und war bisher mit der Kreditvergabe von zur&uuml;ckbezahlten 7 Milliarden US-Dollar an PDVSA Venezuelas gr&ouml;&szlig;ter russischer Gl&auml;ubiger. Rosneft h&auml;lt eine 49,9-prozentige Beteiligung an der PDVSA-eigenen Raffinerie Citgo in den USA, wof&uuml;r der Konzern 2016 ein Darlehen in H&ouml;he von etwa 1,5 Milliarden US-Dollar vergab, jedoch unwillentlich in die umstrittene Citgo-Enteignung durch die Administration Donald Trump hineingezogen wurde. Derzeit h&auml;lt Roszarubezhneft 40 Prozent Anteile an f&uuml;nf Joint Ventures mit PDVSA. Zusammen gelang ihnen 2021 die durchschnittliche Tagesf&ouml;rderung von rund 120.000 Barrel Roh&ouml;l; eine Summe, die jedoch kaum an 30 Prozent der venezolanischen Tages-F&ouml;rderungskapazit&auml;t vor den US-amerikanischen PDVSA-Export-Sanktionen (3,5 Millionen Tages-Barrel) heranreicht, die die venezolanische &Ouml;lindustrie ruinierte.<\/p><p><strong>Nach Absturz ein Wiederaufstieg der venezolanischen &Ouml;lf&ouml;rderung?<\/strong><\/p><p>Die russische &Ouml;l-L&uuml;cke in den USA zu bedienen, beeilt sich inzwischen der US-<em>Big-Oil<\/em>-Konzern Chevron. Verschiedene US-Medien wollen herausbekommen haben, dass Chevron-Vertreter Gespr&auml;che mit der Regierung Biden mit dem Ziel gef&uuml;hrt h&auml;tten, die <a href=\"https:\/\/www.aporrea.org\/energia\/n372528.html\">gegen Venezuela verh&auml;ngten Sanktionen aufzuheben<\/a> und die Genehmigung zur Verdopplung seiner Produktion in Venezuela auf 800.000 Barrel\/Tag zu erteilen.<\/p><p>In der Beurteilung von Jos&eacute; Gonzales, Sprecher der venezolanischen Beratungsfirma GCG Advisors, bestehe der erste Vorteil darin, dass Chevron Venezuela nie wirklich verlassen habe. &bdquo;Chevron betreibt Petroboscan, ein hochproduktives Mega-&Ouml;lfeld. Sie haben die Produktion aufgrund der (Trump-)Sanktionen von 2017 gegen Venezuela und der Export-Beschr&auml;nkungen f&uuml;r venezolanisches &Ouml;l eingestellt. Chevron hat sich im Grunde genommen dem Erhalt dessen verschrieben, was es ohnehin besitzt. Wenn bestimmte Lizenzen ge&auml;ndert und eine relativ vern&uuml;nftige Investition get&auml;tigt werden, kann Venezuela ohne Probleme und in wenigen Monaten von der gegenw&auml;rtigen F&ouml;rderung von 600.000 bis 700.000 Tages-Barrel auf 1,3 oder gar 1,4 Millionen Tages-Barrel &uuml;bergehen. Chevron kann das, weil es Venezuela nicht vollst&auml;ndig verlassen hat, die Kapazit&auml;ten besitzt und au&szlig;erdem den Markt kennt&ldquo;, erkl&auml;rt Gonzales zuversichtlich.<\/p><p>Doch das venezolanische &Ouml;l hat es in sich. N&auml;mlich etwas, was andere L&auml;nder nicht bieten k&ouml;nnen: Es handelt sich zumeist um das weltweit begehrteste, schwere Roh&ouml;l.<\/p><p>Moral der Geschicht&lsquo;: Die Geschichte, insbesondere die sie formenden Kriege, kennen keine Moral.<\/p><p>Titelbild: Dancing_Man \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen 6. M&auml;rz <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/es\/minuto-a-minuto\/20220308-delegaci%C3%B3n-de-eeuu-viaj%C3%B3-a-venezuela-y-habl%C3%B3-sobre-energ%C3%ADa-con-el-gobierno-de-maduro\">landete eine Gruppe hochrangiger US-Beamter<\/a> &uuml;berraschender-, aber angek&uuml;ndigterweise auf dem internationalen Flughafen von Caracas. Zur Delegation z&auml;hlten Roger Carstens (Sonderemiss&auml;r des Wei&szlig;en Hauses f&uuml;r Geiselangelegenheiten), Juan Gonz&aacute;lez (Bereichsleiter des Nationalen Sicherheitsrates f&uuml;r Angelegenheiten der westlichen Hemisph&auml;re) und Jimmy Story, US-Botschafter f&uuml;r Venezuela. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82730\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":82731,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,178,30],"tags":[1334,2565,2071,305,259,639,1556,1333,1019],"class_list":["post-82730","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-ressourcen","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-erdoel","tag-guaido-juan","tag-maduro-nicolas","tag-menschenrechte","tag-russland","tag-uno","tag-usa","tag-venezuela","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/shutterstock_1193032522.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82730","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=82730"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82730\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82806,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82730\/revisions\/82806"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/82731"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=82730"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=82730"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=82730"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}