{"id":82799,"date":"2022-04-10T11:45:46","date_gmt":"2022-04-10T09:45:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82799"},"modified":"2022-04-10T12:34:57","modified_gmt":"2022-04-10T10:34:57","slug":"erneute-kaltfront-auf-der-koreanischen-halbinsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82799","title":{"rendered":"Erneute Kaltfront auf der Koreanischen Halbinsel"},"content":{"rendered":"<p>In S&uuml;dkorea &uuml;bernimmt im Mai mit Yoon Suk-Yeol ein neuer Pr&auml;sident die Amtsgesch&auml;fte im Blauen Haus, dem Seouler Regierungssitz des Staatsoberhauptes. Nach dem Ausscheiden des noch amtierenden Pr&auml;sidenten Moon Jae-In droht der innerkoreanische Dialog wieder aus den Fugen zu geraten. Immerhin war es Moon, der sich pers&ouml;nlich mehrfach mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un im Jahre 2018 traf und mitverantwortlich daf&uuml;r war, dass im Sommer desselben Jahres das historische Gipfeltreffen mit dem damaligen US-amerikanischen Machthaber Donald Trump in Singapur stattfand. Dieser Silberstreif am politischen Horizont wird sich unter Yoon und im Schatten des Krieges in der Ukraine schon sehr bald verd&uuml;stern. Ein Kommentar von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7036\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-82799-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220409-Erneute-Kaltfront-auf-der-Koreanischen-Halbinsel-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220409-Erneute-Kaltfront-auf-der-Koreanischen-Halbinsel-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220409-Erneute-Kaltfront-auf-der-Koreanischen-Halbinsel-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220409-Erneute-Kaltfront-auf-der-Koreanischen-Halbinsel-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=82799-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220409-Erneute-Kaltfront-auf-der-Koreanischen-Halbinsel-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220409-Erneute-Kaltfront-auf-der-Koreanischen-Halbinsel-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Eines muss man Kim Jong-Un, dem Staatschef der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK &ndash; Nordkorea) und Vorsitzenden des Komitees f&uuml;r Staatsangelegenheiten, lassen: Er hat es tats&auml;chlich geschafft, nach Jahren internationaler Anfeindung als &bdquo;Raketenmann&ldquo; (so der fr&uuml;here US-Machthaber Donald Trump im Sommer 2017 &uuml;ber Kim) nicht l&auml;nger als der weltweit am meisten ge&auml;chtete ideelle Gesamtschurke zu gelten. Sp&auml;testens seit dem am 24. Februar entfesselten Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist diese schmachvolle Rolle nunmehr Russlands Pr&auml;sident Wladimir Putin zugefallen. Was aber keineswegs bedeutet, dass schrille martialische T&ouml;ne auf der Koreanischen Halbinsel nunmehr verstummt sind.<\/p><p>Ganz im Gegenteil: Am 3. April kritisierte Nordkorea die Republik Korea (ROK &ndash; S&uuml;dkorea) in scharfer Manier, nachdem der s&uuml;dkoreanische Verteidigungsminister Suh Wook zwei Tage zuvor gesagt hatte, Seoul sei in der Lage, &bdquo;pr&auml;zise und schnell&ldquo; Pr&auml;ventivschl&auml;ge gegen &bdquo;jedes Ziel&ldquo; im Norden zu f&uuml;hren. Suhs &Auml;u&szlig;erungen erfolgten, nachdem Pj&ouml;ngjang seit Jahresbeginn mehrere Raketentests durchgef&uuml;hrt und laut s&uuml;dkoreanischen Angaben erneut eine ballistische Interkontinentalrakete (ICBM) getestet hatte. W&auml;hrend westliche Regierungen und Medien behaupteten, der Test versto&szlig;e gegen ein Moratorium f&uuml;r Raketentests, hatte Pj&ouml;ngjang vor mehr als zwei Jahren ein Ende dieser sich zeitweilig selbst auferlegten Politik angek&uuml;ndigt.<\/p><p>&bdquo;<strong>Tut Bu&szlig;e, wenn ihr keine Katastrophe erleben wollt&rdquo;<\/strong><\/p><p>Kim Yo-Jong, die Schwester des nordkoreanischen Staatschefs, einflussreiche Pers&ouml;nlichkeit im Politb&uuml;ro und stellvertretende Abteilungsleiterin des Zentralkomitees der herrschenden Partei der Arbeit Koreas (PdAK), erkl&auml;rte am 3. April, Seoul m&uuml;sse mit ernsthaften Konsequenzen rechnen, wenn es milit&auml;rische Schritte gegen den Norden unternehme. Sie warf dem S&uuml;den vor, den Norden durch eine extreme Sprache zu provozieren und seine Bereitschaft zu bekunden, das Regime herauszufordern. Die nordkoreanische staatliche Nachrichtenagentur <em>KCNA <\/em>zitierte Frau Kim des Weiteren mit den Worten:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Ich werde den S&uuml;den mit der mir verliehenen Macht ernsthaft warnen. (&hellip;) Tut Bu&szlig;e, wenn ihr keine Katastrophe erleben wollt.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Der ICBM-Start Nordkoreas Ende M&auml;rz war der erste seit November 2017, wobei unter Experten umstritten ist, ob es sich dabei, wie Pj&ouml;ngjang behauptet, um den Einsatz der neuesten Hwasong-17 ICBM oder um deren &auml;ltere Variante vom Typ Hwasong-15 handelte. Kim Jong-Un kommentierte den Start laut KCNA mit den Worten:<\/p><blockquote><p> &bdquo;<em>Nur wenn man mit einer gewaltigen Schlagkraft und einer &uuml;berw&auml;ltigenden milit&auml;rischen Macht ausgestattet ist, die von niemandem gestoppt werden kann, kann man einen Krieg verhindern, die Sicherheit des Landes garantieren und alle Bedrohungen und Erpressungen durch die Imperialisten eind&auml;mmen und unter Kontrolle bringen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Als unmittelbare Reaktion darauf unterzeichneten der Vorsitzende des US-amerikanischen Generalstabs, General Mark Milley, und sein s&uuml;dkoreanischer Kollege Won In-Choul am 31. M&auml;rz 2022 im Hauptquartier des US-Kommandos f&uuml;r den indopazifischen Raum auf Hawaii eine &bdquo;strategische Planungsdirektive&ldquo;, die ein bilateral eng abgestimmtes Abkommen &uuml;ber milit&auml;rische Notfallpl&auml;ne f&uuml;r den Fall weiterer Raketentests durch Nordkorea beinhaltet und intensivierte gemeinsame Milit&auml;r&uuml;bungen vorsieht. Auf diese Weise soll laut Berichten der s&uuml;dkoreanischen Nachrichtenagentur <em>Yonhap <\/em>der Prozess beschleunigt werden, die Einsatzpl&auml;ne beider Verb&uuml;ndeter im Fall eines m&ouml;glichen Einsatzes konventioneller und nuklearer Waffen durch Nordkorea auf den neuesten Stand zu bringen und zu konsolidieren.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus wird Seoul k&uuml;nftig sein Waffenarsenal modernisieren und betr&auml;chtliche Summen f&uuml;r die Entwicklung von Drohnen und Laserwaffen aufwenden. Au&szlig;erdem ist vorgesehen, zus&auml;tzliche Batterien des US-Raketenabwehrsystems <em>Terminal High Altitude Area Defense (THAAD)<\/em> aufzustellen. THAAD hat in den vergangenen Jahren nicht nur f&uuml;r scharfe innenpolitische Kontroversen gesorgt, sondern auch in hohem Ma&szlig;e das Verh&auml;ltnis zur Volksrepublik China beeinflusst, mit der Seoul just vor drei Jahrzehnten diplomatische Beziehungen aufnahm.<\/p><p>Entsch&auml;rft wurde dieser Streit dadurch, dass Pr&auml;sident Moon Jae-In trotz heftiger Anfeindungen seitens des stockkonservativen Lagers an seiner &bdquo;Drei-Nein&ldquo;-Politik festhielt: Keine weiteren THAAD-Batterien zu akzeptieren, sich nicht in ein regionales Raketenabwehrsystem zu integrieren und aus dem trilateralen B&uuml;ndnis mit den Vereinigten Staaten und Japan auszutreten.<\/p><p><strong>Schmutzige Wahlen mit &auml;u&szlig;erst knappem Ergebnis<\/strong><\/p><p>Der Krieg in der Ukraine lie&szlig; die am 9. M&auml;rz in S&uuml;dkorea abgehaltene Pr&auml;sidentschaftswahl ins mediale Hintertreffen geraten, deren Ausgang auch und gerade weitreichende Auswirkungen auf k&uuml;nftige Kr&auml;ftekonstellationen in der Asien-Pazifik-Region hat.<\/p><p> Die diesj&auml;hrige Wahl war die bis dato kontroverseste und von h&auml;sslichsten pers&ouml;nlichen Animosit&auml;ten &uuml;berschattete Pr&auml;sidentschaftswahl mit &uuml;berdies knappstem Ergebnis: Der Hardliner der konservativen <em>People Power Party<\/em> und ehemalige Generalstaatsanwalt, Yoon Suk-Yeol (61), ging aus ihr mit 48,6 Prozent aller Stimmen als Sieger hervor, w&auml;hrend sein Gegenspieler, Lee Jae-Myung von der <em>Gemeinsamen Demokratischen Partei<\/em>, den Sieg um nur knapp 247.000 Stimmen verfehlte. Am 10. Mai tritt Yoon seine f&uuml;nfj&auml;hrige Amtszeit an.<\/p><p>Yoon profilierte sich im Wahlkampf mit einer Anti-Korruptions-Agenda und versprach, Eingriffe des Staates in die Wirtschaft zu reduzieren, Anreize f&uuml;r Unternehmen zu schaffen, die Rolle der Kernenergie zu st&auml;rken, den Bau von &uuml;ber zwei Millionen Wohnungen voranzutreiben und als strammer Antifeminist das Ministerium f&uuml;r Geschlechtergerechtigkeit und Familie abzuschaffen.<\/p><p>Au&szlig;enpolitisch beabsichtigt Yoon einen Kurs der &bdquo;Zwei Neins und ein Ja&ldquo;. Womit konkret gemeint ist, dass er k&uuml;nftig vis-&agrave;-vis Nordkorea als auch zur VR China &bdquo;Nein&ldquo; und gegen&uuml;ber der &bdquo;Schutzmacht&ldquo; USA ein &bdquo;Ja&ldquo; bekunden wird. Was gleichzeitig ein engeres politisch-diplomatisches Verh&auml;ltnis zu Tokio einschlie&szlig;t.<\/p><p><strong>Kehrtwenden stehen bevor<\/strong><\/p><p>In der US-amerikanischen Zeitschrift <em>&bdquo;Foreign Policy&ldquo;<\/em> ver&ouml;ffentlichten die beiden Autoren Kuyoun Chung und Andrew Yeo am 7. M&auml;rz einen Beitrag mit dem bezeichnenden Titel &bdquo;S&uuml;dkorea will mitspielen, nicht zuschauen&ldquo;. Chung, Assistenzprofessorin f&uuml;r Politikwissenschaften an der Kangwon National University in S&uuml;dkorea, und Andrew Yeo, Vorsitzender der SK-Korea Foundation und Senior Fellow an der Brookings Institution sowie Professor f&uuml;r Politik an der Catholic University of America in Washington, D.C., entwerfen darin eine Abkehr von der unter Pr&auml;sident Moon verfolgten Au&szlig;enpolitik, indem sie konstatieren:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Die s&uuml;dkoreanische Au&szlig;enpolitik wird oft als eine Entscheidung zwischen gemeinsamen Werten und wirtschaftlichen Interessen beschrieben. In S&uuml;dkorea wird diese Entscheidung oft so formuliert: &sbquo;Die Vereinigten Staaten f&uuml;r die Sicherheit und China f&uuml;r die Wirtschaft&lsquo;. Diese Dichotomie ist in einer Welt, in der Sicherheit und Wirtschaft miteinander verflochten sind und in der sich Werte mit strategischen Priorit&auml;ten und wirtschaftlichen Realit&auml;ten &uuml;berschneiden, weit weniger sinnvoll. S&uuml;dkoreas diplomatische Haltung der strategischen Zweideutigkeit &ndash; seine Zur&uuml;ckhaltung bei der Parteinahme in Rivalit&auml;ten zwischen Gro&szlig;m&auml;chten &ndash; ist in einer Zeit zunehmender geopolitischer Rivalit&auml;t zunehmend unhaltbar geworden.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Des Weiteren kritisieren die Autoren:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Die mangelnde Bereitschaft der Moon-Regierung, sich energischer gegen chinesische wirtschaftliche N&ouml;tigung, Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang und Hongkong und unrechtm&auml;&szlig;ige Souver&auml;nit&auml;tsanspr&uuml;che im S&uuml;dchinesischen Meer auszusprechen, hat den Anschein erweckt, dass S&uuml;dkorea weiterhin eine ausgleichende Rolle in Nordostasien spielen will. Doch das ist ein Rezept f&uuml;r Irrelevanz: Ohne klare Werte wird die Au&szlig;enpolitik S&uuml;dkoreas begrenzt und wenig &uuml;berzeugend bleiben.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Nach Meinung der Autoren und offensichtlich auch gem&auml;&szlig; den Vorstellungen des designierten Pr&auml;sidenten Yoon wird k&uuml;nftig eine weitaus engere Zusammenarbeit auf allen Ebenen mit Washington angestrebt, wie das j&uuml;ngst in deren formulierter <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81160\">Indo-Pazifik-Strategie<\/a> zum Ausdruck kommt.<\/p><p>Eine solche starre Fixierung auf die USA bedeutet tats&auml;chlich eine markante Kurs&auml;nderung. Moon Jae-In hatte wenigstens versucht, den engen politischen Man&ouml;vrierraum gegen&uuml;ber der &bdquo;Schutzmacht&ldquo; USA im Sinne eines unverkrampften innerkoreanischen Verh&auml;ltnisses zu nutzen. Nicht wenig, bedenkt man, dass es bis heute &ndash; 69 Jahre nach dem Ende des Koreakrieges, des ersten &bdquo;hei&szlig;en&ldquo; milit&auml;rischen Konflikts in der &Auml;ra des Kalten Krieges &ndash; noch immer keinen <em>Friedensvertrag <\/em>auf der Koreanischen Halbinsel gibt. Das lediglich seit Ende Juli 1953 geltende <em>Waffenstillstandsabkommen <\/em>(seinerzeit nicht einmal von S&uuml;dkorea unterzeichnet!) dokumentiert, wie volatil die Lage in der weltweit h&ouml;chstmilitarisierten Region ist und bleibt. Im Falle einer neuerlichen milit&auml;rischen Konfrontation auf der Halbinsel w&auml;re es ein US-amerikanischer Vier-Sterne-General (seit dem 2. Juli 2021 Paul J. LaCamera), der als Chef des sogenannten <a href=\"https:\/\/www.usfk.mil\/About\/Combined-Forces-Command\/\"><em>Combined Forces Command (CFC)<\/em><\/a> auch die Oberhoheit &uuml;ber s&auml;mtliche s&uuml;dkoreanischen Streitkr&auml;fte aus&uuml;bte.<\/p><p>Noch verf&uuml;gt S&uuml;dkorea &uuml;ber keine eigenen milit&auml;rischen Aufkl&auml;rungssatelliten und ist bei der &Uuml;berwachung strategischer Einrichtungen in Nordkorea auf die Spionagesatelliten der USA angewiesen. Das k&ouml;nnte sich unter dem neuen Pr&auml;sidenten Yoon &auml;ndern. K&uuml;rzlich erst f&uuml;hrte S&uuml;dkorea nach eigenen Angaben den ersten erfolgreichen Start einer Feststoffrakete durch, was als ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Erlangung eigener Weltraum&uuml;berwachungsf&auml;higkeiten gilt.<\/p><p><strong>Entspannteres Verh&auml;ltnis zu Tokio, wahrscheinliche Friktionen mit Beijing<\/strong><\/p><p>China und S&uuml;dkorea unterhalten seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor genau drei Jahrzehnten au&szlig;erordentlich enge wirtschaftliche Beziehungen. Die Volksrepublik ist das mit Abstand wichtigste Zielland f&uuml;r koreanische Waren. Allein im vergangenen Jahr entfiel ein Viertel aller koreanischen Exporte auf China. Die Vereinigten Staaten lagen mit 15 Prozent weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch auf der Importseite Koreas wider. So vermochten trotz THAAD starke chinesisch-s&uuml;dkoreanische Handelsbeziehungen zu &uuml;berdauern. Bleibt abzuwarten, wie die Reaktion Beijings im Falle einer von Seoul nunmehr avisierten Aufstockung von THAAD-Batterien ausf&auml;llt.<\/p><p>Was das s&uuml;dkoreanisch-japanische Verh&auml;ltnis betrifft, wird sicherlich eine Entkrampfung stattfinden, nachdem es in den letzten Jahren u.a. wegen der Problematik <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65771\">ehemaliger Zwangsprostituierter<\/a> (euphemistisch &bdquo;comfort women&ldquo; genannt) der Kaiserlich-Japanischen Arme w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Seoul und Tokio gekommen war. Der zeitweilig derma&szlig;en eskalierte, dass gegenseitige Boykottma&szlig;nahmen ergriffen wurden.<\/p><p>Bereits zwei Tage nach seinem Wahlsieg telefonierte Yoon mit Japans Premierminister Kishida Fumio und versicherte ihm bei der Gelegenheit laut &uuml;bereinstimmenden Medienberichten aus Tokio und Seoul:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Korea und Japan haben in der Zukunft viele Herausforderungen zu bew&auml;ltigen, wie z.B. Sicherheitsfragen in Nordostasien und wirtschaftlicher Wohlstand, daher sollten wir zusammenarbeiten, um die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden L&auml;ndern zu f&ouml;rdern.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Da Yoon die Pr&auml;sidentschaftswahl mit nur knapper Mehrheit gewann und die Opposition immer noch das Parlament kontrolliert, d&uuml;rften diese Avancen allerdings auf erheblichen innenpolitischen Widerstand sto&szlig;en.<\/p><p><strong>Starrheit in Bewegungen<\/strong><\/p><p>Was ist, was bleibt? Joe Bidens Nordkorea-Politik unterscheidet sich von derjenigen Trumps und &auml;hnelt eher dem von Pr&auml;sident Barack Obama verfolgten Kurs &bdquo;strategischer Geduld&ldquo;. Anstatt mit <em>&bdquo;<\/em>Feuer und Zorn&ldquo; zu drohen, erkl&auml;rte die Biden-Regierung wiederholt, sie sei <em>&bdquo;<\/em>zu einem Treffen ohne Vorbedingungen bereit&ldquo; und hege <em>&bdquo;<\/em>keine feindlichen Absichten gegen&uuml;ber der DVRK&ldquo;. Dennoch beharrt Washington auf einer verifizierbaren und vollst&auml;ndigen Denuklearisierung Nordkoreas, ohne im Gegenzug konkrete Lockerungen von Sanktionen in Aussicht zu stellen. Letztlich eine Politik, die wie in der Vergangenheit auch im ersten Jahr von Bidens Pr&auml;sidentschaft keinerlei Ergebnisse brachte.<\/p><p>So ist es sehr wohl m&ouml;glich, dass Pj&ouml;ngjang anl&auml;sslich des 110. Geburtstags des Staatsgr&uuml;nders und &bdquo;ewigen Pr&auml;sidenten&ldquo; Kim Il-Sung am 15. April und des Gr&uuml;ndungstages der Nordkoreanischen Revolution&auml;ren Volksarmee am 25. April aufs Neue &bdquo;starke Signale&ldquo; aussendet, um so die neue s&uuml;dkoreanische Regierung, die am 10. Mai ins Amt eingef&uuml;hrt wird, sowie die Biden-Administration vor den Zwischenwahlen im November in Zugzwang zu versetzen.<\/p><p><em><strong>Dr. Rainer Werning <\/strong> ist u.a. Ko-Autor dieser beiden Korea-B&uuml;cher: <a href=\"https:\/\/mediashop.at\/buecher\/korea-3\/\">Korea. Von der Kolonie zum geteilten Land<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/www.koreanbook.de\/deutsche-buecher\/nordkorea\/2389\/brennpunkt-nordkorea\">Brennpunkt Nordkorea <\/a><\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/bd80b9de665b465f9b169a4505c02131\" height=\"1\" width=\"1\" title=\"\" alt=\"\"><\/p><p>Titelbild: pablofdezr \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In S&uuml;dkorea &uuml;bernimmt im Mai mit Yoon Suk-Yeol ein neuer Pr&auml;sident die Amtsgesch&auml;fte im Blauen Haus, dem Seouler Regierungssitz des Staatsoberhauptes. Nach dem Ausscheiden des noch amtierenden Pr&auml;sidenten Moon Jae-In droht der innerkoreanische Dialog wieder aus den Fugen zu geraten. Immerhin war es Moon, der sich pers&ouml;nlich mehrfach mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un im Jahre<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82799\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":82800,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,172,190],"tags":[2035,379,1497,2143,2301,2274,1485,2146,1983,1556,3217],"class_list":["post-82799","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-wahlen","tag-abschreckungsstrategie","tag-china","tag-japan","tag-kim-jong-un","tag-konfrontationspolitik","tag-moon-jae-in","tag-nordkorea","tag-raketenabwehrschirm","tag-suedkorea","tag-usa","tag-yoon-suk-yeol"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/shutterstock_284478632.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82799","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=82799"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82799\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82829,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82799\/revisions\/82829"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/82800"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=82799"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=82799"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=82799"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}